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Thema: tod und leben

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    tod und leben

    tod und leben


    ich traf einen mann
    der wollte nicht leben
    und konnte nicht sterben

    ich traf eine frau
    die wollte nicht sterben
    und konnte nicht leben

    dann traf ich ein kind
    das konnte leben
    und musste sterben

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: tod und leben

    düster
    dreigeteilte texte, die synthetisch sind, finden meist mein gefallen, so auch hier. verstehe ich den chiasmus richtig, so wird er in eins und zwei mit mann und frau antithetisch verschränkt. das kind, als eine verbindung von mann und frau, könnte nun leben wollen, es wäre möglich, allein, es liegt in der macht des dichters, das kind auch sterben zu lassen.

    nennen wir es ein herbstgedicht.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: tod und leben

    Die ersten zwei Strophen sehe ich eher spiegelbildlich oder einer Symmetrie geschuldet, die irgendwo im Hinterkopf lauerte. Dank deiner, weiss ich jetzt auch, was ein Chiasmus ist. Die dritte drängte sich förmlich auf. Ohne sie sind die beiden ersten unvollständig.

    Düster würd ich nicht sagen. Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Es ist einem perversen, auf Verdrängung fußenden Zeitgeist zu danken, dass das Phänomen Tod und Sterben so tabuisiert bzw. so verschämt in Kliniken und Heime ausgelagert wird. Outsourcing des Sterben quasi. Der Tod eines Kindes ist allerdings etwas besonders schwer Erträgliches, der eines eigenen Kindes vollends unerträglich.

    Der Herbst ist immer wieder eine Chance, sich mit seiner eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen. Für die Natur selbstverständlich und unsentimental abgehandelt, für uns nur mühsam zu verdauen. Leute mit empfindlichem Magen ziehen es deshalb vor, beim Thema Sterben in den Fastenmodus zu schalten. Ihre Hungerfantasien betäuben sie dann mit Unsterblichkeitsvorstellungen. Manche lassen sich gar tiefgefrieren, um am Jüngsten Tag wieder aufgetaut zu werden. Dabei sehe ich die eigene Endlichkeit doch als eine positive Verheissung. Niemand könnte ein Leben ohne Ablaufdatum ertragen. Ich sehe den Tod als Erlösung und nicht als Skandalon oder etwas, das man Verdrängen müsste. Wie gesagt, der Tod eines Kindes oder jungen Menschen ist eine andere Kategorie. Aber auch das kommt vor. Ich weiss nicht, ob und wie ich damit leben könnte.

    Aber, man sollte seine individuelle Existenz nicht so wichtig nehmen. Ein Blick über den Tellerrand, sprich Erdhorizont und wir sind in einem vollends unvorstellbaren, unbegreiflichen Kosmos eingetaucht, an dessen Maßstäben gemessen unsere menschliche Existenz nichts ist.
    Geändert von eulenspiegel (23.09.18 um 08:39 Uhr)

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: tod und leben

    Bei dem Text, ohne lange nachzudenken...und sehe, dass Eulenspiegel aus Wien kommt, natürlich, das kann nur daher kommen...Was für eine Stadt, dies Wien... mag sein, dass der Tod eher in Deutschland Meister ist, aber er wohnt in Wien.Wien & Tod, seltsame Symbiose... schon der Dialekt fährt einen unter die Haut... ich höre Qualtinger, er redet, murmelt, brabbelt... „Das falsche Gewicht“ fällt mir ein, die Anfangsszene im Schnee und Nebeldunst, Totschlag natürlich, Cholera & Leichen... Roth... mit seinem Hiob, der mit Gott über Kreuz liegt wegen Menuchim, Schweinefleisch ißt um Gott zu bestrafen...Hofmannsthals „Jedermann“...seine Terzinen über Vergänglichkeit: „Und meine Ahnen, die im Totenhemd, / Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar“... Einmal bin ich in der Altstadt herum gegangen... Purpurschecke hieß die Spelunke...auch dort diese Sprache, kann ein Dialekt morbide sein? Aber die Frauen dort waren tröstlich.

    Was wollte ich eigentlich sagen? Der Text gefällt mir, weil er mich an die Stadt erinnert. Bischen dünn, der Kommentar, ich weiß, aber immerhin.

  5. #5
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: tod und leben

    Ja, das mit dem Sterben in Wien ist so eine merkwürdige Sache. Sie geistert seit über hundert Jahren durchs Land.


  6. #6
    Klaus Norbert.
    Laufkundschaft

    AW: tod und leben

    Zitat Zitat von eulenspiegel Beitrag anzeigen

    ... Aber, man sollte seine individuelle Existenz nicht so wichtig nehmen. Ein Blick über den Tellerrand, sprich Erdhorizont und wir sind in einem vollends unvorstellbaren, unbegreiflichen Kosmos eingetaucht, an dessen Maßstäben gemessen unsere menschliche Existenz nichts ist.

    ... man? Sie? Ich? Alle? Wer ist dieser man? Sie schreiben für sich selbst, oder?


    Und doch ist für jeden einzelnen Menschen seine eigene Existenz wie alles, alles wie nichts.

    Das Unvorstellbare ist überall, auch unter dem Tellerrand. Ergo, diese eigene Existenz ist alles, Gott.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: tod und leben

    Danke für die Wortmeldungen. Das mit dem Tod und Wien ist leider auch viel Klischee. Nicht alles, der Tod und Wien, das ist schon eine dicke Freundschaft, aber leider - wie so vieles - halt arg strapaziert .....

    Also zum Sterben würd ich nicht nach Wien fahren.

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