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Thema: Hanswurst

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Hanswurst

    Manche Autoren in diesem Forum pflegen einen seltsamen Brauch: Sie geben sich Beinamen wie "Ultimator", "Grammatikator" oder "Exquisitor". Das klingt wichtig, doch was bedeuten diese Wortorden?
    Der Ultimator ist sicherlich das Letzte, wobei der Grammatikator sich zum Großinquisitor der Literatur aufschwingt. Der Exquisitor sucht aus, natürlich immer mit dem Ziel vor Augen, etwas Erlesenes zu schaffen. Böse Zungen könnten ihn auch Selektierer schimpfen.

    Ich habe auch einen Beinamen: Anfänger. Man hat mich ja nie gefragt, ob ich nicht auch so einen schicken Untertitel will. Wenn es den großen Herren genehm ist, hätte ich gern den Beinamen "Hanswurst".
    Die pseudointellektuellen Plastikorden, die sich der Schützenverein des geschriebenen Wortes an die Brust heftet, muß ich dann doch nicht haben.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hanswurst

    Mir ists relativ wurscht, was da für Bezeichnungen stehn, Carlos.
    Sei da nicht so empfindsam. Was machts denn im Unterschied aus? Oder ist es so, da? Du Autoritätsgehabe nicht magst?
    Sofern es dies hier gibt. Aber ich denk nicht, nur ein wenig Befindlichkeit manchmal. Aber hier sind halt analytisch polare Naturen am Werk und Auseinandersetzung, wenn auch hitzig, sollte gelebt werden. Es fördert die Charakterbildung.


    Gruß von Daphnepunkt

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Hanswurst

    hallo carlos,

    hans wurst ist cool

    grüße e.

    Mein Name ist Wurst. Hans Wurst. Meine Eltern haben einen Gasthof mit eigener Schlachterei in Buxtehude. Das liegt nicht weit weg von Hamburg. In der Schule haben sie mich oft geärgert. Ist ja klar, oder? Damals, bei der Hochzeit meiner Eltern, hat mein Vater auf seinem Nachnamen bestanden. Schließlich hätte er den schon seit fünfundzwanzig Jahren. Außerdem passe er besser zum Geschäft - Schlachterei Wurst -, das behält jeder. Meine Mutter hatte Saftig erst zwanzig Jahre. So einfach war das. Überhaupt, meine Mutter, die konnte sich schlecht durchsetzen, sonst wäre aus Hans bestimmt nichts geworden. Mein Vater war so glücklich über die Geburt eines Jungen, dass meine Mutter es nicht übers Herz brachte, ihm die Freude zu verderben. Ich sollte nun mal Hans heißen, nach seinem Großvater. Basta! Hans Saftig hätte mir einiges erspart. Selbst der Standesbeamte hat bei der Ausstellung der Geburtsurkunde versucht, meinen Vater noch umzustimmen. Erfolglos, ich heiße Hans Wurst, da beißt die Maus keinen Faden ab. Aus Tradition, was sonst, musste ich nach der Hauptschule eine Lehre als Schlachter anfangen. Aber nicht bei meinem Vater. Das hätte zu viel Blutvergießen gegeben. Jeden Morgen bin ich um fünf aufgestanden, damit ich Schlag sieben beim Schlachthof in Hamburg auf der Matte stand. Dort wartete das ganze tote Getier auf mich zum Entbeinen. Ekelhaft! Das erste Lehrjahr habe ich noch ganz gut überstanden, weil die Kühe und Schweine zum Glück schon erledigt waren, wenn sie kopfüberhängend zu mir kamen. Im zweiten Lehrjahr gab es dann kein Entrinnen mehr. Jetzt war ich dran. Ich bin regelmäßig in Ohnmacht gefallen und mein Chef, ein alter Kumpel von meinem Vater, hat sich natürlich bei ihm über mich beschwert. Eine echte Memme hätte er da rangezogen. Wenn das so weiter ginge, würde ich das Ausbildungsziel, also die Lizenz zum Töten, garantiert nicht erreichen. Es ging aber so weiter. Jeden Tag noch vor der Frühstückspause lag ich platt und weggetreten auf dem Boden. Das war echt keine Absicht. Alle, die diese Fließbandschlachter mal näher kennen gelernt haben, wissen, dass so was nur einer machen würde, der vergnügungssüchtig ist. Na ja, und mein Name heizte das ganze Gefeixe dieser Massenmörder obendrauf erst richtig an. Kann man sich ja vorstellen. Ich hatte Alpträume, Magenkrämpfe, Migräneanfälle. Unser Hausarzt, zu dem mich meine Mutter schleppte, weil sie mein Elend mit ihren homöopathischen Mittelchen nicht mehr in den Griff bekam, konnte keinerlei Ursachen feststellen. Ich sei kerngesund. Und mein Vater, mein Vater flippte völlig aus. Eine Schande für die Familie wäre ich und meine Mutter das grüßte Weichei seit Menschengedenken. Und die Leute würden schon komische Andeutungen machen im Geschäft und fragen, wann er denn seinem Sohn, von dem man ja so viel Außerordentliches höre, endlich den Laden übergebe. Und dann kauften sie zwei Wiener Würstchen und suchten kichernd das Weite. Tja, aber Gott hatte schließlich erbarmen und ließ den Kragen von Vaters Kumpel endgültig platzen. An einem verregneten November Montag - es war exakt sieben Uhr fünfzehn, das werde ich nie vergessen - drückte der mir ein Blatt Papier in die Hand. Das war die Kündigung. Der glücklichste Tag in meinem Leben, ehrlich! Mein Vater raste, tobte, fluchte und schlug sich die Hand auf an unserem großen Spiegel im Flur. Danach kam er doch noch zur Vernunft. Eines muss ich ihm lassen, er ist nicht nachtragend und so hatte er die Schmach bald vergessen und weil er nicht auf die dummen Sprüche seiner Kunden einging, hatten die bald keine Lust mehr zu sticheln. Alles war wieder in trockenen Tüchern. Für meine Zukunft allerdings mussten wir eine andere Lösung finden. Ein Segen war da ja noch der Gasthof. Meine Mutter schlug vor, warum soll der Junge denn nicht irgendwas in der Gastronomie lernen. Dagegen hatte ich nichts einzuwenden. Jetzt bin ich schon fast durch mit meiner Lehre als Koch. Gelandet bin ich im Hotel Vier Jahreszeiten an der Alster, das nun wirklich eine ganz noble Adresse ist. Unter zweihundert Bewerbern hieß nur einer Hans Wurst. Was'n Wunder. Die wollten mich kennen lernen, um zu sehen, wie so einer in echt aussieht. Konnten sie haben. Und, es hat geklappt. Das war vor drei Jahren. Nächste Woche sind die schriftlichen Prüfungen. Drücken Sie mir die Daumen!

