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Thema: Symphile

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post Symphile

    Symphile

    Anmerkung des Herausgebers:

    Die acht schmalen Tagebuchhefte, aus denen hier erstmals ein Auszug veröffentlicht wird, wurden mir durch die Erben von Doktor Elena Kuiper unter außergewöhnlichen Umständen zugespielt. Diese kurze Anmerkung ist jedoch nicht der geeignete Ort, jene Umstände näher zu erläutern. Es sei in diesem Zusammenhang auf die Gesamtausgabe der Tagebücher verwiesen, die ich für den kommenden Herbst vorbereite.
    Ich möchte allerdings an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, Frau Saskia Mendez, geb. Glass, meine tief empfundene Dankbarkeit für ihre selbstlose Hilfe auszusprechen. Ohne sie wäre es nie zu der folgenden Veröffentlichung gekommen.
    Die Tagebuchhefte der Dr. Kuiper, Allgemeinärztin mit dem Spezialgebiet Tropenkrankheiten, sind in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Sie geben einen Einblick in die Psyche einer erstaunlichen Frau, die zwischen 1917 und 1931 an mindestens zwölf ethymologischen oder botanischen Expeditionen ins Amazonasbecken teilgenommen hat. Dieses gigantische Flussbecken, das "Hyläa" Humboldts, mit den großen Seitenarmen "Salimoes" und "Rio Negro" und seinen unzähligen weiteren Zuflüssen hat mit seinen nahezu 25.000 km schiffbarer Wasserwege die Ausdehnung Europas und führt über vierzig Prozent des Süßwassers der Welt dem Atlantik zu. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der größte Teil dieses Gebietes "terra incognita" und auch heute noch finden sich hier die letzten weißen Flecken auf den Landkarten der Welt.
    Jede Expedition in diese undurchdringlichen, vom Gelbfieber verseuchten Dschungellandschaften, die in der Sprache der indianischen Ureinwohner "se poka sadda", d. h.: "grüner Tod" genannt werden, birgt eine Vielzahl von Beschwerlichkeiten und nicht abschätzbarer Risiken. Häufig war Dr. Kuiper die einzige Frau, die jene Forschungsreisen in der Rolle der Expeditionsärztin begleitete.
    Wer war also diese bemerkenswerte Person und welche Faszination trieb sie an?
    Leider sind heute nur spärliche biografische Details bekannt. Dr. Elena Kuiper wurde am 12. oder 14. Oktober 1894 in Paramariba in Surinam als Tochter des holländischen Zuckerrohrplantagenbesitzers Gysbert Kuiper und seiner Frau Dolores geboren. Nach einem Bankrott Kuipers wanderte er 1902 ins benachbarte Brasilien aus, wo er sich mit seiner Familie in Belem, der Hauptstadt des Bundesstaates Para an der Amazonasmündung ansiedelte und während des wirtschaftlichen Aufschwungs zur Zeit der Do-Rio-Branko-Diktatur leitender Direktor der Maranhäo-Gesellschaft wurde, die noch heute mit den Produkten der amazonischen Wirtschaft handelt.
    Elena Kuiper wuchs in großbürgerlichen und behüteten Verhältnissen auf. Ihr aufgeschlossener und wissenschaftlich interessierter Vater sorgte für eine fundierte Ausbildung seiner einzigen, außergewöhnlich sprachbegabten Tochter. Sie wurde der erste weibliche Student Brasiliens und promovierte 1916 an der Universität von Belem. Noch im gleichen Jahr trat sie eine Stelle als Assistenzarzt an der „Nossa Senhora das Mercäse-Klinik für Tropenkrankheiten an. 1918 begleitete sie erstmals in der Rolle des Expeditionsarztes eine amerikanische Forschungsreise, die am Unterlauf des Jurue nach Diamantenvorkommen suchte.
    Ihre Forschertätigkeit endete 1931. In diesem Jahr heiratete sie den Architekten Roberto Glass. Sie zog sich ins Privatleben zurück und brachte in rascher Folge vier Kinder zur Welt. Bei der Geburt des letzten, ihrer Tochter Saskia, starb Dr. Elena Glass, geb. Kuiper, am 2. Juni 1936 im Alter von 41 Jahren. Eine Lebensbeschreibung dieser von der wissenschaftlichen Welt vergessenen Lateinamerikanerin existiert bedauerlicherweise bis heute nicht.

    Da Dr. Kuiper in ihren Tagebüchern selten Jahreszahlen anführt, ist es leider nicht möglich, den folgenden Auszug zeitlich exakt einer Forschungsreise zuzuordnen, aber mehrere Hinweise lassen darauf schließen, dass es ihre leider unvollständigen Aufzeichnungen einer entomologischen Expedition aus den späten zwanziger Jahren sind.
    Weshalb ich mich trotz einiger editorischer Schwierigkeiten (in dem Tagebuch fehlen mehrere Seiten, viele Textstücke sind durch die Einflüsse von Zeit und Witterung und durch Insektenfraß nahezu unleserlich) gerade für diesen Auszug als Vorausveröffentlichung des Gesamtausgabe entschieden haben, liegt an dem fast unglaublichen Geschehen, über das Dr. Kuiper hier berichtet und der ungeheuerlichen Theorie, die sie aufstellt. Es ist eine Theorie, die auch heute noch das Fundament der abendländischen Wissenschaft erschüttern wird. Die Wahrhaftigkeit des Berichteten kann trotz aller verständlicher Skepsis kaum bestritten werden, wenn man den untadeligen Charakter der Ärztin in Betracht zieht und ihre wissenschaftliche Sorgfalt kennt.

