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Thema: Dunkle Lust

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Dunkle Lust

    Einst hielt man nichts von schwarzen Mähnen,
    und wenn, hielt man sie nicht für schön,
    auch schwarze Augen galten nichts bei denen,
    die dichten und auf Ideale stehn.
    Doch seit man kunstvoll alles simuliert
    ist es mit diesem Märchentand vorbei,
    jetzt ist noch jede Schlampe aufblondiert
    und bunte Linsen sind der letzte Schrei.
    Drum sind die Haare meiner Liebsten schwarz
    und schwarz ist auch ihr trauerdunkler Blick
    auf all das Bunt. Sie selbst trägt einzig schwarz,
    schwarz sind die Fesseln und das Nicht-Zurück:
    Denn wenn wir in die dunkle Lust eintauchen,
    dann ist nur solche Schönheit zu gebrauchen.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    Question AW: Dunkle Lust

    Shakespeare?

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Dunkle Lust

    Antwort 1:


    Was ist mit Schneewittchen?


    Wir Romantiker lieben dunkelhaarige und rothaarige frauen. Nur die Blonden und Indifferenten sind uns zuwider.


    Da hat aber einer in den urteilsfreien und vorurteilsvollen Schmalztopf gegriffen!


    Formal bricht sich die Diktion im Mittelteil (drum), inhaltlich aber nicht. Absicht?


    Antwort 2:


    Hatte gerade eine Schlampe am Wickel, die war blond bis auf die Schamhaare. Und schließlich bekam ich mit, daß es nicht echt war. Und dann hörte ich auch noch den Spruch: Ihr Männer seid so leicht zu betrügen. Und jetzt Du mit diesem Text.


    Antwort 3:


    Das Helle zieht uns hintan. Das Dunkle aber bleibt trügerisch - und darum reizvoll. Am reizvollsten aber ist das Unnahbare. Ist das auf eine Farbe zu begrenzen?

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Dunkle Lust

    miranda: 127
    edgar: cool




    Einst wußte man, daß Schwarz nichts Klares hat
    und wenn, dann nannte mans nicht schön
    doch nun tritt Schwarzes an des Schönen Statt
    und Schönheit muß im Kleid der Schande gehn.


    Seit jedermann Natur nur simuliert
    hat Schönheit keinen Namen und kein Haus
    wird Trübes aufgehellt und buntgeschmiert
    und Schönheit schlechtgemacht und aus.


    Drum hat die Meine rabenschwarze Augen
    die wie die Brauen voller Trauer scheinen
    um die, die schön sind aber sonst nichts taugen
    und schöngefärbt die Schöpfung selbst verneinen.


    Obwohl sie trauern, wars ihr Leid, das machte,
    daß jeder Schönheit schön wie sie sich dachte.




    [Diese Nachricht wurde von robortello am 08. Juli 2000 editiert.]

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Dunkle Lust

    lieber edgar, dies zur erläuterung der entstehung im zusammenhang mit einem gereimten übersetzungsversuch. miranda hat das wohl gleich gemerkt. daher auch die alte klischeekiste. das mit der diktion und dem inhalt versteh ich nicht so ganz, denn mit dem "drum" wechseln reim und gestus. um die herleitung komplett zu machen hier noch das shakespeare-sonett nr. 127:


    In the old age black was not counted fair,
    Or if it were, it bore not beauty's name;
    But now is black beauty's successive heir,
    And beauty slander'd with a bastard shame:
    For since each hand hath put on nature's power,
    Fairing the foul with art's false borrow'd face,
    Sweet beauty hath no name, no holy bower,
    But is profaned, if not lives in disgrace.
    Therefore my mistress' brows are raven black,
    Her eyes so suited, and they mourners seem
    At such who, not born fair, no beauty lack,
    Slandering creation with a false esteem:


    Yet so they mourn, becoming of their woe,
    That every tongue says beauty should look so.




    hab mich übrigens sehr über die erotischen geständnisse gefreut.

    gruß, robortello.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Dunkle Lust

    Therefore my mistress' blows are raven black - Drum hat die Meine rabenschwarze Augen


    Bleiben wir doch bei der erwählten Zehnfüßigkeit, eine Tetraktys gilt es nicht auszuhöhlen durch ein eilftes Ungebild! Wenn?s doch wenigstens ein Alexandriner gewest!


