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Thema: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

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  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Dieser Tage beginnt die neue Saison für meinen Lieblingsverein, den 1. FC Magdeburg. Wir haben eine Zweitligasaison vor der Brust, in die wir nicht nur schuldenfrei gehen, sondern auch erstmalig dabei sind. Die Zweite Liga kann naturgemäß für die GdW nur eine Durchgangsstation sein, aber da wir die Neuen sind, schauen wir uns das alles erst einmal an und dürften wohl auch mit dem einen oder anderen Rückschlag rechnen. Die Konkurrenz sieht uns nicht als Absteiger, aber auch nicht im Aufstiegsrennen. Das lasse ich beinahe unkommentiert. Vielleicht hat es sich noch nicht herumgesprochen: Wir sind die Könige der Liga, egal welcher, und wo wir sind, ist vorn. Mehr muß ich dazu auch gar nicht sagen. Klare Ansage.

    Den gemeinen Fußballanhänger interessieren neben der Sicherung seines Platzes im Stadion v.a. die Neuzugänge und die wirtschaftliche Ausrichtung des Vereins. Beide Fragen wurden nicht bestmöglich geregelt. Bei den Neuen gibt es m
    it Bülter, Kwado, Preißinger, Hanna, Fejzitzsch, Müller, Berisha und Ignovski sehr unterschiedliche Spieler zu begutachten. Der Reihe nach:

    Bülter: machte einen guten Eindruck. Ohne sich aufzudrängen spielte er solide im Angriff, strahlte aber nicht die Torgefahr aus, für die er in der Regio West gerühmt wurde. Mit 25 Jahren noch vor seinem sportlichen Höhepunkt. Muß an der Schnelligkeit arbeiten und beim Paßspiel der Ball nicht zum (wartenden) Mann, sondern zum sich bewegenden Mitspieler in den Fuß spielen lernen. Könnte als Vorlagengeber mit Lohkemper um einen Platz streiten. - Keine schlechte Verpflichtung.
    Kwado: kömmt von einem Absteiger, was nicht für ihn spricht. Gleich verletzt, was auch nicht für ihn spricht. - Keine Bewertung.
    Preißinger: ein junger Mann, 21, der noch geformt werden kann. Er spielt mannschaftsdienlich und scheint lernwillig zu sein. Hat viel zu leisten, macht aber auf mich den Eindruck, daß er genau das will. Gute Grundausbildung, schnell und athletisch. - Gute Verpflichtung.
    Hanna: siehe Kwado.
    Fejitzsch: 32, kömmt von einem Absteiger, auch noch von Braunschweig. Macht auf mich keinen guten Eindruck, sondern wirkt selbstverliebt und langsam. Das ist bei Torhütern oft so, die und die Linksaußen sind meist die unsympathischten in einer Mannschaft, muß also nichts heißen. Allerdings brauchen wir einen Torwart, der, wie Brunst, das Spiel schnell machen kann, damit wir Konterfußball spielen können. Das bezweifle ich bei F. - Schlechte Verpflichtung.
    Müller: junger und solider Spieler, der an seinen Aufgaben zu wachsen scheint. Dünkt mich karrierebewußt zu ticken, dürfte also bei einem guten Angebot schnell den Dachs machen. Das spricht nicht für ihn. Hat sich aber, auch durch den Ausfall der vorgenannten Neuen, in die Mannschaft gespielt. Aber Charisma spüre ich bei ihm nicht. Und das brauchen unsere IV-Spieler in dieser Liga, denn da kommen allesamt schnelle Jungs, die man nur knackt, wenn man ihnen auf den Füßen steht und klare Ansage macht: "Du kömmst hier nicht durch!" Und das bezweifle ich bei Müller, daß er diese Ausstrahlung wird entwickeln können. Aber, wie gesagt, der Mann ist jung und entwicklungsfähig und kann auch durch uns Zuschauer noch geformt werden. - bin unentschieden, ob er eine gute Verpflichtung ist
    Berisha: keine Ahnung, warum man den geholt hat; wirkt auf mich wie ein weinerlicher, selbstreferentieller Spieler, der weit weg von zu Hause seinen größenwahnsinnigen Plänen nachgeht; habe auch keine Ahnung, welche Position er spielen soll: ist er als Beck-Ersatz gekommen? Dann müßte das Spiel auf ihn zugeschnitten werden, denn er ist kein mannschaftsdienlicher Spielertyp, sondern der klassische Starspielertyp. Das aber das Spiel auf ihn zugeschnitten wird, wie auf Beck unter Petersen, dürfte unter Härtel nicht passieren. Soll er als Joker fungieren? Das dürfte mit dem selbstbezüglichen Berisha kaum machbar sein. Da ist Ärger programmiert. Und wenn er doch aus irgendeinem Grunde einschlagen sollte, dann dürfte er kaum von uns zu bezahlen sein und das bringt uns dann also auch nichts, weil wir dann im Winter das System wieder umstellen müßten, was meist nicht funzt. Was also genau ich hier an Vorteil für den FCM sehen soll, erschließt sich mir nicht. Aber vielleicht klärt mich mal einer auf. - Schlechte Verpflichtung.
    Ignovski: bissiger Spielertyp, der bei uns seine (vor)letzte Chance hat, im deutschen Profifußball Fuß zu fassen. Sollte mich nicht wundern, wenn er das schafft. Ist ein bißchen zu hibbelig und sollte es lernen, sich bei uns hinten anzustellen, aber ich erkenne auch Lernbereitschaft. Das könnte was werden mit ihm. - eher gute Verpflichtung


  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    1. Spieltag: FCM vs. St. Pauli 1:2

    Das war einmal nichts. Wir machten drei grundsätzliche Fehler, die schnellstens vermieden werden sollten.

    • Fehler I: Statt den Ball von hinten heraus systematisch nach vorn zu tragen, ballerte Fejitzsch den Ball ziemlich sinnbefreit mit 90%iger Wahrscheinlichkeit zum Gegner oder in endlos scheinende Kopfballstaffetten, die das Spiel nur langsam machen und Zuschauer wie mich enervieren;
    • Fehler II: Wir versuchten im MF mit Gegenspiel gegenzuhalten, statt schnelles Umkehrspiel bei eigenem Ballgewinn zu präfigieren und
    • Fehler III: Unser Außenspiel spottete jeder Beschreibung; halbhohe oder hohe unterschnittene Innenristpässe ließen kein Dreieckspiel oder gar Doppelpaß zu, außerdem kam so der schnelle Costly nicht ins Spiel, denn dessen Stärke ist das schnelle Umkehrspiel, nicht aber Kleinklein auf engstem Raum.

    Da zudem unser DM-Spiel unsicher wirkte und falsch ausgerichtet war, die beiden IV-Spieler wenig sicher und wenig koordiniert spielten, hatte man eigentlich nie den Eindruck, daß wir eine Chance hätten. Daran änderten auch die Einwechslungen nichts. Wenn wir im ZM/DM-Bereich nicht sicher stehen, werden wir in dieser Liga nichts reißen. Ich hoffe, Härtel verfolgt nicht den Plan, das Nullsummenspiel der anderen Mannschaften zu betreiben, denn das liefe am Ende auf unseren Abstieg hinaus, da wir nur dann eine Chance haben, wenn wir unserem Gegner auf den Füßen stehen und schnelle Konter fahren, vorn draufgehen und hinten sicher stehen und daß wir v.a. unsere Standards versenken. Die waren heute alles andere als gefährlich.

    Zur Einzelkritik:
    Fejitzsch überzeugte nicht. Freistoß sah haltbar aus. Abschläge fast immer zum Gegner, zudem ohne gute Länge. Wirkt behäbig, allerdings auch ruhig. Kann mit ihm keine Entwicklung erkennen. (5)
    Schäfer ohne gutes Zusammenspiel mit seinem neuen Partner. Auch mit dem TW wohl Gesprächsbedarf. Einmal gut marschiert, doch ohne Bindung ans DM. Wirkte nicht unsicher. (4) Müller ohne den Esprit und die Körpersprache, die ich von unseren IV erwarte, aber mit dem Potential zu einem soliden Arbeiter. Kleinere Abstimmungsprobleme, aber immer schnell am Gegner. (4,5) Butzen mit etlichen kleineren Fehlern, wenig Präzision im Spiel nach vorn, aber wie immer gut am Mann. Als Kapitän gefordert, hatte aber heute nicht den Schneid, die Mannschaft straffer zu führen und konnte auch keine Rhythmuswechsel vorgeben. (4,5) Niemeyer ein wenig außer Form. Da kam zu wenig, v.a. vor dem ersten Gegentor muß er konsequenter sein. (5)
    Ignovski als eine Art linker ZM-Spieler mit zwei gravierenden Mängeln: zum einen spielt er den Ball beinahe immer mit dem unterschnittenen Innenrist, so daß der Ball halbhoch und ohne Schärfe auf den Mitspieler kömmt, der damit in den seltensten Fällen etwas anfangen kann. Zudem spielt er, selbst wenn es sich anbietet, keinen Flachpaß in den Fuß, sondern ist immer auf Kleinklein aus. Ich kann nicht glauben, daß er das wird abstellen können. In Zweikämpfen zu oft nur zweiter Sieger. (5,5) Preißinger der dynamischere der beiden DM-Spieler, aber ohne Verve. Spielte nicht unglücklich, sondern falsch in dem Sinne, als daß er den Ball nicht herunternahm und flach und scharf in die Schnittstellen spielte, sondern munter den Ringelpietz der anderen mitspielte. Erwarte hier eine Verhaltensänderung. (4,5) Rother als der andere DM-Spieler unauffällig, also ohne gravierende Fehler, aber auch impulsarm. Wir können diesen Ringelpietz, den 17 andere Mannschaften der Liga spielen, mitspielen, werden auch den einen oder anderen Sieg einfahren, am Ende aber absteigen, weil wir schlichtweg diesen Ringelpietz nicht so gut können wie die anderen. Wir sollten das auch nicht zu lernen versuchen, sondern unser Spiel spielen, also den Gegner kommen lassen, bärbeißig auffangen und dann knallfall kontern. Es war aber nicht Rothers Schuld, daß wir heute verloren; die Impulse müssen andere initiieren. (3,5) Costly falsch eingesetzt. Der Mann muß geschickt und nicht halbhoch verbraten werden. Mir mißfällt seine grundsätzliche Einstiegskörperhaltung bei Zweikämpfen: halbhoch in den Mann. Liegt schnell und legt es darauf an. Das gefällt mir gar nicht. Wenn er das läßt und seinen Mitspielern Räume anzeigt, die er errennen kann, könnte er sich blitzschnell die Herzen der Ostfalen erobern. Schnell genug isser ja. (5)
    Türpitz heute mit dem falschen Fuß aufgestanden. Die zwei brauchbaren Pässe für die Mitspieler waren entweder genial oder verrutscht. Seine zwei Chancen vermasselte er. Hätte sich heute mehr zurückfallen lassen müssen, um das Spiel im OM-Bereich zu koordinieren. Das muß er erkennen. (4) Beck mit einigen Meckereinlagen. Lag auch zu schnell. Beim Tor genau da, wo ein MS sein muß. Sonst eher mäßig, sowohl beim Laufeinsatz als auch beim Mitspiel, kaum gewonnene Kopfballduelle und kaum Zusammenspiel. (3)

  3. #3
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    Pokal: FCM vs. Darmstadt 0:1

