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Thema: Champagnerregen

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Champagnerregen

    Seit Oktober 2017 habe ich vier Beine und vier Füße. Jetzt schreiben wir Mitte Mai 2018. Ich habe Blut im Mund. Der Champagner ist den weißen Orchideen gewichen. Mein Psychotherapeut sagt, mein linkes Bein ist kürzer als das rechte. Abends zücke ich die Elektroden und klebe sie mir für eine halbe Stunde auf den linken Fuß, der mit Ödemen überpflastert ist. Unten am Pool richtet ein rotes T-Shirt die weißen Särge, die wie eine Armee um den Pool stehen, während das ewige Spiel der Wellen in meinem Kopf summt. Eine rote Lichterreihe tanzt im Meer und hinter der Reihe schaukeln bunte Boote, die wie Zuckerguss ihre kleinen Schatten in das Meer werfen. Der Physiotherapeut meinte, eine Krücke würde reichen, aber ich gehe immer noch an zwei. Will nicht loslassen, denn der Fuß heilt nicht, da mein Rücken ständig Schmerzbotschaften an mein Hirn sendet. Die Elektroden waren auch schon im Rücken und Wärmepflaster wurden von Wärmflaschen und Rückenwärmegürteln verdrängt. Hier gibt es kein warmes Wasser und mein Rücken ist in der Nacht schutzlos wie ein frisch geborenes Vögelchen ohne Federn. Nackt starrt er aus der Decke heraus in den nicht zu sehenden Sternenhimmel. Dann füllt sich mein Mund mit Metall und ich trinke und trinke Wasser hinein, um die Angst hinunter zu stürzen, die mich wie im Nebel Welle um Welle umher wirft gleich diesen auf dem Wasser tanzenden Booten.
    Der eigentliche Grund für das Gebrechen und die Angst passierte vor 30 Jahren in Bangkok. Wein hatte mich umspült in meiner Übernächtigkeit nach dem langen Flug. Ein Jetlag ließ meine Reaktionen auf einen Nullpunkt sinken und so bemerkte ich in dem starken Verkehr dieses brodeldenden Molochs nicht, dass ein BMW von 0 auf 100 beschleunigte, mich von der Seite her streifte, ich mit dem Kopf an die Leitplanke prallte und dann zurück auf den Rücken und damit auf den Hinterkopf mitten auf den Asphalt knallte. Gerade, wenn ich jetzt im Moment auf der Tastatur tippe ist es, als ob ich mit dem Rücken tippe, denn jeder Schlag auf der Tastatur wandert in den Rücken. Im Krankenhaus wurde ich mit dem Hinterkopf auf eine metallene harte Liege gepresst und ohne Betäubung wurde die riesige Wunde an der Stirn genäht, aber keiner der Ärzte hatte bemerkt, dass ich auch am Hinterkopf eine klaffende Wunde hatte. Während sie vorne nähten, pressten sie meine Wunde hinten in das Metall, das nicht nachgeben konnte. Ich erwachte zwei Tage später mit den zwei Wunden am Kopf, einer Gehirnerschütterung, einem Schleudertrauma und einem Kreuzbandriss im rechten Knie. Dieser Kreuzbandriss wurde mir erst 30 Jahre später zum Drama, denn er wurde erst 10 Jahre nach dem Unfall entdeckt.
    Deshalb ist heute mein rechtes Bein kürzer als das linke und ich gehe schief. Der linke Fuß ist gebrochen, da ich das rechte Knie nicht richtig belaste. Bald ist Sonnenuntergang und dann gehe ich an Krücken mit Blut im Mund und Hirn zur Bella Isola hinauf, um zu sehen, wie der Vulkanball im endlosen Meer zerbirst. Ja, dort wird es Champagner für mich regnen und jemand wird mir eine weiße Orchidee in den Schoß legen. Und morgen, ja morgen werde ich mich wieder auf einen der Särge legen und hoffen, dass die Schmerzen dann endlich vorbei sind.

  2. #2
    Klaus Norbert.
    Status: ungeklärt

    AW: Champagnerregen

    Der Leser wird mit Bildern zugedeckt, wie soll der sich das alles als Bild vorstellen? Oder ist der Text wie ein Daumenkino?

    Schmerzen versauen das Leben.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Champagnerregen

    Ohne Bilder, kein Text, Norbert....

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