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Thema: Silicon

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Silicon

    Leicht geziert trippelte er den Bürgersteig entlang. Sein schmaler Körper wand sich zwischen den entgegenkommenden Passanten. Indem er eine entschlossene Miene aufsetzte, verbarg er sein Allerweltsgesicht. Normalerweise hätten ihn die vorbeirauschenden Autos auf der Hauptstraße gestört, aber heute hatte er sich etwas in den Kopf gesetzt. Seit 15 Jahren hatte ihn das Gefühl umkämpft. Nun, heute war der Tag gekommen. Er suchte die Klingel. Sie war verborgen in einem Hinterhof. Er hatte es geahnt. Die Klingel würde versteckt sein. Er drückte auf den Knopf. Dabei ließ er den Blick schweifen. Und wenn ihn jetzt jemand erkannte? Nur zu. Er befand sich in Hochstimmung. Ein Brummen ertönte. Die Tür öffnete sich. Er erklomm schnell die Stufen und drückte leicht mit dem Körper gegen die Tür, auf der die Adresse, die er aus dem Internet kannte, stand. Sogleich umfing ihn diese leicht puffige Wärme des Raums. Es war so, als ob jemand einen Schuß Rotwein in seine Rippen gegossen hätte.


    Er musterte die Frau, die ungefähr fünf Jahre älter als er selbst war. Sollte er? Aber warum nicht? Er lächelte mit einem Feixen. Darunter verbarg er, daß er keinen Atem hatte und sagte zu der Frau: "Ich wünsche mir künstliche Brüste." Die Frau war routiniert und blickte auf seine Statur. "Sie dürfen nicht zu groß sein. Ich empfehle ein C-Körpchen. Warten Sie, bis ich zurückkehre." Währenddessen konnte er den Raum auf sich wirken lassen. Aus den Umkleidekabinen auf dem Podest tauchten immer wieder verschiedene Männer in Frauenkleidern auf. Die meisten trugen Perücken, die die Männlichkeit ihrer Gesichter verbergen sollte. Dazwischen beschnüffelte ihn das kleine Schoßhündchen der verschwundenen Dame an den Hosenbeinen.


    Die Frau kehrte zurück mit einer reichhaltigen Auswahl an Siliconbrüsten. "Probieren Sie die. Eine Brust wird ihnen stehen. Brauchen Sie noch eine Bluse dazu?" Er wehrte ab. "Ich habe nicht so viel Geld." Er verschwand in einer Umkleidekabine. "Wieviel würden die Brüste kosten? Konnte er sich auch noch eine Bluse und vielleicht eine Perücke kaufen?" Fieberhaft zog er sich die Brüste über. Eine Nummer nach der anderen, bis er dachte, daß sie paßte. Gerade in jenem Moment wedelte die Verkäuferin am Rande der Umkleidekabine mit einer Bluse und einer Perücke. Er zog die Bluse an und setzte sich die Perücke auf. Es war perfekt. So könnte er sich nach draußen wagen. Er schlug den Vorhang zur Seite, linste kurz und stellte sich dann vor den Spiegel. Zuerst betrachtete er sich wohlgefällig, dann beobachtete er im Spiegel, wie sich ein weiterer junger Mann am Empfang im Gespräch mit der Frau wand. Jener Mann war sein Geschäftskollege. Seit einem halben Jahr war er in ihn verliebt.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Silicon

    Wovon willst Du erzählen, Patina? Vom Silikon? Vom Brüstekauf? Von dem Verhalten der Damenwäscheträger in der Öffentlichkeit oder von ungestillten Sehnsüchten an sich? Zu viele Themenbereiche sind hier zu kurz und deshalb zu oberflächlich angerissen und deshalb hinterlässt der Text den Nachgeschmack einer Oberflächlichkeit an sich gerade auch wegen des letzten Satzes, den ich nun am Ende so gar nicht mehr als Pointe empfinden kann.

    herzlichst uis

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    Question AW: Silicon

    Körpchen?

