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Thema: Reisebericht

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    REISEBERICHT




    1.


    Der Dampfer schleicht um Mitternacht in den Hafen.
    Immer die Stimmen, die uns Zimmer bieten:
    Auf den ersten Blick ist jede Insel gleich.


    Hinter uns die Nacht, ein glattes Meer,
    Delphinen, die uns im Stich gelassen haben,
    Gespräche an Bord, ein Sternenhimmel, Mond,
    die uns ein paar Stunden Schlaf verboten.


    Wir folgen einem Mann, der leiser schreit
    als die anderen, zu einem Zimmer mit Spiegel, spärlich
    aber bequem, wo wir ausschlafen können
    bis zum Morgen. Vor uns eine andere Insel,
    eine Landschaft, für die wir immer noch
    keine Landkarte haben.




    2.


    Tote, weißgetünchte Mauer, Mönche
    in Schwarz. Der Heiliger Johannes meditiert.
    Das Wort. Die Ansicht des Meeres von hier ist herrlich.


    Wir nehmen den Feldweg nach unten in die Stadt:
    Wie ein Stillbild der Zeit steht eine alte Frau
    mit ihren Ziegen unter einem Olivenbaum.


    Wir sitzen am Abend im Freien, trinken Wein.
    Die Sonne geht hinter dem Kloster ein.




    3.


    'Kalimera!' Die Vermieterin kann kein Deutsch.
    Und wir: 'Kalimera!' 'Efcharist?' - sonst nichts.
    Wir verständigen uns mit Zeichen, Kopfnicken, Lächeln.
    Immer wenn sie uns sieht, schenkt sie uns
    Granatäpfel vom Baum im Garten vor dem Haus.




    4.


    Bimsstein, Thymian unter unseren Füßen.
    Lange bevor wir den Rand des Kraters erreichen,
    verspüren wir den Schwefel in der Luft.
    Wir klettern an gelbverkrüsteten Felsen nieder.
    Hier am Herzen der Insel ist der Boden heiß.
    Schwefelschwaden pusten aus kleinen Löchern,
    Atemsausstöße im langen Schlaf der Insel,
    die machen uns die Augenlider schwer.




    5.


    In einer versteckten Höhle endecken wir
    das Skelett einer Ziege, die sich unvorsichtig verirrte;
    wir stecken den Schädel in unseren Rücksack ein
    als Erinnerung.




    6.


    In abgelegenen Dörfern mißtrauische Gesichter:
    Schwarzgekleidete Frauen in Türeingängen,
    Männer im kafenöo, die tavli spielen
    den ganzen Tag nach Regeln, die wie nie
    verstehen können. Wir trinken unseren Kaffee
    aus und fahren weiter mit dem gemieteten
    Motorrad. Die Fähre fährt morgen früh um fünf.


    7.


    Der Meltemi bläst vom Schwarzen Meer hienieder.
    Mehr als ein Hauch - ein heimtückischer Geist,
    der lacht ins Gesicht der Sonne, bringt den Sturm.


    Heute nacht ging ein Boot im Hafen unter.
    Die ganze Stadt, Einwohner, Besucher, stand
    und schaute zu, wie er gehoben wurde,
    das schwarze Loch in seinem Körper repariert.


    Jetzt am Abend ist die Brandung ruhiger jenseits
    der Hafenmauer. Wir sitzen am Quai, schweigen,
    tragen Pullover.




    8.


    Ein anderes Land in sichtbarer Entfernung.
    Das Meer hievt, verschiebt, verwischt die Grenze,
    die zwischen einer Welle und der nächsten liegt.


    Die Soldaten im Norden der Insel sind bereit;
    vielleicht gibt's Krieg. Troja ist nicht weit.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Reisebericht

    Sehr schön ist die Stimmung, Du schaffst eine weitausufernde Athmosphäre, die aber im Leser bleibt. Das ist Kunst. Gratulation. Detailverliebtheit, aber nicht betuliche Schwätzerei, sondern Dilettantismus (ich meine hier den wörtlichen D., der die Sache aus Liebe betreibt), dazu eben das Können, so wird's zum Erlebnis, zum Dabeiwünschen. Auch schämt' ich mich nicht, Dir zu sagen, daß Deine Reisebeschreibung als Touristenerguß daherkäme: Kommt nicht. Ist Erleben aus dem Herzen.


    Nur eines verstieß mich:


    Mehr als ein Hauch - ein heimtückischer Geist,
    der lacht ins Gesicht der Sonne, bringt den Sturm.

    Was ist ein heimtückischer Geist (Dunkelheit), der ins Gesicht der Sonne lacht?

