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Thema: damals

  1. #1
    Tanja K
    Laufkundschaft

    Post damals

    damals am
    vergissmeinnichtmeer
    als nebel
    schwieg mit den fischen.


    ein erster mensch kam
    und grüsste und sprach
    vom schatten,
    der warte
    auf die liebenden.


    allein aus anstand
    lachten wir nicht laut
    damals am
    vergissmeinnichtmeer.


    unter uns
    gibt der boden ganz sachte nach.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: damals

    Liebe Tanja,


    an sich ein schöner Text, weil er anspricht etwas, das nicht gesagt wird. Allerdings kippt das Ganze nach der zweiten Strophe. Warum? Weil das Füllwort "allein" hier überfordert ist, den gesamten gedanklichen Überhang zu tragen. Auf diese Weise kreierst Du eine zweifelhaft platte Pointe. Überleg Dir also etwas für den Beginn der dritten Strophe, dann kannst Du es insgesamt halten vielleicht, was der Beginn verspricht.

    herzlichst uis

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: damals

    danke, uisgeovid.
    meine variante lautet so:




    damals, am
    vergissmeinnichtmeer,
    als nebel
    schwieg mit den fischen.


    ein erster mensch kam
    und grüsste und sprach
    vom schatten,
    der warte
    auf die liebenden.


    wir lachten nicht laut,
    wir hielten uns fest,
    ein fels in
    der brandung,
    unerschütterlich.


    heute, am
    erinnerungsmeer,
    ganz sachte
    gibt der boden nach.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: damals

    Hallo Tanja,


    ich würde die letzten Zeilen ebenfalls in der Vergangenheit ansiedeln. Als Bestätigung der Worte, die der Mensch sprach und Omen der kommenden Gefahr.


    So zum Beispiel:




    damals am
    vergissmeinnichtmeer
    als nebel
    schwieg mit den fischen.
    ein erster mensch kam
    und grüsste und sprach
    vom schatten,
    der warte
    auf die liebenden.
    der anstand ließ
    uns nicht laut lachen,
    damals am
    vergissmeinnichtmeer.
    doch der Boden unter uns
    gab ganz sacht nach.




    Lieben Gruß von
    Trist

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: damals

    Oder ein wenig erweitert und gleichzeitig verengt:


    damals, am
    vergissmeinnichtmeer,
    als nebel
    schwieg mit den fischen.


    ein erster mensch kam
    und grüsste und sprach
    vom schatten,
    der warte
    auf die liebenden.


    wir lachten nicht laut,
    wir hielten uns fest,
    ein fels in
    der brandung,
    unerschütterlich.


    heute, am
    erinnerungsmeer,
    als sachte
    der boden nachgibt
    unter uns.


    der letzte mensch geht.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post AW: damals

    Das ist hier zwar nicht mein Gebiet, denn für die Poesie ist uisgeovid zuständig, aber darf ich als jemand, der überhaupt nichts von Lyrik versteht, eine etwas ketzerische Frage stellen? Ich habe ein kleines Problem.
    Ich habe gerade mit einem Lyrik-Zufallsgenerator gespielt und folgenden Text spuckte der Computer aus:


    untergang I


    wenn doch raunende türme stürzen,
    zerbrechen die tage
    in dem meer
    rieseln die wiegenden flöten
    soferne häufig die krähe schwingt,
    knistern monde und tore
    - nun erstarrt das graue meer


    damit elende männer erringen,
    schlafen die horte
    in dem tier
    rieseln die elenden flöten
    wenn auch langsam der mond stürzt,
    fliegen pfade und tiere
    - nun tötet die wallende glocke



    Jetzt frage ich mich: Woran können die Lyriker erkennen, dass es Tanja K. wirklich gibt und sie nicht auch ein Computerprogramm ist? Was unterscheidet den echten modernen Lyriker vom Zufallsgenerator? Woran erkenne ich, dass ein Mensch daran gearbeitet hat? Ist das überhaupt noch zu erkennen?


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    Question AW: damals

    Ein sehr einfacher Weg wäre es, lieber Klammer, dich als Autor zu fragen: Was hast du dir dabei gedacht?


    Lieben Gruß
    Trist

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    Lightbulb AW: damals

    Ich meine, einen wunderschönen Satz wie "Damals am Vergissmeinnichtmeer als Nebel schwieg mit den Fischen" kann kein Computer erdichten, dieser Satz ist menschlich.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post AW: damals

    Das, liebe Trist, frage ich mich bei moderner Lyrik die ganze Zeit...


    Das, lieber Bauer, wage ich zu bezweifeln.


    Und noch 'n Gedicht aus meiner Lyrikmaschine:



    November,
    und es beginnt von neuem.


