wie könnte man urteilen: über einen sehr großen menschen, eine sitzende figur, aber lebend, einen menschen aus gebirge und tal, wäldern und strömen, sein kopf hoch oben in wolken, seine züge leuchtend himmelblau. seine brüste sind berge aus weichem stein, quellen entspringen diesen bergen. die entquollenen bäche stürzen zu tal, sie plätschern über felsen, fließen durch tiefere wälder, unten im tal sind es schon ströme, die spitzwinklig auseinanderstreben, und diese ströme bilden die beine meiner sitzenden figur.
suchst du ihren rumpf: das kann nicht sein, wie könntest du dies ungeheure gebirgsmassiv übersehen, das sich weiter oben zu jenen bergen aufspreizt und noch weiter droben den himmel auf starken schultern trägt. zwischen bergen und tal, schräg aus der hügelwand ragend, wächst natürlich der wald, von jenen flüssen genährt und selber sie nährend. tritt nur einen schritt zurück, aber mit bildlichen stiefeln, dann siehst du nichts einzelnes mehr, nur diesen dunklen gewaltigen schaft, der schräg nach oben ragt, zu den weichsteinernen brüsten, zum himmelsmund hinstrebt und sich fast unmerklich zitternd so erhält.
dieser mensch da, meine sitzende figur, ist vollkommen, man weiß nichts über sie, weil sie vollkommen ist, kann man nichts von ihr wissen. woran denkt sie, was träumt er, was hat es zu bedeuten, für uns, wenn eine figur wie diese denkt oder träumt? nein, man weiß nichts von ihr, man kann nicht sagen: "schau, der große mann dort", wie man nicht sagen kann: "sieh an, die riesenfrau". wir krauchen herum auf meiner sitzenden figur, wir strömen zu tal auf ihrem überirdisch schönen körper, seinen brüsten entsprungene tropfen sind wir oder winzige samentierchen, die unterm himmel hinwirbeln, weil sie mit wolkenfingern den ragenden schaft anrührt, einem dunklen drang gefügig, der sie anweist, uns jetzt, in diesem moment, zu versprühen. sag doch, wie könnte man urteilen?