Auf Grund des lebhaften Echos hier die nächste Story des Mars-Zyklus:


Die alten Männer
Old man's sunday blues


Es war warm - so warm, daß William sich auf eine der Bänke im Schatten zurückgezogen hatte, um sein Bier zu trinken.
Das Bier war kühl. Es machte Spaß, mit dem Finger über die beschlagene Oberfläche des Glases zu fahren. Er trank in winzigen Schlucken, um den Genuß so lange wie möglich auszudehnen.
Unten am Fluß tobten die Kinder in der weißen Gischt der Stromschnellen. Eigentlich war es kein richtiger Fluß, der durch den Vergnügungspark floß, sondern ein mit Softansteinen ausgekleideter künstlicher Kanal. Ein richtiger Fluß wäre viel zu gefährlich gewesen, nicht nur wegen der Springmuränen ...
Dennoch war William gern hier, obwohl er nicht mehr ins Wasser ging. Es machte ihm Spaß, den Badenden zuzusehen, und das weiß schäumende Wasser erinnerte ihn an die Mutproben seiner Kinderzeit, als sie unter den bewundernden Blicken der Mädchen auf den glitschigen Steinen unterhalb des Greystone-Wasserfalles den Fluß überquert hatten. Manchmal kam es ihm vor, als wäre das in einem anderen Leben gewesen ...
Monicas Stimme riß William aus seinen Betrachtungen. Sie hielt ihn offenbar für schwerhörig, jedenfalls sprach sie so laut, daß sich einige Besucher zu ihnen umdrehten: „Wir fahren nur mal kurz zu Susan in die Klinik. Bleib ruhig sitzen, wir sind gleich wieder da!“
William verstand nicht, wieso der Besuch nicht bis zum Abend warten konnte. Früher hatten die Frauen auch Kinder bekommen, ohne sich schon Wochen vorher ins Krankenhaus einweisen zu lassen.
„Aber ...“, versuchte er zaghaft zu protestieren, doch Monica unterbrach ihn sofort. Ihre Stimme klang ungeduldig: „Du mußt wirklich nicht mitkommen, Bill. Wir sind in einer Stunde zurück.“
William war den Kindern wirklich dankbar dafür, daß sie ihn hin und wieder mitnahmen, wenn sie mit den Enkeln in den Park fuhren, aber an Tagen wie diesem kam er sich verdammt überflüssig vor.
„Warte, ich komme mit ...“
Aber die vier waren längst fertig umgezogen und strebten dem Ausgang zu. Sie drehten sich nicht einmal mehr um.
William konnte ihnen keinen Vorwurf machen. Woher sollten sie wissen, daß er nicht allein unter all den fremden Menschen zurückbleiben wollte? Schließlich ging er doch die ganze Woche über kaum aus dem Haus.
Als Mildred noch lebte, waren sie oft hier gewesen. Damals hatte er sich auch noch ins Wasser getraut. Manchmal, wenn ihnen die Strömung plötzlich die Beine weggerissen hatte, waren sie prustend und lachend bis hinüber zum Kindersandstrand geschwommen, wo das Wasser flach und ungefährlich war.
Mildred fehlte ihm. Wie sehr, das begriff William erst jetzt. Es war, als hätte man ihm einen Arm abgehackt. Solange man beide Arme besaß, hielt man ihr Vorhandensein für selbstverständlich. Doch es fiel verdammt schwer, mit nur einem Arm zu leben ...
William trank sein Bier aus. Er wollte nicht hierbleiben, allein unter all den braungebrannten, fröhlichen Fremden.
Ärgerlich war nur, daß er seine Schuhe nicht finden konnte. War er wirklich barfuß zur Bank gegangen? Wenn ja, dann mußte er sie auf der Decke zurückgelassen haben. Doch die Decke war natürlich nicht mehr da, Monica hätte ihre Badesachen niemals unbeaufsichtigt zurück-gelassen. Auf ihn konnte man sich ja nicht verlassen, und das Schlimme war, sie hatte wahrscheinlich recht ...
