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Thema: Der Faden

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Der Faden

    Die Hochsommerhitze Siziliens schlich langsam unweigerlich durch die Ritzen der Rolläden. Die Luft im Raum hätte kein Messerschnitt durchtrennen können. Es war so stickig, daß ich unter Atemnot litt. Die Uhr zeigte vier Uhr nachts und ich hatte bislang keinen Schlaf gefunden. In den letzten Wochen konnte ich bis vier Uhr schlafen, bis mich ein abscheulicher Alptraum von der Süße des Schlafs trennte. Danach war ich an den Schreibtisch getaumelt, um den Traum niederzuschreiben.

    Nun gab es keinen Halt des Schlafs mehr. Der Faden war gerissen. Der Schlaf blieb aus. Noch nie in meinem Leben zuvor hatte ich eine ganze Nacht im Bett durchwacht, während ich den regelmäßigen Atemzügen meiner Lieben lauschte. Ein neuer Abschnitt in meinem Leben hatte begonnen.

    Aber es gab keinen Grund ihn zu feiern. Das Laken klebte naß an meinem Körper bedingt durch meine eigenen Ausdünstungen. Meine Extremitäten vermißten den Schlaf und hingen bleischwer herunter. Das Herz pochte in seinem Puls so laut, daß das Geräusch sich als Dröhnen in meinem Kopf breitmachte. Eine diffuse Angst hatte sich meinem gesamten Körper bemächtigt. An Weinen war nicht zu denken. Es hätte mich erlöst und ich wäre in einen Tiefschlaf verfallen. Wann hatte ich zuletzt geweint? Ich hatte keine Antwort. Wahrscheinlich, als ich Kind war und mir meine Finger an einem Dorn blutig gerissen hatte. Die Frage stand gleich einem Totem im Raum: „Warum schläfst du nicht?“ Das Problem lag darin, daß ich meine Gedanken nicht niederschreiben konnte.

    Langsam zog ich den bleischweren Körper aus den Kissen. Ich zündete die Kerze an. Das Licht flackerte leicht. Meine Hände darum. Blutrot beleuchtet. So schritt ich zu dem Kind. Kurz hielt ich die Kerze über das Bettchen. Es atmete regelmäßig. Ich war beruhigt. Ich zog das Schreibpapier und den Stift mit einer leisen Bewegung aus der Schublade. „Ich habe ja nichts vor“, sprach ich zu mir.

    Dann verließ ich den Raum und schritt dem Meer entgegen. Das Rauschen setzte sich hypervirtuell in meinem Kopf fest. Gleich einer halluzinogenen Droge. Langsam schritt ich den Fluten entgegen. Das Geräusch wurde immer lauter. Ich sah eine rote Flamme im Meer versinken. Dann setzte ich mich in den Sand mit dem Papier auf den Knien. Es kamen keine Worte. Ich war sprachlos. Mir liefen die Tränen.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Faden

    Liebes Bowle! Den Faden such ich wohl, allein, er ist verschwunden. Vielleicht hattest Du ihn in Deinen salzbedeckten Händen, vielleicht. Ich finde keine Entwicklung, keine sprachliche Sorgfältigkeit, keinen Gang des Ganzen. Stück an Stück, Wort an Wort gesetzt, zuweilen durch ein querstehendes (z.B. hypervirtuell, Extremitäten) den Lesefluß aufgebrochen, aber nix beschrieben, nur eine durchgängige Stimmung, das will ich Dir zugute halten.
    Du warst schon mal besser.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Faden

    Hallo, Angestaubte, alles hätte ich Dir zugetraut, wilde Gefühle, rauschhafte Orgien, Loslösen in Excessen, aber daß Du wegen Deiner eigenen Ausdünstungen nicht schlafen kannst? Ich verweigere Dir die körperliche Liebe!
    Der Text ist übrigens Scheiße. Dein Urlaub auch?

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Faden

    Ist der Text tatsächlich so schlecht? Muß man denn immer schockieren? Vielleicht laß ich mir noch etwas dazu einfallen. Mal sehen.


    Urlaub war klasse. Wahrscheinlich geht es mir viel zu gut, um bessere Texte zu schreiben. Ich glaube ich habe einen Eiweißschock erlitten nach Hummer, Austern, Miesmuscheln, Jakobsmuscheln und Crevetten. Die Crevetten haben wir abends kiloweise in uns hineingefressen. Es war eine wahre Schlacht. Jedenfalls bin ich jetzt wieder gesund und froh zurück. Ich grüße Euch alle ganz herzlich.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Faden

    Original erstellt von Patina:
    Die Hochsommerhitze Siziliens schlich langsam unweigerlich durch die Ritzen der Rolläden. Die Luft im Raum hätte kein Messerschnitt durchtrennen können. Es war so stickig, daß ich unter Atemnot litt.

    langsam unweigerlich. ein bisschen viel, das.
    und wenn du schon so ein bild gefunden hast wie: die luft im raum hätte kein messerschnitt durchtrennen können. warum vertraust du dann nicht einfach darauf? warum noch sagen: es war stickig? solcherlei bringt jeden text um. solcherlei bevormundet den leser, schlimmer noch, sagt dem leser, he leser, bist ein idiot. weil solcherlei lässt der phantasie des leser keinen raum zum atmen: atemnot hier in der tat...


    greetings,
    Mr. Jones

  6. #6
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    Post AW: Der Faden

    Danke Mr. Jones für den Einwand. Hab ihn gleich mitberücksichtigt...
    Hier ein erster Bearbeitungsversuch:


    Die Hochsommerhitze Siziliens klebte an den Ritzen der Roll?den. Die Luft im Raum h?tte kein Messerschnitt trennen k?nnen. Ich litt unter Atemnot. Die Uhr zeigte vier Uhr nachts und ich hatte bislang keinen Schlaf gefunden. In den letzten Wochen konnte ich bis vier Uhr schlafen, bis mich ein abscheulicher Alptraum von der S??e des Schlafs trennte. Danach war ich an den Schreibtisch getaumelt, um den Traum niederzuschreiben. Es waren immer die gleichen Tr?ume. Ich war geflogen und hatte Angst auf den Boden zu knallen. Ich war geschwommen und hatte Angst davor, Haifische k?nnten mich angreifen.


    Der Schlaf gab keinen Halt mehr. Der Faden war gerissen. Der Schlaf blieb aus. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich eine ganze Nacht im Bett durchwacht, während ich den regelmäßigen Atemzügen der Anwesenden lauschte. Ich schaute nach ihm. Aber die Gefühle waren schon lang erloschen. Es hätte genauso gut auch ein Leichnam neben mir liegen können. Ich stellte mir vor, er könnte in einem Sarg liegen. Die Toten ähneln den Lebenden, nur daß ihre Gesichtszüge wächsern sind. Er sähe nicht anders aus. Es gab keinen Streit in dieser Nacht. Eine gewisse Beruhigung.


    Das Laken klebte naß an meinem Körper bedingt durch meinen eigenen Schweiß. Meine Glieder vermißten den Schlaf und meine Arme hingen bleischwer herunter. Das Herz pochte in seinem Puls so laut, daß das Geräusch sich als Dröhnen in meinem Kopf breitgemachte. Eine diffuse Angst hatte sich meinem gesamten Körper bemächtigt. Ich sah den Teufel, wie er mir mit einem verzerrten Gesicht zuwinkte. An Weinen war nicht zu denken. Es hätte mich erlöst und ich wäre in einen Tiefschlaf verfallen. Wann hatte ich zuletzt geweint? Ich hatte keine Antwort. Wahrscheinlich, als ich Kind war und mir meine Finger an einem Dorn blutig gerissen hatte.


    Langsam zog ich meinen bleischweren Körper aus den Kissen, indem ich die Arme aufstützte. Ich zündete die Kerze an. Das Licht flackerte leicht. Die rechte Hand vor der Flamme, blutrot beleuchtet. So trat ich zu meinem Kind. Kurz hielt ich die Kerze über das Bettchen. Er atmete regelmäßig. Keine Asthma-Attacke. Den Kopf hatte er an seinen kleinen Mann gelegt, den wir, damals als wir noch eins waren, für ihn Bibo getauft hatten. Ich war beruhigt. Ich zog das Schreibpapier und den Stift mit einer leisen Bewegung aus der Schublade. "Ich habe ja nichts vor", sprach ich zu mir.


    Dann verließ ich den Raum und schritt dem Meer entgegen. Das Rauschen setzte sich in meinem Kopf fest. Gleich einer halluzinogenen Droge. Langsam schritt ich den Fluten entgegen. Das Geräusch wurde immer lauter. Ich sah eine rote Flamme im Meer auftauchen. Dann setzte ich mich in den Sand mit dem Papier auf den Knien. Es kamen keine Worte. Ich hatte keinen Traum. Ich war sprachlos. Mir liefen die Tränen.

  7. #7
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    AW: Der Faden

    stop. mir gefällt der Text. wohlwahrja. obwohl prosa... . die stimmung vor allem. was sonst. ivh spreche übrigens von dem ersten versuch. deswegen dies "stop"... . der zweite gefällt mir gar nicht. ab in die glutenkiste damit. doch der erste, der hat was. vor allem der schluss. die letzte träne. das ist doch ein herrlicher kleiner kreis.
    mäkeln will ich aber doch noch:
    "Ich hab ja nichts vor" und
    "hypervirtuell" sind Stolperfallen.
    lassen meine entstandene seifenblase platzen.


    und dann ist da noch diese rote Flamme im Meer. hm. nachts um vier. seltsam. äußerst seltsam. aber du wirst schon wissen, wovon du schreibst...

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Faden

    Endlich mal einer, der den Text gut findet. Danke Paulchen.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der Faden

    Ich kann nicht sagen, ob mir der Text gefällt - aber er mißfällt mir auch nicht.


    Worte, wie "Asthma-Atacke" und "halluzinogen" sind jedoch wie Bowlingkugeln in einem Nest aus Schildkröteneiern.


    Mach den Text in sich flüssiger, fließender. Melancholie ist weich. Und streiche den Satz mit der roten Flamme - man bleibt daran kleben, weil er keinen Sinn macht. Ansonsten gefällt mir - der Schluß. Er ist eindringlich.


    [Diese Nachricht wurde von Griffon am 02. September 2002 editiert.]

  10. #10
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Der Faden

    Bitte was anderes schreiben. Man kann aus einem Wallach keinen Schafskäse schneiden.

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Faden

    Original erstellt von Patina:
    Dann verließ ich den Raum und schritt dem Meer entgegen. Das Rauschen setzte sich in meinem Kopf fest. Gleich einer halluzinogenen Droge. Langsam schritt ich den Fluten entgegen.

    was bin ich? makaber? mordlustig? unsensibel zumindest! denn bis hierher (zitatende) hab ich gelesen. nicht in einem rutsch, nein, und auch nicht ganz ohne stolpern. aber dann. das hat mir dann schon ein leeres schlucken abgenötigt, dies: langsam schritt ich den fluten entgegen... hier hätt meinetwegen der schlusspunkt folgen dürfen. denn ich dachte zu verstehen. ich dachte, das meer breitet seine arme aus. ich dachte, die fluten und die protagonistin gingen eine vereinigung ein. ich dachte zu verstehen.


    ich dachte falsch. es geht noch weiter. es kommt anders. ich hab falsch verstanden. ein traum, den ich geträumt habe. es war nicht deiner, patina.


    sorry, aber auch wenn ich zumindest unsensibel sein sollte: mein traum hat mir besser gefallen. er hätt mir mehr erklärt. alles fast. alles mindestens, was ich zuvor gelesen in deinem textchen. ein alptraum, der meinige? vielleicht. nur vielleicht.


    greetings,
    Mr. Jones

  12. #12
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Der Faden

    Träume sind meist besser als Geträumtes - oder war es umgekehrt? Bin mir inzwischen nicht mehr sicher. Funktion der Literatur jedenfalls besteht darin, die Phantasie der Lesenden zu erhitzen, ergo ist sie nur ein Mittel, die in uns stattfindende Traumarbeit dagegen wohl mindestens ein Ziel der Erhitzung.
    Bei diesem Text allerdings erhitzte sich bei mir gar nichts, beim ersten nicht, beim zweiten Versuch auch nicht.

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