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Thema: Ansgar Bleton

  1. #1
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    Ansgar Bleton




    Das Oberdeck der 'Katatonia' ist zum Schutz vor der stechenden Sonne mit gelber, von tausenden glühender Tage ausgebleichter Leinwand überspannt. Die grellweiße Lichtflut über dem Fluß, welche die felsigen Ufer zu beiden Seiten mit der kochenden Luft zu einem flirrenden Glossen verschmilzt, wird durch die träge im Fahrtwind schlagenden Stoffbahnen zum goldenschattigen Dämmer gemildert. In seinem Schutz drängen sich Tische und Stühle an denen Passagiere sitzen und sich von geschäftig durch die engen Freigänge drängenden weißjackigen Bedienern Speisen und Getränke auftischen lassen.
    Am ansteigenden Bug des Schiffes läuft das schützende Leinen in einem spitzen Dreieck aus. Hier, im besten Fahrtwind bricht das Licht von beiden Seiten in die Überschattung und webt so ein Zwischenreich aus blendendem Wüstentag und schattigem Dämmer. In dieser Zone sitzen, rund um einen, der ihren bewundernden Blicken nach als ein Besonderer angesehen werden muß, schlanke Jünglinge mit empfindsamen Gesichtern und lauschen den Worten des Besagten, den sie in fügsamen Eifer, doch mit gehörigem Abstand umringen. Ansgar Bleton heißt dieser weihevoll um-sessene, der landaufundab nur in sogenannt 'avantgardistischen' Kreisen, dort aber bestens bekannte Dichter und Künder.


    Ansgar Bleton ist trotz der Hitze ganz in Schwarz gekleidet, schwarzseiden schimmern das Hemd und auch der elegante Anzug. Das lange weiße Haar trägt er streng nach hinten gekämmt. Diese durch einige Locken am Hinterhaupt feminin anmutende Haartracht wird wettgemacht durch die hochgewölbte breite Stirn mit den starken Augenwülsten, die tiefliegende Eulenaugen, die scharfe Nase mit den hohlen Wangen, dem schmalen Mund über dem grimmig ragenden Kinn darunter. Der Meister sitzt schweigend. Sein Blick geht unerbittlich, mit grausamer Sorgfalt über die vor Ergebenheit hechelnde Jüngerschar, aus der ein jeder die Aufmerksamkeit seines Herrn ersehnt und fürchtet zugleich.


    Schließlich räuspert sich Ansgar, er hebt die Hand, deutet auf einen der Umsitzenden und sagt mit heller, ein wenig blechern klingender Stimme. "Ich glaube, unser Troll hat etwas vorzutragen."


    Der so aus dem ängstlichen Dunst der Schar hervorgerufende wird bleich und rot, erhebt sich in großer Hast, rafft Papier zusammen und beginnt mit schwankender Stimme anzukündigen


    "Ich sucht in tiefer Kümmernis, gewidmet meinem Meister Ansgar Bleton."


    "Das versteht sich von selbst" sagt, mit einer gewissen Milde, der Weißhaarige. "Aber jetzt trag vor und laß dich durch deine Befangenheit nicht etwa zu einer Verhunzung des Vermaßes hinreißen "




    Der mit 'Troll' bezeichnete lächelt eifrig, räuspert sich erneut und trägt vor:


    "Ich sucht in tiefer kümmernis


    Streng trieb der drang mich dem aborte
    zu, im wanste blühte tiefste kümmernis
    gekröse grollte, dumpf und ungewiß
    da sah 'besetzt' ich an der rettend pforte


    In hellem, wilden eifer sucht ein jeder sinn
    nach wegen abzulegen, rütteln meine finger
    an der verschlossnen tür, doch nicht geringer
    wird meine not, so rinnt es aus mir, scharf und dünn


    Mit bräunlich feucht verschmutztem kleide
    streng im geruch und aller hosen voll
    betrübt die leier schlagend, ein fäkalapoll
    künd ich den musen nun von meinem leide ."


    Der junge Troll, ein Schöner, leider durch eine schiefe Schulter verunstaltet, klappt den Mund zu, wirft zwei ängstliche Blicke auf den Meister und einen in die Runde. Er setzt sich, schnell und eckig, als würde er von unsichtbarer Hand eingeklappt.


