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Thema: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

  1. #1
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    Post warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    Oberschwester Gunda war eine ganz normale Oberschwester, eine, die ihre rechte Augenbraue bis über den Rand ihrer glitzernden Hornbrille hochziehen konnte, wenn sie was zu meckern hatte, und sie hatte viel zu meckern. Sie arbeitete in einem ganz normalen Krankenhaus auf der Wöchnerinnenstation, dort wo die Babys dieser ganz normalen Stadt geboren wurden. Die Mamas der Babys waren die glücklichsten und zufriedensten Mamas auf der ganzen Welt. Sie trugen ihre Babys die langen Flure hinauf und hinunter und summten leise Wiegenlieder und kitzelten sie beim Wickeln an den nackten Fußsohlen - so winzig, so süß! Doch dann kam von morgens bis abends Besuch, überbrachte Blumen und Pralinen und gute Ratschläge:
    Pass bloß auf, dass dir die kleine Zecke nicht bald auf der Nase rumturnt, wenn du gleich bei jedem Pieps losrennst und sie auf den Arm nimmst!
    Du hast doch noch gar keine Milch, nun gib dem Baby doch in Gottes Namen wenigstens ein bisschen Tee zu trinken, oder willst du, dass das arme Hascherl bei dieser Hitze verdurstet?
    Ein Kind gehört in sein eigenes Bett und nicht mit in deines, du wirst es vor lauter Liebe noch erdrücken!,
    riefen die Mütter der Mamas und Papas, die Tanten und Geschwister, bis die Mamas anfingen zu weinen und gar nicht wieder aufhören konnten und über dem Krankenhausgarten zogen dicke schwarze Gewitterwolken vor das Himmelblau. Ein Blitz verfehlte haarscharf den backsteinroten Schornstein der Wäscherei und schlug neben die Mülltonnen ein. In diesem Moment flog die Tür aus dem Rahmen, es donnerte fürchterlich und Oberschwester Gunda spazierte herein. Auf der einen Hand balancierte ein silbernes Tablett mit Schokoladenkeksen und dampfendem Kaffee. Sie stopfte den Mamas geschickt mit der anderen Hand ein Kissen ins Kreuz und servierte ans Bett. Wieselflink zog sie die Laken glatt und schüttelte die Bettdecken aus und zwinkerte ihnen heimlich zu - in ein Ohr rein, zum anderen wieder raus!, flüsterte sie. Die Papas standen indes hilflos am Fenster und schauten über den Zaun den Ohnedachautos und Lastern hinterher, wie sie schwuppdiwupp im Elbtunnel verschwanden und seufzten tief - wie sollte das bloß alles nur zu hause weitergehen?
    Manche Babys erwachten, weil sie sich von den lauten Stimmen gestört fühlten und ballten ihre Händchen zu Fäusten und fingen an zu brüllen, nicht Oma Grete, noch Tante Friederike, noch der Papa konnten den Frischling beruhigen, der wollte nur zur Mama an den warmen Busen, trinken und essen und den Stress vergessen.
    Ich hatte gleich am ersten Tag ganz blutige Brustwarzen, sagte Oma Grete und warf einen bitterbösen Blick hinüber zum Papa.
    Und ich konnte gar nicht stillen, weil ich zu wenig Milch hatte, schwor Tante Friederike, und außerdem bin ich keine Kuh. Sie zupfte mit spitzen Fingern ihre Bluse über dem Busen zurecht und schnippte einen Fussel vom Rüschenkragen.
    Fläschchen geben ist sowieso viel praktischer, da kann auch mal der Papa in der Nacht aufstehen und sich um den Nachwuchs kümmern, sagte Oma Tanja, die Mama der Mama und nickte energisch und ihre blondierten Dauerlocken wippten im Takt - ja, ja, ja, viel praktischa!
    Spätestens dann wurde es Zeit für Oberschwester Gundas Gemeckere:
    Meine Herrschaften, dieser Ausflug endet hier, bitte alle aussteigen!
    Blitz und Donnerdonner. Sie breitete ihre Arme aus, dass sie fast von einer Wand zur anderen reichten und schob die gesamte Verwandtschaft zur Tür hinaus an die frische Luft zum Verpusten, nur die Papas durften bleiben.