    Dieses DRUM ist die Achse. Das davor ist Vorbereitung, das danach Auswicklung der Begründung. Aber die Thesis-Antithesis-Synthesis ist eben nur (beinahe) formal gehalten, inhaltlich schwebt's auf und davon. Ist aber genehmigt. Ist genehmigt und genehm, weil's nicht bitter aufstößt, sondern bei sich bleibt. Mehr ist kaum zu verlangen.
    Im neunten Vers muß Entscheidendes passieren, passiert und vorbei, der Wisch gerettet im Ungebleichten. Ich danke.


    Üben wir uns im Sonetteschreiben?


    Bin dabei.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Dunkle Lust

    das ist ja auch mal was neues, daß jemand nach dem alexandriner ruft, jenem so lange als undeutsch verpönten französischen vers.


    nun bleibt es aber dennoch ein fünfheber, mein freund, da wir ja keine silben zählen wie die romanen, sondern akzente bzw. hebungen. beim weiblichen reimschluß ists dann halt eine silbe mehr, das läßt sich einfach nicht vermeiden.


    ja, mit dem "drum" stimmts. aber ist es wirklich so, daß das so sein MUSS, daß es da umbricht. regeln sind ja auch zum spielen da, und wo ließe sich das besser demonstrieren, als im sonett?


    salute!

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Dunkle Lust

    Das läßt sich nirgendwo schlechter realisieren als beim Sonett, mein lieber Selbstdreher.


    Fünffüßige Jamben sind dem Sonett nicht sonderlich zuträglich; der Verfall ist durchs Alexandrinum gegeben. Dazu mag man sich positionieren. Ich halt eben nicht viel davon, aber damit ein Sonett durchzuforsten, das halt ich für fahrlässig. Probier es, und wenn Du ein System in Deinen Text bekommst, rufe ich als erster "Bravo!"


    Ich glaube, daß, seitdem Lessing den Blankvers im Deutschen hoffähig machte, hatte das Sonett seine letzte Stunde. Oder kennst Du einen bedeutenden Sonettschreiber nach Lessing? Und ich glaube, es lag nicht an der Form, die noch viele erfolgreich benutzten (Wiener Moderne), sondern an der Feinform, an der Hebungszahl, an der inneren Sprach- und Reimstruktur, die dem Sonett den Garaus machte, seitdem sich der Blankvers als erfolgreicher erwiesen hatte, der und andere eben auch.

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Dunkle Lust

    goethe, platen, (baudelaire, mallarme, wordsworth, barrett-browning), george, rilke, brecht, zech, trakl, noch fragen?

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb AW: Dunkle Lust

    Danke, mein Lieber. Dann haben wir jetzt Stoff zur Beschäftigung. Könnten wir nun ein wenig Schwung holen, uns orientieren und dem Text eine Drehung verpassen, die ihm behagt?

    Zugleich möchte ich meinen Standpunkt ein wenig deutlicher machen: Formen haben in der Dichtung ihre Zeit. Du schriebst oben etwas vom verpönten Alexandriner in der deutschen Dichtung. Das ist richtig, er war verpönt, aber nicht um 1620. Da ward er erst entdeckt. Aber die Entwicklung ging weiter. Und spätestens mit Harsdörffer hört der Alexandriner auf, in der deutschen Dichtung Reputation zu besitzen. Ähnlich verhält es sich mit dem Sonetteschreiben. Die von Dir genannten Dichter übten sich wohl darin, aber das war nichts weniger als eben das: Übung. Brecht nutzte die Form für seinen Verfremdungseffekt. Nichts wirkt befremdlicher als ein sozialistischer Realist, der seinen Inhalt in die antiquierte Form eines Sonetts gießt. Da muß man ja nachdenken! Und Rilke! Ja, Rilke hatte wohl aufgrund seiner Todesnähe einen stärkeren Bezug zum Vanitas-Grundgefühl der Zeit, als das Sonett mit der klassischen gedanklichen Dreiteilung Thesis-Antithesis-Synthesis Konjunktur hatte. Ähnlich die morbiden Franzosen Mallarme und Baudelaire. Die haben doch doch keinen Blick nach vorn gewagt, sondern sich wiederkäuend, wenngleich formal meisterhaft, artikuliert.

    Ist mein Standpunkt itzt klarer geworden?

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Dunkle Lust

    SONNET CXXVII


    In the old age black was not counted fair,
    Or if it were, it bore not beauty's name;
    But now is black beauty's successive heir,
    And beauty slander'd with a bastard shame:
    For since each hand hath put on nature's power,
    Fairing the foul with art's false borrow'd face,
    Sweet beauty hath no name, no holy bower,
    But is profan'd, if not lives in disgrace.
    Therefore my mistress'eyes are raven black,
    Her eyes so suited, and they mourners seem,
    At such who, not born fair, no beauty lack,
    Sland'ring creation with a false esteem.


