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Thema: Nutzlose Menschen

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post Nutzlose Menschen

    1. Die Beamten

    "Ironie ist teuer. Sie kann sich nur erlauben, wer sie sich wirklich leisten kann", erwiderte Klammer lächelnd. Er wischte mit einer strengen, konzentrierten Bewegung einen hellen Fussel vom Revers seines lindgrünen Jacketts. "Das ist, auf einen allzu kurzen und auch durchaus euphemistischen Nenner gebracht, die Essenz der Philosophie des Hippias und etwas, das der nüchterne Platon dem Sophisten endothym nicht verzeihen konnte. Auch dem Chaos kann sich im übrigen nur der hingeben, der es versteht, Ordnung zu halten."
    Sapher zuckte hilflos mit den Schultern.
    "Entschuldigen Sie bitte, Herr Doktor. Aber wie so oft verstehe ich Sie nicht."
    Er drehte mit einer unbewussten Geste der Kapitulation seine Handflächen nach oben und seufzte. "Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben: Ich verstehe Sie eigentlich nie. Sie sind doch jetzt seit zwei Jahren mein Vorgesetzter und fast an jedem Arbeitstag reden wir miteinander, nicht wahr? Und trotzdem habe ich immer den Eindruck, Sie reden nicht mit mir, sondern an mir vorbei, mit, ich weiß nicht, mit jemandem an einem anderen Tisch oder mit der Nachwelt. Ist das Absicht? Was sind denn das für Gedankengänge, die Sie immer wieder vor mir ausbreiten? Wen sollen sie beeindrucken? Mich verwirren Sie nur...", sagte Sapher unsicher. Nikolaus Klammer erweckte bei ihm nicht den Eindruck, als habe er ihm zugehört. Sein Vorgesetzter sah mit seinem eingefrorenen Lächeln zum Fenster hinaus, als er antwortete.
    "Es gibt nichts Erstaunlicheres als mich selbst", zitierte er zum wiederholten Male seinen Lieblingsschriftsteller, "Sie und ich sind wie die zwei im Altersverhältnis zueinander umgekehrten Beamten Poiret und Bixiou. Verzeihen Sie mir, ich will Sie nicht verletzen, aber Sie sind ein eingeschränkter, im positiven Wortsinn einfacher Bürger. Nehmen Sie es als Auszeichnung, wenn ich das sage, als eines der seltenen Lobworte aus meinem verbitterten Mund; denn Ihre Rasse, die doch den Staat erhält, ist im Aussterben begriffen. Der Bourgeois stirbt in unserem bourgeoisen Land am Ennui und niemand verfasst seinen Nekrolog. Sie sind einer der Letzten und das zeichnet Sie aus. Deshalb rede ich mit Ihnen auch nicht über Fußball, Autos oder das Internet." Klammer wand seinen Blick erst jetzt wieder zu Sapher, der ihm zwar aufmerksam, aber nicht minder fassungslos zuhörte.
    "Der letzte Mohikaner, der letzte Kaiser, der letzte Zivilist - Der Letzte Bürger! Ich denke, ich werde Ihnen zu Ehren einen Roman mit diesem Titel schreiben, einen homerischen Epos über die Suche nach einem Mann ohne Eigenschaften in einer verlorenen Zeit. Wissen Sie, Sapher, es ist ebenso leicht, sich ein Buch auszudenken, wie es schwer ist, eines zu schreiben. Ich denke schon eine ganze Weile darüber nach - und jetzt weiß ich auch den ersten Satz, er ist mir gerade eingefallen." Klammer setzte sich gerade und begann ausgelassen und von der eigenen Eloquenz begeistert zu deklamieren:
    "Hören Sie: 'Aus dem bewegungslosen, amorphen Grau des heraufdämmernden, jungfräulichen Morgens, der in dieser schmutzigen, erbarmungslosen Verhöhnung all der Gründe, aus denen Menschen Städte bauen, so schnell altert und zahnlos wird, vorverdaut von der sodomitischen Enge in den dampfigen Verkehrsmitteln, in einen Mantel stinkender Abgase gehüllt, schält sich täppisch die gebeugte Silhouette des letzten Beamten...'"
    "Ich weiß nie, wann Sie sich über mich lustig machen. Wer ist Bixiou?"
    "So unterbrechen Sie mich doch bitte nicht, denn solch ein Augenblick der Inspiration kommt unter Umständen nie wieder! Wenn ein kraftvoller Gedanke auf seinen traumhaften Schwingen einen Dichter entführt und ihn von den Umständen, die ihn hier einschließen, entfernt, indem er ihn durch die grenzenlosen Regionen schleudert, wo die ungeheuersten Ansammlungen von Tatsachen zu Abstraktionen werden, wo die größten Werke der Natur nur Bilder scheinen - wehe ihm, wenn irgendein Lärm an seine Sinne schlägt und die schweifende Seele in das Gefängnis von Fleisch und Bein zurückruft!" ereiferte sich Klammer theatralisch, wieder einmal jemanden zitierend. Er wirkte jedoch für einen Moment tatsächlich verärgert. "Sehen Sie, wenn der erste Satz stimmt, ist der Roman schon fast geschrieben, alles weitere ist Fleiß und Zeit. Das sind zwei Dinge, die ich im übrigen nicht besitze, denn Faulheit ist der normale Zustand aller Künstler." Er faltete die Hände vor dem Mund.
    "Der erste Satz muss eine Mausefalle sein, er muss den Leser fassen und darf ihn für zweihundert atemlose Seiten nicht mehr loslassen. Was habe ich gesagt? Aus dem bewegungslosen, amorphen Grau eines beginnenden Morgens, der in unserer dreckigen Stadt so... na, so schnell altert... und... und... vorverdaut wird?" Klammer runzelte die Stirn und machte dann eine wegwerfende Handbewegung. "Egal, es ist weg, eine weitere Perle verschwendet; wir haben den Augenblick verloren. Nun wird Ihr Epos immer unvollendet bleiben, ein Fragment, das aus dem Fragment des ersten Satzes besteht. Das ist nicht viel, aber dieses Fragment schenke ich Ihnen, dieses bewegungslose, amorphe Grau, ich eigne es Ihnen zu. Ein Satz für Sapher." Atempause.
    "Dabei fällt mir ein: Ihr Name, mein lieber Sapher, mein lieber Benjamin Sapher, das wollte ich Sie schon immer fragen, welcher willkürlichen Gottheit verdanken Sie Ihn? Er ist herrlich, ein Füllhorn des Wohlklangs, wie die Sonatine von Ravel. Entschuldigen Sie bitte die schlechte Alliteration, Herr Sapher, aber eine Metapher der Sappho kann nicht besser klingen: ...geschüttelt hat Eros mich wie der Sturm, der vom Berge her sich wild auf die Eichen stürzt. Wissen Sie übrigens, dass es nur ganz wenige Poeten gibt, deren Name bereits ein wohlklingendes Gedicht ist? Ernst Jandl, Detlev von Liliencron, schrecklich nicht wahr? Man will kein Gedicht von Menschen lesen, die so heißen. Aber hören Sie dagegen: Hölderlin, Novalis, Walt Whitman, Sappho, Ovid und Erich Fried. Genießen Sie die Euphonie, das Versmaß, den Distichon. Benjamin Sapher, man muss Ihren Namen französisch sprechen, um ihn völlig genießen zu können", begeisterte sich der Doktor.
    "Meine Familie kommt von Großvaters Seite aus dem Elsass", warf Sapher geschmeichelt ein.
    "Sehen Sie! Ihr Name ist strahlende Poesie, aber für ein bürgerliches Trauerspiel wie das unsere ist er denkbar ungeeignet. Bei Schiller würden Sie eher von Kalb oderWurm heißen; oder wie wäre es mit Schwerdgeburth, ein beredter, wunderbarer Name, nicht wahr; so hieß, wenn ich mich recht entsinne, im vorigen Jahrhundert ein Freund von Johann Gottfried Seume, ein Maler... Haben Sie den Spaziergang nach Syracus gelesen?"