    (...)

  2. #2
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    AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    hallo eul(ali)e,

    also ich hab nix viel zu meckern. erfrischend und nicht ohne wiedererkennungswert

    gruss eule

  3. #3
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    AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    moin eule,

    freu mich, dich hier zu treffen, fühlte mich sonst so einsam unter den wölfen *g*

    lg
    e.

    Kapitel 2


    In den Kronen der alten Ahornbäume auf dem Stintfang zerrte der Wind aus Nordwest. Die Tauben krallten sich an den Ästen fest, legten die Flügel eng um ihr tropfendes Gefieder, ihnen war das Hamburger Schietwedder mitten im Sommer zuwider. Unten auf der Elbe torkelten die Barkassen auf und nieder, und die Touristen riefen: Hamburg sieht uns so schnell nicht wieder!, und einige würgten ihre halbverdauten Fischbrötchen aus dem Magen hoch und spuckten sie ab in die Elbe direkt vor die Landungsbrücken, wo sie zwischen die Pontons für immer verschieden. Oben auf der Terrasse der Jugendherberge saß Oberschwester Gunda, die Füße in lila Piratenstiefel versenkt, den Blick starr auf den Dreimaster Rickmer Rickmers gelenkt. In ihren angekokelten Haaren kuschelte eins der pitschnassen Täubchen und pickte Löcher in das feuchte Pappmaschehäubchen. Blitz und Donnerdonner. Und ehe sich Oberschwester Gunda versah, wurde sie von einer starken Böe gepackt. Sie fühlte sich wie arg mitgenommen, sah alles um sich herum nur noch verschwommen. Höher, immer höher flogen sie und das Täubchen in die dicken schwarzen Wolken hinein, bis sie zu einer Tür kamen, auf dem Schild stand: Führerscheinverband - rot steh, grün geh! Hm, was soll das? überlegte Oberschwester Gunda und drückte auf den Klingelknopf, weil sie gerade nichts besseres zu tun hatte - schrill - Rrrrrrrrr-Rrrrrrrrr! Die Tür öffnete sich quietschend von alleine, niemand zu sehen, nur Gebrüll drang in die Ohren. Das Täubchen duckte sich vorsichtshalber im Häubchen. Vor ihnen blitzte es grell. Unter einem riesigen Sicherungskasten kam er hervorgerobbt - ein Mann wie ein Traum - Hallo Du!, donnerdonnerte er, sprang mit einem Satz auf die Füße und stieß mit dem Kopf ans Himmelblau, dass die Erde vibrierte. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, klemmte den Schraubendreher zwischen sein makelloses Gebiss und drückte Oberschwester Gunda die Hand - wir brauchen dringend deinen Sachverstand!


    (...)

  4. #4
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    AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    Sorry - aber das trieft ja nur so von Klischees und schon hundert mal gelesenem. Und stilistisch haut es mich auch nicht vom Hocker. Wo ist der Witz?
    Eigentlich hätte ich schon bei "Oberschwester Gunda" aufhören sollen zu lesen - und das steht ganz am Anfang ... Bei "Das Täubchen duckte sich vorsichtshalber im Häubchen" war's dann endgültig vorbei. Ich hätte es wissen müssen ...

  5. #5
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    AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    moin griffon,


    uah, ein wwwolf. *kreisch*


    okay, weiß auch nicht, was ihn mich gefahren ist, ich schreibs nochmal um, die reimerei geht selbst der geschätzten eula auf den senkel heute morgen.


    aber inhaltlich kommt es bisher gut an bei der zielgruppe um 4 j .


    vielleicht liest du ja doch nochmal. würde mich jedenfalls sehr über deinen kommentar freuen.


    kann ich dir noch einen kommentar zum klischee entlocken?

    lg

    e.

  6. #6
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    AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    Na ja - wo anfangen und wo aufhören ... ???


