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Thema: nach dem regen

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post nach dem regen

    nach dem regen
    aus sieben farben
    das licht bündeln


    grüne haut
    streichelt den blick


    im narbenholz
    erklingt fis-moll

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: nach dem regen

    Hi, amygdala, du hast mich so nett begrüßt, als du hier auftauchtest, und ich habe dir bisher nicht die Ehre gegeben. Das liegt einmal daran, daß ich eher ein Prosamensch bin und dann in der Lyrik auch eher das Ausschweifende, nicht das Verknappende liebe, wir haben uns über diese Frage in Uisgeovids Werkstattgedichtordner auseinandergesetzt. Du bist aber nun eine dieser Gewaltsverknapperinnen! Schon im Kindergarten hab ich das Wort Roggbiv gelernt, kennst du es? Ist keine falsche Schreibweise von Roastbeef und hat auch nichts mit Vollkorn zu tun, sondern es sind die Anfangsbuchstaben der sieben Regenbogenfarben... Die beschwörst du hier, landest bei einem geheimnisvollen "Narbenholz" und einem noch geheimnisvolleren fis-moll - einer Tonart, die Wagner benutzte, um das Düstere und Böse zu charakterisieren... Hier ließe sich vielerlei vermuten und assoziieren - aber es ist mir zu viel!

    Lieber Gruß von

    Quoth

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: nach dem regen

    lieber quoth,
    schön, daß du in meinen texte geschaut hast. fis-moll ist meine lieblingtonart zum improvisieren, ist gar nicht düster meinem empfinden nach. gehört zu a-dur und das ist ja auch recht gängig in der musik.
    ob ich gewaltverknapperin bin, weiß ich nicht. ich folge meinem empfinden. und meine kürzungsschere ist ziemlich gefräßig, da geb ich dir recht. ich mag einfach derart dichte lyrik. deshalb liebe ich auch die texte von p.celan. und der übertrifft mich noch mit der dichte der bilder und der menge der wortschöpfungen, lach!


    lieben gruß


    amygdala


    sorry, ich hab zuwenig zeit und noch weniger wirkliche ahnung vom prosaschreiben. deshalb hab ich mich zu deinen texten noch nicht geäußert, lieber quoth.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: nach dem regen

    Du legst die Latte hoch, amygdala - Celan... Das war die Generation der Dichter unter dem Wort Adornos: Nach Auschwitz kann es keine Gedichte mehr geben. Nun es gab sie - aber sie waren gleichsam Gerippe, Überreste, ausgebrannt und ausgekohlt im Feuer der Krematorien, das hatte also existentielle Gründe. Sich mit dieser Dichtung auseinanderzusetzen, finde ich legitim, aber ihre Formprinzipien einfach zu übernehmen, halte ich für gefährlich. Die Form muß immer aus dem Leben, aus der Wirklichkeit kommen, glaubt Quoth
    Dann steht das Narbenholz also für dein Klafünf... Ich glaube auch nicht an Wagners Aufladung der Tonarten, hab's nur erwähnt als Versuch, der vor allem deshalb nett ist, weil von fis bis fies nur ein kleiner Schritt ist. Dann müßten wir uns jetzt mal der grünen Haut zuwenden...
    PS: Dein Titel "nach dem regen" - wie heißt es bei Ludwig van: "Erwachen dankbarer Empfindungen nach dem Unwetter" (in der 6. Symph.) - wie wesenhaft gehören Fülle, Reichtum, Üppigkeit gerade zur Stimmung nach dem Regen! Du siehst, hier will dir jemand die Schere aus der Hand winden...




    [Diese Nachricht wurde von Quoth am 09. Oktober 2002 editiert.]

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: nach dem regen

    lieber quoth,
    mir geht es nicht darum formprinzipien zu übernehmen. es ist nur so, daß es gerade gedichte von h.domin, r.ausländer und p.celan sind, mit denen ich lebe, die mich ansprechen und die so wohl auch unbewußt mein schreiben beeinflussen. ich gehe von meinem eigenen empfinden aus, ob es die bilder oder der rhythmus ist und wenn ich das empfinden habe, daß es paßt, dann lasse ich es so. hab mir natürlich auch mal aus metrischer sicht ihre gedichte genommen und sie zerlegt. doch ich notiere mir, wenn sich so ein unzufriedenheitsgefühl einstellt, meine texte als noten, also vom rhythmus her und schaue mir dann die motive und ihre varianten und die struktur an. komme wohl mehr von der musik als von der literarischen metriklehre her.
    lieb von dir, daß du dich so festbeißt an meinem text. und so wie du es sagst, hast du mein empfinden und meine gedanken schon gut aufgespürt.


    lieben gruß


    amygdala

  6. #6
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    AW: nach dem regen

    Ist schon seltsam manchmal. Derzeit erlebt Ostfalen die längste Trockenzeit seit 55 Jahren, also seit dem Jahre meiner Geburt. Es regnet schon ab und zu, aber eben viel zu wenig. Schätze, im August oder September werden wir Regentage bekommen. Aber am Ende eines Gewitters, Gewitter als der heftigsten Form von Niederschlag, läßt sich oft ein Regenbogen erkennen, stellvertretend für die sieben Töne, die alle Weisen umfassen - und manchmal sieht man sogar einen doppelten Regenbogen. Wie schön. Gewitterwolken dagegen haben oft eine grünliche Korona, v.a. im Winter. So gesehen schrieb amygdala hier einen Wetterbericht, poetisch verbrämt, aber nicht unflott. Das Wort "Narbenholz" fiel mir auch auf. Ein griffiger Neologismus für die Folgen eines Blitzeinschlags. Man stelle sich nie unter eine einzeln stehende Eiche, meide also die Deutschen. Und das wiederum führt mich zu Celan und dem Auschwitz-Zitat.
    Ich denke, gerade weil es Auschwitz gab, sollten viel mehr Gedichte geschrieben und v.a. empfunden werden.

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