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Thema: Ebenbild

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Ebenbild

    In deinem Ebenbild erschaffen
    und von der Sünde angezischt:
    "Glaubst du, du bist ´ne große Nummer?"
    Und wieder hat es mich erwischt.

    In deinem Ebenbild erschaffen
    heißt: lieben, geben, dankbar sein.
    Die alte Schlange funkt dazwischen.
    Am Ende bin ich immer klein.

    Die frühe Angst, mich auszudrücken..
    ..durch das, was in mir lebt und spricht..
    Ich war ein Nichts in ihrer Runde
    und mein Gefühl..wie vor Gericht!

    In deinem Ebenbild erschaffen,
    mit einem Blick wie Stephanus.
    Im Dialog mit deinem Herzen,
    der alten Schlange zum Verdruß.

    In deinem Ebenbild erschaffen..
    ..geschützt, bewahrt, geliebt.
    In deinen Armen liegend:
    wie schön, dass es uns gibt!

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ebenbild

    Erst einmal sei willkommen im KvW-Forum. Du hast Dich schon zu zwei Texten geäußert, wenn auch knapp. Damit hast Du das Prinzip des Forums begriffen: gegenseitiges Geben und Nehmen.

    Dein Text ist formal durchgehalten, alternierend. Mein erster Gedanke war "Familiendrama", mein zweiter "Schwiegermutter", aber das liegt ja oft dicht beieinander. Aber ich bleibe weitgehend draußen, was an der Entindividuation liegen mag. Du gebrauchst Schlagwörter, bringst diese in einem sprachlichen Rhythmus unter, sogar systematisch, erzählst auch etwas mit glücklichem Ende, aber wo sind die Verdichtungen?

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ebenbild

    Ja, ich hab das Prinzip von Geben und Nehmen begriffen. Macht Spaß.
    Danke für Deine Perpektive und den Assoziationen zum Gedicht. Familiendrama paßt tendenziell gut.
    Kannst Du ein Beispiel zu "verdichten" schreiben? Oder eine Definition mit eigenen Worten. Kann es sein, dass für einen etwas verdichtet ist und für einen anderen nicht (gleicher Text)?
    Also Dichten ist für mich wie weiterführendes Denken, immer (problem)lösungsorientiert. Ich kann gar nicht anders. Wobei "Lösungen" ja sicherlich auch sinnliche Wahrnehmungen sein können. Da muß ja nichts gelöst oder weiterentwickelt werden auf gedanklicher/seelischer Ebene. Da gehts dann eher in die Tiefe mit den Sinnen. Das mache ich selten, da braucht man Frieden für.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ebenbild

    Beispiele für Verdichtungsmöglichkeit: Ebenbild und Verdruß. "Ebenbild" ist der im ersten Vers in vier von fünf Strophen wiederkehrende Dosenöffner dessen, was Du inhaltlich mitteilen möchtest. Was läge hier also näher, diesen Dosenöffner in verschiedenen Bedeutungsvarianten, auch Varietäten, immer wieder neu zu justieren, so für Deinen Leser Möglichkeiten des Einlasses in Deinen Text zu eröffnen. Ebenbild, Abbild, Spiegel, Reflektor... verdichtet würde aus Ebenbild zum Beispiel zweites Ich, affirmative Suffizienz, Du, Genealogie etc. pp werden, je nachdem, wo Deine Intention liegt. Du könntest es noch weiter verdichten zu einem schlichten Ich bin du oder dergleichen. "Verdruß" ist ein altes Wort, beinahe ein Archaismus. Für Verdruß gibt es viele Wörter, die es dem Wesen nach erfassen, sich einen Teil herausreißen und diesen als Verselbständigung darstellen oder eben das tun, was im Sinne des Dichters liegt. Suchst Du Synonyme, findest Du hier eine gute Seite. Die hülft manchmal enorm, um das, was Du sagen möchtest, über neue Verästelungen präziser auszudrücken. Allerdings brauchtest Du hier einen Reim auf "Stephanus". Stephanus ist eine Verdichtung und steht wohl für Märtyrertum; allerdings weiß das heute kaum einer. Also würde ich Dir empfehlen, ein anderes Bild zu benutzen. Vielleicht beginnst Du mit dem Ersatzwort für "Verdruß", dann findest Du vielleicht eine andere (moderner) Version für "Verdruß", und Dein Text wird insgesamt für heutige Leser lesbarer.

    Das sind nur Hinweise, was Du machen könntest, Varietäten. Mir gefällt Deine archaische Schreibe; bin selber einer, der vorzugsweise ältere Muster bedient.