    Eine Oberschwester Namens Gunda, mit Hornbrille, die viel zu meckern hat; Mütter, die ihre Babys die Flure entlang tragen und dabei Wiegenlieder summen; Besuch mit Blumen und Pralinen ... etc. pp.


    Du schilderst hier (trotz Blitzeinschlag neben den Mülltonnen) die typische kleine heile Welt - Dr. Frank läßt grüßen. Vielleicht ist es einfach tatsächlich so - aber ist es wirklich so? Auf jeden Fall ist es (aus meiner Sicht) einfach nur oberflächlich - kein Tiefgang - kein wirkliches Thema zu erkennen, das hier verarbeitet wird. Nicht einmal besonders ausgefeilte Sätze. Es erinnert stark an den Krankenhaus-Serienabend bei RTL - und den schenke ich mir. Bewußt.


    Vielleicht wolltest Du einfach nur Alltag schildern. Das ist ja legitim. Aber ansprechend finde ich es - so - nicht.

  7. #7
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    Post AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    den anfang hab ich inzwischen in nuancen überarbeitet (langsam tastet sich eulalie ran an den speck), inzwischen sieht oberschwester gunda schon etwas desolat aus *g*.
    das konzept steht, nur die genaue ausführung lässt noch viele wünsche offen

    solltest du den ironischen ton überlesen haben? dann muss eulalie noch verschärfter werden
    ja, der alltag, wie eltern ihre kinder auf quatratisch - praktisch - und gut is -dressieren, der rollt eulalie die fußnägel auf. darum gehts in der geschichte. fußsohlenkitzeln ist nur der anfang, noch liegen die nerven nicht blank

    hast mir schon sehr geholfen, griffon

    besser das?:

    Kapitel 1

    Oberschwester Gunda war eine ganz normale Oberschwester, eine, die ihre rechte Augenbraue bis über den Rand ihrer glitzernden Hornbrille hochziehen konnte, wenn sie was zu meckern hatte, und sie hatte viel zu meckern. Sie arbeitete in einem ganz normalen Krankenhaus auf der Wöchnerinnenstation, dort wo die Babys dieser ganz normalen Stadt geboren wurden. Die Mamas der Babys waren die glücklichsten und zufriedensten Mamas auf der ganzen Welt. Sie trugen ihre Babys die langen Flure hinauf und hinunter und summten leise Wiegenlieder und kitzelten ihnen beim Wickeln die nackten Fußsohlen - so winzig, so süß! Doch dann kam von morgens bis abends Besuch, überbrachte Blumen und Pralinen und gute Ratschläge:
    Pass bloß auf, dass dir die kleine Zecke nicht bald auf der Nase rumturnt, wenn du gleich bei jedem Pieps losrennst und sie auf den Arm nimmst!
    Du hast doch noch gar keine Milch, nun gib dem Baby doch in Gottes Namen wenigstens ein bisschen Tee zu trinken, oder willst du, dass das arme Hascherl bei dieser Hitze verdurstet?
    Ein Kind gehört in sein eigenes Bett und nicht mit in deines, du wirst es vor lauter Liebe noch erdrücken!, riefen die Mütter der Mamas und Papas, die Tanten und Geschwister aufgeregt durcheinander, bis die Mamas anfingen zu weinen und gar nicht wieder aufhören konnten und über dem Krankenhausgarten zogen dicke schwarze Gewitterwolken vor das Himmelblau. Ein Blitz verfehlte haarscharf den backsteinroten Schornstein der Wäscherei und schlug neben die Container mit den frisch gemangelten und gefalteten Bettbezügen ein. In diesem Moment flog die Tür aus dem Rahmen, es donnerte fürchterlich und Oberschwester Gunda spazierte herein. Sie hatte heute irgendwie ganz angesengte Haarspitzen und roch so komisch nach verkohltem Laternenpapier. Ein silbernes Tablett mit Schokoladenkeksen und dampfendem Kaffee schwebte über ihrem Dekollete. Sie stopfte den Mamas geschickt ein Kissen ins Kreuz und servierte ans Bett. Wieselflink zog sie die Laken glatt und schüttelte die Decken aus und zwinkerte ihnen heimlich zu - nur Müll im Kopf!, flüsterte sie. Die Papas standen indes hilflos am Fenster und schauten über den Zaun den Ohnedachautos und Lastern hinterher, wie sie schwuppdiwupp im Elbtunnel verschwanden und seufzten tief - wie sollte das bloß alles nur erst zu hause weitergehen?
    Manche Babys erwachten, weil sie sich von den lauten Stimmen gestört fühlten und ballten ihre Händchen zu Fäusten und ihre kleinen Gesichter liefen knallrot an und sie fingen an zu brüllen, nicht Oma Grete, noch Tante Friederike, noch der Papa konnten den Frischling beruhigen, der wollte nur zur Mama an den warmen Busen, trinken und essen und den Stress vergessen.
    Ich hatte gleich am ersten Tag ganz blutige Brustwarzen, sagte Oma Grete und warf einen bitterbösen Blick hinüber zum Papa.
    Und ich konnte gar nicht stillen, weil ich zu wenig Milch hatte, schwor Tante Friederike, und außerdem bin ich keine Kuh. Sie zupfte mit spitzen Fingern ihre Bluse über dem Busen zurecht und schnippte einen Fussel vom Rüschenkragen.
    Fläschchen geben ist sowieso viel praktischer, da kann auch mal der Papa in der Nacht aufstehen und sich um den Nachwuchs kümmern, sagte Oma Tanja, die Mama der Mama und nickte energisch und ihre blondierten Dauerlocken wippten im Takt - ja, ja, ja, viel praktischa!
    Spätestens dann wurde es Zeit für Oberschwester Gundas Gemeckere:
    Meine Herrschaften, dieser Ausflug endet hier, bitte alle aussteigen!
    Blitz und Donnerdonner. Sie breitete ihre Arme aus, dass sie fast von einer Wand zur anderen reichten und schob die gesamte Verwandtschaft zur Tür hinaus an die frische Luft zum Verpusten. Nur die Papas durften bleiben.

