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Thema: Ein Geheimnis

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Ein Geheimnis

    Ein Geheimes


    Kennst du den Novemberwein,
    den alte Reben tragen
    unter großem Mond?
    Er schmeckt
    nach knorriger Geduld,
    nach Warten auch
    auf eine letzte Lese.
    Kühle Früchte langer Nächte
    wieder eines späten Jahres,
    die von Sommerwärme
    bald erzählen,
    wenn in geborg'ner Zeit
    wir kosten
    von dem Schatz der Stücke.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    Exclamation AW: Ein Geheimnis

    Er schmeckt nach knorriger Geduld?


    Aber, aber, er schmeckt nach Reife, birgt in sich Konzentrat des längeren Lebens, die volle Süße der Erkenntnis, mit etwas Frost noch doller. Ehrlich, je oller, je doller.


    Sieh mich an, bin alter Wein

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Arrow AW: Ein Geheimnis

    Über KNORRIGE GEDULD muß der Leser einfach stolpern. Gut Ding will Weile. Besser Ding will Ewigkeit. Keiner will warten. Beim Sterben ist jeder der erste...


    Text stirbt irgendwo ab, ich weiß noch nicht wo.


    Wer wartet auf das letzte? Will Rebensüße nicht erst erzeugt sein? Nein, ich setze mich ins Warten, und siehe: Geduld habe ich mitgebracht, sie aber stemmt sich gegen alles. Geduld will nicht belohnt werden, das ist gegen ihre Natur.


    Nein, Uis, für ein weises Gedicht ist es zuwenig, für eine Momentaufnahme zuviel. Aber extemporiere weiter, ich erwarte ja auch etwas von Dir. Lyrik ist das allemal.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ein Geheimnis

    Lieber uis,


    find sehr gelungen, wie du hier erzählst, was einen guten Eiswein ausmacht!


    Scheint für manchen wirklich ein Geheimnis zu sein...


    Allerding stört mich auch das Wort "knorrige" irgendwie.


    Ja, und mein Problem ist bei diesem Text wohl, daß hier der eigentliche Weg, der gegangen werden muß, bis ich diese vollmundige, ölig süße Flüssigkeit in einem Glase an meine Lippen führen kann (bis zum süßen, reifen - wie Hannemann ganz richtig meint - Konzentrat), mir schon als Geschmack nahe gebracht wird.


    Oh ja, ich hab noch einen Kaiserstühler (1993) liegen. Sollte ich ....????


    *lg* a.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Ein Geheimnis

    ..das Wort 'knorrig' passt wie kaum ein Adjektiv zu einem alten Rebstock. Aber ich glaub nicht, dass von Wein und Reben geredet wird. Doch auch. Wird nicht von Zeit und Erinnerung? Zeile 12, die 'geborgene Zeit'', da will es hin. Klingt ein wenig, für mich, das schwingt mit, wie 'geborgte Zeit' (schwupps sind wir bei Ingeborg und ihrer 'gestundeten Zeit': Es kommen härtete Tage').
    Ein kleines Kunstwerk, der Text. Liest man 'letzte Lese', schwingt im Kopf noch 'alte Rebe' mit. Kommt man zum letzten Wort, 'Stücke', hat man die 'Nächte' als Widerlager. 'Schatz der Stücke' liest sich einfach, aber ist mühselig zu konstruieren. 'Kühle Früchte langer Nächte', liest sich wie ein Reim auf 'saure Wochen, frohe Feste'. Auch die erste Zeile ist ein 'Fast'-Zitat. Wenn ein Gedicht mit 'Kennst du' beginnt, dann ist man in Italien (meinetwegen auch bei Kästner), oder? Was ist mit dem Titel...? Noch ein Verweis? Metamorphose der Pflanzen?.
    So, nun hör ich auf. Eigentlich wollte ich nur sagen: gefällt mir.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Ein Geheimnis