Williams rechter Fuß ertastete schließlich doch noch einen der Schuhe unter der Bank. Es war der linke, und er bückte sich, um die Schnürsenkel zuzubinden und gleichzeitig unter den Tisch zu spähen. Der andere Schuh blieb verschwunden.
Das war wieder eine jener Situationen, die er verabscheute. So etwas konnte nur ihm passieren. Wahrscheinlich blieb ihm nichts anderes übrig, als ruhig sitzenzubleiben und abzuwarten, bis die anderen zurückkamen. Er konnte sogar noch ein Bier trinken. Seine Geldbörse war ja schließlich noch da. Aber erstens war es zu warm für ein zweites Bier, und zweitens müßte er dann zur Toilette ...
William stieß seinen Banknachbarn, einen gemütlich ausschauenden, weißbiertrinkenden Mittfünfziger, an und bat ihn um Hilfe: „Entschuldigen Sie, ich kann meinen Schuh nicht wiederfinden, könnten Sie vielleicht ...“
„Klar doch, Opa!“ rief der Dicke hilfsbereit und machte sich daran, den Tisch ein wenig nach vorn zu rücken. Darunter war - nichts.
„Tut mir leid, alter Junge“, sagte der Dicke und klopfte William wohlwollend auf die Schulter. „aber was is'n das da drüben?!“
Und tatsächlich, rechts neben William auf der Bank - und eigentlich kaum zu übersehen - lag das vermißte Stück und grinste ihn höhnisch an. Er spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoß und bedankte sich verlegen.
„Aber nicht doch, alter Junge!“ krähte der Dicke vergnügt. „Das kann doch jedem passieren!“ Sein spöttischer Gesichtsausdruck besagte allerdings etwas anderes, aber das konnte William ihm nicht einmal verübeln ...
Verlegen band er seinen anderen Schuh zu und verabschiedete sich hastig.
Die Trompetenstimme des Dicken und das Gelächter der Trinkenden traf ihn wie ein Geschoß zwischen den Schulterblättern und brachte ihn beinahe ins Straucheln.
Wenigstens war die Chipkarte noch da, so daß der alte Mann den Badepark ohne weitere Zwischenfälle verlassen konnte.
Bis zur Klinik waren es nur wenige Minuten, wenn man den großen Schrägaufzug des "L & S"-Centers benutzte. Ärgerlich war nur, daß man in der klimatisierten Eingangshalle des Supermarktes stets mit einem halben Dutzend Verkaufsberater konfrontiert wurde, die einen wie die Kletten mit ihren Werbebotschaften verfolgten. Natürlich taten ihm die jungen Leute leid, aber heute hatte er es eilig. William schüttelte den letzten, einen dürren Jüngling mit den fieberglänzenden Augen des CET-Süchtigen ab und gelangte endlich auf eine der Plattformen des Liftes, der sich sofort in Bewegung setzte.
Tief einatmend genoß der alte Mann den Fahrtwind während des Aufstiegs der halboffenen Schwebekapsel. Als er die Hand vom Geländer nahm, um sich die Stirn abzutupfen, setzte urplötzlich der Bremsdruck ein und ließ ihn nach vorn stolpern. William stieß mit der Stirn gegen das Sicherheitsglas der Kapsel und verspürte einen brennenden Schmerz oberhalb seiner rechten Augenbraue.
Obwohl er sofort seine Hand gegen die Wunde preßte, füllte sich sein Auge mit Blut. William spürte, wie die klebrige Wärme durch seine Finger sickerte und als feuchtes Rinnsal über sein Gesicht lief.
Benommen taumelte er aus der Kapsel und stieß dabei gegen den Verkaufswagen einer Kosmetikverkäuferin, die ihn erschrocken anstarrte, bevor sie aufkreischte. Jemand rief nach dem Sicherheitsdienst und nach einem Arzt.
William mochte kein Aufsehen. Er haßte es, im Mittelpunkt zu stehen, und so begann er zu laufen. Obwohl er sich nicht umdrehte, bildet er sich ein, von einer Horde aufgebrachter Menschen verfolgt zu werden, und hielt verzweifelt Ausschau nach einer Tür.
