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Thema: kulinarische Abenteuer des M.

  1. #1

    Post kulinarische Abenteuer des M.

    Die Kulinarischen Abenteuer des Mucius (Auszug)


    Bei neu aufgesottenem Rauschbaumsaft, der auf mit Steinöl frisch getränkter Flamme köchelte, bei Hammelfleisch und Dattelsirup, ergaben sich die beiden dem Geschichtenzauber. Sie kauerten auf kordeligen Liegeteppichen, der Eine warm eingerollt und mit glänzenden Augen, der Andere singend und schwelgend.
    Es waren schwerwiegende Geschichten, traurig und schauderhaft. Diodotus wußte viele dieser Fabeln die in fernen Städten spielten, in Städten, die ganz aus Rosenbaumholz gebaut waren, oder aus Basalt oder Arabesco, und von denen manche golden überdacht waren. Er wußte von Ungeheuern, von schwanzköpfigen Vieläugern, die in fremden Wunderwelten wohnten, er wußte um Kriege, um Mordbuben und Halsabschneider, schöpfte großzügig aus diesem Fundus und legte den Ertrag hier aus, wie ein Kaufmann seine weit hergeholte Tingel-Tangelware unterbreitete, hier auf den Teppich, Mucius zu Füßen und unter die Augen.
    Diodotus rief sie herbei, die farbenprächtigen Figuren aus den Mären der Vorzeit. "Hast du's schon vernommen, was die Alten sangen?" pflegte er seine Oden zu öffnen. Dann begann er, Unglaubliches aus seiner Lyra herauszuspielen. Mit vielfarbenen Tinten malte er die Gottessöhne, Riesen und Menschentöchter vor Mucius' Auge, malte die hochberühmten Helden und ihre Scheiterwege. So sang er zum Beispiel von Kleostratos aus der Stadt Thespiai, dessen Todeslos schon gefallen war, als überraschend sein Geliebter und Gefährte Menestratos sich dem Drachen in den Schlund warf, zum Opfer an des anderen Statt.
    Mucius trank großzügig aus der Schale mit dem heißen, schwer-süßen Trunk, der die Augen trübte für diese, sie aber weitete für jene Welt. Ihm wurde wohlig zu Gemüt, und bald sah er nicht mehr den fleißigen Geschichtenmaler, sondern sah nur noch die langsam schief sich verbiegenden Wände, und er sah, riesenhaft, die tönende Krötenschale, aus der jetzt, und Mucius rieb sich ungläubig die schweren Lider, geflügelte Wesen aufstiegen, größer kaum als die Flämmchen der Steinöllampen, mit sehr langen Nasen, über die sie silbern schielten, langsam gegen die Decke schwebend, wo sie sich schon zu einer beträchtlichen Schar versammelt hatten...
    Und wie Mucius noch lauschte, da kam über ihn ein Gefühl des Schwebens, ein leichtes Wiegen nur, wie in einem Boot, das sanft von glucksenden Wellen geschaukelt wurde. Die Stimme des Freundes säuselte dahin. Längst unterschied Mucius nicht mehr einzelne Worte und Sätze. Im Gleichklang schwang und wankte alles, die Hütte wogte hin und her und mit ihr die Dinge, die darin waren. All das Klingel- und Klangelzeug, das von der Decke bammelte, begann zu tanzen, die huschigen Schatten flüsterten sich etwas zu. Auch die Weinranken tuschelten jetzt, die Balken verschworen sich, es bangten die Flämmchen auf dem ziegelnen Altar, und stolz ereiferten sich die Kurzschwerter an der Wand. Mucius sah hastig um sich. Da waren die Masken an den Wänden, mit großen, runden Mundöffnungen: Stumme Rufer und blicklose Starrer.
    Erschrecklich wurde es, als er gewahrte, daß er tatsächlich schwebte, langsam anstieg, höher, bis er nur ein Weniges noch unter der Raumesdecke verweilte, wo viel langnasiges Volk versammelt war, geflügeltes Märenvolk, das den Heraufkommenden aber nicht beachtete. Mucius vergaß jetzt den Freund, der wohl irgendwo drunten noch sang und erzählte. Fort wollte er aus der Höhle des Argwohns, wo Dinge, die eigentlich tot, sich verhext und beseelt plötzlich gegen den Knaben erhoben, fort wollte Mucius, zu Silpa, die vorhin die Augen gegen ihn gesenkt hatte und zu ihrer Mutter wollte. Und als er nur solches gedacht, da kam sie herbei, die Ersehnte - er wankte noch unter der Decke - und hielt ihm die Hand hin, die er sogleich faßte. Hinaus gings im Fluge, durchs hölzerne Gitter am Fenster, ins Dunkel, immernoch wiegend, wo stummes Geblitz die Umgegend kürzer als Augenblicke taghell erleuchtete. Er sah von oben die Hütte, wie sie dort hockte und geizig ihr Inneres hütete, dem er dennoch entronnen war. Als er Psyches etwas feuchte, warme Hand spürte, gingen ihm die Augen über vor Schmerzen und Glück.