    "Wie würde denn Klammer klingen?" fragte Sapher leichthin und lächelte selbstsicher. In diesem Augenblick glaubte er, er könne seinem Vorgesetzten zum ersten Mal in diesem Gespräch Parole bieten. Dessen Stimme wurde einen Hauch schärfer und kälter als er fortfuhr, nur einen ephemeren Strich auf der Maßeinheit seiner Modulationsmöglichkeiten, doch er genügte, Saphers Selbstzufriedenheit über seine Schlagfertigkeit hinwegzuwischen.
    "Sieh an, Sie zeigen Witz! Ihr Umgang mit mir erbringt erste Früchte, also erscheint er doch nicht umsonst. Nun ja, vielleicht Klammer, warum nicht; aber es lässt sich viel dagegen sagen. Der Name ist zu bedeutungsschwanger, mit Inhalt überfrachtet. Nikolaus Klammer, das klingt wie Willi Loman, Wilhelm Meister, Peter Kien, Stiller, Herr Keuner oder Darth Vader; da ist viel zu viel Symbol. Man darf einen Leser niemals für dumm halten, ihn nie unterschätzen. Deuten Sie nur an, wenn überhaupt; oder, noch besser, Sie schlagen ein Telefonbuch auf, dort finden Sie viele Namen und Geschichten..."
    Sapher, der das Gespräch beenden wollte, sah kurz auf seine Uhr.
    "Ich unterbreche Sie nur ungern, Herr Doktor, aber die Arbeit ruft."
    "Es ist schon zehn?" fragte Klammer, der nie eine Uhr trug.
    "Bereits eine Minute danach."
    Klammer schüttelte den Kopf.
    "Meine liebe Sappho, Sie werden mir unpünktlich. Aber bleiben Sie doch, heute ist Freitag und ich gebe Ihnen Dispens! Nein, wirklich. Kreative Menschen wie wir brauchen die Muße, ihre Gedanken zu entwickeln. Die Freiheit der Fantasie hat Marasmus zur Folge. Außerdem ist es hier angenehm kühl. Ist es paradox, wenn es mich bei dem Gedanken an unsere überhitzten Zimmerfluchten fröstelt?" Klammer lachte, nahm Sapher an der Schulter und drückte ihn zurück in den Stuhl, aus dem er sich, über den Tisch gebeugt, bereits halb erhoben hatte. Ergeben gehorchte er dem sanften Druck seines Vorgesetzten.
    "Ihr Publikumsverkehr muss eben einen Moment warten. Viele werden es jetzt in der Urlaubszeit und bei diesem Wetter nicht sein. Ich will Ihnen etwas verraten, es ist ein offenes Geheimnis und mich wundert, dass Sie es noch nicht kennen: Die Leute, mit denen wir es hier im Amt zu tun haben und die sich jeden Tag in unseren Gängen drängen, die wollen warten. Die kommen nur deswegen hierher. Helfen können wir ihnen nicht, das wissen wir beide nur zu gut. Die Leute ahnen das ebenfalls; aber durch das Wartenlassen schenken wir ihnen eine kurze Hoffnung, einen versteckten Zugang zu Pandoras Büchse. Die halbe Stunde, vielleicht sogar Stunde, die sie ungeduldig vor unseren Türen verharren müssen, in stummer Eifersucht in die Gesichter derer starrend, die näher bei der Tür sitzen oder stehen, diese Stunde ist weit wichtiger als das kurze, ergebnislose Gespräch mit uns, unser resignierendes Kopfschütteln, unsere Vertröstungen, Formulare und neuen Termine, sogar unser Geld. Warum haben diese Leute so selten etwas zum Lesen dabei oder sonst eine Beschäftigung? Haben Sie sich das schon einmal gefragt? Die Antwort ist: Weil sie sich das Warten nicht durch einen Zeitvertreib verkürzen wollen, denn in jenen endlosen Momenten des Geduldens hegen sie die geheime, ihnen selbst nicht ganz bewusste Hoffnung, dass es diesmal anders wird, sie nicht schon wieder umsonst gekommen sind, sie heute vielleicht wirklich etwas erreichen können. Und gleichzeitig spüren sie: Es gibt noch etwas anderes, als Estragon gleich antropromorph auf den Fluren der Behörden auf das Erscheinen von Godot zu harren. Es wird ein Gefühl geweckt, eine Begierde nach der Familie und nach Betätigung. Wir schenken den Menschen etwas Nachdenken, ein Stück Leben, das sie in der modernen Welt verloren haben. Vielleicht ist das unsere eigentliche Aufgabe als Beamte."
    "Sie sind wieder zynisch, Herr Doktor."
    Klammer kniff wie verärgert die Augen zusammen und überraschte Sapher mit einem plötzlich ernsten, abschätzenden Blick. Dann lächelte er und sein Gegenüber folgte seinem Beispiel unsicher.
    "Ich sagte schon, man muss sich Ironie leisten können. Ich hätte auch sagen können, dass ich bei meinem Gehalt niemals ironisch, zynisch oder gar sarkastisch bin. Im Ernst, lassen Sie deshalb die Leute ruhigen Gewissens warten, wir unterhalten uns heute so gut."
    Sie unterhalten sich heute so gut, dachte Sapher. Zum ersten Mal während seines Gesprächs mit seinem Vorgesetzten sprach er einen Gedanken nicht aus.
    "Wer ist Bixiou?" fragte er stattdessen erneut, ohne eine Antwort zu erwarten. Klammer stand auf.
    "Ich hole uns noch einen Kaffee. Eine kleine Viertelstunde haben wir sicherlich noch Zeit." sagte er dabei. Sapher sah nachdenklich hinter ihm her.
    Nikolaus Klammer, Doktor der Jurisprudenz und ein verdienter Beamter im gehobenen Dienst, der in einem schwer abschätzbaren Alter zwischen fünfundvierzig und fünfundfünfzig stand, hatte eine mittelgroße, unauffällige und schlanke Gestalt, er kleidete sich aber modisch und teuer, fiel daher überall auf und erregte wegen seiner Eleganz allgemein Bewunderung. In seinen etwas spärlich gewordenen, sorgfältig frisierten und dunklen Haaren zeigte sich keine einzige graue Strähne. Sapher hatte schon Vermutungen darüber angestellt, ob er sie wohl färbte.
    Obgleich Klammer Saphers direkter Vorgesetzter war und er sich oft mit ihm unterhielt, war es Sapher während der Zeit, die sie nun in der gleichen Abteilung Tür an Tür saßen, nicht gelungen, einen Einblick in Klammers Charakter, der etwas von der überraschenden Wechselhaftigkeit des Aprilwetters hatte, zu werfen. Nie konnte sich Sapher sicher sein, ob Klammer im Ernst mit ihm sprach, oder sich insgeheim über ihn lustig machte; und tatsächlich verstand er viele von dessen intellektuellen, oft hermetischen Spitzen nicht, deren Bedeutung er manchmal am Abend in einem Lexikon eruierte. Dabei hob sich, von ihm selbst kaum bemerkt, sein Gemeinwissen.
    Er hatte bei seinen Nachforschungen überrascht festgestellt, dass der belesene Beamte über ein exaktes, geradezu photographisches Gedächtnis verfügte, das ihn in die Lage versetzte, lange Buchpassagen, Gedichte, aber auch Gesetzestexte auswendig und fehlerfrei aufzusagen. Sapher hatte, bevor er dem Doktor begegnete, weder geglaubt, dass es Menschen gab, die zu solchen Erinnerungsleistungen fähig waren, noch jemanden außer Klammer kennengelernt, der auf eine so seltsame, flatterhafte und leichtfertige, dabei durchaus anziehende Weise über nahezu jedes Thema zu raissonieren verstand. Er nahm an, der unverheiratete Doktor hatte Erfolg bei Frauen, das war allerdings nur eine seiner Vermutungen, da er praktisch nichts über das Privatleben Klammers wusste. Was den ungewöhnlichen Beamten umgekehrt gerade an Sapher interessierte, blieb diesem ein unlösbares Rätsel. Zwar ahnte er, dass Klammer irgendetwas mit seiner Person verband oder gar plante, doch er hatte nicht die geringste Ahnung, worauf sein Vorgesetzter mit diesen häufigen Diskussionen knapp über Saphers intellektuellem Horizont abzielte.