    Der Meister sitzt schweigend, die Stirn in die Rechte gestützt, seine Augen durch den Handrücken verborgen.


    "Die Kunst kennt kein Erbarmen" sagt er nach einer Weile und blickt auf. In langsam anschwellender Stärke gehen seine Sätze über die lauschenden Jünger hernieder: "Weder mit dem Künstler noch mit ihrem Stoff, auch nicht mit dem Hörer oder Leser. Denn nur aus dieser gnadenlosen Gestimmtheit heraus kann sie ihrer Aufgabe gerecht werden. Manche behaupten, die Kunst hätte keine besondere Aufgabe. Sie sei einfach vorhanden, wie Tiere, Pflanzen und Steine, so wie der Nacktmull etwa, der unter den südlichen Wüsten seine meilenlangen Gänge wühlt und dabei nicht nach Gründen für sein Vorhandensein, sondern nach Wurzeln und Knollen sucht. Der Mull gräbt, weil er dies kann. Und genau deshalb existiert er. Dieser Vergleich ist ebenso lustig, wie falsch. Wahr ist daran: die Kunst hat keine Aufgabe, sie ist die Aufgabe. Was ist nun der Dichtkunst aufgegeben? Die Natur zu besingen? Nein. Der Glaube an die Natürlichkeit der Natur ist mir schon lange abhanden gekommen. Außerdem: der Natur liegt nichts an uns. Denn sie mißachtet das Bewußtsein, das immer, und je verfeinerter, desto schmerzhafter, das Bewußtsein des Einzelnen ist. Denn die Natur liebt die Gattung, die Vielzahl, nicht das Individuum. Für dieses hat sie nur Geburt, Geilheit und schließlich den Tod zu bieten. Das Individuum hat für die Natur nur den Wert eines Beispiels, keinen Eigenwert. Des-wegen haben wir die Kunst gegen die Welt gesetzt. Das Schöne, das als Prinzip der Kunst an einem Gegenstande ausgemacht wird, ist immer der Gegensatz zur mörderischen Gleichgültigkeit, mit der die Natur sich über alles Individuelle hin-wegsetzt. Schönheit ist aber nur im Individuellen auszumachen. Die Wahrnehmung des einer Individualität inhärenten Maßes wird als seine Schönheit empfunden Und wir als Geisteswesen müssen unsere eigene Schönheit erst schaffen. Wir müssen durch unsere Dichtung, mit all unserer Kraft, ja mit unserem ganzen Leben, die irdischen Dinge verklären, erheben ans Licht hinauf. Vielleicht beugt sich dann die Gnade zu uns und nimmt unser Bemühen an. Die Alchemie der Dichtung muß unsere Seelen verwandeln, muß ihnen die Erdenschwere abstreifen. Aber wie kann man Schönheit schaffen? Nur wenn die Dankbarkeit und die Demut zurückkehrt ist Schönheit möglich." Die letzten beiden Sätze dröhnten wie schwingendes Metall gegen die gesenkten Häupter seiner Zuhörer. "Dankbarkeit bedeutet für uns Aufmerksamkeit und totale Hingabe an das Werk und Einsicht in die eigene Beschränktheit. Die eigene Unfähigkeit auszuhalten und nicht aufzugeben, das ist Hingabe !"


    Der Meister verstummt und blickt lange hinaus in den glühenden Tag, der andrängt gegen das Halbdunkel unter der schützenden Leinwand, er schaut schweigend hinaus auf die in der glitzernden Luft vorbeiziehenden felsigen Ufer. Nach einer Weile macht sich Flüstern und Tuscheln breit um ihn. Da hebt er die Hand. "Ihr wißt so wenig und schwatzt doch bei jeder billig sich bietenden Gelegenheit. Ihr sprecht, wo ihr doch zuhören solltet."


