Lebten anfangs des 19. Jahrhundert noch ca. 175 Millionen Menschen in Europa, so waren es 1914 beinahe 450 Millionen. Diese Entwicklung war bislang ohne historisches Beispiel und besitzt ihre Ursachen im industriellen und hygienischen Fortschritt. Die Geburtenrate lag im Reich um 1880 bei 3,75% p.a., in England und Rußland sah es ganz ähnlich aus. In Frankreich herrschte politische Agonie, was sich auch auf die Bevölkerungsentwicklung auswirkte; Irland war geprägt von starken Auswanderungsschüben und nahm daher in seiner Bevölkerungszahl ab. Gab es um 1810 in ganz Europa nur 46 Städte mit mehr als 50000 Einwohnern, so hatte allein das Reich um 1910 bereits 48 Städte mit mehr als 100000 Einwohnern. Urbanisierung. Verstädterung, insbesondere in den Industriegebieten, wo sich die aus den ländlichen Gebieten abwandernden ungebildeten landlosen Bauern sammelten und angesichts prosperierender Industriekerne auf ihre Chance hofften, selbst als Ungebildete.
Die Wissenschaft blühte. Man dachte verstärkt daran, die theoretischen Ergebnisse auch praktikabel zu machen und damit materielle Bedürfnisse zu befriedigen. Ein neuer Zugang zum Leben. Eisen, Kohle, Elektrizität, Dampf und künstliche Dünger wurden bestimmend im Alltag der meisten Menschen. Die menschliche Arbeit wurde zum Teil der maschinellen. Die Natur zum Objekt der Ausbeutung, zum Gegenstand, den es zu erobern und zu nutzen galt. Wer zuerst kam, der bestimmte die Regeln, Spätere wurden bekämpft, verdrängt, vernichtet. Technik überall, die das organische Ganze neu durchwob und allmählich ersetzte. Die Versachlichung der Welt. Ein Hang zur Gleichmacherei. Produkte wurden zu Massenartikeln, alle gleich genormt, gleich beschaffen, zum Massenverzehr bestimmt. Massen an täglichen Druckerzeugnissen bestimmten die Meinung; der Raum verdichtete sich durch zahlreiche Verbindungslinien (Schiene, Kabel, Telephone, Dampfer und bald auch Automobile) und der einzelne Arbeiter produzierte am Ende des Jahrhunderts mehr als Tausende am Anfang. Europa und Nordamerika wurden zum Zielort der Warenbewegungen. Aus den Kolonien strömten Rohstoffe herbei, die verarbeitet und mit viel Gewinn verkauft wurden. Ausbeutung überall.

Todesfälle Mehr Geburten
als Todesfälle (auf 1000)
1881 bis 1890 26,5 11,7
1891 bis 1900 23,5 13,9
1901 bis 1910 19,7 14,3

Die Bevölkerung des Deutschen Reiches vermehrte sich in den dreißig Jahren von 45 auf 65 Millionen.
Noch schneller vollzog sich die Bevölkerungsvermehrung in den Ländern, die große Massen von Einwanderern an sich zu ziehen vermochten. So betrug die Bevölkerung der Vereinigten Staaten:

Millionen Millionen
1880 50,1 1900 75,9
1890 62,8 1910 91,9
(Otto Bauer: Die Teuerung. Berlin 1912. S. 7 ff.)

