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Thema: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren


    Der Tod ist ein vielbeschäftigtes Wesen. Zu seinem Glück kann er sich in viele Teile spalten und gleichzeitig an mehreren Orten sein, um seine Aufträge pünktlich und zuverlässig zu erledigen.


    Doch manchmal gibt es nicht so viel zu tun - und an solchen Tagen reitet den Tod der Teufel. An genau so einem Tag, er hatte tatsächlich nur drei Aufträge, beschloss der Tod die zu holenden Menschen zu seinem und des Teufels Vergnügen mal wieder zu testen.


    Als ersten besuchte er einen Philosophen im Forum der Leselupe. Er gab sich zu erkennen und meinte: "Höre mir zu, mein kleiner Philosoph, ich will dir eine Chance geben. Stelle mir eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß und ich werde dich verschonen. Das verspreche ich dir."


    Der Philosoph dachte kurz nach. "Also gut", fragte er, "Was bitte, kommt nach Gott?"


    Der Tod lächelte. "Du enttäuschst mich, Philosoph", antwortete er. "Nach Gott kommt nichts." Grübelnd entschlief der Philosoph für immer.


    Danach besuchte der Tod einen Klugschwätzer im Forum des Literaturcafes. "Ich will auch dir heute eine Chance geben", sagte der Tod zu ihm. "Stelle mir eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß."


    Der Klugschwätzer dachte kurz nach. "Sage mir jetzt sofort, wie viele Leben du schon geholt hast."


    Der Tod lächelte auch diesmal. "Du enttäuschst mich, Klugschwätzer, es sind genau 27 Milliarden, 958 Millionen, 158 Tausend, 200 - und jetzt plus eins." Resigniert gab der Klugschwätzer seinen Schaumlöffel ab.


    Still vor sich hinlächelnd schlenderte der Tod zu seinem letzten Auftrag dieses Tages. Dieser Mensch war ein großer Dummkopf im Forum des Herrn von Wolkenstein. Auch ihm gab der Tod die Chance seines Lebens. "Höre gut zu, Dummkopf", sagte der Tod. "Stelle mir eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß, und ich verschone dich für immer."


    Der Dummkopf überlegte eine kurze Weile. "In Ordnung", meinte er. "Mit Deinem Vorschlag bin ich einverstanden. Ich rufe Dich, wenn mir eine Frage eingefallen ist."


    Selbst der Tod hatte nicht soviel Zeit, darauf zu warten. Jetzt wissen Sie endlich, warum die Dummheit im Forum des Herrn von Wolkenstein bisher nicht ausgestorben ist.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    Nein, Marlowe, die Sache verhielt sich etwas anders.


    Der Tod war also auf dem Weg zu dem Dummkopf im Wolkensteinforum. Doch das Wolkensteinforum liegt bekanntlich tief im Osten unserer Republik - so tief, dass sich der Tod glatt verfuhr und seine Orientierung verlor. Da traf der Tod einen Skinhead. "Fein", dachte der Tod, "der Skinhead weiß sicher den Weg zum Wolkensteinforum." Doch als der Tod auf den Skinhead zuging, begann der Glatzkopf zu gestikulieren und zu brüllen: "Ausländer raus!" Und dann bewarf er den Tod mit den Steinen und den Bierflaschen, die um ihn herum lagen. Schnell machte der Tod, dass er davon kam und rannte solange, bis er die polnische Grenze erreichte. Jetzt weißt du, warum die Dummheit im Forum des Herrn von Wolkenstein bisher nicht ausgestorben ist.


    ------------------
    Blaumaler

  3. #3
    rodbertus
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    AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    Haben sich hier Himpf und Pimpf getroffen, um über ihre ungeteilte Freude am gestorbenen Wort zu parlieren?


    Ich les es mal als Posse.

    Abgesehen davon ist die Antwort auf die Frage, warum im hiesigen Forum die Dummheit noch nicht ausgestorben ist: Weil wir zu dumm dafür sind. Siehste!