    Das Spiel gegen die Südhessen endete 0:1. 20165 zahlende Zuschauer sahen ein eher lahmes Gebolze, in dem es v.a. unserer Mannschaft nicht gelang, ein Spiel aufzuziehen, aus dem heraus sich Chancen kreieren ließen. Härtel hatte die IV umgebaut, was Darmstadt am Anfang des Spiels gnadenlos ausnutzte. Ein Paß in unsere zentrale Abwehr reichte aus, um die noch nicht klar aufgeteilte Zone im zentralen IV-Bereich vor größte Probleme zu stellen. Hammann zerrte (zwar vor dem Strafraum) am Gegenspieler, der die Einladung annahm und zu Boden ging wie ein Sack Kartoffeln. Den fälligen Elfer verwandelte der Schütze mit Karacho. Nach diesem frühen Rückschlag hätten wir nun ein Spiel aufziehen müssen, also den DM-Bereich mit sicheren Pässen erst einmal sichern müssen, vorn draufgehen und hinten auf Nummer sicher. Aber genau das taten wir alles nicht. Wir standen zu weit vorn, konnten die Lücken im DM-Bereich nicht zustellen und kamen auch nicht dazu, die Außen einzusetzen, die statt nach dem Ball zu jagen, den Ball mit Kleinklein nach vorn tragen wollten. Beck hing so in der Luft und im OM-Bereich fand sich auch keiner, der mal auf den Ball trat und zum Doppelpaß einlud. Das war für Darmstadt leicht zu verteidigen. Ein schwacher Schiedsrichter tat sein übriges, pfiff in strittigen Situationen immer gegen uns und muß sich so den Vorwurf gefallen lassen, ob er es nicht deshalb tat, weil Darmstadt vor kurzer Zeit sich in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der derzeit mit Rassismusvorwürfen traktierten DFB-Spitze - die daher solche politischen Statements wie die von Darmstadt gern liest - hier einen strategischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen wollte, die sich weigert, dieses faschistoide Ausgrenzen von Fußballfans aufgrund einer möglichen Zugehörigkeit zur AfD zu praktizieren. (Aber darüber schreibe ich noch mal andernorts was Passendes.) Kurzum: der Schiedsrichter war auch nicht für uns, um es freundlich zu sagen. Aber das war nicht spielentscheidend, nur ein Mosaiksteinchen. Entscheidend war vielmehr unser Unvermögen, aus den wenigen Chancen Tore zu machen, Rhythmuswechsel zu kreieren und v.a. ein Spiel über Außen aufzuziehen, das es ermöglichen würde, Flanken auf unseren kopfballstarken MS zu schlagen. Da wir auch nicht nachrückten, um die zweiten Bälle gewinnen zu können, also, die überhaupt gewinnen zu können, konnte Darmstadt sogar Gegenspiel aufziehen, das zwar Alibicharakter hatte, aber unsere Spieler sichtlich nervte. Die Wechsel kamen zu spät, zudem hatte ich nicht den Eindruck, daß die Laufwege der Spieler abgestimmt waren, Zusammenspiel also möglich gewesen wäre. Wir flogen aus dem Pokal wie eine Mannschaft, die nicht weiß, wie Pokal geht. So, wie wir spielten, jedenfalls nicht.

    Zur Einzelkritik:
    Brunst versuchte oft, das Spiel schnell zu machen. Aber er fand keine gut positionierten Mitspieler, um schnelles Gegenspiel zu ermöglichen. Das Gehampele vor dem Strafstoß wäre dann sinnvoll gewesen, wenn er beim Schuß stehengeblieben wäre. Sollte er mal drüber nachdenken. (3,5)
    Niemeyer verbessert, aber noch nicht gut. Kaum Zusammenspiel, dafür viel Gehacke. Ungewohnte Schwächen bei der Ballannahme. (4,5) Hammann anfangs mit Problemen, dann sicherer. Gutes Auge bei seinem Paßspiel, zuweilen aber zu ungenau und mit zu wenig Schärfe. (3,5) Handke solide. Aber der Mann ist kein Aufbauspieler, wurde aber zu oft als solcher positioniert. Sollte sich nicht als solcher einsetzen lassen, sondern seinen jungen Mitspielern Beine machen, ihnen zeigen, wo sie stehen sollen. (4) Müller wirkte hilflos. Zu oft mit Aufbauspiel befaßt; fand keinen Partner im DM-Bereich. Kann keine Pässe nach vorn schlagen, steht aber hinten gut, ist schnell und dynamisch. (3,5)
    Rother katastrophal. Stand schlecht, machte die Räume nicht zu, verpatzte Anspiele und gewann zu wenige Zweikämpfe. (5) Weil ein Totalausfall. Hätte bereits zur Halbzeit raus gemußt. Von ihm sind die Rhythmuswechsel vorzugeben, saubere Pässe und nicht halbhohe Höhe Schienbein resp. ungenau. (5,5) Lohkemper schlampig. Zuweilen gute Ballbehauptungen wechselten mit schlampigen Zuspielen ab. Sollte den Kopf heben und sich mit den Mitspielern absprechen, wer wann wohin laufen soll. Seine guten Anlagen drohen zu veröden, wenn er nicht bald die Kurve kriegt. Kein Offensivdrang, eher verwirbelt. (4,5) Butzen zapplig und stolprig. Keine Präzision in seinem Spiel. Scheint mir auch nicht der Mann zu sein, der die anderen auf Trab bringt. In diesem Spiel ist aber das von unserem Kapitän zu verlangen. Hätte die DM-Leute neu justieren müssen. (4,5)
    Bülter schwach, oft glücklos. Bringt sich nicht in die Position, die ihn gefährlich machen könnte. Keine zweiten Bälle, kaum Zusammenspiel. Muß sich langsam in die Mannschaft reinfinden und v.a. den Doppelpaß üben, damit er die Räume bekommt, um zu flanken. Spürt wohl am deutlichsten die höheren Erwartungen in der neuen Liga. (5) Beck wieder mit zu viel Lamenz. Klar wurde er gezerrt und ein ausgleichender Schiedsrichter hätte in der einen Situation im Strafraum uns einen Strafstoß gegeben. Aber es hätte Beck schon nach wenigen Minuten klarsein müssen, daß der Schiedsrichter kein FCM-Anhänger ist, also sollte er ihm gegenüber seinen Mund halten und statt dessen seinem Gegenspieler mal ne Ansage machen. (5)

  4. #4
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    FCM vs. Ingolstadt 1:1, 25.08.2018

    Unser erstes Spiel gegen die Audimannschaft aus Bayern endete unentschieden. Knapp 19000 Zuschauer erlebten ein anfangs aufregendes Spiel, bei dem der Schiedsrichter wiederholt im Zentrum der Ereignisse stand und sich zu profilieren suchte und zudem wie seine letzten Vorgänger in strittigen Situationen meist gegen uns entschied. Aber damit müssen wir leben, daß die Vereine, die schon länger im Profifußball agieren und ihre Seilschaften ausgeprägt haben, eben von vorauseilend gehorsamen Mitarbeitern in diesen Seilschaften bewußt oder unbewußt präfigiert werden. Es würde uns wahrscheinlich auch so geschehen, wenn wir auf eine Mannschaft wie Traktor Großwalsleben stoßen würden, daß wir bevorzugt würden. Bayern München, um den hiesigen Primus zu nennen, wird meinem Gefühl nach in der Bundesliga stets bevorzugt. Meisterbonus nennt man das wohl euphemistisch. Aber es ist ein Skandal. Der BFC erhielt dieses Privileg zu Ostzeiten - auch aus anderen Gründen, Real Madrid erhält es seit jeher in Spanien, wiederum aus anderen Gründen, und PSG in Frankreich, will man den Fans von Marseille glauben... Das muß entweder eine menschliche Schwäche sein, daß "UNparteiische" sich unbewußt an den mutmaßlich Stärkeren orientieren oder es ist ein Problem der Postmoderne. Vertiefen wir das itzt nicht weiter, sondern nehmen es hin! Eben deshalb ist es von unseren Spielern unsinnig, sich während des Spiels ständig mit dem Schiedsrichter zu fetzen, wie es gestern wiederholt geschah. Der Mann sollte Luft sein. Der sollte gar nicht existieren. Wer aber im Spiel existiert, das ist der Gegenspieler. Dem muß man die Meinung sagen, wenn man gefoult wird, nicht beim Schiedsrichter weinerlich "Gerechtigkeit" einfordern, am besten noch schreiend liegenbleiben, um zwei Minuten später wieder munter weiterzuspielen. Dieses Fehlverhalten erwarte ich von Gastmannschaften, die so Zeit schinden, Spielrhythmus unterbrechen und den Schiedsrichter für sich einnehmen wollen. Aber ich erwarte ein solches Verhalten nicht von unserer Mannschaft. Wir spielen eh gegen zwölf Mann.
    Unsere taktische Ausrichtung war so, wie ich es befürchtet hatte. Härtel wollte mitspielen, ja, er wollte sogar dominieren. Das ist schon vom Papier her gegen eine mehr als doppelt so teure Mannschaft unsinnig, erst recht, wenn man die Spielererfahrung in der Liga betrachtet. Wenn man von vornherein so plant, geht das meist schief. Einer spielstärkeren Mannschaft kömmt es meist entgegen, wenn der Gegner sie beherrschen will. Die wartet dann ab, zeigt in dem einen oder anderen Gegenstoß an, wozu sie fähig ist und schlägt dann kurz vor Halbzeit- und Spielschluß durch einen gezielten Gegenstoß zu, läßt sich womöglich im Strafraum oder in Strafraumnähe fallen und weiß den Schiedsrichter auch im Zweifelsfall auf ihrer Seite. Eine ziemlich sichere Angelegenheit, sich so Punkte zu ergattern. So ähnlich machte es deshalb gestern auch Ingolstadt. Wir luden sie quasi zu dieser sie bevorteilenden Spielweise ein. Die individuelle Unterlegenheit unserer Einzelspieler wurde im Laufe des Spieles immer offensichtlicher. Und da Härtel die Mannschaft offensichtlich nicht für Konterspiel instruiert hatte (keine Abstimmung der Laufwege), vergaben wir auch die wenigen Kontermöglichkeiten, die sich zum Ende der jeweiligen Halbzeiten für uns hätten ergeben können. Da wurde der Ball durchs Mittelfeld gegen eine spielerische Übermacht zu tragen versucht, meist mit Ball am Fuß. Da gab es nur in unserer Hälfte Dreieckspiel, da gab es keine Flügelläufe, sondern Flügelkleinklein, da fehlte es an Flanken ins Zentrum, Jagd auf die zweiten Bälle und zudem wurden die Standards wie schon in den letzten Spielen verschlampt. Ein träge und nervig spielender Zeitlupenfußballer in unserem Tor machte dann auch noch jede Hoffnung auf Gegenspiel zunichte. Aber da Härtel nicht auf die schnellere Variante bei der Torwartauswahl setzte, soll das mutmaßlich so geschehen. Spielverschleppung bei eigenem Aufbauspiel! So werden wir in dieser Liga nicht bestehen können. Wir hatten noch Glück, daß die Ingolstädter kurz vor Ende nicht das gleiche taten wie die Spieler von St. Pauli vor kurzem. Das Spiel gestern jedenfalls war beinahe ein Abziehbild des Spiels gegen St. Pauli. Als ob wir nicht lernfähig sein wollten!

    Zur Einzelkritik:
    Fejitzsch langsam, beinahe behäbig. Wenn der Ball langsam auf ihn zukömmt, wartet er, nimmt ihn dann irgendwann auf, schaut, schaut... schaut und schlägt ihn dann mit 90%iger Wahrscheinlichkeit zum Gegner. In Halbzeit II einige wagemutige Abwürfe, die schon öfter ihr Ziel fanden. Schlecht in der Strafraumbeherrschung und kein Mut beim Herauslaufen. Verstehe diese Verpflichtung nicht, denn er spielte schon in Braunschweig so. Wo das endete, wissen wir. (5)
    Erdmann mit einer guten Leistung. Bissig am Mann, zuweilen theatralisch, aber nicht mit dem Schieri. Der Mann begreift den Fußball so, wie ich ihn begreife, als Kampfspiel. Ein schönes Tor. (2,5) Butzen verbessert. Gewann etliche Zweikämpfe, auch um Spiel nach vorn bemüht, aber zu ungenau. (3,5) Müller wie gegen St. Pauli. (3,5) Ignjovski hatte einige gute Szenen wegen seiner Terriernatur, die mir gefällt. Verlor aber insgesamt gesehen zu oft in Zweikämpfen und brachte zu viele Pässe nicht zum Mann. Raumorientierungsprobleme und fehlendes Durchsetzungsvermögen im Spiel nach vorn. Ist ein Unsicherheitsfaktor im LV-Bereich. (4,5) Handke solide. Diesmal nicht mit dem Spielaufbau beauftragt, was ihm behagte. Hatte seine Gegenspieler jeweils meist im Griff, obwohl die viel schneller und trickreich waren. Seine Einwürfe ungenau und berechenbar. (3) Rother mit einigen guten Defensivaktionen, aber ohne Gespür für die Spielsituation, Genauigkeit und Strategie. Ich habe aber das Gefühl, daß er über diese Fähigkeiten verfügen wird, wenn er seinen Weg weitergeht. Er will, und das rechne ich ihm hoch an. (4)
    Preißinger zuweilen mit guten Dribblings, denen aber am Ende das präzise Abspiel in der torgefährlichen Zone fehlte, die also letztlich fruchtlos waren. Diese Spielweise ist zwar zuweilen schön anzusehen, aber entspricht nicht dem, was wir im MF leisten müssen, nämlich präzises und schnelles Gegenspiel zu organisieren. Ich tue mich hier schwer mit einer Bewertung, denn schlecht spielte er nicht, aber wir brauchen eine solche Spielweise nicht, sie bringt nichts. Unser ZM-Mann muß auf den Ball treten, Dreieckspiel organisieren und dann die schnellen Außen schicken, nicht aber mit dem Ball am Fuß durch die gegnerischen Reihen tänzeln wollen. (4) Costly falsch eingesetzt. Ich kann mich an eine Szene erinnern, in der er ansatzweise das zeigen konnte, wozu wir ihn brauchen. Statt dessen versuchte er mit dem Ball am Fuß, den anderen wegzurennen oder den Ball aus eher schlechten Positionen aufs gegnerische Tor zu jagen. Seine Stärke liegt m.M.n. darin, daß er auf den Außenpositionen einsetzbar ist und entsprechend geschickt werden muß. Ein Konterspieler. Bei der gestrigen Spielweise verpuffte sein Spiel. Er ist KEIN Wühler, spielte gestern aber wie einer. (4,5) Türpitz verbessert. Ist ein Mann für die wichtigen Pässe im OM-Bereich, nicht aber im Kleinklein vor dem gegnerischen Strafraum. Steht auf zweite Bälle, manchmal aber zu weit weg. Schußpech kam dazu. (4) Beck lief, fiel leicht und lamentierte. In einer Szene erhielt er einen Schlag ins Gesicht. Hätte er zuvor dem Schiedsrichter nicht mehrfach die Meinung gesagt, ich wette drauf, hätte er hierfür den berechtigten Elfer bekommen. (5)

