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Thema: Das Wesen des Künstlertums

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    8

    Ach, die Avantgarde..

    die Dichter, und Denker, die geistigen Vorreiter..

    Die Literatur ist die Schwester der Musik. Aber sie ist eben
    nicht die Musik. Sie pflegt die Sprache, hegt die Worte.
    Ernährt den Geist, weniger das Gefühl.

    Benennt.

    Und kann hinter die Worte schauen.

    Nur, um den Blick zu teilen, muss man einen haben.

    Und nicht nur Bedürfnisse - die Literatur ist kein Klo und kein
    Tresen und kein Bordell. (Ob sie ein Bett ist, hab ich noch nicht entschieden.)

    Ich sags mal mit der Traumdeutung (www.deutung.com):

    Wurst: "Sehen oder essen Sie Wurst, werden Sie eine reizvolle Bekanntschaft machen, die jedoch ohne inneren Wert sein wird."

    Libelle: "Hier erkennen Sie Ihr Bedürfnis nach Freiheit.
    Vielleicht wollen Sie sich Ihren Lebenstraum verwirklichen, haben aber noch keinen rechten Überblick darüber, was Sie vom Leben wollen. Ihr Handeln ist noch nicht logisch durchdacht."

    Anders ausgedrückt: Quo vadis, Avantgarde - und wie bist Du wieder angezogen?


    ------------------

    Weiterhin frage ich mich, ob es irgendwas Sinnvolles gibt, das nicht von den Etruskern oder Konrad Zuse erfunden wurde. Und wo die ganzen Römer herkommen, die behaupten, es wäre ihrs, und sie könnten damit umgehn?

  2. #2
    Wolkensteiner
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    der vergleich mit der musik ist gut. bei ihr sieht man sofort, was einer drauf hat.
    gerade, wenn man hinter die worte blicken kann, stellt man oft fest, daß da nichts ist. sie verweigern sich, wenn sie nicht gut behandelt werden
    vom wortbett hat man schon gehört, vom wortklo oder wortbordell nichts.
    wie die avantgarde angezogen ist?
    sie trägt lauter künstlererben

  3. #3

    Arrow Das Wesen des Künstlertums

    Zitat Zitat von andere/dimension Beitrag anzeigen
    mich interessiert wohin man kommt...sprengt man sich im Paradies in die Luft
    Schön, mal wieder in anderedimensionen zu lesen. Leider ist Eure Ansicht über die Zustände - eines die Welt atomisierenden Geistes - eher die Umschreibung der Hölle. Paradies ist der Ort, an dem es unmöglich ist, schlechte Laune zu haben, da es keinen Grund gibt, sich über etwas aufzuregen. Es ist der Zustand vor der Definition eines Problems. Weder etwas brauchen, noch etwas loswerden wollen, sondern einfach nichts müssen müssen - weil es sich gut anfühlt, wie es sich anfühlt. So würde in einem Paradies zwangsläufig die Tendenz zur Destruktion entfallen, die dem atomisierenden Geist noch innewohnt.

    Was aus unserer Pespektive noch unlogisch erscheint, ist dann eben so. Eine App aus dem dortigen Gedankenministerium unterdrückt jeden Anflug von Negativität. Bei den Katholiken wurde das Fegefeuer aus der "App", was für Menschen mit destruktiven Gedankenformen so erscheinen sein mag, denn nur die positiven und liebevollen Gedanken fallen ins Gewicht.

    Gewogen wird, was nach der Löschung negativer Gedankenformen übrigbleibt. Wirklich sind nur schöpferische Gedanken. Es ist daher unmöglich, ins Paradies zu gelangen und dort weiterhin den Wunsch nach der destruktiven Hölle im Herz zu tragen. Seit ich die Anti-Anti-App auf meinem Smart-Brain installiert habe, taucht vor jedem destruktiven Gedanken ein Warnhinweis auf:

    "Sie wählten soeben einen destruktiven Gedanken. Innerhalb von 7 Sekunden nach dem Lesen dieses Warnhinweises wird mit einer Implosion von Unbehagen erzeugender Gefühlsmuster zu rechnen sein. Ihr Zelluniversum gerät in einen absteigenden Schwingungszustand durch destruktive Interferenz beim Denken des ausgewählten negativen Gedankens. Aus der Liste nebenstehend aufgeführter "liebevoller Gedanken" können Sie jederzeit andereGedanken auswählen. Es nutzt Ihnen doch auch. Bedenken Sie: Negative Gedanken können zu schwerwiegenden Erkrankungen des Körper-Seelen-Geist-Systems führen. Auch die passive Einnahme negativer Gedanken schädigt nachweislich das Erbbut. Wenn Sie das Denken negativer Gedanken aufgeben wollen, stehen wir Ihnen mit aufbauenden Gedankenformen jedweder Art gern zur Seite."

    Einen wunderschönen Tag aus dem Gedankenministerium

    >>>Warnhinweis<<<:

    Drücken Sie bitte die Raute-Taste, wenn Sie diese destruktive Gedankenform dauerhaft abbestellen möchten. Ein Dauerabo kann kostenfrei unter "www.wolkenkuckucksheim-all.com" heruntergeladen werden. Sie werden täglich über den Gesamtscore ihres Gedankenenergielevels und ihre jeweiligen Frequenzverläufe auf allen Ebenen informiert und können gleichzeitig am Bonusprogramm des Gedankenministeriums zur Psychohygiene teilnehmen.


    Völlige Gedankenbeherrschung lässt sich am Fehlen der "angestrengten" Beta-Wellen messen. Gestartet wird die App durch das Hochziehen der Mundwinkel über einen Zeitraum von mehr als 15 Sekunden. Die körpereigenen Endorphinfabriken lachen trübe und eingefahrene Gedankenverknüpfungen einfach weg. Der Körper bewertet den Grund des Lachens nicht. Er macht, was seine Funktion ist und freut sich darüber, ein freundliches Gesicht machen zu dürfen.

