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Thema: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

  1. #1
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    Post Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Endlich war der heißersehnte Tag da, Koffer und Reisetaschen wurden im Anhänger des grünen Käßbohrer-Omnibusses verstaut, dessen windschnittige Form ein rasantes überwinden eklatanter räumlicher Distanzen in Aussicht stellte. Und bald schon pfiff und surrte die durchpflügte Luft an den auf Luke gestellten Fenstern vorbei, Landschaften verzogen sich wie Tellerränder in die Ferne, neue Hügeleien und blaue Bänke tauchten am Horizonte auf, um sehr bald ebenfalls zu verschwinden - es war ein Dahingleiten durch wechselnde Panoramen, bis die Augen mir zufielen, und als ich sie wieder öffnete, stand die haiförmige Rakete vor einem ockerfarbenen Kapellchen, an das sich rechts ein Kloster und links das Landschulheim anschloß, das für eine Woche unser Zuhause zu sein bestimmt war.
    Allmorgendlich weckte uns das Bimmeln des Gebetsglöckleins, die Ursulinerinnen deckten unseren Tisch mit luftigem selbstgebackenem Hefestuten und herbem Kräutertee, der Unterricht war der Umgebung angepaßt und betraf Almwirtschaft und Käserei, Kristallkunde und geheimnisvolles Wissen der Strahler, sogar die edle Mathematik war in den Dienst der Beschreibung gewachsener Steine und vermessener Landschaft getreten, und bis in die Urgründe reichende Schönheit und Geistigkeit durchpulste die harten Knabenköpfe. Dann aber hielt ein anderer Bus vor dem Kapellchen, und ihm entstieg eine zwitschernde und lachende Horde reizender Mädchen aus dem nicht weit von Krogstedt belegenen lieblichen Faldera, sie trugen ächzend ihre schweren Koffer ins obere Stockwerk empor, wir Jungen standen seitab und warfen scheele Blicke hinüber, und weil keiner der erste sein wollte, der den jungen Damen seine Dienste anbot, erstarrten wir zu einem Denkmal verpaßter Ritterlichkeit und hörten denn auch entsprechende Bemerkungen, aus denen das Wort "Stiesel" unschön hervorschrillte.
    Am Abend ging ich hinaus, um die schneesäuerliche Luft zu genießen, da begegnete mir eins dieser Mädchen, das nach Hause telefonieren und wissen wollte, wo es wohl eine Telefonzelle gäbe. Ich erklärte es ihr, denn ich hatte sie in der Nähe des Bahnhofs schon benutzt, aber sie schien den Weg nicht zu verstehen oder behielt ihn nicht, fragte mich kalbsdumm immer wieder aufs Neue, bis ich mich erbarmte und ihr anbot, sie hinzuführen, was sie unter dem Vorbehalt, daß es mich nicht inkommodiere, gerne annahm. Sie stellte sich vor, verwundert nahm ich ihren Namen - Amala - wie eine seltene Leckerei in den Mund - und sah, daß dunkle Löckchen ihren weißen Nacken zierten, sah abgekaute Fingernägel und ein nicht auf den ersten Blick schön zu nennendes Gesicht. Aber als es sich mir dann zuwandte im Schein des Flutlichts, mit dem eine Loipe zu später Stunde noch übergossen war, und so zutraulich und freundlich vom Juristenberuf sprach, den ich ihr als den von mir auserkorenen gerade benannt hatte - wie doch ein Anwalt, indem er die Verteidigung armer und zu Unrecht beschuldigter Menschen übernehme, so viel Segensreiches zu tun imstande sei - da strömte mir aus diesem wenig bedeutenden Mädchenantlitz eine solche Woge von Herzenswärme und fast kindlichem Idealismus entgegen, daß es in geheimnisvoller Schönheit zu leuchten begann, und es dauerte nur wenige Minuten, da tauschten wir uns über alles, auch das Persönlichste, aus und liefen wie Hänsel und Gretel durch die erhaben im Schneelicht dämmernde Bergwelt.
    O wie gern hätte ich ihre Hand erfaßt und um nichts in der Welt wieder losgelassen! Aber sie hatte von ihrem Freund erzählt und daß sie einen anderen nie haben werde, und so sah ich sie beschützt und verbarrikadiert hinter diesem frühen und schon allein dadurch liebenswerten Kameraden, daß sie ihn ihrer bedingungslosen Liebe für wert hielt, all das Leuchten ihres Gesichtes und das melodische Zirpen ihrer Stimme drangen nur aus allerweitester Ferne zu mir und waren doch stark genug, um Sehnsucht in mir zu entfachen, Sehnsucht nach dieser in ihrer Jugendlichkeit und Unverdorbenheit so stark und hoffnungsfroh knospenden Persönlichkeit. Sie blieb stehen und lauschte. Nur ein mit Schmelzwassern gefüllter Tobel ließ fern sein Murren vernehmen, sie wunderte sich über die Stille, und in dieser Stille, ohne einander zu berühren, verschmolzen unsere zartesten Hoffnungen, unausgesprochensten Erklärungen und lieblichsten Daseinsfreuden für einen still entsagenden Glücksmoment miteinander, verglichen mit dem physische Vereinigung ein rohes Gemetzel gewesen wäre.
    Ich will die leibliche Liebe keineswegs abwerten, aber was bleibt von ihr, wenn man auf die andere Waagschale dieses feine sich aneinander Herantasten gegenseitigen Entdeckens und Erkennens legt? Was für ein köstlicher Schneeduft durchzog diesen Moment wortlosen Einswerdens, welche Reinheit war darin, wie edel und aufopferungsvoll war er gezeichnet von Verzicht... Für den Bruchteil einer in Ewigkeit nicht aufhörenden Sekunde wußten wir, daß wir einander in unserem tiefsten und größten Wert gesehen und erkannt hatten, fühlten uns durch einander zugleich bedingt und erlöst und leisteten einander unausgesprochen das Gelöbnis immerwährender Freundschaft. Vier gemeinsame Tage lagen noch vor uns, aber wer nun glaubt, daß wir unzertrennlich geworden wären, irrt sich gewaltig, denn eher war das Gegenteil der Fall. Im Bewußtsein des kostbaren Schatzes, den wir einander anvertraut hatten, mieden wir es, mit einander allein zu bleiben, ja, ich bandelte mit einem anderen Mädchen an, das immer müde und wie kurz vorm Sterben aussah, verwischte so die Spur unseres geheimen und wortlosen Bündnisses - und las in wenigen kostbaren Momenten in Amalas Augen freudige Dankbarkeit.