    Die Münder ringsum klappen zu. Der Meister fährt fort:


    "Heute muß ich zu euch über Geist und Bewußtsein sprechen. Denn vom Bewußtsein um seine Not als Naturgeschöpf handelte das Gedicht unseres guten Troll, auf welches ich später noch genauer eingehen werde. Das Bewußtsein, so heißt es in den Wissenschaften, entziehe sich jeder Definition, und dies, obwohl wir seiner unmittelbar inne wären, unmittelbarer als der Dinge, die wir mit diesem Bewußtsein erfassen wollen. Ich gebe euch jetzt keine Definition sondern eine Bestimmung von Bewußtsein: 'Bewußtsein ist die Kraft, die Definitionen schafft.' Unser Geist hingegen ist die Instanz, die alle vom Bewußtsein geschaffenen Definitionen in eine ab-wägende Beziehung zueinander setzt. Der Geist ist es auch, der das Ungenügen von Definitionen bemerkt, bei ihrer sorgfältigen Betrachtung und so das Bewußtsein veranlaßt, neue und bessere Definitionen zu schaffen. Geist ist damit wesentlich mit Wissen verknüpft, mit der Vergangenheit, während Bewußtsein auf Präsenz verweist. Bewußtsein ist bloßes Mittel, der Bereich des Geistes umfaßt die Zwecke, unter denen wir die würdigsten aufzufinden die Pflicht haben. Wir als Dichter tun uns im Bereich des Geistes um. Wenn aber nicht Gnade hinzukommt zum Geist, ist alle Mühe vergebens. Man erstellt nur Wortstickereien ohne Wahrheit. Die Wahrheit ist flüchtiger noch als der Geist. Wahrheit muß durch die Fenster von immer neuen Bildern zu uns hereinschauen. Wer die Wahrheit will, muß scheitern können, der muß die Angst über das Behagen stellen, der muß den Blick in den Abgrund aushalten. Ihr werdet euch fragen warum ich zwar über Schönheit Bewußtsein, Geist, Wahrheit, aber nicht über die Seele gesprochen habe. Das hat seinen Grund: unsere Seele ist uns nicht angeboren wie die Kräfte des Verstandes, die auf dem Gehirn, einem natürlichen Organ basieren. Der Verstand geht der Natur entsprechend auf das Allgemeine, er wirkt wie das Geld, wie die Maschine, er bewirkt Gleichförmigkeit. Der Verstand ist die Verneinung der Individualität. Er ist uns als Gattungswesen von der Natur gegeben um uns als Gattungswesen zu erhalten: um aufzuwachsen uns fortzupflanzen und den Nachwuchs großzuziehen. Um alle diese natürlichen Gegebenheiten zu bewältigen, dazu ist der Verstand da. Deswegen kann er auch durch Maschinen recht ordentlich simuliert werden, nicht aber der Geist.
    Die Seele hingegen muß ein jeder in sich selbst, in seinem Geist entstehen lassen. Die Erweckung der Seele ist unsere wahre Aufgabe als Kulturwesen, als geistige Individuen. Wir wählten die Dichtkunst als Mittel ihrer Erweckung. Und wie jede Seele neue und einzigartig ist, muß auch die Kunst immer neue und einzigartige Formen finden. Deshalb muß die Dichtkunst auch immer über das von der Herde für schön Gehaltene hinausgehen. Denn in den gegebenen Grenzen einer Sprache hockt man wie in den Mauern einer Stadt, würdelos beengt, doch scheinbar ungefährdet, sich geborgen wähnend, vor einem Feind, der längst alle Torwachen bestochen hat. Wird nämlich eine kulturelle Leistung zum Allgemeingut, sinkt sie zur Gemeinheit herab. Was für eine Person oder einem kleinen Kreis von Individuen gültig war, wird durch seine Verallgemeinerung heruntergezogen, besudelt und verliert des Gemeinte.
    Die Seele erwecken und heranbilden heißt für jeden Einzelnen: sich heraus arbeiten aus dem Kreatürlichen, empor zur Sphäre des Geistes, in der das Individuelle und das Allgemeine zu einer wahren und edlen Synthesis kommen können. Wer nur für einen Moment in das Gemüt eines anderen, und glaubte er sich ihm noch so nahe, versetzt würde, er wäre auf der Stelle dem Wahnsinn verfallen. So unterschiedlich, bei aller vermuteten Ähnlichkeit, brodelt das Natürliche in jedem Wesen. Darum, weil sie das Individuelle haßt, muß die Natur es auch vernichten, sobald sein Zweck, der Erhalt der Gattung erfüllt ist. Nur im Reich des Wortes findet die Seele als wahre Individualität zu sich und finden die Seelen in wechselseitiger Anerkennung zueinander. Nun aber zu deinem Gedicht, mein guter Troll."


