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Thema: Worte

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Worte

    In Worte gekleidet
    sitzt du zu Tische - welch ein Bild.
    Im Diadem die Silbenschar,
    so läßt sich trinken jeder Becher
    und noch dein Lallen
    deckt dich zu bis auf den Schoß.


    Die alten Weine steigen schwer zu Kopf,
    heb ich dein Glas verwischen sich die Augen,
    bist du's, die sieht, seh ich aus dir:


    Das ist ein hüllenloses Schauen,
    in neuen Kleidern, Kaiserin, gehst du zugrund,
    gehst du zum Meer, wir fahren beide drin,
    so rot wie wir gekommen.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Worte

    seufz...schöön...
    nur die formulierung "die alten weine" will mir nicht so recht rund über die lippen kommen, passt nicht zu den übrigen, so treffend gefundenen begriffen... so, jetzt müsst ich natürlich einen vorschlag bringen *verzweifeltsuch*. tut mir leid, ich muss passen , schämt sich


    P.S. versuch...die edlen tropfen...oder einfach nur...edle tropfen...
    hm. ich seh schon, bin als kritiker komplett ungeeignet und werde mich zukünftig raushalten.
    nicht bös sein
    sid.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Worte

    sid, ich bin als Kritiker auch ungeeignet, denn ein kritiker bedarf der objektiven meßgeräte, ich aber habe nur meine lesebrille, aber ich werde mich dennoch nicht heraushalten. Ein Forum lebt doch von den disparaten meinungen, am besten, sie sind imkompatibel. Also nur zu.


    Mir gefällt das dreizehnzeilige Verschenepigramm. Ist irgendwie ein Epigramm im Ganzen. Es streckt sich und rackert sich ab, aber es bleibt bei einem Epi. Was mir gefällt. Da reißt keiner den Himmel entzwei, es wird leise gesimmelt. Und zwischen dem Ich und dem Du entsteht eine Welt, also auch mir als Leser. Das mit dem Schauen aufs Kleid der Kaiserin wpnschte ich mir auch manchmal. Aber sie läßt sich nichts anhaben, sie geht nicht zum Meer, sie faselte zwar davon,...


    Wie geht's weiter?

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Worte

    die alten weine contra die edlen tropfen
    was für ein gegensatz! was für ein widerspruch!
    lass mich erst die bilder vergleichen...alte weine fließen, sprudeln, aus einem fass, aus einer karaffe, aus einer flasche, aus einem krug in deinen becher, in dein glas, in deinen pokal, ein deine hand, in deinen mund...der kellerduft breitet sich aus, feucht, lehmig, die sonne, die die traube reifen ließ, wärmt deine kehle, dein herz, deine seele ..
    einverstanden, alte weine koennen essig geworden sein, nach korken schmecken, gebrochen, staubig, lehmig, faul. aber da ist noch die farbe: fluessiger granat, nein - kein rubin, der ist zu durchsichtig - in vielen facetten schimmernd.
    edle tropfen...eine aufgeklappte praline, drin eine kirsche, darauf tröpfelt ein unbestimmbares etwas aus einer flasche - ein plakat, reklame, ein werbespot. dann folgt tiefkühlkost und klopapier.
    und jetzt lass "die alten weine" über deine lippen gleiten! wie sich das a von "die" abhebt, das l an das t anschmiegt, das ei nach dem w als ein ai in das n übergleitet - das ist .. vollendet!
    versuche jetzt, "die edlen tropfen" gleiten zu lassen, ..da gleitet nichts, es klingt wie ein schlecht gewarteter fiaker auf kopfsteinpflaster .. das e von "edlen" kann sich nicht von die trennen, das l wird vom d gestoßen, die zungenränder flattern dabei und werfen speichel aus, das n ist zu bequem, das t freizugeben und das r hat die größten schwierigkeiten, die zungenspitze im zaum zu halten. das pf als lautfolge...die passende farbe für die bilder "hopfen" oder "stampfen", aber nicht für einen alten wein!


    hm..da ist ein bruch in der vierten zeile..
    so lässt sich jeder becher trinken... klingt viel runder, oder?
    allerleirau, teetrinkerin *g*

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Worte

    Sehr schön glossiert.


    Die Inversion seh ich nicht, es kommt lester aufs Trinken an, nicht auf den edlen Becher. Also das Wichtigste zuerst.
    Aber es fehlen zwei Kommas, eines in Vers 8 und eines in Vers 13.
    Vers 12 verstehe ich nicht.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Worte

    Danke für eure Einschätzungen.


    sid: du hast zielsicher eine Schwachstelle angesteuert, mir war die Stelle auch nicht geheuer - aber es kling schön, gell? (kling-klang?, hm). Du liest sehr genau, mehr kann niemand verlangen. Und bös werd ich eh nie.




    allerleirauh: das gefällt mir, deine Anmerkung über Wein, wenn mein Gedicht Auslöser war: dann will ich es mögen. (Ach ja, ich hatte allerdings mehr an Gutedel gedacht...).


