Viele glaubten und glauben, daß ein Buchtitel, der im Namen das Wort „Protokoll“ trägt, etwas wahrheitsgetreu, zumindest aber wahrheitsnah wiedergibt. Das ist hier ein Irrtum, denn der Text ist ein Stück kompilierte Literatur. Die „Protokolle“ sind Fiktion [1], was aber wenige davon abhält, sie als authentisch zu bezeichnen und entsprechende politische Schlußfolgerungen daraus zu ziehen.
Im Volke und in der Gelehrtenrepublik regten sich Beifall und Widerstand gleichermaßen nach ihrem Erscheinen. In seltener Einigkeit bezeugten hier Volk und Gelehrtenrepublik gleichermaßen ihre bornierte Scheuklappenmentalität und deklamierten das, was ihre Vorurteile ihnen eben suggerierten: Das Böse hat einen Namen. Betrachten wir die Entstehungsgeschichte etwas genauer, die zugleich eine Wirkungsgeschichte ist.
Die Geschichte der „Protokolle“ kann in vier Abschnitte eingeteilt werden: Abschnitt I beginnt mit „Biarritz“ von Herrmann Goedsche alias Sir John Retcliffe aus dem Jahre 1868. Das Seebad Biarritz im Südwesten Frankreichs wurde als Urlaubsort berühmter Politiker wie Bismarck oder Napoleon III. bekannt. Goedsches Text machte Furore. Vierzig Seiten der Schauerromanze [2] spielen auf einem prager Friedhof, wo die Führer der zwölf Stämme Israel versammelt sind, um ihr Zentenariumstreffen abzuhalten. Die Stammesführer berichten einander, wie weit ihr Verschwörungswerk gegen die Gojim, die Nicht-Juden, gediehen sei. Das Szenarium belauscht ein Dr. Faustus, der sich folgendes notiert:


  • der Handel soll kontrolliert und Engpässe bei der Versorgung der Regierung angelastet werden;
  • die Judenemanzipation ist zu forcieren, letztlich sollen sie den Christen rechtlich gleichgestellt werden und Zugang zu öffentlichen Ämtern erhalten;
  • das Konkursverfahren soll erleichtert werden;
  • die Wucher beschränkenden Gesetze sollen abgeschafft werden;
  • die Künste sollen besetzt werden;
  • getaufte Juden sollen sich mit christlichen Frauen [3] vermischen;
  • die Juden sollen die Börsen beherrschen;
  • der Adel soll in Schulden getrieben werden [4];
  • Handwerker sollen proletarisiert werden;
  • die Industrialisierung soll vorangetrieben werden [5];
  • das freie Denken soll bestärkt werden;
  • die Kirche soll vom Staat getrennt werden;
  • der Besitz der Kirche soll verstaatlicht werden;
  • das Militär soll entwaffnet werden [6];
  • Revolutionen sollen angefacht werden und
  • die Presse soll beherrscht werden.


Das in den Fußnoten Angezeigte deutet auf ein Muster, nach dem die geschilderten Methoden mit dem Ziel „Erringung der Weltherrschaft“ gestrickt sind. Da das im Zeitalter des Imperialismus ein üblicher Sport bei den Mächtigen war, darf gefragt werden, ob nicht jeder das ihm Gemäße anzuwenden befugt ist? Man kann die einzelnen Punkte der Methodik zur Erringung der Macht durchgehen und wird feststellen: Jeder, der die Macht will, muß diese Fixpunkte zur Bestimmung seines gesellschaftlichen Ranges strategisch ins Visier nehmen. Das sind samt und sonders Baustellen, Säulen der Gesellschaft: wer sie bildet, beherrscht sie.

Ein Russe will sich beim Dorfjuden fünf Rubel leihen. Der Jude bestimmt das nächste Frühjahr als Rückzahltermin und will zehn Rubel haben. Als Pfand verlangt er ein wertvolles Messer. Als der Russe gehen will, ruft ihm der Dorfjude nach: „Warte einen Augenblick! Mir ist eingefallen, daß du ihm Frühjahr immer knapp bei Kasse bist. Wäre es nicht besser, wenn du jetzt die Hälfte anzahlst?“ Der Russe ist überzeugt und gibt dem Dorfjuden fünf Rubel. Er geht nach Hause und grübelt: „Hm. Fünf Rubel sind weg, mein Messer ist weg und fünf Rubel schulde ich noch. Aber alles hat seine Richtigkeit.“

Goedsche geht nicht auf die Akkumulation von gesellschaftlichem und individuellem Reichtum ein, erst recht nicht auf den Verteilungsprozeß in der Gesellschaft. Für den zu Goedsches Zeiten lebenden Soziologen Marx war das die zentrale Frage der Zeit: Wer besitzt die Produktionsmittel und damit die Macht, sich die von ihnen hergestellten Produkte samt ihrem Erlös anzueignen?
So sehr Goedsche das rechte Spektrum im politischen Diskurs zu besetzen scheint, während Marx links angesiedelt wird, so sehr glauben beide, daß es einen gesellschaftlichen Schleier gibt: Goedsche vermutet die Juden als Strippenzieher hinter dem Vordergründigen politischer Machtverhältnisse, Marx sieht den Fetisch der Ware, der die meisten Menschen gängelt und sie von ihrer historischen Mission abhält, nämlich selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen und die Ausbeuter zum Teufel zu jagen, um dann den gesellschaftlich produzierten Warenberg gleichmäßig unter den Produzierenden zu verteilen. Goedsche will die Juden als macht- und raffgieriges Volk demaskieren; Marx will den Warenfetisch beseitigen, also den Mehrwert, der sich zyklisch während der Zirkulation von Geld und Ware ergibt, gesellschaftlich nutzen.
Und nun die Juden. Warum sollen ausgerechnet die Juden als Feindbild herhalten? Wem? Den Traditionellen, der katholisch-legitimistisch-antiliberalen Denke, dem christlichen Durchschnittsbürger, aber wohl auch den wirtschaftlichen und finanziellen Konkurrenten... Wem nicht?
Die Juden haben wenige Freunde in der Welt. Christen hegen immer noch Argwohn wegen der Auslieferung des Heilands an die römischen Herrscher; Moslems sehen in ihnen Eindringlinge in ihren Lebensraum; Atheisten sind sie gleichgültig, was dem Erwähltheitsdünkel als Volk Gottes wenig schmeichelt [7]; arische Rassisten sehen in ihnen potentielle oder ganz gegenwärtige Blutvergifter; Kommunisten nehmen viele Juden als Vertreter des verhaßten Kapitalismus wahr; anderen sind sie fremd wie ein Hund dem Mond, der ihn anbellt. Lediglich bei Liberalen, religiös Indifferenten und bei Entwurzelten finden sie Aufnahme, doch nicht positiv, sondern per negationem [8]. Sie nehmen in Europa bestenfalls 0,..% der Bevölkerung ein. Die weltweite Verstreutheit entspricht ihrer inneren Inkontingenz. Die Juden sind ein zerstrittenes Volk wie beinahe jedes andere Volk der Erde auch. Ihre Zerstreuung, Diaspora, hat nichts Eigentümliches mehr, auch Griechen, Deutsche, Russen, Chinesen, Engländer, Franzosen, Italiener, Inder, Afrikaner oder andere leben über den Erdball verstreut und passen sich den gegebenen Umständen an, mehr oder weniger schnell. Aber die Juden haben zwei Besonderheiten in ihrer historischen Entwicklung, die sie für Verschwörungstheoretiker interessant machen:


  1. seit dem babylonischen Exil leben die meisten außerhalb ihres einstigen Lebenszentrums Palästina, innerlich verbunden durch die Thora und das gemeinsame Blut [9];
  2. die fiskalische Gesetzgebung der christlichen Staaten erlaubte Christen keine Zinsgeschäfte, da Geld aber weltweit am besten operiert, kam das den Juden, die derartige Beschränkungen nicht kennen, entgegen: Die Christen brauchten das liebe Geld und haßten die Juden, die es ihnen geben konnten und wollten, schließlich war das die einzige Chance, den gehaßten Christen in schuldnerische Abhängigkeit zu bringen, somit ein Stück Aufenthaltsrecht im christlichen Abendland zu erzwingen.


Juden besetzten seit dem frühen Mittelalter eine wichtige Schnittstelle in der europäischen Gesellschaft, die zwischen Geld und Ware. Erst mit dem Beginn der Neuzeit kam ihnen christliche Konkurrenz in die Quere. Denn die riesigen Gewinne aus den Piraterien [10] und eine sich globalen Waren-Geld-Strömen öffnende Politik, die den wirtschaftlichen Bedürfnissen sowohl der Kirche als auch der weltlichen Macht entgegenkommen mußte, ließ nun auch christliche Bankhäuser entstehen. Damit nähern wir uns dem Kernproblem der Geschichte zur Zeit des Imperialismus: dem Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem und politischem Machtanspruch.

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Abschnitt II
umfaßt den Siegeszug der „Protokolle“. Rußland um 1900. Zwischen Finanzminister Witte und seinen Gegnern tobt ein Kleinkrieg. Der Sieger bestimmt die politischen Leitlinien für die nächsten Jahre, glaubt man. Witte ist Vertreter des jüdisch-deutsch-liberalen Reformflügels, hat Einfluß auf den Zaren, der seinerseits mit einer Deutschen verbunden ist, besitzt internationale Verbindung zum Kapital und will Rußland dem Westen öffnen, es seiner Seele berauben, wie Wittes Gegner polemisieren, der jüdischen Weltrepublik einverleiben. In dieser innenpolitischen Situation Rußlands, einer zunehmenden Polarisierung zwischen deutsch-jüdischen Westlern und russisch-orthodoxen Konservativen machten die Deutschen 1890 den verhängnisvollen Fehler, Rußland das Gefühl zu geben, es würde nicht benötigt. Reichskanzler Caprivi verlängerte den Rückversicherungsvertrag [11] nicht, dieses außenpolitische Glanzstück seines Vorgängers Bismarck, die Lebensversicherung für das Zweite Deutsche Reich. Zudem gab es Streit um Getreideexporte nach Deutschland, den die Konservativen im Reichstag mit Zöllen zu erschwerten, um ihre Klientel, die ostelbischen Junker, nicht an den Bettelstab zu bringen. Die Oberschicht in Rußland, vor allem der höhere Beamtenapparat, war fest in deutscher Hand, beinahe 40% der wichtigsten Stellen waren von Deutschen oder Russen mit deutscher Herkunft besetzt. Das sind Gründe genug, Rußland für französische Werbungen zu öffnen, es gegen die Deutschen einzunehmen [12]. So merkwürdig es heute klingen mag, aber vor dem ersten großen Krieg galt konservativen Franzosen und Russen das Jüdische als etwas Deutsches. Sie haßten beides und verbanden es miteinander. Trugen die meisten Juden nicht deutsche Namen, war ihr Jiddisch nicht eine Form des Deutschen? Waren die Juden im Reich nicht fast assoziierte und vollwertige Staatsbürger, jedenfalls zahlreich in gesellschaftlich anerkannten Positionen als Ärzte, Rechtsanwälte, Finanzmakler... beschäftigt?
Eine Allianz aus Antisemiten und Deutschhassern bildete sich. In diesem Kontext erschienen die „Protokolle“, ein Stück französisch-russische Äquilibristik aus Halbwahrheiten und russisch-ukrainischer Prosa [13] mit großer Wirkung. Die Rechnung ging auf: Das Halbwahre und zudem mit unterschwelligen Ängsten spielende politisch Paranoide besitzt für die meisten Menschen einen unheimlichen Reiz, dem sie gerne nachgeben. Da nützte auch das Verdikt des russischen Zaren nicht, der dieses Stück Literatur wahrscheinlich auf Anraten seiner deutschen Frau Alexandra bald nach dem Erscheinen 1903 verbot, doch sich der Wiederaufnahme durch den russischen Apokalyptiker [14] Nilus dann nicht widersetzte. Die „Protokolle“ waren in Frankreich und Rußland vor dem ersten großen Krieg berühmt, währenddessen sie in Deutschland so gut wie unbekannt blieben.