    Der unter dem Namen Troll angesprochene zuckt und sucht sich unter Seinesgleichen zu verbergen.


    "Es fehlt eine Strophe, Jungchen. "sagt der Meister nach fünf Sekunden bedeutungsschweren Schweigens." Wir hatten vier Strophen zu vier Zeilen abgemacht. Vom holprigen Vermaß will ich erst gar nicht reden. Aber du hast mich auf die Gedanken zu meiner heutigen Lehrrede gebracht. Somit hat das Gedicht einen Zweck erfüllt. "


    Troll kommt wieder zum Vorschein, aus seinem Verschlupf und sonnt sich in des Meisters Güte.


    "Genug für heute" Der Meister steht auf, neigt seinen Kopf und schreitet, von seinen Leibjüngern flankiert, zurück zu seiner Kabine auf dem Oberdeck.

  2. #2
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    AW: Ansgar Bleton

    Die Kunst kennt kein Erbarmen"....Weder mit dem Künstler noch mit ihrem Stoff wie wahr.
    Kann es angehen, dass Du uns ein wenig unterschätzt, Doderer?
    Wollen wir doch hoffen.

    Gruss, it

  3. #3
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    AW: Ansgar Bleton

    Zwei Dinge, die besprochen werden sollten aus Deinem Palimpsest:


    1. Die Natur liebt nicht, auch nicht die Gattung. Sie schafft auch nicht, sie ist ein Geschaffenes, das sich nur redundant verhält.
    2. Bewußtsein ist keine Kraft, sondern ein Sein.


    Aus der falschen bzw. oberflächlichen Bestimmung dieser beiden Kernbegriffe ergießt sich eine Form selbstgefälligen Schreibens, das im Einzelfall nett zu lesen, aber letztlich nur Dumpfheit hinterläßt. (Wie das mit allen das Herz nicht erwärmenden Texten geschieht.)

    Zudem möchte ich zu bedenken geben, daß Verstand eben die Individualität erst schafft, die er dann zwar dekonstruieren will, letztlich aber benötigt, um wirken zu können.

  4. #4
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    AW: Ansgar Bleton

    Stimme Dir diesmal voll und ganz zu verehrter Wolkenstein:


    genau das soll dieses Portrait des auch 'Meisters' ausdrücken.


    Doderer

  5. #5
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    AW: Ansgar Bleton

    Der Text strahlt zwar nicht, aber er ist verschwiemelt genug, um nicht charakterlos genannt zu werden.
    Ich habe über das Verhältnis von Kraft und Sein auch ein wenig nachgedacht. Ich denke, daß das Sein selbst mehr ist als die Kraft. Ein Bewußtsein also auf das factum est einer Kraft zu reduzieren, käme einer unbegreiflichen Beschränkung gleich, da sich im Denken erst die Kraft entfaltet. Ein so gearteter Begriff muß die Äußerung einer Persönlichkeit in sich aufnehmen.
    Ich zuweilen eigne mich nicht dafür. Ich bin weder des gutturalen Denkens fähig, spreche wenig akzentfrei und einwirkungslos-zusammenhanglos, außerdem ist die Weiße des Haupthaares, nun, sie ist beschränkt bei einem Mann von dreißig Jahren.


    Außer mir findet genug Sein statt, die denkende Natur in mir ist mehr als Kraft, sie wird durch die Kraft, aber die Kraft selbst ist nur ein Gewordenes, im Augenblick Seiendes, in Zukunft Seiendes, aber die Dauer ist nicht die Kraft, sondern das Sein. Das bitte ich bei allem Scharlatanerie zu bedenken.