    Gedanken, die uns aufregen, müssen wir ja nicht denken. Gedankenansteckungen, Gedankenübertragungen, Gedankenausbreitung und Gedankenhemmungen sind in ihrer kollektiven Verflechtung zu sehen. Das Prinzip der Gier bringt sogar die Inder dazu, ihre Heiligen Kühe von den Straßen zu klauen und nach Saudi-Arabien zu verkaufen. Wobei die Kühe verehrt, nicht angebetet werden.

    Wir regen uns - selten bis niemals - aus dem Grund auf, über den wir uns gerade aufregen. Wir denken gar nicht darüber nach, wie und warum uns manche Gedanken scheinbar zufliegen. Wir verarbeiten Gedanken, aber wir "machen" sie nicht. Wir nutzen Gedanken, um Gefühle zu transportieren. Spiegel- und Spindelzellen übertragen die emotionalen Datenströme der Mitwelt schneller als die Ergebnisse dem Verstand mitgeteilt werden. Die Quelle der Gedanken zu wählen, bedeutet, Unterscheidungsfähigkeit zu entwickeln. Es ist unmöglich, die Hölle im Paradies zu sehen. Es ist jedoch möglich, das Paradies hinter einer selbst erzeugten Hölle zu sehen. Eine kognitive Vorstellung von Paradies mit dem derzeitigen "emotionalen Kellermenschen" in seiner kollektiven Affektinkontinenz zu verbinden, ist nicht möglich. Wir können nicht zwei Welten gleichzeitig sehen. Die Hölle im Himmel ist insofern undenkbar. Entweder ist die Hölle. Oder es ist der Himmel.

    Wo wir uns aufhalten, wählen wir selbst. Seit ich die App aus dem Gedankenministerium anwende, können die Raubtiere in meinem Kopf sich damit anfreunden, freundlich und gelassen zu bleiben. Eigentlich regen uns unsere eigenen Raubtiere im Kopf auf und wir sprechen von Schuld im Außen, um uns davon abzulenken. Wir alle haben unsere gedanklichen Raubtiere, die Kernüberzeugungen, wann Angriff unvermeidlich ist, mangelhaft domestiziert. Grenzzäune sind Träume. Wir alle flüchten vor uns selbst, indem wir uns über "die Welt" aufregen. Ohne zu bemerken, dass wir die Welt ständig neu konstruieren und daher veränderlich wahrnehmen.

    Das Ego der Menschheit kollabiert zwangsläufig aus Energiemangel, der dadurch entsteht, dass wir uns aufregen. Im Paradies sollte man sich paradisisch fühlen. Das Ego muss leider draußen bleiben. Es ist nur das Ego, das sich aufregt. Wem nutzt all die Aufregung? Wem würde es nutzen, finge ich auch noch an, mich zu ärgern? Ohne Gedankenapp konnte ich mich früher explosionsartig aufregen. Mit Gedankenapp kann ich mich nicht einmal darüber aufregen, mich nicht mehr aufzuregen. Mein bewusster Zufriedenheitsscore wächst durch die Ablehnung von Gedanken, die ich zwar denken könnte, aber nicht wünsche nun zu denken. Gedanken können umgetauscht werden, bevor sie gedacht werden. "Denk nicht einmal daran", warnte damals meine Großmutter schon beim Anblick meiner offenkundig offensichtlichen Gedanken. Dann lachte sie und sagte: "Du wirst das Lügen niemals lernen, aber das ist gut so."

    Wir belügen uns selbst, wenn wir uns über etwas im Außen aufregen. Es gibt kein Innen und kein Außen. Wir sind das. Die innere Implosion, der damit verbundenen Gefühlsenergie, wird jedoch tunlichst vermieden. Der Zustand, anderenDimensionen ihre freie Wahl beim Auswählen zugestehen zu können, hat etwas mit Vertrauen in die Selbstentwicklungsfähigkeit des Selbst im Gegenüber zu tun. Nur das Ego würde sich im Paradies an die Hölle erinnern wollen. Die Seele wäre zufrieden, sich nicht zu ärgern.

    Wenn die anderen Kinder im Sandkasten weiterhin Ego spielen wollen, ist es ihre Entscheidung. Ob ich mich darüber ärgere, oder auch nicht, ändert nichts an ihrem Spieltrieb. Um Cowboy und Indianer zu spielen, gehen wir nach draußen. Außer sich vor Wut stehen die Menschen weit neben sich. Plötzlich lacht jemand, völlig grundlos. Wer eine Minute lächelt und danach keine Veränderung bemerkt, belügt sich selbst.

    Wenn die Kinder noch spielen wollen, ist es ihre freie Entscheidung. Irgendwann geht ihnen die Energie aus und in der Dunkelheit der langen Nacht des Egos beginnen die Kinder, sich an ihre eigentliche Heimat zu erinnern. Sie legen die Bomben und Gewehre zur Seite und erkennen, dass diese Spiele langweilig geworden sind. Sie gehen nach Hause und freuen sich, nach einer spannenden Spielzeit einen entspannten Abend mit der Familie zu verbringen. Und obwohl sich die Kinder mit ihren virtuellen Waffen den ganzen Tag bekriegt haben, sitzen sie abends hungrig am Feuer und freuen sich auf eine weitere Gute-Nacht-Geschichte ihres Großvaters. Niemandem ist etwas geschehen. Das Paradies kann niemals gesprengt werden. Die Hölle zu sprengen geht erst, wenn niemand mehr drin ist.