  4. #4
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    Lightbulb AW: Hanswurst

    Gefällt mir, Karl, daß Du nicht alles schluckst, was Dein Rabenvater Dir in den Hals temporiert.

    Kurz zur Erklärung der Nomoseologie: Anfänger sind alle, die weniger als 111 Beiträge verfaßt haben. Nun sollen sie also HANSWURST heißen, vielleicht auch sein, weil sie stehen unten mit dem, was sie dürfen. Dann wird aus dem Hanswurst einer, der mehr darf, der sich hier bewiesen hat, der durchgehalten hat das schlimme Wort der Entgegnung. Aus der Entgegnung erwächst dann die Begegnung, die Bereitschaft schafft. Aber muß nicht. Diese Klippe zu überspringen, bedarf es eines gewisses Wagnisses. Der Ultimator ist abgeschafft. Ihn gibt es nicht mehr, denn die Selbstreferenz schafft blaue Bohnen. So wurde er zum Exquisitor. Da lacht das Herz. Der darf hier hantieren, löschen, bearbeiten, schließen, e-mails an alle versenden, immer aber nur in dem Forum, für das er sich bewährt hat.
    Meinereiner ist der Schütze im letzten Glied und beschränkt sich auf die Ordnung im Gewelk.


    Lieber Karl, ich danke Dir für die Anfrage. Weitere Fragen beantworte ich per e-mail.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hanswurst

    Deine Hans Wurst Geschichte ist wirklich klasse. Ganz nach meinem Geschmack. Einfach, witzig und direkt.
    Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann einmal, auch so einen tollen Titel zu erlangen.

