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Thema: Immer, wenn sie geht

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Immer, wenn sie geht

    Ihr glattes Gesicht verbirgt dumpfen Schmerz.


    - sie geht -


    Hüften schwingen zurück:
    Hallo! sage ich still.
    Sie hört es.
    Im Umdrehen flieht ein Lächeln,
    es will wiederkommen.


    - kommen-gehen-ungeliebte Tollheit-Spiel -


    Sie spricht vom Suchen...
    Dem eignet mangelnde Eile, denke ich.
    Und schamhaft wägt ihre Flucht meine Sehnsucht.
    Beide verlieren.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Immer, wenn sie geht

    Wieso spüre ich, was Du sagen willst, warum sagst Du es nicht?

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Immer, wenn sie geht

    ich dachte, das wäre der ganze sinn eines gedichts, marlowe.


    "Dem eignet mangelnde Eile, denke ich."


    ach ed.. ich traue deinem denken zu, dass es *wirklich* so formuliert..
    ich würde den satz weglassen. was macht er da?

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Immer, wenn sie geht

    gerade diese zeile.... dem eignet mangelnde eile - finde ich sehr, sehr schön, besonders weil das lyr. ich es eben nur denkt, nicht sagt - ein seelenschleicher ist das...


    ansonsten - muß ichs nochmal bisschen in mir ruhen lassen, bevor ich weiteres von mir zu geben wüßte...

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Immer, wenn sie geht

    Vielen Dank für die Beschäftigung mit meinem kleinen Text.


    Marlowe: Ich will es auch nur spüren lassen. In Deinem Kopf soll es sich sagen. Was sagt es in Deinem Kopf?
    iodin: Der Satz ist wichtig. Vielleicht nicht überaus wichtig. Ich will da einen Scheindialog aufzeichnen, einen, der sich eigentlich nicht vollzieht im Wort, sondern in der Ebene zwischen Fühlen und Denken. Ins Wort gekommen ist es noch nicht. Das Ich ist aber auch ein wenig kapriziös, vielleicht machen sie deshalb wenige Worte. Eigentlich ist er aber nur ein Mann der Sehnsucht, Worte schaden ihm mehr als sie nützen. Kompliziert. Ich mach jetzt auch nicht mehr viele Worte.
    sklerus: Seelenschleicher? Ich bin entsetzt.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Immer, wenn sie geht

    Eins von zehn, Ed? Oder ein Elftes?
    Der Seelenschleicher und Marlowes Kommentar: entsetzt? Siehst Du das Kompliment nicht?
    Und ein verdientes dazu-
    Nein, ich werde mich nicht groß in die Nesseln setzen jetzt (it und Lyrik).
    Hab's ein paarmal gelesen, und lese noch.


    "Ihr glattes Gesicht verbirgt dumpfen Schmerz." - das will für mich noch nicht passen.


    it

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Immer, wenn sie geht

    Diesem Gedicht fehlt es an Form. Seinen Inhalt möchte ich gar nicht beurteilen. Meiner Meinung nach ist es ein Hauptproblem moderner Lyrik, daß Gedankenfetzen auf das Papier geschmissen werden, ohne ihnen eine Form zu geben. Der Zeilenumbruch macht dann aus dieser grauen Masse die perfekte Egotherapie: Ein modernes, avantgardistisches Gedicht. Dein Gedicht, lieber Wolkenstein, ist ein gutes Beispiel. Für die Selbsttherapie geeignet, aber die trägt man ja nun nicht an die Öffentlichkeit, oder?

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Immer, wenn sie geht

    Danke, it und Carl!


    it: Setz Dich doch mal rein! Ein Kompliment? Wo? Her damit!
    Das mit dem Verbergen wirkt bei glatten Gesichtern. Ein Widerspruch? Ja, ist es. Aber ein junges Gesicht ist zumeist glatt. Wenn es Schmerzen nicht an die Oberfläche kommen lassen will, dann verkrampfen sich die Züge. Die Übung darin läßt das Gesicht erstarren. Alter ist deshalb auch eine Bestrafung, weil sich der Schmerz ins Gesicht eingegraben hat, weil ein junger Mensch zuerst diesen Schmerz sieht. Und sich abwendet. Ein junger Mensch wird das nicht zulassen, daß ihm so etwas geschieht. Sie ist jung, aber der Schmerz wird sie ereilen, ich bin mir dessen sicher.
    Carl: Form? ich schrei gleich, mein Freund. Zwei Teile, dazu ein unaufgelöster dritter Teil. Die Parenthesen bilden die Achsen. Dazu die Negation, die aufgehoben wird in einer Fürsprache, einem angedeuteten Dialog, einem offenen Ende. Hier sind viele Formelemente drin, nichts aber ist ausgelöst und aufgelöst; ein offenes Ende, eine offene Beziehung, eine offene Gesellschaft. Dennoch eingepaßt in der Dialogisierung, der gedachten. Ich könnte Dir noch ein bißchen sehr viel mehr dazu erzählen, aber die innere Form ist es hier, die den Bau hält, keine äußere, die abzählt und absetzt den Gedanken nach dem Versende.
    Aber, ich habe verstanden, Du möchtest eine Elegie. Sollst Du haben. Sprechen wir ueber die Indianer in Alaska. Ich schreib mal eine Elegie in der Hölderlinschen Art. Moment, muß jetzt mal recherchieren.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Immer, wenn sie geht

    "Ich könnte Dir noch ein bißchen sehr viel mehr dazu erzählen,"
    Ein Wolkenstein vom Feinsten.