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Silicon

    Hallo Uis,
    ich habe versucht, diesen Text aus der Perspektive eines Freundes von mir zu schreiben. Leider kann ich mich nicht ganz in ihn hineinversetzen. Ich bin ja nicht er. Vielleicht sollte ich den letzten Satz weglassen. War wahrscheinlich zu dick aufgetragen.


    Hallo Quoth,
    natürlich heißt es Körbchen, danke für das Herausfischen von diesem Schnitzer.


    Herzliche Grüße

    Patina

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Silicon

    - die idee ist nicht übel
    - die durchführung ist schlampig
    - der erzählbogen ist nicht gespannt
    - die figuren treten ein wenig aus sich heraus, da läßt sich was machen
    - du solltest nicht so schnell zu potte kommen

    Gebe Uis also recht. Text bleibt als Skizze verschludert und als Gesamtwerk oberflächlich.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Silicon

    Dito: Die Idee ist nicht übel
    Dito: Die Ausführung ist schlampig
    Dito: Die Spannung läßt schwer zu wünschen
    Dito: Die Figuren wären ungewöhnlich, bräuchten genaues Zeichnen


    Nimm Dir Zeit für einen guten Rohstoff, doch schmiede die Körbchen, solang sie noch voll!

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Silicon

    Leicht geziert trippelte er den Bürgersteig entlang. Sein schmaler Körper wand sich zwischen den entgegenkommenden Passanten.
    Solche Anfänge wirken wie Kai aus der Kiste. Hoppla. da bin ich! Hier könntest Du Spannung erzeugen, indem Du diese Person in eine beschriebene Szenerie einkommen läßt und dann bei der Person bleibst. Die Bewegung des Erzählers wird zu der des Lesers. - Ist aber nun kein schlechter Anfang.
    Indem er eine entschlossene Miene aufsetzte, verbarg er sein Allerweltsgesicht. Normalerweise hätten ihn die vorbeirauschenden Autos auf der Hauptstraße gestört, aber heute hatte er sich etwas in den Kopf gesetzt. Seit fünfzehn Jahren hatte ihn das Gefühl umkämpft.
    Ein außerhalb des Er-ichs seiendes Gefühl kämpft um ihn? Wer gegen wen? - Das ER ist beinahe fester Satzbestandteil geworden. Das Er ist nicht, es hastet und steht NICHT vor dem geistigen Auge des Lesers. Er hat ein paar Ahnungen, aber die rutschen ab. ER kann alles sein, aber selbst, daß ER alles sein könnte, wird nicht thematisch erfaßt. Der Sprung vom ENTGEGENKOMMEN zur 15 ist nicht plausibel. Du müßtest die 15 vorbereiten. Da fehlt ein Vergleichspunkt, doch setz jetzt keinen direkten Vergleich. Zwei Sätze zuvor eine Mine setzen, damit die 15 anschaulicher wird.
    Nun, heute war der Tag gekommen. Er suchte die Klingel. Sie war verborgen in einem Hinterhof. Er hatte es geahnt. Die Klingel würde versteckt sein. Er drückte auf den Knopf. Dabei ließ er den Blick schweifen. Und wenn ihn jetzt jemand erkannte? Nur zu. Er befand sich in Hochstimmung. Ein Brummen ertönte. Die Tür öffnete sich. Er erklomm schnell die Stufen und drückte leicht mit dem Körper gegen die Tür, auf der die Adresse, die er aus dem Internet kannte, stand. Sogleich umfing ihn diese leicht puffige Wärme des Raums. Es war so, als ob jemand einen Schuß Rotwein in seine Rippen gegossen hätte.
    Diese kurzen Sätze gefallen mir. Sie stehen auch nicht so rum, sie haben Bezug. Aber der Anfang ist nicht gefunden. Arbeite erst einmal an dem Anfang. Mach aus dem ER eine Person und betreibe Zeitenschichtung.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Silicon

