+ Antworten
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Die Julikrise 1914

  1. #1
    Chefchen Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    2.276
    Blog-Einträge
    35

    Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

    Ich habe zu dem sich heute jährenden Ereignis von Sarajewo und seinen katastrophalen Folgen für Europa und die Welt nur eines zu sagen: Wir waren die Guten.

  2. #2
    Chefchen Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    2.276
    Blog-Einträge
    35

    Post Die Julikrise 1914

    Woher der Haß gegen den Erzherzog?
    Serbien, von der Idee des Nationalstaats erfüllt, die das neunzehnte Jahrhundert kennzeichnet, wartete mit Ungeduld auf den Tod des alten Kaisers Franz Joseph. Alle Welt wußte, daß in erster Linie seine ehrfurchtgebietende Person die auseinanderstrebenden Teile der Donaumonarchie aneinanderband. Auch Franz Ferdinand, der Thronfolger, war davon durchdrungen. Sein Streben ging dahin, durch innere Reformen und Zugeständnisse an die mannigfachen Nationalitäten innerhalb der Monarchie einen bindenden Ersatz für die Gestalt Franz Josephs zu finden. Er machte sich anheischig, die feindlichen Glieder einander zu versöhnen und ein Neues zu schaffen. [statt deutsch-ungarischem Dualismus einen deutsch-ungarisch-slawischen Trialismus]
    Wo aber blieb dann die Erfüllung großserbischer Pläne? Sie konnte allein durch die Zertrümmerung Österreich-Ungarns herbeigeführt werden. Nein, dieser Thronfolger stand Serbien im Wege - er mußte verschwinden. (Werner Beumelburg: Sperrfeuer um Deutschland. Oldenburg 1929. S. 16.)

    Das Reich war im Inneren stabilisiert, nach außen hin expansiv. Veränderte wirtschaftliche Kräfteverhältnisse und eine diesbezüglich notwendige Flotten-, Kolonial- und Außenpolitik ließen es in Konflikte mit den dato herrschenden Imperien kommen. Vor allem das niedergehende Frankreich und das nachlassende England fühlten sich durch das Reich bedrängt. Der Paradigmenwechsel in der deutschen Außenpolitik nach 1890 brachte mehr Probleme als Vorteile. Die britische Außenpolitik arbeitete nach Viktorias Tod an der Einkreisung des Reiches. Dieses stand mit der Festlandsmacht Österreich-Ungarn und dem todgeweihten osmanischen Imperium gegen die Übermacht der Russen, Briten und Franzosen. Auf das nominell mit den Mittelmächten verbündete Italien war kein Verlaß. Österreich-Ungarn seinerseits befand sich in innenpolitischen Schwierigkeiten. Der Umbau seines autokratischen Staates hin zu einem föderalen dauerte und kam nicht recht vorwärts, zumal es nur wenige Autokraten gab, die bereit waren, ihre Macht abzugeben, um das Ganze zu retten. Sie standen weitgehend auf dem Standpunkt, daß sie als größter Steuerzahler der k.u.k.-Monarchie auch Vorrechte in Anspruch nehmen dürften [1], andererseits war „die Monarchie“ (wie man Österreich-Ungarn im Reich nannte) um 1910 nach dem Reich die am stärksten wachsende Volkswirtschaft Europas. Die Ungarn, mit den Juden die einzigen nichtindogermanischen Völker der Monarchie, wollten partout keinen Ausgleich mit den Slawen oder Rumänen, und die Deutschen in der Monarchie beugten sich dem ungarischen Verdikt, zumal sie die Ungarn als treue Bundesgenossen an ihrer Seite wußten und sie nicht verlieren wollten. Südslawen, Rumänen, Italiener und andere Völker bekämpften die Monarchie und wollten eigene Nationalstaaten. Hinter den meisten Ambitionen stand Rußland, dessen Panslawismus neuerdings durch England unterstützt wurde und in Frankreich sowieso einen dauerhaften Verbündeten besaß. [2] Im Reich erkannten die führenden Politiker zwar die Notwendigkeit, die Monarchie schnellstens umzugestalten. Es entsprach allerdings nicht der Reichspolitik, sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Generalstabschef Moltke d. J. war kein Freund der Balkanabenteuer und glaubte, es werde im deutschen Volk kein Verständnis geben, falls sich die Monarchie in einen Krieg mit Rußland verwickeln ließe, der wegen Serbien oder Montenegro angefangen worden sei und damit das Reich in einen Krieg gezögen würde (casus foederis), in dem es für das Reich nichts zu gewinnen gäbe. Wilhelm II. setzte noch einen drauf und glaubte, daß eine Form der Föderation, eine Art Vereinigte Staaten des Balkan (Clark, S. 376), nicht nur den Frieden sichern, sondern auch der deutschen Wirtschaft Vorteile verschaffen könnte. In Wien hörte man das sicherlich mit geteilter Begeisterung: Franz Ferdinand pro, Franz und Conrad contra…


