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Thema: Im Baumarkt

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Im Baumarkt

    Kundschaft

    Sehen Sie, eigentlich bin ich nur ein exquisiter, ziemlich leicht zu behandelnder Myrrhzlprrrmpf, zahlungskräftiger Kunde, wie ihn sich jeder gute Kaufmann wünscht. Neulich im Baumarkt, Abteilung „Glück und Lebensfreude mit Ihrem Garten“ jedoch:

    „Edler Meister der Pflanzenbaukunde, mich drückt ein kleines Problem“, sprach ich laut und sehr verständlich den sicherlich fachlich gut ausgebildeten Mitarbeiter an, blutrothaariger Grünkittelpunky, der gerade bemüht, mit zitternden Händen vertrocknete Blätter aus Blumen und Zierfarn zu zupfen. „Ich habe ernste Störungen beim Wasserlassen, meistens auch Verstopfung, und da dachte ich mir, ob Sie vielleicht eine Sorte von kleinstämmigen Birnen- und Apfelbäumen haben, die auch im Wintergarten Früchte tragen? Denn Sie wissen ja: Post pirum da potum, post pomum vade cacatum!“
    „Wa-wa-was bitte?“ So der staunende Pflanzenjüngling.
    „Na ja, was die Birne für das Schiffen, ist der Apfel fürs Scheißen! Oder hat man Ihnen das hier nicht beigebracht?“ Ich bemühte mich, mir die Enttäuschung über die mangelhaften Kenntnisse nicht anmerken zu lassen, doch jemand kicherte, die Menge der Zuhörer wuchs, und das Blumenkind wirkte schwer überfordert.
    Das irritierte mich, meine Leber schwoll, und ich gab meinem Unmut Ausdruck: „Typisch Schulung Baumarkt! Nichts kennen und an nichts Interesse haben! War ja auch nicht anders zu erwarten, außer Sex und Drogen wollen die jungen Leute überhaupt nichts mehr annehmen. Und dann kaufen sie auch noch das teuere Scheißzeug, anstatt Scheibchen vom Amanita phanteria oder von der gemeinen Stinkmorchel zu fressen. Sie bekämen genauso rote Augen, und das Zeug wächst gleich um die Ecke, noch dazu völlig umsonst!“
    „Wo, wie, was meinen Sie damit?“ stöhnte der Verzweifelnde.
    „Pilze und deren halluzinogene und aphrodisische Wirkung“, belehrte ich ihn einigermaßen aufgebracht. Die Menschenmenge um uns herum amüsierte sich auf meine Kosten. Unverschämtheit, so hatte ich mir meinen Einkauf wahrhaft nicht vorgestellt. Ich würde diesen Markt der Mißachtung von Kundenwünschen auf keinen Fall einen meiner Freunde weiterempfehlen, zumal eine Art rotgeschwollener Geschäftsführer versuchte, dem Unglücklichen handgreiflich zu helfen.
    Ich wehrte mich selbstverständlich, schrie dem Gärtnerburschen an: „Wissen Sie was, Sie Botanikpflaume, wahrscheinlich haben Sie zwischen den Blattläusen zuviel gewichst und Ihr bißchen Hirn an die Gummibäume gespritzt!“ Und während sein Baumarktgott mich unter freudigem Johlen der Menge zum Ausgang stieß, brüllte ich noch einmal zurück: „Dagegen hilft Giftlattich, Schierling und weiße Seerose. Jawohl, weiße Seerose! Wirkt auch gegen Menstruationsstörungen!“
    „A a aber ich hab doch gar keine!“ schluchzte der völlig verstörte blutrothaarige Pflanzling.
    Damit wäre ihm fast das Abschiedswort geblieben, die Menschen applaudierten, für Unverstand ein logischer, geradezu großartiger Erfolg. Ich jedoch fand mich nicht weniger großartig, als ich bei meinem Rausschmiß aus dem Baumarkt noch die Frage in das Chaos warf: „Habt ihr Leutchen eigentlich eine Ahnung, welch wunderschöne Sachen ihr mit einer gewissen Patina und ein paar Samenkörnern vom Bilsenkraut in einer Sauna anstellen könnt? Nein? Saunen gibt es hier im Obergeschoß und Bilsenkraut in meiner exquisiten und fachlich hervorragenden Samenhandlung gleich auf der anderen Seite der Straße!“

    Sehen Sie, das ist heute Werbung. Die Menschen, die Männer wenigstens, strömten.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Im Baumarkt

    ein leider unbeachtet gebliebener glossarischer text, der durchaus das zeug für eine sonntagsbeilage hätte, würde er nicht einmal zu oft vulgärsprachliche elemente zu verwenden glauben müssen - eine kinderkrankheit bayrischer autoren: sie glauben, es sei lustig, wenn man derb-possenreißerisch auftritt

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