    Unter Tränen wiegen
    die Winde die Träume,
    die sterben.


    Unter Tränen wiege ich
    mein Kind,
    das stirbt.


    Tränen.
    Unter Tränen:
    Leben.



    Lebendig genug?


    mr. jones behauptet, Tanja K. wäre eine Freundin, die keine virtuelle Existenz hat. Nun frage ich, hat sie überhaupt eine? Oder ist sie eine Software (auch ihr Prosatext kann ein Fake sein (Ich erinnere an "Babbpel").
    Oder ist sie vielleicht nur ein feuchter Traum von herrn jones?
    Ich werd's wohl nie erfahren...
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: damals

    Frag mal Deine Lyrikmaschine, ob sie staunen, weinen, lachen kann. Wenn sie das kann, macht sie auch Lyrik, wenn nicht... Pech gehabt, ist dann keine Poesie mehr.

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: damals

    weint Tanja?
    weint Uis?
    In letzter Konsequenz:
    Ich weiß es nicht.


    Mein PC aber,
    er leidet mit mir -
    in guten wie in schlechten Tagen.


    Ernsthaft:
    Eure Antworten gehen an meiner Frage vorbei: Woran kann ich erkennen, dass es keine Maschine war, die Tanjas Texte geschrieben hat? Wenn ich gegen übers Netz gegen einen Schachcomputer spiele, merke ich das und wenn mich eine KI auf einer Internetsite volllabert auch.
    Anders gefragt: Wäre es verwerflich, beim Gedichteschreiben einen Computer zu benutzen, der die rein technische Seite der Lyrik (Rhythmus, Versmaß, Hebungen usw.) beherrscht? Ich erinnere auch an Queneaus Gedichtmaschine.
    Mich interessiert das eben im Moment mehr, als die Gedichte von jemandem zu zerlegen, der an unserer Kritik überhaupt nicht interessiert ist und sich auch nicht zu Wort meldet.


    Wenn ich stören sollte, uis, dann lösche diesen Beitrag.


    Gruß, Klammer




    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 29. November 2002 editiert.]
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  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: damals

    Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Mr Jones hat mal die Frage gestellt "Was ist ein Gedicht". Dazu gibt es einen Ordner hier, auf den ich verweisen würde mit einem Link, wenn ich es könnte. Die damaligen Antworten auf die Frage waren teilweise auch in Gedichtform. Eine Maschine kann das nicht. Aber Du hast Recht, lieber Klammer, Gedichte, Texte zu besprechen, um die sich dann die Autoren nicht mehr so recht kümmern wollen ist a bisserl frustrierend.

  13. #13
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: damals

    Und wennse nur schüchtern, die Tanja?

    Sagen wir mal so: Wer programmiert einen Computer mit dem Wort Vergissmeinnichtmeer? Mir gefällt der erste Satz, der Rest ist mehr oder weniger das übliche lyrische Gesummse. Doch in der Eingangssentence steckt Originalität, und die ist wohl einem dichterischen Menschen, Mädchen oder alter ego von Mr. Jones, anzuhaften.

  14. #14
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: damals

    damals, am
    vergissmeinnichtmeer,
    als nebel
    schwieg mit den fischen.
    wir lachten nicht laut,
    wir hielten uns fest,
    ein fels in
    der brandung,
    unerschütterlich.
    heute, am
    erinnerungsmeer,
    gibt unter
    unseren füssen
    der boden langsam nach.

  15. #15
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: damals

    Ein bizarrer Ordner, in dem die Frage nicht gelöst werden konnte, ob sich der Text einer Lyrikmaschine von dem eines Lyrikers unterscheidet. Meine Antwort darauf: Lyrik folgt formalen Gesetzen, insofern ließe sich schon ein (lyrischer) Text konstruieren resp. generieren. Aber über diese Formalien hinaus gibt es etliche semantische Leerstellen, die eben nur die Persönlichkeit des Dichters zu füllen imstande ist, wobei er manche Korrelate auch beläßt. Einer Maschine wird es zudem an dramaturgischem Talent fehlen, auch an dem Willen, Fehler machen zu wollen, die einen Text doch erst zum Leseerlebnis machen.

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    Renommee-Modifikator
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    Post AW: damals

    Wiewohl der Eingangstext schon zu Gefallen vermag,
    hier meine Versuch.

    Damals am
    Vergissmeinnichtmeer,
    als die Nebel schwiegen.

    Ein erster Mensch kam,
    er sprach von Schatten,
    der warte
    auf die Liebenden.

    Aus Anstand lachten wir nicht
    damals... auf schwankenden Grund
    am Vergissmeinichtmeer.

    Gruß d.p.

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