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Thema: der tag schläft ein

  1. #1
    Tanja K
    Laufkundschaft

    Post der tag schläft ein

    noch ist der tag hellwach koffeintrunken wir stehen mit beiden füssen auf dem boden wechseln bettlaken wie babywindeln wechseln worte blicke als hätten wir einen isdn anschluss im nacken stecken gabeln uns mit einem messer im rücken auf schweigen ob der zärtlichkeit entlang der leitplanken der autobahn ob der einmaligkeit unserer zweisamkeit du drängst dich dazwischen führst rechts ran ich herrsche dich an in jedem fall parkierst du falsch kollidierst mit dem pannenstreifen während deine hand vor meinem knie kuscht ich bin zwischenzeitlich zart und eins mit bart mit ohr mit arm - gleich sind wir da - flüsterst du mir oder dir zu kirchenglocken schleudern lang lautes fressen dein - fass mich nicht an - ich bin meterlang meilenweit weg von dir du drehst drehst drehst stunde um stunde den schlüssel im schloss drinnen dann verdienst du die ganze heftigkeit von dem tag an an dem die lebenslinie von meinem handteller verschwand seither ist der regen nass wenn das sehnen in meinem magen liegt du mir beim vorlesen lesefehler nachsiehst ich leicht lebe leicht bin bin schon über auf unter in dir mit stoppelrotem kinn blau violett geschienbeint von weisser wand hinter grauen rauchschwaden mit aschfahlen wangen gelb spritzt mein neid auf die winterwarmen weinroten maschen auf ihre wohlbekannten weiblichlieblichen markierungen mir mir mir sollst du sein wenn du wie jetzt meine haare spuckst dein schweiss rinnt dein bauch zuckt schwarz kippt kurz mein hass dann schläft der tag ein packt mich in seine decke wickelt mich in sein laken hält mir das leben vom leibe wehrt worte konsequent kreisen gedanken gleiten in den rauch der unter der zimmerdecke zirkuliert ich drehe und wende mich wie ich will schliesse die augen presse fingerkuppen auf augenlider die leinwand öffnet sich linien die im zickzack verlaufen baum wird wald wird licht wird lichtung öffne meine ohren weit höre dich höre dada verstehe nada der tag schläft tief und du neben mir schlägst sprichst sagst - schluss - dunkel draussen zuvor und später wenn ich die nacht wecke sie meinen körper zur breitbeinigkeit ködert dichterdeutsch zum liebeslatein wird du schweigst um nicht zu lügen weil es einfach ist einfach zu sein einfach zu liegen einfach zu lieben wenn wir das mass unserer zeitrechnung sind und sie kommt nicht unverhofft nicht in einer stunde nicht heute abend sondern dann wenn ich weg bin.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Klammer
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    AW: der tag schläft ein

    Liebe Tanja K.,


    hier denkt also jemand ohne Punkt und Komma. Das erinnert natürlich sofort an den berühmten "stream of consciousness" der Molly Bloom in Joyces "Ulysses", aus dem die Dame ja in ganz ähnlicher Situation (im Morgengrauen im Bett liegend) hauptsächlich sexuelle Gedanken strömen lässt und dies über vierzig, fünfzig Seiten hinweg.
    Du hast aber Erbarmen mit dem Leser, dein Text ist kurz und knapp. Im Gegensatz zu Joyce hat der Bewusstseinsstrom deiner Protagonistin noch immer eine gewisse Stringenz, eine Zielrichtung auf eine Moral hin. Man kann bei genauem Lesen die Sätze erkennen, die kaum mal ineinander übergleiten oder im Leeren hängenbleiben, also weiter im konservativen Schreiben verhaftet sind.
    Und hier krankt der Text: Wer macht sich die Mühe und strengt sich an, das zu lesen? Welcher Erfolg erwartet ihn nach seiner Mühe? Zumal mir die Aussage des Textes doch reichlich banal erscheint. Versteh mich recht, ich habe nichts gegen Banales (hat nicht Borges gesagt, es gebe nur drei Geschichten, die ein Autor erzählen könne? Wobei mir "boymeetsgirl" noch immer als die lohnendste erscheint...), wenn es "neu" erzählt wird. Das ist hier trotz fehlender Satzzeichen und Majuskeln, trotz einiger Stabreime ("leben vom leibe wehrt worte konsequent kreisen gedanken gleiten in den rauch der unter der zimmerdecke zirkuliert") und Gedichtanklängen leider nicht der Fall. Hier ist nur wenig Originalität zu finden. Dieser Bewusstseinsstrom hat allzu viele Untiefen, Wirbel und Stromschnellen, um ihn als Leser bis zum Schluss mit Genuss befahren zu können.
    Wobei ich hier nicht als oberste Instanz urteile: Ich kämpfe selbst mit diesen Problemen. Lies z. B. die "Richard"-Teile meines Aufstieg-Textes. Dort versuche ich ähnliches und scheitere genau so. Ein Versuch vom mir, eine "bmg"-Geschichte "neu" und originell zu erzählen, war z. B. Spinnennetz. Urteile selbst, ob mir das gelungen ist.
    Ein Ratschlag: Ich meine, du solltest die Sätze noch stärker auflösen und dem Ganzen einen ganz eigenen Rhythmus geben, ein Fließen, das den Leser mitnimmt.


    Gruß, Klammer


    PS Willkommen hier. Ich hoffe auf weitere Texte von dir.


    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 28. November 2002 editiert.]
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  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: der tag schläft ein

    Nicht übel, Tanja. Hier ist ein Bruch, hier stimmt etwas nicht...
    mit aschfahlen wangen gelb spritzt mein neid auf die winterwarmen weinroten maschen auf ihre wohlbekannten weiblichlieblichen markierungen
    Das sitzt dazwischen, ist nicht Fisch, nicht Borke.