  5. #5
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    FCM vs. Arminia Bielefeld 0:0, 17.09.2018

    Das Spiel vor knapp 20000 Zusehern endete torlos. Daß wir kein Tor bekamen, lag am glänzend haltenden Brunst, der einige Chancen der Ostwestfalen vereitelte. Daß wir Ostostfalen kein Tor schossen, lag an unserer mangelnden Fähigkeit, (mehrere) Torchancen überhaupt herauszuspielen, und die wenigen (zwei?) knapp zu versemmeln.
    Wir begannen abwartend. Gut so. Gegen spielstärkere Mannschaften muß man stabil im DM-Bereich stehen, ihnen allmählich die Freude am Kleinklein verderben, sie zermürben, um dann, nachdem der Gegner eingelullt oder berauscht an der eigenen Spielfähigkeit, nachlässig im Defensivbund wird, ihn durch eigenes Angriffsspiel ausknocken. Dann nämlich könnte man Gegenstöße organisieren, muß allerdings zielsicher sein. Doch unsere Aufstellung war nicht passend für diese Aufgabe. Statt unseren bissigsten DM-Mann (Erdmann) eben dorthin zu beordern, spielte der im IV-Bereich, wo er anfangs mehrere Male mit dem wenig formstarken Bregerie ins Gehege kam, zudem mit Brunst einen neuen TW hinter sich wußte, was einige Stellungsfehler und wenig geordnetes Spiel nach vorn nach sich zog. Da auch Rother anfangs zu oft knapp den Schritt zu spät kam, auf den Außen aber das Zusammenspiel nicht funktionierte, sahen die Zuseher ein Lirumlarum-Spiel, bei dem Bielefeld in unserem DM-Bereich den Ball zirkulieren ließ, aber sehr wenige Chancen erzeugte, brotloses Geponge. Brunsts Abschläge kamen zwar beinahe immer zielsicher auf den Nüschel unseres Sturmführers, aber dessen Ablagen fanden keinen Abnehmer, was daran lag, daß weder Lohkemper noch Costly Spieler sind, die einen zweiten Ball gut festmachen können. Lohkemper kann Dreieckspiel, nicht aber den per Kopf abgelegten Ball behaupten, und Costly braucht den schnellen Ball in den Lauf oder Fuß, nicht aber einen unterwegs verhungernden hohen Ball, auf "dem Schnee liegt", wie Härtel kürzlich formulierte. Für eben diese Spielweise ist ein Paßgeber zwingend erforderlich, der von mir seit Jahren geforderte und durch seine Mitspieler abgeschirmte Aufdenballtreter, der scharf die Flügelspieler einsetzt. Unser Preißinger ist dieser Mann nicht. Seine Stärke liegt im Ballschleppen, auch im Abräumen im MF, auch in der läuferischen Präsenz. Er spielte heute besser als zuletzt, weil er das Ballschleppen weitgehend unterließ, aber einen gescheiten Paß habe ich nicht von ihm gesehen. Doch der Mann ist jung, vielleicht lernt er das noch. Wenn dann doch mal ein Ball zu Beck kam (außer denen von Brunst), konnte der diesen nicht festmachen. Das ist auch nicht seine Stärke, und so sollte er auch nicht eingesetzt werden. Er ist KEIN Verteiler, sondern der klassische Knipser, muß also, wie das EIN einziges Mal erfolgte, im Zentrum gesucht werden, allerdings nicht im OM-Bereich, sondern im MS-Bereich des gegnerischen Strafraums. Dort erst kann Beck seine Fähigkeiten entwickeln.
    Nun, ich war mit dem gestrigen Auftritt unserer Mannschaft zwar nicht zufrieden, aber doch halbwegs froh, daß wir die Null hielten und zu unserer bewährten Spielweise zurückzufinden scheinen. Wenn wir es itzt noch lernen, die genannten Mängel abzustellen, werden wir auch diese Liga rocken. ich freue mich schon auf den Tag, an dem die Gegner in der Pressekonferenz behaupten werden, sie hätten das Spiel gemacht, wir aber die Tore. So mote it be.

    Einzelkritik:
    Brunst gut. Präzise Abschläge. Gutes Strafraumverhalten. Kein Gegenspiel möglich. Seine Mitspieler trabten bei möglichem Gegenspiel in ihre Positionen. Zum Haareraufen, aber (noch) nicht seine Schuld. (2)
    Bregerie unter Form. Oft zu spät, wenig Effizienz im Paßspiel, Raumaufteilungsprobleme. Steigerte sich im Laufe des Spiels, aber gut war sein Auftritt nicht. (4) Erdmann für mich auf der falschen Position. Einige Fouls. Sah auch ein Handspiel im Strafraum. Ein Terrier, den wir im DM-Bereich besser gebrauchen können. (4) Schäfer schnell und oft als Ausputzer. Ohne Spiel nach vorn, sehr schlampige Pässe. (4)
    Butzen hielt seine Seite sauber. Sein Paßspiel lausig. Kein Zusammenspiel mit seinem Partner Costly. (4) Niemeyer auf der anderen Seite mit verhungernden Kleinkleinpässen, angestippten Knochenbrecherpässen. Einmal gut, was beinahe unsere Führung nach sich gezogen hätte. Traute sich offenbar nicht richtig. (4,5) Rother anfangs schwach, dann stärker, zum Ende gut. Hatte eine unserer wenigen Chancen, aber zum Knipser wird der nicht. (3,5) Preißinger heute mannschaftsdienlich. So nennt man diese Spielweise wohl. Aber ist das seine Funktion als ZM-Spieler? Nein. Er muß das Spiel an sich ziehen und unsere Außen schicken, damit die Beck bedienen können. Ihm traue ich von unseren Spielern am ehesten zu, Bälle festmachen zu können. Sollte sich also mit Beck absprechen, in seiner Nähe aufhalten, wenn Brunst abschlägt. (3)
    Lohkemper ohne Wirkung. Rannte und lamentierte, brachte aber keinen Paß zum Mann, kein Dreieckspiel, keinen Sturmlauf. Ich sehe gute Anlagen, aber es fehlt der letzte Wille. (5) Costly heute der beste Feldspieler - in Halbzeit I. Mehrere gute Aktionen, die aber allesamt Einzelleistungen waren. Zu ungenau im Zusammenspiel, auch Probleme mit den Räumen, was dazu führt, daß er sich festläuft. (3) Beck heute ohne großes Lamento. Gut so. Gewann viele seiner Kopfballduelle, fand aber keinen Mitspieler, der die behaupteten Bälle weiterverarbeiten könnte. Hier muß was passieren. Sein Posten ist der MS-Bereich, nicht der OM- oder IV-Bereich. (4)

  6. #6
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    FCM vs. MSV 3:3, 26.09.2018

    Das Spiel vor 18000 Zusehern fand bei schönstem Herbstwetter statt. Unsere anfängliche Nervosität führte auch zu einem Koordinationsproblem - bei fast allen Spielern, die entweder einen halben Schritt zu spät kamen, zu früh oder zu spät starteten und im Zentrum auch keinen Mitspieler fanden, der mal Ordnung ins Spiel bringen könnte. Das IST unser zentrales Problem, der fehlende Ordnungsgarant im ZM-Bereich, ein Spieler, der auf den Ball treten kann, Ruhe ausstrahlt, aber zugleich auch den Spielrhythmus bestimmt. Wenn er dann noch Pässe schlagen kann... Aber ich will nicht träumen. Solche ausbalancierten Spieler gibt es nicht, andernfalls hätte unsere Späherabteilung schon längst wenigstens einen gefunden und die sportliche Leitung unter Vertrag genommen. Finden wir uns also damit ab, daß wir zwar so spielen, als ob wir einen hätten, es aber diesen Spieler tatsächlich nicht gibt. Das ist wie das Warten auf Godot. Daß wir während der ersten Halbzeit die Spielkontrolle entwickeln konnten, bleib leider brotlose Kunst, denn weder Butzen noch Niemeyer fanden das entleerte Tor. Ihre Torschüsse sollten eines wenigstens schaffen, AUFS Tor kommen. Das war deprimierend. Ein Optimist würde itzt vielleicht meinen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich herausgespielte Chancen auch verwerten lassen wollen. Der Pessimist dagegen würde darauf verweisen, daß alle unsere Tore aus Standards resultierten, die mehr oder weniger schlitzohrig ausgeführt wurden. Beim ersten Tor reagierte ein Balljunge schnell, beim zweiten Tor stand die Mauer übel, dem dritten Tor ging eine Schiedsrichterfehlentscheidung voraus. Fortuna sei Dank! Mir ist es aber lieber, wenn wir unsere Tore herausspielen und nicht einer wie auch immer gearteten Glücksverheißung zu verdanken haben.

    Zur Einzelkritik:
    Brunst hätte auch mal einen halten können. Der Freistoß! Ja, war gut, aber war auch seine Ecke. Wenn ich Feijitzsch kritisiere, daß er die Torwartecke nicht zumacht, dann muß ich diesen Treffer Brunst auch ankreiden. Das erste war nicht zu verhindern. Das dritte Tor war ein halbes Eigentor. Ausgleichende Ungerechtigkeit, denn es war Handkes Rücken. (4)
    Handke schlecht am Mann, kaum Aufbauspiel, ohne Verve, aber einmal stand er goldrichtig. (4) Schäfer ungenau und verhaspelt. Damit nicht anders als seine Mitstreiter. Aber in der Abwehr ist so etwas besonders schädlich. (4,5) Bregerie mit einigen guten Pässen, denen aber das letzten Quentchen Genauigkeit fehlte. Doch die Abwehrorganisation ist wichtiger, noch wichtiger das Ausschalten von Gefahr in und vor unserem Strafraum - und das ist ausbaufähig. (4,5) Butzen ein Unruhefaktor. Hielt nach hinten weitgehend seinen Raum, machte aber zu viele Fehler im Aufbauspiel, im Zusammenspiel mit Bülter oder Costly ungenau und kraftlos. (4)
    Bülter gut im Einzelspiel, da dynamisch und bissig. Es fehlt nicht viel, um zu glänzen. Stark am Mann, schwach mit den Mannschaftskollegen. Sollte Dreieckspiel üben. Gutes Potential. (3) Rother unter Form. Stellte anfangs die Räume nicht zu und verdaddelte eine gute Chance. Wenig Genauigkeit im Spiel nach vorn. War neben Lohkemper erster Auswechselkandidat. (5) Weil ohne Wirkung. Konnte weder das Spiel an sich reißen, noch Pässe spielen, die ankamen, ungenau in den einfachen Zuspielen und unsicher im Raum. Das war keine Empfehlung. (5) Niemeyer neben sich. Keine Bindung, Probleme bei der Fixierung von Zeit und Raum, wenig Ansehnliches. Dabei blitzte immer mal sein Potential auf, doch heute nur als Stückwerk. Er hat Gespür für die Spielsituation und sollte einen festen Partner bekommen, mit dem sich Laufwege und Doppelpaßspiel üben lassen. (5)
    Lohkemper fehl am Platze.Keine Ballsicherheit, keine Zuspiele, keine Angebote für Mitspieler. (5,5) Costly in Halbzeit I ein Lichtblick, doch glücklos. Er zerrte an den Ketten und brachte sich immer wieder in den Diskurs. Schwächen bei den Zuspielen, aber dynamisch: Zug nach vorn. Braucht unbedint einen Paßgeber, andernfalls entwickelt er sich nicht. Als Verteidiger (Halbzeit II) verschenkt. (3)

    P.S. Eigentlich schreibe ich nichts über Wechselspieler, doch diesmal waren sie spielentscheidend. Ohne Beck und Türpitz hätten wir das Spiel verloren.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Ich habe das Spiel gegen Sandhausen [30. September 2018, 7300 Zuschauer, Endstand: 0:1 (Torschütze: Beck)] nicht sehen können. Aus Berichten schließe ich, daß wir zu unserer alten (erfolgreichen) Spielweise zurückgefunden haben sollen. Das bedeutet: hinten dicht, schnell durchs Mittelfeld, irgendwann mal steil zum Außen spielen, flanken, Tor machen, dann alle wieder zurück.

