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Thema: Impressionen aus dem "Blöden Egon"

  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    Post AW: Beiträge aus dem "Blöden Egon"

    Burgdorf, meine Tochter nannte es treffender Weise: „Dorf-Dorf“, Hartmut: „Kiff-Kaff“ ich nenne es: „Brechdorf“, hat ca. 60 Kneipen.


    Natalie hatte ihrem Freund fast öffentlich die Hörner aufgesetzt und er kaute mir die Ohren ab. Drei Tage später waren sie wieder ein Herz und eine Seele und ich der böse Buhmann. Ich dachte nur: „Arschlecken!“. Im Bedarfsfalle habe ich ja sooo breite Schultern. Einen Monat später gab es aber ein Rückspiel und diesmal heulte sich Natalie bei mir aus. „Ja, Mädchen, wer hart austeilt muss auch hart einstecken können.“


    Miriam hat im letzten halben Jahr 45.000,-- DM intravenös verkokst. Entweder muss sie jetzt Konkurs anmelden oder abermals auf den Strich gehen. (Wer zahlt eigentlich für so was?) Ob die Narben wieder verschwinden würden? „Wenn man ihnen eine Change gibt. Ist doch jedem seine eigene Entscheidung, oder? Ich jedenfalls habe schon lange keine mehr.“


    Peter bebalzt die Zapfhahnbeauftragte mit dem Charme einer Abrissbirne: „Hey Baby, ich bin dein Schicksal!“, „Genau, aber sag mal, ziehen sich die Augen wieder in ihre Höhlen zurück wenn man Salz darüber streut?“


    Sarah gegenüber hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Wir nicken uns höflich und steif zu, kein Augenkontakt - Blick auf „Leer“ gestellt -, und dann wird der Andere so lange über die Netzhaut geschoben, bis er im blinden Fleck gelandet ist. Wir achten beide darauf, daß sich immer mindestens ein anderer Mensch zwischen uns befindet oder wenigstens eine Säule, damit bloss kein freier Raum entsteht. Den würden wir doch nur fehl interpretieren.


    Natalie sieht mich immer so strafend an, wenn ich den hübschen jungen Dingern einen langen Hals mache. Wie, jetzt noch nicht einmal mehr GUCKEN? Wahrscheinlich Futterneid. Aber ich mache ihr doch auch ‘nen langen Hals.


    Regina meint zu Hussy, er solle sich nicht immer so viele Gedanken machen. „Ich mache mir doch keine Gedanken, es ist eher umgekehrt.“


    Die Mutter (Zwillinge) mit den schönsten Beinen Burgdorfs spricht mich an.
    Janet: „K.-L., wie geht es dir.“
    K.-L.: „Machst du Witze?“
    Janet: „Warum geht es dir eigentlich immer so schlecht?“
    Bevor mir etwas Plausibles einfällt fängt sie an von sich und den Kindern zu erzählen und kann gar nicht mehr aufhören. Janet habe ich vor 14 Jahren kennengelernt als sie süsse 15 war. Sie hatte sich zu mir gesetzt und ich war wie damals auch schon üblich auf Blues und besoffen.
    K.-L.: „Woll’n wir ficken?“
    Janet (leicht verunsichert): „Nö.“
    K.-L: „Dann setz dich woanders hin.“
    Janet (mit Gravitas): „Nö.“ (Gravitas heisst übr. Würde)
    Seitdem mögen wir uns. Janet fällt bei mir aber unter das Un-, Inzucht- und Inzestverbot.


    Ich treffe Karin, obwohl sie sonst kaum in den „Egon“ geht.
    Karin: „Mensch, Karl-Ludwig, wie geht es dir?“
    K.-L.: Ich glaube kaum daß dich das wirklich interessiert. Und falls doch, würde ich es dir nicht sagen.“
    Karin: „Ach, so sieht das also aus.“


    Liane kam händchenhaltend mit ihrem Akutbekleckerer über den Platz geschlendert. Die auffällig gemusterten Hosenträger hatte er abgelegt, den Bauch nicht. Benno brach es fast das Herz. Diesen waidwunden Blick kenne ich nur allzugut aus dem Spiegel.


    K.-L.: „O.K.! Und Tschüss gesägt.
    Gerda: „Ja, wenn Du das willst...“ „Das“ und „willst“ gedehnt. und zum Wortende ansteigend.
    K.-L.: „Ja.“
    Am nächten Tag wirft sie mir so einen Blick zu und unterhält sich demonstrativ überzeugend mit einer Freundin.
    Bedienung: „Möchtest du was haben?“
    K.-L. (laut): „In diesem Laden gibt es nichts, was ich haben möchte!“ Was soll ich machen? Ich hatte das wirklich nicht geprobt, aber mein kesses Mundwerk überholt mich immer öfter.


    Einer von den richtig Unsympathischen hatte sich in Natalie verliebt. Klein, dick, doof, und hässlich. Und stinken tat er auch. Ausgerechnet in Natalie, die einen Kometenschweif von gebrochenen Herzen hinter sich her zieht. In Natalie sind fast alle verliebt. Auch ich bekomme jedes Mal ganz verträumte Augen. Damit muss eine professionelle Tresentante aber umgehen können. Sie setzte sich ganz nahe hin zu mir und ich murmelte leise: „Darfst ruhig an mir rumnesteln.“ Das ergab einen erfrischenden Adrenalinstoss, obwohl diese Konkurenzsituation nun wirklich nur ein Witz war.


    Natalie ist eine gekonnte Mischung aus Niedlich und Bescheid wissen. Die Torfnase verschwand. „Der kommt wieder.“, aber beim zweiten Mal ignorierte sie den Hocker neben mir und auch meine einladenden Gesten (Lass mich dein weisser Ritter sein, gemeinsam schlachten wir das Schwein, wenn ihm dann so richtig frustig wirds bestimmt besonders lustig), sondern schickte die Artillerie.