    Anderen Beamten gegenüber zeigte sich Klammer zwar freundlich, aber reserviert und in seinen Gesprächen mit ihnen ging er nur selten über die Belange der Behörde hinaus.
    In den alltäglichen Geschäften des Amtes war der Doktor ein mustergültiger, erfahrener und fleißiger Beamter, der seinen Posten als Ressortleiter vorzüglich ausfüllte und dessen Wissen der Vorschriften und Rechtsbestimmungen sprichwörtlich war. Von Sapher abgesehen hielt er genau jenen Abstand zu seinen direkten Untergeordneten, der den nötigen Respekt vor der Person und der Fachautorität des Vorgesetzten erweckt. Dennoch war er im Amt eine halbmythologische Gestalt und stand in dem geflüsterten Ruch der Verschrobenheit. In seiner Vergangenheit muss es auch einmal einen Eklat gegeben haben, über den hinter vorgehaltener Hand ungenaue, aber phantastische Mutmaßungen die Runde machten; der tatsächliche Vorfall, falls es denn je einen gegeben hatte, war ein gut gehütetes Geheimnis, das, so eines der Hauptgerüchte, der Grund war, aus dem Klammer trotz seines Alters und seinen Fähigkeiten nicht zum Direktor aufstieg.
    "Du arbeitest beim Klammer?" hieß es häufig und Sapher wurde mit einer bedeutsamen, dabei mitleidigen Miene bedacht.
    "Oh, je!" In diesem mitfühlenden Laut schwang meist neben der Erheiterung eine Prise Schadenfreude mit. Wäre Klammer nicht sein direkter Vorgesetzter gewesen, hätte Sapher ihn sicherlich gemieden. Seit geraumer Zeit versuchte er auch, sich hinter Klammers Rücken innerhalb der Behörde zu verändern. Das würde ihm jedoch kaum vor der nächsten Regelbeförderung gelingen und die stand erst in zwei Jahren ins Haus.
    Sapher selbst war zweiunddreißig Jahre alt, etwas untersetzt, unscheinbar und hell-, fast rotblond. Da er saloppe Alltagsbekleidung bevorzugte, hatte er Mühe, sich der strengen Kleiderordnung des Amtes, die Anzugjacke und Krawatte vorschrieb, unterzuordnen. Seine Frau Claudia kannte er seit seiner Schulzeit und er hatte sie gleich nach seiner Vereidigung geheiratet. Die Ehe war kinderlos. Wenn er gezwungen war, seinen Lebenslauf zu schreiben, wurde er nie länger als eine halbe Schreibmaschinenseite: Er hatte ihn auch geradlinig aus der Schule über die gehobene Laufbahn zu diesem Posten geführt, wo er sich nun täglich mit diesem seltsamen Vorgesetzten und dessen unergründlichen Launen auseinandersetzen musste.
    Es wäre ungerecht, dem fleißigen Sapher seinen von Unbilden oder emotionalen Stürmen freien Lebensweg als spießbürgerlich vorzuwerfen. Er erregte im Gegenteil bei einigen seiner Bekannten Neid wegen der bruchlosen Karriere und der scheinbar geglückten Ehe. Sapher, den nicht einmal die Pubertät arg gebeutelt hatte, vermisste keineswegs die Unordnung eines weniger gesicherten Lebens. Er war mit der ruhigen Beziehung zu Claudia und seinem Beruf, der ihn ausfüllte, zufrieden; jede Veränderung hätte ihn verstört.
    Nikolaus Klammer war der einzige seiner Arbeitskollegen, mit dem er sich über Informelles austauschte. Zu den anderen, auch denen, mit denen er täglich zu tun hatte und die ihm von Alter und Einstellung näher waren, war das Verhältnis von seiner Seite zurückhaltend, fast abweisend. Das lag in erster Linie an Saphers Unsicherheit und an seiner Furcht, sich Mitmenschen freundschaftlich zu öffnen. Er stand nicht zuletzt deshalb und wegen seines auffallenden Kontaktes zu Klammer in dem Ruf, eine Radfahrermentalität zu besitzen, arrogant zu Gleichgestellten zu sein und sich bei seinen Vorgesetzten Liebkind zu machen. Dass er Klammers Nähe nun wirklich nicht suchte, sondern dieser im Gegenteil sich immer wieder aufdrängte, änderte an der allgemeinen Beurteilung nichts.
    Teller klapperten. Die Kantine hatte sich zwischenzeitlich fast geleert. Die Angestellten hinter der Theke räumten Geschirr in die Spülmaschinen und bereiteten sich auf den Andrang zum Mittagessen vor. Klammer kam zurück und stellte drei Tassen Kaffee auf den Tisch. Sapher erwartete zuerst eine neue Exzentrizität, aber dann sah er, wie der Doktor einer Person winkte, die sich in seinem Rücken befand. Er wand sich halb herum und sah mit plötzlich einsetzendem Herzklopfen eine junge Frau näherkommen, die er vom Sehen kannte, die aber in einem anderen Flügel des Gebäudes arbeitete. Bislang hatte er noch kein Wort mit ihr gewechselt, da beider Abteilungen nur selten Austausch hatten. Nun würde er vielleicht etwas über das gut abgeschirmte private Leben seines Vorgesetzten erfahren würde. Er spitzte die Lippen.
    Die Frau war ungewöhnlich attraktiv und jenen Tic 'overdressed' , der alle Blicke, auch neiderfüllte weibliche, auf die Qualitäten ihrer Körperlichkeit zog, die sie, sich deren Vorzüge durchaus bewusst, durch Art und Kleidung unterstrich. Obwohl Sapher sich glücklich verheiratet fühlte und seiner Frau nicht nur aus Mangel an Gelegenheit, sondern auch aus Überzeugung treu war, wurde er doch jedesmal unruhig, wenn diese Schönheit in seine Nähe geriet.
    Er bestaunte sie mit großen Augen. Sie umgab sich mit einer erotischen Aura, mit der er nicht zurecht kam. Er rutschte unruhig mit dem Stuhl zur Seite. Sie setzte sich neben ihn an den kleinen Tisch und und bedachte ihn mit einem abgelenkten Kopfnicken, ohne Klammer aus den Augen zu lassen.
    "Sie habe ich gesucht, Herr Doktor. Ich brauche Ihre Hilfe. Man hat mir in Ihrem Büro gesagt, dass ich Sie hier finden könnte. Bei mir sitzt im Moment ein Herr aus Griechenland, der behauptet, er sei vor etwa zwölf Monaten bereits einmal bei Ihnen registriert worden. Nun, im Computer haben wir ihn nicht, wenn sein Name nicht falsch geschrieben wurde. Könnten Sie deshalb in Ihren Akten nachsehen?" fragte sie Klammer geschäftig, sich halb zu ihm über die Tischplatte beugend.
    Sapher sah die Beamtin von der Seite an und bewunderte den Profilschnitt ihres Gesichts, die Makellosigkeit ihrer Haut, die kein Pickel verunreinigte, und das perfekte Make-up, das sie morgens wahrscheinlich ebenso lang beschäftigte wie der Sitz ihrer schwarzen, glatten Haare, die sie halblang trug. Sie hatte ein enggeschnittenes, graukariertes und sommerlich leichtes Kostüm an, dessen kurzer Rock im Sitzen viel von ihren bemerkenswert langen, haarlos glatten Beinen freigab, die in solch bedrohlicher, augenfälliger Nähe nicht gerade zu Saphers Seelenruhe beitrugen. An jedem Finger ihrer linken Hand steckten Ringe, sogar am Daumen. Sapher, den bereits der eine Ehering beim Tippen behinderte, fragte sich, wie sie auf diese Weise beladen arbeiten konnte. Der unauffällige Geruch ihres Parfüms, der ein wenig an Rasierwasser erinnerte, hing über dem Tisch. Sapher war viel zu sehr Ehemann und sich seiner eigenen Unzulänglichkeiten bewusst, als er diese Schönheit mit dem Aussehen seiner Frau in Vergleich gebracht oder gar an den Versuch eines Flirts gedacht hätte. Sie war ihm ein lebendig gewordenes Model aus einer Modezeitschrift, viel zu perfekt und unnahbar, um in seiner Welt Realität zu nehmen.