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reisebericht

    Der Meltemi ist ein kalter Wind, der durch den Austausch von kalter Luft im Norden und warmer Luft im Süden im Schwarzen Meer entsteht und vom Norden zwischen Mai und Oktober durch die Ägäis bläst, mal stärker, mal schwächer, und führt oft und unerwartet kräftige Stürme herbei. Bei knallender Sonne kann es recht kalt sein in ungeschützten Stellen. Ein heimtückischer Geist, eben, der der Sonne ins Gesicht lacht. Ein Kobold, vielleicht ein von einer höheren (prosperoartigen?) befohlener Ariel.

    Hilft das?

    liebe Grüße,


    Miranda

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Reisebericht

    au backe !


    mich hinterlüftet's.

  5. #5
    howah
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    AW: Reisebericht

    Der Bericht ist wirklich sehr schön.
    Warum schreiben denn so wenige auf einen so schönen Text? Das finde ich schade, ich tue es jetzt....

    Howah

  6. #6
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Reisebericht

    Vielleicht liegt's daran, daß der text keine Angriffsfläche bildet, Howah. Vielleicht aber auch daran, daß Loben gelernt sein will.


    Also, Ihr müden Krieger, ist Euch der text zu indifferent?


    Laßt uns übers Reisen sprechen, übers Touristendasein und übers Bleiben!

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Reisebericht

    Na, ich kann die allgemeine Begeisterung nicht recht teilen. Mir sagt der Text nichts (ich war übrigens nie in Griechenland).
    Meine Mutter war oft dort, ihr Freund war Maler. Die Wände hingen voll mit immer wiederkehrenden Radierungen von Olivenbäumen, die Gespräche hörten sich immer wieder gleich an.
    Eine schwingende Stimmung, ja. Aber sie reisst mich nicht mit, macht keine neuen Bilder in meinem Kopf auf, es sind zu viele alte darin (und sie waren alle gleich).
    Einziger Gegenpol: die letzten zwei Zeilen.


    it

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reisebericht

    ja it, schon wieder! der aerolith ist ja manchmal etwas mild mit den mädchen. ich kann das verstehen, bei meiner alten verbundenheit mit der geschätzten autorin. allerdings: ich wollte schon was sagen, als er noch null kommentare hatte, und zwar im stil: touristisches fotoalbum, zum teil postkartenmäßig und banal: der dampfer schleicht, sternenhimmel, mond, oder: "Die Ansicht des Meeres von hier ist herrlich." schöner urlaub, echt, die letzten zwei zweilen dagegen unvermittelt und bemüht (verzeihst dus mir, meine liebe? ich steh halt mehr aufs nachtleben).

  9. #9
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    AW: Reisebericht

    hi miranda,

    ich stimme it zu, keine neuen bilder, ausser nr.5. klasse!
    aber, bei mir kommt die stimmung des südens rüber, nostalgie, schöne erinnerungen eben, rucksack, zelt und eine interrail-karte (gibts das heute eigentlich noch, das ticket?).
    deswegen, ich mags

    grüße


    e.

  10. #10
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    AW: Reisebericht

    Hallo Miranda,


    Ein gut lesbarer Text, aber eigentlich "nur" ein Reisebeschreibung und trotz der versöhnlichen Formatierung eher prosaisch.


    Ich kann aeros Begeisterung leider nicht teilen, weil mir das Wortgewaltige, Poetische in diesem Text fehlt.


    Die Begeisterung für Griechenland teile ich.
    Manchmal frage ich mich, warum ich noch hier bin ...

    K.

  11. #11
    rodbertus
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    Cool AW: Reisebericht

    Da könnt Ihr Lieben mal wieder sehen, daß bei mir mit konventionellem Schreiben viel zu gewinnen ist: Achtung, Freundlichkeit, gedankliche Auseinandersetzung, gesuchte Nähe, das behutsam umgangene Klischee...


    Und, Ihr lieben Leute, ich möchte hier ausdrücklich betonen, daß ich
    • Mädchen mag, seien sie schön, häßlich, jung, alt, bucklicht, verwarzt oder auch blauäugig.
    • Jungs mag ich nicht so sehr, seien sie schön, häßlich, jung, alt, bucklicht, verwarzt oder auch blauäugig.




    Insbesondere aber mag ich Texte, die mich entführen, ganz gleich, wohin. Und Mirandas Text schafft das - zumal in das von mir geliebte Griechenland. Spielen da Gründe in erster Lesung eine Rolle? Nein, wohl erst in zweiter. Aber es muß doch nicht immer alles hinterfragt werden, oder?