    Die Artillerie ist Anfang 20 und etwas herber. Tätowierungen hier, Metall da, 62 Kilo schwer, 178 hoch, kann aber wie 85/190 wirken, schwarz gekleidet und von raumfüllender Präsenz. Bei ihr weiss man gleich, daß sie nicht zur Dekoration gehört. Sie entsorgte souverän:
    „Ja, ich bin von der Beschwerdeabteilung. Hier soll sich wer beschwert haben?“
    „Ich.., äh.., aber..., habe mich gar nicht...“
    „Ja, was gab’s denn dann?“
    „Ich...wollte doch nur zahlen.“
    „Du kannst aber gerne wiederkommen.“


    Susanne hat eine Stimme, da könnte ich mich reinlegen. Dafür verzeihe ich ihr auch diesen gewaltigen Kalabräser.


    Die Form, nach welcher Beate hergestellt wurde, muss anschliessend verloren gegangen sein. Beate ist der Beweis, daß der Liebe Gott auch ein Feinschmecker ist. Sie bekümmert sich um Rosi, erfolglos seit vielen Jahren. Beate hat, ähnlich wie ich, ein Helfersyndrom - jetzt, wo ich darüber nachdenke ist es eigentlich doch ein recht symphatischer Zug...


    Hanna hatte Thekendienst und ‘nen Kater. Jemand vom Stammtisch rief sie über Handy an und bestellte aus Spass 10 Baguettes zum Mitnehmen. Hanna: „Pass man auf, daß ich deine Handynummer nicht rauskriege. Sonst gibt’s 80 Jahre Schabernack.“


    Franz, ein erfolgreicher Bauunternehmer, beschwerte sich. Sein bester Freund hatte ihn um 20.000,-- DM abgelinkt. „Eine Männerfreundschaft ist maximal 48 Pfennig wert, - ab 49 Pfennig bekommt man nämlich schon ein Hansa Pils bei Aldi.“


    Fragmente
    „Mein Gott, guck dir mal diese Lachfalten an.“ Kuno hebt sein Hemd und schaut traurig auf die Fettröllchen.
    „Selbst die deutschen Penner haben einen Wohlstandsbauch und Handy.“
    „Ich gebe mein Geld für Weiber und Saufen aus. Den Rest verprass ich.“
    „Und du musst auch nicht immer so emotional sein.“
    „Baby, ich habe keine verfickten EMOTIONEN, verdammt, ich BIN Emotion...“
    „Morgens ein Blubber und der Tach is hinubber...“
    „Sind das eigentlich schon deine Memoiren?“
    „Ihr verschwindet doch auch, wenn ich sterbe.“
    „Macht nix, selbst die automatische Spülung ignoriert mich immerzu.“
    „Schlange, Kino, Flur, Eishockey, Wirsing, ha, ha.“
    „Schon mal mit ‘nem Nasenbär gevögelt?“
    „Das Leben ist eine Beleidigung für jeden denkenden Menschen.“
    „Kommt drauf an, was man daraus macht.“
    „Stört mich nicht, wenn du rauchst. Von mir aus kannste auch brennen.“
    „Ich habe ihm doch alles beigebracht. Wenn man bedenkt, daß jetzt eine Andere davon profitiert...“
    Aufkleber am Telefon: „Wer ficken will muss freundlich sein!“
    „Diese Sonnenfinsterniss war doch wohl die kläglichste Simulation einer Eclypse, die ich je gesehen habe. Der Kernschatten erschlug mich kein bischen.“
    „Wenn ich nicht kiffen würde, müsst ich ja Drogen nehmen.“
    „Wenn man bedenkt, daß der Urknall nur mir zuliebe stattfand (ich nehme ALLES persönlich).“
    „Einen Teil meine Omnipotenzkomplexes ziehe ich aus dem Talent mir so lange Einen vorzuspinnen bis es wahr wird.“
    „Im Zweifelsfalle ist es immer die Wirklichkeit, die sich geirrt hat.“
    „Willste ‘n paar Aktphotos von deiner Frau erwerben?“
    „Nö, hat mir Herbert schon verkauft.“
    „...dann ist Burgdorf in einer Verfassung in der man mich selten sieht.“
    „...ist doch doof wie ein Mülleimer.“
    „Schlimmer, ein Mülleimer hält wenigstens die Klappe, wenn man ihn nicht tritt!“
    „Gerd hatte über 2.000 mal Sex...Letzten Mittwoch...Zwischen 15.00 Uhr und 16.00 Uhr...“
    „...Und da sind die Frauen noch gar nicht mit eingerechnet...“
    „Ein Satz mit Hardware: Wenn er Hardware, wär er meiner.“
    „Du siehst so gesund aus. Bist Du etwa krank?“
    „Mein Arzt meint, wenn ich so weitermache wie bisher wäre ich vor 2 Jahren gestorben.“

  2. #2
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    AW: Impressionen aus dem "Blöden Egon"

    Hab gehört, in der Türkei würz pausenlos regnen. Schon vor dem Text?
    Mein Fall dein Geschnoddere, viele Haremsdamens...wohl auch kein Wunder im Land der Haremniten.


    Glück ist, hier zu blödeln, mit höchstem Niveau. Was das Glück? Der Meister aus M. schaut selten vorbei.


    Was war das fürn hotel? Mäh ma Genaues!

  3. #3
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Impressionen aus dem "Blöden Egon"

    Es regnet, schneit und stürmt. Mir ist schlecht, die Fa. pleite und ich tauge nix. Selbst das letzte Refugium verkorkster Existenzen wird von Robert "Gabriel" Christian von und zu mit Flammenschwert verteidigt. Wenn Schreiben nicht ein grösseres Suchtpotential haette als Heroin würde ich ja die Finger davon lassen. (rumläch)


    Was haeltst Du von der Idee wenigstens EINEN fehlerfreien Text als vorlaeufiges Ziel anzupeilen?

  4. #4
    kls
    Laufkundschaft

    Post Verdammte Inzucht

    Neulich war ich mal wieder in einem Kindergarten. Ich machte mich ganz klein und versuchte mich mit Erna zu unterhalten. Erna, allerdings, ist gar nicht Erna, Erna ist Doris und diese wiederum ist in Wahrheit Friederike. Erna ist nämlich die Kindergärtnerin und verteilt Lob und Kritik nach einem undurchschaubaren System. Alle Kinder wären gerne wie Erna.


    Egal. Wenn ich allerdings gewusst hätte, dass die Kinder, welche schon länger dabei sind, einen Geheimclub gegründet haben, mit schwer verständlichen Ritualen und Uneingeweihten nicht vorstellbarem Brauchtum, wäre ich erst gar nicht hingegangen. So aber dachte ich bei mir: Sind doch bloß Kinder, nett, gut erzogen, nicht bösartig. Das war ein grober Fehler, denn die kleinen Monster erwiesen sich als echte Quälgeister.