  8. #8
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    AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    M.E. mußt Du vor allem den Anfang überarbeiten (wenn Du meinst, es lohne sich). Ich bin schon nach einigen wenigen Sätzen gelangweilt und muß mich mühen weiterzulesen. Da kann der Rest noch so pointiert sein - wenn man nicht weiter liest, ist es vergebene Liebesmüh. Versuche (wie auch immer) den Leser gleich am Anfang mit einem Knalleffekt an die Geschichte zu fesseln. Dann ist auch der Stil zweitrangig. Oder versuche den Leser neugierig zu machen, indem Du (zumindest) anfangs wohlpointiert - also interessant - schreibst.


    Ist das zu verstehen?


    Decollete schreibt man übrigens so ...

  9. #9
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    Post AW: warum eigentlich hat der donner immer so schlechte laune?

    Kapitel 1

    Die Glocken hatten gerade 9 Uhr geschlagen. Im Michelturm über der ersten Balustrade öffnete der Küster wie jeden Abend den südlichen Fensterladen. Er pustete die Wangen auf und ließ seinen Atem durch eine Trompete strömen. Unten im Haus schräg gegenüber dem Hauptportal wälzte sich ein Kind in seinem Bettchen. Es strampelte die Decke von den Beinen, horchte, saugte die Musik durch seine Nase und füllte mit ihr die Bronchien. Seine Brust wölbte sich. Sein Bauch blähte sich auf. Blut rauschte in sein Gesicht, das rot wie eine Tomate anlief. Das Kind ballte die Hände zu Fäusten. Es öffnete seine Lippen. Groß und schwarz war das Loch im Mund.Plötzlich quietschte es auf der Tonleiter fürchterlich. Alle guten Geister kletterten den Schreihals hinauf, flüchteten hinter die Gardine, wo die Schatten auf Zehenspitzen davon auf die Straße schlichen. Sie fürchteten sich vor der Dunkelheit. Jemand öffnete die Tür einen Spalt, ein Lichtstreif erreichte das Bettchen.