    Klammer schob ihr über den kleinen Tisch einen der Kaffees entgegen. Sapher dachte in diesem Moment, die beiden seien trotz des Altersunterschieds ein schönes Paar. Die Frau ignorierte das angebotene Getränk und holte aus ihrer kleinen Umhängetasche einen Zettel.
    "Ich habe hier seine Personalien. Sein Name ist Konstantin Papadopoulos Kata... tasakinthoki... kiakis", entzifferte sie und stolperte zweimal über den vielsilbigen Nachnamen, "was für ein Name! Können Sie, wenn Sie Ihre Kaffeepause beendet haben, nachsehen, ob Sie eine Akte über ihn haben? Es wäre wichtig." War da ein Vorwurf über ihren augenblicklichen Aufenthaltsort in ihrer Stimme? Sapher glaubte es fast.
    "Konstantin Papadopoulos Katasakinthokiakis, selbstverständlich."
    Der Name kam Klammer verblüffend glatt von den Lippen. Er nahm der Beamtin den Zettel ab und reichte ihn Sapher. "Sie werden sich doch darum kümmern? Darf ich Ihnen übrigens meinen Herrn Kollegen, Monsieur Benjamin Sapher, vorstellen? Ich glaube, Sie hatten noch nicht das Vergnügen." Er sprach den Namen wieder französisch aus. Sapher warf einen scheuen Blick auf die Frau neben ihm. Er wollte Klammer berichtigen, sagte dann aber nur:
    "Angenehm." Wenn er ehrlich war, klang sein Name frankophon in der Tat besser; es schwangen ein 'laissez faire' und Weltgewandtheit mit.
    "Und das ist unsere Frau Rothschädl."
    Sie runzelte die Stirn, sah kurz zu Sapher, nickte erneut, registrierte wahrscheinlich zum ersten Mal bewusst seine Existenz. Ihr waren herrliche grüne, goldgesprenkelte Augen zu eigen, deren durchdringender Blick Sapher ein plötzliches weiches, wie durchsackendes Gefühl im Unterleib bescherte. Er knitterte unschlüssig den Zettel mit dem Namen des Griechen in seiner Hand.
    "Sie trinken doch mit uns einen Kaffee?" bestand Klammer.
    "Aber Herr Katasakinthokiakis wartet auf mich in meinem Büro..." Jetzt kam auch sie mit dem fremdländischen Namen zurecht. Klammer streckte flink den Arm nach vorn und berührte sanft ihren Handrücken.
    "Sie bleiben", sagte er mit Nachdruck und die Beamtin blieb tatsächlich, offenbar war sie von seinem bestimmenden Tonfall überrascht.
    "Lassen Sie Ihren Herrn Katasakinthokiakis ruhig warten. Ihr Anblick ist in der Tat ein wenig Geduld wert. Odysseus hatte zwanzig Jahre Geduld, bis er endlich seine schöne Penelope in die Arme nehmen konnte und schließlich steckt in jedem Griechen etwas von diesem listenreichen Heroen. Wir führen hier ein interessantes Gespräch, das Sie mit Ihrer Anwesenheit bereichern würden. Bitte, Ihr Kaffee." Er schob die Tasse mit zwei Fingern der rechten Hand näher an die Beamtin heran. Sie führte den Kaffee tatsächlich sofort zum Mund, nippte. Dabei sah sie Klammer ins Gesicht, wirkte für einen Augenblick wie hypnotisiert.
    "Nicht wahr, Frau Rothschädl, ich habe Sie erst kürzlich im Brandwirt auf der Lesung von Stefan Kappnath gesehen", fuhr Klammer fort. "Wann war das, am Dienstag vor einer Woche?"
    "Sie waren auch dort? Ich habe Sie nicht bemerkt, Herr Doktor."
    Klammer öffnete die Arme.
    "Ich bin etwas zu spät gekommen und saß dann natürlich ganz hinten. Ich bin auch nicht ganz bis zum Schluss geblieben, sondern schon vor der abschließenden Diskussion gegangen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich gelangweilt habe. Dieser Kappnath ist entschieden nicht mein Fall; ich halte ihn für überbewertet. Er ist mir zu geschwätzig und, ja, wenn ich so sagen darf, pubertär, er kommt nicht auf den Punkt. Seine Erzählungen sind wie Pedding, er fummelt nur herum und penetriert nicht den Kern der Sache."
    Ein Hauch Rouge wanderte über die Wange der Frau. Sie richtete sich beteiligt in ihrem Stuhl auf. Sapher bewunderte stumm Klammers Kunst, die Rothschädl in das Gespräch zu binden. Sieh an, dachte er, es gibt also in diesem Amt noch eine zweite Person, bei der der Doktor seine professionelle Zurückhaltung ablegt. Aber warum tut er das ausgerechnet bei uns beiden; was verbindet uns für ihn?
    "Ein Bekannter von mir, auf dessen Meinung ich viel halte", führte Klammer aus, "hat den Fehler begangen, mir die Lesung ans Herz zu legen; er wusste nur Gutes über die neuen Erzählungen von Kappnath zu sagen. Aus eigenem Antrieb wäre ich nicht hingegangen. Wie fanden Sie es denn?"
    "Es hat mir gefallen." sagte die Frau kurz und erregte durch diese knapp gefasste Erwiderung Saphers Bewunderung. Offensichtlich war sie gefestigt genug, sich nicht von Klammers Meinung einschüchtern zu lassen.
    "Das ist erstaunlich! Ich habe den Eindruck gewonnen, diese Art von Literatur sei nicht für Frauen geschrieben. Das ist jetzt alles andere als Chauvinismus, aber Kappnaths Texte haben ähnlich denen von Bodo Kirchhoff oder Henry Miller immer ein wenig Prahlerei, etwas von einem Männerwitz, den sich die Herren der Schöpfung schenkelklopfend einander zuflüstern."
    "Ich denke, Sie haben die Infanta nicht gelesen, sonst hätten Sie diese Meinung geändert. Ich weiß, dass Kirchhoff lange Zeit die klassische Symbolfigur des frauenfeindlichen Autors für alle 'Emma'-hörigen Feministinnen war, aber er hat sich gemausert. Es gibt nur wenige Bücher zeitgenössischer Autoren, die mich so berührt haben wie dieses."
    "Die Kritiker waren nahezu ungeteilt Ihrer Meinung. Da ist es sehr einfach, zu loben..."
    "Wenn er seinen augenblicklichen Weg weiter beschreitet", fuhr sie trotz des lächelnden Einwurfs von Klammer unbeirrt fort, "und danach sieht es aus, dann wird er einmal als einer der bedeutendsten deutschen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts in den Literaturgeschichten stehen. Was Kappnath betrifft, so ist er sicher kein begnadeter, aber doch wohl ein fleißiger und handwerklich geübter Romancier, dessen Themen vielleicht ein wenig zu zeitbezogen sind. Ihm deshalb aber pubertäre Nabelschau vorzuwerfen, ist an den Haaren herbeigezogen", sagte sie mit Nachdruck. Klammer wartete einen Moment, dann klatschte er langsam.
    "Wenn wir eine engere Bekanntschaft hegen würden, würde ich Ihnen nun einen Kuss geben, so aber will ich mich damit begnügen, Ihnen und Ihren Meinungen meine uneingeschränkte Hochachtung zu zollen. Aber, Herr Sapher, wir haben über Ihrer Konkurrenz ganz Sie selbst vergessen; was halten Sie denn von Kirchhoff oder Kappnath?"