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    Als was Du ich bezeichnest, ist mir eigentlich egal, Himpfl, Dimpfl, Dumpfbacke, Du bist nicht beleidigungsfähig bzw. diesen Schuh werde ich mir nicht anziehen.
    Deine intelligente Antwort (seltsam, dass Du nicht selber aufgrund Deines kurzen Textes darauf gekommen bist) bestand in der Erkenntnis, es könne ja eine Glosse sein.
    Nun, ich bin gebürtiger Rheinländer, besitze eine gehörige Portion Humor - die ich bei Dir vermisse.
    Du stehtst auch weiterhin auf Deinem selbstgezimmerten Podest? Nagut, was soll's, bleib stehen, ich habe Dir nur eine neue Sicht Deiner Welt angeboten (empfohlen).
    Menschenverachtend verstehst Du nicht? Dann hast Du bei Deinen Beiträgen (Antworten) anscheinend nie nachgedacht. Der Anstrich eines elitären Wortgefüges genügt nicht, Robert, die Menschen (ja, es sind Menschen, schon bemerkt) die sich hier hinter einem nickname verstecken und Texte ins Forum setzen, erwarten von jemanden, der sich als Lektor bezeichnet auch die entsprechenden Antworten. Ich empfehle Dir, Deine eigenen Antworten zu den div. Beiträgen einmal zu lesen und dabei davon auszugehen, es wären die Antworten, die ein anderer auf Deine Beiträge geschrieben hätte. Kapiert?
    Der Hinweis mit dem Drama in diesem Zusammenhang war überaus berechtigt, ich habe das im entsprechenden Ordner schon geäußert, als Antwort zur Glosse zur Antwort von Dir auf die Glosse war das die richtige Antwort, kein Grund zur Entschuldigung.
    Mit einem Argument hast Du Recht: es ist ein zweckdienliches Forum, ok., akzeptiert, unbequeme Ordner hier zu löschen kommt in meinen Augen einer Bücherverbrennung gleich, diesen Schuh darst Du Dir dann anziehen.
    Mit Dir ist zu rechnen? Sorry, Mathematik war noch nie meine Stärke, im Moment bist Du nur eine unbekannte Größe - die Betonung liegt allerdings hier auf unbekannt.

    Liebe Grüße von Marlowe, jemand der was einstecken kann von Menschen, die genau so sind. Wie bist Du, Robert?

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    Question AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    ich will euch beide ja nicht stören, habe nur eine verständnisfrage: was ist eine koturne? ein nachttopf?

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    Marlowe, den Vorwurf der Menschenverachtung sollte Er zurücknehmen. Ein Gespräch wäre mit dieser Hypothek nicht mehr möglich.


    Ich faß den Text übrigens als Posse, aber nicht als Glosse, und ich halt ihn für gelungen, wenn mir das Ergebnis auch nicht paßt.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    keine fortsetzung, aber eine andere variante:

    statt dem tod der teufel




    Alle Herrlichkeit dieser Welt




    "Alle Herrlichkeit dieser Welt? Nur dafür, daß ich Dich ein bißchen anbete?" Ich konnte es nicht glauben. Wir standen auf dem Turm des Kölner Doms. Ganz oben, der Teufel und ich. Er im schwarzen Armani. Satan liebt die Konvention. Man wird nie einen nachlässig gekleideten Teufel von Rang erleben.


    "Yep", sagte der Fürst der Finsternis. Er schon seine Ray Ban hoch, als vertrauensbildende Maßnahme vermutlich. Ich starrte ihm in die geschlitzten Pupillen.


    Er lächelte sein fürchterliches Lächeln. "Ordentlicher Kniefall ist natürlich Bedingung und einige feierliche Worte der Verehrung. Du weißt schon: Ich erkenne Dich, Satan, als meinen alleinigen Herrn und Meister an, ecetera, ecetera. Da mußt Du Dir selber etwas Angemessenes einfallen lassen. Alles kann ich Dir nicht abnehmen. Und natürlich der Satanskuß als Besiegelung." Er lief ein wenig rot an dabei. Ein frisch beförderter Dämon vermutlich.