    Mucius glaubte sich am Ende seiner Sehnsucht, und da im Gefolge solcher Glückseligkeit, gleichsam als ihr Schatten, häufig eine Dumpfheit einhermarschiert, konnte es geschehen, daß der Junge es versäumte, sich angesichts der doch wohl recht fragwürdigen Situation zu wundern. Oder war es etwa nicht des Verwunderns wert, wenn einem just die Geliebte um die Ohren flog, einen bei der Hand nahm, damit man sich mit ihr durchs Fenster verflüchtigte, als sei man ein Gas oder Rauch?
    Psyche verflog jedoch schon bald wieder stumm lachend und mit ihr die zufriedene Fraglosigkeit. Diodotus war's jetzt, den der Schwebende an der Hand hielt, oder dessen Trugbild, und es ging aufwärts mit ihnen, immernoch schwankend, in windig-kühle Höhen, aus welchen hinunterzublicken, wäre es heller Tag gewesen, den Mageninhalt zu aufbegehrlichen Tendenzen enthemmt hätte. Warum, wollte Mucius wissen, all dies geschehe, und überhaupt, wo sei denn das Mädchen geblieben, so plötzlich. Als er aber dies noch fragte, da war's schon gar nicht mehr Diodotus, sondern Eulalia, seine Mutter, die Gestorbene.
    So ging es weiter und schneller hinauf und fort von der Erde, bis in die Wolken hinein, wo Feuer war und mächtiges Geläut, das ihm die Ohren bersten ließ. Mit ihm schwebte jetzt nicht mehr die Mutter, sondern Menekrates, sein Lehrer, danach war's Sirene, dessen Weib, dann Xantes, Ptolomaios und immer wieder andere. Bald stieg er über die Wolken hinaus, weit, sehr weit nach oben, bis dorthin, wo es wieder licht wurde, wo sich der Horizont in bläulichem Schimmern krümmte und die gewaltige Erde ihre Kugelgestalt ahnen ließ. Es war stille hier oben.
    Hier oben? War Mucius nicht vielmehr hinuntergefallen vom Erdkreis ins sternenbesprenkelte Schwarz, dem er rücklings entgegenstürzte, die blaue Riesenblase über sich zurücklassend? An der Hand hielt ihn gerade der Vater, auch dieser ein stummes Gespenst, das bald wieder verblich. Mucius fiel und fiel, fort von der Erde, ohne ein Halten und ohne Boden, er fiel einfach in den Schlund hinein. Gehörig sauste es ihm in den Ohren. Ein enger Kanal, ein Saugen und Schlürfen, und weit über ihm die fliehende Erde, bis auch sie im Finstern verschluckt war. Eine hurtige Niederfahrt in den Geschichtenschlund war es, in die Ursuppe hinein, aus der die Figuren heraufstiegen, wenn der Flüsterer sie rührte und dichtend verdichtete, ein Gebräu aus Fleischgewordenem.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Das ist natürlich mein Thema, nicht das kulinarische Schlürfen, sondern die schamanische Reise, die Mucius hier unternimmt. Die Zutaten stimmen, der erzählende und singende Freund, die berauschenden Getränke, das Verlassen seines Körpers, das Fliegen in Begleitung Vertrauter zu ungeahnten Höhen. Ungewohnt für eine solche Reise der Ort der Handlung: Griechenland. Aber warum nicht?
    Fehlen würde noch vor dem Absturz der heilige Berg und der Baum der Erkenntnis, das Zermetzeln des unstofflichen Seins und Zusammenfügen durch eine höhere, eine weise Macht.
    Sei`s drum, Fitzelwutz, es ist Deine Geschichte, und für mich geschrieben. Ich mag blühende Phantasie, ich mag Geschichtenerzähler. Ich hoffe, Du fühlst Dich bei uns wohl.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Merkwürdig, ich bleibe mit meiner Antwort allein. Nun ja, bin es gewohnt, der einzige mit Geschmack zu sein.
    Fitzelschnutz, laß Dich nicht bekümmern, reden wir halt unter uns Männern. Ist ohnehin kreativer.