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reisebericht

    danke rödebertii...
    ich würde alle bitten, ein zweites, vielleicht ein drittes Mal zu lesen, und dann sagt mir, ob es immer noch 'nur' ein Reisebericht ist...

    liebe Grüße,


    Miranda

  13. #13
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    AW: Reisebericht

    Leider, ja. Ein Ziegenschädel liegt bei meiner Mutter glaube ich auch noch herum. (sie meinte zu mir allerdings, als ich von Christa Wolfs "Anmerkungen zu Kassandra" schrecklich enttäuscht war, das sei eben eine Eigenschaft des griechischen Lichts, Menschen so zu beeinflussen)


    sorry,

    it

  14. #14
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    Question AW: Reisebericht

    ein Ziegenschädel ist ein Ziegenschädel ist ein Ziegenschädel...?

  15. #15
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Reisebericht

    liebe müranda, hab mich bei der lektüre deines reiseberichtes an einen lyriker erinnert, vor längerer zeit gelesen, hier drei kurze ausschnitte aus dem zyklus "Kretische Skizzen" von Jan Wagner:


    III
    und anderntags das licht, klar wie das glas
    einer lupe unter der du dich bewegst
    mit deinem kleinen nordischen geheimnis.
    an schneebedeckten gipfeln adler, die
    mit ehrfurcht die große vertikale umkreisen.
    zwischen der blühenden pracht am boden siehst du
    ameisen nervöse ketten bilden
    als reichten sie winzige wassereimer weiter:
    die sonne am himmel. der glimmende punkt im papier.
    X
    viel näher können die toten dem himmel nicht kommen,
    nicht ohne hilfe: hier, weit überm meer,
    wo der friedhof seine weißgetünchten gräber
    darreicht wie konfekt.
    die sonnenhellen mauern, die zypressen
    wie dochte die entzündet werden wollen.
    und jedes grab mit seiner glasvitrine
    mit blumen darin, mit schmuck.
    ab und zu taucht der wind in eine der reihen
    um anderswo aufzutauchen, mit ihm ziehen
    die morsezeichen der scheiben: so reden die toten
    über uns hinweg.
    (der Friedhof von Selia)
    XVI
    ein starker wind kam auf - wie ein athlet
    sich warm macht, antritt, spurtet, wieder bremst
    vor seinem großen sprung übers meer in die alpen.
    die menschen schliefen unruhig in den häusern
    als hänge ein dunkler traum gewicht um gewicht
    an die stange die der schläfer hebt und senkt.
    das heisere bellen der hunde. keine sterne.
    die insel still, mit einem ohr nach süden.
    irgendwo dort unten stapfte die wüste.
    Adele, vor dem Scirocco


    wie gefallen sie dir?
    mich hat der friedhof umgehauen, der seine weißgetünchten gräber wie konfekt darreicht.
    oder der dunkle traum, der gewicht um gewicht an die stange hängt, die der schläfer hebt und senkt.


    kretische grüße

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reisebericht

    liebe Pamina,


    mir gefällt's außerordentlich. Hat mir was zum Denken gegeben...


    ägäische Grüße,


    Miranda

  17. #17
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Reisebericht

    ja, rodebertus, ich mag mädchen auch. ich mag sie sogar lieber als dich, wenn dich das jetzt nicht kränkt.

  18. #18
    Magdalena
    Laufkundschaft

    AW: Reisebericht

    Also der Reisebericht....es sind Gedankenfragmente, Impressionen des Augenblicks.
    Aber es ist mir zu bezogen, zu anspruchslos in der Empfindung. Diese Dinge kann jeder Tourist ohne jegliche melancholische Entrüstung niederzelebrieren. Da fehlt mir die transparente Erscheinung auf der metaphysischen Ebene, die Inspiration der Topographie. Da fehlt mehr Sehnsucht!


    Aber sonst gut.

  19. #19
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Reisebericht

    zweite Fassung...


    REISEBERICHT




    1.


    Der Dampfer schleicht um Mitternacht in den Hafen.
    Immer die Stimmen, die uns Zimmer bieten:
    Auf den ersten Blick ist jede Insel gleich.


    Hinter uns die Nacht, ein glattes Meer,
    Delphinen, die uns im Stich gelassen haben,
    Gespräche an Bord, ein Sternenhimmel, Mond,
    die uns ein paar Stunden Schlaf verboten.


    Wir folgen einem Mann, der leiser schreit
    als die anderen, zu einem spärlichen Zimmer mit Spiegel.
    Wir wollen unser Gesicht im Glas nicht sehen,
    wir wollen nicht absteigen in die eigene Hölle
    hinter dem Spiegel, das unbekannte Land.
    Wir schalten das Licht aus und schlafen, traumlos.
    Vor uns immer eine andere Insel, eine Landschaft,
    für die wir immer noch keine Landkarte haben -
    Immer das nächste Schiff, und weiterreisen.