    "Was ist ein Satanskuß?" fragte ich.


    "Du weiß nicht, was ein Satanskuß ist?" Verblüfft schüttelte er den Kopf und murmelte vor sich hin "Zu welchen Anfängern schickt man mich da eigentlich?"


    "Ich hab's genau gehört", rief ich, lauter als mir lieb war. Die Aufregung machte sich bemerkbar, man erhält schließlich nicht jeden Tag ein solches Angebot.


    "Also, Du küßt mich zum Abschluß der Anbetung auf meinen bloßen Hintern" antwortete er und schaute dabei über mich hinweg an den Himmel. "Äh....., genauer gesagt, ins Zentrum, mit Zunge und allem. Ausgiebig." Verlegen klappte er seine Brille wieder vor die Augen, atmete tief aus, stand mit steif durchgedrückten Armen auf die Steinbalustrade gestützt und starrte hinunter auf die Stadt "Du kannst Dir's ja nochmal überlegen", sagte er über die Schulter hinweg und drehte sich nervös auf einem Fuß hin und her.


    "Sehr erpicht scheinst Du ja nicht zu sein, auf meine Anbetung", stellte ich, durch seine Verlegenheit selbst ein wenig unsicher geworden, fest. "Ich meine, wenn man etwas verkaufen will, muß man doch motivieren, den Kunden heiß machen und nicht seine Kauflaune dämpfen."


    "Willst Du mir sagen, was ich zu tun habe?" fauchte der Widersacher und drehte sich vollends um.


    "Nein um ....tes Willen." Gerade noch war es mir gelungen, den verhaßten Namen des Erzfeindes zu unterdrücken. Ich legte sicherheitshalber ein wenig Husten und Räuspern nach.


    Der Höllische hörte drüber hinweg, nur ein Mundwinkel zuckte heftig. Fröhlicher hatte ich ihn dadurch jedenfalls nicht gemacht. Er fing auch prompt das Nörgeln an. "Du hättest Dir auch was anderes Anziehen können, zu diesem Anlaß. Ein künftiger Herr der Welt, in alten Jeans und einem ausgewaschenen T-Shirt mit Apple Logo. Einfach lächerlich ist das." Ohne jeden Enthusiasmus knöpfte er sein Jackett auf. "Was ist jetzt, können wir nun?"


    "Moment noch", sagte ich. "Was ist mit meiner Seele?"


    "Was soll mit der sein?" fragte der Teufel irritiert.


    "Ich meine, muß ich die Dir auch überschreiben? Als Dein Eigentum nach meinem Tod?"


    "Die kannst du behalten" antwortete er und lächelte herablassend, "Was, glaubst Du, sollte ich mit Deiner toten Seele anfangen? Ich bin doch nicht die Müllabfuhr. Nein, Du gehörst mir lebend. Nach Ablauf Deiner Herrschaft fällst Du sofort in meine Krallen." Er röchelte die letzten Worte ekstatisch heraus. Seine langen Klauen krampften über die Brüstung und zogen tiefe Furchen in den Stein. Als er meinen Blick sah, vermutlich lag das reine Grauen darin, bemühte er sich um Fassung. Er atmete tief durch, richtete sich auf, lockerte die Schultern und zog seine Krawatte zurecht. "Aber noch sind war ja nicht soweit", sagte er, ölig lächelnd dabei.


    "Wie lange würde sie denn währen, meine Herrschaft?" fragte ich, ernüchtert durch die höllische Exaltation.