  4. #4

    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Dachte, du wärst ne Tocher aus gutem Hause?

  5. #5
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    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Futzelschnutz, ich bin so sehr Hannemann, daß es mich oft vornüber zieht.

  6. #6
    rodbertus
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    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    charakterlos mit einer klitzekleinen distinktion zur selbstverliebtheit, zuweilen fehlt's an verdichtung, die aber auch bewußt ausgespart bleibt


    du willst nicht wirklich daran arbeiten, gib es nur zu, denn wenn, würde dies dein schreiben verändern

  7. #7

    Question AW: kulinarische Abenteuer des M.

    "...verdichtung, die aber auch bewußt ausgespart bleibt."


    ?


    "du willst nicht wirklich daran arbeiten,..."


    ??


    "...gib es nur zu, denn wenn, würde dies dein schreiben verändern"


    ???

  8. #8
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Exclamation AW: kulinarische Abenteuer des M.

    denk gefälligst ein bißchen nach und laß dir hier nicht bloß eine show bieten... wenn du diese anspielungen nicht verstehst, wie wolltest du dann meine anmerkungen zu deinem text verstehen können?

  9. #9

    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Nanu? das Orakel, gewohnt in Rätseln zu raunen, wird mürrisch, wenn jemand um Klarheit ersucht? Trifft hier gar Aufklärung auf Mythos? Hinein und hinab also in die delphische Grotte, der hellischen Spelunck!


    Ehrbar, hochgelahrter, lieber, günstiger Herr Magister und Skribifazius!
    Ich bin neu in diesem centrum literarum und noch nicht auf allzu engem Fuß mit Ritual und Begängnis, vergib mir mein Fehlgehen. Doch diese Versicherung sey dir anheimempfohlen: Kein tempelschänderisches Aufbegehren ließ mich das Gewicht deiner Nebelworte geringachten, und wollte mich auch nicht löchern - war justum nichts als des Novizen unbefangene Thorheit.
    Stehen eitel Sinn und Nothwendigkeit hinter dem Ratewerck, sagst du? Vornangestellte Auslese jener, deren Geister dein Wort nicht erkennen werden werden? Wohlan, ich will sie durcheilen, Katharsis und Läutergang, will sie verdienen, die Weihe deiner Textanmerkung, darf ich noch hoffen? Ich hoffe! Alldieweil werd ich, was du mir hinwarfst, studieren mit heißem Bemühn und weylinger Weis wird's mir dämmern, verhoffentlicht.


    fitzli

  10. #10
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Gar nicht übel. Du lässest Dir also nicht auf die dorrnden Füßli treten, Putzi? Das gefällt mir. Mag ich doch Leute nicht leiden, die sich nach dem ersten Anpieseln schmollend ins dunkle Nichts verdrücken, nicht wissend, daß Schmollen immer noch zu Bauchschmerzen führen wird. Aber warum sollte ich mich in Deinen Text begeben? Wie viele Minen hast Du gelegt? Käme ich umhin, ihn zu loben? Müßte ich H. zustimmen? Beides würde ich nicht wollen. Also: Laß uns lieber noch ein bißchen kampeln!

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Fitzelbär, tritt ihn, in die Weichteile getreten wird er erst richtig gut.
    Im Vertrauen, er mag es nicht, daß ich Dein Können als erster erkannt, wird weiter bulvern, der Gute, bis... ja bis Du ihn mit einem weiteren Pröbchen lockest. Gib seinem Egon den Köder, er wird ihn schlucken, und ihr die besten Freunde... nach seinem Verständnis.
    Nebenbei geschrieben: Manchmal kann man sogar etwas von IHM lernen, je nach Tageszeit und Säuferseelenbefindnis.

  12. #12
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: kulinarische Abenteuer des M.

    Ein kurzzeitiges Gastspiel eines begabten Autoren, den ich allerdings im Verdacht hatte, mit dem einen oder anderen Nutzer des Forums identisch zu sein. Den anfänglichem Beißreflex konterte er gut, konnte dann aber meine Auslassungen im Friedman-Ordner nicht kooptieren. Weltanschaulicher Streit führt noch immer zur Trennung dessen, was doch zusammenarbeiten könnte. merke, was dem einen nicht schmeckt, darf anderen auch nicht schmecken. Schade drum!

    An diesen Text, der im Mai 2002 von den Wolkensteinern zum besten Beitrag des Monats gewählt worden ist, komme ich auch heute nicht heran. Gefallsucht und Prätention gehen hier Hand in Hand. Offenbar gibt es dafür einen Leserkreis.

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