    Mama!
    Arme- immer länger wurden sie - streckten sich ihr entgegen.
    Es ist spät, schlaf jetzt endlich ein!, sagte sie, zog die Decke bis über das Kinn, ging und drückte die Tür dicht an den Rahmen heran. Sie schaltete im Flur die Lampe aus, ihre Schritte entfernten sich.Der Küster schloss den südlichen Fensterladen über der ersten Balustrade im Michelturm. Es wehte eine leichte Brise unten auf der Straße. Die Gardine raschelte an den Haken. Das Kind schrie. Niemand kümmerte sich.



    Kapitel2


    Oberschwester Gunda war eine ganz normale Oberschwester, eine, die ihre rechte Augenbraue bis über den Rand ihrer glitzernden Hornbrille hochziehen konnte, wenn sie was zu meckern hatte, und sie hatte viel zu meckern.Sie arbeitete in einem ganz normalen Krankenhaus auf der Wöchnerinnenstation, dort wo die Babys dieser ganz normalen Stadt geboren wurden. Die Mamas der Babys waren die glücklichsten und zufriedensten Mamas auf der ganzen Welt, die noch niemals in ihrem Leben auch nur einer Fliege etwas zu Leide getan hatten. Sie trugen ihre Babys die langen Flure hinauf und hinunter und summten leise Wiegenlieder und kitzelten ihnen beim Wickeln die nackten Fußsohlen- so winzig, so süß! Doch dann kam von morgens bis abends Besuch, überbrachte Blumen und Pralinen und gute Ratschläge:
    Pass bloß auf, dass es dir nicht bald auf der Nase rumturnt, wenn du gleich bei jedem Pieps losrennst und es auf den Arm nimmst!
    Du hast doch noch gar keine Milch, nun gib ihm doch in Gottes Namen wenigstens ein bisschen Tee zu trinken, oder willst du, dass das arme Hascherl bei dieser Hitze verdurstet?
    Ein Kind gehört in sein eigenes Bett und nicht mit in deines, du wirst es vor lauter Liebe noch erdrücken!,
    riefen die Mütter der Mamas und Papas, die Tanten und Geschwister aufgeregt durcheinander, bis die Mamas anfingen zu weinen und gar nicht wieder aufhören konnten und über dem Krankenhausgarten zogen dicke schwarze Gewitterwolken vor das Himmelblau. Ein Blitz verfehlte haarscharf den backsteinroten Schornstein der Wäscherei und schlug neben die Container mit den frisch gemangelten und gefalteten Bettbezügen ein. In diesem Moment flog die Tür aus dem Rahmen, es donnerte fürchterlich und Oberschwester Gunda spazierte herein. Sie hatte heute irgendwie ganz angesengte Haarspitzen und roch so komisch nach verkohltem Laternenpapier. Ein silbernes Tablett mit Schokoladenkeksen und dampfendem Kaffee schwebte über ihrem Dekollete. Sie stopfte den Mamas geschickt ein Kissen ins Kreuz und servierte ans Bett. Wieselflink zog sie die Laken glatt und schüttelte die Decken aus und zwinkerte ihnen heimlich zu - nur Müll im Kopf!, flüsterte sie. Die Papas standen indes hilflos am Fenster und schauten über den Zaun den Ohnedachautos und Lastern hinterher,wie sie schwuppdiwupp im Elbtunnel verschwanden und seufzten tief -wie sollte das bloß alles nur erst zu hause weitergehen?
    Manche Babys erwachten, weil sie sich von den lauten Stimmen gestört fühlten und sie fingen an zu brüllen. Nicht Oma Grete, noch Tante Friederike, noch der Papa konnten den Schreihals beruhigen, der wollte nur zur Mama an den warmen Busen ein bisschen Liebe nuckeln.
    Ich hatte gleich am ersten Tag ganz blutige Brustwarzen, sagte Oma Grete und warf einen bitterbösen Blick hinüber zum Papa.
    Und ich konnte gar nicht stillen, weil ich zu wenig Milch hatte, schwor Tante Friederike, und außerdem bin ich keine Kuh. Sie zupfte mit spitzen Fingern ihre Bluse über dem Busen zurecht und schnippte einen Fussel vom Rüschenkragen.
    Fläschchengeben ist sowieso viel praktischer, da kann auch mal der Papa in der Nacht aufstehen und sich um den Nachwuchs kümmern, sagte Oma Tanja,die Mama der Mama und nickte energisch und ihre blondierten Dauerlocken wippten im Takt - ja, ja, ja, viel praktischa!
    Spätestens dann wurde es Zeit für Oberschwester Gundas Gemeckere:
    MeineHerrschaften, dieser Ausflug endet hier, bitte alle aussteigen!
    Blitz und Donnerdonner. Sie breitete ihre Arme aus, dass sie fast von einer Wand zur anderen reichten und schob die gesamte Verwandtschaft zur Tür hinaus an die frische Luft zum Verpusten. Nur die Papas durften bleiben.