    Der Teufel zog die Stirne in Falten und faßte sich überlegend ans Kinn. "Nun ja. Mal sehen. Da gibt es bei uns eine Formel, um die genaue Zeit festzulegen. Also: Die Nettoherrschaftsdauer errechnet sich aus Deiner aktuellen Machtnähe bzw. -ferne, Deinem jetzigen sozialen Status, sowie Deinem persönlichen Charisma. Hinzu kommen die Lebenserwartung und noch ein paar weniger gewichtige Faktoren. Je niedriger diese Werte sind, desto geringer natürlich der Herrschaftsanspruch. Jetzt laß mich mal rechnen."
    Er sah mich prüfend an und verzog ein wenig den Mund dabei. Starrte grübelnd auf den Boden und murmelte vor sich hin. Das Ergebnis seiner Berechnung schien ihn nicht recht zu überzeugen. Jedenfalls holte einen in schwarzes Leder eingeschlagenen Taschenrechner heraus und kalkulierte erneut. Schließlich blickte er auf, ernüchtert, wie mir schien. Er zögerte ein wenig, gab sich einen Ruck und sagte dann: "Pass auf. Ich mache Dir ein Angebot."


    "Wie lange?" fragte ich störrisch.


    "Hmmm", er zögerte wieder, "bei Dir wären es volle vier Minuten."


    "Vier Minuten?", schrie ich "Um anschließend dafür gräßlich in Deinen Krallen zu krepieren?"


    "Es ist immerhin die ganze Welt", sagt er ohne rechte Überzeugung.


    "Für vier Minuten Weltherrschaft soll ich mich zerfleischen lassen? Bist Du irre?" Allmählich wurde mir die volle Tragweite seines Ansinnens so recht bewußt.


    "Jetzt beruhige Dich", sagte er und machte diese sattsam bekannte pfäffische Geste: Beide Hände mit gespreizten Fingern vor der Brust, die Handflächen nach unten, als wolle er meine Empörung niederdrücken. Wie sich die Gegensätze gleichen.


    "Ich sagte doch, ich mache Dir ein Angebot. Also, paß auf!, ich gebe Dir nicht vier Minuten, auch nicht vierzig Minuten, sondern .....einen ganzen Tag. Vierundzwanzig Stunden! Und mich als persönlichen Assistenten obendrein. Das heißt, Ich stehe Dir und Deinen Wünschen voll zur Verfügung in dieser Zeit. Jede einzelne Minute. Das ist doch was?" Er lächelte und kam auf mich zu, die Hände ausgebreitet.


    Ich hatte mich wieder eingekriegt. "Nein, mein Lieber, sagte ich entschlossen. Nicht mit mir. Für einen flotten Tag das qualvolle Ende hinterher? Tut mir leid, da muß ich ablehnen!"


    "Mehr kann ich unmöglich drauflegen. Morgen habe ich nämlich schon den nächsten Termin. In Wolkenheim", sagte der höllische Elegant. Er knöpfte sich die Jacke zu.


    "In derselben Angelegenheit?" fragte ich erleichtert, weil offensichtlich aus dem Rennen.


    "Ja" nickte er knapp.


    "Da müßte es doch klappen", sagte ich, um ihn aufzumuntern. Wolkenheim? Ich wurde neugierig. "Wie lange bekäme denn der Wolkenheimer die Weltherrschaft zugesprochen?"


    "Sobald er die Zunge wieder einführt, nach dem Kuß, gehört er mir" antwortete Satan grinsend. "Den habe ich so gut wie sicher. Überlegen und nachfragen wird der bestimmt nicht. Es ist ein Literaturkritiker."

  8. #8
    rodbertus
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    Lightbulb AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    Ich les wohl nicht richtig, Dumdödeleidumrum? Fünf Minuten Weltherrschaft für einen Kuß! Ein gutes Geschäft. Zuerst würd ich die Dummheit abschaffen, dann, wenn ich's noch schaff, den Spaß. Mit Trauerweiden läßt sich's angenehmer leben, weil sie nichts zu lachen haben. Und schließlich, damit ich gütlich aus der Sache herauskomme, würde ich die Existenz des Teufels beenden - nur kurz, bis seine Erinnerung auf null regressierte. Denn ohne Teufel wäre Gott unvollkommen. Wenn er wieder "online" ist, hat er meinereiner vergessen, denn ich würde mich auch nicht ins Gedächtnis bringen wollen, indem ich die Weltherrschaft weiter ausübte. Die Latenz würde mir genügen. Im Zweifelsfall.

