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Thema: Abi der Wirt

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Abi der Wirt

    Eigentlich war er kein richtiger Wirt. Nicht, was Leute wie wir uns normalerweise darunter vorstellen. Denn wie Abi die Gläser mit seinen feingliedrigen Händen balancierte, wie er durch ein leichtes, fast manieristisch wirkendes Strecken des Mittelfingers alles gewöhnliche von sich abstreifte, dabei seinen Körper unnachahmlich und kaum merkbar zu den Klängen der Musikbox aus dem 60ern bewegte, das war etwas besonderes, etwas, was man sonst nicht geboten bekam. Jedenfalls nicht von einem Wirt.
    Manche dachten er sei schwul. Ich denke, dass sie vielleicht recht hatten.
    Das wäre ja auch kein Widerspruch gewesen. Es war jedenfalls so, dass Abi die richtig groben Sachen gern mir überließ, so, wenn er mich ansah und mit gespieltem Entsetzen auf den gurgelnde Bierhahn zeigte, was soviel bedeutete, dass ich jetzt in den Keller musste und ein neues Fass anstecken. Ich weiß auch nicht, wie mir diese Rolle zugefallen war, an sich hätte ich mich gern intellektueller dargestellt. Freilich blieb mir neben Abi nur wenig Raum zur Entfaltung.
    Ich bin dann also immer in den Keller gegangen und nicht selten war Abi bei meiner Rückkehr in ein anregendes Gespräch mit anderen Gästen vertieft.
    "Ach was", sagte Abi dann, "fressen und ficken, darauf kommt es an. Soll mir keiner sagen, was anderes sei wichtiger." Ich wusste auch nicht, wieso solche Gespräche immer dann anfingen, wenn ich im Keller war.
    Als ich einmal zwei Tage nicht kommen konnte, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich wusste, dass in dieser Zeit das Bier hätte angesteckt werden müssen.
    Am nächsten Tag war das Lokal geschlossen. Am Abend brannte kein Licht, es war niemand zu sehen. Als ich beim Gewerbeamt anrief, wollte man wissen, wer ich sei. Etwa ein Verwandter? Nun, so gut kannte ich Abi auch nicht, dass ich mich darüber hätte unterhalten wollen.
    Mir fiel auf, dass ich eigentlich auch keinen der anderen Gäste näher gekannt hatte. In den nächsten Wochen lief ich fast täglich dort vorbei. Dann waren die Fenster verhängt.
    In der Nachbarschaft erfuhr ich, dass jetzt ein Handarbeitsgeschäft dort aufgemacht werden sollte. Und dass die Frau verstorben sei, die die Kneipe betrieben hatte. Genaueres konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Abi der Wirt

    Hallo Vögli!


    Wenigstens zwei DASS zuviel des Guten. Neigst Du zu Konjunktionen, die sich im Niemandsland verlieren? Du weißt doch, daß sich ein Daß immer nur um die eigene Achse dreht.

    Die Dramaturgie ist gut; da mich das Ende überraschte, muß sie gut gewesen sein. Die Figuren bleiben blaß, aber das ist bei Episoden so. Die beste Stelle ist die mit dem Keller. Da deutest Du nicht nur den schwarzen Humor an, der sich dann am Ende Bahn bricht.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Abi der Wirt

    ...ich weiß nicht, was ich an diesen geschichten mag, aber ich mag sie, vielleicht weil man sie ausspinnen könnte, ohne viel handlung aber mit endlosen dialogen, nach der Art: geht in ordnung, sowieso, genau...


    Lester
    nach dem Osterspaziergang




    [Diese Nachricht wurde von lester am 17. April 2001 editiert.]

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Abi der Wirt

    ... Ich weiß auch nicht, wie mir diese Rolle zugefallen war, an sich hätte ich mich gern intellektueller dargestellt...
    Ja, das kann ich nachvollziehen.
    Robert, Humor gibt's jetzt im Sonderangebot bei Tschibo, für nur 9,95 im vakuumversiegelten Doppelpack -


    it

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Abi der Wirt

    kann sich nich jeder leisten...

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Abi der Wirt

    Eigentlich war er kein richtiger Wirt. Nicht, was Leute wie wir uns normalerweise darunter vorstellen.
    warum steht das als Satz, der keiner ist; reicht hier nicht ein Nebensatz? Und schon sind wir bei einem Kardinalproblem Deines Schreibens: die Konstruktion; Du beginnst schlecht, ohne klare Einteilung eines weiter zu entwicklenden Gedankens
    Denn
    Aber aber! Was für Purzelbäume schlagen wir denn hier? Ein DENN kann nicht so stehen, so anfangs, so uneingeleitet. Eigentlich hast Du den Anfang nun vollends versaut. Viel zu kompliziert. Ist es nicht nur ein Satz, den Du hier schreibst. Du hast ihn zwar aufgerissen, aber letztlich ist es ein Schachtelsatz, mit dem der Text beginnt.
    wie Abi die Gläser mit seinen feingliedrigen Händen balancierte, wie er durch ein leichtes, fast manieristisch wirkendes Strecken des Mittelfingers alles gewöhnliche von sich abstreifte, dabei seinen Körper unnachahmlich und kaum merkbar zu den Klängen der Musikbox aus dem 60ern bewegte, das war etwas besonderes, etwas, was man sonst nicht geboten bekam. [
    Sagte ich nicht, daß es eigentlich nur ein Schachtelsatz gewesen, mit dem Du angefangen. Jetzt bist Du wenigstens so ehrlich gewesen, den zweiten Gedanken als Schachtelsatz auszuschreiben.
    Jedenfalls nicht von einem Wirt.
    Das ist kein Satz.
    Manche dachten
    Komma fehlt. Aber das ist ein Satz, sogar ein guter.
    er sei schwul. Ich denke, dass sie vielleicht recht hatten.
    Das ist schlecht. Das solltest Du mitteilen, nicht sagen.
    Das wäre ja auch kein Widerspruch gewesen. Es war jedenfalls so, dass Abi die richtig groben Sachen gern mir überließ, so, wenn er mich ansah und mit gespieltem Entsetzen auf den gurgelnde Bierhahn zeigte, was soviel bedeutete, dass ich jetzt in den Keller musste und ein neues Fass anstecken.
    Ach, biggle, was machst Du denn hier? Wieder so ein Monstersatz. Und der Inhalt ist behäbig. das ist Kneipengeschwätz. Bau doch mal eine Geschichte!
    Ich weiß auch nicht, wie mir diese Rolle zugefallen war, an sich hatte ich mich gern intellektueller dargestellt. Freilich blieb mir neben Abi nur wenig Raum zur Entfaltung.
    ??? Das wäre die Geschichte (gewesen).
    Ich bin dann also immer in den Keller gegangen und nicht selten war Abi bei meiner Rückkehr in ein anregendes Gespräch mit anderen Gästen vertieft.
    Verwirrend, aber das ist ein guter Teil, der Spannung aufbaut.
    "Ach was", sagte Abi dann, "fressen und ficken, darauf kommt es an. Soll mir keiner sagen, was anderes sei wichtiger." Ich wusste auch nicht, wieso solche Gespräche immer dann anfingen, wenn ich im Keller war.
    Das ist jetzt gut. Hier läßt Du den Leser schön im unklaren. Und solche Geschichten liebe ich, wenn ich selbst ein bißchen nachdenken muß.
    Als ich einmal zwei Tage nicht kommen konnte, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil
    Das sparen wir jetzt mal aus, dieses KAUSALE.
    ich wusste, dass in dieser Zeit das Bier hätte angesteckt werden müssen. Am nächsten Tag war das Lokal geschlossen. Am Abend brannte kein Licht, es war niemand zu sehen. Als ich beim Gewerbeamt anrief, wollte man wissen, wer ich sei. Etwa ein Verwandter? Nun, so gut kannte ich Abi auch nicht, dass ich mich darüber hätte unterhalten wollen. Mir fiel auf, dass ich eigentlich auch keinen der anderen Gäste näher gekannt hatte. In den nächsten Wochen lief ich fast täglich dort vorbei. Dann waren die Fenster verhängt. In der Nachbarschaft erfuhr ich, dass jetzt ein Handarbeitsgeschäft dort aufgemacht werden sollte. Und dass die Frau verstorben sei, die die Kneipe betrieben hatte. Genaueres konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
    Der Schluß ist gut. Das ist immer wieder ein kleines Wunder, daß Du dann doch noch eine Geschichte erzählst, sprachlich und dramaturgisch. Eigentlich widerstrebt es mir, dies zuzugeben, DENN aus einer schlechten Exposition kann eigentlich nichts Gutes werden, aber ich lasse mich auch gerne belehren.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Abi der Wirt

    Eigentlich war er kein richtiger Wirt. Nicht, was Leute wie wir uns normalerweise darunter vorstellen.