    [Diese Nachricht wurde von Quoth am 19. Juli 2002 editiert.]

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Quoth, wie soll ich das denn alles schaffen? Du willst doch Meinungen zu Deinen Texten? Bekommst Du.

    Hier die Meinung: Der Anfang ist übel. Streichen, gar nicht ersetzen. Die Geschichte mit dem Mädchen ist einfühlsam und feingliedrig. Die heb auf für eine andere Geschichte, in die Du das einbetten könntest.
    Keine Reise mit Käß..., kein modisches Schnickschnack, Konzentration auf die Botschaft, dann meinetwegen Brokat. Aber feiner ausgearbeitet.

  3. #3
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Stilistisch einheitlicher als die Babbegeschichte, wenn auch inhaltlich weniger aufregend. Aber gerade das ist wohl beabsichtigt; insbesondere finde ich aber die 50er-Jahre-Spießigkeit sprachlich exzellent dargestellt, vor meinem geistigen Auge zog die Landschaft in den schlechten Farben der Heimatfilme auf.
    Das mit dem Anfang kann ich so nicht ganz teilen, wobei mir auch nicht klar ist, bis wohin Aero ihn zum Streichen findet.
    Mich stört beispielsweise der Doppelpunkt vor der indirekten Rede Amalas, insbesondere, weil sie den Temporalsatz unterbricht, an den danach der Hauptsatz mit einem Gedankenstrich angehängt wird. Vielleicht statt Doppelpunkt auch einen Gedankenstrich und die indirekte Rede klein beginnen, um wie einen kleinen Ausschnitt aus dem Redefluß verlauten zu lassen.

    Gruß
    Arslud

  4. #4
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Arsluds Änderungsvorschlag durchgeführt.
    Ich hänge an dem Anfang, Hausherr, er liefert Kontrast, und den will ich.

