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Thema: Das Wesen des Künstlertums

  1. #26
    kls
    Laufkundschaft

    Einige Überlegungen hinterher, ganz nebenbei

    Der echte Künstler allerdings verdient Respekt, - im Gegensatz zu mir, der ich erst durch Wikipedia über diesen Begriff aufgeklärt wurde: Im Kontext der deutschen Geistesgeschichte ist das Künstlertum nicht nur lapidar ein Beruf, sondern eine menschliche Daseinsform.

    Also eine Seinsweise. Ahnte ich es doch.

    Das Künstlersozialversicherungsgesetz ist da eher lau: „Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt.“ Ein weiterer, kläglicher Versuch einem naturgemäß chaotischen Geschwabbere eine Struktur zu verpassen, wie es sich gehört? Sie zu zähmen und in Berechenbarkeit, in Regeln zu pressen?

    Als ob wahre Künstler über eine Sozialversicherung nachdenken würden. Wahre Künstler arbeiten ohne Netz, ohne Sicherheit. Sie riskieren alles, sogar die eigene geistige Gesundheit - die der anderen sowieso. Sie sind besessen. Krank. Uneinsichtig. Unvernünftig. Kaum Teamfähig. Autistische Soziopathen mit Borderlinesyndrom. Narzisstische Persönlichkeitskrüppel, verantwortungslose Egozentriker, Beziehungsversager – man könnte sie als Philosophen des Ausdrucks vom Eindruck bezeichnen. Philosophen zeichnen sich auch nicht durch besondere Kontaktfreude zu Nichtphilosophen aus.

    Der echte Künstler ist meistens auch eine tragisch anmutende Gestalt – im Gegensatz zu mir. Wer sich mit diesem Begriff schmücken darf, hängt entscheidend vom vorherrschenden oder individuellen Kunstbegriff ab. Also von den Rahmenbedingungen, denen man doch eigentlich etwas entgegensetzen wollte. Vermarkten muss man das auch noch, sonst ist man kein offizieller Künstler, sondern nur ein Schmarotzer, denn Brotberufe und Kunst passen schlecht zusammen, also braucht der wahre Künstler Mäzen, Erbschaft oder wenigstens Sozialhilfe.

  2. #27
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das Wesen des Künstlertums

    Die letztgenannte Beschreibung ist mir zu materialistisch und beschreibt Oberflächliches. Ordnerthema ist nicht die Beschreibung dessen, was den Künstler gemeinhin nach außen kennzeichnet oder ihn im Getriebe der Welt erkennbar werden läßt, sondern vielmehr die Frage nach dem Kern, dem Wesen des Künstlertums. Das heißt keineswegs eine metaphyische Seynsbeschreibung. Es ließe sich auch ein Materialist wie Camus zu Wort kommen lassen, der das Wesen des Künstlers als Kämpfertum gegen sein Schicksal in den Formen des Widerstandes gegen Verzweiflung und Vergessen beschrieb. Das gefällt mir, obgleich ich kein Materialist bin.

    Ein "echter" Künstler ist für mich so etwas wie eine Betriebsanweisung einer koreanischen Firma im Original, eine bemühte, aber unfruchtbare Fingerübung.

  3. #28
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das Wesen des Künstlertums

    ETAs mittelmäßig begabter Freund Salice Contessa entblödete sich nicht, vom Künstler mehr als das mittelmäßige Werk zu verlangen. Er meinte, es sei der Mühe nicht wert, nur ein Mittelmäßiges zu schaffen. Sei man als Künstler nicht in der Lage, das Außergewöhnliche zu schaffen, solle man es lieber ganz lassen.

    Widerspruch: Die meisten Künstler schaffen nur ein Werk von Dauer. Das meiste andere bleibt Handwerk, Durchschnitt und darunter, aber ohne die Täler im Schaffen sind auch die Höhen nicht möglich. Gar manches Talent verkümmert, weil es sich nicht am Alltag abarbeiten imstande fühlt.

  4. #29

    AW: Dragutin Tadijanovic, Übersetzung.

    Du wirst das nicht gerne lesen, Sarah, aber die Kunst ist ein männliche Domäne - ist also kein Zufall...dass die Damen hier und anderswo unterrepräsentiert sind. Unter 100 Künstlern von Bedeutung findest Du eine Frau, vielleicht auch zwei - entspricht in etwa dem Zufallsprinzip. Frauen sind zu oberflächlich und zu einfach strukturiert...um den den Dingen Tiefe zu verleihen. Aber immerhin erlaubt es ihr Einfühlvermögen Tiefe zu erkennen und wertzuschätzen. Von Natur aus ist die Frau darauf programmiert kleinste Stimmungsveränderungen zu erfühlen...da sie erkennen musste wenn es ihrem Kind schlecht geht.
    Das heißt aber nicht, dass sie selbst auch in der Lage ist Stimmungen herzustellen - diese Fähigkeit hat sie nicht. Der Mann ist, entgegen landläufiger Meinung, das vollkommenere Wesen...mit deutlich mehr Tiefe und Verstand. Droste-Hülshoff und Eschenbach waren letztendlich nur Quotenfrauen mit zwei drei brauchbaren Zufallstreffern...die ihren Platz in der Geschichte eigentlich nicht rechtfertigen.

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