    Die ganze Mischpoke benahm sich wie ein einheitlich operierender Organismus. Im Grunde nämlich war jedes Kind dort eine Erna. Erna hatte den Schlüssel und die größte Schnauze und die anderen Kinder waren sehr offensichtlich bemüht Ernas Wohlwollen durch Mimikry und Imitation zu erlangen.


    "Du bist neu hier. Es gehört sich also, dass Du erst einmal, als Einstand sozusagen, ein Initiationsritual über Dich ergehen lassen musst."


    Es folgten Beschimpfungen, die ich Euch an dieser Stelle nicht wiederholen möchte. Nach 2 Std. wurde ich dann für würdig gefunden als Eckenfeger auf der Reservebank Platz zu nehmen und die Schnauze zu halten.


    Zaghaft versuchte ich mich im Sandkuchen backen. Stolz zeigte ich mein Neogotisches Sandschloss und sofort waren einige Kinder bereit mir zu zeigen, dass sie selbstverständlich viiieeel schönere Sandburgen bauen können als ich und wir veranstalteten einen kleinen Wettbewerb, den ich leider gewann.


    "Leider"? Ja, leider "Leider!", denn sofort brüllten die Kinder wie aus einem Munde: "Gemogelt. Du hast eine Sandburgenbaumaschine benutzt."


    "Nun ja, es sind bloß Kinder, die sich da in ihr Förmchen gepinkelt fühlen.", dachte ich dazu, war aber ziemlich sauer.


    Die Kindergärtnerin machte es sich sehr einfach. Sie verbot mir den Mund. Ich durfte mich noch nicht einmal verteidigen.


    Seitdem mache ich einen großen Bogen um Kindergärten.

  5. #5
    kls
    Laufkundschaft

    Post Impressionen aus dem "Blöden Egon"

    Meinen sozialen Aufstieg von Unternehmer zum Strolch hatte ich euch ja in meiner 5-teiligen Trilogie "Auf der Flucht" in recht unbeholfenen Worten beschrieben. Dann musste ich mich in Deutschland neu einrichten. Wohnung, internetfähiger Computer, ISDN-Anschluss, Gitarre, Fernseher, Musikanlage, Schachbrett, Küche, Waschmaschine, Behördengänge wie doof; echt, selbst als Penner brauchste in Deutschland so allmählich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Und einige Möbel habe ich mir auch noch getischlert. Kein Wunder, wenn ich das Schreiben etwas vernachlässigte. Und ganz bestimmt werde ich meine Finger nicht an die Brunnengeschichte legen, solange ich nicht im Text bin. Dafür habe ich sie viel zu lieb. Statt dessen habe ich mich mal durch meine früheren Werke gewählt und bin entsetzt, wie viel Mist jemand so zusammenschreiben kann, wenn ihm ein Musenkuss deucht. Aber die wenigen Geschichten, zu denen ich mich heute noch vorbehaltlos bekenne, würden nach Überarbeitung m. E.ein nettes Büchlein ergeben. Den Titel habe ich schon."Einwegliteratur". Auf Klopapier gedruckt. Mit Wellpappeinband.


    Drei Monate, um sich, von Null ausgehend, neu einzurichten? Ich war früher schneller, aber nun ist alles wohlgeordnet und siehe, es ist gut. Bis auf die Finanzen und mein Liebesleben. (Aber bei den Finanzen tut sich wenigstens etwas.Ich soll ein Projekt in China betreuen. Näheres demnächst.) Beziehungsmäßig behaupte ich immer, dass ich keine Frau nehmen würde, die bereit wäre, sich auf so einen Verfemten wie mich einzulassen. Reine Schutzbehauptung. In Wahrheit bin ich nämlich ganz schrecklich empfänglich für das andere Geschlecht. Oh Gott,ist das alles kompliziert.


    Love's not dead. It only smells funny?


    Aus der Serie: Mein grotesker Alltag.Heute: Eine fragmentarische Beziehung


    Janet ist etwas über dreißig, hat den Erzeuger ihrer Pauerwemser (Zwillinge) nach dem Spaß wieder weggeschickt und päppelt die Brut nun im Alleingang hoch. Sie sei halt geil gewesen. Pragmatisch, praktisch, gut! Ein ziemlich tüchtiges Mädchen mit der Figur eines Mannequins. Außerdem eine gute Mutter. Grünbraun-forscher Blick in meine Augen, leicht übertriebene Gestik und etwas zu laut. Sie verhaspelt sich, vermutlich hatte sie sich die Worte schon vorher zurechtgelegt und bekommt diese gerade nicht mehr in die richtige Reihenfolge. Ihre Hände flattern empor und stürzen wieder ab, wie Schmetterlinge auf Koks, - wegen diesem Bild dauert esauch einen kleinen Moment, bis mir der Sinn ihrer Aussage dämmert: Ich sei doch so intelligent und ganz doll sensibel, schade, schade,dass es für Menschen wie mich keinen passenden Platz in dieser Gesellschaft gäbe.


    Das haut mich fast um: "Janet, ich bin auch unglaublich sexy. Warum vögeln wir nicht einfach? Im übrigen gibt es kein 'Außerhalb der Gesellschaft'. Wir alle sind Gesellschaft. Eine unangenehme und verspätete Erkenntnis aus meiner Hippiezeit. Selbst du und sogar ich SIND diese Gesellschaft, auch wenn ich mir, meistens, eine feinere vorstellen kann."