    Auszug aus dem Tagebuchheft mit der Bezeichnung theta, Dr. Helena Kuiper:

    12. Tag:
    Luftdruck: 92 bar
    Temperatur: 36 °
    Luftfeuchtigkeit: 92 %

    Heute finde ich endlich die Zeit, meine Aufzeichnungen zu fortzusetzen.
    Ich erwachte am frühen Morgen so feucht, als hätte ich bereits ein Bad im Fluss hinter mich gebracht, was allerdings aufgrund der Alligatoren, der Piranhas, der Blutegel und der giftigen Wasserschlangen einem Selbstmord gleichkäme. Es ist in der Tat nicht einmal Schweiß, der die Haut bedeckt, sondern schlicht Kondenswasser. Schließlich habe ich mich inzwischen an die Hitze gewöhnt. Wie den anderen, so haben auch mir die zwei Wochen Vorbereitungslager in der Nähe von Jancarä gut getan, bevor uns der nette Pilot mit seiner wackligen Camel zur Mission Catholica das Arancho flog; diesem letzten Vorposten der Zivilisation, wo unsere einheimischen Helfer auf uns warteten und von wo aus wir mit unseren vier Booten den Rio Huanas flußaufwärts paddelten.
    Obwohl die Regenzeit noch nicht lange vorbei ist, hat wohl niemand von uns diese hohe Luftfeuchtigkeit erwartet. Es nimmt nicht Wunder, dass mehrere Expeditionsteilnehmer an Atemnot und Beklemmungen leiden und namentlich Professor Bergner gestern am frühen Abend eine leichte asthmatische Attacke hatte, die jedoch glücklicherweise schnell wieder abgeklungen ist. Selbst den Gepäckträgern macht die Feuchte zu schaffen, hier in unserem Lager im fast undurchdringlichen Ufergrün des Urwaldes, nachdem wir gestern nachmittag endlich auf den schiffbaren Flussarm gestoßen sind, nach dem wie so lange gesucht haben.
    Paco, der Sprecher der einheimischen Helfer, der bislang mein Zelt getragen hat, ein stämmiger, untersetzter Mann, der viel Indioblut in den Adern hat, war sehr besorgt über die hellbraune Färbung des Flusswassers. Das ist in der Tat ungewöhnlich, denn schließlich fließt der Rio Huana in den klaren Solimoes und nicht in den Rio Negro, der seinen Namen nicht umsonst trägt. Was Paco allerdings beunruhigt, habe ich nicht herausfinden können. Er murmelte etwas von schlechter Erde und verpesteter Luft. Nun, wer vermag schon zu sagen, was in seinem abergläubischen Gehirn vorgeht? Er hat leider einen großen Einfluss auf die anderen Träger. Hoffentlich steckt er sie mit seinen düsteren Mutmaßungen nicht an, schließlich stehen uns die schwierigsten Etappen der Expedition noch bevor. Eine Meuterei wäre hier fatal.
    Während ich schreibe, rinnt das Kondenswasser an der Innenseite meines Zeltes in kleinen Strömen herab und sammelt sich am Boden an der tiefsten Stelle unter meinem Feldbett mit dem Moskitonetz. Ich mache mir erhebliche Sorgen um meine medizinischen Instrumente und bete, sie trocken und sicher genug verpackt zu haben. Dieses Tagebuch bewahre ich in einer Zigarrenkiste auf, um die ich ein Wachstuch geschlagen habe. Dennoch wellt sich das Papier. Mir bleibt nur die Hoffnung, dass meine Eintragungen trotzdem leserlich bleiben und wir bald einen höher gelegenen und etwas trockeneren Landstrich erreichen.
    Bisher gab es außer ein paar Mückenstichen und dem verstauchten Knöchel von Ramon keine nennenswerten Krankheitsfälle. Wenn das nur so bleiben würde! Ein bislang eher lächerliches Problem kann sich allerdings in der Folge als ernstzunehmend herausstellen: Ich bin die einzige Frau, die diese Forschungsreise begleitet. Obwohl ich nicht unbedingt dem Schönheitsideal der Männer entspreche, bemerke ich, wie ich in den letzten Tagen verstärkt ihre Blicke auf mich ziehe. Auch daran trägt die Feuchtigkeit Schuld. Kaum gehe in dieser Schwüle drei Schritte, kleben mir bereits Hemd und Hose durchsichtig am Leib. Aber ich kann mich doch in dieser Hitze nicht wie eine Nonne einmummen, nur um ein paar aufdringliche Blicke auf meinen Busen zu verhindern! Wohlfink, Bergners unauffälliger, flinker Assistent, hat mir gestern nacht doch tatsächlich einen nahezu unverblümten Antrag gemacht und war wirklich beleidigt, als ich ihn empört von mir wies. Dabei ist er verlobt, der Professor hat mir das erzählt. Ich floh in das Zelt von Dr. Selkirk, mit dem ich bisher die Abende fachsimpelnd verbracht hatte. Er begleitet die Expedition, weil er hier im Urwald, an der Quelle allen Übels, nach einem Heilmittel gegen den "charon ebagatus" sucht, gegen den es noch immer keine Impfung gibt, obwohl Finlay und Reed bereits vor über dreißig Jahren die Übertragung des entsetzlichen Gelbfiebererregers durch Stechmücken entdeckt haben. Nun, Mücken findet Selkirk hier zur Genüge, auch die "aedes aegypti", nach der er in den frühen Morgenstunden, vollkommen in Gaze eingehüllt, vor seinem Zelt fahndet, um Virenstämme anzulegen, die er bislang erfolglos unterschiedlichen Planzenextrakten aussetzt.
    Leider scheint auch dieser kleine Schotte seit kurzem einer Affäre mit mir nicht abgeneigt zu sein und bemüht sich auffällig, aber in allen Ehren um meine Gunst. Von nun an werde ich wohl auch ihn meiden müssen. So etwas ist mir noch bei keiner meiner Expedition passiert. Es ist, als hätte jemand diesen Männern die spanische Fliege ins Essen gestreut.
    Es ist gut, dass wenigstens Bergner in einem Alter ist, in dem ihn seine Käfer und Arachniden mehr interessieren als meine durchsichtige Bluse. Der Professor fühlt sich trotz seines Asthmas hier wie im Paradies. Er ist nun auch wesentlich leutseliger als zu Beginn der Expedition und abends mit seinem stockenglischen Humor ein gern gesehener Unterhalter. Mit seiner nahezu kindlichen Begeisterung für seine entomologischen Entdeckungen hat er auch die Helfer angesteckt, die dauernd irgendwelche großen Insekten und Kriechtiere anschleppen. Bergner hat dadurch schon vierundzwanzig ihm unbekannte und unbeschriebene Insektenarten entdeckt, darunter einen wirklich hübschen, mehr als handtellergroßen Schmetterling, der dunkelblau bis violett schimmert. Bergner träumt sicher schon davon, das Tier hinter Glas mit dem beigefügten Namen "lepidopterus bergnerii" im Berliner Naturkundemuseum aufgespießt zur Schau zu stellen!