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    Manche Themen kehren immer wieder. Liebe, Tod und Teufel. Der Tod wird zumeist im Frühjahr als besonders störendes Element im Dasein empfunden. Alles lebt und strebt, aber mancher liebe Mensch liegt in den letzten Zügen, mancher enervierte Jugendliche wickelt sich um einen Baum.


    Meist hilft es, sich über die Folgen in der Seele der Über-Lebenden auszutauschen.

    TOD und Todesstrafe, Palingenese, Metempsychose und Ewiges Heil. Mehr Details, Leute!


    erstellt von Marlowe: Der Tod ist ein vielbeschäftigtes Wesen.
    Schon schwierig. Tod ist kein Wesen. Ein Wesen, ein Wesentliches, ein Wesensbestandteil von etwas oder jemandem hat einen Drang, strebt für oder gegen etwas. Tod strebt nun nicht gegen das Leben, weil Leben sinnlos wäre, würde es ewig dauern. Wesen des Todes ist also nicht über Sinn und sinnvoll faßbar. (So oder ähnlich beschrieb es auch Canetti.) Tod ist der Verzicht von Wesen, von Wesentlichem. Darin liegt seine Funktion, nicht jedoch sein Wesen. Wesen hat Tod nicht. Manches Prinzip besitzt kein Wesen. Tod ist Prinzip, notwendiges Aggrigenz des Menschseins, aber nicht einmal das ist sicher.
    Zu seinem Glück kann er sich in viele Teile spalten und gleichzeitig an mehreren Orten sein, um seine Aufträge pünktlich und zuverlässig zu erledigen.


    Doch manchmal gibt es nicht so viel zu tun - und an solchen Tagen reitet den Tod der Teufel. An genau so einem Tag, er hatte tatsächlich nur drei Aufträge, beschloß der Tod, die zu holenden Menschen zu seinem und des Teufels Vergnügen mal wieder zu testen.
    Nun gut, personifizieren wir den Tod, begreifen ihn als Pendant oder Prinzipienreiter des Teufels, was für sich genommen immerhin einen poetischen Raum gibt, wenn auch keinen sinnvollen. Aber die vielen Erweiterungen der Verben bekommen dem Text hier schlecht. Er beginnt zu langweilen, hat so was Belehrendes.
    Als ersten besuchte er einen Philosophen im Forum der Leselupe. Er gab sich zu erkennen und meinte: "Höre mir zu, mein kleiner Philosoph, ich will dir eine Chance geben. Stelle mir eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß und ich werde dich verschonen. Das verspreche ich dir."


    Der Philosoph dachte kurz nach. "Also gut", fragte er, "Was bitte, kommt nach Gott?"
    Er sagte ALSO GUT - was wohl eher unfreiwillig komisch ist - und fragte dann.
    Der Tod lächelte. "Du enttäuschst mich, Philosoph", antwortete er. "Nach Gott kommt nichts." Grübelnd entschlief der Philosoph für immer.


    Danach besuchte der Tod einen Klugschwätzer im Forum des Literaturcafes. "Ich will auch dir heute eine Chance geben", sagte der Tod zu ihm. "Stelle mir eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß."


    Der Klugschwätzer dachte kurz nach. "Sage mir jetzt sofort, wie viele Leben du schon geholt hast."


    Der Tod lächelte auch diesmal. "Du enttäuschst mich, Klugschwätzer, es sind genau 27 Milliarden, 958 Millionen, 158 Tausend, 200 - und jetzt plus eins." Resigniert gab der Klugschwätzer seinen Schaumlöffel ab.