    Konkurrenz, dachte Sapher nebenzu, was will er denn damit schon wieder sagen? Er hatte nicht allzu viel von den beiden Autoren gehört, geschweige denn sie je gelesen; seinen letzten Roman hatte er während der Schulzeit in den Händen gehalten. Da er jedoch diese Frage erwartet hatte und sich vor den anderen wegen seiner Unwissenheit keine Blöße geben wollte, hatte er eine Antwort vorbereitet, die zumindest nicht völlig unwissend klang. Er kratzte sich am Hals.
    "Im Großen und Ganzen will ich Frau Rothschädl recht geben, obwohl ich persönlich beider Bücher als etwas zäh einstufen will", sagte er vorsichtig und hoffte, er könne es bei dieser Synthese der Meinungen belassen, ohne durch ein Nachfragen in Verlegenheit gebracht zu werden. Hätte Sapher gewusst, wie er es anstellen sollte, hätte er an dieser Stelle versucht, das Thema zu wechseln. Doch diese Sorge nahm ihm Klammer auf überraschende Weise ab. Obwohl er Saphers Ahnungslosigkeit durchschauen musste, nickte er erst:
    "Solch ein apodiktisches Schlusswort habe ich von Ihnen erwartet. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Wobei ich Sie, bewahre!, natürlich nicht mit diesem possierlichen Aasvogel in Vergleichung bringen will. Es gibt eine Art von Bewunderung, die mit kritischem Essig getränkt ist, und mit der ein hervorragender Mann sich gewissermaßen entschuldigt, einen anderen zu bewundern." Er lachte kurz.
    "Aber nun doch etwas anderes, mein lieber Sapher, um auf Ihr Gesprächsthema von vorhin zurückzukommen, was sagen Sie denn zu dem Namen unserer hübschen Kollegin hier? Rothschädl - welch ein markanter, substantieller Klang! Der Name ist doch genau richtig für Ihren Roman. Ein ganz klein wenig mag er auch symbolisch für einen Staatsbediensteten sein, aber eben nur eine Idee, diese Nuance, die den Leser lächelnd zum Komplizen des Autors macht. Rothschädl, wissen Sie zufällig, wie dieser urteutsche Name entstanden ist? Er scheint doch mindestens bis in die Zeit der Bauernkriege zurückzudeuten?" wand er sich an die Frau. Die Beamtin, die sich bemühte, eilig ihre Tasse Kaffee zu leeren, um der Angelegenheit ein Ende zu bereiten, verschluckte sich fast an dem heißen Gebräu und das war die erste Unstimmigkeit in ihrem bisher vollendet eleganten Auftreten.
    "Da kann ich Ihnen nicht helfen, ich habe mich nie für Ahnenforschung interessiert", sagte sie hustend und fast stimmlos, "ich selbst bin nicht allzu begeistert von diesem Namen."
    "Dann sollten Sie bald heiraten und auf einen dieser entsetzlichen Doppelnamen verzichten. Aber, ernsthaft, Sie tun sich und dem treuteutschen Geschlecht der Rothschädl unrecht. Der Name ist von fast unerreichbarer Prägnanz. Niemand, der ihn einmal gehört hat, vergisst ihn wieder. Und dazu ist er vielleicht die Muse, die Herrn Sapher zu einer großen Erzählung anregt. Sie müssen wissen, dass mein Kollega hier in der spärlichen Freizeit, die ihm sein Dienst für den Staat gewährt, ein eminenter, aber leider nicht allzu erfolgreicher Dichter ist. Das ist seine eigentliche Berufung und er arbeitet seit Jahren an einem großen Roman, der sein Durchbruch werden soll. Er wird Der Letzte Bürger heißen und ein Schlüsselroman über die bourgeoise, verlogene und korrupte Gesellschaft unserer Stadt sein. Herr Sapher hat mir Exzerpte einiger Kapitel vorgelesen und ich muss sagen, sie sind brillant. So etwas wird heute eigentlich gar nicht mehr geschrieben. Es ist, als hätten sich die drei Großen, die die Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts begründet haben, also Musil, Proust, und Joyce, unter ihm in eine Art von Personalunion begeben, um den Roman zu schreiben, der das 20. Jahrhundert endlich abschließt und das neue beginnt. Sie wissen ja, ich verstehe etwas davon. Viele Pfahlbürger werden sich vor dem Erscheinen dieses Buches fürchten, das ich, um einen etwas platten Ausdruck zu gebrauchen, mit einem Erdbeben vergleichen will", behauptete Klammer ruhig.
    Die Rothschädl sah zu Sapher, zu dem ihr Name wegen seiner Scham nun besser gepasst hätte und zum ersten Mal war so etwas wie Beteiligung in ihrem Blick. Und dieses Interesse war auch der Grund, aus dem Sapher, der noch nie eine erzählerische Zeile zu Papier gebracht hatte und sogar die Weihnachtspost seiner Frau überließ, über die überraschende und viel zu dick aufgetragene Lüge Klammers schwieg.
    Er starrte konsterniert zu dem überlegen lächelnden, älteren Mann. Was ging in dem seltsamen Geist vor, wenn er diese an den Haaren herbeigezogene Lüge über ihn verbreitete? Es war möglich, dass sie aus der Laune eines Augenblicks entstanden war, aus der Neugier, wie die anderen reagieren würden. Klammer glich manchmal einem Forscher, der mittels eines Katalysators Chemikalien untersucht. Sapher hatte schon mehrmals erlebt, wie der Doktor einen Gesprächspartner mittels eines ausgesucht provokanten Standpunktes aus dem Gleichgewicht brachte und ihn dazu reizte, mehr von seinen Meinungen zu offenbaren, als er es selbst wünschte.
    In diesem Fall wollte Sapher den plötzlichen Entschluss aber in Zweifel ziehen. So, wie er Klammer kennengelernt hatte, hatte dieser zwar eine leichte, oft leichtsinnige Art, sich zu unterhalten, wie ein Schmetterling von Thema zu Thema flatternd; und doch war es nur eine Tünche, hinter der sich die vielfach verquere, aber nicht minder folgerichtige Logik seiner Gedanken verbarg. Tatsächlich wusste er immer ganz genau, wohin er wollte. Alles, was er sagte, war zielgerichtet, auch wenn Sapher das meist erst nach Stunden oder Tagen, manchmal gar Wochen später zu Bewusstsein kam und er erst dann zu erkennen glaubte, was sein Vorgesetzter bezweckt hatte.
    Wenn Sapher sein heutiges Gespräch mit ihm betrachtete, das Klammer am Morgen mit einem Aphorismus von Montaigne eröffnet, dann abfällig die Tagespolitik und die Kommentare der FAZ gestriffen hatte, um über Lessings Lob der Faulheit und dem Preis der Ironie bei der Literatur zu landen, dann hatte all dies eine erstaunliche Folgerichtigkeit, die darin gipfelte, ihm den Schriftsteller unterzuschieben. Was aber Klammer weiter im Sinn hatte, das blieb ein Rätsel. So war es immer: Vom Nachher betrachtet, waren ihm Klammers Intensionen klar, doch niemals war er seinem Vorgesetzten einen Schritt voraus. Im Moment fühlte sich Sapher wie ein Teenager, der sich wichtig zu machen wünscht.
    So lächerlich das Ganze aber war, die Rothschädl hatte die Lüge nicht sofort durchschaut, sondern sah ihn mit einem freundlichen Augenaufschlag an und fragte:
    "Sie schreiben?" Und, was Sapher noch fassungsloser machte, er war geschmeichelt und lächelte unsicher.