    16. Tag:
    Luftdruck: 94 bar
    Temperatur: 34 °
    Luftfeuchtigkeit: 89 %

    Ich habe heute Nacht sehr schlecht geschlafen. Das ist kein Wunder, denn mein Moskitonetz hat neuerdings ein winziges Loch, das ich nicht entdecken kann, durch das aber einige der blutsaugenden Quälgeister zu mir finden. Es war bereits zu spät, noch einmal aufzustehen und mich zum Schutz mit Petroleum einzureiben. Es wird allmählich Zeit, dass da mal jemand etwas besseres erfindet. In England zertrümmern sie das Atom und Flugzeuge fliegen über den Atlantik, aber niemand kann einen Mückenstich verhindern!
    Daher lag ich wach und kratzte mich langsam wund, als etwas sehr Seltsames und Unheimliches passierte: Gegen drei Uhr morgens stand plötzlich einer der Männer in meinem Zelt, durch die niedrige Decke halb über mich gezwungen. Da ich nur döste, bemerkte ich ihn sofort. Angestrengt spähte ich in die Finsternis, konnte aber anhand der Umrisse, die sich kaum von der Umgebung abhoben, nicht erkennen, wer es war. Im Dunkeln machte ich nur einen Schatten aus, der ein wenig schwärzer als die anderen Schatten war. Er stand unbeweglich vor meinem Feldbett.
    Ich hörte einen gleichmäßigen, aber schweren, rasselnden Atem. Ich weiß, ich hätte die Gestalt ansprechen sollen, vielleicht schreien, auf jeden Fall nach dem Sturmfeuerzeug greifen und die Lampe über meinem Bett entzünden sollen, aber ich hatte plötzlich Angst, eine existenzielle, würgende Angst. Ich fühlte mein Leben in Gefahr!
    Von diesem keuchenden Schatten ging eine unwirkliche Bedrohung aus, der ich mich am Besten nicht stellte. Ich dachte, wenn er bemerkt, dass ich nicht schlafe, dann tut er mir etwas Schreckliches an. Ich lag wie gelähmt auf meinem Bett, stellte mich schlafend und starrte in die Finsternis, die sich langsam um sich selbst zu drehen schien. Wieviel Zeit auf diese Weise verging, vermag ich nicht abzuschätzen. Es mögen eine Stunde, vielleicht auch nur wenige Minuten vergangen sein.
    Nun hörte ich ein leises Summen, ich brauchte eine Weile, bis ich begriff, woher es kam. Der Mann vor meinem Bett machte dieses Geräusch, diesen Ansatz einer einfachen, hypnotischen Melodie, ganz als wolle er ein Kind in den Schlaf wiegen. Dann flüsterte er ein paar Worte. Es war eindeutig portugiesisch, aber ich verstand nur weniges, denn das meiste verschluckte er murmelnd:
    „Meu pouco... mergulhou... eu come-lo-ei.... fao... de me com voce. Minha menina bonita...“, flüsterte er kaum hörbar, halb drohend, halb liebevoll. Trotz der stickigen, dumpfen Hitze im Zelt fror ich plötzlich. Diese Stimme! So viel Qual sprach aus ihr und gleichzeitig Wut, Drohung und zitternde Erregung. Die Worte hatten einen indianischen Zungenschlag, also musste es doch einer der Helfer aus Arancho sein, aber ich konnte nicht erkennen, wer da mit mir sprach. Weder Wohlfink noch Selkirk sprechen portugiesisch; ich bin nicht nur Ärztin auf dieser Mission, sondern auch Übersetzerin.
    War dieser große Schatten vielleicht Paco oder Juan? Ramon? Was bezweckte er? Wollte er mich töten?
    Der Mann im Dunkel bewegte sich, als hätte er meine Gedanken gehört. Er wich ein paar Schritte zurück. Dabei schien er, wenn ich es richtig sah, eine Hand zum Kopf zu heben, als würde ihm etwas bewusst.
    „Minha pouca luz do sol“, hörte ich noch. Hatte ich das richtig verstanden? Mein kleiner Sonnenschein? Fast hätte ich aufgelacht, biss mir aber im letzten Augenblick auf die Lippen. Trotzdem verstummte der Schatten sofort, rannte wie gehetzt aus meinem Zelt. Ich lauschte noch kurz den eiligen Schritten hinterher, dann war es wieder still.
    Ich lag lange bewegungslos und lauschte angestrengt, bis die schwarze Zeltbahn über mir endlich einen lichten grauen Schimmer bekam, der einen neuen Tag ankündigte. Ich machte Licht und trat vor mein Zelt, der Moskitos trotzend, die zu dieser Morgenstunde besonders aggressiv sind. Alles war ruhig, nur in Selkirks Unterkunft leuchtete eine Lampe, vor die ab und an ein Schatten trat. Anscheinend machte er sich für seine Mückenjagd bereit. Er war mit Sicherheit nicht mein nächtlicher Besucher, denn der ist viel größer als der kleine und dürre Insektenforscher gewesen. Ich leuchtete den Boden ab, doch die Fußspuren verrieten mir nichts. Achselzuckend flüchtete ich mich also zurück unter das Moskitonetz, hängte die Lampe über mich und nahm mein Tagebuch heraus, das ich in der letzten Zeit wieder etwas vernachlässigt habe. Darin zu schreiben, würde mich ablenken und beruhigen.

