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Thema: Ich über mich

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Ich über mich

    schau mich nur an -


    sieh diese hände:
    wie auf dem weinberg reben
    trauben reifen lassen -
    ich habe sie gegeben.


    sieh diese schultern:
    was lasten auf den wegen lagen
    durch nacht und tag -
    ich habe sie getragen.


    sieh diese augen:
    wieviele tränen auch geflossen
    von kindern dieser welt -
    ich habe sie vergossen.


    sieh diesen leib:
    was ER in tausenden von jahren
    an qualen hat geschaffen -
    ich habe sie erfahren.


    sieh dieses herz:
    was mir die götter gaben
    an jugend, süße, liebe -
    ich habe es begraben.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ich über mich

    Hm.



    asmodai

  3. #3
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Ich über mich

    Hallo Allerleihrauch!


    Das habe ich schon oft gelesen. Dieses Ich-Du-Er-Komplexe. Eigentlich nur ein Ich-Du, aber die Distinktion zum Er ist unabsehbar. Meinetwegen betrachte, doch die Intension ist mir zu schematisch.
    Neigst Du dazu? Benutzt Du eine feste Form bei der Konstruktion Deiner Werke? Eines ist mir hier aber auch aufgefallen, eine positive und poetische Grundstimmung.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ich über mich

    es ist doch immer das ich?
    man/frau gibt sich preis, momentaufnahme und wiedergabe von vielleicht nie wiederkehrenden empfindungen oder sinnlichen wahrnehmungen oder abstrakten überlegungen in sprache übertragen, entschleierung. die feste form nur als schutz für das nolimetangere.


    a.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    Talking AW: Ich über mich

    schliesse mich asmodai an.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Lightbulb AW: Ich über mich

    iodin, Er ist witzig.


    Rührmichnichtan als Sendbote des Ichs? Jetzt wird's aber spannend, Allerlei, ich setz' das Ich anders als Du. Es ist eine nicht in den Genen und im Außen verifizierbare Größe. Das fruchtet. Das Ich schaut den Körper an. Das Ich ist ein Denkkonstrukt, keine Tatsächlichkeit, die veritabel wäre. Das Ich kann nur anschauen, kann sich nur übers Fremde definieren. Das Ich ist nicht, es will nur sein. Daraus bezieht es seine Kraft, daß es will.
    Wenn ich genau diesem Ich folgte, dann würd' ich niemals müde werden, andere dagegen nur schlafen. Es ist nicht metaphysisch, es ist nur ein Konstrukt aus den Sehnen und Drüsen, aber es ist nur ohne Sehnen und Schleim, ohne all das eine vorstellbare Größe.
    Und somit kommt auf Dein Ich ein Du, das selbst ein Etwas anschaut, somit ein Er intendiert.


    Aber Du wolltest wohl nicht über die Struktur des Raumausgreifens sprechen.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Ich über mich

    DAS
    ist mir jetzt zu hoch....erkläre mir bitte, was ich unter raumausgreifen
    zu verstehen habe
    *bin anscheinend wirklich net nur alt, auch bloed*
    ICH bin
    und da ist ein gegenüber...nenne es DU... das MICH erkunden, erkennen,
    benennen will.
    ICH gebe mich dem gegenüber preis, entschleiere mich, für einen moment
    ICH will nicht erkundet, erkannt, benannt werden. *gelogen! denn ich bin
    wie jede(r), der/die sich des wortes zur selbstdarstellung bedient,
    eitel und erklimme das podest oder den pranger lustvoll*
    da, SCHAU mich an, SO bin ich wirklich, muede, ausgelaugt, schwach,
    trauernd, resigniert
    ich habe dem gegenüber einen blick hinter die maske, auf und in mich,
    gewährt, aber NOLIMETANGERE, die stählerne muschel schließt sich wieder.
    allerleirau (verwirrt)

  8. #8
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Post Ich und Nicht-Ich im Dichterkampf

    Daß aber auch immer die wiener Dichter net Ruhe geben können, wenn ums schlagende Herz des Ichs gemodelt wird! Da rackert Ihr nun schon seit 120 Jahren. Ist denn eine Lösung nicht in Sicht?