    Gerade im Frühjahr 14 stand eine Frage, die von beiden Seiten [Auswärtiges Amt und Generalstab] völlig verschieden beurteilt wurde, zur Diskussion: Die Russen nahmen umfassende Truppenverschiebungen vor. Ganz augenfällig bewegte sich der Schwerpunkt der Umgruppierungen in der Richtung auf die deutsche und österreichische Grenze, deren Vorfelder mit diesen Massen mehr und mehr belastet wurden. Auch aus dem Innern von Rußland lagen dem Generalstab Nachrichten über eigenartige Truppenbewegungen vor. Wie waren diese Vorgänge zu deuten? Der militärischen Auffassung, daß sie uns zu einer Bereitschaft für alle Fälle veranlassen müßten, trat die verwässernde Auslegung, daß es sich wohl um eine Probemobilmachung handle, entgegen. Und die Furcht, nicht etwa durch eine sachliche Klärung "die Lawine ins Rollen zu bringen", ließ die Herren in dem Zustande des Abwartens verharren. (Wilhelm von Preußen: Erinnerungen. Berlin 1923. S. 132.)

    Dieses Geflecht aus Kriegsvorbereitung, Ignoranz, Selbstbehauptungswillen und Expansion zerstörten die Schüsse von Sarajewo vom 28. Juni 1914. Plötzlich manifestierte sich europaweit das Bewußtsein, daß etwas Ungeheuerliches geschehen sei. Neben dem Offensichtlichen, daß da ein jugendlicher Attentäter den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau ermordet hatte, war allen bewußt, daß Österreich das nicht würde auf sich beruhen lassen können. [3] Und das wiederum bedeutete die Initialzündung [4], also Krieg mit Serbien, das neben der Schwarzen Hand [5] auch die nicht minder gefährliche Narrodna Odbrana (z. dt. Wehr des Volkes; besaß etwa 400 Ausschüsse in Serbien, dazu existierten zahlreiche andere Vereinigungen wie der Schützenbund, Sokolbund, Jägerbund, Kulturliga u.v.a. mit demselben Ziel: Großserbien auf Kosten Albaniens, Montenegros, des osmanischen Imperiums und der k.u.k.-Monarchie errichten) gefördert und instruiert, Attentäter ausgerüstet und ausgebildet hatte, bedeutete eine Grundsatzpositionierung Rußlands, die nicht verhalten ausfallen würde, bedeutete den Bündnisfall, casus foederis, kurz gesagt.

    Die erste Voraussetzung für eine derartige Politik müßte aber ein klares Programm sein, das auf der Erkenntnis beruht, daß der heutige staats- und völkerrechtliche Zustand innerhalb der serbokroatischen Völkerfamilie, der einen Teil dieser nur durch die Religion, nicht aber durch die Rasse gespaltenen Nation dem österreichischen, einen anderen dem ungarischen Staat, einen dritten der Gesamtmonarchie und einen vierten und fünften endlich unabhängigen Königreichen zuweist, auf die Dauer nicht haltbar ist. Denn das Bestreben, den geheiligten status quo aus Bequemlichkeitsgründen unter allen Umständen aufrechtzuerhalten, hat schon oft und so erst bei der jüngsten Balkankrise zu einem völligen Zusammenbruch des auf diesen Grundlagen erbauten politischen Kartenhauses geführt.
    Zunächst bezweifle ich nun, daß in Wien ein großzügiger Plan, der allein die Grundlage einer dauernden Regelung der südslawischen Frage bieten würde, ich meine den Trialismus [Dreigliederung] mit Einschluß Serbiens, gefaßt worden ist. Nach meiner Kenntnis der dortigen Verhältnisse glaube ich auch gar nicht, daß man in der Lage ist, eine derartige staatsrechtliche Umgestaltung der Monarchie in die Wege zu leiten. Denn es wäre hierzu vor allem der Widerstand Ungarns zu überwinden, das sich gegen eine Abtretung von Kroatien mit Fiume [Rijeka] auf das äußerste wehren würde. Zur Durchführung eines derartigen Programms fehlt es in Wien auch an der hierzu geeigneten kraftvollen Persönlichkeit. Man sucht dort vielmehr wohl nur den Bedürfnissen des Augenblicks zu genügen und ist froh, wenn die vielen politischen Schwierigkeiten. die niemals aussterben, da sie sich aus der Verschiedenartigkeit der Zusammensetzung des Reiches ergeben, soweit behoben sind, daß Aussicht besteht, wieder einige Monate fortwursteln zu können.
    Eine militärische Züchtigung Serbiens hätte daher niemals den Zweck oder das Ergebnis einer befriedigenden Lösung der so überaus schwierigen südslawischen Frage, sondern bestenfalls den Erfolg, die mühsam beigelegte orientalische Frage von neuem ins Rollen gebracht zu haben, um Österreich eine moralische Genugtuung zu verschaffen.
    (Karl von Lichnowsky, deutscher Botschaft 1914 in London, in einem Exposé am 16. Juli 1914 über die „befristete Note“ Österreich-Ungarns an Serbien. In: Karl Kautsky: Wie der Weltkrieg entstand. 11. Kapitel. Wien 1919.)