    Seit vier Tagen folgen wir nun mit unseren Booten dem engen Flusslauf. Unsere Reise wird von Tag zu Tag schwieriger. Waren es zu Beginn ein paar Stromschnellen und Untiefen, die wir an Land umständlich umgehen mussten, so scheint nun der Fluss selbst zu verschwinden, sich zu beiden Seiten unter der Wand des Ufergrüns zu verströmen und sich in eine morastige, dampfige Lake zu wandeln, durch die sich die Boote nur träge und widerwillig bewegen. Das immer trüber werdend Wasser ist eine Brutstätte von Krankheitskeimen und des ekelhaftesten Getiers. Darüber tanzt den ganzen Tag eine dunkle, pfeifende Wolke blutsaugender Insekten.
    Genau diese Umgebung scheint allerdings der Ort zu sein, den der Professor gesucht hat. Gestern am späten Nachmittag stürzte er völlig aufgelöst aus dem Busch, der die Ehre hatte, Ziel seiner wissenschaftlichen Aufmerksamkeit zu sein, seine Botanisiertrommel hielt er schützend gegen die Brust gedrückt. Im Lager angekommen, knickte er schwer keuchend in die Knie rang wie ein Erstickender um Atem. Erst nach einer guten halben Stunde, als sich sein Asthma gelegt hatte, zeigte er uns vorsichtig seinen Schatz.
    Es war ein mehr als faustgroßes Exemplar einer haarigen, äußerst langbeinigen Spinne. Wohlfing identifizierte sie fassungslos als eine Heteropodie aus der Gruppe der Megarachnen, eine Jagdspinne mit auffällig schwarz-weiß-gestreiftem Opisthosoma, die die Wissenschaft allerdings seit dem Karbon, also seit 330 Millionen Jahren für ausgestorben erachtet. Für Bergner ist diese Alaneida eine Sensation wie der kürzlich erfolgte Fang eines Quastenflossers vor der Ostküste Südafrikas.
    Nun, dieses Tier wird nicht mehr zur Arterhaltung beitragen, nachdem es der Professor sorgfältig präpariert hat. Und ich kann bei aller Begeisterung für denFund nicht behaupten, dass mir das Leid täte. Obwohl mir Bergner versichert hat, die Megarachne sei wahrscheinlich (!) für Menschen ungiftig, würde ich sie nur ungern in meinem Bett vorfinden. Die normalen Vogelspinnen, die gegen dieses Ungetüm winzig sind, die Schlangen, Skorpione und Giftfrösche reichen mir schon aus. Ich hoffe, Bergner hat genügend Nadeln dabei, um all diesem widerlichen Getier den Gar....

