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Thema: Der Flieger

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Der Flieger

    Wer hat mir diesen Job nur verschafft?
    Für schnödes Geld schaufle ich Sand ins Nichts -
    ins Nichts! und rutsche zum Schluß selbst hinein.
    Aber die Bezahlung ist gut.


    Auf einmal ist der alte Flieger wieder da.
    Besser gesagt: Sein Geist, denn vor einiger Zeit
    knallte er mit seiner Maschine zu Boden,
    hauchte sein Leben in einem Feuerball aus.
    Irgendwann mußte es ja einmal so kommen
    bei dem Leichtsinn, mit dem er am Himmel
    seine Kunststücke vorführte.
    Immer mit Höchstgeschwindigkeit.
    Immer mit vollem Risiko.
    Und über die auf dem Boden
    nur ein spöttisches Lachen.


    Nun steht er als Engel vor mir, mit Flügeln,
    und sieht etwas albern aus in der Kluft.
    Doch ist er der alte geblieben und sagt:
    "Komm schon, die da oben wollen zwar,
    daß ich jetzt deren Büttel spiele -
    (daher dieser komischer Aufzug)
    aber laß uns beide ein Flugzeug klau'n,
    irgendwo steht hier bestimmt eins rum,
    Baby, und dann geht's wieder ab!"


    Ich meinte, ob er nicht doch
    jetzt andere Aufgaben hätte, und daß
    er nicht mehr so leichtsinnig sein dürfe.
    Er habe ja viel zu riskant gelebt,
    aus seinem Tod müsse er doch lernen,
    vorsichtiger zu sein und mehr
    auf Sicherheit bedacht.


    Er sieht mich lange traurig an, und dann
    lacht er mich aus -

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Der Flieger

    schöner text, kolja, schöner text. welcome to the club.


    kennst du "den himmel über berlin"? davon schwingt was mit in deiner geschichte.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der Flieger

    hallo k lja,


    gefällt mir auch!


    grüße
    e.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Flieger

    Hölderlin assoziiert auch Dostojewski. Ich weiß nicht so genau, warum. bei mir jedenfalls. Das sind so ausgeschwungene Welten. Der Sandhaufen erinnert mich an den Idioten. Die Sprache aber ist hölzern, nein, vielleicht ist sie nur extemporiert. Kolja, dieser Text ist mißlungen, er ist nominal und sehr beliebig.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Der Flieger

    in einem anderen ordner las ich: "imgleichen aber gefällt mir die grundsätzliche Diktion."


    Man muss selbjenen kommentierten Text mal lesen, um diesen Satz zu goutieren. Danach müsste man sich eventuell fragen, was man falsch gemacht hat, wenn vW die Diktion gefällt.

  6. #6
    rodbertus
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    AW: Der Flieger

    asmodai, Quälgeist, man muß gar nichts machen, wenn mir die Diktion gefallen soll. Weil das nämlich ein Unding ist.
    Ein Satz, der steht, ein Grund, der liegt, ein Grundsatz fällt aus, kann ausgesiebt werden aus dem Grunde. Darum ist der Grund so wichtig. Der Grund ist mehr als die Tiefe, er ist das Leben, aus dem sich nicht zuletzt auch die Höhe bestimmen läßt. Eine Frage der Bezugspunkte. Wenn mir eines Jemands Grundsätze gefallen, so heißt das nichts über die Güte des Textes. Gar nichts. Weil es Stuß sein kann. Weil es falsch gesetzt sein kann. Weil die Flüge von einer lahmen Ente versucht werden. Weil hundert Gründe den einen Urgrund zerstieben, weil Trockenheit Staub aufwirbelt. Genug.

    Dieser Text Koljas gefällt mir nicht, was nichts über die Qualität aussagt, nur über meine Vorlieben. Aber ich lasse mich gern überzeugen. Die Diktion eines Textes dagegen kann gefallen, dennoch aber der Grund, aus dem sie geworfen wurden, mißfallen. Gar manches Gesicht ist schön, verhüllt aber nur die tötliche Langeweile, die darunter lauert und sich jedwedem an den Hals zu werfen bereit ist, der sie beendet.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Der Flieger

    hallo kolya,
    irgendwie kommt mir der text bekannt vor... LC? ja, tretmühletagesträume, (selbst-)gespräch mit einer art alter ego - spannung zwischen sicherheitszwang, auch wenn's langweilig ist, und sehnsucht nach abenteuer, die stimme im ohr, die sagt: tu's doch - aber wir trauen uns doch nicht... ich frage mich nur, warum du den text in gedichtform geschrieben hast. er ist prosa. schreibe ihn noch mal in prosaform und schau wie er aussieht. ich denke, effektiver. es fehlen nämlich die besondere rhythmik und bildhaftigkeit eines gedichts. übrigens: es ist mir klar, daß es der geist des fliegers ist, das brauchst du mir nicht zu sagen. du könntest vielleicht die beschreibung des fliegers als engel ein wenig ausbauen, seine verlegung, sein unbehagen, in so einem fummel erwischt zu werden. witzige geschichte, vor allem die stelle, wo der langweilige lebendige den toten belehren will, er soll auf sicherheit bedacht sein. mit recht wird er ausgelacht. wer nichts riskiert, lebt nicht (na gut, der flieger hat riskiert und lebt nicht - oder lebt er doch...?)
    wie geht's weiter? welchen seelenbereinigenden blödsinn treiben die beiden? eigentlich hättest du hier den kern einer idee für einen humoristischen roman (und du hast einen humoristischen touch, den du vielleicht weiter entwickeln solltest???), eine art sozusagen 'anti-faust'...

    liebe grüße

    miranda

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Der Flieger

    Hallo Schimmeleule! Hallo Asmodai! Danke für eure "Chat"-Beiträge (unter heutigen Gesichtspunkten ist auch der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller "Chat" ...) und für euren zivilen Ungehorsam gegen den Löschbefehl. - Der "Himmel über Berlin" (= Drehbuchautor Peter Handke) ist wohl etwas zu hoch gehängt, allerdings immer noch naheliegender als Dostojewski.


    Ed, dieser Text sollte als weiteres Anschauungsmaterial neben meinem ersten "Brot und Wein" dienen. Natürlich prüft nicht nur der Leser den Text, sondern gleichzeitig prüft der Text den Leser, und das Ergebnis ist aufschlußreich: Wenn andere sagen "der Text gefällt mir", ist das abscheulicher Chat, aber wenn du sagst "der Text gefällt mit nicht", ist das anspruchsvolle Literaturkritik. Gehört das zu den Grundregeln dieses Forums, an die ich mich hier gewöhnen soll?


    asmodai, danke für dein Aufkreuzen und die unterstützenden Breitseiten.


    Hallo Miranda! Mein humoristischer Touch schlägt leider immer schnell in Verzweiflung um ... Stimmt, ich hatte diesen Text vor etlichen Monaten mal im LC veröffentlicht, leider blieb er da fast völlig unbeachtet - nur ein einziger Kommentar, und der war auch nicht gerade bedeutsam. Um so größer ist mein Erstaunen und meine Freude darüber, daß der Text dir trotzdem im Gedächtnis geblieben ist. Das versöhnt mich jetzt wieder mit der Welt!


    Küßchen,
    Kolja

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