  4. #4
    kls
    Laufkundschaft

    Wir haben doch schon verloren

    Zu den Fundamenten unserer Kultur gehört es, dieser noch starken Verbesserungsbedarf zu diagnostizieren, wenn nicht gar ihre Berechtigung gleich zu hinterfragen. Das Meckern über 'DieDaOben', 'DasDaHinten' oder 'JeneDortVorne', gehört quasi zur Werkausstattung. Ein Saustall ohnegleichen? Und wie! Die Zustände sind nur im direkten Vergleich mit anderen Ländern erträglich. Ich jedenfalls möchte nicht in Afrika oder Amerika leben. Auch nicht in China, und ganz bestimmt nicht dort, wo die Leute unter chronischer Muselmanie leiden und deswegen unbedingt den ganzen Rest der Welt damit anstecken wollen. (Relativierung: Es gibt noch einige Stellen auf der Erde, wo Gauguin sofort los gepinselt hätte, aber wie das immer so ist, kaum hat man so ein nettes Fleckchen entdeckt, kommen andere Leute, sind begeistert, bringen Fortschritt mit und machen es kaputt. Und dann malt nur noch ein H.Bosch an einem besonders mies gelaunten Tag.)

    Wir 'Glauben' nicht an unsere Kultur! Wir glauben sogar kaum noch an unsere Religionen (Alleine die Pluralisierung des Wortes 'Religion' ist schon Blasphemie in den Augen derer, die 'Glauben', dass es nur einen einzigen 'Wahren Glauben' geben kann. 'Wahren Glauben' erkennt man an der Anzahl der abgeschlachteten Anhänger vom 'Falschen Glauben').

    Wir Westler müssen auch gar nicht 'Glauben'. Warum es einige Leute dennoch tun, gehört zu den großen Rätseln der Welt, die besser unbeantwortet bleiben. Unsere Zivilisation ist bloß ein Menschenkonstrukt und weit davon entfernt perfekt zu sein. Wir wissen tief drinnen um die Ungerechtigkeit, die unser Gutgehen erst ermöglicht, weil es einigen vielen Anderen recht beschissen geht, auch wenn wir das die meiste Zeit über gekonnt verdrängen. Wir hinterfragen unsere Kultur und das macht uns etwas demütiger. Angreifbarer. Schwächer. Zögerlicher. Auch ängstlicher. Kleinlauter. Gehemmter …

    Mit den Regeln des fairen Boxkampfes gewinnt man allerdings keine echte Schlägerei. Wenn es nur ums Gewinnen gehen würde … Ich glaube fast, das könnte machbar sein. Technologievorsprung und zur Not auch konventionelle Bomben ohne Falloutpfui. Thermobare Bomben sind inzwischen so stark, dass eine Hiroshimabombe beschämt verblassen und ... äh ... sich schämen würde (Ca. 13 t TNT-Äquivalent zu 50 t).

    Aber geht es ums Gewinnen? Mit aller Gewalt? Gibt es denn keine andere Möglichkeit, diese brutale, humanistischen Idealen zuwider laufende Anomalie zu beseitigen, als dass man schlimmere Methoden anwendet denn jene, die da den 'Wahren Glauben' glauben.

    Den meisten Deutschen sind die Irrtümer und Katastrophen ihrer Geschichte bewusst. Eine Nationalstolz/-ehre anhebende aufgeblasene künstliche Kampagne wie: „Du bist Deutschland!“ oder: "Wir sind Papst!" entlockt uns doch bloß noch ein amüsiertes Lächeln. (Nein? Euch nicht? Aber Uns!) Na ja, ein wenig stolz kann man schon darauf sein, einem Volk anzugehören, das nachweislich allerhand auf dem Kasten hat und nicht nur Scheiße gebaut hat in den Zeiten seiner Entwicklung hin zu einem halbwegs erträglichen Ort. Aber bitte diesen Stolz auf die Deutschen nicht zum Anlass nehmen, faschistoide Schlüsse zu ziehen. Es sind nicht meine Leistungen gewesen, also ist Stolz nur in homöopathischen Dosen gesund und diese Bescheidenheit legitimiert mich natürlich auch zu sagen: Es waren nicht MEINE Verbrechen. Ich würde so was niemals tun. Lasst mich also bloß in Ruhe mit der 'Deutsche Sonderrolle'.

    Bescheidenheit kann manchmal ganz schön frech tun.

    Wir misstrauen unserer Kultur. Wir kritisieren ihre Exzesse – zu Recht. Unsere Kultur ist ein Prozess. Sie ist nicht immer nett. Sie hat aber eine Tradition des Widerstandes, neben der Kultur des beflissenen Nickens.

    Doch keiner von uns wäre bereit, sich einer Idee aufzuopfern falls er noch alle Tassen im Schrank haben sollte. Wir treten den Löwen in der Arena grundsätzlich nicht mehr singend entgegen. Unsere Zweifel, unsere humanitäre Philosophie, die Skrupel und das Wissen um das berechtigte Vorhandensein gegensätzlicher Überlegungen stehen uns im Weg. (Dialektischer Dialekt: Schaumerma. Bedeutet in Etwa so etwas wie: Leben und Leben lassen)

    Gegen Leute, die sich richtig Mühe geben, haben wir keine Chance. Nicht, solange wir auf Gewalt keine andere Antwort wissen, als ganz viel auf höchster Ebene darüber zu reden und uns dann doch für noch mehr Gewalt entscheiden. Das können die mit ohne Skrupel besser als wir Feiglinge mit Prinzipien. Wir haben schon verloren. Unsere schwer erkämpften Rechte und Freiheiten werden schon geschlachtet. Die müssen uns gar nicht erobern, die müssen uns nur etwas Angst machen, dann erledigen wir uns schon selber.

    Der Untergang des Abendlandes ist gewiss. Endlich.

  5. #5
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Was mich aufregt

    Zitat kls

    Wenn es nur ums Gewinnen gehen würde … Ich glaube fast, das könnte machbar sein.

    Ja, es geht nur ums Gewinnen. Wer seinen Samen mit Erfolg am weitesten streut...der hat gewonnen. Einzig und alleine die Theologen verbreiten eine andere Meinung.
    Man mag natürlich lieber den Theologen "glauben" - ihre Geschichten sind romantischer als die nüchterne Erzählung der Natur.

