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Thema: Kein revolutionäres Deutschland

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Kein revolutionäres Deutschland

    __Kein revolutionäres Deutschland__


    Hast Tage wach gelegen
    nicht für dich allein gelebt


    Bist nicht bei dir gewesen
    auch nicht allein


    mit dir auf der Flucht:
    "Deutschland?
    Wo das liegt?"


    Du bist nicht von hier, nicht-wahr?


    Wien und Kaliningrad
    das ist Deutschland
    die Zukunft der Vergangenheit
    wirkt befremdend
    wie auch ein hilfloser Schrei
    "Nie wieder Deutschland!"


    __Schriftbeteiligung von Rainald Marx__Juni 1990__

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    ist alt; irgendwie langweilig
    Klingt wie das Geraune Scheintoter. Schlimmer noch, die Verbeßrung der Welt wird hier gefordert, aber nicht geglaubt. Daraus das ganze Dilemma, der ganze Zynismus, die ganze Hinwendung.


    Zur Sprache: Das verschimmelte Ich in der Form des metaphorisierten Du HAST. Eigentlich sollte es doch heißen: ICH HABE WACHGELEGEN - ist wohl nicht hipp genug? Nein, dieses HAST für das Ich ist politisch korekt, das ICH ist für diese Nasen unrettbar, determiniert und unhaltbar fürs Ganze.
    Das ist die eine Lesart.
    Die andere sieht den fortschrittlichen sich selbst bestimmenden Geist, der sich subjektiv und objektiv geriert. Ich bin Deutschland. Du bist Deutschland. Ich habe Hoffnung. Du bist mein Hoffnungsraum.
    So denken Patrioten.


    Daß der Text diese Interpretationsmuster zuläßt, macht ihn zu einem literarischen. Mir aber stinkt die eine Lesart ganz gewaltig.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    zum thema: patriotismus__
    interessanter finde ich ja das thema der "selbständigen und bedeutsamen kulturräume"


    es ist in diesem Text die gesamte unordnung der anfang 90er drin.
    - die einen wollen was neues, wissen nicht was
    - die anderen wollen definitiv kein "grosses" deutschland und schreien laut und argumentieren schlecht
    - dann sind danoch die patrioten wider willen, die nicht wollen, aber können


    "Nie wieder Deutschland" war ja, die in einem Spruch verdichtete Angst vor diesem Großdeutschland. Ja und? Diese Formulierung knüpft an "Nie wieder Faschismus" an und sollte auch so verstanden werden. Die sogenannte "Radikale Linke" machte diesen Spruch zum Titel ihres Aufrufs "gegen Nationalismus und Wiedervereinigung"(Ende 1989/Anfang 1990).
    (Weitere Ergänzungen folgen, bei weiteren Bemerkungen)

  4. #4
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    historiker, das würde mich dann schon mal interessieren, ob dein selbstbewußtsein 1938 endigt? geschichte läßt sich meines erachtens nicht parzellieren und immer wieder neu definieren. wußtest du, daß wien deutsche hauptstadt war, sagen wir 500 jahre lang? oder achthundert? oder seit es deutsche gibt? obwohl, die wußten gar nicht, daß sie deutsche waren, sie waren christen, glaube ich. oder augsburger, hamburger, magdeburger, bernburger, jüteboger, arneburger, rapunzelensteiner und quacksalber...


    dichter, warum eigentlich kaliningrad? in diesem kontext muß königsberg stehen! aber diesen kontext verstehe ich sowieso nicht. ich verstehe den ganzen text nicht. werde mich aber noch einmal damit befassen, da mir einzelne worte bekannt vorkommen.

  5. #5
    sams
    Status: ungeklärt

    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    warum eigentlich kaliningrad?


    -was ist der kontext? die perspektive großdeutschland mit wien und königsberg? oder der zeitliche kontext? wie hieß die stadt 1990?