    Ich seh's so: Jedes Ich hat ein Nicht-Ich, nenn es meinetwegen Du. (Ist jetzt zwar nicht ganz getroffen, aber als Denkoption möglich.) Diese beiden Bestandteile pflegen zu kommunizieren, wobei das Ich das Nicht-Ich stets zu modifizieren Absicht hegt. (Duktus Fichtes) Also schaut es an! Jetzt die entscheidende Frage: Von WO aus schaut es an? Muß das Ich im Körper verortet werden? Eine schier unvorstellbare Konzeption, wenn's nicht so wäre! Aber zwei nebeneinander existente stabende Idiosynkrasien, also Rührmichnichtan-Prinzipien sind der Tod des Doppelspiels. Du sprichst von einem Schleier, d.i. aber hier nicht plausibel, weil zum Nicht-Ich der Schleier gehört, das Ich aber den Schleier nicht lüften will, denn es weiß ja, daß das Nicht-Ich dieses Schleiers bedarf, um überhaupt sein zu können, dasein zu können, wäre exakt. Und so ist Enthüllung der Tod des Diskurses, um dieses neuerdings von mir entdeckte Wort einmal sinnentleert einzusetzen.


    So weit erst einmal. Ich mach jetzt erst ämol Schluß, damit Du mir antworten kannst. Es ist meine Sicht auf die Dinge, nicht von Wahrheit oder Überzeugungsabsichten geprägte doxa.

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    Arrow Inhalt und Hülle sind eins

    das mag ich nicht sehr, diese verallgemeinerung wie "DIE wiener", die gibts nämlich gar nicht so im plural, wenn du aber meinst, dass DieWienerin keine ruhe gibt, da kannst schon recht haben. ob das aber mit meinem geburts-und wohnort affin ist, möchte ich anzweifeln.
    in der wirklichen welt, und davon gehe ich aus, ist das körperliche doch die erste wahrnehmung eines anderen daseins, eine hülle, eine verpackung, ein gefäß, wie immer du es benennen magst. diese hülle hält zusammen, fest, bedeckt, schützt. ich schließe nicht aus, dass gar nichts mehr schützenswertes vorhanden ist, der inhalt sich vielleicht auch vergoren hat, eingetrocknet ist, zerfallen.
    können inhalte frei schweben? ja, können sie, als ein duft, aber das aroma verflüchtigt sich bald und der inhalt wird weniger.
    inhalt und hülle sind eine einheit, aber sie entwickeln sich doch selbständig und manchmal auch voneinander weg.
    und da ist vielleicht eine andere existenz, die daran rührt, die ruhe stört, etwas haben will, im falschen augenblick berührt, eindringt, aufrührt, erschreckt... benenne es nach deinem gutdünken.
    passte es so?

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ich über mich

    Die Wiener Schule mag das Possierliche, das Hintergründige, das Sentiment, das Große. Sie ist ein Verdikt gegen das Vergessen des Beständigen. Da Du in Wien lebst, entsteht der Verdacht, Du könntest Dich affiziert haben, bewußt oder unbewußt. Ist es nicht so, daß der Lebensraum Ausstrahlung aufs Ich nimmt?


    Du hast in Deinem Wortwerk einen gehörig großen Raum zu erschließen versucht. Da purzeln schon mal die Weinberge, da mißt Du den Tag als Tagundnachtgleiche aus. Nein, ein Wort wie WELT sparst Du auch nicht aus. Es müssen Tausende an Jahren sein, GÖTTER, und dergleichen mehr. Ja, aber immer auch diese Schwere des Maßlosen. Die Gedanken fliehen, wenn diese maßlosen Wörter in einem Gedicht Gestaltung erhalten sollen.

    Und damit wir einander hier nicht mißverstehen: Ich mag diesen Text. Er bringt mich zum nachdenken.

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ich über mich

    maßlos .. nicht messbar .. die zeit, der weg, die last
    allerleirau,
    sich gegen das possierliche immer schon gewehrt habend

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    Exclamation AW: Ich über mich

    ecce homo!