    Die „befristete Note“ Österreichs (eine Richtungsentscheidung) an Serbien zielte auf eine von serbischem Filz befreite Untersuchung durch österreichische Beamte in Serbien. Die Serben antworteten dem Tonfall nach entgegenkommend - was dann auch Wilhelm II. täuschte, der nach dem Lesen der serbischen Antwort glaubte, die Sache sei damit erledigt und die Monarchie würde die Antwort akzeptieren, also keinen Krieg führen -, der Substanz nach aber ablehnend, denn zwar konzedierte Serbien die Existenz von österreichfeindlichen Stimmungen in Serbien, wollte aber einen eindeutigen und völkerrechtlich relevanten Beweis haben, und zwar wollte Serbien fürderhin antiösterreichische Erscheinungen bekämpfen und dafür eine Gesetzesvorlage vorbereiten, aber zuvor wolle man diesen Dingen nachgehen und sie prüfen. Damit hat Serbien der Form nach wichtige Punkte des Ultimatums [6] erfüllen wollen, es aber im wesentlichen abgelehnt, denn die Hauptforderungen der Österreicher lauteten:



    • Einsetzung einer k.u.k.-Kommission zur Prüfung antiösterreichischer Umtriebe in Serbien;
    • Verfolgung der Terroristen und ihre Entfernung aus dem serbischen Staatsdienst;
    • öffentliche Verurteilung der antiösterreichischen Propaganda;
    • Unterbindung antiösterreichscher Propaganda in Serbien;
    • Aufnahme eines gerichtlichen Verfahrens gegen bereits überführte Terroristen in Serbien.


    Das politische Mittel eines Ultimatums war bereits schon einmal im Herbst 1913 nach der serbischen Besetzung albanischer Gebiete ausgesprochen worden: Serbien gab seinerzeit nach und zog seine Truppen wieder zurück, weil weder Rußland noch Britannien die großserbische Politik 1913 unterstützten: die Entente war zu diesem Zeitpunkt nicht kriegsbereit.


