wie schrieb madonna: kritik bleibt in diesem forum vage, die urteile fallen umso kräftiger aus?
bin gespannt.
gruß, j.


hotel ganie: das schild sehen, die tür aufdrücken war eins. neonblauer nervenreiz verwackelnder orthografie.
mit der faust schlug er auf den tresen. endlich kam der portier aus seinem kabuff unter der treppe hervor. streckte sich, dass die jacke klaffte, zerrte sein meldebuch am eselsohr hinter sich her. kniehohe lederschwarte, und doch musste er lange blättern, bis er eine freie seite fand.
es war tief in der nacht. ohne nachzudenken, trug er sich unter seinem wahren namen ein: julian d. der portier schob ihm den schlüssel zu: zimmer 727, kein lift. schielte aus alterstrüben augen an ihm vorbei, zur straßentür, wo die lettern hinter milchglas zuckten, schimmelblau.
genie bin ich ganie. lächelnd machte sich julian an den aufstieg. schmale stiegen, singend bei jedem schritt. auf plattformen zweigten gänge ab, sternförmig, von schlaf erfüllt. mein siebenundzwanzigster geburtstag. was will ich hier? durst spürte er, nach wein, berührung, nicht nach der schwärze des schlafs. zimmer ansehen, dachte er, rasch unter die dusche, dann wieder raus in die stadt.


ans fenster treten, zurückweichen. siebter stock? schweiß brach ihm aus. winzige lichtpunkte, in maßloser tiefe perlend. als stünde er auf einer schroffe und spähte ins tal. sein kopf in nebel. wie wäre das möglich: diese tiefe? knieweich ging er zum bett, sank darauf. so hoch gestiegen bin ich ganie.
knöpfte hemd, hose auf, streifte alles ab, gedankenlos. auf dem nachttisch lag der zimmerschlüssel. klobiger hohlrumpf, eisenbart. im scheitel die blecherne fahne: 727. was bewies das?
nackt ging julian zur tür und zog sie auf. draußen der gang im düstern, am türblatt die schwarzen zahlen, ein wenig verrutscht: 727. und es bewies nichts.
er riegelte sich ein. ging durchs zimmer, noch immer schwindlig, zog die hintere tür auf und trat ein. das bad, was sonst. noch während er nach dem schalter suchte, fiel hinter ihm die tür zu. dunkelheit. mit beiden händen tastete er über die wand, und seltsam, da war keine wand, nur leibung neben leibung. sieben türen zählte er, im dunkeln tappend, tastend, dann endlich fand er einen schalter, altertümlicher buckel, und drehte ihn.
ein runder raum, die wände wahrhaftig durchlöchert, tür an tür. wie warm es hier war. heiß und feucht. in der mitte des kreises eine säule, vom boden bis zur decke, ungewiss erleuchtet, beschlagenes glas.
julian ging einmal um die säule herum, auf glitschigen fliesen, mit den fingerspitzen nach tropfen tupfend, die im innern der säule rannen. hier und da hatten hände, arme den dunst vom glas gewischt. er spähte hinein. die säule leer. sein herz begann hämmernd zu schlagen. und seltsam: erst als er in der säule stand, das wasser auf ihn nieder rauschte, fiel ihm der schriftzug auf. klobige lettern, halb hinter dunst verborgen, von außen aufgemalt.
mit der schulter quietschte er die stelle frei. einag dab: spiegelfalsch und aderblau.