    Wer sind "Leute wie wir", der Autor und seine Leser, woher will er (der Autor) das wissen?

    Denn wie Abi die Gläser mit seinen feingliedrigen Händen balancierte, wie er durch ein leichtes, fast manieristisch wirkendes Strecken des Mittelfingers alles gewöhnliche von sich abstreifte,

    Erscheint mir übertrieben. Sollte es wirklich nicht etwas mehr bedürfen, "alles Gewöhnliche" von sich abzustreifen.

    dabei seinen Körper unnachahmlich und kaum merkbar zu den Klängen der Musikbox aus dem 60ern bewegte, das war etwas besonderes, etwas, was man sonst nicht geboten bekam.

    Ich würde auf "das" bestehen, außerdem schachtelt sich der Satz so dahin.

    Jedenfalls nicht von einem Wirt.
    Manche dachten er sei schwul. Ich denke, dass sie vielleicht recht hatten.

    Doppelung des Denkens. Wieso nicht: "Vielleicht hatten sie (sogar) recht."?

    Das wäre ja auch kein Widerspruch gewesen.

    Wozu?

    Es war jedenfalls so, dass Abi die richtig groben Sachen gern mir überließ, so, wenn er mich ansah und mit gespieltem Entsetzen auf den gurgelnde Bierhahn zeigte, was soviel bedeutete, dass ich jetzt in den Keller musste und ein neues Fass anstecken.

    Erneuter Schachtelsatz, und welche Rolle spielt das "soviel"?

    Ich weiß auch nicht, wie mir diese Rolle zugefallen war, an sich hätte ich mich gern intellektueller dargestellt. Freilich blieb mir neben Abi nur wenig Raum zur Entfaltung.
    Ich bin dann also immer in den Keller gegangen und nicht selten war Abi bei meiner Rückkehr in ein anregendes Gespräch mit anderen Gästen vertieft.
    „Ach was“, sagte Abi dann, „fressen und ficken, darauf kommt es an. Soll mir keiner sagen, was anderes sei wichtiger.“

    Für jemanden, der just "alles Gewöhnliche von sich abgestreift hat", nicht gerade hochtrabend ausgedrückt ...

    Ich wusste auch nicht, wieso solche Gespräche immer dann anfingen, wenn ich im Keller war.
    Als ich einmal zwei Tage nicht kommen konnte, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich wusste, dass in dieser Zeit das Bier hätte angesteckt werden müssen.
    Am nächsten Tag war das Lokal geschlossen. Am Abend brannte kein Licht, es war niemand

    Doppel-"Am"

    zu sehen. Als ich beim Gewerbeamt anrief, wollte man wissen, wer ich sei. Etwa ein Verwandter? Nun, so gut kannte ich Abi auch nicht, dass ich mich darüber hätte unterhalten wollen.

    Worüber?


    Mir fiel auf, dass ich eigentlich auch keinen der anderen Gäste näher gekannt hatte. In den nächsten Wochen lief ich fast täglich dort vorbei. Dann waren die Fenster verhängt.
    In der Nachbarschaft erfuhr ich, dass jetzt ein Handarbeitsgeschäft dort aufgemacht werden sollte. Und dass die Frau verstorben sei, die die Kneipe betrieben hatte. Genaueres konnte ich nicht in Erfahrung bringen

    Läßt mich ein wenig ratlos zurück, die Miniatur ...

    Gruß

    K.

  8. #8
    Gast
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    AW: Abi der Wirt

    Selig die Armen im Geiste....., nun, jetzt wissen wir, wo wir Euch finden!

  9. #9
    resurrector
    Laufkundschaft

    Question AW: Abi der Wirt

    Die überarbeitete Version interessiert mich; will wissen, ob die Geschichte ihre Dynamik behält, nachdem sie ihrer sprachlichen Fehler entkleidet worden ist...

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