    Nicht unerwähnt lassen möchte ich,dass Janet mich schon seit einigen Wochen von der Seite heranfrechelt. Erst vor drei Tagen schenkte sie mir ein Pflaster (für dein wundes Seelchen). Andauernd muss sie mir was über meine ungesunde Lebensweise erzählen und wie schlecht ich doch aussehen würde, was meinerseits wiederum regelmäßig mit diskreten Hinweisen auf die Schwangerschaftsstreifen an ihrem Hals gekontert wird. Manchmal lasse ich mich sogar dazu hinreißen, diesen Hauch von Ahnung einer Andeutung eines klitzekleinen, äußerst weiblich wirkenden Bäuchleins zu thematisieren, - das mütterliche Element da hätte doch bestimmt einen eigenen Fanclub; und wie gut und gerecht die Natur es eingerichtet hat, wenn sich der Körper dem Alter anpasst, was natürlich totaler Schwachsinn ist, da Janet wirklich scharf aussieht, aber an dieser Stelle befindet sich nun mal ihre Achillesferse, woraufhin sie mich Arschloch schimpft und ihren Kaffee demonstrativ selber bezahlt. Ja, ich gebe es zu. Ich mag Janet. Eine echte Pomeranze. Aber lieb. Und nur halb so doof wie sie tut.


    Janet weiß es nicht, aber ich benutze sie als soziales Dummy. Ich kann mein Bedürfnis nach weiblicher Gesellschaft angstfrei an ihr ausleben, ohne dass es dadurch zu irgendwelchen Verbindlichkeiten oder gar tieferen Gefühlen kommt.Eine kleine Bereicherung ohne weitere Gefahr für uns beide. Bei Janet hält sich mein Trieb zurück und sie gewährt mir dafür ungeahnte Einblicke in die bodenlosen Abgründe einer weiblichen Seele. Und ich schwöre euch: Schauder schüttel.


    Unwichtig. Jetzt ist Austeilen angesagt. Das gibt ein fettes Geifermatt.


    "Janet, du bist doch sooo ein kluges Kind. Weswegen gehörst du dann zu den Anderen?"


    "Wie? Zu den Anderen?"


    "Zu denen, die das hier alles glauben; deren Denken nie außerhalb ihrer kleinen verschissenen Weltstattfindet. Zu den Amöben. Zu denen, die das Funktionieren für den Gipfel der Selbstentfaltung und -findung halten. Zu denen, die sich noch nicht einmal vorstellen können, dass partiell auch andere Prioritäten möglich, sogar sinnig sind."


    "Bist du jetzt nicht ein wenigüberheblich?"


    "Ja, aber da ich nachweislich zurecht überheblich bin, kann ich mit diesem Vorwurf gut weiterleben. Janet, du bist ein unspektakulär konditionierter, hoch konformer und komplett opportunistischer Reflex auf zwei hübschen Beinen. Mit nur ganz wenig eigenem Selbst. Alle Deine Muster sind auf Anpassung getrimmt. Aber der wesentliche Punkt, an dem wir zwei uns unterscheiden, ist jener welcher: Du siehst in Begrenzungen keine Aufforderung, diese auf der Stelle zu überschreiten, denn du findest deine Identität und Sicherheit in der Ordnung, vor den Grenzen, im Gegensatz zu mir. Ich glaube an das Chaos sowohl vor, als auch hinter allen Grenzen. Es ist einfach fürchterlich naheliegend und so selbstverständlich. Die Ordnung ist eine Ausnahme. Chaotische Prozesse sind natürlicher als kausal-lineare oder -dynamische. Und unglaublich effektiv." Wenn ich's schon auftrage, dann aber auch immer gleich ganz dicke.


    "Ich hätte gerne einen Job imLabor. Mit dem Mikroskop kleinen Wuseldingern hinterher spionieren und so. In der Forschung."


    "Du bist jung und intelligent genug, um noch zu studieren. Zurück zum Thema. Es muss auch halb assoziierte Mitglieder dieser Gesellschaft geben, die etwas näher am Rand leben. Die z.B. versuchen passenden Ausdruck dafür zu finden. Meinetwegen Kulturschaffende oder Wichser, je nach Definition oder Tagesform. So jemand bin ich. Ich beobachte. Ich denke und träume und spinne. Ich schreibe es auf. Das macht Spaß und die Meinung zukünftiger Generation über mich ist mir genau so Wumpe wie die der Gegenwärtigen oder Vergangenen. Manchmal begegne ich Menschen, die mir ähnlich sind, es gibt aber nicht allzu viele von uns, sei also froh..."


    "Ich kann mir kein Studium leisten. Weder finanziell, noch von der Zeit her."


    "Dann solltest du dein Wollen steigern. Besser organisieren. Mehr delegieren. Gas geben. Es ist ein erreichbares Ziel. Du bist ein echtes Glückskind."


    "Als alleinerziehende Mutter? Du hast wirklich eine böse Zunge."


    "Reine Notwehr. Aber Danke. Sieh dich doch mal um, welche Kräfte auf dieser Welt wirken, was für eine Bandbreite das menschliche Verhalten hat. Da gibt es nichts, was es nicht gibt. Und wenn die aktuelle Hirnforschung recht behalten sollte, vermutlich sogar auch noch mit ohne Bewusstsein. Väter die ihre Töchter ficken, wenn diese keine drei Jahre alt sind.Lustmörder, Generäle, Junkies und Börsenmakler. Behinderte, Tierärzte, Heilige, Huren, Hampelmänner und 40 000 Hungertote täglich, vornehmlich Kinder. Es gibt die da oben und die da unten,die da hinten und die da vorne, die einen und die anderen, Täter und Opfer, Schläger und Geschlagene, Familien in Indien, die eine ihrer Töchter dem Wohlstand der Sippe opfern und so lange auf den Strichschicken, bis sie an Aids krepiert, Steinigungen und Folter aus politischen, religiösen und wirtschaftlichen Gründen, oder auch bloß aus reinem Sadismus. Das alles ist menschlich, ist"Gesellschaft". Ja-ja, ich weiß, schrecklich gelle? Abscheulich. Bah, Pfui! Du und ich gehören nämlich auch zu diesem Kroppzeug. Willkommen im Club. Ist dir wirklich nicht bewusst, was für ein überprivilegiertes Glückskind du doch bist?"


    "Du bist ein Sarkast."