Abschnitt III umfaßt die weltweite Ausbreitung. Der zeitliche Anfang dieses Abschnitts läßt sich auf das Ende des Ersten Weltkrieges fixieren. Das Publikationszentrum verlagerte sich nach Deutschland. Der Boden für eine paranoide Weltverschwörungsfata war nach Versailles im Reich günstig. Die NSDAP sicherte sich die deutschen Rechte am Text und vertrieb ihn in zig Auflagen. Viele Deutsche fanden in diesem Text genau das beschrieben, was an ihnen gegen ihren Willen praktiziert wurde: Deutschland wurde liberalisiert und demokratisiert, ihm wurden Gebiete weggenommen, obwohl sich die Mehrheit in diesen Gebieten für einen Verbleib im Reich ausgesprochen hatten (Oberschlesien), in anderen mehrheitlich von Deutschen bewohnten Gebieten wurden diese gar nicht erst befragt (Elsaß, Eupen, Teile des polnischen Korridors, Südtirol, Sudetengebiete), in dritten wurde ihnen gar verboten, sich ihrem in Demonstrationen geäußerten Willen gemäß eine politische Struktur zu geben (Deutsch-Österreich)... In der Politik und im öffentlichen Leben bestimmten all die, vor denen lange in der monarchischen Presse oder im Reichstag gewarnt wurde, politische Extremisten oder multinationale Konsortien, die aus dem Reich einen Selbstbedienungsladen machten, aus dem sich jeder halbwegs vermögende Ausländer oder mit diesen paktierende Inländer, Kriegsgewinnler beschimpft, bedienten. Der Leser der „Protokolle“ staunte ob offensichtlicher Parallelen zwischen im Buch beschriebenen Methoden der Machtausübung und seinen Alltagserfahrungen in der Weimarer Republik. Da es in der Wirklichkeit vorfindbare Parallelen gab, war das Buch erfolgreich, über die Maßen erfolgreich.

Abschnitt IV beginnt mit einem richterlichen Urteil aus dem Jahre 1935. Ein Gericht in Bern/Schweiz nannte die „Protokolle“ ein Plagiat und verbot dessen Verbreitung, die dem bernischen Schundgesetz zuwider liefe. Von diesem Schlag erholte sich das Buch nie wieder. Zwar wurde das Urteil zwei Jahre später aufgehoben, aber das war eine politische Revision, die den Befindlichkeiten des großen Nachbarn geschuldet war.
Wie aber soll heute mit einem Text umgegangen werden, der von den Nationalsozialisten benutzt wurde, ihr Verhalten gegenüber den Juden zu begründen? Trifft Hitlers Vermutung zu, daß in den „Protokollen“ dargelegt sei, was die Juden unbewußt täten und daß diese „Protokolle“ mit grauenerregender Sicherheit das Wesen der Juden aufdeckten und ihre inneren Zusammenhänge und letzten Schlußziele darlegten [15]?




[1] Nach anderen sind die Protokolle keine Fiktion, sondern Gebrauchsliteratur (Caumanns), die den jeweiligen historischen Umständen angepaßt werden kann.

[2] eine Bezeichnung von Sammons, der 1998 eine kommentierte Ausgabe der Protokolle publizierte

[3] Bis 1970 kann nur der Jude sein, der zweierlei erfüllt: a) er muß eine jüdische Mutter haben (das ist konstitutiv und für einen Nichtjuden nicht zu ändern, also ein biologisch bestimmtes Diktum) und b) er muß sich an die Gesetze halten, wie sie für Juden bindend sind (das ist ein freier Akt des Individuums), denn Gott hat sein Volk nach Vorstellung der Juden auserwählt.

[4] Da den Juden der gesellschaftliche Aufstieg in den Adel vorenthalten blieb, jedenfalls schien das Goedsche 1868 in Verkennung der Gesetze so, sollte nach diesem Ohrenzeugen Dr. Faustus, d.i. eine fiktive Gestalt in einem fiktivem Text!, der Adel über das Geld gesellschaftlich minderwertig gemacht werden. Danach könnte es für verschwörerische Gruppierungen in der Gesellschaft leichter sein, die Stände zu nivellieren, gegeneinander aufzuhetzen und schließlich die Macht zu ergreifen. - Viele Adlige, ihrer finanziellen Basis enthoben, denn ihre Lebensgrundlage, die Erbuntertänigkeit, war abgeschafft und auch im übrigen genossen die Adligen keinen königlichen oder kaiserlichen Schutz mehr, spürten die gesellschaftlichen Veränderungen um 1870 besonders stark. Sie waren selbst mehr und mehr den allgemeinen Gesetzen des Marktes unterworfen, doch durch falsche Selbstüberhöhung änderten die wenigsten ihren tradierten Lebensrhythmus und gaben stets mehr aus, als sie einnahmen.