    Yet so they mourn, becoming of their woe,
    That every tongue says beauty should look so.


    William Shakespeare

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Dunkle Lust

    avveva gli occhi neri, neri, neri,....


    Sennenvolksmund

    buh

  13. #13
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Dunkle Lust

    ach, wolkenstein!
    nach lessing kein bedeutender sonettenschreiber? (wie das schon klingt, wie hosenschneider oder bürstenbinder)...


    ich geb dir einen namen, süß wie wein,
    gleich einer beere schmiegt er sich im munde,
    auf der sich manche milde sonnenstunde
    verträumte in die dämmerung hinein.


    in diesem namen warst du immer mein,........


    Anton Wildgans, Sonette an EAD, 1912


    allerleirau (grübelnd nach stefan-george-texten suchend)

  14. #14
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Kurzessay über den Gebrauch des Sonetts

    Hier die noch fehlende Antwort, warum ich nach Lessing keine bedeutenden Sonettisten akzeptiere:


    Ja, das hat mich dann schon beschäftigt, ob denn seit Lessing wahrlich kein herausragender (im literaturhistorischen Sinne formal-progressiver) Sonnetist mehr aufgetreten?
    Es war v.a. der romanische Raum, in dem sich nach Lessing immer wieder Dichter fanden, die dem Wort Würde zurückgeben wollten, was durch die Entwicklungen zum Kapitalismus, also zu einer Gesellschaftsform, in der dem Wort nur ein vernunftrechtlicher Rahmen Wirkung konzedierte. Würde aber ist Form. Form aber ist Strenge und Versachlichung von Gefühl und Zustand. Naturalistische Formnegierer mit dem Dünkel der Evokation des Tatsächlichen (Zola) sind die eine Seite, die andere sind diese Spinner der Form, unter welche ich mich zähle. Tragische Koketterien, die unruhig und diskret vorgehen haben da ebenso ihre Bedeutung und ihre Einlassung wie die gesuchte Gebärde, die doch aber aus einem Innenleben gespeist werden muß, die sich im Ausdrücklichen findet und formt. Beides sind Antworten auf die Versachlichung der Welt, die eben ist.
    Gab es zu Shakespeares Zeiten noch ein Hamlet-Problem, einen, der die innere und geheime Tragödie auf eine äußere Bühne brachte und so letztlich das Geheime versachlichte - das war neu und einzigartig und nötigt uns modernen Menschen noch heute Respekt ab, schließlich sehen wir in Hamlet einen von uns in einer Zeit, die eben nicht UNS ist -...
    Mallarme ist jetzt der Angelpunkt, ganz konkret. M. entwickelte das Prinzip der Divagationen, d.i. ein subjektverhaftetes Umherschweifen in der Form, aber diese (formale) Gralsuche wird horizontal durch die Ebenerdigkeit des Verses begrenzt. Das ist eben das Verhängnis, die Grenze Mallarmes, daß er eben nicht ein Sonett schreiben konnte, das die Tiefe erreichte, es sind Kuppelgräber, Mensch!
    Das Sonett der Aufklärung (selten genug) ließ die Dinge nicht mehr nur aufflackern, sondern suchte sie zu benennen. Das war das Ende des Sonetts. - Ein Sonett benötigt eine Zerrissenheit, die erst mit der Postmoderne wieder den Riß fand, der die Unerbittlichkeit unserer Triebe festzuhalten in der Lage ist. Die Form einer Thesis-Antithesis-Synthesis ist durch eine moraline Diktion, auch in einer klassischen Fönfaktigkeit nicht aufzugeben, nicht im Zeitalter der Klassik oder des Sturms, nicht in einem Zeitalter der Romantik oder einem der naturalistischen (prä oder punk)-Bestandsaufnahme, wohl aber in einer disparaten Gesellschaftlichkeit. Das Barockzeitalter war so, mit dem Aufkommen des Imperialismus war diese Zeit wieder gegeben. Dazwischen Ebbe.
    Ich sage also, daß es zwischen Lessing und Hofmannsthal/George keine bedeutenden Sonettisten gab, Goethe ist da nur ein Relikt, einer, der zeitkontextunabhängig schrieb, und Goethe benutzte schließlich JEDE Form, aber seine Form war der Knittelvers, wer wollte das bestreiten, andernfalls hätte er seine wichtigste Dichtung nicht damit grundiert. Und das, meine Damen, ist eine Ironie.