    Still vor sich hinlächelnd schlenderte der Tod zu seinem letzten Auftrag dieses Tages. Dieser Mensch war ein großer Dummkopf im Forum des Herrn von Wolkenstein. Auch ihm gab der Tod die Chance seines Lebens. "Höre gut zu, Dummkopf!" sagte der Tod. "Stelle mir eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß, und ich verschone dich für immer."


    Der Dummkopf überlegte eine kurze Weile. "In Ordnung", meinte er. "Mit deinem Vorschlag bin ich einverstanden. Ich rufe dich, wenn mir eine Frage eingefallen ist."


    Selbst der Tod hatte nicht soviel Zeit, darauf zu warten. Jetzt wissen Sie endlich, warum die Dummheit im Forum des Herrn von Wolkenstein bisher nicht ausgestorben ist.
    Das ist doch wohl ein Paradoxon. Und damit ist die Leistung Marlowes gut beschrieben.
    Also, bis auf die Einbettung und die wenig hinreichende Exposition ist der eigentliche Witz gut erzählt. Die vielen Zahlen sind schlecht, sie könnten unterbrochen werden, zumal der Tod irgend etwas sagen könnte, ohne daß der Klugschwätzer das Gegenteil...


    Man mag gegen die quasikultischen Handlungen zum Halloween-Vertreibungsfest sagen was man will, aber es führt auch die Menschen zusammen.
    Daran die Amerikanisierung Deutschlands festzumachen, halte ich für entschiedenen Quatsch, wie es überhaupt Quatsch ist.


    Mein Söhnchen (11) zog mit einigen Freunden los, bimbelte in der Nachbarschaft und ließ nach einigen theaterreifen Verrenkungen, die sie "Tanz der Toten" nannten, folgenden Spruch hören: "Süßes, sonst gibt's Saures!"
    Ein älterer Herr hatte die Tür geöffnet und ziemlich traurig dreingeschaut. Als der Spruch mit der Forderung kam, sagte er: "Meine Frau ist gerade gestorben. Geht jetzt, bitte!"
    Die lieben Kleinen packten nun ihrerseits Schokolade und anderes Süßes aus. Mein Sohn hatte von seiner Mama gelernt, daß Süßes glücklich mache. Und das sagte er dann auch dem traurigen Mann. Der weinte.



    Auch das ist eine Begegnung mit dem Tod in einem (öffentlichen) Forum.

  10. #10
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    In einem sollte Marlowe seinerzeit rechtbehalten: Während das LC den Forentod starb, ist die Dummheit im Wolkenstein-Forum nicht ausgestorben, und der Teufel wartet bis heute auf die Frage, die er nicht beantworten kann. Sie könnte lauten: Wann wird die Dummheit im Wolkenstein ausgestorben sein? Doch wenn er diese Frage beantworten könnte, wäre er der Herr über die Zeit und damit mächtiger als Gott. Ob man dem Teufel diese Frage stellen sollte? Sie würde zugleich die Frage nach der Macht Gottes beantworten.

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Begegnung mit dem Tod in den aktuellen Foren

    Zitat Zitat von Marlowe Beitrag anzeigen


    Der Klugschwätzer dachte kurz nach. "Sage mir jetzt sofort, wie viele Leben du schon geholt hast."


    Der Tod lächelte auch diesmal. "Du enttäuschst mich, Klugschwätzer, es sind genau 27 Milliarden, 958 Millionen, 158 Tausend, 200 - und jetzt plus eins." Resigniert gab der Klugschwätzer seinen Schaumlöffel ab.
    So schnell gibt ein Klugschwätzer doch nicht auf. Es ist offensichtlich, dass der Tod nicht die richtige Zahl nennt. Die müsste bei über 80 Milliarden liegen.
    https://www.spektrum.de/frage/wievie...r-erde/1253576

    Entweder der Tod lügt, oder er kennt die Zahl nicht. In beiden Fällen würde ein echter Klugschwätzer weiterdiskutieren und eine Klage in Betracht ziehen.

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