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Thema: Rückblenden

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Jetzt wieder Kind sein, denkt sie, und sieht zur Wand, dorthin, wo früher die Küchenuhr hing und jetzt nur noch ein heller Fleck zu sehen ist. Kindsein, weil damals alles anders war, wenn auch nicht schöner - sie muss an die Großmutter denken, die schon lange tot ist - aber jetzt ist sie eben erwachsen, und die Zeit kommt nicht zurück, was vielleicht auch besser ist.
    Das Ticken der Uhr fehlt ihr, aber bald wird hier sowieso alles abgerissen werden, und dann gibt es keinen Ort mehr für die Wehmütigkeit und die Erinnerungen - auch nicht für die schlechten.
    Sie sieht im Geiste, wie die Großmutter an der Nähmaschine sitzt, dort drüben beim Fenster, vornüber gebeugt, den Rücken ihr zugewandt, und eintönig das große schwarzmetallene Fußpedal in Bewegung hält, auf und nieder, auf und nieder, und die Nähmaschine antreibt ohne aufzusehen? ohne zu schauen, was los sei mit der Enkelin, als befände sich die Großmutter in einer verbotenen Welt, aus der das Kind ferngehalten werden müsse.


    Die Großmutter hat ihr in der kleinen Wohnküche ein Bett hergerichtet. Das alte, harte Sofa steht in der Ecke neben der Nähmaschine. Nabila ist krank. Der Hals tut ihr weh. Sie weiß, dass sie Angina hat. Das hat sie oft. Und sie hat Angst. Wegen der Spritzen. Gerade ist die Oma im Nachbarhaus, um den Arzt anzurufen. Ein Telefon gibt es im Haus der Großmutter nicht. Nabila blickt auf die Uhr an der Wand über dem Bett. Sie kennt sich erst seit kurzem auf der Uhr aus. Es ist schon mehr als eine halbe Stunde vergangen. Bald wird die Großmutter wieder da sein.
    Nabila schläft ein, da klopft es an der Tür. An der Küchentür, also hat die Großmutter nicht abgeschlossen. Nabilas Herz klopft schneller. „Herein“, sagt sie. Ihre Stimme ist so leise, dass sie draußen wohl kaum wahrgenommen werden kann. Nabila will noch einmal lauter rufen, aber da wird die Tür schon geöffnet. Sie kennt den Mann. Er ist klein und uralt in ihren Augen. Von dem freundlichen Lächeln in seinem braungebrannten Gesicht lässt sie sich nicht täuschen. Sie blickt ihm mürrisch entgegen und erwidert seinen Gruß nicht. Als er ihr die Decke wegzieht, wehrt sie sich, aber nicht sehr. Sie weiß, dass sie nicht drum herum kommt, also gibt sie nach und bleibt stumm. Sie öffnet den Mund auf Verlangen und sieht zu, wie der Mann seine Tasche öffnet. Nichts ist ihr neu. Als er die Spritze herrichtet, wird sie wütend. äußerlich bleibt sie ruhig. Die Oma soll kommen, denkt sie. Als der Arzt ihr die Nadel in den Oberschenkel sticht, ist sie verkrampft. Ihre Muskeln sind hart, und die Spritze tut weh. Nabila sagt nichts. Erst, als der Arzt draußen ist, rinnen ihr ein paar Tränen aus den Augen. Als die Großmutter nach Hause kommt, weint Nabila längst nicht mehr.
    „War der Doktor schon da?“
    „Ja“, sagt Nabila knapp und dreht sich zur Wand.


    Am schlimmsten ist immer das Aufstehen in der Früh. Nicht, weil sie wieder einmal zu lange aufgeblieben ist. Es ist die Kälte, vor der sie sich unter der bauchigen Tuchent verkriecht, obwohl die Großmutter sie schon zweimal zum Frühstück gerufen hat. Die Großmutter heizt nur in der Küche ein. Sie müsse sparen, sagt sie. Im Schlafzimmer ist es eisig kalt.
    Nabila muss sich die Bettwärme erkämpfen, gegen den Willen der klammen Wäsche. Jeden Abend vor dem Schlafengehen legt ihr die Großmutter eine ovale, eiähnliche Wärmflasche aus fleckigem Metall unter die Tuchent, nachdem sie kochendheißes Wasser hineingegossen hat.
    Sie kuschelt sich auf das erste angewärmte Fleckchen und schiebt das brennheiße Metall ein Stückchen weiter nach unten. Rundherum bleibt das Bett kalt, und nur eine kleiner Bereich wird nach und nach erwärmt, bis die Beine ganz ausgestreckt daliegen und die Füße sich vorsichtig am Metall wärmen. Lange hält sie es nicht aus, die Wärmflasche ist noch viel zu heiß. Das Leintuch unter ihr beginnt schon wieder abzukühlen. Die Körperwärme reicht nicht aus, noch nicht, und das Blechei muss wieder nach oben wandern. Jetzt kann Nabila ihren Körper an das Metall schmiegen, sie krümmt ihn zusammen und verbrennt sich nicht mehr. Nach einer Weile schiebt sie die Wärmflasche wieder nach unten, und als sich schließlich wieder ihre Füße daran wärmen, ist sie endlich eingeschlafen.


    Nabila schaut zum offenen Fenster und lauscht. Die andere Seite des Doppelbettes ist noch leer. Sie sollte versuchen zu schlafen, bevor die Großmutter kommt, bevor deren Schnarchen sie am Einschlafen hindern würde. Doch das Rascheln vor dem Fenster lässt Nabila nicht an Schlaf denken. Sie kommen oft in der Nacht, sobald es warm genug ist, das Fenster offen stehen zu lassen. Nabila hat keine Angst vor ihnen, aber ein wenig unheimlich sind sie ihr doch. Bei Tageslicht hat sich noch nie eine von ihnen zu Gesicht bekommen. Sie kommen auch nicht jede Nacht und immer nur einzeln.
    Nabila setzt sich auf, um das Fenster besser beobachten zu können. Ein Scharren an der Hausmauer kündigt den Besuch an. Der Fensterrahmen hebt sich deutlich vor dem vom Mond erhellten Garten ab. Die Äste der Obstbäume draußen greifen schwarz in den Himmel. Und schwarz erscheint jetzt ein Schatten auf der Fensterbank. Reglos hockt er da. Nabila verhält sich ebenso still. Der Schatten bewegt sich schließlich, streckt sich und setzt zum Sprung an. Dann ist er verschwunden. Leises Tappen auf dem Boden. Jetzt wird Nabila doch ängstlich, zieht die Decke über den Kopf, dann aber siegt die Neugier und sie schiebt die Decke wieder ein Stück nach unten. Sie kann nichts hören, und der Kopf muss ganz unter der Decke hervor. Einmal rundherum geschaut, dann entdeckt sie den Schatten wieder. Direkt neben ihr, auf dem Nachtkästchen, sitzt er. Nabila kann dem Tier direkt in die Augen schauen. Der Schrei nach der Großmutter kommt von ganz alleine, doch davon lässt sich das Tier nicht beirren. Kind und Ratte starren einander weiter in die Augen, bis die Schlafzimmertür aufgeht und die Dunkelheit aus dem Zimmer vertrieben wird. Mit einem Satz ist die Ratte wieder auf dem Boden und Sekundenbruchteile später unter dem Kleiderschrank aus kanadischer Eiche verschwunden. Nabila lacht. Sie sieht den Besen in der Hand der Großmutter und weiß, was nun kommen wird. Der Besen treibt das Tier durch das Zimmer, aber die Jagd dauert nicht lange. So schnell sucht die Ratte durch das Fenster das Weite, dass Nabila ihr mit ihren Blicken kaum folgen kann.


    Normalerweise ist die Hütte abgeschlossen, aber heute ist Wilfried da. Der Garten, in dem die Hütte steht, gehört seinen Eltern. Nabila darf in dem Garten spielen, wann immer sie möchte. Die Hütte hat es ihr angetan. Nabila ist sich sicher, dass sich darin ein Geheimnis verbirgt. Womöglich etwas Wertvolles. Warum sonst hängt ein Schloss an der Tür? Wilfried hat den Schlüssel mitgebracht.
    Neugierig stehen Nabila und ihr gleichaltriger Freund vor dem achtzehnjährigen Nachbarjungen. Die Hütte solle das Krankenhaus sein, meint er, und er selber der Arzt. Nabila und Gerhard nicken. Nabila fragt, ob sie ihren Arztkoffer holen solle. Sie hat ihn erst vor wenigen Wochen zum sechsten Geburtstag bekommen. Seitdem spielt sie oft Krankenhaus mit ihren Puppen oder Freundinnen. Einmal will sie eine richtige Ärztin werden. Wilfried aber lehnt ab, und Nabila fügt sich ein wenig enttäuscht seinem Willen. Vielleicht hat er ja auch einen Arztkoffer bekommen, denkt sie.
    Wilfried steckt den Schlüssel ins Schloss, sagt, dass er jetzt in die Hütte gehen werde, und Nabila müsse dann anklopfen. Sie sei seine erste Patientin. Gerhard solle der nächste sein. Die Tür geht hinter Wilfried zu, noch ehe Nabila einen Blick in das Innere werfen kann. Sie klopft und macht die Tür auf. In der Hütte befindet sich nichts weiter als Holz, Gartengeräte und Gerümpel. Auf einem Holzstoß steht ein alter Holzschlitten. Wilfried schließt die Tür hinter Nabila, hebt sie hoch und setzt sie dort hinauf. Sie müsse sich hinlegen, befiehlt er, denn er wolle sie nun untersuchen. Arztkoffer hat er keinen, aber Nabila macht trotzdem, was er verlangt. Mit beiden Händen fasst Wilfried hin, zieht ihr gleichzeitig die kurze Hose und die Unterhose hinunter und spreizt ihre Beine.
    Düster ist es in der Hütte. Richtig dunkel. Nabila blickt nach oben und kann die Decke gar nicht richtig sehen. Gibt es hier überhaupt ein Fenster? Sie will aufstehen. Das Spiel, das Wilfried mit ihr spielt, gefällt ihr nicht. Er hält sie fest. Von draußen hört sie Gerhard rufen, wie lange das denn noch dauern werde. Dann steht Nabila plötzlich wieder im Garten, in der Sonne.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    Hallo strega, schön, mal wieder von Dir zu lesen.
    Ich nehme an, daß es ein Ausschnitt ist? Ruhig und klar und behutsam zu lesen.
    Nur mit den Namen hatte ich Probleme: Gerhard und Wilfried - und Nabila? Ich hatte Schwierigkeiten, den Text einzuordnen - geographisch. (Nabila klingt eher südlich/orientalisch. Steckt da noch eine Geschichte dahinter, mit der fehlenden Mutter, oder irre ich mich?)

    Grüße, it

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    it! du nimmst es vorweg: klar und behutsam!


    strega, es ist bemerkenswert, wie sich die erinnerung über unaussprechliche beängstigende begegnungen an die verletzung heranmacht, distanziert beschriebene hilflosigkeit, nicht erklärendes mitleidhaschen.


    allerleirau,
    die eine feuchte, kalte tuchent und ein federnschleißendes altes weib aus ihrer erinnerung zu verbannen sucht

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Allzu behutsam, süddeutsch-breites Episieren.
    erstellt von strega: Sie weiß, dass sie nicht drum
    herum kommt, also gibt sie nach und bleibt stumm. Sie öffnet den Mund auf Verlangen und sieht zu, wie der Mann seine
    Tasche öffnet.



    Hier müßte sich
    a) die Perspektive ändern, damit die Geschichte mehr Fahrt aufnimmt und
    b) sollte das sich nur mitteilen, nicht aber gesagt werden.


    Willst Du eine durchschnittliche Geschichte erzählen, dann weiter so, willst Du Deinen Leser erreichen, dann mußt Du ihm mehr mitteilen und weniger sagen.


    Einen Gruß an Dich, ganz unbefangen.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    liebe it,
    es freut mich, dass du dir zeit für meinen text genommen hast! aus deinem kommentar schließe ich, dass ich den richtigen ton getroffen habe. ich werde also genausso weitermachen.
    die kurzen rückblenden unterbrechen die geschichte der erwachsenen nabila, tochter eines ägypters und einer wienerin.

    hallo allerleirau,
    ich fürchte, derartige kindheitserlebnisse aus der erinnerung zu streichen, ist kaum möglich. mir ist es wichtig, die nötige distanz beim schreiben zu finden und auf keinen fall mitleid zu erregen. du hast mir mit deiner kritik bestätigt, dass es mir gelungen ist.

    hi robert,
    in den rückblenden wird es durchwegs nur eine einzige perspektive geben. im rest der geschichte gibt es mehrere perspektiven.
    könntest du mir bitte anhand eines beispiels zeigen, wie du b) meinst? vielleicht schreibst du die zitierte textstelle so um, wie du dir das geschehen vorstellst. das wäre sehr hilfreich.

    noch ein dankeschön euch dreien.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    Hallo strega, noch ein paar konkrete Anmerkungen:
    zweiter Absatz: warum wird sie wütend, nicht ängstlich (wie zu erwarten wäre?)
    dritter (der mir am besten gefällt): gerade sind wir am Aufstehen, dann kommt die Geschichte des Einschlafens. Wie wäre es mit: Nachts muß N. sich die Bettwärme...
    vierter: bevor deren Schnarchen sie am Einschlafen hindern würde. (wieso Konjunktiv?)

    ich werde gerufen. it

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Der Text geht durch mich durch. Ein Gedanke bleibt hängen: Will sie es? Und davon ausgehend, ich glaube, ja!
    Und dann weiterdenkend. ich glaube, sie weiß gar nicht, was sie will.
    Weil sich da kein klarer Wille mitteilt, dümpelt das Geschehen so vor sich hin. Nun, nennen wir es die Anlage zu epischer Breite. Die muß sein. Wenn ich es mir recht überlege, so mag ich epische Breite. Aber ich mag sie nur, wenn dann in Entscheidungssituationen richtig zugepackt wird. Dann verlasse ich das Buch mit zitternder Stimme/Seele, weil ich selbst aufschrie. Willst Du mich (als Leser) da hinlenken?

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    Gibt es in diesem komischen Land noch irgendjemanden, der nicht körperlich missbraucht wurde, außer mir??


    Oder geht es allen zu gut, dass Verzweiflung nicht mehr anders denkbar ist?


    " Allzu behutsam.
    Zitat: erstellt von strega: Sie weiß, dass sie nicht drum herum kommt, also gib.."


    öhhmm.. - das Mädchen ist sechs. Allzu behutsam??


    "Der Text geht durch mich durch. Ein Gedanke bleibt hängen: Will sie es? Und davon ausgehend, ich glaube, ja! Und dann weiterdenkend. ich glaube, sie weiß gar nicht, was sie will. Weil sich da kein klarer Wille mitteilt, dümpelt das Geschehen so vor sich hin."


    ????????????????????????????????????????


    Schade um die Mühe. Mit welchem Recht mengt sich das immergleiche Thema in alle Zeiten und versaut mir die Erinnerung? Auch kann ich nicht erkennen, was die Großmutter mit der Hütte im Garten zu tun haben soll.


    Leider war es bei meiner Großmutter ebenso, so kalt im Winter, und sie hatte so wenig Zeit, und so wenig Geld. Nur fand ich das alles schön, denn es war ihre Welt, und ich habe sie geliebt, und selbst wenn mir jemand etwas getan hätte - ich hätte es nicht in Verbindung zu ihr gesehn!! Ich war im Gegenteil dankbar, dass sie kommentarlos blieb, als ich in dem Alter nur im Bikini-Slip herumlief. Sie ließ mich einfach, und war nur da für mich. Und?? Eine Laube gab es auch, und Jungens wohl auch, nur hab ich das nie so wichtig genommen, dass ich es hätte behalten und darunter leiden können.


    Und langsam bekomme ich ein Problem mit der deutschen Gegenwartsliteratur, die verlockend beginnt und dann widerwärtig und beklemmend endet. Das ist auch beim Text des Monats so, und findet ja offensichtlich Beifall!!


    Seltsamerweise wird hier nicht gefragt, ob der Leser dabei nicht - auf eine subtilere Art - missbraucht wird..

  9. #9
    rodbertus
    Status: ungeklärt

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    Lesefehler, Paula. Ich las es falsch. Wunderte mich schon, warum ich die ganze Zeit dachte, es sei doch ein sehr junges Mädchen, dann sollte es auf einmal achtzehn sein. Klassischer Fall von Überlesung.
    erstellt von strega: Neugierig stehen Nabila und ihr gleichaltriger Freund vor dem achtzehnjährigen Nachbarjungen.
    Diesen Satz las ich so, daß N. achtzehn Jahre alt sein muß. Was natürlich so nicht dasteht. Damit kippt die ganze Geschichte. Aber das Spannungsarme bleibt. Ich weiß auch nicht. Muß wohl mal zwei, drei Tage ausspannen.

    Entschuldigung.

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    Doktorspiele für 18jährige iss wiederum schon fast geil..

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    auch wenn ich den (trotzigen?) meine-kindheit-war-glücklich-gegenentwurf der paula nur als die andere seite derselben münze sehe, die grundsätzliche frage finde ich schon bedenkenswert (wär aber von dem strega-text hier abgekoppelt zu sehen, weil ich von dem zu wenig kenne).


    also (auch) mir geht es so, dass ich des öfteren den eindruck habe, als ob so manches werk rezeptartig zusammengesetzt ist: man nehme eine oder ein paar figuren uns stelle sie in eine umgebung, dann ein bissl sozialkritik (ausbeutung, kann feministisch gefärbt sein: das unterdrückte weib), ein bissl aufbäumen (oder man gestalte das untergehen), und so als (neuerdings-i-tüpfelchen): ein bissl missbrauch. kommt gut. das wird dann "realismus" geheißen und setzt sich doch recht nett von hera lind ab.


    ist jetzt pointiert gesagt. aber was mir (oft) fehlt, sind text/geschichten-immanente notwendigkeiten. allzuoft hab ich den eindruck, dass das marktorientierte notwendigkeiten sind. und das kann mich schon ziemlich ärgerlich machen, wenn unter dem mantel der "das-ist-nicht-trivialliteratur" mit derselben hemmungslosigkeit wie bei den wirklichkeitsvermarktern gearbeitet wird.


    a.

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    it,
    die texte sind wahllos aneinandergereiht. sie sollen auch kein ganzes ergeben. du kannst sie umstellen, wie du magst. mit dem einwand gegen den konjunktiv bin ich einverstanden.
    ach ja, die wut, die resultiert manchmal aus der hilflosigkeit. kennst du das nicht?
    ich schätze es übrigens sehr, dass du dich so mit meinem text befasst, mit dem text, nicht mit mir! danke.

    wolkenstein, macht nichts...

    hallo paula,
    erst wollte ich deinen kommentar ignorieren. für beiträge die nich beim text bleiben, ist mir meine zeit zu schade. schön für dich, dass du zu den nichtmissbrauchten gehörst. muss ich dir jetzt etwas über mich erzählen...?
    tja, mein text fragt außerdem nicht nach deiner großmutter. du darfst sie liebhaben und in guter erinnerung behalten. was hat mein text damit zu tun? willst du mir vorwerfen, dass ich eigene oder jemandens nicht so schöne erinnerungen aufschreibe?
    vielleicht solltest du meine ausschnitte noch einmal lesen. die von dir zitierte textstelle hast du entweder total falsch verstanden, oder aber du verfälschst sie absichtlich.
    dass die hätte mit der großmutter etwas zu tun hat, habe ich nirgendwo behauptet. und beim doktorspielen wird der 18jährige wohl nicht geblieben sein, aber egal. und - großer gott - dass ich dich mit meinem text missbrauche! wie kann ich das nur wieder gut machen?
    vielleicht solltest du meine rückblenden lieber doch nicht noch einmal lesen.

    liebe andrea,
    schickst du mir einmal deine rezepte? vielleicht treffe ich ja dann endlich deinen geschmack.

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
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    strega, ich kann dir nicht folgen, schrieb ich doch ausdrücklich, dass sich mein statement NICHT auf deinen text, von dem ich eben zu wenig kenne, bezieht, sondern auf paulas einwurf.


    paulas entgegnungen habe ich übrigens auch nicht unbedingt als (speziell) gegen deinen text gerichtet gelesen, sie hat doch vielmehr stellung zu einer von ihr bemängelten tendenz in der gegenwartslit. genommen.


    wenn ich ein vergehen bei mir orte, dann das, dass ich allgemeinere gedanken in deinen ordner geschrieben habe.


    andrea

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    hallo andrea,


    gut, dass ich noch einmal in den ordner geschaut habe. ich habe deinen kommentar schon richtig verstanden, doch ich konnte es nicht so recht glauben, dass du nicht doch auch meinen text damit gemeint hast. es tut mir leid, dir das unterstellt zu haben. ehrlich.


    was paula angeht: wenn deine annahme stimmen sollte - was ich nun wirklich nicht glaube, denn sie ist ja auf den inhalt bzw. auf mich als autorin eingegangen - dann sollte sie vielleicht ihre meinung in einem eigenen ordner zur diskussion stellen. mir bringt es für meinen text absolut nichts, wenn mir jemand schreibt, wie schön dessen kindheit gewesen sei u.s.w.
    das bedeutet nicht, dass ich es nicht akzeptiere, wenn meine texte für schlecht befunden werden. doch ich hätte dann auch gerne eine erklärung dafür.

  15. #15
    rodbertus
    Status: ungeklärt

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    Du verlangst sehr viel von mir. Bin ich Künstler Deiner Texte? Ich versuch's:
    erstellt von strega: Sie weiß, dass sie nicht drum
    herum kommt, also gibt sie nach und bleibt stumm. Sie öffnet den Mund auf Verlangen und sieht zu,
    wie der Mann seine
    Tasche öffnet.

    Ihre Augen blickten starr und verhangen auf den Mann, der an seiner Tasche nestelte. Sie erwartete das Verhängnis, das Behängnis des Schlosses hatte er schon gelöst. Da, gleich würde er ES machen. Sie schloß die Augen, betete und erwartete einen stechenden Schmerz.


    Irgendwie so.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    Ich bin etwas irritiert. Ging es bei der zitierten Textstelle nicht um einen Arzt und eine Spritze? Um die "Verortung" eines Kindes, nach kindlichen Maßstäben? Setzt sich eine Kindheit und auch das Verständnis einer Situation nicht aus vielen Facetten zusammen?


    it

  17. #17
    Kurzvormabschussiger
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    hallo it,
    ja, genau darum geht es. lass dich nicht verwirren!

    danke robert,
    für deine mühe! du gehst in die szene viel weiter hinein, was ich auch machen würde, stünde der text für sich allein da. meine rückblenden unterbrechen aber immer wieder einen langen text, der in einem ganz anderen stil gehalten ist und die geschichte der erwachsenen nabila erzählt. dort beschreibe ich auch alles viel ausführlicher. die rückblenden halte ich bewusst knapp, und ich distanziere mich darin vom geschehen. so möchte ich emotionen vermeiden.
    wenn ich jetzt deinen vorschlag aufgreife, muss ich alle rückblenden ändern. und dann würden sie sich von der haupthandlung nicht mehr besonders abheben. ich brauche den kontrast.

    grüß euch, strega

  18. #18
    Kurzvormabschussiger
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    Strega: So wie du den Text ins Forum gestellt hast, lese ich die Vorfälle im Zusammenhang mit der Großmutter.


    Und das ist der Transport von Verantwortung.


    Deshalb: "und selbst wenn mir jemand etwas getan hätte - ich hätte es nicht in Verbindung zu ihr gesehn!!"


    Und das Erscheinen des Arztes unterstreicht das.

    P.

  19. #19
    rodbertus
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    Vielleicht ist es noch nicht zu spät, über den
    erstellt von Paula:Transport von Verantwortung
    zu sprechen?
    Vielleicht ist das die Lösung der mir nicht behagenden Langsamkeit des Entwickelns dramatischer Vorgänge, daß da nämlich ein vorweggenommenes - quasiantizipierender Reflex - Weiterschieben von Verantwortung den Text so behäbig in seiner Entwicklung sein läßt?

  20. #20
    Kurzvormabschussiger
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    paula,
    da denk' ich an die Horvath-großmutter in "G'schichten aus dem Wienerwald", und an eine meine alptraummäßig


    a.

  21. #21
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Der Text zeigt stregas Problem: Sie kann die Dinge nicht zuspitzen, bleibt immer behutsam und lavierend an der Oberfläche.
    Ich habe einen längeren Text von ihr gelesen, ihren Sektenroman, der müßte auch umgestellt und ausgewischt werden. Doch dann, nach längerem Nachdenken, da überlegte ich, was nach dem Aufräumen übrigbliebe... es war nicht viel.
    Und so ist dieser Text auch, er strapaziert und läßt mehr Fragen als Antworten zu, bleibt vage.

    Andererseits... der Leser sollte zum mündigen Mitdenker bestimmt sein. Man muß ihm nicht alles kredenzen.

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