  15. #15
    rodbertus
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    AW: Dunkle Lust

    Da suchen wir noch ein bißchen weiter, bis wir gefunden haben eine Listung mit Sonettisten nach Lessing. Aufgenommen wurde das Zeitalter der frühen Postmoderne, Zerfallserscheinungen werden fast immer von neuen Poetiken begleitet, die aber finden fast immer zum Sonett.
    Insofern Asche auf mein Haupt. Es gibt es, das Sonett nach 1779! Aber es hat nur eine regressive Bedeutung. Das ist wie beim Fußball: manche Tricks werden schlichtweg nicht mehr benutzt, weil sie sich überlebt haben. Andere wiederum, zum Beispiel der gute Links-Rechts-Links-Trick oder der Doppelpaß bleiben. Das Sonett hatte seine Zeit, aber um 1750 war Schluß damit.

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Dunkle Lust

    Disparate Gesellschaftlichkeit im Barock?=Absolutismus.

    Man schlage nach bei Shakespeare und lande in der Renaissance.

  17. #17
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Dunkle Lust

    Barock ist nicht gleichzusetzen mit Absolutismus.
    Renaissance ist es nicht mit Shakespeare. Wo ist hier eine Meinung?

  18. #18
    Kurzvormabschussiger
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    Lightbulb AW: Dunkle Lust

    Hochschulwissen in Einzeldarstellungen:


    Englische Literaturgeschichte


    Edgar Mertner (Prof an der Universität Münster):


    Englische Literatur von der Renaissance bis zur Gegenwart


    Quelle & Meyer Verlag Heidelberg


    IV. Die Renaissance:


    ....


    7. Das Drama vor Shakespeare
    8. Shakespeares Dramen


    Dort Shakespeare auch als Dichter der Hochrenaissance eingestuft.


    Barock und Absolutismus hängen ideell sehr wohl eng zusammen.

  19. #19
    rodbertus
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    Exclamation AW: Dunkle Lust

    ich kann auch heute shakespeare nicht als renaissance-dichter einordnen. für shakespeare muß es einen extra-ordner geben. der hat nicht nur aus dem vergangenen geschöpft, um es der gegenwart zu verkaufen, der wollte nicht nur wiederbeleben, nicht in das tote leben hauchen, der wollte keinen unterschied zwischen einst und dem jetzt und dem morgen amchen. obwohl, das morgen hatte er wohl nicht so sehr im sinn, darin liegt die begrenzung. da griffen andere weiter aus. aber shakespeare will mir nicht so recht in das muster eines renaissancedichters passen wollen. dabei muß ich bleiben.

  20. #20
    resurrector
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    AW: Dunkle Lust

    Ein merkwürdig unabgeschloßner Ordner, dessen zentrales Thema wohl "Paradigmenbestand" lautet. Ich glaube nach wie vor, daß sich wissenschaftliche Einteilungen immer überleben. Sie besitzen eine Halbwertzeit. Uneinnehmbare Mauern fallen, neue werden aufgerichtet, um schon im Baustadium Zerfallserscheinungen zu zeigen. Shakespeare steht sicherlich mit einem halben Bein in der Renaissance, zugleich aber greift sein Schritt weit in die Moderne, sogar in die Postmoderne; ich möchte behaupten, daß er auch dieses maledeite Zeitalter ueberstehen wird und dereinst im neuen postpostmodernen Zeitalter urständig gefeiert werden wird. Vielleicht aber ist es Wesens- und noch Akzidenzmerkmal der Renaissance, daß sie nach Ewigkeit strebte, modeübergreifend. Das mag ich allerdings nicht konzedieren, denn das Wesen der Renaissance liegt für mich in der Wiedererwecklung vor allem formaler Schablonen. Woher sollen die Renaissancemenschen denn die Inhalte genommen haben wollen; die mußten sich erst ausbilden. Und weil sie eben keine Inhalte hatten außer einem plattgewordenen Humanitätsideal, zerfiel das Ganze im Barock, der andererseits antithetisch genug war, um zum Höchsten streben zu wollen. Hier ist die Verbindung zum Absolutismus. Aber auch Barock udn Absolutismus sind nicht wesensgleich, nicht einmal -ähnlich.

    Wie gesagt, wir sind hier noch lange nicht fertig, auch wenn sich robortello oder allerleirau hier nicht wieder melden werden. Aber das Problem bleibt und bedarf gedanklicher Auseinandersetzung.

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