    "Ach ja? Und du ein unrundlaufendes Landei. Warst du jemals außerhalb von Dorfdorf? Wenigstens in deiner Fantasie? Zurück zu meiner sozialen Positionsbestimmung und den entsprechenden induktiven und deduktiven Kausalschlüssen. Jetzt analysieren wir mal streng nach der Methode von Bühler. Sachaussage haben wir gerade abgehakt, bleiben noch Selbstdarstellung, Beziehungsaspekt und Appell übrig. Du stellst dich also dar als jemanden, der ausreichend qualifiziert ist, solch eine Aussage zu treffen. Ausgerechnet eine Kindergärtnerin. Warum lernt ihr alle eigentlich nie etwas Sinnvolles? Meinetwegen Tischlern oder Atomphysik? Und außerdem stellst du Dich mit so einer Aussage weit über mich, womit wir; hört, hört, beim Beziehungsaspekt wären. Du hast doch wohl eine Libidodrüsenfehlfunktion. Du bist auch nicht meine Mama. Wir sind irgendwas zwischen "flüchtig bekannt" und "Freunde". Soll ich weiter machen? Deine Motive hinterfragen und die unterschwellige Forderung durch den Kakao ziehen?"


    "Nein, nein, wirklich nicht nötig. Bist du sicher, mich richtig verstanden zu haben?"


    "Kann man sich dessen jemals sicher sein? Ach, was hätten wir beide doch für Spaß gehabt."


    "Hey, du könntest mein Vater sein."


    "Vielleicht bin ich es sogar. Dein Name sei fortan Antiödipusilina..."


    "Das war Elektria."


    "Abgemacht. Aber Du meinst bestimmt Elektra. Ich überlasse dir jetzt das letzte Wort."


    "Arschloch!"


    Janet ist schon eine tolle Frau. Beiihr fühle ich mich immer wie ein kleines Kind, welches einem anderenan den Haaren zieht. Ziep, mag dich leiden, pieks...


    Überflüssige Erklärung: Natürlich hat obige Unterhaltung nie in dieser konzentrierten und sprachlich annähernd perfekten Form stattgefunden. So originell sind wir hier nicht im "Blöden Egon". Wir stammeln, stottern und überhaupt bekommen wir seltenst einen ganzen Satz zusammen. Auch sind wir vom Wesen her eher flachlandtypische Kaltblütler. Dasdauert, bis hier Wallung aufkommt. Bei obigem Text handelt sich um eine fokussierte Gesprächsfetzencollage aus 16 Jahren Bekanntschaft.Eine Zitatensammlung mit Anspruch auf Authentizität - Authentizitate sozusagen. Hi-hi. Wie schwerelos schwebend und voll bescheuert kichernd wieder zurück in meine Gummizelle.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    10

    AW: Da bin ich wieder

    Und wieder springt er über Lachen, stümpert Wort an Wort - aber siehe: es gefällt. Und weg damit. Klopapier gefällt nicht, es nutzt. Klopapier ist Zivilisation, Literatur ist Kultur. Ah, da kommen die anderen, die behaupten, ein Kassenzettel sei auch Literatur, aber noch lange kein Zeichen von Kultur. Such nur zusammen. Ist okay.
    Textarbeit?


    Der Brunnen ist demnächst dran. Muß noch am Manifest arbeiten, mit Söhnchen in die Pilze, dann aber.

  7. #7
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Da bin ich wieder

    Robert: Und wieder springt er über Lachen, stümpert Wort an Wort - aber siehe: es gefällt.


    kls: Mir NICHT!!! Ich habe das Schreiben verlernt. Heul. Wenn ich aber auch den ganzen beschissenen Tag lang irgendwelchen scheiß fremdstrukturierten Hirnkleister anrühren muss um nicht auf der Parkbank zu enden...


    Robert: (...)Kassenzettel sei auch Literatur, aber noch lange kein Zeichen von Kultur.


    kls: Ein Kassenzettel ist ein Artefakt unserer Kultur - ist also "Kultur". Literarisch gesehen finde ich persönlich Kassenzettel wenig ergiebig.


    Robert: Textarbeit?


    kls: Lohnt sich m. E. nicht. Der Text ist Scheiße. Ich muss erst mal wieder reinkommen. Aber: Was ist dir denn besonders sauer aufgestoßen?


    Hanneonkel. Schach? Die Mutter aller Schlachten? Dein persönliches Waterloo erleben? Merken wie der Ego das Kriechen neu erfindet?

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Da bin ich wieder

    kls, auch mir gefällt dies. aber warum habe ich immer wenn ich einen deiner ordner öffne das gefühl, stetig aus dem gleichen text zu lesen? vielleicht wäre ein bißchen abwechslung nicht schlecht. oder du machst einen roman draus. da mußt du "nur" noch die fragmente mit einer geschichte verbinden.

  9. #9
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Da bin ich wieder

    Du hast Recht. Alles, was ihr hier lest, sind Fragmente eines Gesamtkonzeptes. Sobald ich es gefunden habe, werdet ihr staunend vor einem Meisterwerk stehen.

  10. #10
    kls
    Laufkundschaft

    Unterwegs bin ich zuhause

    Man kann es auch Explorationstrieb nennen. Ich beschönige diesen unruhigen, Unruhe stiftenden Geist als "Die Sehnsucht meines Herzens nach Wahrheit". Diese Formulierung finde ich ja selber recht drollig "Herauszufinden, was hinter dem Horizont ist", selbst wenn mein Verstand genau durchschaut, dass dahinter nur ein weiterer Horizont ablungert; alles wie gehabt. Mein Verstand ist sich des Paradoxon bewusst. Mein Hirn weiß um seine Grenzen der Erkenntnisfähigkeit.


    Heute fragte mich die Frau eines lieben Freundes, ob ich mir denn nie wieder eine Frau/Freundin/Geliebte/Konkubine/Bezirksbesamerhauptanlaufstelle/Mätresse oder so zulegen werde.


    "Nö", log ich. "Bin nicht beziehungsfähig. Entweder würde die Frau kaputt gehen oder ich."


    Muss der Mensch denn eine emotionale Heimat haben? Ich meine, geht doch klar, wenn ich mich da raushalte. Oder? Sollen die anderen im Wechselbad ihrer widersprüchlichen Wallungen dem genetischen Imperativ Gehorsam und Respekt erweisen. Ich beneide euch - ihr tut mir leid.


    Kein fremder Geist in meinen Träumen und Gedanken? Keine Wallungen, die jeglichem klaren Denken kolossal abholdig sind? (Ich sammele schöne Worte, wie Andere Briefmarken. Heute klebe ich "abholdig" zwischen "Homöostase" und "Wallung") Niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen hat viel Trauer und Freiheit an sich. Aber eigentlich wollte ich doch Bezug nehmen auf die Überschrift.