    Die Mittagshitze drückte auf die Stadt. Am Horizont ein Flimmern erzeugt durch die Auspuffgase. Die Autos sausten mit einem Höllentempo auf der viel befahrenen Straße. Betonriesen neigten ihre Köpfe auf den vierspurigen Verkehr. Er schwitzte. Sein kleines Auto hatte keine Klimaanlage. Ihm wurde ganz schummerig, als er die Hausnummern zählte. Da, jetzt war er angelangt. Aber wo sollte er hier parken? Direkt vor ihm scherte ein Fahrzeug aus. Welch Glück! Ja, manchmal hatte er Glück. Er nahm die Parklücke, stellte das Auto ab und prüfte nochmals in der Hosentasche, ob er seinen Geldbeutel dabei hatte. Dann stieg er aus dem Fahrzeug. Leicht geziert trippelte er den Bürgersteig entlang. Sein schmaler Körper wand sich zwischen den entgegenkommenden Passanten. Niemand würde ihm die teure Jeans ansehen. Indem er eine entschlossene Miene aufsetzte, verbarg er sein Allerweltsgesicht. Er wußte, die dicke Brille in seinem Gesicht störte. Auch die Zähne. Nicht so großgewachsen, wie bei anderen Leuten. Es war, als ob er noch die Milchzähne im Gebiß trug. Wenn ihn diese Gedanken überkamen, sagte er sich: "Pahhh, ich bin Künstler. Ich habe mehr im Kopf als andere." Normalerweise hätten ihn die vorbeirauschenden Autos auf der Hauptstraße gestört, aber heute hatte er sich etwas in den Kopf gesetzt. Seit 15 Jahren hatte ihn das Gefühl umkämpft. Nun, heute war der Tag gekommen. Er suchte die Klingel. Sie war verborgen in einem Hinterhof. Er hatte es geahnt. Die Klingel würde versteckt sein. Er drückte auf den Knopf. Dabei ließ er den Blick schweifen. Und wenn ihn jetzt jemand erkannte? Nur zu. Er befand sich in Hochstimmung. Ein Brummen ertönte. Die Tür öffnete sich. Er erklomm schnell die Stufen und drückte leicht mit dem Körper gegen die Tür, auf der die Adresse, die er aus dem Internet kannte, stand. Sogleich umfing ihn diese leicht puffige Wärme des Raums. Es war so, als ob jemand einen Schuß Rotwein in seine Rippen gegossen hätte.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Silicon

    Patina, Textarbeit macht ihr ja schon. Vielleicht bringt es was. Man merkt hier leider sehr, daß du nicht ER bist. Hier ist keine Stimmung, wie wärs mit ein bissel mehr Gefühlen vom ER?

  10. #10
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    Question AW: Silicon

    Hallo traumtänzer, ich werde den Guten nochmal ausquetschen zwecks seiner Gefühle dabei. Hast du noch eine Gefühlsidee oder kennst du vielleicht jemanden, den ähnliches umtreibt?


    Hallo Robert,
    können wir hier noch weitermachen?