  13. #13
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Lightbulb AW: Ich über mich

    Als Wiener Schule des Possierlichen bezeichne ich diesen Hang des Wieners, den großen Raum im Kleinen zu markieren. Wien ist angelegt für fünf Millionen Menschen, glaube ich. Kleingeist in den Gassen. Fünf Millionen Kleingeister im beschaulichen Dialekt, die nett zueinander sind. Und der Brennpunkt aus deutschem Wollen, slawischer Dumpfheit/Konservatismus, jüdischem Vergeistigen, umfeldiger Bauernschläue und einem Schuß suedländischem Verve macht diese Stadt zu einer Werkstatt des Possierlichen, des Nasenstüberns und dennoch GOtterahnens. Das mein ich. Es strickt sich in Deinem Text so an die Oberfläche. Der Raum wird durch die großen Dinge markiert, aber im Gebrachten steht ein verlorenes Ich (Mach), es ist in metaphysischer Undichte ungleich ausgemacht.

    Und damit wir uns hier richtig verstehen, ich meine das, was ich über Wien sage, keineswegs abschätzig. Die Bevölkerung beinahe jeder deutschen Stadt kann so oder ähnlich beschrieben werden, insbesondere der Städte, die Stadtinseln bilden. Aber es sind doch die kleinen Unterschiede, die erst aus dem Allgemeinen das Besondere herauskitzeln.

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    Thumbs up AW: Ich über mich

    Robert, ich war - was relativ sehr selten vorkommt - sprachlos über das praejudizierende vokabular aus der untersten lade einer, wie ich hoffte, nicht mehr zu veröffentlichenden menschenfeindlichen und -verachtenden haltung.

    • slawische dumpfheit!
    • jüdisches vergeistigen!
    • deutsches wollen!


    ich gedenke des unheils, das solche verallgemeinerungen angerichtet haben und noch immer anrichten.
    der wiener - den gibt es ebensowenig, wie es den berliner oder den europäer oder den australier gibt.
    selbstverständlich sind - auch - in wien possierliche tanzbären zu beobachten, die in in ihrer geistigen und aesthetischen kleinkariertheit sich aber nicht unterscheiden von den tanzbären in anderen kommunen.
    zur klarstellung: wien war niemals angelegt für 5 millionen, nicht einmal für 2 millionen bewohner, es wird sprache gesproche, kein dialekt und die einwohner dieser stadt sind genausowenig unbedingt nett zueinander wie die anderer städte.


    zur sache:
    maßlos .. nicht messbar .. die zeit, der weg, die last
    davon war die rede
    allerleirau,
    kaum gotterahnend und nasenstüberverachtend

  15. #15
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Ich über mich

    Wie ich bereits sagte, es sind die Prononcierungen, die kleinen Unterschiede, die Städte und ihre Bewohner voneinander unterscheiden. Mir da gleich wieder "Menschenverachtung" unterzuschieben, weil für mich Menschen nicht alle gleich sind, ist nicht nur böswillig, sondern auch kontraproduktiv und diskurshemmend. Ist es nicht vielmehr umgekehrt, daß dieses von allerelirauh vertretene Diktum, Menschen seien überall gleich und würden überall das gleiche denken, faschistoid ist? Ich sage ja nicht, daß der Deutsche NUR wolle, der Jude NUR vergeistige, der Slawe NUR dumpf in den Tag lebe. All dies gibt es auch bei DEN Deutschen, DEN Italienern, DEN Puertoricanern... ABER es sind die kleinen Unterschiede, die doch nicht nur stilistisch färben, sondern den Menschen erst zu dem machen, was er selber sein will und sein kann, diese Nuancen, diese Zartheiten, die sich im Laufe der Jahre immer stärker profilieren und dem einen mitteilen, er ist am rechten Fleck gelandet oder müsse eben weiter suchen, um irgendwann dort zu leben, wo sich Inneres und Äußeres in seiner Daseinserfassung zu einem Ganzen bilden, wo Ich und Nicht-Ich, um es so zu sagen, zu einer Harmonie finden können. Ich bin heute mehr denn je der Auffassung, daß das Fluidum eines Ortes sehr wohl zur Ausprägung besonderer Eigenarten führt und im Umkehrschluß gerade die Sorte Mensch anzieht, die dieses Fluidum in sich besonders fühlt und dann wiederum das auf den Ort überträgt. Eine Symbiose.

    Ich glaube, allerleirauh wollte mich mißverstehen - oder sie war zu dumm, Nuancen in ihrem Denken überhaupt zulassen zu können. Das war seinerzeit schade, denn ihr Schreiben gefiel mir schon. Aber der Diskurs war damit beendet, daß sie mir den Vorwurf der Menschenverachtung mit Plattitüden begründete.

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