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Lieber Quoth! Bitte ändere nächstmals Deinen Eingangstext nicht. Die Arbeit am Text soll nachvollziehbar bleiben. Also: Wenn Du änderst, dann in einem neuen Beitrag darstellen.

    Danke, Arslud, für Deine Mitarbeit.
    erstellt von Quoth: Endlich war der heißersehnte Tag da, Koffer und Reisetaschen wurden im Anhänger des grünen Käßbohrer-Omnibusses verstaut, dessen windschnittige Form ein rasantes Überwinden eklatanter räumlicher Distanzen in Aussicht stellte.
    wow! Eine Form kann Strecken überwinden! Das ist doch mal was Neues.
    Und bald schon pfiff und surrte die durchpflügte Luft an den auf Luke gestellten Fenstern vorbei, Landschaften verzogen sich wie Tellerränder in die Ferne, neue Hügeleien und blaue Bänke tauchten am Horizonte auf, um sehr bald ebenfalls zu verschwinden - es war ein Dahingleiten durch wechselnde Panoramen, bis die Augen mir zufielen, und als ich sie wieder öffnete, stand die haiförmige Rakete vor einem ockerfarbenen Kapellchen, an das sich rechts ein Kloster und links das Landschulheim anschloß, das für eine Woche unser Zuhause zu sein bestimmt war.
    Ja, aber! Was ist das denn? Ein Satz?! So schnell ging's? Im Text springst Du, von Luken zu Tellerrändern, dann doch Einzelheiten aus der durchfahrenen Gegend... Disparata. Keine Linie in diesem Satz, keine logische Stringenz. Ich kann das nicht zusammendenken, es bleiben Mosaiksteinchen aus verschiedenen Reliefs. Und somit: kein guter Anfang.

  6. #6
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Wird gemacht Chef - diesmal erschien's mir unrationell, weil ich nur einen Doppelpunkt durch einen Gedankenstrich ersetzte.
    Eine Form kann nicht Strecken überwinden, aber sie kann das rasante Überwinden von Strecken durch ihre besonders windschlüpfrige Form in Aussicht stellen. Mehr hab ich nicht gesagt.
    Ja, manchmal stopf ich viel in einen Satz, stimmt, ich werd noch mal schauen, vielleicht läßt er sich entfrachten.

  7. #7
    resurrector
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Quoth war seinerzeit ein angenehmer, wenn auch kurzzeitiger Mitstreiter im Wolkenstein-Forum. Wir entzweiten uns seinerzeit während der Todesstrafen-Diskussion, eine der Zäsuren im Wolkenstein.

    Dieser Ordner zeigt vielmehr die Tatsächlichkeit einer möglichen Zusammenarbeit. Es ist immer wieder schade, wie weltanschauliche Differenzen dazu führen, auch die eigentliche Arbeit am Wortwerk zu vergiften.

  8. #8
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    ein rasantes überwinden eklatanter räumlicher Distanzen in Aussicht stellte


    Eklatant ist in diesem Zusammenhang nicht der passende Begriff, da die Distanz nicht ins Auge springt, nicht ins Auge springen kann...
     

    tauchten am Horizonte



    Horizont - fällt ansonsten sprachlich aus dem Rahmen


    in die Ferne, neue Hügeleien und blaue Bänke tauchten am Horizonte auf, um sehr bald ebenfalls zu verschwinden


    für ebenfalls(so wie die....."......" auch) fehlt der Bezugspunkt. Ein einfaches "wieder" reicht hier aus.
     
    es war ein Dahingleiten durch wechselnde Panoramen


    "inmitten" oder "vor"


    die Augen mir zufielen, und als ich sie wieder öffnete,


    Da fehlt die Benennung der Zeitspanne, die diesen Satz überhaupt erst erwähnenswert macht. Anders ausgedrückt: ein zu schneller Sprung - der so nichts zur Geschichte beiträgt
     
    ...mir zufielen - und ich sie
     
    vor einem ockerfarbenen Kapellchen



    eine Kapelle ist per se niedlich und klein-die künstliche Verniedlichung eher kontraproduktiv

     

    das für eine Woche unser Zuhause zu sein bestimmt war.