    Eine peinliche Pause entstand, während Sapher vergebens einen Haltepunkt suchte. Erneut wanderte sein Blick zu Klammer, diesmal hilfesuchend. Der sah ihn herausfordernd an, zwinkerte andeutungsweise mit einem Auge. Nun, mach was draus, schien er sagen zu wollen, nutze diese Chance oder überführe mich der Lüge. Sapher räusperte sich, dann stotterte er ein paar Laute, deren Sinn er selbst nicht einzugrenzen wusste. Klammer lachte.
    "Sehen Sie ihn sich an, Frau Rothschädl; er schämt sich. Ich denke, das macht Ihr Interesse an seinem Werk. Er hat als trotz seines Alters noch als jung geltender Autor Angst vor Publikum und Kritik. Vielleicht ist dies der Grund, aus dem er erfolglos ist und nicht wie Kirchhoff oder Kappnath in renommierten Verlagen veröffentlicht, denn, das können Sie mir glauben, so begabt wie diese beiden ist er und fleißig auch."
    Klammer nahm einen Schluck Kaffee und wand sich an Sapher:
    "Sie müssen begreifen, dass Lärmen zum Handwerk gehört! Hauen Sie die Pauke, blasen Sie in die Trompete! Wenn Sie so altmodisch sind und denken, Schreiben sei alles, was ein Autor können muss, dann irren Sie fatal. Nein, das Schreiben ist doch für einen modernen Schriftsteller der vielleicht unwichtigste Teil seiner Arbeit; sein PC und sein Textverarbeitungsprogramm nehmen ihm diese Routine praktisch ab, man hört das immer wieder. Marketing ist die neue Hauptaufgabe, um die Ware Buch an den Leser zu bringen. Kein Romancier schickt heute ein vollständig ausgearbeitetes Manuskript an einen Verlag; ein Kapitel, ein Abriss der Handlung, sie genügen völlig. Wenn, wie meist, das Ergebnis der Inspiration uninteressant ist, nun, Herr Autor, schreiben Sie eben ein Kapitel eines neuen Romanes. Vernichten Sie Ihre Dateileiche, dieses nutzlose Fragment, oder, besser, warten Sie, bis Sie es in den Roman einarbeiten können, den zu schreiben Ihnen der Verlag, der Sie zu veröffentlichen sich herabgelassen hat, erlaubt. Machen Sie keine Kurzgeschichte oder Erzählung daraus, so etwas findet keine Leser.
    Und dann, während Ihr Computer Ihren Text für Sie schreibt, rühren Sie kräftig die Werbetrommel! Reden Sie mit allen und jedem, seien Sie immer freundlich und höflich und großzügig, wenn es um das Bezahlen geht. Sie haben zwar kein Geld zu verschenken, wer hat das schon, aber all die Kritiker wollen schließlich von ihren literarischen Anstrengungen leben. Deshalb wird sich auch immer wieder ein Hungerleider finden, der Sie lobt. Prostituieren Sie sich mit tausend Menschen, die nichts von Literatur verstehen und die alle wie Götz vom Hauptmann behandelt sein wollen. Nach der ersten überwindung des Ekels gewöhnen Sie sich schnell daran und es soll Sterne am nächtlichen Himmel der Literatur geben, die sogar Gefallen an dieser Liebedienerei gefunden haben. Heine schreibt: Diese Sterne erscheinen uns aber vielleicht deshalb so schön und rein, weil wir weit von ihnen entfernt stehen und ihr Privatleben nicht kennen. Es gibt dort ebenfalls mache Sterne, welche lügen und betteln; Sterne, welche heucheln; Sterne, welche gezwungen sind, alle möglichen Schlechtigkeiten zu begehen; Sterne, welche einander küssen und verraten; Sterne, welche ihren Feinden und, was noch schmerzlicher ist, sogar ihren Freunden schmeicheln, ebensogut wie wir hier unten. Jene Kometen, die man dort oben manchmal wie Mänaden des Himmels, mit aufgelöstem Strahlenhaar, umherschweifen sieht, das sind vielleicht liederliche Sterne, die am Ende sich reuig und devot in einen obskuren Winkel des Firmaments verkriechen und die Sonne hassen.
    Der Künstler ist heute die Hure des Bourgeois, so wie er früher die des Adligen und des Pfaffen war. Natürlich, einem Schöngeist wie Ihnen wird diese Binsenweisheit nicht behagen, denn Sie glauben, das könne nicht alles sein, dass Literatur nichts mit Brötchen backen zu tun hat. Nicht wahr, Monsieur Sapher, Ihnen wird übel, wenn Sie an solche, wie Sie glauben, nebensächliche Dinge denken, denn Sie wollen ja Kunst machen und übersehen dabei, dass auch Ihre Texte nicht mehr als Dienstleistungen sind. Sie wollen zwei Bedürfnisse befriedigen, die einander nur allzu oft ausschließen: Da ist Ihres, Romane zu schreiben und das des Lesers, Romane zu konsumieren. Alles prima, aber ob ihm ausgerechnet Ihre Speise schmeckt, ist zweifelhaft, da Sie sie schwer verdaulich gemacht haben; zudem ist der moderne Leser überfressen und vom Angebot der Konkurrenz so verwirrt, dass er sich im Zweifelsfalle lieber vor den Fernseher setzt.
    Sie schreiben - Achselzucken; so viele schreiben. Sie machen Literatur. Wer liest das? Versuchen Sie doch nur einmal, eine kleine lokale Anerkennung für ihre Texte zu erlangen, ein paar Leser zu finden, ein wenig Presse. Veröffentlichen Sie doch auf Ihre Kosten im Eigenverlag ihre Prosa, organisieren Sie eine Lesung. Sie werden sehen, das Einzige, was sie bekommen werden, ist ein gallebitterer Geschmack im Mund. Sie werden feststellen, alle ihre Bemühungen werden an den Leuten abgleiten wie ein Regentropfen an einem Lodenmantel. Das ist der Weg, wie aus jemandem, der mit ehrlichem und aufrichtigem Sinn die Kultur der Stadt bereichern will, schnell ein menschenverachtender Zyniker wird. Also gut, sagen Sie sich, wenn ich keine Leser finde, vergesse ich sie also, ich werfe doch keine Perlen vor die Säue. Darum schreiben Sie für sich, als einen Akt der Selbstbefriedigung. Warum ist es dann trotz aller schlechter Erfahrungen weiterhin ihr Traum, zu veröffentlichen? Und wovon wollen Sie leben? Also arbeiten Sie wie Kafka in einem Versicherungsbüro und sind Ihr Lebtag unzufrieden, wenn Sie ein Buch von Kappnath oder Kirchhoff in die Hand nehmen, denn warum, zum Teufel, gelingt Ihnen nicht, was jene schafften? Und dann geht das ganze verfluchte Bitten und Betteln wieder von vorne los."
    Klammer hatte süffisant und freundlich herablassend begonnen, sich dann allerdings während seines Monologs in eine wenig verständliche Rage geredet, die ihn die letzten Sätze fast schreien ließ. Sapher und die Frau sahen sich während dieser Rede mehrmals betreten an.
    Als Klammer schwieg, schwer atmend mit den Händen gegen die Tischplatte gestützt, stand eine greifbare Wut zwischen ihnen. Sapher fragte sich, woher sie so plötzlich gekommen war, warum sein sonst so moderater Vorgesetzter sich wegen dieses von ihm selbst gewählten, gleichgültigen Themas hatte hinreißen lassen. Was hatte ihn so gereizt, dass er nun eilig aufsprang, sein Stuhl kippte und das Metall der Lehne auf den Kacheln des Kantinenbodens schepperte?
    Klammer sah zurück, ohne Anstalten zu machen, den umgestürzten Sitz wieder aufzurichten. Als er zu Sapher sah, lächelte er.
    "Nun, jetzt muss ich aber wirklich an meine Arbeit. Ich denke, wir werden beide heute abend etwas länger bleiben müssen, um die verlorene Zeit hereinzuholen. Frau Rothschädl." Er machte die Andeutung einer Verbeugung und ließ seine überraschten Gesprächspartner allein sitzen.