    Kann ich nicht. Ich schreibe WEIL ich meine Gedanken dabei nicht zentrieren muss. Mein Verstand befindet sich in einem Ausnahmezustand, es wird ein kontrolliert-chaotischer Prozess initiiert, - ich selber lese das hier, was ihr gerade zum ersten Mal lest, tatsächlich auch erst während des Schreibens.


    Zwei Frauen gibt es zur Zeit, die mich etwas anrühren. Aber ich meide die Plätze, wo sie sich aufhalten könnten, denn beide sind in der Position mir schlaflose Nächte zu bereiten. Ich brauche Stunden, wieder normal zu werden, wenn ich den Fehler gemacht habe, mich nicht exakt abzugrenzen. Gleich zwei von dieser Sorte.


    "Papa, warum guckst Du seit gestern so böse?"


    "Karina, es gibt auch noch andere Regungen als 'Böse'. Das hier ist zum Beispiel ist 'eher traurig'. Nichts, was Du ändern könntest; kann ja sogar selbst ich nicht verhindern. Es hat auch Null mit Dir zu tun."


    Mein Verstand weiß, dass ich eine Frau brauche. Mein Verstand sagt mir aber auch, dass dieses "brauchen" auf zellularer Ebene entsteht und dass es für meine geistige Gesundheit einfach besser ist, wenn ich niemanden mehr durchlasse...

    Mein Verstand sagt mir aber auch, dass diese Lösung des Problems ziemlich beknackt daherkommt.

  11. #11
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Unterwegs bin ich zuhause

    Karlchen beschreibt, was ich vor fünf Jahren meinen Alltag nannte. Aber heute bin ich weiser und sage: "Es ist wirklich nichts dran. Kalter Kaffee. Beziehungen sind nur etwas für freudlose Menschen."


    Und indem ich das sage, schniefe ich traurig und vergrabe meinen Kopf in einem Haufen Scheiße.


    Meine Abschiedsgedanken für Dich, Karlchen.

  12. #12
    kls
    Laufkundschaft

    Post Sarah - Magie des Alltags

    Auch so eine Niederlage. Damals, vor 10.000 Jahren schrieb ich für sie (Ihr wisst schon, Wallung wie doof):


    Bestimmt darf ich Gedichte schreiben,
    sogar schlechte - über Liebe,
    muss sie ja nicht jedem zeigen.
    Nenn's Kultivierung meiner Triebe.


    28 Jahre, ist das echt zu jung für
    einen alten bösen Mann?
    Ein Junkey gar, - und voller Gier
    nach Leben, das er nicht finden kann.


    Seit wann ist Schönheit oder Jugend
    ein Verdienst? Worauf bist du denn so stolz?
    Naivität ist eine Tugend?
    DIE Wege sind aus Eichenholz!


    Du sagst: "Ich nicht - und du nicht."
    Ein Orakel? Heisst du gar Sibylle?
    Und sind Orakel ewiglich?
    Bei mir zählt meistens nur der Wille!


    Ich jedenfalls bin nicht versessen
    zu wissen um der Zukunft Gang.
    Viel lieber würde ich vergessen.
    Nicht hören der Sirenen Sang.


    Lass uns scharfe Grenzen zieh'n.
    Schnurgerade mit Verstand.
    Weiter von einander flieh'n.
    Die Tritte löscht die Flut im Sand...


    Ja..., ähem..., ach..., damals war ich halt ein junger Spund von 48 Jahren, heute sehe ich diese Thematik auch viel gelassener.


    Dachte ich mir! Also gestern...


    Am Vormittag treffe ich Janet und lüge ihr vor, dass ich ihre Handynummer aus dem Speicher gelöscht hätte. Schnippisch wie die Dame nun mal ist, hat sich das ganze Thema damit erledigt. Geht doch gar nicht. 20 Jahre jünger, total überkandidelt, zwei Pauerwemser fürs genetische Erbe, blockierte Emotionen...


    Mittags schicke ich eine SMS an Sabine, des Inhaltes, dass ich lieber auf mehr Distanz gehen würde; der Arzt hätte mir verboten irgendwen ZU nett zu finden. (Mir ist nicht nach Kleinstadtvendeta)


    Dann gehe ich, befreit von all diesem Schamot, einkaufen. Und ausgerechnet im Supermarkt fängt es mir dann mit Magie an, völlig unprosaisch bei die Nudeln. Merkwürdig. Sehr merkwürdig. Meine Wahrnehmung öffnet sich ohne Warnung. Zuerst denke ich: "Flashback", aber dann sehe ich genauer hin. Alle Gegenstände scharf von einander abgegrenzt, klare Strukturen, deutliche Zusammenhänge. Die umgebenden Gesichter kommen mir schwer bekannt vor, kein Wunder in diesem Kaff, meine Nasenflügel beben und flattern, die Gerüche sind einzeln verpackt; irgend etwas wird passieren. Ein vertrauter Gedanke fällt mich an: "Sarah", was kein aussergewöhnlicher Vorgang ist, da sich mein Imago von Sarah in mir sowieso andauernd zu melden pflegt. Seit damals. Alle paar Minuten: "Sarah", "Schluchts, SARAH!", "Ach Sarah...", - idiotisch, traumatisch, neurotisch, hart an der Grenze zur Geschlossenen, völlig bescheuert!


    Ich will raus. Ich will vor die Tür rennen und mich verstecken. Einkaufswagen stehen lassen und...


    Ich weiss, dass mir gleich etwas passieren wird. Bitte, bitte nicht im Supermarkt. Meine Gedanken umschwabbern mich wie eine Nebelbank. Tunnelblick zur Kasse, vorbei an der Quängelware, halt, was liegt denn da? Eine originalverpackte CD? Eric Clapton? Ob da "Wonderfull Tonight" drauf ist? Dieses Lied lief jedesmal auf M-TV, unpluggt, wenn Sarah mich besuchen kam. "Wie machst Du das?" fragte sie mich einmal, dabei war sie es doch selber!.


    Meine Güte, Karl-Ludwig, man kann auch übertreiben. Ich schmeisse die CD in den Wagen, drehe mich um und blicke Sarah direkt in die wiedererkennenden Augen.


    Stoneface bei mir, - ich war ja vorgewarnt.