  5. #5
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    AW: Ebenbild

    Ich dachte Klopstock, und das ist schon Äonen her, hat uns vom Reim befreit...aber er steht immer wieder auf, der Reim. Was mich zurück-schrecken ließ: Das gewaltige Thema, der Beginn mit Genesis und dem Zischen der Schlange und am Ende der Blick zum Märtyrer. Und die Frage, mitschwingend: kann es dem „Ebenbild“ so gehen auf Erden... Schon gut, aber sehr hoch gegriffen. Dennoch, mir gefällt, wie immer, der Versuch, sich in Versen auszudrücken. Das wird nicht der letzte Text von Kris sein, hoffe ich.
    Der „Verdruß“, Aero, kam sicher nur hinein, weil das Wort sich einigermaßen auf „Stephanus“ reimt. Oder, Kris, war es umgekehrt?

  6. #6
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Ebenbild

    Ich sehe da einen Vater mit übergroßen Erwartungen an den Sohn - die dieser nicht erfüllen kann...erfüllen will - und obwohl er das nicht will...kommt er nicht drum herum es immer wieder zu versuchen....den Ansprüchen des Vaters gerecht zu werden. Der Vater verachtet den Sohn...sieht in ihm einen Versager. Die Mutter (alte Schlange) ist keine Hilfe...redet ihrem Mann nach dem Mund...oder schweigt - auch von ihr bekommt der Sohn keine Anerkennung. Da dem Sohn das Gefühl geliebt zu werden abgeht...glaubt er im Narzissmus einen Ausweg zu finden. Am Ende ist nicht nur eine...sind gleich mehrere Persönlichkeitsstörungen zu beklagen. Zum Ebenbild seines Vaters hat es nicht gereicht...also wird er zu seinem eigenen Ebenbild. Von sich selbst erwartet er nichts(mehr) - und so kann er sich auch nicht enttäuschen.

    Die Wiederholungen sind...sofern als Schwungrad gedacht...in Ordnung. Nach Synonymen für Ebenbild würde auch ich nicht suchen...da das dann evtl. als zu gewollt empfundne wird. Ich würde--der Chronologie entsprechend--die Präposition ändern.

    1. In deinem Ebenbild
    2. Nach deinem Ebenbild
    3. Zu deinem Ebenbild
    4. Neben deinem Ebenbild
    5. Abseits deines Ebenbildes

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ebenbild

    Aerolith, danke für die Anstöße. Da kommt die Frage, an wen man denkt, wenn man schreibt. Ich denke nicht an die Anderen bzw. nur insofern, als dass ich niemanden verwirren möchte. Weder durch die Inhalte noch durch die Art des Reims. Deshalb ist feedback wichtig.
    Ansonsten hab ich gemerkt, dass mir Deine Vorschläge durchaus mehr Weite ins Denken bringen.
    Verdruß benutze ich im Alltag nie als Wort, aber beim Dichten empfinde ich das als legitim, wenn es sich anbietet, das Wort. Manche Worte drängen sich richtig auf.
    Ich glaube, ich will niemandem gefallen. Stephanus´Blick bedeutet für mich "Verbundenheit", nix mit Märtyrerei in meinem Kontext.
    Aber vielleicht ist es ja genau das: jeder macht inhaltlich daraus, was er möchte/muß, und das ist nicht schlecht.

    Hallo Lester!
    Zuerst dachte ich auch, dass es ein großes Thema ist. Aber, vielleicht ist Genesis auch übertragbar auf ein Neugeborenes, das sich noch "in Einheit" erlebt. Mir gefällt der Gedanke, auch wenn ich den gestern noch nicht hatte.
    Ich finde es nicht anmaßend, nach Einheit zu streben. Es geht ja nicht ums "Herrschen" im Sinne von Zerstören, sondern ums Lieben.
    Ich weiß nicht, ob Stephanus oder der Verdruß zuerst da war. Ich glaube, der Verdruß (:
    Danke für deine Gedanken!

    Hallo anderedimension,
    ..ich hatte erst "zu deinem Ebenbild", und das kam mir dann komisch vor. Aber ich mag das. "Nach" gefällt mir auch.
    Deine Interpretation ist mir völlig ungreifbar, aber das macht ja nichts.
    Mit dem Schwungrad, ja das stimmt, wenn ich drüber nachdenke! (:

    mein Fazit:
    Mehr Weite ist gut. Reime werden noch gemocht. Es gibt nichts zu verlieren.
    herzlichen Dank!

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