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Thema: Das Parfüm

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Das Parfüm

    Sehnsüchte eines Bar-Hockers


    Die Tür klemmte ein wenig, er musste etwas mehr Kraft als gewöhnlich aufbringen, um die Kneipe zu betreten. Der übersteigerte Schwung ließ die dicke Glastür plötzlich auffliegen und mit voller Wucht erst gegen die Wand dahinter, dann gegen seinen kaputten Schuh und den kleinen Zeh darunter donnern. Er konnte sich einen Schmerzensschrei nicht erlauben, nicht in dieser Situation, deshalb mag sein Gesichtsausdruck beim Eintreten in seine Stammkneipe ein wohl merkwürdiger gewesen sein...Er wählte den Platz, den er immer wählte, zumindest einen von denen, die er immer wählte, den am Tresen. Eigentlich war alles wie immer. Der Wirt fragte: Wie immer, der Halbe schmeckte wie immer und es waren die gleichen Leute da, wie immer. Vielleicht waren es nicht die selben, aber es waren wohl die gleichen. Diejenigen, die an solchen Abenden in solchen Kneipen ebenfalls am Tresen saßen und wie immer alle miteinander das gleiche dachten, über sich, den anderen und das belange Los des Lebens. (Aber rein theoretisch hätten es ebenso die selben sein können.)
    Trotzdem, war etwas anders an diesem Abend, er hatte so ein Gefühl, es hatte auch mit der Tür zu tun... Beim Verlassen einer Pinte waren ihm schon vielerlei Dinge zwischen Tür und Angel passiert, jedoch nicht beim Betreten einer selbigen...
    Er hatte die Frau gar nicht hereinkommen sehen, und doch musste er sich nach ihr umdrehen. Es war ihr Duft, der seine Aufmerksamkeit erweckte. Der bekannte, vertraute Duft hinterließ in ihm ein warmes wolliges Gefühl. Er kannte sie nicht, und doch schien er sie er-kannt zu haben. Er wusste nicht einmal warum ihm der Duft ihres Parfüms vertraut war. Als sie ihn ansah bemerkte er, dass er sie schamlos angestarrt hatte und es passierte ihm etwas, was er dachte seit seiner Grundschulzeit besiegt zu haben: er wurde rot. Ruckartig drehte er sich auf dem Barhocker seinem noch vollen Halben zu, um rauszuholen was drin war. Das Bier kühlte seinen Kopf von innen und die Kohlensäure verstärkte das Kribbeln in der Magengegend. Er war sich sicher, diese Frau niemals zuvor, weder hier noch anderswo gesehen zu haben...woher zum Teufel? Das Klappern der Gläser hinter dem Tresen dröhnte in seinem Kopf. Er stellte sich vor, in einem geräuschleeren Raum zu liegen, nur er, eingehüllt in den sanften schweren Duft, des nun langsam flüchtenden Parfüms, um das wohlige Gefühl ganz aufnehmen zu können. Aber es war eher so, als hätte der Duft ihn aufgenommen...wie ein warmer Schoß, in den er sich endlich niederlassen durfte. Er fühlte sich eins mit sich oder der Welt; alle Hast und Hetze fiel von ihm ab, die ihn sein Leben lang bisher von einer Bar- auf den nächsten Hocker trieb. Von einem Halben, bis zum vollen Rausch. Er hatte kaum mehr die Kraft noch den Willen sich zu wundern, darüber, was mit ihm in diesem Moment eigentlich geschah. Der Duft wurde wieder intensiver, und als er aufblickte stand sie neben ihm. Sie war gewiss keine Schönheit, aber es war auch nicht so, als würde er sie sehen. Er hatte sie nur erkannt, er fühlte sie, er atmete sie, von Sekunde zu Sekunde verschmolz er auf irgendeine sonderbare Weise mit ihr. Es war so, als würde er mehr und mehr sie werden...Er schloss die Augen. Ihm war, als sehe er die Farben des Duftes, der ihn mehr und mehr in sich aufnahm.
    Zarte, unbekannte Farben, die ihn wie weiche Seidenschals umhüllten. Ein schweres Glas fiel klirrend zu Boden. Fast fühlte er die Splitter in seinem Kopf. Er öffnete die Augen, die Frau, eigentlich hatte er sie schon vergessen, verlangte etwas beschämt einen Lappen. "Es tut mir leid", sagte sie, "ich habe ihr Bierglas umgeworfen." Er kapierte die Situation erst, als die Bedienung zu seinen Füßen die Bierlache um seinen Barhocker herum versuchte zu beseitigen. Er sprang vom Hocker, weil er den Anblick der krabbelnden Tresenschönheit unter ihm nicht länger aushalten konnte. Ein Blick in ihren Ausschnitt, der sich ihm in dieser Haltung offenbarte, war unvermeidbar, was für ihn die Szene nicht weniger peinlich machte. Fluchtartig wählte er den gang auf die Toilette. Als er wiederkam stand ein frisch gezapftes Bier an seinem Platz. Die Frau war verschwunden und mit ihr der Duft, von dem er jetzt schon nicht mehr wusste, wie er eigentlich gewesen war...