Wachstum in Industrie, Handel, Wissenschaft. Elektrische oder mit Dampfkraft betriebene Maschinen ermöglichten Produktionsziffern, die im manufakturiellen Zeitalter undenkbar gewesen wären, somit auch die Notwendigkeit ihres Verkaufs und damit das nötige Geld in den Händen der Käufer notwendig machten. Der Einsatz antiseptisch wirkender Seife um 1870 gab der sowieso schon rasanten Entwicklung noch einen zusätzlichen Impuls. Die verbesserte Hygiene, Erfindungen und Entdeckungen in der Medizin ließen die Menschen älter werden, verringerten zugleich die Säuglingssterblichkeit und bewirkten eine dato unbekannte Bevölkerungsvermehrung. Das Wachstum der Bevölkerungszahl führte zur Verstädterung (1814: 46 Städte über 50000 Einwohner; 1914: 179 Städte über 100000 Einwohner), dies wiederum zu verstärkter Arbeitsteilung, mehr Dienstleistungen und unklareren Sozialbeziehungen als die einfachen und in Jahrhunderten gewachsenen auf dem Lande, führte zu übermäßigem Leistungsdruck und verengter Enge, überbordenden Glückserwartungen und verlorengegangenen Sozialbindungen, zu Entfremdung und dem Drang in die Ferne, dort das Glück zu finden, das im Gedränge des europäischen Kleinstaates nicht zu finden war: Millionen aus allen Teilen Europas drangen in die Welt, nach Amerika zuerst, aber auch nach Australien und Afrika, nach Indien oder Südamerika. Es waren zumeist die Unterprivilegierten, die in die Neue Welt wollten, ausgestattet mit Mut und Tatendrang, um andernorts einen Neuanfang zu wagen. Sie nahmen ihre Glücksvorstellungen mit in die Neue Welt und ein Gutteil Wut, die sie an den Ureinwohnern in Amerika, Asien oder Afrika abkühlten.Das Bevölkerungswachstum in Europa/Amerika bildete eine Voraussetzung für weitere Entwicklungen, für die bis heute anhaltende Vorherrschaft der europäisch-amerikanischen Zivilisation über die Welt. Zu dieser Voraussetzung traten europaweit durchgesetzte politische Veränderungen: die Auflösung feudaler Bindungen, verbesserte Transportwege, ein steigender Bedarf an billigen Arbeitskräften in den anschwellenden Industriezentren und die Minderung der Bedeutung konfessioneller und traditioneller Bindungen im Familien- resp. Sozialverbund.
Die Ausmessung der Welt war um 1850 weitgehend abgeschlossen, die Forschung verlegte sich auf die inneren Kräfte, das, was die Dinge zusammenhielt oder auseinandertrieb. Umwälzende Erkenntnisse in allen Bereichen der Wissenschaft, die zunehmend nach Anwendung riefen, also Ingenieure benötigten, Produktivkräfte und Maschinen, um die materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. All das lag schon im Keim VOR dem Imperialismus und der industriellen Revolution. Eisen, Kohle, Dünger, Rohrzuckerersatz, künstliche Farben, Dampf, Elektrizität, Gas: die menschliche Arbeit wurde neu definiert, Massenproduktion, Massenquartiere, Herauslösung des einzelnen aus seinem Familienverbund. Die Technik wurde wichtiger als das organisch gewachsene Miteinander der Dinge und Verhältnisse. Die lebendige Natur wurde zur Dienerin, die die Rohstoffe bereitstellen mußte, das Beste wurde verarbeitet, der Abfall ungefiltert an Mutter Erde zurückgegeben durch Schlote in die Atmosphäre gejagt. Aus Lebendigem wurde Totes geschaffen. Die Kosten trugen die Nachfahren, die Erde und der dumm gehaltene Lohnsklave der Werkhalle oder des Büros. Die Person trat hinter die Sache zurück, Quantität wurde wichtiger als Qualität, das Schnelle genoß mehr Ansehen als das Betuliche: immer schneller, höher, weiter, mehr!
Es mag protestantische Erwerbsethik genannt werden, doch greift diese Erklärung zu kurz, da auch katholische, religiös-indifferente und jüdische Forscher und Erfinder ihre Anteile am allgemeinen Forschungsdrang besaßen. Es fällt allerdings auf, daß weder asiatische noch afrikanische oder südamerikanische Anteile am technischen Fortschritt jener Tage existieren. Das mag nicht nur an deren allgemeinen Entwicklungsstand gelegen haben, gar an Finanziellem, denn in China, Indien, Brasilien oder Japan gab es nicht wenige sehr reiche und auch an Industrieentwicklung interessierte Unternehmer, es könnte also eine Frage des Kulturkreises sein. Auch die nationelle Brille hilft hier nicht bei der Schaffung eines Überblicks, zumal bei etlichen Erfindungen und Entdeckungen kaum der Erstanstößer ausgemacht werden kann [z.B. Seife (Semmelweis vs. Lister), Flugzeug (Lilienthal vs. Wright), Film (Lumiere vs. Skladanowsky), Telephon (Reis vs. Bell)] und die Forscher vielmehr einander in einer Art supranationaler Arbeitsgemeinschaft bei der Formulierung von Patenten befruchteten, aber auch gegenseitig ausstachen. Besonders aktiv waren die Deutschen, die an beinahe allen Erfindungen und Entdeckungen führend beteiligt waren. Im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg steigerte sich das Tempo der Erfindungen und damit die Möglichkeiten zur Ausbeutung derselben noch einmal: Röntgen, Radioaktivität (Curie, Rutherford, Meyer), Funktechnik (Meißner), Kraftfahrzeuge (Otto, Diesel), U-Boot-Bau (Berling), Luftschiffbau (Zeppelin).
Technischer Fortschritt, veränderte politische und soziale Rahmenbedingungen und eine nachlassende numinose Bindung an tradierte Lebensmuster führten zum postmodernen Menschentypus, schufen den rationalisierten homo oeconomicus, einen dato unbekannten Menschentypus, der in den armen Schichten genauso vorzufinden war wie in den reichen. Mehr als jemals zuvor war es nun möglich, aus Armut und Not zu Reichtum und Wohlstand zu gelangen. Zeitnah verlor die christliche Gemeinschaftsfürsorge an Bedeutung, da rationale und sozialdarwinistische Vorstellungen das einst in der feudalen Schicksalsgemeinschaft verortete Gemeinschaftswesen aus eben jener herauslösten, es in Freiheit setzten und einer Selbstverantwortung überließen, die nur wenige wahrnehmen konnten. So geriet der Staat zunehmend in die Rolle des Fürsorgers, was in deutschen Landen Hegels Staatsphilosophie wegen stärker entwickelt, in anderen Industrienationen aufgrund des fehlenden Verständnisses einer romantischen Staatsauffassung eher vernachlässigt wurde.
Europa und Amerika nahmen die Waren der Welt auf: Lebensmittel, Rohstoffe, Gold, Öle, Faserstoffe und dergleichen mehr schipperten über die Ozeane und füllten die Kontore, Silos und Lagerhallen transatlantischer Handelsgesellschaften, die die Preise machten. Verflechtung der Volkswirtschaften, insbesondere im engen Europa, wozu auch die Freihandelszonen in Westeuropa beitrugen. Trotzdem lassen sich verschiedene Tendenzen hinsichtlich der Wirtschafts- und Handelspolitik markieren:

England profitierte vom Import der Güter aus den Kolonien: Rohstoffe importieren, verarbeiten und als teure Konsumgüter in den Kolonien verkaufen; Dienstleistungen (Versicherungen, militärischer Schutz)
Frankreich Kapitalexport zwecks Investitionen (v.a. in Rußland und im Mittelmeerraum); Luxuswaren
das Reich Rohstoffimporte, Konsumgüterexporte in alle Welt, Wissensexport
Vereinigte Staaten im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsmächten verhältnismäßig (zum BSP) geringe Export-/Importgeschäfte