Da - endlich! Zwar stand da irgendein Warnschild, aber das war ihm in diesem Augenblick völlig gleichgültig. Die Tür öffnete sich zwar nicht automatisch, schwang jedoch nach außen auf, als William den Riegel nach unten drückte und sich mit aller Kraft dagegenstemmte.
Er war frei!
Trotzdem lief er noch ein paar Dutzend Meter weiter und vergewisserte sich, daß ihm niemand folgte.
Schwer atmend schaute er sich um und versuchte sich zu orientieren. Offenbar befand er sich im Entsorgungsbereich des Supermarktes. Die schmale Zufahrtsstraße säumten Dutzende Abfallcontainer und riesige Leergutstapel. Es roch nach schalem Bier und verdorbenem Obst.
William holte ein Kleenex aus der Tasche und tupfte vorsichtig die Wunde an seiner Augenbraue ab. Sie blutete kaum noch, schmerzte aber noch immer. Er hätte sich gern das Gesicht gewaschen, mochte aber um keinen Preis zurück in das Gebäude.
Schließlich machte er sich auf den Weg zur Hauptstraße, der durch ein Wäldchen, oder vielmehr eine Ansammlung größerer Büsche führte. Ein glucksendes Geräusch erregte Williams Aufmerksamkeit, und er folgte einem verwilderten Trampelpfad, der ihn zu einem winzigen Bächlein führte. Das Gewässer war überraschend klar, und so zögerte er nicht, seine Hände einzutauchen, um Wasser zu schöpfen.
Der Schmerz verbrannte Williams Handgelenke, noch bevor er die beiden Kreaturen überhaupt sehen konnte, die wie silbrige Schatten aus dem Bachbett geglitten waren und sich in das Fleisch seiner Unterarme vergraben hatten.
Der alte Mann schrie und schlug wie wild um sich, obwohl er wußte, daß es sinnlos war. Springmuränen ließen sich lieber in Stücke schneiden, als ihr Opfer freizugeben.
In diesem Augenblick bedauerte er, daß sie dem verrückten Dreckskerl nur Lebenslänglich gegeben haben, der diese Teufelsbrut auf die Menschheit losgelassen hatte ...
Er schrie, weil es den Schmerz linderte. Und weil er Zeit gewinnen mußte, um nachdenken zu können.
Der Sender! Wenn die brennenden Gewichte an seinen Handgelenken nicht gewesen wären, hätte er sich gegen die Stirn geschlagen.
Behutsam löste er die um die Körper der Bestien gekrampften Finger und riß die rechte Hand ruckartig nach oben. Eine neue Welle des Schmerzes überflutete seinen Körper und trieb ihm die Tränen in die Augen.
Er konnte nur hoffen, daß seine Faust den Auslöseknopf des Notrufimplantats nicht verfehlt hatte. Für einen weiteren Versuch fehlte ihm die Kraft.
Fünf Minuten. Die maximale Reaktionszeit der Luftrettung. William kannte die FDBA-Fernsehspots so gut wie auswendig: keinen Widerstand leisten, unnötige Bewegungen vermeiden, regelmäßig atmen.
Regelmäßig atmen! Diese verdammten Armleuchter!
Die silbernen Bänder an seinen Armen waren angeschwollen und färbten sich allmählich rosa. Angeekelt wandte William den Blick ab. Irgendwo hatte er gelesen, daß Springmuränen ungefähr zwei Liter Blut aufnehmen konnten. Zwei mal zwei war vier. Wieviel Blut blieb ihm dann noch?
Er durfte nicht darüber nachdenken
Allmählich ließ der Schmerz nach und wich einem angenehmen Schwindelgefühl. William wehrte sich gegen die Versuchung, die Augen zu schließen und sich einfach fallen zu lassen.
Er wollte nicht sterben. Nicht so.
Noch einmal spannte er die Muskeln an und schrie seine Angst laut hinaus. Der Puls hämmerte dumpf und drohend in seinen Schläfen und übertönte sogar das Rotorengeräusch des Helikopters, der eine elegante Kurve über den makellos blauen Himmel zog und zur Landung ansetzte.