    Fußball ist ein einfacher Sport. Ich liebe ihn.

  8. #8
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    Post FCM vs. SGD 2:2, 6.10.2018

    Tore: Eigentor, Bülter

    23000 Zuschauer erlebten in der Arena ein spannendes Spiel. Häßliche Pufferblöcke verhinderten eine höhere Zuschauerzahl. Ich glaube, für dieses Spiel hätte die Heimmannschaft auch 40000 Karten verkaufen können. Die Sachsen spielten so, wie wir eigentlich spielen. Sie stellten sich hinten rein und wollten über ihre schnellen Angreifer das Spiel für sich entscheiden. Diese Taktik wäre auch beinahe aufgegangen. Ging aber nicht. Wir gerieten durch einen Stellungsfehler schnell in Rückstand, mußten also angreifen. Angreifen und Ballbesitzfußball sind zweierlei. Was wir gestern erlebten, war von unserer Mannschaft Angriffsfußball. Der Ball wurde relativ schnell im MF bewegt, leider aber zu oft aus dem Halbfeld mit geringer Erfolgsaussicht ins gegnerische Verteidigungszentrum geschlagen, wo die sächsische IV den Ball meist lange kommen sah und sich entsprechend positionieren konnte. Wir vermochten es nicht, hinter den gegnerischen Außenverteidiger zu kommen und dann zwei oder drei Optionen zum flanken zu haben, was schon sehr viel schwieriger zu verteidigen ist. So sahen wir zwar Angriffsfußball, aber zwingende Torchancen kamen dabei nicht heraus. Erst in der zweiten Halbzeit kam mit Bülter etwas mehr Schwung ins Außenspiel, zudem wechselte Hammann öfters die Position und Türpitz mimte die Thomas-Müller-Habachtgedächtnistaktik, was Gülle veranlaßte, sich noch tiefer aufzustellen, bei uns aber nun allmählich auch die Chancen energierte. Wenn wir es noch lernen, unserem schnellen Costly den Ball in den Lauf zu spielen und den zu einem beßren Flankenschläger modeln, sollte wir noch erfolgreicher auftreten können. So half uns heute das Glück. Ein scharf geschlagener Effetball Hammanns trudelte abgefälscht ins sächsische Tor, und ein von Bülter mit eigentlich wenig Schmackes geschobener Innenristball von der linken Strafraumecke schlug im äußeren rechten Eck des sächsischen Gehäuses ein, nachdem die Sachsen kurz zuvor einen Elfer versemmelt hatten. Hätte das Spiel noch fünf Minuten länger gedauert... Also 2:2.

    Zur Einzelkritik:
    Brunst sah bei beiden Toren nicht sehr gut aus. Immer aber um schnelles Gegenspiel bemüht, was heute schon besser als zuletzt klappte. (3)
    Schäfer mit Problemen. Stand öfter schlecht zum Ball, brachte auch wenig nach vorn. Muß sich steigern. (4,5) Handke hatte wenig zu tun, weniger als üblich. Konnte sich nicht auszeichnen. Seine Einwurfflanken fanden keinen Abnehmer. Im Vorwärtsgang wenig präzise. (4,5) Hammann mit einigen guten und etlichen weniger guten Szenen, v.a. während der seltenen gegnerischen Angriffe. Sehr gut aber war sein wechselndes Positionsspiel, das unserem Angriffsspiel gut tat. Vor dem gegnerischen Tor merkwürdig zapplig. Seine Standards werden wieder besser. (3) Erdmann im Kampfmodus. Defensiv sehr gut, offensiv mangelhaft, weil zu unpräzise, zudem verhungernde oder zu weit geschlagene Pässe. Gute Ansagen bei Gegnern und Mitspielern. (3)
    Butzen etwas verbessert gegenüber den letzten Spielen, aber immer noch gedanklich VOR dem Ball. (4) Rother mit großem Pensum. Spielt zu ungenau und nicht in den Lauf unserer Außen. (4) Ignjowski unauffällig. Lief viel und bügelte etliches aus. (3,5) Türpitz mit Leistungssteigerung, aber noch nicht da, wo er sein müßte. Mehr Absprache ist nötig. Steht zwei, drei Meter zu nah am gegnerischen Strafraum, um wirklich die zweiten Bälle gut verwerten zu können. (3,5)
    Costly konnte heute seine Qualitäten nicht ausspielen, seine Anwesenheit zwang aber seine Gegenspieler in eine tiefe Stellung, was unserem Angriffsspiel gut bekam, denn so gab es im MF Platz für die anderen Blau-Weißen. Am Ball viel zu hasplig. (4) Beck enfant perdu. Bei solcherart Flanken immer auf verlorenem Posten, denn der Ball hat ja Schnee auf der Kappe, bevor er auch nur in seine Nähe kömmt. War aber wie Costly immer präsent und letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis mal einer durchrutscht. Gestern leider nicht. Heute keine Allüren. Besser is. (3,5)

  9. #9
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Es läuft derzeit nicht rund beim Lieblingsverein der Ostfalen. Die Unkenrufer quaken, die Miesepröppel grummeln und die Besserwisser spötteln. Klar doch, der Verein mit dem geringsten Etat muß sich zwangsläufig am Ende der Tabelle wiederfinden. Genau! Wie in den letzten Jahren, als wir auch nicht aufgestiegen sind. Wie vor etlichen Jahren, als uns Schulden drückten und keiner einen Pfifferling für eine Mannschaft in der vierten Liga gab, die gerade glücklicherweise dem Abstieg entrinnen durfte, weil eine Ligareform diesen verhinderte. Puh! Glück gehabt. Doch dann gab es einen Aufschwung, der woran lag? Die gleichen Leute konnten plötzlich siegen, der gleiche Verein konnte plötzlich wirtschaften und die gleichen Zuschauer (und ein paar mehr) wurden im Stadion plötzlich laut. Es lag an einem Systemwechsel. Wir stand plötzlich im DM-Bereich stabil und fühlten uns von den Gegnern nicht mehr dazu genötigt, ihr Spiel mitzuspielen. Der Gegner wurde plötzlich zu einem gleichgültigen Objekt, den man anlaufen ließ, ihm auf den Füßen stand und nervte, bis man ihm dann selber durch blitzschnelles Außenspiel zusetzte, einen torhungrigen MS im Zentrum fand und die Spiele plötzlich gewann, was beim Gegner Verwirrung auslöste und zu Kommentaren führte, die ungefähr so klangen: "Wir waren besser, Magdeburg aber schoß die Tore..."
    Doch in der letzten Saison änderte sich das dann wieder. Anfangs pflegten wir noch unser bekanntgewordenes Spiel, auf das unsere Gegner keine Antwort wußten, zumal der Trainer auch personell wundertütete. Doch manchen reichte das nicht mehr, sie wollten Angriffsfußball sehen, Dominanzfußball, Ballbesitzfußball und dergleichen mehr. Wer so spielen will, braucht eine prall gefüllte Schatulle, weil die meisten Zuschauer so etwas sehen wollen, sofern sie nicht eingefleischte FCM-Anhänger sind. Doch da mit dem Erfolg auch zahlreiches erlebnisorientiertes Publikum ins Stadion strömte, Fernsehanstalten die Spiele des FCM bundesweit ausstrahlen und sich hier so etwas wie ein Integrationsdruck ausbreitet, sehen sich die sportlichen Segensträger mehr und mehr (auch unterbewußt) in eine Rolle gedrängt, die sie dazu zwingen soll, den Zirkus mitzuspielen, fußballerisch und finanzpolitisch, den die anderen Vereine in den höheren Ligen des DFB/DFL hier so veranstalten und der den deutschen Fußball nun so gar nicht weiterbringt: Kleinklein, Ballbesitz, Technik und Standardfetisch.

    Wenn wir unser Spiel nicht wieder zurück zu dem bewährten Stil führen, werden wir die Liga nicht beherrschen, sondern von ihr aufgerieben werden. Das bedeutet nicht, daß es Stillstand geben soll. Nein, jede Spielklasse höher stellt neue Anforderungen, meist höhere. Aber es liegt auf der Hand, daß wir den Zirkus nicht mitmachen können, der veranstaltet wird, sei es das Trainer-, Spieler- oder Beraterkarussell, das mit immer größeren Summen angetrieben wird und systematische Arbeit überflüssig zu machen scheint. Man justiert ein paar Stellschrauben, tauscht aber im übrigen Jahr für Jahr halbe Mannschaften und/oder den Trainer aus, bis sich ein solider Mittelfeldplatz einstellt, manchmal auch ein wenig mehr. Industrielle Akte in der Vergnügungsindustrie, die keine Ziele kennt, nur das eine, sich selber zu erhalten und damit ihrem gesellschaftspolitischen Auftrag nachzukommen, das Volk bei Laune zu halten, damit es nicht über andere Dinge nachdenkt oder sich vielleicht kraftvoll in eben jene anderen Dinge einmischt.

    Die ständigen und für Außenstehende zumeist wenig nachvollziehbaren Wechsel im IV-Verbund verunsichern die Innenverteidigung. Kerzen, kaum passables Spiel von hinten und Probleme bei der Absprache, wer wen wann zu nehmen hat, sind die Folge. Ein Mann wie Schiller wird schmerzlich vermißt, der durch Stellungsspiel und körperliche Präsenz dem Gegner, auch wenn der schneller war, zu verstehen gab. "Du kömmst hier nicht durch!" Weder Bregerie noch Müller erfüllten die Erwartungen. Der Trainer macht nicht klar, wer welche Rolle zu spielen hat, setzt wohl, wenn ich das richtig deute, auf Schnelligkeit statt auf Gegnerbespielung. Mit Schnelligkeit aber wächst keine Sicherheit, mit einer strukturierten Abwehr dagegen schon, einer Abwehr, bei der jeder weiß, wann er wo was zu tun hat. Das bedeutet v.a. die Notwendigkeit des Sicheinspielens, nicht aber die des Wechsels, der seine Beständigkeit hat.
    Im Mittelfeld dagegen gibt es keinen Plan. Wir sollten dem Gegner im DM-Bereich auf den Füßen stehen und nicht mitzuspielen versuchen. Der Ball gehört nach unten, er gehört dem schnellen Außen in den Lauf oder in den Fuß, nicht aber als Hochflugball auf den Kopf oder halbe Höhe. Unendliche Kopfballstaffetten, kaum Dreieckspiel, fehlendes Spiel auf die Außen und eine zumeist zu weit aufgerückte Abwehr lassen unser Spiel unansehnlich wirken, weil wir verkrampft versuchen, Dominanz auszuüben, die uns schlecht zupaß kommen muß, schaut man sich die Zahlen des Marktwertes der einzelnen Spieler an. Das hat doch Gründe, daß die anderen Mannschaften höher bewertet werden! Unser Weg kann es nicht sein, diese Zahlen ad absurdum zu führen, sondern nur so, durch Mannschaftsgeschlossenheit individuelle Mängel wettzumachen und dann mit Hilfe eines wuchtige Trotzdem dem Gegner den Zahn zu ziehen. Soll der doch am Ende das Gefühl haben, besser gewesen zu sein. Das kann uns egal sein. Unser Spiel DARF es nicht sein, durch Kleinklein und technische Feinheiten zum Erfolg kommen zu wollen. Unser Spiel muß in der Athletik und in der besseren Taktik seinen Erfolg suchen, nicht unbedingt im Konterfußball, denn der ist auch leicht ausrechenbar, wenn eine Mannschaft ihn strategisch einsetzt.

  10. #10
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Neuer Trainer in Magdeburg, Oenning. - Dem sportlichen Vorstand war es wohl anscheinend nach der jüngsten Heimniederlage (2:3 gegen Regensburg) zu wenig an Entwicklung im Kader. Verständlich, zugleich aber auch beschämend, denn die Diskussion darüber, ob Härtel auch in Liga II der Mannschaft Impulse und eine sportliche Wegrichtung würde geben können, mußte bereits im Sommer geführt werden.

    Der neue Mann ist in Magdeburg unbekannt, hat hier keine Verbandelungen, sieht man einmal von A. Müller ab, der ihn sicherlich als großer Freund des HSV erleben durfte. Aber Oennings Zeit in HH ist nun auch schon sieben Jahre vergangen. In der Zwischenzeit trieb er sich u.a. in Ungarn herum, trainierte dort den einstigen Erstligaklub Vasas, der nun, in der zweiten (ungarischen) Liga im MF herumdümpelt, die, sportlich berachtet, wohl am ehesten mit unserer Regionalliga zu vergleichen sein dürfte. Vasas verlor vier der letzten fünf Spiele. Oenning muß also der richtige Mann für uns sein. Das betonte er auch auf der Pressekonferenz, auf der er geschickt seine mutmaßliche Erfolglosigkeit im deutschen Profifußball mit dem Hinweis darauf zu kontern wußte, daß er so ziemlich jede Ebene im deutschen Profifußball kennengelernt habe, nunmehr aber beim FCM diese Erfahrungen auch würde einbringen können.
    Nun ja, Euphorie verbreitet er also nicht, um es freundlich auszudrücken. Seine ersten Trainingseinheiten bestanden in einem Wechselspiel aus Kleinklein und Flachpaßübungen. Grundlagentraining. Nun ja, ich verkneife mir hier eine Vorabbewertung, möchte abwarten, wie er auflaufen läßt und welche taktischen Veränderungen er vornimmt. Auf der Vorstellungspressekonferenz sprach er das Wort "Angriffsfußball" aus. Mir wird angst und bange, wenn ich dieses Wort mit unserem Spielerkader in Übereinstimmung zu bringen versuche. Aber, wie gesagt, ich warte die ersten drei Spiele ab, bevor ich mich darüber tiefergehend äußere.

  11. #11
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    Greuther Fürth vs. FCM 3:2, 23.11.2018

    Das erste Spiel unter dem neuen Trainer Oenning bei Greuther Fürth endete 2:3. Wir machten die gleichen taktischen Fehler wie gegen Regensburg und den einen strategischen, der uns in dieser Saison schon viele Punkte kostete: wir wollten gegen eine Mannschaft Dominanz ausüben, deren Marktwert um ein Mehrfaches über dem unserer Mannschaft liegt. Falsch verstandener Größenwahn!
    Wir spielten ansehnlich, auf technisch hohem Niveau, aber machten drei spielentscheidende Fehler:

    1. die Langbälle wurden meist überrissen, blieben also in der Luft stehen und drehten sich zum Paßgeber, was der Verteidigung zu viel Zeit ließ, sich zu postieren - außerdem fehlte es den Pässen an Länge - man vergleiche dagegen das Paßspiel Ernsts, der die Lang-Bälle mit Vollspann spielte;
    2. unser Torwart hält keine schwierigen Bälle, sein Gegenüber (heute) dagegen schon und
    3. wir vergaben zu viele unserer Chancen (unser Gegner nutzte seine).


    Daß wir nach unserer Führung nicht in eine Konterstellung gingen, mochte ja noch angehen, aber eine Versteifung unseres DM-Bereichs hätte bitter notgetan. Statt dessen wechselte Oenning falsch und brachte mit Berisha einen zweiten Stürmer vom Typ "Beck", der keine einzige Szene hatte, sich zu zeigen. Statt dessen brachte er mit Costly einen Stürmertyp, der keine einzige Kontersituation erzeugte oder erhielt, weil es niemanden im DM-Bereich gab, der eine solche hätte initiieren können. Das Foul Rothers vor dem 2:2 war überflüssig und wurde in einer Spielzone begangen, in der man nicht foult. usw usf

    Die Niederlage schien unglücklich zu sein, befanden nach dem Spiel die meisten neutralen Beobachter, aber ich muß da schon die Frage stellen, ob das in vier von fünf Spielen nicht wieder geschehen würde, also mit einer Mannschaft geschehen würde, deren Nennwert so deutlich unter dem ihres Gegners liegt und die taktisch so spielt, wie wir es in Fürth taten: auf Dominanz bedacht, ohne Ergebnissicherung, ohne zubeißenden DM-Bereich, ohne klar erkennbares Flügelspiel und ohne Effizienz bei der Chancenverwertung. Der Lohkemper allein hätte drei Tore machen müssen und machte dann aus einer schwierigen Situation (nur) ein wunderschönes Tor.
    Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man den Gegner kommen läßt, ihm den Zahn zieht und dann auskontert.

  12. #12
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Um es mit Tuvoks Worten zu sagen: Ich erlebte am Sonntag ein paradoxes zustandsabhängiges Assoziativphänomen. Unser 0:0-Spiel gegen Bochum war ein paradoxes Ereignis, weil man von einem neuen und offensiv spielen wollenden Trainer, wie ihn die sportlichen Vorstände der Öffentlichkeit verkaufen, doch erwarten dürfte, daß er eben offensiv spielen läßt und nicht auf ein 0:0 orientiert. Zustandsabhängig war dieses Phänomen, weil man als Anhänger des FCM nun schon einigen Kummer in den Heimspielen dieser Saison gewöhnt ist und sich nicht darüber wundern darf, daß zuerst einmal die Null stehen sollte und schließlich hängt damit auch das Assoziativphänomen zusammen, daß die Spielweise doch sehrlichst an die unserer erfolgreichen beiden letzten Spieljahre erinnerte - und jene waren keine erfolglosen Jahre. Warum also einen Trainerwechsel vornehmen? Sehen wir Freunde des schönsten Spiels der Welt großherzig darüber hinweg, daß es keine Tore gab und sehen wir auch darüber hinweg, daß die meiste Zeit der Acker im HKS umgepflügt wurde, es wenig Spielfluß gab und noch weniger Gelungenes. Wir haben einen Punkt errungen und sind ohne Gegentor geblieben. Darauf läßt sich aufbauen. Nun sollten wir gegen die Rostigen einen drauflegen!

  13. #13
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    Post Jahresrückblick auf die GdW

    Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: 2018 war ein erfolgreiches Jahr für den Lieblingsklub der Ostfalen. Wir stiegen auf, wir blieben schuldenfrei, wir konnten unsere Infrastruktur auf niedrigem Niveau entwickeln, wir haben an Bedeutung im europäischen Kontext gewonnen und schließlich konnten wir zum ersten Mal nach der Wende einen Titel von einiger Bedeutung gewinnen, wurden Drittligameister.

    Aber ein Rückblick ist nicht nur der Zeitpunkt für hymnisch-euphorisches Mäandern, sondern v.a. der für einen kritischen Blick, eingefaßt in die Hoffnungen aufs Kommende.

    Kritik ist in Hinsicht auf eine sportliche Entscheidung zu üben: Statt das bewährte magdeburger Spiel der gepflegten Spielzerstörung des Gegners konsequent auch für höhere Ligen weiterzuentwickeln, stach die sportlich Verantwortlichen der Hafer und bewirkte eine Anpassung an die Spielweise der meisten anderen Mannschaften im bundesdeutschen Profifußball, also eine Hinwendung zu Klein-klein-Spiel, dem Versuch einer spielerischen Dominanz und überbordendem Mannschaftsspiel, dem Fußball totale, wie ihn der Zeitgeist offenbar einzufordern gedenkt. (Man weiß nicht, was der will.)
    Der Paradigmenwechsel muß schiefgehen, denn war es doch bislang Methode, Trainer unserem Spiel anzupassen resp. nur Trainer zu verpflichten, die zwar Originale waren, die aber nicht dem System des bundesdeutschen Effektfußballs huldigten, sondern die Stärken einfachen Fußballs, wie er in Magdeburg verstanden und gefeiert wird - Athletik, Kraft, Schnelligkeit, Ehrlichkeit und Effizienz - durch Beharrlichkeit, ja Sturheit systematisch weiterzuentwickeln, gemäß dem Geldbeutel (Neuverpflichtungen) und dem Talent der Nachwachsenden.
    Es ist uns in den letzten Jahren nicht gelungen, sogenannte local boys in die Profimannschaft einzugliedern. Da unsere U 19 Juniorenbundesliga spielt, ist das sehr verwunderlich, daß die Einbindung hier ausgebildeter junger Spieler nicht gelingt. Das leidige Argument, die Jungs seien noch nicht soweit, kann ich nicht gelten lassen. Die meisten Menschen, besonders der ostfälische Menschenschlag, wachsen an ihren Aufgaben; traut man ihnen die Erfüllung anstehender Aufgaben nicht zu und betraut damit Fremde, wirkt das nicht nur demotivierend, sondern in Hinsicht auf die weitere Jugendarbeit zersetzend. Wenn Jahr für Jahr Aushäusige geholt werden, meist sogar welche von den Resterampen anderer Ligen, muß ich mich doch sehr wundern, ob da nicht vielmehr die bundesdeutsche Beraterlobby ihre Hände im Spiel hat. Nun mißverstehe man mich nicht; unter den Geholten war manches Juwel, war mancher, der in seinem Heimatverein das gleiche durchleben mußte wie etliche bei uns. Wenn die Beraterlobby nicht ihre Hände im Spiele hat, dann muß wohl der bereits im Altertum gängige Spruch hier seine Wirkung tun: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Der richtige Ansatz liegt darin, Jahr für Jahr ein oder zween gute Spieler zu holen und um diese geeigneten Meister junge eigene Spieler zu gruppieren, die mehr oder weniger die Wasserträger sind, uffm Spielfeld. Und wenn es nicht genug gute (geeignete) Spieler aus der eigenen Jugend geben sollte - was soll's! Unser Verein muß Authentizität besitzen und die baut sich nicht dadurch auf, daß eine Wischiwaschidurchschnittstruppe, diktiert von den finanziellen Möglichkeiten, jahrein, jahraus aufgestellt wird - so wie das beinahe alle anderen Mannschaften auch tun. Alternativlos ist ein Unwort. Es gibt immer eine Alternative!
    Und damit bin ich beim Grundsätzlichen. Meine Liebe zum FCM wird gespeist aus meinem Naturell und dem Wunsch nach Eigentümlichkeit. Meine Zueignung dem Fremden, einem Freund, den ich noch nicht kenne. Aber wie dem begegnen, wenn nicht mit dem, was ich selber dem Wesen nach bin? Also geht es um Alleinstellungsmerkmale. Einige werden bleiben für die Ewigkeit, andere müssen im täglichen Kampf immer wieder neu erobert werden. ich würde meine Liebe verlieren, wenn aus dem FCM etwas Durchschnittliches werden würde, etwas, das ihn verwechselbar mit anderen Vereinen machte, z.B. dadurch, daß in seinen Reihen ausschließlich Spieler spielen, die keinen Bezug zu Ostfalen haben, die bunt zusammengekauft worden sind, weil ein x-beliebiger pragmatischer Grund dies den Verantwortlichen befahl. Die Gefahr ist groß, daß genau das passiert: sportlich und wirtschaftlich. Das bedeutet nicht, daß nicht Aushäusige zu Inhäusigen werden können. In den letzten Jahren erlebten wir diesen Prozeß bei Beck, Schiller, Hammann oder auch Butzen - und hätte man Kinsombi noch über die Leihfrist halten können, hätte ich mir das auch für ihn vorstellen können. Aber leider wird viel zu sehr nach reinen ephemeren Kriterien im sogenannten kurzlebigen Fußballgeschäft gehandelt. Wir schicken viel zu schnell Leute wieder weg, veranstalten dümmliche Leihgeschäfte mit Vereinen, die nur eines im Sinn haben, ihr eigenes Fortkommen, und verzichten auf die Ausgestaltung unseres arteigenen Spiels. Klar, wie sollten wir das auch mit Spielern perfektionieren, wenn die halbe Mannschaft jahrein, jahraus ausgetauscht wird?
    Ich möchte mehr Kontinuität bei der sportlichen Entwicklung; ich erwarte einen Verzicht auf dieses dümmliche Mitspielenwollen, auf Klein-klein und auf Ballbesitzfuißball. Das lag uns noch nie. Ich drücke unser Spiel mal ganz einfach aus, damit es jeder versteht: wir stehen tief, lassen kommen, stehen auf den Füßen der Gegner, machen sie mürbe, machen ihnen Ansagen, bleiben immer fair, sind aber hart. Dann schlagen wir zu. Spielen den schnellen Ball über außen, schlagen zwei Haken, flanken und versenekn die Molle. So geht unser Fußball, ein athletischer und wenig virtuoser Fußball, der aber auf gute Techniker nicht verzichtet, sofern sie einen Ball in den Fuß zu schlagen wissen. Und genau das erwarte ich von unserer Mannschaft in der zweiten Halbserie. Dann wird das schon.