  6. #6
    kls
    Laufkundschaft

    Arrow Das Wesen des Künstlertums

    Zitat: Wer seinen Samen mit Erfolg am weitesten streut...der hat gewonnen. Einzig und alleine die Theologen verbreiten eine andere Meinung.

    Kontra: Ich bin kein Theologe, verbreite aber dennoch eine andere Meinung. Ich habe den Anspruch negative und somit destruktive Emotionen - oder auch nur ganz allgemeine Scheußlichkeiten - zu ertragen, ohne selber davon maßgeblich beeinflusst zu werden und mies drauf zu kommen. Es ist meine selbst auferlegte Pflicht solche Tendenzen, wenn sie denn bei mir ankommen, anzuhalten, zu neutralisieren und nicht bedenkenlos und ungefiltert weiter zu reichen. Verstehst Du? Mystischer formuliert: Negative Schwingungen in Positivoptionen abändern. Wie gesagt: Anspruch! Gelingen tut mir das nur selten, aber wenn es mal klappt ist die Welt ein wenig weniger schlimm und ich fühle mich wie: „Richtig gemacht!!!“

    Wenn ich meinen Nachbarn verkloppe, habe ich zwar gewonnen, aber noch lange keinen Frieden hergestellt. Ich halte Dawkin seine Egoismustheorien für mehr als bedenklich – ich halte sie für 'NichtGanzZuEndeGedacht'. Kooperation ist das Wesen der Dinge, das Schlagwort: 'Survival of the fittest' ist nicht mehr modern und die davon abgeleiteten Thesen in anderen Wissenschaftsbereichen sind m.E. widerlegt.

    Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, wer die andere Dimension ist und unter welchem Namen sie früher hier schrieb. Diese karierte mentale Kittelschürze, dieser affektive Duft nach Apfelkuchen, dieser ungebrochene Glaube an das Gesetz, welches es schon richten wird, selbst wenn da noch so sehr irgendwelche Augustins oder M.L.Kings einst erklärten: 'Ein ungerechtes Gesetz ist kein Gesetz', diese anständige Prüderie, dieses fundierte Wissen um Schwarz-Weiß …, das kann nur Suz sein – übrigens schätze ich diese Dame wirklich sehr, selbst wenn man das nicht sofort herauslesen kann. Sie hat da etwas an sich, das an tüchtige Frauen denken lässt, die in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, stets Papiertaschentücher parat halten und hingefallene Kinder auf dem Spielplatz wieder hinstellen. Sie könnte praktisch für ein Denkmal 'Gemeinsam Pferde klauen' Model stehen. Obwohl sich Suz irgendwie auch anhört wie der Name von einer Lebedame, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdient, indem sie auf Tischen tanzt. Und das schreibe ich, obwohl andere Dimension schon einmal glaubhaft versichert hat, nicht diese Suz zu sein. Nur, wo ist die dann abgeblieben?

    Ach ja. Kooperation. Genau. Ohne die läuft nämlich gar Nix. Noch nicht einmal Scheinfüßchen bei Einzellern. Natürlich will ein Mann seine Gene breit streuen. Aber eben: Nicht ausschließlich. Er will auch in Echt Motorrad Fahren und nicht nur seine Kumpels im Schweinerennen Um Die Gunst Der Dame überholen. Er will Saufen, Fressen, Dreckige Witze Erzählen, Mit Kumpels Abhängen, Furzen, Wollmäuse Züchten, In Der Nase Bohren usw.

    Falls es denn zu Körperäquatorialzonenkontakten mit einer Gegengeschlechtlichen kommen sollte, ist zusätzlich eine gewisse Kooperationsbereitschaft von Seiten der Frauen vorauszusetzen.

    Das bringt mich zurück zu dem, was mich heute aufregt: IS und die Reaktionen der zivilisierten Welt auf diese Abnormität. Ich weiß es nicht viel besser, aber das macht nichts, weil ich mich in der beneidenswerten Position eines Kritikers befinde. Es müsste ein anderer Ansatz her, aber nicht so abstrakt wie von WSIB wortschwer postuliert. Etwas Praktizierbares, ein realistisches Konzept. Keine Affengeschäfte mehr unter kooperierenden Egomanen, so wie üblich, damit überhaupt etwas geschieht, aber auch keine Heiltheorien. Kugelfischegos wie zur Zeit können die Zukunft auch nicht beeindrucken und das weltweite Säbelrasseln macht alles nur noch schlimmer.

    Da wir so etwas nicht haben und auch nie haben werden, empfehle ich die Methode KLS: In jedem Theater muss es auch Zuschauer geben. Es passen nicht alle auf die Bühne. Aber ich passe bequem in meinen Ohrensessel und das Mittelmeer, der nahe Osten, die Klimakatastrophe, G7 ohne Nr. 8, etc. ist beruhigend weit weg.

    Aber es soll ja Leute geben, die sich aufregen, wenn in einer Badeanstalt mehr Liebe passiert. :)

  7. #7
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Was mich aufregt

    Zitat kls

    Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, wer die andere Dimension ist und unter welchem Namen sie früher hier schrieb.
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    Ich kann dir versichern, dass es mich "früher" hier nicht gab und ich nicht die Person bin ... die Du glaubst in mir zu erkennen.

    Zitat kls

    Wenn ich meinen Nachbarn verkloppe, habe ich zwar gewonnen, aber noch lange keinen Frieden hergestellt
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    Das wäre auch unlogisch- man verkloppt niemanden, mit dem man dauerhaften Frieden anstrebt - ausser Du verstehst in diesem Zusammenhang unter Frieden Versklavung und Unterdrückung

    Zitat kls

    Aber eben: Nicht ausschließlich. Er will auch in Echt Motorrad Fahren und nicht nur seine Kumpels im Schweinerennen Um Die Gunst Der Dame überholen. Er will Saufen, Fressen, Dreckige Witze Erzählen, Mit Kumpels Abhängen, Furzen, Wollmäuse Züchten, In Der Nase Bohren usw.
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    Ja, all dies will er...aber auch nur um seinen Samen zu verbreiten - nur ist er sich dessen nicht bewusst, bzw. in der Lage die Zusammenhänge zu erkennen.