     
    kein guter Satz, denn sein und war widersprechen sich in der Gesamtaussage
     
    deckten unseren Tisch mit luftigem selbstgebackenem Hefestuten und herbem Kräutertee,
     
    mit selbsgebackenen Hefestuten...oder mit Selbstgebackenem (ohne Hefestuten)

    es gibt keinen herben Tee...sondern nur herb schmeckenden Tee
     
     
    der Unterricht war der Umgebung angepaßt und betraf Almwirtschaft und Käserei, Kristallkunde und geheimnisvolles Wissen der Strahler, sogar die edle Mathematik war in den Dienst der Beschreibung gewachsener Steine und vermessener Landschaft getreten, und bis in die Urgründe reichende Schönheit und Geistigkeit durchpulste die harten Knabenköpfe
     
    der Unterricht war auf die ländliche Umgebung zugeschnitten
    wobei man auch Umgebung durch Umfeld ersetzen...oder um Umfeld ergänzen könnte, da die Umgebung nur Äußerlichkeiten umfasst...während das Umfeld Eigenarten, gesellschaftliche und soziale Besonderheiten berücksichtigt.

     

    Dann aber hielt ein anderer Bus


    anders (sein) beschreiben...oder "anderer" durch "ein weiterer" ersetzen

    Dann aber hielt ein roter Bus mit bulgarischem Kennzeichen.....
    Dann aber hielt ein weiterer...(im Wesentlichen auch nur ein Bus)
     
    und ihm entstiegeine zwitschernde und lachende Horde reizender Mädchen
     
    einem Schornstein entsteigt Rauch, einem Reifen entweicht Luft - "ent" ver-dingt (ent-weicht, ent-springt, ent-lockt, ent-spricht...). "und" und die Personifizierung (ihm) brachten dich in diese missliche Lage.

     
    "Horde" (abwertend) und "reizende (aufwertend) Mädchen"...das beißt sich.

     

    Der Satz ist ohnehin schon viel zu lang...weshalb es sich anbietet nach einem Punkt zu beginnen.

     
    Aus dem Bus stieg eine Schar reizender und gutgelaunter Mädchen
     
     
    --------------später mehr -------

  9. #9
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    , sie trugen ächzend ihre schweren Koffer ins obere Stockwerk empor,
    durch obere erübrigt sich empor, außer ich benenne das Stockwerk

     

    also entweder.
     
    ....ins obere Stockwerk

     
    oder
     
    ins dritte Stockwerk empor (da der Weg auch nach unten führen könnte)

     
    Am Abend ging ich hinaus, um die schneesäuerliche Luft zu genießen, da begegnete mir eins dieser Mädchen, das nach Hause telefonieren und wissen wollte, wo es wohl eine Telefonzelle gäbe. Ich erklärte es ihr, denn ich hatte sie in der Nähe des Bahnhofs schon benutzt, aber sie schien den Weg nicht zu verstehen oder behielt ihn nicht, fragte mich kalbsdumm immer wieder aufs Neue, bis ich mich erbarmte und ihr anbot, sie hinzuführen, was sie unter dem Vorbehalt, daß es mich nicht inkommodiere, gerne annahm.
     
    kürzere Sätze könnten hier für mehr "Klarheit" sorgen.

     
    Sie stellte sich vor, verwundert nahm ich ihren Namen - Amala - wie eine selteneLeckerei in den Mund - und sah, daß dunkle Löckchen ihren weißen Nacken zierten, sah abgekaute Fingernägel und ein nicht auf den ersten Blick schön zu nennendes Gesicht.



    Das klingt technisch und hölzern. Und...gibt es seltene Leckereien?!? Selbst Trüffel und Austern sind nicht gerade selten vorhanden, sondern nur selten greifbar und teuer zu bezahlen. Statt selten lieber " leckere Kostbarkeit", ....oder auch "köstlich schmeckende Leckerei. "selten" steht für sich alleine - was selten ist, das ist nicht unbedingt auch kostbar, während das "Kostbare" im Hier und Jetzt auch immer etwas besonderes und selten ist.
    Beispiel: Wasser ist nicht selten...aber in Gegenden...in denen es nicht selbstverständlich und/oder ständig zur Verfügung steht...sehr kostbar.