    Die verflossenen zwei Jahre schwerer politischer Unruhen und Besorgnisse waren eine Art Feuerprobe. Als die Marokkokrisis [1911] sich zuspitzte und als später die Balkanwirren sich zu einer internationalen Gefahr auszuwachsen drohten, konnten gewisse Fabrikanten öffentlicher Meinung im Auslande sich nicht genug tun mit den schwärzesten Schilderungen, welcher Zusammenbruch jetzt in Deutschland erfolgen müsse.
    Es galt als ausgemacht, dass unsere scheinbar glänzende wirtschaftliche Entwicklung auf einer masslosen Ueber-Spannung des Kredits und auf dem Gelde des Auslandes beruhe und dass jede ernsthafte Krisis mit einer Erschütterung des Vertrauens und einer Zurückziehung der ausländischen Guthaben den tönernen Koloss der deutschen Wirtschaft zum kläglichsten Einsturz bringen müsse. Ja, es ist heute noch im Auslande vielfach unausrottbare Ueberzeugung, nur die Furcht vor einem solchen Zusammenbruch habe Deutschland vom Kriege um Marokko abgehalten.
    Heute, nachdem die zweijährige politische Krisis an den Geld- und Kreditverhältnissen aller europäischen Grossmächte gerüttelt hat, können wir feststellen, dass Deutschland aus dieser Krisis zum mindesten in ebenso guter Verfassung hervorgegangen ist, wie die anderen grossen Länder. Deutschland hat in diesen Jahren die Auslandsgelder, deren Bedeutung so masslos übertrieben worden ist, glatt zurückgezahlt.
    Die Reichsbank verfügt trotzdem heute über einen um 500 Millionen Mark höheren Goldbestand als vor wenigen Jahren; sie konnte im Oktober - in der Zeit des starken Herbstbedarfes - als erste und bisher ausser der Oesterreichisch-Ungarischen Bank einzige von allen großen Notenbanken ihren Diskontsatz herabsetzen und im Dezember eine weitere Herabsetzung folgen lassen. Der Privatdiskontsatz des Berliner Marktes ist seit vielen Wochen niedriger als in London. Die Lage des deutschen Geld- und Kapitalmarktes ist heute im Vergleich mit den ausländischen Märkten eine solche, dass der noch vor kurzem hier und dort genährte Gedanke, uns durch den Druck einer finanziellen Uebermacht politisch matt zu setzen, sich fürs nächste von selbst verbieten dürfte. (Karl Helfferich: Deutschlands Volkswohlstand 1888-1913. Berlin 1914. S. V.)
    Albanien war ein Krisengebiet, das Rußland und Britannien benutzten, um das osmanische Imperium zu schwächen oder aber, um die Doppelmonarchie herauszufordern. Also wurde mal den Albanern, mal den Türken, mal den Makedonen, mal den Serben etwas versprochen, was sich immer gegen die Doppelmonarchie oder das Osmanische Reich richten mußte. Was 1913 im Falle des serbischen Ausgreifens gegenüber Albanien noch funktionierte, funktionierte 1914 aber war nicht mehr. Die Entente war inzwischen kriegsbereit, andernfalls hätte das Attentat auch nicht als Zündmechanismus fungieren können. In Wien war man sich sicher, daß Serbien die geforderte Untersuchung nicht würde durchführen lassen, es also zum Krieg kommen würde, wofür man 8 Corps (etwa 360000 Mann) gegen die 300000 Mann starke serbische Armee mobilisierte. Aber man wußte in Wien nicht, daß Serbien die Kriegserklärung Österreich-Ungarns benötigte, damit die Entente auf Seiten Serbiens eingreifen müßte, den casus foederis, und aus dem von Österreich-Ungarn in Kauf genommenen Kriegchen zur Disziplinierung der Serben ein Weltkrieg werden würde. Serbien seinerseits konnte vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Untersuchung durch die Doppelmonarchie nicht zulassen, denn die Verschwörung von 1903 hatte einen Staat im Staate geschaffen, der alle bedrohte, die mit den großserbischen Zielen dieser Vereinigung nicht konform gingen, auch Regierungsstellen. Zugleich bestand zwischen der zwar pro-russischen, aber anti-militaristischen Radikalen Volkspartei Serbiens und den Verschwörern einerseits, aber auch der Regierung andererseits ein gespanntes Verhältnis. Schließlich war die Regierung von Großserben unterwandert und der König schwach. Die Öffentlichkeit Serbiens schwankte zwischen dümmlicher Kriegshysterie und bauernschlauem Abwägen.
    Die Rolle Englands: Die Tommies [7] hatten 1901 Frankreich als ihren Verbündeten bestimmt, was sich nur gegen das Reich richten konnte. Die Deutschen ihrerseits glaubten, daß die Verständigung, die 1913 und 1914 mit den Briten bezüglich der Kolonien erreicht worden war, eine Friedensgarantie abgäbe. Irrtum! England hatte auf den Krieg wie Frankreich und Rußland zugesteuert und besaß kein Interesse daran, den Vermittler zu spielen: Lord Greys Auftritte waren Show. [8] Die Kriegsziele waren klar - Frankreich will Elsaß-Lothringen und die alte Festlandhegemonie; Britannien will keine deutsche Flotte und damit den gefährlichsten europäischen Konkurrenten seiner Seeherrschaft loswerden [9]; Rußland will kontrollierbare slawische Staaten in Südosteuropa, außerdem Konstantinopel und damit den Zugang zur Weltpolitik -; die Deutschen waren in diesen Krieg hineingeraten, weil sie es nicht verstanden hatten, ihm wirksam vorzubeugen und großkopfert genug zu glauben, ihn bestehen zu können.
    Die heute als Julikrise beschriebene historische Situation resultierte aus der politischen Großwetterlage seit Britanniens Bekenntnis zu Frankreich und damit auch Rußland 1901. Die Mordtat von Sarajewo entzündete das Pulverfaß. Die Lunte war von Serbien gelegt worden, das sich ohne russisches Einverständnis nicht dazu entblödet hätte. Rußland hätte dieses Einverständnis nicht ohne französische Gelder gegeben und Frankreich nicht Rußlands Ziele unterstützt, wenn es nicht auf Britannien hätte zählen können. Hier entspringt die Verantwortung, die, einer Kaskade gleich, auf den einer guten Sache sich widmen glaubenden und an TBC erkrankten Anarchisten Gavrilo Princip niederströmte und ihn den Mord, das Zünden der Lunte, begehen ließ. Andererseits kann man den englischen Paradigmenwechsel von der splendid isolation-Haltung hin zur Einbindung in den französisch-russischen Pakt auch so verstehen, daß Britannien die Ausbreitung des Reiches verhindern wollte. Nur besaß das Reich keine territorialen Ansprüche, wohl aber Frankreich und Rußland.
    Im englischen Parlament und in der von ihr de nomine kontrollierten Regierung gab es zwei Strömungen:


    1. die Kriegs- (Premierminister Asquith, Kriegsminister Churchill, Außenminister Grey, Unterstaatssekretäre Nicolson und Crowe, sowie Lordkanzler Haldane) und
    2. die Friedenspartei (weniger einflußreiche liberale Kabinettsangehörige).