    Du wirst keinen renommierten Wissenschaftler finden ... der ernsthaft etwas anderes behauptet.

    Zitat kls


    Das bringt mich zurück zu dem, was mich heute aufregt: IS und die Reaktionen der zivilisierten Welt auf diese Abnormität. Ich weiß es nicht viel besser, aber das macht nichts, weil ich mich in der beneidenswerten Position eines Kritikers befinde. Es müsste ein anderer Ansatz her, aber nicht so abstrakt wie von WSIB wortschwer postuliert.
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    Eine Endlösung?!?

    In meinen Augen spielt hier die Türkei keine unwesentliche Rolle - sie hat über einen langen Zeitraum das byzantinische Reich würdig vertreten, tauschte aber ihren Diplomatenkoffer in Öl ein und findet jedes Feuer

    Zitat kls

    Aber es soll ja Leute geben, die sich aufregen, wenn in einer Badeanstalt mehr Liebe passiert. :)

    Vielleicht sind das Leute die einfach nur ihre Badeanstalt lieben

  8. #8

    AW: Was mich aufregt

    Zitat von andere/dimension
    "Wer seinen Samen mit Erfolg am weitesten streut...der hat gewonnen"

    Wenn dem so wäre, wären die Künstler ja (nach Darwin) schon lange ausgestorben - es gibt sie jedoch immer noch, obwohl es objektiv keinen Vorteil bringt. Es gibt Nullsummen- Minussummen und Plussummenspiele. Gibt es einen Gewinner, gibt es immer zwei Verlierer.

    Zitat von KLS:

    "Der Untergang des Abendlandes ist gewiss. Endlich."


    Was, lieber KLS, könnten wir denn noch verlieren, was wir nicht schon verloren haben?

    Weiterhin bin ich der Meinung, dass dieser auf den Wahnsinn der Welt fixierte Blick, den Wahnsinn dieser Welt bestellt. Wir erwarten Wahnsinn - wir bekommen Wahnsinn. Können wir uns nichts Angenehmeres vorstellen?

    Ob Morgenland, ob Abendland, ob Asien, ob Afrika, wir werden alle mit arsenhaltigem Reis abgefüttert. Ob Inder oder unsere Kinder: Sie leben in einer Welt, in der - mal eben nebenbei verkündet wird: Reis als bisher günstigstes Grundnahrungsmittel der Weltbevölkerung fällt künftig weg.

    Milchreis für Kinder? Pustekuchen! Regt mich auf, dass sich über diese vorsätzliche Globalvergiftung niemand mehr aufregt.

    Wollen wir jetzt Warnhinweise auf "Todesmittel" drucken?

    Der Verzehr dieses Grundnahrungsmittels in überlebensnotwendigen Dosierungen kann zu lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen führen?

    Wenn wir daran nicht bemerken, auf einem Planeten zu leben, und nur gemeinsam - in friedlicher Koexistenzabsicht - den Anforderungen unserer Mitweltsituation entsprechend, adäquat reagieren, dann hätten wir ein echtes Kontra-blem. Zum Glück haben wir jedoch Pro-bleme. Wären Probleme "GEGEN" etwas, hießen sie definitiv Kontrableme. Welches Em-blem trägt der Pro-Blame-Berg?

    Die Vermeidung lange überfälliger Einsichten? Manche haben zwar möglicherweise Milliarden auf ihren Konten und können doch nicht sicher sein, ihr eigenes Kind nicht mir arsenhaltiger Muttermilch zu vergiften. Das Abendland und das Morgenland werden sich zusammen mit den Asiaten und Afrikanern aus Trotz vergiften. Damit kein Gewinner etwas gewinnen könnte.

    Wir streiten um vergiftete Kinderspielzeuge. Aber man kann sich aufregen, ohne sich wirklich aufzuregen. Es ist, wie es jetzt ist. Es muss aber nicht so bleiben. Free-Ride-Effekt bedeutet, dass auch die vorsätzlichen Verursacher "umsonst mitfahren" wenn wir diesen Irrsinn beenden. Es ist der Müll vor unserer eigenen Haustür, über den wir uns aufregen. Der "Deutsche" fällt nicht mit der Tür ins Haus. Wir fallen mit dem Haus in die offene Tür hinein.

    Die Muster wiederholen sich, bis die Ursachen ausgeglichen werden. In jedem Problem steckt die unerkannte Energie des PRO. Negentropie, also die Erinnerung an einen Zustand gefühlter und bewusster Zufriedenheit, entsteht, indem wir die bisher unerkannte Schicksalsbelehrung durch die Welt um uns herum, an uns heranlassen. Nicht indem wir der Blam(e)-AGE des kollektiven Irrtums weiter davonlaufen wollen. Wohin will der Strauß seinen Kopf stecken? Was lockt das Goldene Kalb vom Eis?

    Ihre vergifteten Kinder? Der eigenen Brut beim Sterben zusehen zu müssen, kann nicht ernsthaft mit Erfolg verwechselt werden. Der Bandwurm ist nicht eigentlich erfolgreich, wenn er jedes Jahr seine Wachstumszahlen feiert. Wer ist der Wirt, der die Zeche zahlt? Wir haben uns diese Arsensuppe eingebrockt und löffeln sie alle zusammen aus. Was jedoch die Auferstehung des Abendlandes beinhalten könnte, würden die Informationen adäquat aufgenommen, verarbeitet, und im sozialen Netzwerk Menschheit auf alle Ressourcen zur Gesundung unseres Planeten zurückzugreifen.