    Wo? Komplimente? Na da:
    Wieso spüre ich, was Du sagen willst, warum sagst Du es nicht?

    ich dachte, das wäre der ganze sinn eines gedichts, marlowe.


    iodin hat alles gesagt.


    Und vor dem Seelenschleicher von sklerus steht ein sehr, sehr schön . Ein Seelenschleicher, der sich heimlich ins Denken einnistet, nein ins Gefühl - aber frag ihn selbst.
    Soviel zu den Komplimenten, zurück zum Quengeln:
    das mit dem glatten Gesicht war schon klar. Vielleicht auch, warum der Schmerz dumpf und nicht rei?end oder stechend ist (wobei ich mich frage, ob die Charakterisierung nötig ist - Deine Erklärung gälte der Zeile: verbirgt noch den Schmerz.).
    Ich könnte jetzt schreiben, daß es stilistisch nicht zum -kommen-gehen-ungeliebte Tollheit-Spiel- passt, aber das wäre auch bei der "mangelnden Eile" oder "Sehnsucht" der Fall - das trifft es nicht.
    Vielleicht das: das Gedicht ist alles andere als ein hingeworfener Gedankenfetzen, es ändert die Richtung, den Stil, überrascht mich mit jeder Zeile. Der Anfang dagegen wirkt einfacher gestrickt.
    Warte. Ihre Jugend hat thematisch mit dem Text nichts zu tun. Und auch der Schmerz bringt- verdammt.
    Können wir es nicht bei einer Intuition belassen? (ich werde bei Lyrikdiskussionen das sehr bestimmte Gefühl nicht los, Du könntest mir jederzeit ein bißchen sehr viel mehr... was die ganze Geschichte eher unerquicklich macht)
    Da ist eine klitzekleine Perspektivänderung, hin zum leidenden Protagonisten (wobei allein die Erwähnung des Wortes "Schmerz" noch nicht ausreicht, um einem Text Selbstmitleid vorzuwerfen.)


    Wobei der Schmerz ja auch nicht der Schmerz des Autors - oder Ich-ERzählers ist, ich ihn aber trotzdem darauf beziehe (warum tue ich das?)
    Herrgott. Noch nie von weiblicher Intuition gehört?
    Oder so.

    it

  10. #10
    gecko
    Laufkundschaft

    AW: Immer, wenn sie geht

    eine wunderschöne monmentaufnahme,
    den augenblick in worte gefaßt,
    ganz nach meinem geschmack.


    gecko

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    Question AW: Immer, wenn sie geht

    was ist so entsetzliches an einem lob von mir... *lol* - wolkenstein, das mußt du mir erklären...


    hätte ein paar haarkleinigkeiten am gedicht rumzumeckern und auch das ein oder andere zu bemerken, was mir gefällig - obwohl wie it - kein lyrikexperte und mit dem dumpfen gefühl... - naja, lassen wir das... aber erst will ich das mit dem entsetzen erklärt haben, bevor ich den herrn des hauses veranlasse selbiges zu fliehen, ob meiner entsetzlichen bemerkungen...






    [Diese Nachricht wurde von sklerus am 20. August 2000 editiert.]

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Immer, wenn sie geht

    es hat schon eine für dich
    überraschende, lächelnde Sensibilität
    wenn auch schwer verständlich
    eben deine Sprache


    Gruß
    Tiger im Park

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Immer, wenn sie geht

    Ich finde die beiden Achsen entsetzlich, sie zerhacken das Gedicht. Andererseits bringen sie eine Ordnung. Aber diese Ordnung wirkt konstruiert.

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Immer, wenn sie geht

    ihr gesicht verbirgt dumpfen schmerz, sie geht, hüften schwingen zurück....das ist ein kuriöses bild. also im ersten teil schwangen die hüften noch nach vorn?
    mangelnde eile und suchen verträgt nicht immer sich. suchende eilen meistens. aber trotzdem schön verwortet.
    galant, galant, herr elefant!


    grüße brav


    Daphne




    [Diese Nachricht wurde von Daphne am 21. August 2000 editiert.]

  15. #15
    resurrector
    Laufkundschaft

    Cool AW: Immer, wenn sie geht

    Einer meiner wenigen lyrischen Versuche. Über Durchschnitt komme ich da nicht hinaus. Grenze erkannt. - Aber die Erinnerung an das zugrundeliegende Erlebnis ist doch schön.

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