    Die Kriegspartei hatte das Sagen und stellte ihre Gegner vor vollendete Tatsachen, faits accomplis. Vor der Öffentlichkeit sprach sie von Vermittlungsversuchen, im regen Austausch mit den kriegsbereiten Franzosen und Russen organisierte sie den Aufmarsch im Westen und Osten des Reiches, der ohne ihr Zutun nicht erfolgt wäre. Churchill erteilte am 25. Juli (!) im Einvernehmen mit Grey die Weisung, sich in den Kriegsbereitschaftszustand zu versetzen. Am 28. Juli sollte sie ihre Kriegspositionen einnehmen, um den deutschen Handel zu blockieren und die Küsten vor möglichen deutschen Angriffen zu schützen. Generalmobilmachung in Rußland erfolgte seit dem 24. Juli [10], auch im Einvernehmen mit dem seinerzeit noch in Verhandlungen befindlichen „neutralen“ Britannien. Die politische Voraussetzung zur Mobilmachung in Britannien erfolgte zwei Tage vor der deutschen Kriegserklärung und dem deutschen Durchmarsch Belgiens: das Kabinett entschied gegen den Willen der Friedenspartei am 2. August, Frankreichs Nordküste im Falle eines deutschen Angriffs zu schützen. Damit ist jede britische Argumentation, die als Begründung für den Kriegseintritt Britanniens auf Entente-Seite die Verletzung der belgischen Neutralität angibt, Propaganda, eine Lüge. Vier Kabinettsmitglieder reichten nach ihrer Abstimmungsniederlage gegen die Kriegspartei ihren Rücktritt ein. [11]

    Princip [..] erklärte [bei der Gerichtsverhandlung]: „Es ist mir gar nicht leid, ich habe ein Übel aus dem Wege geräumt. Er ist ein Germane und ein Feind der Südslawen.“ Der Präsident fragte nachher: „Haben Sie ihn für einen fähigen Mann gehalten?“ Princip antwortete: „Ich hielt ihn für einen Mann der Arbeit, der als künftiger Herrscher bestimmte Ideen und Reformen durchgeführt hätte, die uns im Wege standen.“ (Reventlow, S. 33.)
    Über koloniale Fragen konnte sich kein Weltbrand entzünden, wohl aber über einen Balkankrieg in Europa. Die Möglichkeit zur Entscheidung geopolitischer Fragen war nach Sarajewo da: Britannien konnte nun das Reich entscheidend schwächen, Frankreich die Rheingrenze gewinnen und Rußland die Pforte. Die diplomatische Prozedur bis zu den Kriegserklärungen bildeten retardierende Momente, das Ergebnis, Krieg, war durch die Mittelmächte nur bei Selbstaufgabe zu verhindern. Österreich-Ungarn mußte den Staat Serbien, dessen Regierung in die Organisation des Anschlags verwickelt war, bestrafen; andernfalls hätte das die Ausstellung eines Freibriefes zu zahllosen weiteren Mordanschlägen abgegeben und die innere Ordnung Österreichs zerstört. Da die serbische Regierung sich nicht von den Mordplanern in ihren Reihen trennen wollte, in dieser Frage weitgehend Unterstützung im serbischen Volk und v.a. in der serbischen Armee fand und auch keinen Wechsel ihrer Politik konzedierte, bedeutete das den Krieg, das kleinere Übel, wie man in Wien meinte. Das Reich mußte zu seinem Bündnispartner stehen, schon aus Fragen des Selbstverständnisses, fiel aber bei der zu späten Erkenntnis, den Krieg lokal nicht begrenzen zu können, aus allen Wolken. Allerdings kann dem Reich nicht konzediert werden, die Krise um Serbien als willkommenen Anlaß für die Entfesselung eines Weltkrieges benutzt zu haben, wie Clark ähnlich meint. [12]


    Aufgaben:


    1. Erforsche das diplomatische Vorspiel zum Weltkrieg! Formuliere drei Abschnitte bis zu den Kriegserklärungen! (II)
    2. Erörtere die im Text getroffene Aussage, daß Britannien die Hauptschuld an der Entfesselung des Krieges besaß! (III)
    3. Erstelle ein Profil des Attentäters und gib seine Beweggründe wieder! (I)
    4. Gib die grundlegenden Auffassungen Lichnowskys aus der Quelle wieder! (I) Entwickle eine friedliche Lösung für den österreichisch-serbischen Konflikt! (III)




    [1] 1907 stellten die Deutschen 37,5% der Bevölkerung im österreichischen Teil Österreich-Ungarns, brachten aber 63,4% des Steueraufkommens ein. (Quelle: Nagl, Literaturgeschichte.) Rechnet man die 30% anteiligen Deutschen in Böhmen noch hinzu, so zahlten die Deutschen bei etwa 45% Bevölkerungsanteil 76% der Steuern im österreichischen Teil Österreich-Ungarns.