    Wolkenstein (gestatte, dass ich das 'von' weglasse, ich bin Anh?nger der Bauernaufstände): Gefällt mir, der Hinweis aufs Wesentliche: der Text ist beim Trinken entstanden. Kommata: ja. Zeile 12?, ist biographisch, also schlecht, ich arbeite dran.

    Epigramm, simmeln und faseln: warum bist du nicht wirsch mit dem Textchen?, ich kann dir sagen wie es weitergeht, aber ich habe die Zeilen gestrichen:
    Dann ist Gewitter. Dann ist Nacht.
    Die silbenflugtauglichen Möven sind tot.
    Ach Mutter, fragst du, wer hat das gemacht?
    Still, Kind, das ist der Lauf der Welt.


    L.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Worte

    "In Worte gekleidet
    sitzt du zu Tische - welch ein Bild."

    pathos
    und dann noch pathos, der sich ernst nimmt.




    "Im Diadem die Silbenschar,

    so läßt sich trinken jeder Becher"
    mein gott wie kostbar dies


    "und noch dein Lallen
    deckt dich zu bis auf den Schoß."

    na gottseidank.
    hier denkt dann doch noch wer mit.




    "Die alten Weine steigen schwer zu Kopf,
    heb ich dein Glas verwischen sich die Augen,
    bist du's, die sieht, seh ich aus dir:"

    shakespeare is auch schon tot.
    aber die alten weine haben was.




    "Das ist ein hüllenloses Schauen,
    in neuen Kleidern, Kaiserin, gehst du zugrund,"

    nein. das ist es nicht.
    wirst du jetzt abtrünnig?


    "gehst du zum Meer, wir fahren beide drin,
    so rot wie wir gekommen."

    und das funktioniert nun gar nicht mehr.
    versöhnlicher blödsinn.




    naja.
    ein bisschen was hats.


    *gähn*
    7s

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Worte

    der vorwurf des pathos -
    kein problem, lester
    eine von alten weinen trunkene kaiserin -die kann doch nur "zu tische sitzen"


    *kreizdippidomini oder so ähnlich, ist doch eine schöne sprache, unsere muttersprache*


    allerleirau

  9. #9
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Worte

    Auf die überarbeitete Version wartet meinereiner noch heute. Oder ist es ein Prinzip von Dir, Leicester, eingestellte Texte unverändert zu lassen?

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Worte

    ..sagen wir mal so: ich tue, was ich kann, und das ist herzlich wenig. ändern hiesse auch: streichen, andererseits meine andere, man solle nichts streichen, ich zitiere:
    "Warum streichst Du überhaupt? Ich meine, es gibt die elegischen und naiven Dichter, die schreiben aus einem Guß, jedes Wort lebt im Kontext, ist zäh wie Leder, aber auch fein und nur ziseliert mantschig. Streichung ist der Tod des Geschriebenen."


    Man soll aber auch nicht zu viel auf "Andere" hören.

  11. #11
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Worte

    He, das war ein Schuß gegen mich. Und sogar richtig zitiert: Offensichtlich hast Du mich hier mit meinen eigenen Waffen geschlagen. Dafür hast Du einen gut. Ich verzichte im folgenden darauf, bei Dir Textarbeit zu machen; Du bist eh naiv-elegisch, ergo unfähig zur Verwandlung in einen anderen Menschen, einen anderen Dichter, ein anderes Selbst. Selbst aber ist nur der Mann!

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Worte

    ...so schlimm ist deine Textarbeit nicht, dasz man sich gerne ihrer Schmerzen entschlüge...


    Widerspenstiges Gedicht


    Na warte!


    Ich schreib dich auseinander,
    vernagle dir die Silben,
    Satz für Satz trenn ich dich auf und
    breche dir die Zeilen,
    dein Buchstabengest?ber blase ich über das Blatt
    und pflüge dir die Reime um und um,
    beisse deinen Rhythmus,
    bringe dir das Verseklappern bei,
    laß dich ersaufen in Nebenbedeutungen,
    verpasse jener Silbe eine Hebung und der anderen gleich eine mit,
    bis deine Halbsätze an Kommakrücken kommen.


    Pass bloß auf!
    Ich schreib dich zusammen.




    [Diese Nachricht wurde von lester am 26. November 2002 editiert.]

  13. #13
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Worte

    Schöner Ordner: ein Paar gernegroße Ziegen, ein Unwissendes und ein Autor, der partout an seinem Getexte nicht arbeiten will, das aber mit Schmackes zu begründen weiß. Es lebe die Literatur!

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