    Dank Euch allen für die liebenswerten und kritischen Kommentare. Ja, ich gebe zu, dass ich zuweilen mit Zitaten in Anspielungen gern jongliere. Hier aber ist es wie von selbst gekommen... seinerzeit... damals. Wie beim Wein handelt es sich hier um ein gut abgelagertes Gedicht, ob's reif war, ich weiß es nicht. Härtere Tage sind ins Land gegangen, gewiss. Ich übte mich an ihnen und übe noch.


    herzlichst uis

  7. #7
    knorkator
    Laufkundschaft

    AW: Ein Geheimnis

    Zu Rebstöcken und anderem Holz paßt KNORRIG, zu Geduld nicht. Das muß ich schließlich am besten wissen, Leicester. Sag ich Dir, wie man den Heldentod stirbt?
    erstellt von Friedricus Rex; Maria Stuart, 2798 ff.: Ha, Schändlicher - Doch ich verdiene das! Wer hieß mich auch dem Elenden vertrauen? Weg über meinen Nacken schreitet er, mein Fall muß ihm die Rettungsbrücke bauen. - So rette dich! Verschlossen bleibt mein Mund, ich will dich nicht in mein Verderben flechten. Auch nicht im Tode mag ich deinen Bund, das Leben ist das einz'ge Gut des Schlechten.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Ein Geheimnis

    Hai uisge


    ein schönsinniges Gedicht.
    das "knorrig" ist wichtig und passt dazu, eher würde ich für ein Synonym der "Geduld" plädieren, z.b.:


    - knorriger Ergebenheit


    ...nach warten auch auf die letzte lese..
    hier würd ich das "auch" weglassen, es ist unnötig erklärt.


    die Ergebenheit in Bezug auf die letzte lese...denn - der wein WILL geerntet werden...?!


    der schatz der stöcke stört mich noch ein wenig, stöcke ist ein hartmoduliertes wort, hier gehört was weiches hin....etwas, dass zur geborgnen zeit passt.


    Das gedicht gefällt mir gut. weißt Du, noch vor drei Wochen rummsten hier die Keltern und der ganze Tag war durchtränkt mit Geschäftigkeit und "Bulldog"-Geknatter. Zwischen den Rebstöcken kauerten die Menschen (meist Polen)und der ganze Ort war von Touristen durchströmt. Doch Eiswein ist hier selten an dieser Moselstelle, es zu talig, zu warm. Immer noch stehn viele Palmentöpfe, sogar Affenschwanzbäume zieren die Strasse- ein Hauch mediteranes zwischen den obligatorischen Geranien und Petunien. Doch das Welken ist im Gange, die Weinberge nun gelb gefärbt. Der Winter und damit das geruhsame Genießen der Rebenfrucht in kerzendurchfluteten, warmen Gewölbekellern steht an. Dir zum Wohl


    julika

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Ein Geheimnis

    Ein Geheimes
    Kennst du den Novemberwein,
    den alte Reben tragen
    unter großem Mond?
    Er schmeckt
    nach knorriger Ergebenheit,
    nach Warten auch
    auf eine letzte Lese.
    Kühle Früchte langer Nächte
    wieder eines späten Jahres,
    die von Sommerwärme
    bald erzählen,
    wenn in geborg'ner Zeit
    wir kosten
    von dem Schatz der Stöcke.

    Liebe Julika,


    hab es mal mit "Ergebenheit" probiert und muss sagen, mir gefällt es so auch gut. Das Wörtchen "auch" möchte ich allerdings aus rhythmischen Gründen eher nicht gestrichen wissen. Dank Dir für die Verteidigung des "knorrig" (lester, Dir auch), denn wer nicht nur den Wein trinkt, sondern auch Gegenden, in denen er wächst, intensiv erwandert hat, der weiß um die Gestalt eines uralten Rebstocks. Naja, nach 25 Jahren werden sie meistens ausgewechselt... aber so mit 15 bis 18 Jahren auf dem Buckel da sehen sie halt wunderbar knorrig aus. Es ist schön, liebe Julika, dass Dich das Gedicht zu einem kleinen Stimmungsbild ganz eigener Art animiert hat. Ich fühlte mich in die Weingegend dort versetzt. Denke ich jetzt grad daran, dann weiß ich, dass es in den Kellern nun sanft gurgelt und hupferlt, der schon ältere Most wird langsam aber sicher zu jungem Wein... jedes Ende birgt den Anfang.


    herzlichst uis

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Ein Geheimnis

    Ergebenheit hat sowas von Buckeln. Auch ein alter Rebenstock besitzt eine stolze Art, er kriecht nicht in sein Schicksal ergeben am Hang, er steht gerade.
    Er schenkt geschmackige Süße aus, allenfalls, knorriger Stärke, hat es nicht nötig, ergeben zu sein. Denn noch eines weiß der Stolze, nach seiner Zeit als Spender eines großen Weins, kann der Kundige auf seinem Holz ein ausgezeichnetes Zicklein grillen.
    Lecker!

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Ein Geheimnis

    Hanne,
    Ergebenheit ist aber doch ein schönes wort. hat nichts mit buckeln zu tun. jemanden und einer sache ergeben zu sein, bedeutet HINGABE. hingabe und ergebenheit sind fast eins. glaub ich.


    ovid,
    das gefühl muß erlebt worden sein, und diese intensität spürt man in diesem gedicht. es wirkt authentisch.nur die leute hier, die dauernd diesen reizen erliegen, sind stumpf geworden und sehen nicht mehr. sie haben sorgen, wein ist hier auch konkurrenz und der alltag ist schwer. der blick für das schöne geht verloren, nur die touristen haben noch was davon. so sollten auch wir immer touristen sein. wollt ich nur noch hinzufügen.


    liebe grüße


    hier noch was herbstliches für Dich:


    wo ist das trauen im herbst
    wenn der frühling bevorsteht?
    wo die sinnigkeit des andern,
    wenn ich sie verwehre?


    warum dies sterben vor dem blühn?


    erst der schlaf birgt meinen traum
    und er sagt: lass mich, denn
    der herbst kommt wieder
    er ist dem frühling überlegen

  12. #12
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    Lightbulb AW: Ein Geheimnis

    Vorschlag: wir führen ein Phrasenschwein ein! Vergleichbar mit der wundervollen Sonntagssendung: Doppelpass (DSF). (klangvoller ehemaliger Beiname: Warsteiner Fussballstammtisch, jetzt: Die Krombacher-Runde)- In DOPPELPASS - Die Krombacher-Runde freut sich das Phrasenschwein über drei Euro für jede leere Redensart.

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Ein Geheimnis

    der verstehen u. vermitteln soll, heute florian:


    du verstehst nix und vermittelst dünnschiss.


    liebgrüß

  14. #14
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Ein Geheimnis

    gefällt mir gut, bis auf den grässlichen anfang: kennst du .....


    das ist so ausgelatscht und -lutscht,


    gruss
    eule.

  15. #15
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Ein Geheimnis

    Weißt, eule, ich stell mir halt vor, dass ich jemanden anspreche, und der oder die kennt das vielleicht wirklich noch nicht... oder so... nix für ungut.


    herzlichst uis

  16. #16
    knorkator
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    AW: Ein Geheimnis

    ja ja, das "knorrig" paßt hier schon. es korreliert mit der süße des endes. etwas knorriges verwehrt das ende, es will nicht. ein süßer wein dagegen, zumal ein eiswein, ist eine verheißung. ich schließe mich allerleirauh an, aber auch hannybanny: am besten genießt man süßen wein mit einem hartrandigen stinkerkäse, einem gorgonzola, oder einem le petit. doch was weiß ich schon, knorkator, biertrinker.

  17. #17
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    AW: Ein Geheimnis

    Mir gefällts. Sehr anschaulich und auch für jedermann und -frau verständlich und dennoch nicht platt.

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