    2.


    'Kalimera!' Die Vermieterin kann kein Deutsch.
    Und wir: 'Kalimera!' 'Efcharist?' - sonst nichts.
    Wir verständigen uns mit Zeichen, Kopfnicken, Lächeln.
    Immer wenn sie uns sieht, schenkt sie uns
    Granatäpfel vom Baum im Garten vor dem Haus.




    3.


    Bimsstein, Thymian unter unseren Füßen.
    Lange bevor wir den Rand des Kraters erreichen,
    verspüren wir den Schwefel in der Luft.
    Wir klettern an gelbverkrüsteten Felsen nieder.
    Hier am Herzen der Insel ist der Boden heiß.
    Schwefelschwaden pusten aus kleinen Löchern,
    Atemsausstöße im langen Schlaf der Insel,
    die machen uns die Augenlider schwer.




    4.


    In einer versteckten Höhle entdecken wir
    das Skelett einer Ziege, die sich unvorsichtig verirrte;
    wir stecken den Schädel in unseren Rücksack ein
    als Erinnerung.




    5.


    Tote, weißgetünchte Mauer, Mönche
    in Schwarz. Der Heiliger Johannes meditiert.
    Das Wort. Die Ansicht des Meeres von hier ist herrlich.


    Wir nehmen den Feldweg nach unten in die Stadt:
    Wie ein Stillbild der Zeit steht eine alte Frau
    mit ihren Ziegen unter einem Olivenbaum.


    Wir sitzen am Abend im Freien, trinken Wein.
    Die Sonne geht hinter dem Kloster ein.




    6.


    In abgelegenen Dörfern mißtrauische Gesichter:
    Schwarzgekleidete Frauen in Türeingängen,
    Männer im kafenöo, die tavli spielen
    den ganzen Tag nach Regeln, die wie nie
    verstehen können. Wir trinken unseren Kaffee
    aus und fahren weiter mit dem gemieteten
    Motorrad. Die Fähre fährt morgen früh um fünf.




    7.


    Der Meltemi bläst vom Schwarzen Meer hienieder.
    Mehr als ein Hauch - ein heimtückischer Geist,
    der lacht ins Gesicht der Sonne, wippt das Meer
    plötzlich zum Malstrom, und wir können nur vergebens
    Ausschau halten nach einem kommenden Schiff.


    Heute nacht sank ein Fischerboot im Hafen.
    Die ganze Stadt, Einwohner, Besucher, stand
    und schaute zu, wie er gehoben wurde,
    das schwarze Loch in seinem Körper repariert,
    nicht aber die Leere hinter den geretteten Augen.


    Jetzt am Abend ist die Brandung ruhiger jenseits
    der Hafenmauer. Wir sitzen am Quai, schweigen,
    tragen Pullover, warten.




    8.


    Ein anderes Land in sichtbarer Entfernung.
    Das Meer hievt, verschiebt, verwischt die Grenze,
    die zwischen einer Welle und der nächsten liegt.


    Die Soldaten im Norden der Insel sind bereit;
    vielleicht gibt's Krieg. Troja ist nicht weit.

  20. #20
    Kurzvormabschussiger
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    Renommee-Modifikator
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    AW: Reisebericht

    gefaellt mir. besonders die vermischung von touristischem (die ansicht des meers von hier ist herrlich) und anderem erleben. dazu abschweifungen zu johannes und troja, riskant aber ein kontrast zu der rotwein-, olivenbaumherrlichkeit.
    "wir sitzen am kai, schweigen, tragen pullover" gute zeile.


    wolfgang

  21. #21
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Reisebericht

    Paminas Textbeispiel gefällt mir nicht. Ein Lyriker, der mir die schreiende Tautologie GLASVITRINE zumutet, wird nicht ernst genommen.


    Miranda, hatte gerade ein Aha-Erlebnis: Als ich Deinen Text ein zweites Mal las, fiel mir auf, daß im siebenten Abschnitt ein WARTEN redundierte. Und siehe: Es war neu. Streich es doch bitte!

  22. #22
    Kurzvormabschussiger
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    Smile AW: Reisebericht

    gesagt, getan o meister! warten weg, hast recht


    danke, wolfgang

  23. #23
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Reisebericht

    Dieser Ordner gehört sicherlich nicht zu den schlechteren des Forums. Hier wurde gearbeitet, es entstand ein verbesserter Text, ich hatte das Gefühl, daß etwas entsteht. Ein bißchen tuftig das Ganze, aber okay.

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