    Kapitel3


    In den Kronen der alten Ahornbäume auf dem Stintfang zerrte der Wind aus Nordwest. Die Tauben krallten sich an den Ästen fest, legten die Flügel eng um ihr tropfendes Gefieder. Schietwedder! gurrten sie verstimmt. Unten im schmuddelig braunen Elbwasser torkelten die Barkassen, als hätten sie zuviel Alsterwasser gesoffen und die Touristen riefen: Hamburg sieht uns so schnell nicht wieder!, und einige würgten ihre halbverdauten Fischbrötchen aus dem Magen hoch und spuckten sie ab in die Elbe direkt vor die Landungsbrücken. Obenauf der Terrasse der Jugendherberge saß Oberschwester Gunda, die Füße in lila Piratenstiefel versenkt und zählte die Regentropfen.2000, 2001, 2002, ... Komisch, sie wurde plötzlich so furchtbar müde. In ihren angekokelten Haaren kuschelte eins der pitschnassen Täubchen und pickte Löcher in das feuchte Aschehäubchen. Blitz und Donnerdonner. Und ehe sich Oberschwester Gunda versah, wurde sie von einer starken Böe gepackt und durch die Luft gewirbelt. Wo war oben,wo unten? Höher, immer höher flogen sie und das Täubchen in die dicken schwarzen Wolken hinein, bis sie zu einer Tür kamen, auf dem Schild stand: Folterkammer - Tag der offenen Tür. Hm, was soll das? überlegte sie und drückte auf den Klingelknopf, weil sie gerade nichts besseres zu tun hatte - schrill - Rrrrrrrrr-Rrrrrrrrr! Die Tür öffnete sich von alleine, niemand zu sehen, nur herzzerreißendes Gewimmer hüpfte auf ihr Trommelfell in den Ohren:
    Hilfe!Hört mich denn keiner? Hilfe!
    Das Täubchen duckte sich vorsichtshalber im Häubchen. Vor ihnen blitzte es grell. Unter einem riesigen Sicherungskasten kam er hervorgerobbt- ein Mann wie ein Traum.
    Moin,moin!, donner donnerte er, sprang mit einem Satz auf die Füße und stieß mit dem Kopf ans Himmelblau. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, nahm den Schraubendreher aus seinem makelloses Gebiss und drückte Oberschwester Gunda an seine Brust, schmatzte ihr einen schmieröligen Kuss auf die Wange.
    Nurkeine Angst, ich fresse nur Rotkäppchen.


    (...)


    könnteja sein, dass es irgendwen interessiert - der weg ist das ziel, oder- wie ein text entsteht:


    Kapitel1


    DieGlocken hatten gerade 9 Uhr geschlagen. Im Michelturm über derersten Balustrade öffnete der Küster wie jeden Abend den südlichenFensterladen. Er pustete die Wangen auf und ließ Atem durch seineTrompete strömen:
    DerMond ist aufgegangen.
    Imflotten Notenkleid spazierte der Wind durch die Straßen am Hafen.Unten im Haus schräg gegenüber dem Hauptportal wälzte sich einKind in seinem Bettchen. Es strampelte die Decke von den Beinen.Horchte. Jemand pfiff schrill in seiner Nase. Das Kind ballte dieHändchen zu Fäusten. Es öffnete seine Lippen. Groß und schwarzwar das Loch im Mund. Erst leise, dann lauter, noch viel lauterquietschte es auf der Tonleiter fürchterlich. Alle guten Geisterkletterten den Schreihals hinauf, geschwind flüchteten sie hinterdie Gardine, wo die Schatten auf Zehenspitzen davon schlichen undsich vor die Scheinwerfer der Autos auf die Englische Plankeschmissen. Sie fürchteten sich vor der Dunkelheit. Unverhofftöffnete sich die Tür zum Kinderzimmer einen Spalt, ein Lichtstreiferreichte das Bettchen.
    Mama!
    Arme- immer länger und länger - streckten sich ihr entgegen.
    Schluss jetzt, Feierabend!, sagte sie, zog die Decke bis über das Kinn, ging hinaus und zerquetschte das Licht im Türrahmen. Ihre Schritte entfernten sich. Der Küster schloss den südlichen Fensterladen über der ersten Balustrade im Michelturm. Der Wind heulte. Nackt stürmte er durch die Straßen am Hafen. Ihm war kalt. Er brauchte dringend was Neues zum Anziehen. Da, die Gardine, sie raschelte an den Haken.
    Mama!
    Niemandkümmerte sich.


    Kapitel2


    Oberschwester Gunda war eine ganz normale Oberschwester, eine, die ihre rechte Augenbraue bis über den Rand ihrer glitzernden Hornbrille hochziehen konnte, wenn sie was zu meckern hatte, und sie hatte viel zu meckern.Sie arbeitete in einem ganz normalen Krankenhaus auf der Wöchnerinnenstation, dort wo die Babys dieser ganz normalen Stadt geboren wurden. Die Mamas der Babys waren die glücklichsten und zufriedensten Mamas auf der ganzen Welt, die noch niemals in ihrem Leben auch nur einer Fliege etwas zu Leide getan hatten. Sie trugen ihre Babys die langen Flure hinauf und hinunter und summten leise Wiegenlieder und kitzelten ihnen beim Wickeln die nackten Fußsohlen- so winzig, so süß! Doch dann kam von morgens bis abends Besuch,überbrachte Blumen und Pralinen und gute Ratschläge:
    Pass bloß auf, dass es dir nicht bald auf der Nase rumturnt, wenn du gleich bei jedem Pieps losrennst und es auf den Arm nimmst!
    Du hast doch noch gar keine Milch, nun gib ihm doch in Gottes Namen wenigstens ein bisschen Tee zu trinken, oder willst du, dass das arme Hascherl bei dieser Hitze verdurstet?
    Ein Kind gehört in sein eigenes Bett und nicht mit in deines, du wirst es vor lauter Liebe noch erdrücken!,
    riefen die Mütter der Mamas und Papas, die Tanten und Geschwister aufgeregt durcheinander, bis die Mamas anfingen zu weinen und gar nicht wieder aufhören konnten und über dem Krankenhausgarten zogen dicke schwarze Gewitterwolken vor das Himmelblau. Ein Blitz verfehlte haarscharf den backsteinroten Schornstein der Wäscherei und schlug neben der Küche in einen der Teewagen ein. Qualmend verbrannten Kekse und Kuchen auf den Tellern. In diesem Moment sprang die Tür in Tante Friederikes Kreuz, es donnerte fürchterlich und Oberschwester Gunda trat ein. Sie hatte heute irgendwie ganz angesengte Haarspitzen und roch so komisch nach verkohltem Laternenpapier. Sie stopfte den Mamas geschickt ein Kissen ins Kreuz und servierte frisch gebrannten Bohnenkaffee - heute ausgesprochen lecker. Wieselflink zog sie die Laken glatt und schüttelte Decken aus und zwinkerte ihnen heimlich zu - nur Müll im Kopf!, flüsterte sie. Die Papas standen indes hilflos am Fenster und schauten über den Zaun den Ohnedachautos und Lastern hinterher, wie sie schwuppdiwupp im Elbtunnel verschwanden und seufzten tief - wie sollte das bloß alles nur erst zu hause weitergehen?
    Manche Babys erwachten, weil sie sich von den lauten Stimmen gestört fühlten und sie fingen an zu brüllen. Nicht Oma Grete, noch Tante Friederike, noch der Papa konnten das Baby beruhigen. Erst, wenn die Mamas dann endlich die Milchbar aufknüpften, wurde es still. Ach war das schön, wieder in Ruhe zu quatschen.
    Ich hatte gleich am ersten Tag ganz blutige Brustwarzen, sagte Oma Grete und warf einen bitterbösen Blick hinüber zum Papa.
    Und ich konnte gar nicht stillen, weil ich zu wenig Milch hatte, schwor Tante Friederike, und außerdem bin ich keine Kuh. Sie zupfte mit spitzen Fingern ihre Bluse über dem Busen zurecht und schnippte einen Fussel vom Rüschenkragen.
    Fläschchengeben ist sowieso viel praktischer, da kann auch mal der Papa in der Nacht aufstehen und sich um den Nachwuchs kümmern, sagte Oma Tanja,die Mama der Mama und nickte energisch und ihre blondierten Dauerlocken wippten im Takt - ja, ja, ja, viel praktischa!
    Spätestens dann wurde es Zeit für Oberschwester Gundas Gemeckere:
    Meine Herrschaften, dieser Ausflug endet hier, bitte alle aussteigen!
    Blitz und Donnerdonner. Sie breitete ihre Arme aus, dass sie fast von einer Wand zur anderen reichten und schob die gesamte Verwandtschaft zur Tür hinaus an die frische Luft zum Verpusten. Nur die Papas durften bleiben.


    Kapitel3


    Inden Kronen der alten Ahornbäume auf dem Stintfang zerrte der Wind aus Nordwest, immer noch auf der Suche nach Markenklamotten. Die Tauben krallten sich an den Ästen fest, legten die Flügel eng um ihr tropfendes Gefieder. Schietwedder! gurrten sie verstimmt. Unten im schmuddelig braunen Elbwasser torkelten die Barkassen, als hätten sie zuviel Alsterwasser gesoffen und die Touristen riefen: Hamburg sieht uns so schnell nicht wieder!, und einige würgten ihre halbverdauten Fischbrötchen aus dem Magen hoch und spuckten sie abin die Elbe direkt vor die Landungsbrücken. Oben auf der Terrasse der Jugendherberge saß Oberschwester Gunda, die Füße in lila Piratenstiefel versenkt und zählte die Regentropfen. 2000, 2001,2002, ... In ihren angekokelten Haaren kuschelte eins der pitschnassen Täubchen und pickte Löcher in das feuchte Aschehäubchen. Blitz und Donnerdonner. Und ehe sich Oberschwester Gunda versah, wurde sie von einer starken Böe gepackt und durch die Luft gewirbelt. Wo war oben, wo unten? Höher, immer höher flogen sie und das Täubchen in die dicken schwarzen Wolken hinein, bis siezu einer Tür kamen, auf dem Schild stand: Folterkammer - Nacht der offenen Türen. Hm, was soll das? überlegte sie und zog ihre rechte Augenbraue über den glitzernden Hornbrillenrand und weil sie gerade nichts besseres zu tun hatte, drückte sie kräftig auf den Klingelknopf - schrill - Rrrrrrrrr-Rrrrrrrrr! Die Tür öffnete sich von alleine, niemand zu sehen, nur herzzerreißendes Gewimmer hüpfte auf ihrem Trommelfell in den Ohren:
    Hilfe!Hört mich denn keiner? Hilfe!
    Das Täubchen duckte sich vorsichtshalber im Häubchen. Vor ihnen blitzte es grell. Unter einem riesigen Sicherungskasten kam er hervorgerobbt- der ganze Kerl im Himmelblaumann.
    Moin, moin!, donnerte er, sprang mit einem Satz auf die Füße. Erwischte sich den Schweiß von der Stirn, nahm den Schraubendreher aus seinem makelloses Gebiss und drückte Oberschwester Gunda an seine haarige Brust, schmatzte ihr einen schmieröligen Kuss auf die Wange.
    KeineAngst Mädel, ich fresse nur Rotkäppchen.

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