  2. #2
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    Post AW: Das Parfüm

    Fast


    Die Scheißtür klemmte, brauchte nen Tritt. Das Miststück krachte gegen die Wand, zurück, quetschte seine Zehen. Verdammt! Cool bleiben, schließlich war er der Obertyp, war lässig. Designerjeans und kaputte Schuhe, da macht man kein Geschrei wegen so einer Arschlochtür.
    Langsam ging er an den Tresen, sein Stammplatz war frei. Er schaute sich um, die gleichen Blödgesoffenen wie jeden Abend, die gleichen blöden Sprüche. Und er mitten drin, gehörte dazu, soff Bier und klopfte Weisheit: Das Leben ist einzige Scheiße!
    Er spürte Luftzug. Noch ein Blödmann? Es zog und stank. Wonach? Rauch und verschwitzte Wolle, irgendwann schon einmal gerochen. Ein Weib! Was machte eine Tussi hier in seiner Kneipe? Er drehte sich um, die Braut, die es wagte, verächtlich zu mustern. Verflucht, er bekam einen Hammer, wurde rot. Was ging da ab? Er war doch kein Anfänger, war Ludwig, Muttis wie Sand am Meer gehabt, und trotzdem einen Ständer. Ihr Parfum, vermischt mit Schweiß, vertraut wie warme, schwitzende Haut aus dem Puff in der Hafenstraße. Aber heute war nicht Freitag.
    Er drehte sich weg, schluckte Bier, zu hastig, nicht lässig. Das Klirren von Gläsern kratzte in seinem Kopf, der Hammer hämmerte gegen die Hose. Oh verschissene Kacke, er merkte, die Tante starrte ihn an. Der Geruch, Bilder: Reinspringen, das Maul aufreißen, schmecken, schlecken, lecken bis die Alte weinend dampft!
    Oh Mann, sie stand neben ihm, war keine Schönheit, aber unheimlich geil. Wahnsinn, was war mit ihm los? Ein Geruch wie eine Odelgrube, nein, wie nach Fußball aus dem Hosenstall, warm, und er total irre. Er mußte die Augen schließen...
    Ein Glas fiel auf die Fliesen, die Hose naß. "Sorry, hab dein Bierglas umgeschmissen." Sie, Stimme klang nach rauher Zunge. Eine Barschlampe wischte kniend an seinen Schuhen herum. Er konnte die Möpse sehen, zwei Pickel und tiefe Falte. Er kapierte gar nichts, au?er: Die Tussi starrte ihn immer noch an. Ihr Geruch, und sie lächelte. Er flüchtete aufs Klo. Als er zurückkam stand ein frisches Bier auf seinem Platz. Die Braut war verschwunden, es roch, wie es immer roch.
    Heilige Scheiße, fast...


    Mein Linnen aus Linz, war es das, was Du mir bedeuten wolltest? Hey, Linz ist nicht weit von Obernberg entfernt. Kommen?