    Anteil an Gesamtbevölkerung
    Anteil an Gesamtsteuer
    tatsächl. Anteil an Mandaten
    Koeffizient Steuer/Mandat
    Koeffizient politische Macht
    auf stärkste politische Macht bezogen
    D
    37,50%
    63,42%
    45,16%
    5,96
    1
    0,22
    Cz
    23,10%
    19,23%
    20,74%
    2,93
    1,51
    0,34
    Pl
    15,28%
    7,04%
    15,89%
    1,62
    3,17
    0,71
    Ruth
    12,64%
    3,65%
    6,40%
    1,02
    2,46
    0,55
    Slowe
    4,84%
    2,87%
    4,65%
    2,09
    2,27
    0,51
    Kroa
    2,80%
    0,80%
    2,52%
    1
    4,45
    1
    Rumä
    0,87%
    0,33%
    0,97%
    1,33
    4,11
    0,92
    Ital
    2,96%
    2,66%
    3,68%
    3,16
    1,94
    0,44

    Die Zahlen sind insofern unkorrekt, da Juden, die v.a. in Polen, Wien, Prag und bei den Ruthenen (Weißrussen und Ukrainer) lebten und nicht selten gute Steuerzahler waren, nicht gesondert aufgeführt wurden.
    Dennoch gibt die Tabelle einen ungefähren Überblick über das Mißverhältnis zwischen Leistung und politischer Macht.


    [2] Der Auftritt und das Selbstverständnis Rußlands als Schirmherr des Slawentums auf dem Balkan war Heuchelei. Es kümmerte Rußland nicht, Krieg gegen das von ihm abgefallene Bulgarien zu führen. Auch ist nicht zu erkennen, wie das griechisch-orthodoxe Slawentum geschädigt worden wäre, falls Österreich-Ungarn, wie angekündigt, gewonnene serbische Gebiete an Albanien und Bulgarien verteilt, für sich selbst aber nichts annektiert hätte. (siehe auch Eugen Fischer, S. 47.)


    [3] Reventlow, Autor einer nach dem Kriege erfolgreichen Publikation zu den Kriegsursachen (Ernst zu Reventlow: Politische Vorgeschichte des Großen Krieges. Berlin 1919.), behauptete, daß es vor allem die Briten gewesen seien, die den Krieg wollten. Im ersten Kapitel zieh er aber auch die Österreicher einer Mitschuld, die es aus Dünkel nicht zulassen konnten, Serbien einen Zugang zum Meer zu gewähren. Allerdings gab es keine mehrheitlich von Serben bewohnten meernahen Gebiete, insofern wäre das seinerzeit moderne Nationalitätsprinzip für die Fixierung von Staatsgebieten hier nicht verfangen. - Die k.u.k.-Monarchie besaß nach damaligem Völkerrecht die Befugnis, sich gegen die Ermordung ihres Thronfolgers zu wehren, also die Hintermänner der in flagranti ertappten Attentäter mit einer Waffe aus dem serbischen Kragujewatz (Waffenschmiede in Belgrad) aufzudecken und zu bestrafen. (Hans Herzfeld: Erster Weltkrieg und Friede von Versailles. In: Propyläen Weltgeschichte. Band 9. S. 78. Berlin 1964.)


    [4] Clark nennt diese Konstruktion „Zündmechanismus“ (Clark, S. 454.), Reventlow „die den Weltkrieg organisierende und auf ihn zustrebende Tätigkeit der Politik Großbritanniens“ (Reventlow, S. 63.).


    [5] Es handelte sich bei der Schwarzen Hand, so der Name der Verschwörergruppe, zu der auch der Attentäter von Sarajewo gehörte, keineswegs um eine isolierte und fanatische Randgruppe, sondern um eine tief im serbischen Selbstverständnis wurzelnde Vereinigung, der mit dem serbischen Geheimdienstchef Dimitrijewitsch (eben der) nicht zufällig ein hochrangiger Beamter vorstand. Zur Schwarzen Hand zählten etliche Zehntausend.


    [6] Die „befristete Note“ Österreich-Ungarns wird im heutigen Sprachgebrauch als Ultimatum bezeichnet; hier als Faksimale.


    [7] Tommy (Atkins) ist seit längerem der Kosename für den britischen Soldaten. Zwei ätiologische Varianten können angeführt werden:

    1. Der englische Feldgeistliche John Hardy leitet in seinem Buch (Mr. Thomas Atkins. London 1900) den Ursprung der Bezeichnung aus dem Soldatentaschenbuch „The Soldiers Small Book“ ab, in dem sich Erläuterungen über Montierungsstückchen befinden, die der englische Soldat erst selbst zu bezahlen hatte, dann aber der Militärverwaltung zwecks Entgelt vorlegen konnte. Wie er an sein vorausgelegtes Geld kommen könnte, wurde in einer Abrechnungsschablone zwischen der Militärverwaltung und dem einem Mustersoldaten namens Thomas Atkins erläutert. Dadurch wurde der Name unter den britischen Soldaten so geläufig, daß er als typische Bezeichnung für einen britischen Soldaten benutzt wurde.