  6. #6
    howah
    Status: ungeklärt

    AW: Hanswurst

    Doch wenn's mir nicht gefallen mag
    Ein Hanswurst zu sein
    Verehrter Wolkenstein,
    Was fällt Dir dazu ein,
    Sag!
    Doch wenn's mir nicht gefallen mag
    Ein Hanswurst zu sein
    Verehrter Wolkenstein,
    Was fällt Dir dazu ein,
    Sag!


    Howah

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hanswurst

    Ich mag "Equisitor" auch nicht gern, aber so lange sich manche hier mit manierierten Wortorden schmücken, bestehe ich auf meinem Hanswurst.
    Könnte es sein, daß du diesen Beinamen gerade deshalb ablehnst, weil er den gezwungen intellektuellen Ton in vielen Beiträgen ein wenig auf die Schüppe nimmt?

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Hanswurst

    Kannst meinen Titel gern haben, Carlos, wenn Dir etwas daran liegt. Ich habe weder darum gebeten, noch wurde ich gefragt. Wenn ich wirklich etwas zu sagen hätte, wäre der Hase auf der HP längst weg.
    Ist es davon abgesehen nicht besser als ein anonymes A-Team?

    it

    PS: Aber warum Dir das wichtig genug ist, damit einen Ordner zu füllen? Wenn ich die Bedienungsanleitung gelesen hätte, würde ich ihn jetzt schliessen?
    Nein.

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb AW: Hanswurst

    Ist alles sehr sehr schwierig, nicht wahr?


    Der Hanswurst wird demnächst wieder verschwinden. Ich hatte aber mit mehr Widerstand gerechnet. Oder ist das den lieben Forumatikern gleichgültig, wie sie betitelt werden? Also mir wäre es nicht gleichgültig.
    Grammatikator ist mir verliehen worden, mit einem lachenden Auge und bösem Blick. Aber es trifft mich in meinem Verständnis meiner Arbeit hier. Ich habe die Sachen (!) nicht zu bewerten hinsichtlich ihres Inhalts, sondern nur hinsichtlich ihres Textens. Das ist Grammatik. Daß ich's nur darauf abzusehen scheine, das mag manchen überraschen; allein, gelegentlich treffe ich Schreibende, die meiner nicht bedürfen, meiner Dienste als Grammatikator, denen versuche ich ein Wort zu geben, mein Wort, vielleicht, um ein Gespräch zu werden.
    Der Exquisitor ist die beinahe respektierlich gemeinte Bezeichnung für all jene, die sich hier in meinem Forum gut schlagen, die konstruktiv sind und eben nicht nur alle Naselang reinschauen, um sich dann zu mokieren (z.B. Carlos, Blaumaler, Leon). Als Exquisitor wird dem auch äußerlich Rechnung getragen. Der darf dann eben in die Beiträge rein, darf Ordner lenken, schließen und löschen, auch archivieren. Dadurch ergeben sich für ein phantasiebegabtes Wesen schon allerhand Möglichkeiten der Gesprächslenkung. Was aber nicht zur Gesprächsdominanz führen muß, wie ich sie leider gelegentlich ausübe. Aber ich bin auch lernwillig, vielleicht sogar -fähig, dann muß man es eben sagen. Und hier komme ich zu etwas, was mir Achtung abverlangt: Die Kritiker sind mir nicht unwillkommen. Gelegentlich wirken sie als Regulativ. Das ist eben ihre Funktion. Ich wünschte mir gelegentlich auch mal einen, der mir in den Allerwertesten tritt, damit ich meine Selbstherrlichkeit nicht zu schnell entwickle, Jakob spiele und ein Volk gründen will, dem ich dann doch nicht das Fließmuster der Allgegenwärtigkeit zuschreiben kann. Jetzt schwätze ich schon wieder.


    Nachsatz: Da it hier nun so ausdrücklich kundtut, daß sie sich nicht darum bemühen will, dann soll sie's eben lassen. Jammerjammerjammer. Ist die gleiche Geschichte, die kattz aus dem Forum torpedierte: Ein Selbstschuß. Ich befolge nur Wünsche. Meinetwegen. Aber schade ist es.

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    Lightbulb AW: Hanswurst

    Der Kerl ist nur ein lumpiger Hanswurst, der sich untersteht, zu sagen, was mir war als wär ich...
    (Zettel)

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Hanswurst

    wurst! hans!

  12. #12
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Hanswurst

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