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das Parfüm

    die sätze sind zumeist stereotyp gebaut
    ich weiß nicht, welche kneipen du besuchst, ich gehe, um mich mit menschen zu unterhalten, und ich finde immer wieder neue - ist das jetzt von mir eine stereotype?


    wußte, daß
    ... war
    um, ... zu...


    dann wird's besser, du beschreibst jetzt das eigentliche


    empfehle dir konzentration aufs wesentliche, den rest bau dann drum herum, aber schematische satzbaukonstrukte meide wie gewitterziegen

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Das Parfüm

    es ist kein hit, reißt mich nicht vom hocker. aber durchgehen lassen kann mans. hannemanns version ist auch nicht schlecht, aber es sind zwei verschiedene texte.


    @aerolith: mein schachverein spielt im hinterraum einer kneipe. es sind jede woche die selben typen da. auch die, die kein schach spielen.

  5. #5
    kls
    Laufkundschaft

    Post Expose: Der Laut

    Erster Teil


    In der Nacht vom 25. - 26. Juni 1766 verstarb unter nicht geklärten Umständen in Paris auf dem Cimentiüre des Innocents ein gewisser Grenouille. Seine Leiche wurde nie gefunden und eine Vermisstenanzeige lag auch nicht vor; es schien, als hätte er keine Spuren auf dieser Welt hinterlassen, als hätte er nie gelebt. Seine abscheulichen Verbrechen wurden in ihrer Unerklärbarkeit schnell vergessen, gründlich vergessen und lebten noch nicht einmal mehr in der Massenseele in Form von Märchen oder Kinderschreckgeschichten weiter; es schien, als ob sich die Menschheit, ja das ganze Universum schämen würde, jemals so ein Monster hervor gebracht zu haben.


    Niemand erfuhr von seiner furchtbaren Gabe, von seinem genial-, bösen, auf Gerüchen basierendem Gegenentwurf zu diesem Universum. In diesem, nur von ihm bewohnten olfaktorischen Kosmos, waren die anderen Sinne von geringer Bedeutung gewesen, die Moral unbegreiflich und seine Verbrechen ähnelten demnach eher denen eines Hohepriester, welcher einem Gott seiner Überzeugung Opfer darbrachte. Niemand erfuhr auch jemals von den Zwillingen, welche er mit Madame Arnulfi in Grasse gezeugt hatte. Am Tage seiner Auflösung gebar sie heimlich.


    Zweiter Teil


    Die Kinder wachsen auf, ominöse Omen breiten sich um sie herum aus.


    Dritter Teil


    Ein Kind ist normal, das andere hat eine Variante des Fluches geerbt, der ihren Vater ereilte: es kann die Welt mit den Ohren wesentlich exakter wahrnehmen, als andere mit den Augen, genauer sogar, als Grenouille die Welt mit seiner Nase sah. Es kann bei lautestem Krach aus dem allgemeinen Hintergrundrauschen die leisesten, entferntesten und heimlichsten Geräusche heraus filtern, im Ultra- und Infraschall hören...


    Es kann den Bettler am anderen Ende der Stadt atmen hören, die Verdauungsgeräusche und den Herzschlag. Es kann hören, was der Bettler hört. Es kann mit den Ohren sehen, wie der Mann gekleidet ist, sich bewegt, erahnen welche Motive ihn treiben, kurz, es kann jeden beliebigen Menschen in seinem Wirkungskreis besser wahrnehmen, als jemand, der direkt daneben sitzt und ganz genau hinschaut, Psychologie studiert hat und sich zusätzlich noch Notizen macht.


    Vierter Teil


    Das Kind hat die Vision des göttlichen Wortes, welches demnach im letzten Atemzug eines Menschen enthalten sei. Oder im ersten Schrei. Er experimentiert mit beidem und kombiniert sie. Grusel.


    Fünfter Teil


    Es gelingt dem Sohn von Grenouille, ein Echo vom absoluten, ersten, ewigen, alles Sein verursachende Geräusch einzufangen, zu verstärken und zu vervielfältigen. Die Wirkung ist enorm, allein hat dadurch sein Leben keinen Sinn mehr und er stellt sich direkt unter die Lautsprecher, welche er mit den Mitteln des 18ten Jahrhundert herstellte und dreht den Regler bis zum Anschlag auf.


    Fortsetzung folgt

  6. #6
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Post AW: Expose. Der Laut

    ja, hübsch. mehr details.

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