    Meine Schwester besucht mich nur sehr selten (Beobachtung), aber wenn...dann ist uns jede Minute kostbar(Wertung/Gewichtung)


    -------------später mehr -----------------

  10. #10
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Ein Aufenthalt im Landschulheim

    Fingernägel und ein nicht auf den ersten Blick schön zu nennendes Gesicht.
    und ein auf den ersten Blick nicht als schön zu indentifizierendes Gesicht

    Der Blick nennt nicht, er indentifiziert (erkennt)


    Aber als es sich mir dann zuwandte im Schein
    spätestens ab hier würde ich vom "es" (es, das Mädchen) zum "sie" (sie, die Frau, sie, die Person, sie, das Mädchen, sie, die .....) wechseln. Gibt vieles...das dafür spricht diesen Wechsel zu vollziehen. Das Mädchen (distanziert/fremd) hat inzwischen Konturen (angekaute Fingernägel,...)...die sich nur im "sie" wiederfinden können - sie verleiht mehr Persönlichkeit als das, da "sie" dem Leser jede Menge Interpretationsmöglichkeiten (siehe oben)bietet.

    Aber als es sich mir dann zuwandte im Schein des Flutlichts, mit dem eine Loipe zu später Stunde noch übergossen war,
    überzogen

    besser jedoch: ...im Scheinwerferlicht, das die Loipe zu später Stunde flutete


    und so zutraulich und freundlich vom Juristenberuf sprach
    offenherzig


    den ich ihr als den von mir auserkorenen gerade benannt hatte
    wo man auf "hatte" verzichten kann...sollte man das auch tun

    soeben offenbarte

    indem er die Verteidigung armer und zu Unrecht beschuldigter Menschen übernehme,
    wird wohl oft so oder ähnlich formuliert, ist aber weder juristisch noch sprachlich korrekt. Es wurde ja noch kein Recht gesprochen...sondern nur ein Verdacht geäussert...weshalb dem Beschuldigten an dieser Stelle noch kein Unrecht widerfahren ist.

    da strömte mir aus diesem wenig bedeutenden Mädchenantlitz eine solche Woge von Herzenswärme und fast kindlichem Idealismus entgegen, daß es in geheimnisvoller Schönheit zu leuchten begann,
    ohne Mädchen...einfach nur Antlitz - denn es gibt weder das typische noch das a-typisches Antlitz eines Mädchens


    dauerte nur wenige Minuten, da tauschten wir uns über alles, auch das Persönlichste, aus und liefen wie Hänsel und Gretel durch die erhaben im Schneelicht dämmernde Bergwelt.
    Der Vergleich mit Hänsel und Gretel erschließt sich mir nicht. Die beiden liefen durch den Wald...nicht durch eine Bergwelt. Das "Wie", ausser Du meinst Hand in Hand, ist uns nicht näher bekannt.

    O wie gern hätte ich ihre Hand erfaßt und um nichts in der Welt wieder losgelassen!
    Das Loslassen wäre an dieser Stelle kein Bestandteil seiner Gedanken gewesen.

    Wie gerne hätte ich ihre Hand gehalten
    Das Naheliegende ist meist auch die beste Wahl.


    Aber sie hatte von ihrem Freund erzählt und daß sie einen anderen nie haben werde, und so sah ich sie beschützt und verbarrikadiert hinter diesem frühen und schon allein dadurch liebenswerten Kameraden, daß sie ihn ihrer bedingungslosen Liebe für wert hielt, all das Leuchten ihres Gesichtes und das melodische Zirpen ihrer Stimme drangen nur aus allerweitester Ferne zu mir und waren doch stark genug, um Sehnsucht in mir zu entfachen, Sehnsucht nach dieser in ihrer Jugendlichkeit und Unverdorbenheit so stark und hoffnungsfroh knospenden Persönlichkeit.
    Damit ein Satz von solchem Ausmaß akzeptiert wird...muss er nahezu perfekt ausgearbeitet sein. Die Fallhöhe ist unglaublich hoch.

    Nur ein mit Schmelzwassern gefüllter Tobel ließ fern sein Murren vernehmen,
    verlauten

    Du lässt ver-laut-en, (verlautbarst) ich ver -nehme..(nehme den Laut entgegen)


    Sehnsucht nach dieser in ihrer Jugendlichkeit und Unverdorbenheit so stark und hoffnungsfroh knospenden Persönlichkeit.
    Interpunktion.


    sie wunderte sich über die Stille, und in dieser Stille, ohne einander zu berühren, verschmolzen unsere zartesten Hoffnungen, unausgesprochensten Erklärungen und lieblichsten Daseinsfreuden für einen still entsagenden Glücksmoment miteinander, verglichen mit dem physische Vereinigung ein rohes Gemetzel gewesen wäre.
    da passt einiges nicht.

    1. warum wunderte sie sich?
    2. warum wunderte nur sie sich?
    3. Du erzählst von zarter Hoffnung, lieblichen Daseinsfreunden, Glücksmomenten - und endest bei der physischen Vereinigung und einem Gemetzel. Erst gefühlvoll, dann technisch...und zum Schluss brachial. Das passt nicht zueinander.

    Wir fanden, ohne einander zu berühren, mit alle unseren zarten Hoffnungen in die Stille hinein.......

    Ich will die leibliche Liebe keineswegs abwerten, aber was bleibt von ihr, wenn man auf die andere Waagschale dieses feine sich aneinander Herantasten gegenseitigen Entdeckens und Erkennens legt? Was für ein köstlicher Schneeduft durchzog diesen Moment wortlosen
    Ich will die körperliche Liebe keineswegs abwerten, aber was bleibt....wenn man auf die andere Seite der Waagschale...

    wie edel und aufopferungsvoll war er gezeichnet von Verzicht
    das fehlende Komma führt in die Irre...

    wie edel und aufopferungsvoll war er, gezeichnet von Verzicht

    wobei für mich "war er" keine Option ist. Besser: wie edel und selbstlos gab er sich, gezeichnet von Verzicht....

    gab er sich (Hingebung) - scheinbar Kleinigkeiten...aber nicht selten machen gerade sie den Unterschied aus.


    Für den Bruchteil einer in Ewigkeit nicht aufhörenden Sekunde wußten wir, daß wir einander in unserem tiefsten und größten Wert gesehen u
    ???????????

    fühlten uns durch einander zugleich bedingt und erlöst und leisteten einander unausgesprochen das Gelöbnis immerwährender Freundschaft.
    ?????????

    das ist dir zum Ende hin die Luft ausgegangen


    Vier gemeinsame Tage lagen noch vor uns, aber wer nun glaubt, daß wir unzertrennlich geworden wären, irrt sich gewaltig, denn eher war das Gegenteil der Fall.
    off-topic drücke ich mich auch gerne mal so aus...aber on-topic?

    man wird nicht unzertrennlich, das ist ein Prozess. "....dass wir zu einem unzertrennlichen Paar reiften, der irrt sich, denn das Gegenteil ist (nicht war, da gegenwärtig immer noch getrennt) der Fall


    Im Bewußtsein des kostbaren Schatzes, den wir einander anvertraut hatten, mieden wir es, mit einander allein zu
    bleiben,
    In dem Bewusstsein einen kostbaren Schatz zu besitzen, den wir uns gegenseitig anvertrauten,.....

    bleiben, ja, ich bandelte mit einem anderen Mädchen an, das immer müde und wie kurz vorm Sterben aussah, verwischte so die Spur unseres geheimen und wortlosen Bündnisses - und las in wenigen kostbaren Momenten in Amalas Augen freudige Dankbarkeit.
    öfter mal einen Punkt setzen.



    Ich habe fertig. Vermutlich wirst Du meinen Kommentar nie lesen, aber vielleicht ist ja dennoch...oder gerade deshalb ein ordentlicher Schriftsteller aus dir geworden...

    Man muss zwei Autoren...bzw deren Werke gelesen haben..um sicher durch den Hafen zu kommen: Thomas Mann und Hermann Hesse. Der eine ein perfektionistischer Arbeiter, der andere ein fantasievoller Künstler. Die Buddenbrooks und Siddhartha, alles dazwischen kann man sich sparen.
    Geändert von anderedimension (17.05.18 um 21:55 Uhr)

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