    Mehr.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: der tag schläft ein

    ich danke im namen von tanja k.


    um missverständnissen vorzubeugen: ich bin nicht sie. wir arbeiten bloss am selben ort und ab und an gehen wir zusammen ins bett. ausserdem teilen wir dieselbe leidenschaft: das schreiben.


    allerdings, sie hats gar nicht mit dem virtuellen, ausserdem, dagt sie, genüge ihr meine kritik vollkommen. recht hat sie. dennoch, zwei drei ihrer schreibergüsse werd ich unter ihrem namen noch in dieses forum hauen, mit verlaub.


    greetings,
    Mr. Jones

  5. #5
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: der tag schläft ein

    Hatte gestern in der lite-nite ein Gespräch mit einer jungen Autorin, die sagte etwas Merkwürdiges zu mir, nachdem sie zu mir gesagt hatte, sie schätze meine Kritikfähigkeit: "Ich schreibe nur für mich. Kritik ist für mich nutzlos."
    Mein Einwand, Schreiben sei vor allem Mitteilung, also TEILUNG seiner selber, wurde von ihr mit einem blass-nassen Schleier über ihren grünen Augen beantwortet. Worte waren es nicht, die uns trennten.

    Ich glaube, Jonathan, Du solltest ihr schon eine Reaktion über unsere Reaktionen entlocken und uns, dem blöden Rest, mitteilen. Andernfalls ist ihr Verhalten nur narzißtisch.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Klammer
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    Angry AW: der tag schläft ein

    Jenseits der existentialistischen Frage, ob es Tanja K. wirklich gibt, muss ich feststellen, dass ich mich, um es mal euphemistisch zu formulieren, "verarscht" fühle.
    Da sitze ich eine halbe Stunde an einer m. E. gelungenen Kritik und muss erfahren, dass die Dame kein Interesse an ihr hat, da ihr die Meinung ihres Liebhabers genügt.
    Was soll das für einen Sinn haben, Herr Jones? Arbeitsbeschaffung für Klammer, der sonst ja nichts zu tun hat?
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  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: der tag schläft ein

    Joyces "Ulysses": Endlich habe ich ihn mir besorgt und angefangen darin zu schmökern. lieber klammer, fühl dich also bitte nicht verarscht. zumal deine kritik durchaus wahr und ernst genommen wurde, auch von tanja. obschon sie meint, jemand, der sie nicht kenne, sei nicht in der lage, ihren text zu beurteilen. es ist, wie robert schreibt: sie schreibt nur für sich, eigentlich. zumindest glaubt sie das. ich dachte und denke aber dennoch, ihr tue ab und an ein bisschen feedback nur gut. ich verstehe zwar, dass sie sich raus hält hier. es war meine idee, meine initiative. trotzdem, danke.


    Mr. Jones

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Klammer
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    AW: der tag schläft ein

    Lieber mr. jones,


    ich kann schon verstehen, dass jemand als Autor nicht an dem virtuellen Forenleben teilnehmen will, schließlich ist dafür ein gerüttelt Maß an Dickfelligkeit von Nöten. Dazu fehlt ja in der schriftlichen Auseinandersetzung die persönliche, direkte Komponente, was oft zu Missverständnissen führt. Warum veröffentlicht dann aber der Freund die Texte, schaltet sich sozusagen als Instanz wie ein Dolmetscher dazwischen?
    Das leuchtet mir nicht ein.
    Noch etwas: Du schreibst, jemand, der Tanja nicht kenne, sei nicht in der Lage, ihren Text zu beurteilen.
    Das ist natürlich Unsinn. Dann müsste ich heute aufhören, Bücher zu lesen und welche zu schreiben. Literatur richtet sich nun einmal an den dritten, den mir nicht bekannten, es ist eine Botschaft an die Welt. Wenn ich als Autor einen Text aus der Schublade nehme, ihn in irgend einer Weise in die Öffentlichkeit bringe (und ich denke jetzt einmal nicht, dass Tanja das nicht will), dann ist er mir aus der Hand genommen und ich kann ihm keine Lesearten mehr mitgeben.


    Gruß, Klammer

    PS: Viel Spaß beim Ulysses.
    Wenn du ihn in zwei, drei Jahren tatsächlich gelesen haben solltest (und nicht wie viele nur von ihm redest), empfehle ich dir "Tod des Vergil" von Broch und dann, wenn du dann noch leben solltest, gleich darauf "Zettels Traum".


    jau.
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  9. #9
    Tochter des Hauses
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    7

    AW: der tag schläft ein

    Ich habe das nicht verstanden, aber es kribbelt im Bauch. Besonders am Anfang, wenn die Gabeln stecken bleiben und Messer in den Rücken...


    Ich habe auch schon mal jemand zugeflüstert: "Gleich sind wir da!" Das war lustig.

  10. #10
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: der tag schläft ein

    Mir ist bis heute nicht klargeworden, wofür sich Tanja K seinerzeit bedankte: für die nicht gewollten und ihr gleichgültig seienden Reaktionen, für ihr Wahrgenommenwerden, von dem sie selber behauptet, sie wolle es nicht? Nun ja, nenne ich das mal weibliche Inkonsequenz udn lächle milde. Soll ja auch Frauen geben, die legen 26 Lösungsvorschläge vor sich auf den Tisch und entscheiden sich dann für eine, um später doch eine andere zu versuchen. Männer dagegen würfeln so was aus. Das ist dann wenigstens konsequent.

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