    "Hallo, wie geht's?"


    "Danke der Nachfrage. Und selbst?"


    Mehr gibt es auch nicht zu berichten. Scheiß Einkaufen am Samstag...


    [Diese Nachricht wurde von kls am 17. November 2002 editiert.]

  13. #13
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Sarah - Magie des Alltags

    Das mit dem Gedichteln lassen wir mal, Karlchen. Dafür scheinst Du so gar kein Talent zu besitzen.
    Der zweite Teil Deines Ordnereingangstextes ist dagegen witzig und spannend, was ja meistens zusammenhängt. Nur, war das jetzt alles? ist die chose damit für Dich abgeschlossen? Ich muß doch bitten, hier einen Rahmen zu finden, die Dinge nicht so gleichlautend nebeneinander zu stellen.


    Mach Dir für China einen Plan, welche Texte Du in einem größeren Kontext niederlegen willst, dann denk Dir eine Klammer - die ich dann sowieso aufbiege - und schreib alles in eine Ordnung. Stillgestanden!

    P.S. Was den Altersunterschied betrifft: Wir haben doch alle "Harold and Maude" gesehen. Seit wann spielt der bei uns Künstlern eine Rolle! Entscheidend für die Liebe sind drei Dinge: Vertrauen zum Wort des anderen, gegenseitige körperliche Hingezogenheit und die Fähigkeit, einander zum Lachen bringen zu können. Der Rest ist zweitrangig.

  14. #14
    kls
    Laufkundschaft

    Sarah - Magie des Alltags

    Robert: Das mit dem Gedichteln lassen wir mal, (...)

    Nach obigem Gedicht machte die Dame endlich die Schere.

    Wat für ein Hammer. Diese Brunnenaugen...

    Ach...

    Magie des Alltages II


    Mein Lektor schlägt vor, daß ich meinen zusammenhanglosen Impressionen einen Rahmen verpasse. Alles wie gehabt: PLOTT, und Reimversuche solle ich tunlichst unterlassen - auch diese Info ist mir keine neue Offenbarung.


    Mein Lektor hat keine Ahnung. Mein Lektor versteht nicht, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich dem geschriebenen Wort mit ohne Respekt nähern, weil sie ungebildet sind und keine Literaturwissenschaften studiert haben, ihnen das geschriebene Wort aber den letzten Halt in einem Kosmos ohne Griffe bedeutet.


    Mein Lektor ist nämlich Theoretiker.


    Mein Lektor hat nicht verstanden, dass meine miesen Gedichte einen Zweck hatten. "Da, anstelle von sterbenden Blumen in Plastikfolie." Mönsch, mit meinen Gedichten habe ich mir die intensivsten Stunden meines Lebens produziert, erst beim Keltern, dann beim Trinken. Also ganz klarer Praxisbezug - das wiegt sämtliche negativen Kritiken auf. Meine Gedichte sind verkappte Zaubersprüche und solange es funktionierte...


    Aber der Zauber, dem ich gestern begegnete (Siehe: Magie des Alltages) ist noch nicht vorbei und er nervt mich gewaltig. Als ob sie sich verschworen hätten, kamen heute alle tollen Tanten in den blöden Egon und brachten mich durcheinander. Ich wollte nur ein wenig in Selbstmittleid schwimmen, wegen Sarah und überhaupt, aus angemessener Nostalgie heraus und dann taucht Liane auf - lecker wie üblich. Gut, Liane und ich haben uns ein "Ertragen können" ausgeknobelt und deswegen keinen Gesprächsstoff mehr, aber danach erscheint Janet, wunderschön und sofort meine latente Geilheit unlatentend, also bekam ich (gegen meine innerste Überzeugung) schon mal eine virtuelle Latte.


    Beschämend. Sie aber setzt sich aber mit ihren Pauerwemsern in den hinteren Teil der Kneipe ab, nimmt Liane mit und ich kann mich wieder meinem Selbstmitleid widmen. Als keine 5 Min. danach Carola erscheint und sich zu mir setzt, bekommt meine Verschwörungstheorie neue Nahrung. Hübscher Busen unter das Blusen - spätestens wenn mich solche Gedanken beissen, weiss ich Bescheid. Sarah hat mich schon wieder aufgeschlossen. Scheisse! Was soll dieser Quatsch? Warum kann diese Kuh mit ihrer blossen Erscheinung Prozesse bei mir einläuten, die, gegen meinen Intentionen gestartet, spätestens nach 14 Tagen aus dem Ruder laufen.


    Carola trinkt einen Milchkaffe und verabschiedet sich mit den Worten: "So, und nun lege ich mich in die Badewanne." Könnt ihr euch die Wirkung vorstellen, bei meiner regen Fantasie. Das hat die doch absichlich gesagt.


    Pünktlich zur Ablöse kommt Sabine. Jetzt reicht's. Wenn ich hier noch länger bleibe werde ich plemm. Und morgen steht dann in der Zeitung: War es ein Hippi oder war es ein Werwolf. Nichts wie raus hier.


    In der Tür kommt mir natürlich Sarah entgegen. Freundlich "Grunz" sagend, drehe ich mich an ihr vorbei und fliehe zu meinen geliebten Worten.


    Leute, Love hurts, falls ihr eine Moral brauchen solltet.




    [Diese Nachricht wurde von kls am 17. November 2002 editiert.]

  15. #15
    kls
    Laufkundschaft

    Post Der undichte Dichter

    Manchmal lege ich in meiner Stammkneipe Geschreibsel aus. Natürlich nicht irgend etwas Unwichtiges, sondern ausschließlich meine eigenen Meisterwerke. Eigentlich habe ich das ja gar nicht nötig - mein Ego ist wirklich groß genug, nicht auf die Anerkennung anderer angewiesen zu sein. Ich überprüfe nur meine Menschenkenntnis, indem ich den Leuten beim Lesen zugucke.


    Ah, da greift jemand nach einem Skript von mir - ich hoffe nur für ihn, dass er es nicht aus langer Weile tut. Nein, ich glaube nicht. Der Typ ist einfach etwas wacher und interessierter als die anderen. Also ein hochintelligenter Mensch. Da, hat er nicht gerade gelächelt? Eine äußerst sympathische Erscheinung, so könnte ich mir meinen Schwiegersohn vorstellen. Aber wieso lacht er nicht am Ende des ersten Absatzes laut auf? Vielleicht ist er ja doch nicht so klug, wie ich für ihn hoffte.


