• Ursachen


- Expansionsdrang Rußlands und Japans nach China/Korea → Karambolage in der rohstoffreichen Mandschurei;

- „Um die Revolution zurückzuhalten, brauchen wir einen kleinen siegreichen Krieg.“ (der russische General Pichwe);
- Unterschätzung der japanischen Leistungsfähigkeit: latenter Rassismus vs. asiatischer Reinhaltungsanspruch (Asien bleibt asiatisch)


  • Anlaß

- Angriff der Japaner auf Port Arthur, einen russischen Seehafen in Fernost, den die Russen zu einem Marinestützpunkt ausbauten und damit Japan bedrohten;
- die Russen zogen ihre zum Boxeraufstand gesandten Truppen (etwa 100000 Mann) nicht aus der Mandschurei ab, obwohl sie es nach dessen Niederschlagung hätten tun müssen


  • Verlauf

- Beschuß, Angriff und Belagerung von Port Arthur → Rußland entsendet eine Flotte aus Europa zum Entsatz von Port Arthur, aber die Flotte benötigt ewig;
- russische Gegenoffensive → diente der Sprengung des japanischen Rings um Port Arthur, blieb aber erfolglos;
- Seeschlacht im Gelben Meer → Ausbruchversuch der Russen aus Port Arthur endet mit der Vernichtung des russischen Flagschiffs und der Tötung der russischen Führung;
- Schlacht von Mukden → obwohl die Japaner fast 75000 Tote zu beklagen hatten (die Russen 8000), gewannen sie die strategisch unbedeutende Stadt, hatten aber den Siegeswillen der Russen gebrochen


  • Ergebnis

- in Portsmouth unterschrieb Rußland die Räumung von Port Arthur und gab damit Japan freie Hand in China/Korea;
- Japan wurde Hegemon in Ostasien und internationale Großmacht, während sich Rußland aus Ostasien abwandte und seine Kräfte gegen seine Süd- und Westgrenzen wandte, wo es zuerst mit Britannien, nach einem Ausgleich, mit dem osmanischen Imperium und Österreich-Ungarn in Konflikte geriet;
- amerikanische Vermittlung durch Roosevelt sorgte bei den Japanern für Erbitterung, da weder Reparationen noch die japanischen Ziele (ganz Sachalin) erreicht worden waren;
- der Einsatz moderner Technik (Feldtelephon, MGs, Großkampfschiffe) beflügelte die Rüstungsindustrie, da sie sich als entscheidend herausstellte;
- der fehlende russische Sieg, demoralisierte Truppen und die schlechte innenpolitische Lage in Rußland lösten die Revolution von 1905 aus

1905: Der verlorene Krimkrieg schwächte das russische System. Der Zar gab dem inneren Druck seiner Bojaren und der wachsenden städtischen Bourgeoisie nach und billigte örtliche Selbstverwaltung. Auf dem Land nannte sich das Zemstwo, in der Stadt Duma. Beides führte im Bunde mit zahlreichen Reformversuchen von oben zu mehr Freiheit, beseitigte aber nicht die Grundwidersprüche der sich entwickelnden kapitalistischen Gesellschaft russischer Prägung: einerseits eine relativ kleine Zahl Bürgertums, das ein wachsendes Proletariat ausbeutete; andererseits Millionen relativ selbständige Bauern im weitverstreuten Land mit wenigen sich kümmernden Bojaren (russische Landjunker). An der Spitze des Staates hielt sich der Zar einen Hof, auf dem in absolutistischer Manier die Posten in Militär und Bürokratie verschoben wurden.

Wen interessierte hier was?


  • Adlige (2% der Bevölkerung): Posten im zarischen System; Wohlergehen der eigenen Bauern, damit die möglichst viel erwirtschaften;
  • Bauern (80%): eine volle Scheune, Schutz, mehr Land; Glauben;
  • Proletariat (6%): Schnaps, mehr Geld, Aufstiegsmöglichkeiten;
  • Bürgertum (11%): örtliche Selbstbestimmung; freie Hand in Fragen des Erwerbs; Aufstiegschancen im zarischen System;
  • Geistlichkeit (1%): Machterhalt als Staat im Staate.


Das System funktionierte. Das starke Bevölkerungswachstum zwang Landlose in die Städte, wo sie wenig Aussichten auf Erfolg hatten und in Elendsquartieren vegetierten; auf dem Lande forderten die Bauern mehr Grundbesitz. Proteste und Revolten richteten sich dabei gegen unmittelbare (lokale) Herren, nicht aber gegen das zarische System selbst - ein Kennzeichen mangelhafter Bildung: Wesen und Erscheinung werden nicht unterschieden.
Nach dem Krimkrieg orientierte sich die russische Politik nach Osten, behielt aber ihr Hauptziel, die Eroberung Konstantinopels, immer im Auge. Das politische Mittel zur Erreichung dieses Ziel lag einerseits in der Unterstützung nationalstaatlicher Bewegungen [1] innerhalb der südosteuropäischen Großreiche Österreich-Ungarn und osmanisches Imperium andererseits trat Rußland v.a. gegenüber dem osmanischen Imperium provokativ auf und entwickelte die Idee des Panslawismus, der alle slawischen Völker unter den Schutz des russischen Imperiums stellte.
Neben dieser Politik gegenüber den westlichen Nachbarn gelang es dem russischen Staat, den eigenen Osten, Sibirien, in Besitz zu nehmen. Entlang der neugebauten Transsib (Eisenbahnlinie) entwickelten sich Regionen für Millionen Menschen. Zudem drückte Rußland auf seine südliche Grenze, wo es britische Einflußsphären (Persien, Indien, Afghanistan) anvisierte. Über die Mandschurei wollte Rußland auch in China eindringen und geriet hier mit den ebenfalls expansiven Japanern in Konflikt, die von den Russen bis 1905 unterschätzt wurden.


[1] Die Russen unterstützten diese Bewegungen, solange sie nicht auf ihrem Gebiet aktiv waren. Polen, Finnen, Balten, Juden, Deutsche oder auch die anderen Nichtrussen innerhalb des russischen Imperiums sollten dagegen russifiziert werden.

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