    Hinsehen zu können und dabei nicht dem destruktiven Raubtierzoo im Kopf auf den Leim zu gehen, gelingt, blicken wir über die Suppenschüssel Zeit hinweg. Wem würde es nutzen, mich aufzuregen? Wenn all diese "Gewinner- und Raubtier-Ellenbogen-Mentalität" in Konzepten abgestufter Besonderheit uns in der Niederlage vereint, können wir den kausalen Irrtum des fehlerhaften Grundparadigmas nicht länger verleugnen.

    Diese Blamage der unsichtbaren Hand war notwendig, das Gesetz von Ursache und Wirkung in einen globalen Kontext zu bringen. Hinter dieser kollektiven Ent-Täuschung liegt die Hoffnung, dem Chaos durch Transparenz einen zunehmenden Ordnungsgrad in den Reaktionen zu verleihen. Wir können nicht dauerhaft nicht lernen. Selbst wenn wir nichts lernen wollen, lernen wir etwas. Was wir lernen können ist, schon zu sein, was wir suchen. Zukunft und Vergangenheit sind nur relative Konzepte. Wir sind, was wir waren und zweifelsfrei wieder sein werden. Zeit dazu besitzt die Zeitlosigkeit mit Sicherheit. Warum also all dieser Stress?

    Ich glaube, wir hatten einen Albtraum und merkelten nicht, wie verwobene historische Strukturen aus dem Unbewussten aufstiegen, um erneut durchlaufen und mit einer erweiterten Bedeutung versehen werden: Es nutzt doch allen Wesen, unseren Heimatplaneten nicht unnötiger Weise mit wachsenden Mengen von Pflanzenschutzmitteln und Giften zu überziehen, ohne langfristig durch die globalen Risikofusion nicht zum Verlierer zu werden. Sind wir jetzt Gewinner oder Verlierer? Wäre der Verlust des Damoklesschwertes wirklich ein Verlust?

    Ich brauch mich nicht aufregen. Meinen Geist kann all das im All nicht beschädigen. Binde ich diesen Geist nicht im Körper an, bin ich frei. Diese Wirklichkeit kann nicht bedroht werden. Darum gibt es keinen wirklichen Grund, mich aufzuregen. Das All hat alle Zeit der Welt. Niemand kann nicht ewig nichts lernen.

  9. #9
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Was mich aufregt

    Zitat WirSindIchBin

    Wenn dem so wäre, wären die Künstler ja (nach Darwin) schon lange ausgestorben
    ---------------------------------------------------------------------------------------------

    Warum? Gerade die verstreuen doch sehr erfolgreich ihre Samen. Künstler haben eine magische Anziehungskraft, ähnlich den Ärzten und Piloten, obwohl der Künstler etwas ganz anderes symbolisiert.
    Ärzte und Piloten garantieren Leben (Macht, Ansehen, Erfolg, Geld...), Künstler verkörpern das Leben, ohne selbst lebensfähig zu sein - sie werden früher oder später verlassen, aber bis dahin haben sie ihre Samen schon verstreut. Der Schmied schmiedet um zu überleben, der Künstler überlebt um zu malen. Man muss hungrig sein um zu schmieden und satt sein um zu malen.

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Arrow Das Wesen des Künstlertums

    karlchen und anderedimension schrieben zum Thema und besitzen verschiedene Ansichten. Offenbar. Ich halte das Thema für interessant genug, dafür einen eigenen Ordner ins Leben zu rufen.

  11. #11
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Das Wesen des Künstlertums

    keine Ahnung...ob wir wirklich unterschiedlicher Meinung sind - ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass das konventionelle Leben der größte Feind der Kunst ist.

  12. #12
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das Wesen des Künstlertums

    Das werden wir wissen, wenn karlchen antwortet. Allerdings habe ich eine andere Auffassung als Du dazu, denn ich glaube, daß ein Künstler NICHT zuerst nach dem Brot geht, sondern in seiner perspektivischen Grundsatzentscheidung den Weg zum Künstlertum wählte. Daß die Kunst meist brotlos bleibt, liegt in der Natur der Sache. Ich spitze das jetzt mal zu: Damit eine Brücke wirklich lange steht und ihre Dienste für die Allgemeinheit leisten kann, muß wenigstens das Blut eines Arbeiters in ihren Fundamenten stecken. Wo gehobelt wird, fallen Späne...

    Kunst berührt das Elementarste menschlichen Seins und es wäre ein Wunder, wenn sie nicht auch die bloße Existenz berührte, die natürliche.

    Ich kann das gern noch vertiefend ausführen, doch ich denke, mein Standpunkt ist deutlich geworden.

  13. #13
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Das Wesen des Künstlertums

    ...das würde auch erklären warum wir krampfhaft daran arbeiten (indem wir sie versuchen sie zu verstehen) sie in ein Leben zu holen...dessen Gegenentwurf sie eigentlich ist

  14. #14
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Das Wesen des Künstlertums

    Zitat aerolith

    Allerdings habe ich eine andere Auffassung als Du dazu, denn ich glaube, daß ein Künstler NICHT zuerst nach dem Brot geht, sondern in seiner perspektivischen Grundsatzentscheidung den Weg zum Künstlertum wählte

    Das gleiche sagte ich mit:

    Man muss hungrig sein um zu schmieden und satt sein um zu malen.

  15. #15
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das Wesen des Künstlertums

    nö, sagst Du nicht. Dein Ansatz ist materialistisch, meiner idealistisch. Deine Ausgangsthese kann ich auch mit Brecht zuspitzen: Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral. Zuerst muß ich fressen, dann kann ich malen.
    Ich aber sage: Zuerst will ich malen, das andere findet sich.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Richard
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    AW: Das Wesen des Künstlertums

    @kls
    Die Annahme AD sei Suz ist schon sehr abenteuerlich. Suz's Sprache kenne ich seit dem "Kaputte Literatur-Forum", das war ca. 2002. Manchmal bis ganz selten schreibt sie in meinem Forum. Sie macht sich halt rar, das ist alles.
    Grüße

  17. #17

    AW: Das Wesen des Künstlertums

    Kunst heilt die Wunden, die der Verstand uns schlug.