    Nein, er ist ein Arschloch. Nun ist er schon beim dritten Absatz und hat immer noch nicht gelacht. Saudumm dieser Neandertaler. Jetzt fällt mir auch die fliehende Stirn auf und die Haare, welche aus seiner Nase wachsen. Igitt, wie kann sich ein derartig unsympathischer Mensch nur in die Öffentlichkeit trauen. So was von optischer Umweltemission aber auch. Absolut widerlich.


    Jetzt dreht er sich auch noch seiner potthässlichen Freundin zu, um ihr etwas völlig Nebensächliches zu erzählen. Wie kann jemand seine Prioritäten nur so falsch setzten und dennoch überleben, sogar mit einer Freundin, ach was, das ist bestimmt bloß seine Schwester. Nun liest er ihr etwas aus meinem Manuskript vor, na ja, wenn man genauer hinschaut ist die Stirn gar nicht wirklich fliehend, höchstens etwas nach hinten geneigt. Womöglich das, was wir Menschenkenner als Denkerstirn bezeichnen...


    Sie lachen!


    Ich wusste doch, dass der erste Eindruck immer der Richtige ist. Intelligent, sympathisch, hip, genau der richtige Mann für meine Tochter, ich übernehme dafür seine kluge Schwester, denn die hat Humor, sonst würde sie jetzt nicht lachen. Alles ist gut. Der Mensch als solcher sowieso.


    Nein, gar nicht gut. Jetzt legen diese Kretins glatt meine, zum Brüllen komische Schreibe beiseite, um zu frühstücken. Manchmal mendelt die Natur schon die schärfsten Brüller raus. Das sind doch keine Menschen, das sind wirkliche Monster, die gehören totgekloppt. Bah, wie hässlich! Am besten erledige ich das Totkloppen auf der Stelle, das wäre für die Zwei doch ein echter Akt der Erlösung.


    Nun greift die Frau wieder nach meinem Text und liest laut vor. Mit vollem Mund, aber ich bin ja bekannt dafür, nicht wirklich kleinlich zu sein. Sieht süß aus, besonders das Eigelb am Mundwinkel. Ich meine, ein schöner Mensch hat so etwas wie eine natürliche Würde, selbst bei Eigelb im Gesicht. Wichtig sind doch die inneren Werte. Humor zum Beispiel. Und den hat sie. Ich liebe ihre Grübchen, wenn sie lächelt.


    Aber sie lächelt nicht. Schrecklich, wie alt und unattraktiv 20jährige Frauen wirken können, wenn sie verklemmt und verkniffen in der Kneipe rumgniffeln. Bestimmt eine Alkoholikerin, die sich dermaßen doof gesoffen hat, dass sie normaler Gefühle gar nicht mehr fähig ist.


    Ich hasse sie. Diese Dumpfbacke von Bruder hasse ich auch. Überhaupt scheint heute alles etwas hässlicher zu sein, besonders die Menschen hier. Womit bewiesen wäre, warum es keinen Gott geben kann, denn der würde jetzt garantiert verhindern, dass dieses Arschloch nun nach der Bildzeitung greift. Und ich Idiot habe meine Schrotflinte in der Türkei zurück gelassen. So ist das nun mal mit Schrotflinten. Nie da, wenn man sie nötig hat.


    Sie aber faltet meine Humoreske zusammen und fragt die Bedienung, ob sie den Text wohl mitnehmen dürfe. Und wer ihn denn geschrieben hätte...


    Höflich, klug, wach und hübsch - so wünsche ich mir alle meine Leserinnen. Ihr Typen dürft meinetwegen auch weiterhin so hässlich bleiben...

  16. #16
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Der undichte Dichter

    Der Titel ist schlecht. Der Aufbau von Anfang und Mittelteil läßt für das Ende Langeweile erwarten, um dann doch überraschend zu enden. Bravo dafür! Allerdings erhoffe ich mir bei Deinen texten immer ein Gutstück Erweiterung des Ichs, also würde ich mich sehr darüber freuen, wenn die Beteiligten mehr Entwicklung während des Erzählens nehmen würden, eben weil sie ein Motiv haben, so zu handeln, wie sie eben handeln.


    Errätst Du, was ich erwartete?

  17. #17
    kls
    Laufkundschaft

    Der undichte Dichter

    Meistens sind diese Geschichtchens eher als Ideenskizze zu verstehen, obige habe ich heute um 13.00 Uhr angefangen und gegen 13.45 gehängt. Deswegen auch ins "Spruchreif". Der Leser braucht zu lange um zu erkennen, dass es etwas Lustiges darstellen möchte und außerdem ist mir hinterher eingefallen, dass Kishon dieses Thema auch schon mal abgetatzelt hat - peinlich.


    Nein, ich weiß nicht, was Du nun von mir erwartest. Das Thema muss nicht bearbeitet werden, der Eingangstext ist Scheiße und diese kann man bekanntlich nicht polieren.

  18. #18
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Der undichte Dichter

    Ach, kömm! Himmelhochjauchzend, dann aber den Schwanz einziehen und jammern? Vergiß es! Text ist gut und witzig. Wenn Kishon über Kratzbürsten geschrieben hätte, dürftest Du dann nach eigenen Maßstäben nicht über selbige schreiben?


    Ich erwartete natürlich, daß der Beobachter mitbekommt, daß es doch nicht sein Text war, sondern der seines ärgsten Feindes oder ein Kochrezept...


    Scheiße läßt sich trocknen und polieren und in kleinen Dosen dem Chili beigeben. Soll besser schmecken - das Ganze.

  19. #19
    kls
    Laufkundschaft

    Der undichte Dichter

    Gute Idee für eine Schlusspointe. Die jetzige finde ich eh nur witzig über ihre Provokation, welche allerdings da gar nicht hin gehört. O.K. Hast mich überzeugt. Kommt in den Bunker und wird in absehbarer Zeit gedroschen, ondulieret und poliert...


    Ehrenwort.


    Mein Ticket ist zum 05.01.03 gebucht. Ach, Schanghai - die Fa. hat sogar ein Appartemente da unten.

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