    2. Beim Ausbruch des indischen Aufstandes 1857 stießen flüchtige Europäer im indischen Lucknow auf einen Wachposten des 32. Infanterieregiments „Herzog von Cornwall“. Sie berichteten dem Posten vom Aufstand und der Meuterei der eingeborenen Truppen und wollten, daß er sich mit ihnen zurückziehe. Thomas Atkins weigerte sich, seinen Wachposten zu verlassen und wurde bald darauf von den Meuterern getötet. Die britischen Überlebenden des Aufstandes vergaßen Thomas Atkins nicht und bald setzte sich die Bezeichnung "Tommy" für einen besonders todesmutigen britischen Soldaten durch.


    [8] Dazu zählen sein Vorschlag der Einberufung einer Konferenz nach London, um über Österreich-Ungarns Schicksal zu beratschlagen, was Wilhelm II. verständlicherweise ablehnte. Dazu zählt sein Vorschlag, Österreich möge dem Schein nach gegen Serbien Krieg führen, nach der Eroberung Belgrads aber Verhandlungen (u.a. mit Rußland) aufnehmen, was nicht funktionieren konnte, denn die Russen hatten schon längst mobil gemacht, was Grey wußte. Als Wilhelm II., der diesen Vorschlag der Besetzung Belgrads zur Beruhigung des Ehrenpunktes goutierte (der Mord an Franz Ferdinand wäre damit zum Teil gesühnt worden), von der russischen Mobilmachung erfuhr, mußte er Rußland den Krieg erklären, damit die deutsche Mobilmachung erfolgen konnte.


    [9] „Einen großen Vorsprung in der imperialistischen Expansion hatte England [..] Das Ergebnis war die restlose Versiegelung aller internationalen Wasserstraßen mit Hilfe eines Seemilitarismus, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. So übte es schließlich über alle Meere die absolute Polizeigewalt [aus], der kein Staat ernsthaft Widerstand zu leisten vermochte.“ (David, S. 4.)


    [10] Clark, S. 395, führt den russischen Stabschef Schilinski an, der in einem Gespräch mit seinem französischen Kollegen 1911 mitteilte, daß ein russischer Angriff am 15. Tag nach der Mobilmachung erfolgen könne, daß aber das Heer erst noch mit MGs und Feldgeschützen ausgerüstet werden müsse. Joffre bat daraufhin 1912, daß im russischen Westen das Eisenbahnnetz zur deutschen und österreichischen Grenze zweispurig ausgebaut werden müsse. Joffre setzte durch, daß die Russen das Reich als Hauptgegner bestimmten und so Druck aus dem Westen nehmen konnten.


    [11] Fakten nach Douglas Newton: The Darkest Days. London/New York 2014.


    [12] „Durch die Unterstützung Österreich-Ungarns und mit dem unbekümmerten Vertrauen auf eine mögliche Lokalisierung leisteten die deutschen Führer ihren Beitrag zur Eskalation der Krise. Dennoch läßt nichts an ihrer Reaktion auf die Ereignisse vom Sommer 1914 darauf schließen, daß sie die Krise als eine willkommene Gelegenheit betrachteten, einen seit langem ausgearbeiteten Plan für die Auslösung eines Präventivkrieges gegen die deutschen Nachbarstaaten in Gang zu setzen. Im Gegenteil…“ (Clark, S. 664.) - Vertrauen ist das Schlüsselwort für die Politik des Verwaltungsfachmannes Bethmann Hollweg. Das wundert nicht, denn wer zeitlebens in den Aktenbergen wühlte, deren Basis ein fixierbares Gesetz bildet, für den ist Vertrauen in das (geschriebene) Wort integral, zugleich aber wird der im Dschungel der Weltpolitik kaum bestehen können. Reventlow glaubt das Wesen der deutschen Außenpolitik bis 1914 unter dem Stichwort „Ungeschicklichkeit“ zusammenfassen zu können: „Wir haben in diesem Buche die letzten zehn bis zwölf Jahre der deutschen Politik verfolgt. Sie zeigen viel Ungeschicklichkeit und Schwäche, wenig Zielbewußtsein und Folgerichtigkeit. Aber auch nur wirkliche Ansätze zu einer imperialistischen und auf Weltherrschaft gerichteten Politik nachzuweisen, ist eine Unmöglichkeit.“ (Reventlow, S. 319)

  3. #3
    Chefchen Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    2.276
    Blog-Einträge
    35

    AW: Die Julikrise 1914

    Andreas Wassermann schrieb im SPIEGEL den Artikel "Abschied vom Frieden" (SPIEGEL GESCHICHTE Nr. 5/2013: Der Erste Weltkrieg. S. 26/27.) und bezichtigt darin die deutsche Reichsführung, ein "doppeltes Spiel" getrieben, also die Öffentlichkeit belogen ("wortreich und wahrheitswidrig") und den Weltkrieg willentlich herbeigeführt zu haben. Zudem bezeichnet er die Reichsregierung als Imperialisten ("kaisertreue Imperialisten") und nennt Greys Bemühungen Vermittlungsversuche ("versucht ... zu vermitteln"). Schließlich soll Bärlin Wien das Ultimatum auch noch diktiert haben.