    Ich bin gerade bei meinen Aufzeichnungen gestört worden, weil Wohlfink aufgeregt in mein Zelt gerannt kam. Irgend etwas stimme bei den Bootsführern nicht, aber er könne nicht verstehen, was es sei. Ich folgte ihm also und fand unsere einheimischen Helfer heftig gestikulierend beisammen stehen. Ich nahm Paco beiseite und erfuhr von ihm, es würden zwei der Träger fehlen. Deshalb herrschte also die große Aufregung.
    „Hier im Dschungel stimmt etwas nicht, Doutor Kuiper“, erläuterte Paco so nervös wie nie, „etwas Falsches geht vor. Hier am Fluss lebt es. Es tötet Männer.“
    Mir fiel mein nächtlicher Besucher ein. Trotzdem gab ich mich skeptisch
    „Das ist doch Unsinn.“
    „Glauben Sie mir. Da ist schlechtes Wasser im Fluss. Esta - gua mü. Es stinkt und macht irre. Die anderen sagen, es sind Geister; estes säo maus“, versuchte Paco mich zu überzeugen. Also waren für die Einheimischen böse Flussgespenster am Werk. Natürlich dachte ich nach dem gestrigen Riesenspinnenfund an ein Raubtier oder eine Schlange.
    „Uma serpente do phyton? Non, Senhorita Kuiper, non. Es gibt keine Spuren. Die Männer sind verschwunden. Weg. Rauch über dem Fluss.“
    „Die Boote sind noch alle da?“ fragte ich. Paco nickte und hob die Hände, als wolle er wolle er den Beistand des Himmels erbitten.
    Ich ließ ihn einfach stehen und sah mich im Lager um. Es fehlte zwar kein Boot, aber neben Decken und Nahrung zwei Macheten und, wie Wohlfink entdeckte, aus einer aufgebrochenen Kiste ein Kompass. Damit erklärte sich wohl der nächtliche Besuch: Einer der beiden Flüchtigen hatte etwas in meinem Zelt gesucht, wahrscheinlich Medikamente oder Drogen. Ein Unbehagen blieb mir allerdings. Warum hatte er auf mich eingeflüstert?
    Auf jeden Fall waren die Flussgeister diesmal nicht die Schuldigen. Die zwei Männer hatten sich genommen, was sie brauchten und sich einfach zu Fuß quer durch den Dschungel abgesetzt. Sicherlich versuchten sie zurück in die Zivilisation, oder das, was sie dafür hielten, zu gelangen.
    Das ist weniger verrückt, als es sich anhört. Man spricht oft von der Undurchdringlichkeit des Urwaldes. Das ist aber ein Märchen, das sich phantasiebegabte Autoren wie E. R. Burroughs ausgedacht haben. In Wirklichkeit ist der Dschungel nur wenige Schritte hinter dem in der Tat sehr dichten Ufergrün so problemlos begehbar wie ein englischer Garten. Es gibt wegen des wenigen Lichts, das zum Boden hinab findet, kaum Unterholz und man geht die meiste Zeit bequem auf großen Mooskissen und weichen Schmarotzerplanzen. Allerdings muss man oft umständlich Lichtungen und Bäche umgehen. Dazu ist die Orientierung in dem dämmrigen Halbdunkel unter den wolkenkratzerhohen Urwaldbäumen, die weit über uns eine unerreichbare, abgeschlossene Welt für sich bilden, nahezu unmöglich und vor den dort lebenden Raubtieren sollte man sich auch in Acht nehmen. Gerade deshalb fahren die meisten Expeditionen wie auch unsere lieber auf den fieberverseuchten Flüssen, die aber einen deutlichen Weg markieren, auf dem man jederzeit umkehren kann.
    Ich ging wieder hinunter zu den Booten und teilte Paco meine Entdeckungen mit. Er sollte die Männer beruhigen; denn wir haben es nur mit zwei Meuterern zu tun. Das ist zwar ärgerlich, aber damit muss man bei jeder Expedition rechnen. Ein paar Männer, die sich absetzen, sind ein normaler Schwund. Das Geld lockt die Einheimischen und alle hoffen, in den unerforschten Flussläufen wie Diego Ludwig 1907 auf Diamanten und Gold zu stoßen. Wenn es ihnen dann aber zu anstrengend wird, sehnen sie sich zurück in ihre Hängematten, wo sie den Tag verträumen und sich von ihren Frauen gekühltes „chicha“ servieren lassen, jenes trübe Maisbier, das hier mehr Existenzen vernichtet als Gelbfieber und Malaria zusammen.
    Das Halbblut musterte mich neugierig.
    „O que voce diz. Ich werde es den Männern erzählen. Ich weiß nicht, ob sie sich beruhigen lassen.“
    Er machte eine dramatische Pause.
    „Merken Sie denn nichts, Senhorita Doutor? Es liegt etwas in der Luft. Sehen Sie sich die Männer an. Etwas ist da; etwas Böses. Es ist besser, wir kehren um.“
    Mir diesen Worten ließ Paco mich stehen. Ich schüttelte über so viel Aberglauben den Kopf.
    Ein paar Vögel schreckten plötzlich am anderen Ufer des Flusses in die Höhe. Affen kreischten. Vielleicht hatte sie ein Panther erschreckt. Trotzdem starrte ich hinüber. Und da hatte ich auch das Gefühl. Es war ein hohles Ziehen über meiner Nasenwurzel. Jemand beobachtete uns. Fast vermeinte ich ihn flüstern zu hören:
    „Minha pouca luz do sol.“

    [Fortsetzung folgt bald]
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  2. #2
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    AW: Symphile

    Freund Klammer,
    eine Meuterei wäre nun fatal.

  3. #3
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Symphile

    skurril?
    kaum, hängt im bodenblech
    wirkt ein wenig konstruiert, was hier eine tödsünde ist

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Symphile

    Liebe Leser,

    trotz des vernichtenden Urteils von rodbertus, der Text hinge im Bodenblech (was immer das auch heißen mag), habe ich einen weiteren Teil der Geschichte oben angehängt, speziell für Hannemann, der verstanden hat, was ich hier schreibe: Eine Geschichte, die nicht durch ihre Botschaft erdrückt wird. Mir zumindest macht es Spaß, diese leichte Sommergeschichte zu schreiben.

    Noch eine Anmerkung. rodbertus hat geschrieben, die Geschichte wirke konstruiert, das liegt wohl an dem Versuch, ihr Lokalkolorit zu geben.
    Die Geschichte stellt jedoch nicht den Anspruch, wahrhaftig zu sein. Wenn mir die Realität nicht passte, habe ich sie verändert. Also, liebe Erbsenzähler und Beckmesser: Belem hat z. B. erst seit 1957 eine Universitäund der Quastenflosser wurde erst 1937 entdeckt. Wer findet die anderen Lügen?

    Gruß, Klammer
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  5. #5
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    AW: Symphile

    Bedanke mich für Dein Denken an, im schweißgebadeten Moment verzieh ich mich jedoch erst einmal unter den Gartenschlauch, bevor ich mir das Lesevergnügen gönne.

    Quastenflosser hatte ich noch nicht auf der Pfanne, diverse nahe Anverwandte schon.