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    Sie hieß 1990 Kaliningrad, aber die dort wohnten hatten am Stadtrand ein gelbes Schild aufgestellt, darauf stand Königsberg. Und 1993 wurde das ganze Gebiet um Königsberg Herrn Kohl für 20 Milliarden angeboten. Der Depp lehnte ab.


    Mich aber beschäftigt hier noch was anderes.
    Die Revolutionstheorie des Herrn Robert R. Palmer besagt imgrunde, daß mit der englischen und französ. Revolution im 17. und 18. Jahrhundert der Prozeß der Nationalisierung eingeleitet wurde und bis in unsere Tage anhält. Dieser Prozeß richtet sich gegen den multinationalen Großstaat (wie das Reich, später Östreich und das Russische Reich, erstaunlicherweise aber nicht gegen Frankreich oder Großbritannien - selber multinationale Einheiten). 1990 hätte für Großteile Deutschlands die Möglichkeit bestanden, gegen diese bürgerliche Verflachung von Lebensinteressen ein Staatskonstrukt zu basteln, das beispielgebend für Europa und die Welt hätte sein können. Aber: Das Volk wollte das nicht. Warum auch? Hatte man ihm doch siebenundfünfzig Jahre lang als Erstrebenswertestes den Nationalstaat propagandistisch vermittelt.
    So war die Angst vor einem nazistischen Großdeutschland 1990 zwar widersinnig, die Antinomie davon, eine Verweigerung gegenüber einer nationalstaatlichen BRD, die für sich heute noch idiotischerweise in Anspruch nimmt, für alle Deutschen zu sprechen, nämlich ein von Nationalemen freies Deutschland, kam auch diesen Linken nicht vors geistige Auge. Traurig, traurig, traurig.

    Ich denke so manchmal an Revolutionen, an konservative und liberale, an linke und bürgerliche oder auch sozialistische, an eine nationale Revolution. Aber ich habe bei noch keinem Konzept etwas gefunden, was mich wirklich in meinem Inneren antraf und wachhielt, wenn ich wachgehalten werden wollte, übertragen gesprochen.
    Wir Deutschen sind nach Hunderten von Jahren Revolutionslosigkeit in den letzten zweihundert Jahren zu einem Volk von Revolutionären geworden. Wir machen so alle zwanzig, dreißig Jahre eine, die meisten in uns, was auch gut ist. Wir stülpen Denken um, aber wir behalten es zumeist für uns. Und wenn wir dann etwas nach außen tragen, dann mag das Indiz dafür sein, daß es nichts taugte, was wir dachten - und so wollen wir es ausprobieren, ob wir vielleicht irrten. Und dann stellen wir fest, daß es eben doch nichts taugte. Und kehren zurück.

    Ich möchte einmal fragen, welche Revolution eine wirkliche wäre? Was müßte diese Revolution leisten?

  7. #7
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    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    vielleicht sehe ich das falsch und ihr seid näher dran, mich hier zu berichtigen, aber für mich hat! ostdeutschland zumindest eine riesige, gewaltlose und unblutige revolution vollzogen 1989: mit nichts als persönlichem mut und einer kerze in der hand, montags, wir sind das volk. das mache ihm erst mal ein anderes land nach.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    Cool AW: Kein revolutionäres Deutschland

    Tja, damals.... damals, in "revolutionären Zeiten" hat ein sehr guter Freund eine "dumme Ahnung" ausgesprochen: "hoffentlich hauen uns in zwanzig Jahren unsere Kinder nicht für das, was wir jetzt hier machen!"