    Das ist in etwa die offiziöse Lesart in der BRD.

    Kommentar: Bullenscheiße. - Der sogenannte Blankoscheck des Kaisers an die Doppelmonarchie bedeutete nicht die Entzündung eines Weltbrands, sondern das Gegenteil. Keine Regierung der Welt läßt sich von Attentätern Bedingungen des politischen Handelns vorschreiben. Da die serbische Regierung nichts unternahm, die Hintermänner zu ermitteln, man in Wien aber Bescheid wußte (was die historischen Forschungen der letzten Jahrzehnte auch bestätigten: die Hintermänner des Attentats saßen in Belgrad, Paris und St. Petersburg), blieb nur das Dringen auf eine Untersuchung ohne in das Attentat verflochtener Serben (das war der Kernpunkt des Ultimatums). Ein Krieg gegen Serbien lag in der politischen Logik jener Jahre und hätte auf dem Balkan für mehr Ordnung gesorgt als jeder andere Krieg es danach tat. Da Österreich KEINE territorialen Veränderungen zu seinen Gunsten wünschte, bestand für Rußland nur die Gefahr, daß es seinen bisherigen Hauptpartner auf dem Balkan verlor, Serbien demnach an Kraft verlieren würde und sicherlich einige (nichtserbische) Gebiete nach einer zu erwartenden Niederlage gegen die Doppelmonarchie an Albanien, Montenegro und Bulgarien würde abgeben müssen. - In Berlin trieb man an, um die Balkanangelegenheit im Keim zu ersticken, nicht aber, um einen Weltbrand anzufachen.
    Das doppelte Spiel ist gang und gäbe in der Diplomatie. Das ist Katzengeheul und tendenziöse Wiedergabe der Ereignisse, wenn hier allein die deutsche Reichsregierung desselben bezichtigt wird, andere Regierungen aber nicht einmal genannt werden; man denke nur an die verlogene serbische Politik, an Rußlands Lavieren oder an die britische Heuchelei, den Vermittler spielen zu wollen, obgleich Britannien bereits seit 1907 fest am Haken der Entente hing und keineswegs neutral war, wie es als Vermittler hätte sein müssen. Bethmann Hollweg fiel nach der Kriegserklärung ans Reich aus allen Wolken, weil er an eine englische Neutralität geglaubt hatte. Britannien hatte zudem bereits Monate zuvor seine Kriegsflotte umverlegt, weg von Frankreich und hin in Richtung Reich. (Pennte da unsere Abwehr?) Grey wollte den Krieg. Seine Vermittlungsversuche waren vorgeschoben. Daß die Reichsregierung nicht in aller Öffentlichkeit als jemand dastehen wollte, der aus Gründen der Schwäche pazifistische Töne anschlägt, liegt im politischen Selbstverständnis jener Tage. Man kann aber darüber diskutieren, ob man die Kriegserklärungen der anderen nicht hätte abwarten müssen. Dagegen allerdings gibt es auch gute Gründe, die Moltke und Falkenhayn sicherlich zu nennen wüßten, zwei Vertreter des Präventivkriegs, die darin die einzige Chance für das Reich sahen, sich gegen die große Übermacht zu behaupten.
    Das Reich war keineswegs imperial ausgerichtet, wenngleich es einige gab, die es gern so ausgerichtet hätten. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Reichsgedanken und dem des Empire, wie ihn Frankreich, Britannien, Amerika und Rußland entwickelt hatten. Das Reich strebte nicht nach weiteren Erwerbungen, nirgendwo, andernfalls hätte man nicht Sansibar gegen Helgoland getauscht und sich mit einer winzigen Enklave im seinerzeit schwachen China begnügt. Es bestand die Möglichkeit, vor dem Krieg mehr einzuheimsen. Man verzichtete. Zudem hatte man sich kurz vor Kriegesbeginn mit Britannien in der Kolonienfrage geeinigt.

    Das Ultimatum hat Wien allein geschrieben. Bärlin hat Wien nur Treue geschworen und zur Eile in der Erledigung der Serbienproblematik gedrängt. Das sind zwei verschiedene Dinge.

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Kriegsgebet 1914
    Von anonymos im Forum Lyrik
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 28.07.15, 16:19
  2. Entwicklungen in Südamerika bis 1914
    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 2000"
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 11.06.15, 08:43
  3. England und Rußland und Indien bis 1914
    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 2000"
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 10.06.15, 10:34

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •