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Thema: Mitternachtslied

  1. #1
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    Post Mitternachtslied

    Mitternachtslied


    wie wenn der Wind
    in schwarze Seide weht, so
    flattert die Nacht um die
    weiche, nackte Haut
    der Erde -
    die Sterne funkeln wie
    die Augen dieses
    universellen Weibes,
    Salzkristalle im
    Nabel ...-


    oh ja,
    und draußen
    auf dem fernen Felde
    heult ein Wolf,
    berauscht ganz trunken
    er im Mondenschein
    sein Lied von
    Lust und Weh... -


    wer in diesen Nächten
    sein Schwert schwingt,
    um im Kampfe mit der Zeit
    als Sieger aus der Arena
    und jene enthauptet
    in ihrem Blute
    zurück läßt,
    der nur wird vermögen
    dies Licht zu
    erklimmen... -


    in diesem Augenblick
    erschießt sich einer
    in der Anstalt,
    ein Kind schreit
    seinen ersten Schmerz hinaus und
    in den Tiefen des Meeres
    ein Liebespaar im
    Taumel... -


    in diesen Nächten
    steht Orpheus auf einem Fels und
    weithin schallt sein
    süßes Lied,
    ewig scheinen diese Nächte,
    wenn sie nicht
    in der Morgenröte
    verglühten...!

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Mitternachtslied

    Die erste Strophe zeigt dich ganz als den Panerotiker, der du bist.
    In der zweiten mit dem Wolf, der im Mondenschein trunken sein Lied heult - nun ja, Grinsen ist bei Dir ja erlaubt.
    In der dritten raunst du von enthaupteter Zeit und zu erklimmendem Licht - in dieser Künderrolle seh ich dich nicht so ganz.
    Die drei prototypischen Fälle in der vierten dann sind schön auf Kontrast gesetzt, das mag ich.
    In der fünften dann die Selbstbespiegelung: Paul steht als Orpheus auf einem Felsen und singt sein süßes Lied - schwach - Deine Texte sind zum Glück wenig süß.
    In der Vielfalt der von Dir eingenommenen Rollen ein farbiger, keinesfalls eintöniger Text, dem allenfalls eines fehlt: Der alles zusammenhaltende Grundgedanke, Grundaspekt. Oder hab ich ihn übersehen?

    Gruß

    Quoth


    Ich glaube, ich sehe ihn doch: Der Versuch, alles zu erfassen.
    Oswald Wiener: "Moderne Literatur entsteht aus dem Scheitern des Versuchs, das Ganze zu erfassen."



    [Diese Nachricht wurde von Quoth am 06. September 2002 editiert.]

  3. #3
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    AW: Mitternachtslied

    Schön, wenn Mann in solchen Nächten mit sechs Flaschen Wodka und einem Sack Zwiebeln gesegnet.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Mitternachtslied

    hallo lieber paul,


    du bist echt ein typ von rauher ursprünglichkeit. ich finde es einleuchtend, dass die ursprünglichkeit rauh ist, war unser ursprung nicht etwa blutig und voll von geschrei (nachts vielleicht?) mit narkosen und einigen zeugen, die dem scheinbaren massaker beiwohnten?


    "wie wenn der Wind"


    die formulierung gefällt mir. erinnert mich jedoch an nietzsche. liest du den?
    ich kann's nicht mehr auswendig, aber es war etwa so:
    "wie wenn einer in seiner tiefsten einsamkeit einem dämon begegnete, der sagte: alles was du jetzt erlebst und jemals erlebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige male erleben. jede hoffnung, jeder schmerz, jedes große und kleine leid und sogar diese spinne und dieses mondlicht zwischen den bäumen. alles wird dir wiederkehren und in der selben reihe und folge (....)"
    ich weiss echt nicht mehr so genau.


    "in schwarze Seide weht, so
    flattert die Nacht um die
    weiche, nackte Haut
    der Erde -
    die Sterne funkeln wie
    die Augen dieses
    universellen Weibes,
    Salzkristalle im
    Nabel ...-"


    universelles weib: rund und ausgedörrt.
    gesunde formulierung. no nonsense.


    "oh ja,
    und draußen
    auf dem fernen Felde
    heult ein Wolf,
    berauscht ganz trunken
    er im Mondenschein
    sein Lied von
    Lust und Weh... -"


    der wolf berauscht sein lied? kapier ich nicht. lust und weh finde ich leicht schwach.


    "wer in diesen Nächten
    sein Schwert schwingt,
    um im Kampfe mit der Zeit
    als Sieger aus der Arena
    und jene enthauptet
    in ihrem Blute
    zurück läßt,
    der nur wird vermögen
    dies Licht zu
    erklimmen... -"


    das klingt wie eine episode von highlander.


    "in diesem Augenblick
    erschießt sich einer
    in der Anstalt,
    ein Kind schreit
    seinen ersten Schmerz hinaus und
    in den Tiefen des Meeres
    ein Liebespaar im
    Taumel... -"


    das gefällt mir nun sehr gut. einer erschießt sich in der anstalt? der hatte da eine knarre? klingt nicht nach einer anständigen anstalt.
    du neigst manchmal dazu klischeehafte worte zu wählen, aber normalerweise unterstützt es deine dostojewskihafte grusel-realität.


    "in diesen Nächten
    steht Orpheus auf einem Fels und
    weithin schallt sein
    süßes Lied,
    ewig scheinen diese Nächte,
    wenn sie nicht
    in der Morgenröte
    verglühten...!"


    dem schluss stimme ich zu. die ewigkeit ist hat vergänglich bei uns menschen.
    deshalb heisst der anfang ja:
    "wie wenn"


    liebe grüße.
    ariadna.

    Quoth
    Wahlvolk
    Beiträge: 179
    Registriert: Jul 2002
    erstellt am: 06. September 2002 09:56

  5. #5
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Mitternachtslied

    Leider antwortete Paul nicht auf diese ihm doch ansprechen sollende Entgegnung Ariadnas. Vielleicht holt er es noch nach.

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