  9. #9
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Lightbulb AW: Kein revolutionäres Deutschland

    Die Deutschen machten jahrhundertelang keine Revolution, als die anderen alle zwanzig, dreißig Jahre Umsturzversuche und ähnliches probten. Das haben sie aber im letzten Jahrhundert dann wieder wettgemacht und schafften das Kunststück, in einem Jahrhundert

    Kaiserreich
    Demokratie
    Diktatur
    Westeinbindung
    friedlichen Umsturz
    Großdeutschland - Europa ist unser!

    mehrere Konzepte abzufrühstücken. Denn mal ehrlich: Keines der hier genannten Konzepte ist zukunftstauglich, wie es so schön heißt. Jedenfalls nicht für die Deutschen der Gegenwart.
    Aber, vielleicht schmeißen wir in ein paar Jahren wieder alles um. Wer weiß, wir arbeiten daran. Das Reich komme!

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    ... obwohl man einwerfen könnte, dass "die" Deutschen seit 1945 recht wenig zu ihrem politischen Status aktiv beitragen konnten. Ansonsten ist das sehr treffend zusammengefasst, wenn man auch weiterhin anführen könnte, dass andere Leute noch ganz gravierendere (na gut, nicht gravierendere, eher doch "mannigfalterere" Umstürze verkraften (konnten). Sag ich mal so ...

  11. #11
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Kein revolutionäres Deutschland

    http://www.perlentaucher.de/artikel/3670.html

    ich stoße mich an fukuyama nun schon ne weile. dessen vorstellung eines endes der geschichte, das seit dem mauerfall eingetreten sei, da es zu den liberalen werten des westens keine alternative gäbe, stößt mir bitter auf. ich kann das geraune um offensive liberalität nun auch gar nicht hören; es ist das um den profit, der den menschen allein antreiben soll. und zu diesem zwecke benötigt er billige arbeitskräfte, die er in die gesellschaft einbinden muß; daher stammt das ganze gequarke um migration. der liberalismus entstand auch nicht, wie fukuyama behauptet,
    als Reaktion auf die Religionskriege, die in Europa nach der Reformation wütete
    , sondern ist so alt wie die menschheit. das profitdenken ist teil des menschen, gesund, wenn es ihn zu höchstleistungen antreibt, krank, wenn es mittel und zweck durcheinanderbringt. der liberalismus entwickelte auch nicht das prinzip religiöser toleranz, auch das ist viel älter als jedes moderne denken. was der liberalismus entwickelte, das war die indifferenz, die parallelgesellschaft. der mann bringt ständig alles durcheinander und besitzt nur seinen verstand, dinge darzustellen, kein verständnis für tieferliegendes und ewig-menschliches. das ist typisch für den liberalismus, immer schon. man genügt sich mkit einfacheren erklärungen und schilt alles andere als unpragmatisch, veraltet oder doktrinär. auch martin luther hat der mann nicht verstanden, wenn er behauptet
    Martin Luther vertrat die Ansicht, dass Erlösung nur durch die innere Herzensgesinnung erreicht werden kann
    , denn erlösung ist dem protestanten durch gottes gnade gegeben, die aber hat gott allen menschen durch jesu tod zurückgegeben, diese muß sich nicht errungen werden durch irgendwelche leistungen. (das ist der fundamentale unterschied zu den Kalvinisten und westlich verstandenem christentum) erlösung und gnade bilden korrelata, die muß man schon zusammendenken und -nennen und nicht parzellieren und aus dem zusammenhang reißen. na ja, das ist ein kennzeichen liberalen denkens, das zusammenhanglose.
    mit dem islam ist in deutschland keine zusammenkunft möglich. noch nicht. aber wenn wir noch zwanzig millionen weitere muslime ins land lassen, dann schon, dann wird sich dem islam in deutschland durchsetzen. das ist dann der lauf der geschichte und soll so sein. man verstehe mich hier nicht falsch: ich trete dafür ein, daß jeder dort leben darf, wo er eben will. und keiner soll auf seinen glauben oder seine weltanschauung verzichten, nur weil er sein zelt eben mal in deutschland, ägypten, der schweiz oder in amerika aufschlägt.

    das im übrigen ist mein vorschlag für ein revolutionäres deutschland, die grenzen völlig aufmachen und jeden hier leben lassen. ihm allerdings von staatlicher seite aus kein geld geben.

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