[5] Die Punkte 2, 4 und 5 entsprechen dialektischer Weltwahrnehmung. Es liegt nur nahe, gesellschaftliche Prozesse zu beschleunigen, die darauf hinauslaufen, das Geschehen natürlichen Kreisläufen anzupassen und zwischen den sich ausprägenden und sich ausgeprägt habenden Individuen geburtliche Unterschiede zu verwischen. Das ist klassisches Gedankengut, sokratisch, und somit noch älter als das traditionelle Ungleichheitsdenken des christlichen Konservatismus, der sich vorhalten lassen muß, daß Jesus seine Botschaft der Nächstenliebe allen Menschen sandte. Die angezeigten Punkte haben nichts mit etwas typisch Jüdischem zu tun, auch der Gedanke des Nationellen steht gegen das Ständische. Doch die Frage sei hier gestattet: Was ist an ständischem Denken falsch? Ist das Ständische deutsch, dann ist das Nationelle undeutsch!

[6] eine unsinnige und bestenfalls tagespolitischer Stimmungsmache geschuldete Behauptung, die keine Logik besitzt

[7] Schmeichelei ist nicht nur auf Erwähltheitsdünkelnde begrenzt: „In dem Deutschland Wilhelms II. war die Schmeichelei zu einem unentbehrlichen Mittel der allerseits gleich geschätzten Realpolitik geworden.“ (Wunnig, S. 92.)

[8] Die dem Judentum aufgeschlossen gegenüberstehenden Genannten suchen bei den Juden etwas nicht Findbares: Toleranz. Und die Suchenden suchen Ersatz, eine Kompensation für ihren Mangel, den sie entweder selbst herbeiführten oder nach Traditionsabbruch in ihrer Familie oder Gesellschaft zu überbrücken hoffen, etwas, was ihre innere Leere kompensieren soll. Die Suchenden können aber keine Juden werden, können sich also bestenfalls mit Techniken oder Lehre befassen, was theoretisch bleiben muß, also zu Unzufriedenheit oder noch Ablehnenderem führt. Im sympathetischsten Fall entstehen Geschäftsbeziehungen.

[9] Es dürfte auf der Hand liegen, daß bei einer durchschnittlich 5%igen Bastardisierung je Generation schon nach wenigen Generationen von keinem reinen Blut mehr gesprochen werden kann. Und das trifft auf jedes Volk der Welt zu, daß es sich nicht zu 100% an etwaige Reinheitsgebote des Blutes hält, also die Frauen Kinder gebären, die nicht von ihren Ehemännern, sondern von Durchreisenden, Fremden, Freunden, Feinden oder Dienern abstammen. Freiwillig oder unfreiwillig. Bastardisierung ist seit Menschengedenken ein Fakt: homo sapiens sapiens und homo neanderthalensis taten es, die Bienen tun es, die Hunde und eben auch alle Rassen der Menschen.

[10] Gemeint sind hier die Gewinne, die Spanien und Portugal aus der Ausbeutung Südamerikas zogen, auch die der französischen, holländischen und englischen Piraten, die mit Genehmigung der jeweiligen Königshäuser beziehungsweise Handelsgesellschaften auszogen. Besonders die Engländer trieben dieses Geschäft an und adelten ihre größten Piraten, Francis Drake oder Walter Raleigh, weil sie einen Gutteil ihrer Beute der Krone vermachten und vorzugsweise spanische Silberschiffe kaperten.

[11] Der Rückversicherungsvertrag war ein von Bismarck eingefädelter Vertrag, der Rußland für den Fall kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich durch ein System von Aushilfen an Deutschland band. Im Gegenzug versicherte Bismarck den Russen die Abnahme von deren Getreideüberschüssen und Zugang zum deutschen Kapitalmarkt. Bismarcks Nachfolger durchschaute die Kompliziertheit der gegenseitigen Vereinbarungen nicht und verlängerte den Vertrag nicht, was Rußland in die Arme Frankreichs trieb.

[12] Zur Haßliebe zwischen Russen und Deutschen schrieb Walter Laqueur ein gutes Buch.

[13] de Michelis („Protocolli dei savi di Sion“, Venedig 1999) nimmt an, daß der Ursprungstext von Ukrainern geschrieben wurde, Pawel Kruschewan und Georgi Butmi.

[14] Paranoiker und Apokalyptiker handeln aus einem Zwang heraus. Es sind existenzielle Ängste, die sie antreiben. Die Zeichen stehen auf Sieg oder Tod. Für Außenstehende gilt es, sich zu entscheiden. Es kann eine Entscheidung über Leben und Tod sein, denn die Apokalyptiker machen keine Gefangenen, sie kämpfen gegen den Teufel! Wer also einmal in den Sog gerät, der ist verloren.

[15] Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1936. S. 337.