    [wird fortgesetzt...]

    ------------------
    hks



    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 14. Juli 2002 editiert.]
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  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post AW: Nutzlose Menschen

    Ich hab's gelesen, jaja. Auf Seite 5 hatte ich das Gefühl, die gesamte Weltliteratur abgehandelt zu haben. Ja, und dann der Sokrates, der hat dem Xenokrates die Leviten gelesen, na ja, nicht in einem euhemeristischen Sinne - dafür war es ja noch nicht an der Zeit -, eher so, sagen wir kaberoisch, wenn Sie wissen, was ich meine....


    In Marks Buch "Weltformel" gibt es da eine Passage, die mich sehr schmunzeln machte, die will ich hier mal einfügen - statt einer Textkritik einmal eine ästhetische, eine, die den Nimbus Deines Schreibens betrifft (ich sehe da nämlich noch eine Chance, wie wir ins Geschäft kommen könnten):
    erstellt von Mark aus "Die WELTFORMEL" : Ein gewisser Reiner gesellte sich zu ihnen, sagte: "Hallo, ich bin der Reiner", und setzte sich auf einen freien Barhocker. Er war nicht der, auf den Marga im "Haiku" gewartet hatte, war nur zufällig hier, war einer ihrer Kollegen vom Abendgymnasium, und sie zog, als er mal in eine andere Richtung schaute, genervt den rechten Mundwinkel hoch und schaute zur Decke, weil sie ihn wohl nicht besonders mochte. Er hingegen schien einen Narren an ihr gefressen zu haben.
    Reiner fing von erkenntnistheoretischen Dingen an, widerlegte sowohl Berkeley als auch Descartes zwischen zwei Zigaretten, ließ dann bei einem Glas Frascati auch an dem alten Kant kein gutes Haar, hielt Kierkegaard für einen Verräter an der Philosophie und kam schließlich zu dem Schluß, daß die ganze Existentialisten-Szene des zwanzigsten Jahrhunderts ein einziger Kehrichthaufen gewesen sei, den man am besten gleich in einen großen Sack gesteckt und im Atlantik versenkt hätte.
    "Was unterrichtest du denn so?" fragte Mark.
    "Mathe."
    Mark bestellte den teuersten Whisky, den die Getränkekarte anpries und kippte ihn runter.
    "Wer ist denn die hübsche junge Dame hier?" erkundigte sich Reiner.
    "Das ist Estelle", sagte Marga. "Vergiß es am besten gleich wieder! - Sie ist mit Mark zusammen."
    Estelle lächelte alles an, was ein Gesicht hatte, und Reiner nickte enttäuscht und starrte auf das Regal mit den Schnapsflaschen.
    "Ich hatte mal was mit ihm", gestand Marga, als Reiner zum Klo ging. "Gebt ihm bloß nicht das Gefühl, ein interessanter Gesprächspartner zu sein, sonst werdet ihr ihn nicht mehr los. Er tut immer aufgeschlossen und locker, aber in Wahrheit steckt er voller Komplexe."
    Gegen halb zwei zogen sie zu viert los, um in Margas Wohnung weiterzusaufen. Reiner widerlegte unterwegs von Thales bis Popper so ziemlich alles, was auch nur im Entferntesten mit Philosophie zu tun hatte, reiherte zwischendurch mal in einen Vorgarten und versuchte, als sie angekommen waren, sofort Marga anzubaggern, die große Mühe hatte, ihn von sich fernzuhalten. Nach dem ersten Bier pennte er auf dem Sofa ein.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Nutzlose Menschen

    ...und?


    Klammer ist ein Arschloch, arrogant und selbstgefällig.
    Das wissen wir nach diesem Anfang, an dem er sein Wörterbuch beim "e" aufgeschlagen hat und absichtlich ungewöhnliche Fremdwörter mit diesem Anfangsbuchstaben benutzt.
    Das hätte ich auch kürzer formulieren können. Meinst du das?


    noch was.


    Ich bin nicht Klammer.


    Gruß, Klammer
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  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Nutzlose Menschen

    Darum geht es nie. Der Leser schlägt das Buch auf und liest. Auf diesen ersten Seiten wird ihm quasi die Weltliteratur erklärt. Meinetwegen ist das eben die Perspektive des Autoren, der hier Charaktere wiedergibt. dem Leser aber ist das an dieser Stelle schnurz. Er will erst einmal die Ahnung eines plots haben, er will eine Fabel bekommen, etwas, woran sich seine Gedanken entzünden können, etwas, was ihn neugierig macht. Das ist hier nicht der Fall; du gehst gleich medias in res mit gedankenschwerer Äquilibristik, wie's mein verehrter Lehrer Isenstein sagen würde. Und das geht eben nicht. Habe ich da ironische Brechungen übersehen? Selbst wenn, den Anfang müssen Vorstellungen bilden, meinetwegen reich' die auch nach, aber dann beginne mit einem Geschehen, einer Situation, die Bedeutung hat, beginne nicht mit Worten, die für sich Bedeutung tragen (müssen).

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Nutzlose Menschen

    hmmm...
    Genau diese Erwartungshaltung des Lesers, ("Der Anfang soll mich gefangen nehmen, gib mir bereits im ersten Satz die Aristoteleische Einheit, dann brauch ich nicht selbst denken, usw.") sollte gegen den Strich gebürstet und referiert werden. Es wird am Beginn dieses Romanes die Frage gestellt, wie ein langer Roman beginnen muss und im Roman selbst beginnt in diesem Augenblick Klammers Roman.


    Ein Beispiel für einen ähnlichen Anfang aus dem 18. Jahrhundert:


    "...In Frankreich, sagt' ich, verstehn sie das Ding besser...
    ...Sind Sie in Frankreich gewesen? fragte der Herr und wendete sich plötzlich, und mit dem höflichsten Triumpfe von der Welt, zu mir....
    Wunderbar! sagt' ich, imdem ich der Sache bey mir selbst nachdachte."


    Sterne trauen sich, meines Wissens als erster, den Leseerwartungen gegenzulaufen. Sein Ich-Erzähler antwortet auf etwas, was vor dem Roman liegt und das der Leser nie erfahren wird. Er setzt ihn einfach als Lauscher in die Situation und lässt ihn das Beste daraus machen: Er soll zuhören.
    Wenn das ein Autor vor 300 Jahren machte, warum darf ich das denn nicht?


    Natürlich sehe ich auch das Problem, dem Leser u. U. zuviel zuzumuten. Aber heute, nach Musil, Proust und Joyce et. al., ist der Leser, den ich hier will, emanzipiert genug, solch einen Anfang zu goutieren. Später wird er ja in die Geleise eines "konservativen" Romans geleitet, die Äußerlichkeiten werden in geradezu naturalistischer Form nachgeliefert.


    Gruß, Klammer




    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 11. Juli 2002 editiert.]
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  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Nutzlose Menschen

    ich gebe zu, ich habe den text nicht gelesen. aber das kann ich mir nicht verkneifen.


    Wenn das ein Autor vor 300 Jahren machte, warum darf ich das denn nicht?

    weil wir 300 jahre später haben?

    der erste absatz.


    Das ist, auf einen allzu kurzen und auch durchaus euphemistischen Nenner gebracht, die Essenz der Philosophie des Hippias und etwas, das der nüchterne Platon dem Sophisten endothym nicht verzeihen konnte. Auch dem Chaos kann sich im übrigen nur der hingeben, der es versteht, Ordnung zu halten."

    der anfang macht mich schon neugierig. aber:


    ich stelle es mir gerade vor, ich, als mittelmäßig gebildeter naseweiss-harry hirsch-durchschnittsbürger gehe in eine buchhandlung, möchte ein buch kaufen. stöbere durch den laden, sehe ein buch, "oh der titel hört sich schon interessant an". nehme das buch und lese "endothym". wart mal, hier muß doch irgendwo, "halloooo?, verkäuferin???", mist, keine zeit. hier muß doch irgendwo, muß doch ein wörterbuch... ach, ich neheme ein anderes buch.

  7. #7
    rodbertus
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    AW: Nutzlose Menschen

    ein ENDOTHYM pro Seite ist okay, bei zwein empfehle ich dem Autoren einen Löffel Rhizinusöl, bei drein sage ich DANK - und nehm ein neues Buch: Klammer hat vierzehn pro Seite! Das ist beinahe schon wieder gut.


    so einen kleinen Absacker werd ich jetzt noch trinken, klammer, auf Dein Wohl, dann mampf ich Krautsalat, dann nichts mehr, tschö

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Nutzlose Menschen

    schön dass du vom 19.jh ablässt und dich dir selbst widmest. auch wenn du es nicht bis, so bist du es doch. vielleicht hat aero recht mit dem d-zug durch die weltliteratur.
    wenn du es nicht bis, sind all die genannten autoren es auch nicht.wenn du aber die illusion erzeugen würdest, sie (die autoren) glaubhaft authentisch zu bringen, dann fiele das verstaubte und konstruierte vom text ab und ein gelungenes etwas könnte entstehen .


    mfg ps

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Nutzlose Menschen

    Liebes schwarzes Pferd,


    auch wenn ich deine wie üblich etwas kryptischen Ausführungen nicht ganz verstanden habe, so las ich doch ein Kompliment in ihnen. Danke.
    Wenn du gleichzeitig beklagst, ich würde zu sehr an den großen Namen hängen, magst du recht haben. Vielleicht habe ich zu viel gelesen, vielleicht auch noch zu wenig. Tatsächlich bin ich neben diesen Autoren nur ein kleines Licht. Auch dieser Text wird nie Weltbedeutung erlangen und sicherlich nicht die Nachwelt begeistern, mein Name in keiner Literaturgeschichte auftauchen. Aber es ist eine zeitgemäße Geschichte, die jetzt gelesen werden und jetzt, tagesaktuell, ein Publikum finden kann. Das glaube ich wirklich.
    Und dann wieder das beliebte selbst inzwischen verschimmelte Argument, das Ganze sei angestaubt - ich bitte dich! Lies die anderen in diesem Forum, den Weltschmerz und die blauen Blumen, Texte, in den die Leute athmen und Seyn.
    Das ist angestaubt! Dagegen bin ich geradezu avantgardistisch. Nochmal, meine Sprache ist ein wenig sauberer als die von einigen anderen, das ist alles.
    Aber natürlich, ein Klammer muss angestaubt sein, das wissen wir schon, bevor wir ihn lesen. Seltsam, als ich unter dem Namen "Kleiner" hier Texte setzte, hat diesem keiner vorgeworfen, sie wären von gestern.
    Eine bittere Pille habe ich noch: "Familienbande" ist das 4. Kapitel dieses Romans, ein Text, den Klammer geschrieben hat.


    Lieber Tobias,
    der Leser, der Klammers Fremdwörter nachschlägt und sich um das Vergnügen der Geschichte bringt, ist selbst schuld. Schaust du nach, was endothym bedeutet? Ist es überhaupt wichtig, den Sinn dieses Wortes zu wissen? Klammer ist ein Angeber, das soll herauskommen.


    Gruß, Klammer
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  10. #10
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Nutzlose Menschen

    Gar oft werd ich gefragt, welche Funktion das SP in diesem Forum hat. Einfach ist die Antwort: Es legt die Hufe auf die Wunden. Und siehe! ein Mensch zeigt sich unter dem Brokat des Niedergelegten der Verschriftlichung des eigenen Seyns.
    klammer, mein Lieber, wir müssen doch irgendwie zu Potte kommen, also alles herauskitzeln aus denen, die da schreiben, mithin mitteilen wollen. Und Du willst. Du hast auch einen inneren Formzwang. Vergleiche hinken immer, wenn es bei Vergleichen bleibt. Sich dazu zwingen, einen Gedanken literarisch einem Ziel zuzuführen, dies sollte und wird unser Anliegen bleiben. Und wenn wir Dich dazu bringen können, eine Sache einem Ende zuzuführen, dann wollen, dann WOLLEN wir auch ein Buch mit Dir machen. Ganz ehrlich!

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Nutzlose Menschen

    Klammer,


    Frage: Warum steht dieses Wort da. Manchmal gibt es trifftige Gründe etwas unverständliches zu schreiben. Sag mir den mir einleuchtenden Grund, ich werde nachschlagen und deinen Text lesen, vielleicht.


    Klammer ist ein Angeber, das soll herauskommen.

    Da bist du nicht der Einzige hier.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Nutzlose Menschen

    Lieber rodbertus, ich danke. Und wie du merkst, komme ich inzwischen mit SP noch am Besten zurecht.
    Eine konkrete Frage: Eignet sich "Nutzlose Menschen?" Ist daraus ein Buch zu machen?
    Fragt sich Klammer.


    Ach, Tobias,


    schau nicht nach. Noch einmal, es ist ganz egal, was das Fremdwort bedeutet. Ich habe es gezielt im Lexikon gesucht, bewusst ein ungebräuchliches gewählt, eines, von dem ich mir sicher war, dass die meisten nicht wissen, was es bedeutet. (Ich hatte davor auch keine Ahnung.)
    Lies doch den zweiten Abschnitt der Geschichte. Dort sagt Sapher:
    "Entschuldigen Sie bitte, Herr Doktor. Aber wie so oft verstehe ich Sie nicht."
    Genau dieses Gefühl, Klammer nicht verstanden zu haben, soll vermittelt werden. Der Leser soll in der Position Saphers stehen und sich fragen, was zum Teufel dessen Vorgesetzter eigentlich von ihm und, wie sich im Laufe der Geschichte zeigen wird, mit ihm will. Sapher ist der normale, dem Symphatie entgegengebracht werden soll. Mit ihm soll sich der Leser identifizieren, nicht mit der Mephistogestalt Klammer.
    Oder wie es in der Geschichte heißt:
    "Zwar ahnte [Sapher], dass Klammer irgendetwas mit seiner Person verband oder gar plante, doch er hatte nicht die geringste Ahnung, worauf sein Vorgesetzter mit diesen häufigen Diskussionen knapp über seinem intellektuellem Horizont abzielte."


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  13. #13
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    Question AW: Nutzlose Menschen

    Lieber Klammer,


    jetzt hast Du hier 3 Texte hereingestellt, die jeweils zu langen Erzählungen oder Romanen taugen. Wie kannst Du Dich so schnell umschalten? Das sind ja keine kleinen Geschichten, sondern breit angelegte Beginne, z.B. auch das goldene Kalb. Willst Du an allen Texten weiterschreiben? Wäre es nicht besser eine Expose ins Forum zu stellen? Ich bin augenblicklich etwas verwirrt über Deine sehr verschiedenen Aktivitäten.


    Kyra

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