  18. #18
    kls
    Laufkundschaft

    Das Wesen des Künstlers, womöglich gar die Künstlerseele … Huch!

    Nach meinen Beobachtungen kommt diese Subspezies (Künstler vulgaris) oft aus bürgerlichem Haus, den 'Armen Künstler' kenne ich nicht. Jedenfalls bin ich kein Künstler, dafür fehlt mir die Hingabe und die Disziplin. Deswegen kann ich auch nur über die Motive spekulieren, die einen ansonsten normalen Menschen dazu bringen, sich von der Kunst adoptieren zu lassen: Die verzweifelte Hoffnung 'Es', (das Ganz Besondere) zu haben? Der Wunsch berühmt zu werden? Trotzreaktion auf Vereinnahmung, die aus dem Kind was 'Vernünftiges' machen will? Lange Weile? Sublimiertes Balzen? (…)

    Vielleicht sollte man eine andere Definition wählen: Alle, die an Sachen Spaß haben, die sich nicht rechnen lassen und – ganz wichtig – die das für wichtiger halten, als nach bescheuerten Spielregeln einer Leistungsgesellschaft zu funktionieren.

  19. #19
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das Wesen des Künstlers, womöglich gar die Künstlerseele … Huch!

    Laufkundschaftler, Er redet hier von Dingen, die Ihn nach Selbstaussage nichts angehen können. Wie will Er über Angelegenheiten wertend daherreden können, wenn es Ihm an Disziplin, Hingabe und Adoptionsbereitschaft fehlt?
    Seine Beschreibung eines Künstlers erinnert mich an den Bohemian des fin de siecle, nicht aber an den Sehnsuchtssucher im Angesicht des HErrn.

  20. #20
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Das Wesen des Künstlertums

    Mein Ansatz ist alles andere als materialistisch - das ist er nur, wenn Du meine Metaphern wortwörtlich nimmst/Metaphern sind aber u.a. dafür da ... um gerade das nicht zu machen.
    Ich redete vom Antrieb, der Motivation - beim Künstler nicht von irdischer Natur. Mit Geld, wie von kls recherchiert, hat das ohnehin nichts zu tun. Es gibt keinen (echten) Künstler, der
    in einer Reihenhaussiedlung wohnt, donnerstags den Müll rausbringt, am Samstag um 16:00 den Rasen mäht und nach dem Tatort den Beischlaf über sich ergehen lässt. Kunst ist doch erst dann Kunst, wenn niemand sie braucht. Den Entwurf eines Architekten, ist er auch noch so genial, bezeichnen wir nicht als Kunst. Kunst ist immer auch Verschwendung. Hänschen Schmitt aus der Reihenhaussiedlung würde niemals etwas verschwenden.

  21. #21
    kls
    Laufkundschaft

    Der NoArtHeld

    Das Gedicht 'Die Hanfpflanze braucht Wasser' (Was hat der Titel eigentlich mit dem Text zu tun?) kann ich als Laufkundler nicht kommentieren, hat mich aber endgültig davon überzeugt, dass Andere Dimension niemals Suz ist, sondern höchstens Billi Billibi, oder wie sich Lüdke sonst so nennen mag. :) (Nur, warum erinnert mich der Stil an Apfelkuchen? Ich darf das, ich bin krank, ich bin Antikünstler!)

    Ich bezweifele irgendwelche hehren Motive beim Künstler, weil ich den meinigen misstraue. Insgeheim halte ich mich schon für jemanden, der an Sachen Spaß hat, die sich nicht rechnen ... wichtiger … als bescheuerte Spielregeln ... Leistungsgesellschaft. Das geht aber nur, weil ich aus sicheren Verhältnissen stamme. Diese Selbstverständlichkeit von wirtschaftlichem Wohlergehen war als Lebensinhalt/-ziel nicht weiter erstrebenswert, kein Abenteuer. Die Steigerung eines Künstlers ist logischer Weise der 'Anti-Künstler', weil der die mit dem Wort 'Künstler' einhergehenden Verpflichtungen unterläuft, es gar nicht mehr nötig hat, auf seine unglaubliche Kreativität und musische Ader hinzuweisen. Sich nicht einfangen lässt.

    Das Wort ist mit Leistungsansprüchen besetzt, und das war nicht Sinn der Sache; ist ein Gefängnis und die Berufung erfolgt meist in Form von Überlegungen wie: „Willst du etwa den ganzen Tag an einem Schreibtisch sitzen wie dein Vater, oder Steine vom Feld schubsen wie dein Großvater? Nee nech? Außerdem dürfen Künstler ständig ihre Musenkontakte erneuern, das erwartet man sogar so von ihnen. Die Gitarre als Joker im Spiel der Geschlechter, die Leinwand als ehrenwerten Grund, hübsche Mädels nackig zu labern, Freibier für Klavierspiel in der Stammkneipe.

  22. #22
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Das Wesen des Künstlertums

    Ich bin ich - und sonst niemand. Warum vermutest Du hinter mir eine andere Person? Zwar schreibe ich anderswo auch mal unter anderem Namen, hat aber mit Geheimnistuerei nichts zu tun - ist ja auch ganz leicht zu recherchieren. Doch so wichtig bin ich nicht, als dass man mir nachschnüffeln müsste. Außerhalb der Forenwelt schreibe ich selbstverständlich unter anderen Namen - aber auch andere Texte.

    Um auf die Künstler zurück zu kommen; da findest Du zum o.g. meine Zustimmung.

  23. #23

    AW: Wesen der Kunst

    Kunst ist es, das Bewusstsein ganz in etwas aufgehen zu lassen. Dabei wird der Theta-Wellen-Modus zugeschaltet und die Raubtiere im Kopf freuen sich, Bilder und Symbole mit dem Bewusstsein auszutauschen zu können. Wenn der Künstler das Raubtier "materielle Sorge" nicht mit Freude und "Spielzeiten" versorgt, durchzieht diese Absichtsfrequenz jede Gestaltung von Motiven. Auch die materielle Sorge ist im weiteren Sinn ein Aufmerksamkeitsdefizit. Ein Ausdruck fehlenden Vertrauens in die Freundlichkeit des Resonanzbogens Mitwelt und Universum.

    Absichtslosigkeit, Nutzlosigkeit, Zeitlosigkeit und Freude beim Erwerb von Fähigkeiten, das Staunen nicht weiter in Vergessenheit geraten zu lassen, gehören zur Kunst. Kunst öffnet den Weg in das Theta-Wellen-Bewusstsein des Künstlers zum Zeitpunkt des Erschaffens eines Kunstwerkes. Jede Absicht und jede Definition von "Ergebnis" bremst den Fluss von Intuitiver Impression.

    Impressions-Aufnahme-Fähigkeit ist es, die jene Wunden heilt, die der Verstand im Urteil schlug. Kunst schlägt eine andere Seite im Resonanzsystem an. Viele spielen zumeist die Moll-Neinchen-Saiten an. Ohne die Moll-Töne wäre vieles schlicht unmöglich, doch überwiegend Moll-Tonarten zu verwenden, erzeugt eine Grundverstimmung im wechselseitigen, allgemeinen "Klangverhalten".

    Kunst, die mit der Frequenz des "Bekommen-Wollens" verbunden ist, entbehrt der lockeren und entspannten Absichtslosigkeit (des Alpha-Gehirnwellenmodus). Etwas "zu wollen" bedingt den (Betawellen-) Stressmodus. Kunst zu Sein und zu verkörpern ist die eigentliche Kunst. Die Kunst der Kunst ist es, die Kunst zu sein. Das (eigene und gesellschaftliche) Urteil ist es, das aus Wissen (um Kunst) wieder Zweifel (an der Kunst) macht. Außerhalb des Urteils zu stehen, bedeutet Feldunabhängigkeit und Selbstbestimmung.

    Wichtig ist es, keinen bestimmten Zweck zu verfolgen und sich offen gegenüber neuen Horizonten zu zeigen. Allen Betrachtern neue Horizonte zu eröffnen, ist das eigentliche Wesen des Künstlertums.

    Kunst ist also nicht, Diarrhoe ins Gehirn zu nageln, sondern den Sinn für Schonheit mit Spielzeiten zu versorgen. Gelangweilte Raubtiere im Kopf sind eine Gefahr für den Bestand einer kreativen und fantasievollen Grundordnung. Durch die Dominanz der linken Gehirnhälfte läuft unser Dula-Core Prozessor in einer Art halbseitigen Lähmung wesentlicher Fähigkeiten. Kunst sorgt für symetrische Hypersynchronisation vorher getrennter Gehirnhälften und heilt unsere Gehirnhälftenlähmung im AAAH und OOOH Modus des Staunens.

    Erstaunlich, aber Kunst könnte auch als neuroplastischer Vernetzungsvorgang aufgefasst, tatsächlich vieles bewirken. Daher wurd Kunst im Wesentlichen zu Kommerz und ist heute ein "Investment". Die Säule von Kunst und Kultur innerhalb von Staat und Wirtschaft ist stark verkürzt und der Tisch, wie auch der Vergleich, hinkt ein wenig.

  24. #24
    kls
    Laufkundschaft

    Das Wesentum des Künstlers

    Geht schon klar, Du bist Du. Das ist mir schon seit längerem bewust. Du musst aber zugeben, dass sich die ... Lakonie in dem Gedicht 'Die Hanfpflanze ...' etwas ungewohnt anhört.

    Der 'NoArtHero' ist zwangsläufig ein fauler Sack. Künstler müssen - man staune - schwer arbeiten um ihren ignorativen Kunstkonsumenten etwas zu bieten - das ist wahrlich nicht sein Bier: Verweigerung, ganz besonders Leistungsverweigerung sollte keine Mühe bereiten, sondern lustvoll das Gegenteil.

    Künstlerseele. Das Wort ist eine Unterstellung. Eine maßlose Übertreibung. Mit dem Begriff geht eine unangemessene Verpflichtung einher. Wie schwul hört es sich denn, bitteschön, an, wenn jemand behauptet, er sei ein Künstler?

  25. #25
    andere/dimension
    Laufkundschaft

    AW: Das Wesen des Künstlertums

    Zitat kls

    Das Gedicht 'Die Hanfpflanze braucht Wasser' (Was hat der Titel eigentlich mit dem Text zu tun?)
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Das hat sehr viel mit dem Text zu tun - ist, gerade durch seine Nebensächlichkeit, ein wesentlicher Bestandteil dessen..

    Zitat kls

    Du musst aber zugeben, dass sich die ... Lakonie in dem Gedicht 'Die Hanfpflanze ...' etwas ungewohnt anhört.
    ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    "zugeben" wäre der falsche Begriff ... für einen Text mit kryptischen Elementen

    Als Autor den Text "erklären"... das verbietet sich - hin und wieder mache ich es dann doch

    Mal angenommen ich schreibe einen Liebesbrief und der landet versehentlich bei dir. Du wirst den Inhalt in seinen einzelnen Fragmenten verstehen, ihn aber nicht in einen Kontext bringen können.
    So manche Passage wird seltsam, vielleicht sogar befremdlich, auf dich wirken, weil sie sich erst im Kopf des richtigen Adressaten vollendet. So ist das auch in der Lyrik - eigene Erfahrungen, Gedanken, Interpretationen, können nicht ausgeschaltet werden...sind immer auch Co-Autoren. Deshalb reden wir auch gerne von "den Nerv getroffen" - das sagt über die Qualität zunächst mal nicht aus. Ein Hemmingway, ein Simmel, eine Pilcher, wären ohne dieses Phänomen niemals erfolgreich gewesen. Waren, bzw. sind diese drei Schriftsteller Künstler? Ich sage "nein". Sie haben weder eine Epoche ins Leben gerufen noch geprägt...

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