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Silicon

    und weiter geht's im bunten Treiben...
    Er musterte die Frau, die ungefähr fünf Jahre älter als er selbst war. Sollte er? Aber warum nicht? Er lächelte mit einem Feixen.
    Was nun? Feixen ist kaum Lächeln. Mehr und genauer. Das Beziehungsgefüge ist nicht klar. Darf es auch sein, nicht klar, dann aber leg hier eine Lunte, setz einen poetischen Raum, in dem der Leser Faxen anstellen kann, dann zurr das Getext zu einem Ganzen und nimm den Leser an die Hand. Ich denke, das entspricht am ehesten Deinem Charakter, eine Ordnung im Chaos behalten, aber den Anschein geben, es doch nicht ganz so ernst zu meinen, obwohl wiederum der Ernst Wesensbestandteil Deiner Seele ist...
    Darunter verbarg er, daß er keinen Atem hatte
    ist mir unklar, was hier thematisiert wird
    und sagte zu der Frau: "Ich wünsche mir künstliche Brüste." Die Frau war routiniert und blickte auf seine Statur. "Sie dürfen nicht zu groß sein. Ich empfehle ein C-Körpchen. Warten Sie, bis ich zurückkehre." Währenddessen konnte er den Raum auf sich wirken lassen.
    "routiniert" ist eine Wertung, besser ist hier eine Beschreibung ihrer äußerlich sichtbaren Reaktion; den letzten Satz streichen; nur beschreiben und an das Ich zurückbinden; das ist hier sehr wichtig: Der Leser fragt sich, was das für eine Type das ist, die da Körbchen kauft; die Verkäuferin ist auch nicht ohne; vielleicht verschaffst Du ihr noch ein paar Attribute, die nicht durch ihre Sprache, wohl aber durch ihr Äußeres Sprache werden könnten, den Raum füllen, in dem er nur eine Aura spürt...
    Aus den Umkleidekabinen auf dem Podest tauchten immer wieder verschiedene Männer in Frauenkleidern auf. Die meisten trugen Perücken, die die Männlichkeit ihrer Gesichter verbergen sollte. Dazwischen beschnüffelte ihn das kleine Schoßhündchen der verschwundenen Dame an den Hosenbeinen.
    Das reicht noch nicht. mehr und genauer. Tragen die Männer die Perücken, um ihre Gesichter zu verdecken?

    [Diese Nachricht wurde von Aerolith am 26. September 2002 editiert.]

  12. #12
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    Post AW: Silicon

    Hallo Robert,
    herzlichen Dank für die Weiterarbeit.


    Grüße vom Bowle

    Er musterte die Frau, die ungefähr fünf Jahre älter als er selbst war. Ihre drahtigen beringten Finger waren gerade dabei, Zweieurostücke in die Kasse zu zählen. Besonders fiel ihm der Nagellack auf. Er war rosa und war noch mit einem Glanzlack versehen. Dann blickte er in ihr Gesicht. Sie war stark geschminkt, was aber in dem diffusen Licht nicht weiter störte. Sollte er? Aber warum nicht? Er lächelte mit einem Feixen. Die Frau hob den Kopf von den Geldstücken auf und schaute ihm geradewegs ins Gesicht. Sein Lächeln gefror zu einer künstlichen Maske. Darunter verbarg er, daß er sich in Hochspannung befand. Jetzt oder nie. Er stieß etwas atemlos hervor: "Ich wünsche mir künstliche Brüste." Die Frau war routiniert und blickte auf seine Statur. "Sie dürfen nicht zu groß sein. Ich empfehle ein C-Körbchen. Warten Sie, bis ich zurückkehre."
    Er wandte sich um. Er zitterte innerlich, konnte es aber verbergen. Schließlich tätigte er das erste Mal in seinem Leben einen solchen Einkauf. Nervös trommelten seine Finger auf die Theke, an die er sich gelehnt hatte. Er beobachtete das Podest mit den Umkleiden. Aus den Kabinen tauchten immer wieder verschiedene Männer in Frauenkleidern auf. Die meisten trugen Perücken, die die Männlichkeit ihrer Gesichter verbergen sollten. Er war also nicht alleine mit seiner Gesinnung. Die Spannung fiel ein wenig von ihm ab. Das Schoßhündchen der verschwundenen Dame beschnüffelte seine Hosenbeine. Er beugte sich herab und streichelte mechanisch das Köpfchen in Gedanken an seine künstlichen Brüste.

  13. #13
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Silicon

    Der Klassiker und die ewige (schlecht bezahlte) Arbeit eines Lektoren: er mahnt drei Fehler an. Proband tilgt sie und fabriziert drei neue. Und das hört nie auf.

    Die Idee ist gut, die Umsetzung mangelhaft.

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