Farbige Schleier tanzten vor seinen Augen, als er den Sanitätern entgegentaumelte und unmittelbar vor ihnen bewußtlos zusammenbrach.
- Gleißende Helligkeit riß William aus dem schützenden Dunkel der Ohnmacht. Jemand zog seine Augenlider nach oben und blendete ihn mit grellweißem Licht.
„Was soll das?“ wollte William rufen, brachte jedoch nur eine heiseres Krächzen hervor.
„Aufwachen, Mr. Hawkings!“ drang eine Frauenstimme durch die Wattewolken, die seinen Kopf einhüllten. Der alte Mann wollte weiterschlafen, aber die aufdringliche Stimme gab keine Ruhe.
„Können Sie meine Hand erkennen, Mr. Hawkings?“
Natürlich konnte Mr. Hawkings die Hand erkennen, die da irgendwo vor seinem Gesicht herumfuchtelte, aber er wollte nicht.
Verdrossen kniff er die Augen zusammen und knurrte etwas Unverständliches.
„Aufwachen, Mr. Hawkings!“ beharrte die Stimme. „Sie dürfen jetzt nicht wieder einschlafen.“
William stieß einen lautlosen Fluch aus und öffnete resignierend die Augen.
„Da sind wir ja wieder, Mr. Hawkings“, verkündete die Stimme mit offenkundiger Befriedigung. „Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt.“ Sie gehörte einer jungen Farbigen mit großen, beinahe unanständig munteren Kulleraugen. Ihr Lächeln war breit wie ein Briefschlitz und auf schwer zu erklärende Weise ansteckend.
William sog den sauber-blumigen Seifenduft ihrer Haut ein und verzog die Lippen zu einem mißglückten Lächeln.
Der Versuch einer einigermaßen freundlich klingenden Anwort endete allerdings in einem Hustenanfall. Ein schmerzhafter Klumpen hatte sich in seiner Kehle festgesetzt und hinderte ihn am Sprechen.
„Der Notarzt mußte Sie intubieren“, erklärte Miss Kullerauge fröhlich, „daher das Kratzen in Ihrem Hals. Sie dürfen jetzt nicht laut sprechen, Mr. Hawkins.“
„Ach so“, flüsterte William und musterte mißtrauisch die beiden Apparate, die über Schläuche mit seinen Armbeugen verbunden waren.
„Nur Wasser und Elektrolyte“, beruhigte ihn die Schwester, „wegen des Flüssigkeitsverlusts. Für eine Bluttransfusion benötigen wir allerdings Ihre Zustimmung.“
„Nicht nötig!“ William schüttelte energisch den Kopf. Er hatte keine Lust, sich auf seine alten Tage noch mit allen möglichen tückischen Viren anstecken zu lassen.
„Wie Sie möchten.“ Kullerauge lächelte verständnisvoll und erkundigte sich nach seinen Angehörigen. „Möchten Sie, daß wir jemanden verständigen?“
Der alte Mann verneinte. Die Vorstellung, Monicas Vorwürfen und Belehrungen schutzlos ausgesetzt zu sein, war zu beängstigend.
„Sie leben allein?“ William schämte sich für das Mitleid in Kullerauges Stimme, nickte aber dennoch bestätigend.
„Wenn Sie möchten, können wir Sie nach Abschluß der Behandlung auf der Normalstation unterbringen“, bot ihm die Schwester an. „Nur für den Fall, daß Sie nicht allein zurück in ihre Wohnung wollen.“
„Danke, sehr freundlich.“ William schüttelte den Kopf. „Ich komme schon zurecht.“
Komme ich wirklich zurecht? fragte sich der alte Mann, und plötzlich war da wieder diese verrückte Idee, die ihm nun überhaupt nicht mehr so verrückt vorkam.
Die Krankenschwester schüttelte kummervoll den Kopf mit den glänzenden Rastalöckchen und ließ ihn allein.