    Ich glaube Dir mal die Fremdwörter bezüglich der Spinnen, bin einfach zu faul, jetzt noch in Lexikas zu blättern. Aber aus dem Gefühl heraus verbinde ich Megarachnen - lat. aranca die Spinne, dann müßte es aber Megaarachnen heißen, pfui Spinne oder spinn ich?- eher mit den Einwohnern der Stadt Megara denn... und der liebe Otto Hahn, Kernspaltung im Engelland? Weiß ich nicht, bin kein guter Kandidat für Jauch.

    Es ist spannend, obwohl man ahnt, trotzdem wissen will. Im letzen Teil hatte ich den Eindruck, Du verplauderst ein wenig mit Randwissen.
    Jetzt mach voran, edler Klammer! Du weißt, in Kürze will ich auf die Insel. Wie sollte ich da ohne spezielles Spinnenwissen auskommem, wie diese Heteropoden grillen? Was dazu trinken, und womit kühlen die Insulanerinnen ihr "chicha"?

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Symphile

    Lieber Hannemann,

    die Fortsetzung, das ist dann der vorletzte Teil, folgt am Wochenende. Schneller kann ich beim besten Willen nicht schreiben, da mich auch meine Arbeit eben etwas in Atem hält. Und auf Sardinien gibt es sicher auch Internet (gabs ja sogar auf dieser Insel da drunten, wie hieß die noch? "Koma mei" ( so wie "mon repos")?)
    Zur Megarachne (war ihnen wohl zu blöd, die Spinne Mega-Arachne zu nennen):
    www.fortunecity.de/lindenpark/wittgenstein/30/RekordederUrzeit.html

    Zum Atom:
    Ernest Rutherford, 1919

    Das Maisbier "chicha" wird lt. National Geografic warm (!) getrunken, das sei das Beste bei der Hitze. Naja, ich nehme mal an, es schmeckt dann wie Hühnerpisse.
    Ob man außer der legendären mexikanischen Gewürzspinne Heteropoden essen kann, will ich bezweifeln. Ich denke, dass die wie Popkorn knacken, wenn man sie erhitzt.

    Du ahnst schon wo's lang geht? Respekt!

    Gruß, Klammer


    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 25. Juni 2002 editiert.]
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  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Symphile

    erstellt von Klammer: Die acht schmalen Tagebuchhefte, aus denen hier erstmals ein Auszug veröffentlicht wird, wurden mir durch die Erben von Doktor Elena Kuiper unter außergewöhnlichen Umständen zugespielt. Diese kurze Anmerkung ist jedoch nicht der geeignete Ort, jene Umstände näher zu erl?utern.
    willst Du als umständlich gelten?
    Es sei in diesem Zusammenhang auf die Gesamtausgabe der Tagebücher verwiesen, die ich für den kommenden Herbst vorbereite.
    Ich möchte allerdings an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, Frau Saskia Mendez, geb. Glass, meine tief empfundene Dankbarkeit für ihre selbstlose Hilfe auszusprechen. Ohne sie wäre es nie zu der folgenden Veröffentlichung gekommen.
    Aber nun ist gut. Das nimmt ja parodistische Züge an. Stell Dir vor, Du würdest das hier ganz knapp halten! Würde das die Neugier des Lesers nicht stärker entfachen? Ob Du als Autor einen Erzähler brauchst, weiß ich nicht. So ein Erzähler ist immer ein wenig vorlaut.
    Die Tagebuchhefte der Dr. Kuiper, Allgemeinärztin mit dem Spezialgebiet Tropenkrankheiten, sind in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Sie geben einen Einblick in die Psyche einer erstaunlichen Frau, die zwischen 1917 und 1931 an mindestens zwölf etymologischen oder botanischen Expeditionen ins Amazonasbecken teilgenommen hat.
    Wir sind immer noch auf der Ebene LAUDATIO mit Nebensatzmacke.
    Dieses gigantische Flußbecken, das "Hyläa" Humboldts, mit den großen Seitenarmen "Salimoes" und "Rio Negro" und seinen unzähligen weiteren Zuflüssen hat mit seinen nahezu 25.000 km schiffbarer Wasserwege die Ausdehnung Europas und führt über vierzig Prozent des Süßwassers der Welt dem Atlantik zu.
    Danke. Jetzt weiß wirklich jeder mehr über den Urwald in Brasilien. Und Du hast wieder ein paar Perlen eingestreut, die nun zwischen den Zähnen hängen und das Lesen (als Verdauungsvorgang gedacht) erschweren. - Andererseits nehme ich Dir die Textsorte "Reisebericht" nicht wirklich ab.
    Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der größte Teil dieses Gebietes "terra incognita" und auch heute noch finden sich dort die letzten weißen Flecken auf den Landkarten der Welt.
    Dort?

    Das ist eine Lesart, die des auf effizienten Einstieg getrimmten Lesers, der hier schon abgeschaltet hätte. Junge und unerfahrene Leser würden jetzt vielleicht denken, sie seien in einem Lehrbuch gelandet, und die phantasiebegabten Mitleser würden sich fragen, warum in den Bäumen keine Affen hingen? Oder dergleichen.
    Aber vielleicht wird es ab Seite 72 interessant, wenn ich es bis dahin schaffe.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Symphile

    Keine Sorge, Robert, 72 Seiten werden es nicht.
    Aber was sagen die anderen? Ist dieser Einstieg, der Glaubwürdigkeit und Echtheit suggerieren soll, tatsächlich zu lang (eine knappe Buchseite)? Und muss ein Herausgeber nicht eine Laudatio anstimmen, denn schließlich will er seine Autorin ja verkaufen?
    Soll ich gleich mit den Tagebuchaufzeichnungen beginnen?
    Ist denn wirklich zu viel Bildung drin? Gibt das dem Ganzen nicht das Lokalkolorit, das es braucht?
    Bei "dort" hast du recht, Robert, ich habe es geändert.

    Gruß, Klammer

    ...und warum bewundert eigentlich niemand mein Pidgin-Portugisisch, das ich mir extra wegen dieser Geschichte momentan per Lern-CD aneigne?

    Voce - tolos aborrecidos.
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  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    26

    AW: Symphile

    Jede Expedition in diese undurchdringlichen, vom Gelbfieber verseuchten Dschungellandschaften, die in der Sprache der indianischen Ureinwohner "se poka sadda", d. h. "grüner Tod", genannt werden, birgt eine Vielzahl von Beschwerlichkeiten und nicht abschätzbarer Risiken. Häufig war Dr. Kuiper die einzige Frau, die jene Forschungsreisen in der Rolle der Expeditionsärztin begleitete.
    Wer war also diese bemerkenswerte Person und welche Faszination trieb sie an?
    Ich hab's. Ein Bericht. Das ist ein Bericht! ]QUOTE]Leider sind heute nur spärliche biographische Details bekannt. Dr. Elena Kuiper wurde am 12. oder 14. Oktober 1894 in Paramariba in Surinam als Tochter des holländischen Zuckerrohrplantagenbesitzers Gysbert Kuiper und seiner Frau Dolores geboren. Nach einem Bankrott Kuipers wanderte er 1902 ins benachbarte Brasilien aus, wo er sich mit seiner Familie in Belem, der Hauptstadt des Bundesstaates Parä, an der Amazonasmündung ansiedelte und während des wirtschaftlichen Aufschwungs zur Zeit der Do-Rio-Branko-Diktatur leitender Direktor der Maranhäo-Gesellschaft wurde, die noch heute mit den Produkten der amazonischen Wirtschaft handelt.[/quote]ich fühle mich erschlagen, muß ich das?
    Elena Kuiper wuchs in großbürgerlichen und behüteten Verhältnissen auf. Ihr aufgeschlossener und wissenschaftlich interessierter Vater sorgte für eine fundierte Ausbildung seiner einzigen, außergewöhnlich sprachbegabten Tochter, die dann auch der erste weibliche Student Brasiliens wurde und 1916 ihren Doktor an der Universität von Belem machte.
    also, IHREN DOKTOR MACHTE ... gräßlich, läßt auf wechselnden Erzählmodus schließen
    Noch im gleichen Jahr wurde sie Assistenzarzt an der "Nossa Senhora das Mercäs"-Klinik für Tropenkrankheiten. 1918 begleitete sie dann ihre erste Expedition, ein amerikanisches Forscherteam, das am Unterlauf des Juru nach Diamantenvorkommen suchte.
    langweilige Konstruktion, zudem sich wiederholend, geht das nicht anders?

    Ich bin von diesem wechselseitiug als Bericht und Reportage heranwabernden Koloß immer noch nicht begeistert. Eines aber konzediere ich: Systematik.

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Symphile

    Lieber Robert,

    jau, am Anfang ist es ein "Bericht".
    Jau, du sollst dich ein wenig erschlagen fühlen, denn das will der Herausgeber. Er will dich mit seinem Wissen beeindrucken. (Du erschlägst doch auch gerne die Leute.)
    Ansonsten hast du recht: Die Textwiederholung und den "gemachten" Doktor muss ich ändern - danke.

    Schade, dass sich sonst niemand zu diesem Text äußert.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Symphile

    Hi, Klammer, Du schreibst ein fast edles, flüssiges, gut leserliches, manchmal wohl bewusst etwas gestelztes Deutsch, verfängst Dich aber meines Erachtens in Pseudodokumentarismus und Rollenprosa. In diesen ausschwingenden Sätzen soll eine ringsum bedrängte Forscherin im Urwald sich zeitraubend über ihre Situation äußern? Da muss viel mehr Kürze rein, das typische Tagebuchweglassen des "ich", Abkürzungen, Pseudonyme (Tagebücher werden immer in Angst vor unbefugter Lektüre geschrieben - gerade, wenn's persönlich oder gar intim wird). Davon spür ich zu wenig, um wirklich einzusteigen... Als Erzähler, die Frau in der 3. Person, und Du streust gelegentlich Pseudozitate ein - hättest du viel mehr Freiheit. Irgendwie empfind ich Dich als eingemauert in eine zu enge Konzeption. Aber vielleicht bin ich momentan auch zu sehr mit meinem eigenen Stoff beschäftigt.

    Kollegialer Gruß
    Quoth

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Symphile

    Hallo Quth,

    schön, von dir hier zu hören. Dass diese Geschichte nicht allzu realistisch ist, trotz oder gerade wegen des Pseudo-dokumentarischen, ist natürlich wahr. Das Ganze mündet auch in einer Utopie, von der ich jetzt noch nicht viel verraten will. Von diesem Ende her gesehen, machte der Stil für mich hier Sinn.
    Im übrigen ist dies eine Fingerübung, wie ich sie häufig im Forum veröffentliche. Das kann jedoch keine Entschuldigung sein, wenn du die Geschichte ein wenig langweilig findest, denn genau das soll sie nicht sein.
    Ich werde wohl noch einiges überarbeiten müssen.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  13. #13
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    AW: Symphile

    Hallo Klammer,
    ich habe mir jetzt nicht die anderen Antworten durchgelesen.
    Den Anfang finde ich zu ausschweifend, vor allem diese vielen Namen. Das macht direkt müde, lässt natürlich an einen sehr korrekten Verleger denken. Also nicht inhaltlich, sondern ein wenig kürzer würde ich mir das wünschen. Möglich wäre auch eine 2 teilung, kurze Einführung, erstes Kapitel, weiter mit dem Verleger... 2. Kapitel.

    Gut finde ich beim Tagebuch die exakten Aufzeichnungen zu Beginn, Temperatur usw. Aber hier fangen auch die Schwächen an. Es ist zu durchgängig "literarisch" geschrieben. In einem Tagebuch sollte es kurze Sätze geben, auch einzelne Worte. Es würde auch die noch spannender machen. Die Frau Doktor schreibt da keinen Roman, sie macht unter schlechten äußeren Bedingungen, Aufzeichnungen. Es gibt da etliche Stellen, die würde man nicht so ins Tagebusch schreiben, außer man wäre sicher, es würde hinterher veröffentlicht. Der Reiz, hier zu der TB Form zu greifen, muß durch den Stil unterstützt werden. Es sei denn, Du willst eine Geschichte schreiben, die so tut, als sei sie ein TB. Die Frau redet auch zu freizügig über Sexualität. Dar würde sie nicht tun, auch wenn sie studiert hat. Sie ist ehrbar. Dursichtige Bluse würde sie vermeiden. Sie wirkt nicht sinnlich, das ist auch gut so. Ich finde die Geschichte spannend, aber ich würde wirklich mehr an der Form machen, mit ihr spielen. Schlechte Tage, wenig Information usw- Sie hat ihre Tage (angedeutet) schlechte Laune, nur kurze Bemerkungen usw.

    Grüße

    Kyra

    PS. Das soll jetzt nicht heißen, daß Du auch etwas zu meinem Text sagen sollst. Er ist noch klein und wacklig, also Anregungen nehme ich gerne an, aber nocht will ich keine wirkliche Kritik.

    PPS ich denke morgen komme ich zu Deinem anderen Text

    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 03. Juli 2002 editiert.]

  14. #14
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Symphile

    Das "bald" aus dem Ötzi ist vergangen. Das Bald hat auch seine Zerfallszeit; es ist weiterausgreifend als das Gleich, aber kürzer als das Später.

    Ich glaube, Klammers Fingerübung von 2002 erwies sich als Rohrkrepierer. Aber so ist das wohl, auch die Rohrkrepierer zeigen dem lernwilligen Autoren, wo seine Grenzen liegen resp. was er ändern muß, um beim nächsten Versuch erfolgreicher zu sein.

  15. #15
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Thumbs up AW: Symphile

    Tja, mein lieber Robert,

    so kann man sich täuschen. Ich bin nicht George R. R. Martin. Ich beende meine Romane.

    Aus dem kleinen Text "Symphile" hat sich meine Roman-Trilogie in 5 Teilen - "Dr. Geltsamers erinnerte Memoiren" - entwickelt, deren 3. Fortsetzung noch in diesem Sommer als E-Book und als Taschenbuch im Handel erscheinen wird. Teil 1 (der die "Symphilen" enthält) und Teil 2 sind die beliebtesten und erfolgreichsten Bücher, das ich je geschrieben habe und sie haben bei meinen Lesern ausschließlich überschwängliche Kritiken erhalten (Schau doch mal bei Amazon nach).

    Nochmal: Ich habe hier im Wolkensteinforum nie einen meiner längeren Texte oder gar einen Roman gepostet - höchstens mal einen Anfang oder einen Ausschnitt. Warum sollte ich das auch tun? Hier war mal ein Literaturforum und keine Plattform für Veröffentlichungen. Den Rohrkrepierer nehme ich dir wirklich übel. Vielleicht solltest du, bevor du so etwas schreibst, mal ein wenig auf meinem Blog recherchieren (wo gerade jeden Mittwoch ein Stück des 3. Geltsamer-Teils erscheint):

    https://klammerle.wordpress.com/2018...-roman-teil-1/

    Aber wahrscheinlich - und ich verdenke dir das auch nicht - ist es dir ja egal.

    Grüße, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  16. #16
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Symphile

    Das freut mich für Dich, daß Du mit einem Deiner Texte einen schönen Erfolg feiern konntest. Ich recherchiere nicht, was aus einem einst hier eingestellten Buchanfang geworden ist, sondern betrachte ihn so, wie er sich hier darstellt. Und nach dem von Dir angekündigten [Fortsetzung folgt bald] kam nichts mehr. Werlche Schlußfolgerung als die, daß es keine gab, soll ich daraus ziehen? Und wenn etwas angefangen, eine Fortsetzung angekündigt und dann ausbleibt, dann darf das als "Rohrkrepierer" bezeichnet werden. Das bedeutet ja nicht, daß es einer gewesen sein muß; es stellt sich nur so dar.

    Wenn ich allerdings daran denke, wie viele Bücher erst viele Jahre nach Veröffentlichung Bedeutung erlangten, zu Lebzeiten des Autoren aber verrissen wurden, gibt mir das zu denken, also als Kritiker zu denken. Vielleicht haben zu Deinem Erfolg die hier abgedrucken Kritiken beigetragen, die ja nun wahrlich kein Loblied auf Deinen Eingangstext singen? Doch darüber zu spekulieren, ist müßig.

    Bleiben wir beim Positiven: Es freut mich, daß dieses Projekt kein Rohrkrepierer blieb, sondern Du einen schönen Erfolg erzielen konntest, obgleich Du es selber nur als "Fingerübung" bezeichnetest.

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