  14. #14
    Resurrector Avatar von aerolith
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    FCM vs. Wismut 1:0

    Wahrscheinlich gab es gestern bei uns noch nie so viele Zuschauer gegen Aue. Ich erinnre mich an Zeiten, da kamen nicht mal 10000 gegen die Kumpel aus dem Erzgebirge. Meist waren es zähe Angelegenheiten. Die Kumpel stellten sich hinten rein und ließen uns machen. Vorn hatten sie ein, zwei starke Stürmer, ihre sportliche Überlebensgarantie.
    Das Spiel gestern erinnerte mich in vielem an diese Zeiten, wenngleich es doch einige Unterschiede gab, die aber weitgehend der allgemeinen Entwicklung des Fußballsports geschuldet sind: das Spiel heutzutage ist schneller, es setzt weniger auf 1:1-Situationen, es geht nicht um solides Aufbauspiel, sondern um Tikitaka und v.a. wird heute der Torwart zu einer Art Ersatzlibero, wobei Liberospiel bei den meisten Mannschaften der Liga weitgehend verpönt ist. Der mitspielende Torwart hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil liegt sicherlich darin, daß mit ihm quasi ein eilfter Feldspieler entsteht, der gesucht und gefunden werden kann und so das Spiel von hinten aufbaut. Ein Nachteil liegt darin, daß das Spiel durch ihn verrückt wird, die gegnerische Mannschaft ihn zustellen kann, angreift und so in Noth bringt und irgendwann auch die Initiative gewinnen wird. Ein mitspielender Torwart ist letzter Mann; versagt er, so gibt es meist ein Gegentor.

    Wir machten das gut, griffen beizeiten an und verunsicherten die Erzgebirgler, die sich zwar gut aufgestellt wähnten, aber doch auch etliche Fehler machen mußten, da wir draufgingen. Wenn wir es noch lernen, den Ball nicht halbhoch (Schienbeinhöhe) dem Mitspieler zuzuspielen und wenn das Dreieckspiel noch raumgreifender wird, weniger verhaspelt, wenn wir die endlosen Kopfballstaffetten unterlassen, dann Schnappathmung bei den Gegnern. Wette ich! Dabei fügten sich die Neuen gut ein. Kirchhoff verlor zwar etliche Zweikämpfe, dominierte aber dennoch den defensiven Mittelfeldraum und organiserte unser Abwehrspiel so, daß die Erzgebirgler nur anfangs zu einigen guten Chancen kamen, die aber allesamt knapp an unserem Gehäuse vorbeizischten. Perthel hielt seine Seite sauber und konnte einmal sogar einen guten Paß zu Beck spielen, der mustergültig in den Lauf von Lohkemper weiterleitete, was der genau so braucht. Tor! Rückzug, Genossen! Und so taten wir es dann auch, ließen nun den Gegner anlaufen, hielten aber vorn so gut drauf, daß der Gegner irgendwann entnervt aufgab. Zwar schwammen wir in den letzten Minuten bei nachlassenden Kräften noch einmal, da müssen wir einfach noch mehr Ruhe am Ball gewinnen, aber das System funzte.

  15. #15
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    FCM vs. Kiel 1:1, 10.2.19

    Das Spiel der Ostfalen gegen die Holsteiner endete vor 19704 Zusehern bei naßkaltem Wetter um den Gefrierpunkt unentschieden. Gähn! Es war nicht so, daß beide Mannschaften damit zufrieden gewesen wären. So me. Man bemühte sich. Die Holsteiner gingen aus einer leichten Konterstellung ins Spiel, bissen dann aber zu. Nachdem wir das mitbekommen hatten, spielten wir vorsichtiger, standen zehn Meter tiefer und gingen vorn nicht mehr so vehement drauf wie am Anfang des Spiels, als wir dem beinahe schon arrogant wirkenden kieler Tormann doch gut zusetzten. Das hätten wir weiter machen sollen, nicht nur so halbherzig wie nach dem Gegentreffer. Im defensiven MF fehlte Kirchhoff, so daß es uns an Ordnung mangelte, die von Preißinger (4,5) und Hammann (3,5) nicht hergestellt werden konnte. Hammann spielte so etwas wie einen Libero und nahm im Vorwärtsgang immer wieder die Rolle des Paßgebers ein. Preißinger versuchte sein Glück mehrfach mit dem Ball am Fuß durchs MF. Beides war nicht sehr erfolgreich, wenngleich mir Hammann hier mehr gefiel, zumal er sehr abgeklärt spielte. Lohkemper (4) verstolperte Chancen, Tirpitz, äh, Türpitz (3) versenkte eine. Gut so! Auf den Außen versuchten sich Bülter (2,5) mit ansehnlichem Spiel, und er sicherte auch gut nach hinten ab; Niemeyer (3,5), mit anfangs schwierigem Stand gegen die bissigen Holsteiner, dann auch mit guten Szenen im Vorwärtsgang, wenngleich ihm des öfteren der halbe Schritt zum ganz großen Glück fehlte. Beck (3) hing heute nicht in der Luft, er war integriert, spielte einen hinten aushelfenden, spielaufbauenden Halblinksstürmer. Weiß nicht, ob das die Rolle sein sollte, die für ihn die effizienteste ist. Fehlen noch Müller (3,5), der unauffällig spielte, zuweilen rettete, aber das ist sein Job. Erdmann (3) holte sich eine unnötige Gelbe im MF ab, war aber gut aufgestellt und konnte sich auch im Vorwärtsgang gut behaupten. Stellt inzwischen das spielaufbauende (riskante) Paßspiel ein, was gut ist, denn seine Stärke ist das nicht. Fehlt der Torwart, Loria (4), der Schwächen in der Strafraumbeherrschung zeigte und lange Bälle meist zum Gegner spielte, die kurzen aber zum eigenen Mann brachte. Unser Lothringer, Laprevotte (4,5), spielte unauffällig, so daß ich ihn beinahe vergessen hätte. Seinem Spiel fehlt es an Präzision. Das wird auch nicht mehr besser, denke ich. In diesem Bereich unseres Spiels haben wir den meisten Nachholbedarf, sind wir zweitligauntauglich.
    Das Spiel war ansehnlich und unterhaltsam, doch wir müssen erst noch ein paar Punkte holen, bevor wir uns der Ansehnlichkeit des Spieles selber widmen dürften.

  16. #16
    Kurzvormabschussiger Avatar von WirbelFCM
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Gute Einschätzung, die isch auch mit meinem Eindruck deckt

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Arminia Bielefeld vs. FCM 1:3, 17.02.19

    Das Spiel der Ostwestfalen gegen die Ostostfalen endete mit einem Sieg der Mannen vonner Elbestadt. Die sympathischen Gastgeber begannen stark, rannten sich aber an unserer Abwehr fest, erspielten kaum Chancen. Wir standen anfangs sehr tief, ließen den Gegner kommen und besaßen in dem gut aufgelegten Lohkemper einen Angreifer, der die Ostwestfalen ständig beunruhigen mußte. Kirchhoff gewann die meisten seiner Zweikämpfe, v.a. war er in der Lage, unser Spiel auch zu ordnen. So entstanden aus dem DM-Bereich zahlreiche Angriffe. Wir unterließen überflüssiges Kopfballspiel, auch das sinnbefreite Gekreise im MF-Bereich und zogen schnell vom MF-Bereich entweder zielstrebig direkt zum gegnerischen Strafraum oder über die Außen, wobei Bülter gut spielte, Perthel dagegen Schnelligkeitsnachteile gegenüber seinem Gegenspieler besaß, sich aber in die Aufgabe hineinbiß. Die Ostwestfalen besaßen niemanden, der das Spiel lesen konnte, jedenfalls nicht auf dem Spielfeld. Wir dagegen schon. Das Spiel kippte. Wir bekamen Oberwasser und erspielten zahlreiche Chancen, man nennt das wohl die "bessere Spielanlage". Daß eines der beiden Tore inner ersten Halbzeit nach einer nicht geahndeten Abseitsstellung, folgender Notbremse, roter Karte und Freistoß fiel, ist da akzidentiell. Die Substanz unseres Spiels erzeugte solche Situationen im Minutentakt.
    In der bielefelder Halbzeitkabine muß es wohl gescheppert haben, währenddessen in unserer mutmaßlich einige voreilig am Sektkelch nippten. Ein Mann mehr, zwei Tore vorn, was sollte da schon groß passieren? Denkste. Die Ostwestfalen spielten plötzlich wie aufgezogen und drängten uns zu Zehnt in die Defensive. Wir konnten kein Überzahlspiel organisieren. Unser Trainer wechselte dann auch noch falsch ein, brachte einen Konterspieler statt jemanden, der auf den Ball treten und den auch mal vertikal verteilen könnte. So muß man nämlich in Überzahl spielen und nicht einen auf Konterspiel machen. Wir spielten aber nicht so und hatten am Ende Glück. Wir haben da viel zu lernen, müssen im Spiel die Rhythmuswechsel noch besser beherrschen und es schlichtweg lernen, Ruhe ins eigene Aufbauspiel zu bekommen. Damit meine ich nicht, langen Hafer zu spielen.
    Nach diesem Sieg sind wir itzt nur noch fünf Punkte von Gülle entfernt. Die Meisterschaft gewinnen wir, wenn wir vor ihnen einkommen und außerdem noch wenigstens zwei andere Mannschaften hinter uns stehen. Alles andere ist in dieser Saison nebensächlich. Gehen wir es an!

    Zur Einzelkritik:
    Loria mit Unsicherheiten beim Herauslaufen. Spielte gut zum eigenen Mann und strahlt trotz seiner Unsicherheiten mehr Sicherheit als Brunst aus. Gut im Spiel gegen den Mann. (3,5)
    Müller unauffällig, hart am Mann und solide in seiner ganzen Erscheinung. (3) Erdmann mit einigen Problemen, oft auch an Stellen auf dem Spielfeld, wo ich ihn als IV eher weniger häufig sehen möchte. Gute Ansagen an die Gegenspieler. (3) Perthel mit Eingewöhnungsproblemen: stand oft falsch, war kaum ins Angriffsspiel eingebunden, wirkte gegenüber seinen Gegnern langsam. Besitzt aber Biß und hat ein gutes Auge. Technisch gut. Könnte was werden. Schönes Freistoßtor. (3,5) Bülter mit Anfangsproblemen und einigen Fehlpässen. Spielt mir ein wenig zu riskant, v.a. als Abwehrspieler. Es ist allerdings (meist) eine Freude, ihn spielen zu sehen. (3)
    Kirchhoff anfangs stark, dann nachlassend. Konditionsprobleme? (3,5) Laprevotte sah ich so gut wie nie. Die graue Eminenz in unserem MF. Daß wir anfangs kaum etwas zuließen, war auch sein Verdienst. Dann abbauend und keineswegs der Mann, der ein Spiel lesen kann. (4) Türpitz ist ein Spieler, der in Szene gesetzt werden muß. Beileibe kein Arbeiter. Ist also immer dann stark, wenn es beim Rest der Mannschaft gut läuft. Läuft es nicht gut, kann er auch nichts machen. Und so war gestern auch seine Leistung. Hatte gute Szenen, als es bei uns gut lief und paßte sich unsrem unsicheren Spiel an, als es bei Bielefeld besser lief. (4.5) Preißinger solide und fleißig. Paßt gut zu Kirchhoff. Von ihm kann das noch nicht erwartet werden, daß er den Rhythmus bestimmt. (3)
    Beck bienenfleißig und immer in Situationen, die für den Gegner hätten gefährlich werden können. Mir allerdings wäre es lieber, er würde als Zielspieler vorn ausgemacht werden können, quasi blind. Aber der Trainer setzt ihn anners ein. (3) Lohkemper in der ersten Halbzeit sehr gut, dann nachlassend, was aber auch daran lag, daß wir kaum noch Fußball spielten, sondern den Gegner spielen ließen. (2)

  18. #18
    Resurrector Avatar von aerolith
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    FCM vs. Paderborn 1:1, 24.02.2019

    Zuseher: 20200, 12°C, sonnig
    Tor: Preißinger

    Das Spiel der Ostfalen gegen die Ostwestfalen endete unentschieden: ein gerechtes Ergebnis in einem Kampfspiel, aber nicht das, womit wir zufrieden sein sollten. - Wir gingen vom Anpfiff an gut drauf und verunsicherten die Hintermannschaft des Gegners, der partout von seinem Kleinklein bei der Spieleröffnung nicht abgehen wollte, nachdem es sich einige Male gezeigt hatte, daß wir da aggressiv gegenhielten. Eine dieser Situationen führte auch zu unserem Tor. Wir gingen drauf, die Ostwestfalen versuchten es mit der riskanten Variante bei der eigenen Spieleröffnung, ein wenig zu überheblich, wir schnitten die Laufwege ab, erhaschten den Ball, ein placierter Schuß ins Eck: Tor. Doch statt weiters draufzugehen, zogen wir uns ein wenig zurück, besaßen nicht die Eier, das anfangs so erfolgreiche Spiel fortzusetzen. Wir hätten hier den Sack schon zumachen können. Statt dessen ließen wir den Gegner kommen, der Spielsicherheit gewann und das machen konnte, was eine Mannschaft, die ungefähr dreimal so teuer wie unsere sein dürfte, eben besser kann: Spielgestaltung. Die Einzelteile der gegnerischen Mannschaft wirkten allesamt athletisch und technisch beschlagen. So einen Gegner darfste nicht ins Spiel kommen lassen. Daß der Ausgleich dann durch einen Sonntagsschuß erfolgte, ist nebensächlich, denn eine der zahlreichen vorigen Chancen hätte schon zum nicht unverdienten Ausgleich führen müssen. So stand Niemeyer mal wieder zu weit weg von seinem Gegenspieler, der die Einladung annahm und die Molle per Volleyschuß unter die Latte hämmerte. Der Trainer brachte den seit Wochen unter Form spielenden Costly, der dann auch das tat, was er eben zur Zeit so kann: Er verstolperte die Bälle, haute die Molle am Tor vorbei und fand keinen Kontakt zu seinen Mitspielern. Weiß nicht, was der Trainer da in ihm sieht. Da sind noch andere Spieler, die mal ne Chance verdient hätten.
    Daß wir nicht gewannen, lag aber v.a. an einer falschen Mentalität. Wenn man einen Gegner im Zustand der genervten Erregung hat, wie wir die Paderborner kurz vor und kurz nach unserer Führung, darf man ihn nicht aufbauen, indem man sich zurückzieht.

    Zur Einzelkritik:
    Loria spielte inner ersten Halbzeit gegen die Sonne. Prompt wurde er ständig dazu gezwungen, gegen die Sonne den freien Mann in der gegnerischen Hälfte anzuspielen. Wie sinnbefreit! Das kann Loria schon nicht, wenn er die Sonne im Rücken hat. Spielte stark gegen den Mann, hat, wie bereits bekannt, Schwächen beim Herauslaufen. Das Gegentor war nicht seine Schuld. (4)
    Perthel anfangs stark. Setzte seinen Körper gut ein und brachte einige gute Pässe zum Mitspieler. Dann nachlassend. (3,5) Erdmann um Disziplin bemüht. Stocherte mehr, als daß er kraftvoll sein Revier markierte. Vorn im Pech. Paßspiel eher lausig. (4) Müller der Ausbügler. Lief hinten vieles ab und war dort, wo es brannte. Kein Paßspiel nach vorn. (3,5) Bülter heute disziplinierter, aber zu oft hinterherhechelnd. Stand schlecht. Im Zweikampfverhalten sehr gut. Paßspiel eher durchwachsen. (3,5)
    Preißinger anfangs stark, dann mit Kraftproblemen. Besser einteilen. Muß die Bälle noch besser verteilen lernen. Im DM-Bereich macht das Kirchhoff, aber sein Bereich ist die Nahtstelle zwischen ZM und OM. Hier läuft er noch zu oft mit dem Ball am Fuß, statt ihn vertikal dem Mitspieler in den Fuß zu placieren. (3) Kirchhoff anfangs zurückhaltend, dann präsenter. Lichte Momente, auch im Zweikampfverhalten präsent. Schwächen bei der Rhythmusbestimmung. Hätte die Spielsituation besser nutzen müssen, seine Mitspieler entsprechend instruieren. Hoffe, er bekommt seine Gesundheitsprobleme in den Griff, denn die sportliche Richtung stimmt. (3) Auf Laprevottes Verhalten habe ich heute besonders geachtet, da unser Lothringer mir zu oft durch die Lappen schlüpft. Er stand anfangs gut, zwar ohne konstruktive Impulse im Spiel nach vorn, aber bärenstark gegen den Gegner und sehr gut beim Verstopfen der gefährlichen Fluglinien und Laufwege. Dann ließ er aus mir nicht bekannten Gründen nach und spielte zehn Meter zu weit hinten. Anweisung? (4) Türpitz ohne Wirkung. Lag viel. (5)
    Lohkemper mit starkem Beginn. Bekam aber keine brauchbaren Bälle, mußte sich vieles selber erarbeiten, wie es so schön heißt, wenn man das eigene MF nicht direkt kritisieren möchte. Der letzte Paß saß nicht. (3,5) Beck der Zielspieler Lorias, der ihn auch ab und zu erwischte, doch warum sollte er Beck anspielen, der von zwei Gegnern eingerahmt wurde? Spiel auf engem Raum ist nicht unbedingt seins, dennoch mit einigen schonen Pässen und Spiel. (3,5)

  19. #19
    Kurzvormabschussiger Avatar von WirbelFCM
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Gute Einschätzung, zwei Sachen muß ich aber ergänzen bzw. revidieren: Preißinger hat mir sehr gut gefallen, nicht nur wegen seinem Tor, sondern v.a. wegen zwei "Blutgrätschen", als er dem Gegner im MF hinterherhechelte, der eigentlich schon2-3m weg war und ihm dann aus im Grunde völlig unmöglicher Situation SAUBER (!) den Ball abgrätschte, als ich gedanklich schon ein Blutbad auf dem Platz sah :D

    Und auch Niemeyer muß ich beim Gegentor ein bißchen aus der Kritik nehmen: er war nur der Dumme, der (vergeblich) versuchen mußte, das riesige Vakuum vor unserem Tor auszufüllen: Müller stand am kurzen Pfosten, der Earthman campte an der Strafraumgrenze und so mußte Niemeyer zwangsläufig seine Position linksaußen verlassen den langen Pfosten abdecken, weshalb er dann bei der Megaflanke des Ostwestfalen, der Bülter vorher mustergültig vernascht hatte wie eine Edelnutte, keine Chance hatte, den Ball zu erreichen. Daß der Schütze dann so einen Volleyschuß auspackt, könnte man jetzt als Sonntagsschuß bezeichnen, aber zum einen fand das Spiel halt an einem Sonntag statt und zum anderen sollte inzwischen bekannt sein, daß die Gewürze-IM-und Exporteure gefühlt die Hälfte ihrer 54 Saisonbuden mit solchen Granaten erzielt hat. Dumm gelaufen...

    Aber wie Du schon richtig sagtest, hätten die auch vorher schon 1-2 solche Dinger machen müssen.

    Nichtsdestotrotz: wenn man gegen den Abstieg und einen Aufstiegsaspiranten spielt, kann man nicht erwarten, den gegen die Wand zu spielen. Ich kann mit dem Ergebnis leben, auch wenn mehr drin gewesen wäre. Für beide Seiten...

    BWG Wirbel

  20. #20
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Das Spiel in Duisburg war ein Trauerspiel. Wir begannen gut; es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das erste Tor fallen würde. Aber, wie das bei spielbestimmenden Mannschaften oft der Fall ist, die Effizienz ließ zu wünschen übrig und mit vergebenen Chancen erhöht sich das Selbstbewußtsein des Gegners. Als dann Beck ausfiel, war es um die Vorherrschaft geschehen. Wir brauchten fünf Minuten, um überhaupt zu reagieren. Plan B gibt es nicht. Die Umstellung funzte dann einigermaßen, aber zwingend war das nicht, was wir erzeugten. Halbgar.
    Daß am Ende ein als Verteidiger spielender Stürmer ein Eigentor erzielte und so das Spiel zu unseren Ungunsten entschied, dürfte am Ende das bleiben, was von diesem Spiel in Erinnerung bleiben wird.

    Fazit: Wir müssen schleunigst Plan B entwickeln, besser noch: Plan B und Plan C.

  21. #21
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post FCM vs. Sandhausen 0:1, 11.3.2019

    Nun, der Vertrauensvorschuß ist aufgebraucht. Im letzten Spiel gegen die wahrlich kaum Bäume ausreißende Übermannschaft von Sandhausen führten drei spielentscheidende Fehler zur Niederlage:
    1. die Aufstellung mit Lewerenz als MS;
    2. die Unfähigkeit, rechtzeitig während des Spieles den offensichtlichen Fehler zu korrigieren und
    3. eine fehlende Spielidee.
    Daß man mal einen Fehler in Taktik und Aufstellung macht, das passiert. Aber bei einem Entwurf zu bleiben, der in 70 Minuten keine zwingende Torchance generiert, ist schon stur. Nun bin ich keiner, der Sturheit nicht zu schätzen wüßte, doch sollte sie nicht Selbstzweck sein. Ich hörte nach zwölf Versuchen, den eher kurzgeratenenen Lewerenz im Mittelfeld hoch anzuspielen, zu zählen auf und wunderte mich nur noch. Ein rhetorisch begabter Motivator kann nur eine Weile von der Substanz leben; er benötigt in seinem Umfeld dann jemanden, der ein Spiel lesen kann und ihm die entscheidenden Stichworte zuwirft. Diese hätte gegen Sandhausen keineswegs HOCH und LANGSAM heißen dürfen, sondern flach, schnell und dreckig.
    Viele werden dieses Spiel so interpretieren: Magdeburg konnte den Ausfall von Kirchhoff, Lohkemper und Beck nicht kompensieren und zu keiner Zeit sein Spiel durchbringen.
    Ich sehe das ein klein bißchen anders: die Mannschaft wußte nicht, wie sie gegen die robusten Südwestdeutschen auftreten sollte. Mit Hammann als Libero war eigentlich ein guter Ansatz geboren, aber das war nur die Hälfte einer Idee. Hammann ist nun für gutes und hohes Paßspiel der richtige Mann, doch wen sollte er mit seinen Pässen suchen. Den Zweitballspieler Türpitz? Den zugedeckten oder sich hinter dem Mann verpissenden Lewerenz? Sollte er den eher langsamen Perthel schicken oder mit dem doppelpaßscheuen Preißinger im MF Ringelpietz veranstalten? Laprevotte eignet sich dafür eher auch nicht. Vielleicht Niemeyer schicken? Der wußte nicht so recht, wo sein Platz sein sollte. In diesem zwittrigen Netwas changierte unser Spiel, denn auch Preißinger oder Laprevotte rissen das Spiel nicht an sich, sondern waren zu oft damit beschäftigt, keine Fehler zu machen. Und so kam es, wie es kommen mußte, der paßsicherere und besseres timing besitzende Gegner kam öfter durch, als uns lieb sein konnte und schlug zu. Wir waren nicht in der Lage, dem Spiel unseren Stempel aufzudrücken, wie es so schön heißt, und verlören sang- und klanglos 0:1.
    Lehren aus dem Spiel ziehen, sofort zur bewährten Spielidee zurück und schnellstens einen Beck-Ersatz basteln, einen, der vorn die Bälle verwerten kann. Den müssen wir eben nun backen. Ist das möglich?

  22. #22
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Es ist Zeit für ein paar kritische Wörter über unser gegenwärtiges Spiel, insbesondere unsere Spielauffassung. Ich teile sie nicht (mehr). Das Grundproblem besteht darin, daß der Trainer mit einer Mannschaft, die gegenüber jeder Mannschaft der Liga nur einen Bruchteil deren Marktwertes besitzt, so spielen läßt, als ob es umgekehrt wäre. Das ist falsch verstandener Größenwahn. Unser Größenwahn, der strenggenommen keiner ist, besteht darin, daß wir aus den uns zur Verfügung stehenden Mitteln, die geringer sind als die aller anderen, mehr herausholen, daß wir, um es auf gut deutsch zu sagen, aus Scheiße Bonbons machen. Das sollte auch in Zukunft unsere Stärke sein, es ist ehrlich, riecht nach Arbeit und nicht nach kapitalistischem Menschenjonglieren. Ich spiele lieber mit zehn Ostfalen als mit zehn Zugezogenen. Grundsätzlich gilt natürlich nicht die Herkunft, sondern das Können, zählen athletische, mentale und technische Potentiale mehr als ein Großvater in Meitzendorf. Doch vieles liegt auch an der Ausbildung und der Organisation des Vereins. Ich erkenne zudem an, daß es richtig ist, sich Jahr für Jahr einen richtig guten Spieler von sonstwo zu holen, der die Fußballwelt kennt und bereit ist, sein Wissen an die Jungen weiterzugeben. Im Grunde aber braucht man auch den nicht.
    Ich bin gegen den Austausch halber Mannschaften Jahr für Jahr, erkenne aber an, daß mancher sich schlichtweg nicht so entwickelt, wie das erwartet worden war, daß sich mancher nicht mehr wohlfühlt im Verein und daß mancher seine Zelte lieber woanners aufschlagen möchte. Es ist also illusorisch anzunehmen, daß es bei ein oder zwei Veränderungen pro Jahr inner Mannschaft kommt; es werden vielmehr fünf oder sechs sein. Ich würde jedoch davon abraten wollen, junge Spieler zu schnell wegzuschicken, weil man sie "nicht gebrauchen" kann. Die meisten Menschen wachsen mit ihren Aufgaben, benötigen Vertrauen und eine klare Zielstellung.
    Doch kehre ich zu unserer Spielweise zurück, die ich (auch perspektivisch) für falsch halte.
    Wir spielen mit dem neuen Trainer wie eine schlechtere Version von Bayern München. Unser Spiel ist auf Ballbesitz ausgelegt, auf systematisches Heranschieben an den gegnerischen Strafraum, den wir selten genug erreichen. Dieses Spiel ist die Antithese zum vertikal angelegten Spiel der letzten Jahrzehnte. Wir schieben quer statt straff nach vorn zu spielen. Sogar im Strafraum suchen unsere Stürmer noch nach dem besser postierten Mann, schlagen Haken oder drehen sich umme Achse. Dieses Spiel kann gegen die besten Mannschaften der Liga funktionieren, nicht aber gegen die, die unten stehen, denn die sind dieses Spiel von denen, die oben stehen, gewöhnt und haben sich darauf eingestellt. Wir müssen die Punkte gegen die Konkurrenten machen, nicht gegen die Überflieger. Wir sind nicht in der Lage, den Gegner kommen zu lassen, um ihn auszukontern, weil wir, kaum in Ballbesitz gekommen, den Ball erst einmal sichern und in den eigenen Reihen behalten wollen. Grundfalsch.
    Ich sehne mich nach den Zeiten zurück, da wir hoch und weit spielten und darüber meckerten, daß unser Spiel so leicht auszurechnen sei. Es kann mir keiner erzählen, daß horizontales Spielen modern sei. Es kann mir keiner erzählen, Tikitaka sei für uns die angemessene Spielweise. Wir müssen das spielen, was die Zuschauer begeistert, und damit meine ich nicht das Eventpublikum (Frauen, Kinder, Freunde der dritten Halbzeit), sondern das magdeburger Fachpublikum, Leute wie meinereiner und etliche meiner Freunde, denen die Spielweise des neuen Trainers stinkt, weil sie einem Esel silbernes Zaumzeug überstülpt. Da braucht man sich nicht zu wundern und die Augen zu reiben, weil der nicht zum Araber mutiert.
    ...

  23. #23
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Ja, so geht Fußball. Das war ein Hauen und Stechen heute, so ganz nach meinem Geschmack. Und zwei der drei Tore resultierten aus sogenannten Böcken. Darauf erst mal ein Colbitzer Bock! Heute spielten wir so ähnlich wie am Anfang der Saison und wie in den vergangenen Jahren. Der Trainer sollte nicht sein Regietheater durchführen, sondern unsere Jungs das spielen lassen, was sie am besten können, also draufhalten, Zahn ziehen und dann zuschlagen. Wir müssen beim finalen Paß und vor dem Tor noch ruhiger werden, sonst aber darf es ruhig hitzig zugehen, denn das enerviert den Gegner mehr als uns, die wir das ja gewöhnt sind.

    Ergo; Magdeburg 2, Fürth 1. Sieg!

  24. #24
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Das Spiel in Bochum (2:4; Bülter, Beck) zeigte anschaulich, daß es eine sportliche Fehlentwicklung gibt. Der Sieg in der letzten Woche gegen Fürth war offenbar doch nur ein Zufallsprodukt, zwei geschenkte Tore durch den Gegner und dessen Unvermögen, gegen die brachiale Kraft des ostfälischen Publikums anzukommen, ließen manchen glauben machen, daß nun der Bock umgestoßen sei und wir die Klasse aus eigener Kraft halten könnten. Bochum zeigte, daß dem nicht so ist. Kaum fehlte die Unterstützung der Zuschauer (es gab da wohl einige Vorkommnisse, Pyrotechnik, was die Polizei drastisch einschreiten ließ und die im Stadion seienden magdeburger Anhänger aus mir nicht verständlichen Gründen davon abhielt, unsere Mannschaft zu unterstützen), spielte unsere Mannschaft mit angezogener Handbremse. Da war nur keine Spielidee zu erkennen, die zum Erfolg hätte führen können. Unsere Führungsspieler veränderten nicht den Rhythmus, brachten keine Impulse in die Mannschaft, die ihren Stiefel spielte und nicht erkennen ließ, daß es für uns gegen den Abstieg geht. Eine leblose Truppe sah ich da vor sich hingurken, eine ohne Esprit und Biß, ohne Kraft und ohne fußballerischen Leistungswillen. Der Trainer hat die Mannschaft völlig verunsichert; sie soll das spielen, was sie schlechter als ihre Konkurrenz kann: Ballbesitzfußball, der den Gegner langsam an den eigenen Strafraum schieben soll, bis sich für die angreifende Mannschaft irgendwo eine Lücke auftut, die dann Messi nutzt. Halt! Der spielt ja nicht bei uns. Nun gut, dann eben Lewerenz. Ist doch egal. Der kann das auch. Auf dem Flügel mühten sich Tarek und Bülter, meist alleingelassen, meist so angespielt, daß sie erst noch eine Pirouette drehen mußten, bevor Ball und Mann eine Richtung einnehmen konnten, dann umringt von zween Gegenspielern. Ja, so muß man spielen. Ringelpietz ohne Mitspielerkontakt. Rufweite! Immerhin. Und hinten stand Erdmann gegen den wieselflinken Schwarzen der Bochumer, der Mann war einfach mal schneller, was aber nicht dazu führte, daß es hier irgendwelche taktischen Veränderungen gab. Und im Verteidigungszentrum ließen wir den Gegner köpfen oder abtropfen oder eben spielen oder wir sahen dem hohen und weiten Flugball, der in der Luft stand, eine Weile beim Fliegen zu und sprangen dann im falschen Augenblick hoch, um ihn zu haschen, dabei den Gegner im Rücken sich freilaufen lassend... Vier Dinger! Geht mal gar nicht.
    Aber!!! Die Ecken kamen gestern gut. Siehste! Und, noch was Positives: So fünf Minuten nach dem 1:3 spielten wir Fußball. Auf diesen fünf Minuten laßt uns aufbauen!

  25. #25
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    AW: Unser Fußball-Ordner - Saison 2018/19

    Die Zweitligasaison ist vorbei; es ist an der Zeit, die Entwicklung des beliebtesten ostfälischen Vereins zu beleuchten, gerade itzt zu beleuchten, da wir erstmalig in unserer Vereinsgeschichte abgestiegen sind.

    erklärende Anmerkung: Den Abstieg 1966 zähle ich nicht, weil wir nicht als 1. FC Magdeburg starteten und die anderen "Abstiege" waren Nichtqualifikationen; das einzige Jahr, in dem wir tatsächlich abgestiegen wären, rettete uns eine Ligaumstrukturierung, ergo: 2019 wird als das Jahr in unsere Geschichte eingehen, in dem wir ein Alleinstellungsmerkmal verloren, das nunmehr nur noch ein Verein in deutschen Landen besitzt, Bayern München.

    Nun, ich bohre noch mal in der Wunde: Wir sind abgestiegen.
    Also Analyse. Woran lag das? In wirtschaftlicher Hinsicht stehen wir gut da. Wir verfielen nicht in Aktionismus und holten superteure Spieler, deren Leistungsfähigkeit uns vielleicht hätte retten können. Im Gegenteil: Wir holten Spieler und einen Trainer, die keiner (im deutschen Profifußball) mehr auf der Liste hatte, sogenannte Auslaufmodelle mit einer langen Krankenakte, etlichen Wehwehchen oder eben leute von janz weit draußen, die auf den deutschen Profifußball nur noch eine Außensicht besaßen. Nun, meinereiner meint dazu, daß das jahrelang unser Erfolgsrezept war. Warum also nicht? An dieser Methode sollten wir auch weiterhin festhalten und uns dort umsehen, wo kein anderer es macht. Eben deshalb ist die Inthronisierung eines Sportbeirates auch so wichtig. Wer einmal Fußball begriffen hat, der erkennt auch, ob einer Potential hat. Man muß ihm nur die Möglichkeit geben, sich ein Urteil bilden zu können und man muß ihm verklickern, wie wichtig sein Urteil für die Entscheidungsträger ist.
    Daran hapert's bei uns. Wir nutzen die Potentiale in diesem Bereich zu selten und schlagen diverse Möglichkeiten mit eben dem Argument aus, mit dem wir dann die Ausrangierten holen. Bizarr. Noch mal: viele behaupten, die Seguins, Stahmann, Streichs oder Brahams hätten keine Ahnung vom modernen Fußball, ihr Urteil zur Begabung von möglichen Spielern für uns sei also nebensächlich. Zugleich aber holen wir uns, obwohl das notwendigerweise so sein muß, Leute, von denen viele andere sagen, sie seien für den Profifußball nicht mehr tragbar, weil sie ihren Leistungszenit überschritten hätten oder zu viele Wehwehchen besäßen. Das nennt man eigentlich schon grotesk, nicht nur bizarr. Doch sei es, wie es sei, wir machen das so - und ich unterstütze das. Ich nenne auch drein gute Argumente, warum dies nicht nur zu uns paßt, sondern unser erfolgreiches Geschäftsmodell ist:


    1. Magdeburg ist eine Arbeiter- und Beamtenstadt. Unsere Mentalität ist einfach zu beschreiben: Wir haben nicht viel, aber wir sind fleißig; wir verlangen vom Leben nicht so viel, aber das, was wir schaffen können, wollen wir auch schaffen und können stur bis zum Verdruß (für andere) sein. Wir wollen gerecht behandelt werden. Wenn wir nicht meckern, sind wir zufrieden. Wenn wir meckern, sind wir nicht unbedingt unzufrieden. Wir wollen, daß etwas entsteht, daß es vorangeht. Wir wissen, daß es Dinge zwischen Himmel und Erde gíbt, die Schulweisheit nicht zu erklären imstande ist. Im übrigen sind wir Pragmatiker und machen aus Scheiße Gold. Wir können über die Faxen unseres angenommenen zweiten Ichs lachen und erwarten, daß das verstanden wird. Wird es nicht verstanden, werden wir sauer.
    2. Fußball ist für uns eine einfache Sache. Wir wollen unsere Jungs kämpfen sehn, wir mögen zwar auch mal die technisch feinere Klinge, aber sie darf nicht unser Spiel bestimmen. Wichtiger sind uns die Blutgrätsche, der Vierzigmeterpaß in den Fuß des eigenen Außenstürmers, der schnelle Konter und die Wucht eines Kopfballs nach der Flanke. Wir lieben Diagonalspiel. Wir hassen lahmarschigen Mittelfeldplausch, Ringelpietz mit anfassen, sterbende Schwäne vorn und Schweizer Käse hinten. Unser Torwart soll seinen Strafraum beherrschen und sich nicht als Libero betätigen.
    3. Unser Kernpublikum bilden nicht die zuletzt zahlreich erschienenen Kinder und Frauen, sondern männliche Unterdurchschnittsverdiener, die tagein, tagaus schwer schuften müssen, um sich vom Staat dann doch beinahe die Hälfte ihres Monatsverdienstes abnehmen zu lassen, die der merschtenteils für Unsinn ausgibt. Dieses Kernpublikum erwartet zwar zum Teil auch bekannte Namen auf dem Grün, zuerst aber einmal will es sich selber wiedererkennen. Diese Anagnorisis, wie sie die alten Griechen nannten, ist letztlich in einem Mythos vom Bezirk 39 urständig geblieben. Das ist Wesenskern des Selbstverständnisses. Aber das ist es nicht allein. - Wenn man sich die Veränderung des Grundfeelings des Kernpublikums gegenüber ihrem Lieblingsverein in den letzten Jahren so anschaut, dann steht Erregungszuständen wie den Aufstiegen, v.a. dem ersten Aufstieg in Liga III, eine Nivellierung entgegen, eine Asymptote, denn Null wird sie nie erreichen.

    --- wird fortgesetzt ---

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