Am Abend beglich William Hawkins die Rechnung und ließ sich nach Hause bringen. Er war noch immer etwas unsicher auf den Beinen, aber seine Augen leuchteten.
Der alte Mann war todmüde, doch bevor er die Augen schloß, studierte er noch einmal das Angebot der Marsgesellschft, das er nun schon seit Wochen wie eine Kostbarkeit im Tresor aufbewahrte:

Erfüllen Sie sich einen Kindheitstraum!
SENIORENRESIDENZEN AUF DEM MARS
Wir versprechen Ihnen keinen allzeit blauen Himmel und keine blühenden Gärten (obwohl die Grüngürtel von Port Marineris und Ravi Vallis prächtig gedeihen). Der Mars ist ein rauher Planet und die Infrastruktur noch im Aufbau. Aber wir versprechen Ihnen, etwas, das sie nirgendwo sonst finden können:
EINEN LEBENSABEND IN WÜRDE!
- modern eingerichtete Appartements in unseren Wohnanlagen
- erstklassige medizinische Versorgung durch unsere Spezialisten
- keine Verpflichtungen über den einmaligen Kaufpreis hinaus
- Abwehr jedweder Ansprüche an unser Clienten durch versierte Anwälte
- keine Kriminalität
- keine militärische Bedrohung
- keine Umweltverschmutzung
- kein Verkehrschaos
- keine aggressiven oder genetisch veränderten Tiere
Erfüllen Sie sich Ihren Traum: Fliegen Sie mit uns zu den Sternen und lassen Sie den Schmutz und das Elend einer vom Untergang bedrohten Welt für immer hinter sich zurück!


Transfer und lebenslanges Wohnrecht im Zwei-Zimmer-Apartement ab $ 150.000




Eine Woche später saß William Hawkins mit zwei Koffern, deren Inhalt hauptsächlich aus Büchern und bruchsicher verpackten Portweinflaschen bestand, in einer Chartermaschine der Martian Development & Real Estate Inc., die ihn und 246 andere Aussiedler nach Cape Canaveral brachte. Er hatte sich nicht von seiner Tochter und den Kindern verabschiedet, weil er wußte, daß Monica tausend Gründe finden würde, die gegen seinen Plan sprachen. Und jeder dieser Gründe würde stichhaltiger sein, als alle, die William zu seinen Gunsten anführen konnte. Er war ohne ein Wort gegangen, weil er ihnen die Wahrheit ersparen wollte, die ebenso einfach wie brutal war: Ich will allein und in Würde sterben ...
Mit William Hawkins reisten hunderte alter, einsamer Männer auf den Mars und tausende folgten ihnen.
Sie gingen, weil schon als Kinder von den Sternen geträumt hatten. Sie gingen, weil sie es leid waren, sich für ihre Spaziergänge Leibwächter zu mieten. Sie gingen, weil ihnen die kugelsicheren Scheiben ihrer Apartments die Luft zum Atmen stahlen. Sie gingen, weil sie den hoffnungsvollen Unterton in den Stimmen ihrer Söhne nicht mehr ertragen konnten, wenn sie sich nach ihrer Gesundheit erkundigten. Sie gingen, weil ihre Frauen sie langweilten und ihre Anwälte sie betrogen. Sie gingen, weil ihnen ihre Firmen und das Geld nichts mehr bedeuteten, gegen das sie ihr Lachen eingetauscht hatten.
Auf der sechs Monate langen Überfahrt freundeten sich weißhaarige Harvard-Professoren mit ehemaligen Footballgrößen und Schlachthausbetreibern aus Chicago an. Man spielte Karten, trank zuviel und lachte über die abgestandensten Witze. Ein paar von ihnen übertrieben es dabei und starben, noch bevor die „Queen of Hearts“ den Marsorbit erreicht hatten, aber sie starben mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihre Leichen wurden in Folie gepackt dem Weltraum übergeben, während im Salon Wunderkerzen brannten, die Kapelle „Auld Lang Syne“ spielte und alle mitsangen.

K.




[Diese Nachricht wurde von kassandra am 09. Oktober 2000 editiert.]