    Jetzt könnte man dazu übergehen, die äußeren Einflüsse wegzudenken, wegzuäußern, d.i. eine Entäußerung. Die Sprache mag da helfen, auch die Ansprache vor einem Jüngerkreise. Doch die Parodie fragt nicht nach dem Einfluß, sie flüstert ein. Doch genug. Amüsant war's allemal, Doderer.


    Gruß,

    Robert.

  6. #6
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    AW: Ansgar Bleton

    Hallo Master Robert,


    habt dank für Eure Kritik. Wenn Euch der Text amüsiert hat, ist das Bezweckte schon erreicht. Entzückt hat mich Eure Aussage: er sei verschwiemelt genug um nicht charakterlos genannt zu werden. Drüber hab ich zu grübeln begonnnen, wie ein Hund, der seinen Knochen benagt, war zur durch die Forderungen des Tages gezwungen, das Sinnieren abzubrechen, aber begrübeln werde ich ihn weiter, das ist gewiß. Ob eine Parodie als Abgeleitetes überhaupt mehr kann als funkeln?


    Den philosophischen Gehalt der Rede des Meisters zu verteidigen, stehe ich nicht an. Seine Behandlung der Natur war wesentlich ein Hieb gegen die Naturtümelei einer konkurrenten Gruppierung, das ist im Auszug nicht ersichtlich.


    Alles was das Verhältnis von Natur und Bewußtsein angeht, führte hier zu Behandeln zu weit und sollte wenn, dann im Philosophenordner zur Sprache kommen.


    Doch zum Dank für den Bespruch schenke ich Dir auch aus bevorstehendem Anlaß, einen wahrhaft erlesen Satz, heute in einem Provinzblättchen gefunden:


    "Wahrzeichen und weithin sichtbarer Mittelpunkt des Sommerfestes war wieder einmal der brennende Holzhaufen."


    Preisfrage an alle Lesenden: Was macht diesen Satz so albern? Wer's zuerst errät, erhält eine Rolle Pfefferminzdrops.




    Grüße


    Doderer

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Ansgar Bleton

    Heut ist Sonntag. Mag sein ein langweiliger Sonntag. So sitzt der Bub müßig in seinem Zimmer und übt Langeweile. Draußen spielen geht nicht, es regnet. Seine Spielsachen in der Ecke des Zimmers betrachtet er lustlos. Seine Freundin Klara ist bei der Oma. Nach langen gedankenvollen Seufzern erhebt er sich vom Stuhl und schleicht die Treppe zum Boden hinauf. Wieso Boden, denkt er. Unterm Fenster steht die Kiste mit seinen alten Spielsachen, diese er einst mit Verachtung und schlechter Laune und Trübseligkeit in die Kiste geschleudert hat. Zur Verspeicherung. Auf dem Bodenspeicher. Wie Speichel. Reingerotzt in die Kiste. Zwei Jahre ist es her, schon angeschimmelt. Er wühlte und wühlte, fand, suchte, nahm hervor. Jetzt hat er einiges wieder runtergeschleppt, sitzt in seinem Zimmer und spielt erneut mit alten Erinnerung.
    So ein Bub ist er.

  8. #8
    Gallig
    Status: ungeklärt

    Question AW: Ansgar Bleton

    Kann es sein, daß dieser Text von jemandem geschrieben wurde, der seine ganzen Freunde verloren hat, diesen innerlich nachtrauert und nun altes Spielzeug hervorkramt, die ihn an diese Freunde erinnern? Warum mag er sie verloren haben. Vielleicht, weil er mit ihnen gespielt hat, weil er sie als seine Spielzeuge betrachtete. Das mögen Menschen nicht, doch statt aus dieser Erfahrung zu lernen, beschäftig er sich lieber mit dem alten Spielzeug, Selbstmitleid kennen nur die Ungerechten.

  9. #9
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Ansgar Bleton

    Den Text las ich seinerzeit als eine Parodie auf meinen "Herbstzeitlos"-Text. Der Meister scheint mir doch arg mit den Allüren Stefan Georges verbandelt. Wäre ich ein Kritiker in den 1950ern, so hieße ich ihn "nicht unflott". So aber wirkt das in Einzelteilen nicht durchdacht resp. durchdacht, daher auch meine einstigen Anmerkungen.

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