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Thema: Der unglückliche Weise

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Der unglückliche Weise

    Der unglückliche Weise


    Es war einmal ein weiser Mann, der lebte in einem kleinen Haus am Rande der Stadt. Da der Mann bescheiden war, war er zufrieden mit seinem kleinen, ärmlichen Haus, und auch sonst mit seinem Leben, doch er war sehr einsam.


    Eines Tages klopfte ein Reisender an seine Tür und bat ihn um Unterkunft für eine Nacht. Der weise Mann gewährte ihm gerne Einlaß, versorgte ihn mit Nahrung und einem warmen Schlafplatz, und unterhielt sich mit ihm. Der weise Mann fand heraus, daß der Reisende reiste, weil er Probleme in der Stadt hatte. Da bot der weise Mann dem Reisenden an, weil er sich freute, daß er mit einem Menschen so lieb reden konnte, doch seinen Kummer bei ihm zu lassen und in der früh in sein Heim zurückzukehren. Das tat der Reisende dann auch. Am nächsten Morgen verließ er das Haus des weisen Mannes, ließ sein Trübsal hinter sich und ging glücklich und zufrieden zurück in die Stadt. Und weil er so glücklich und zufrieden war, erzählte er allen anderen Leuten in der Stadt vom weisen Mann und daß er seine Probleme in seinem Hause zurücklassen durfte und daß er danach so glücklich und zufrieden war.


    Da gingen all die Menschen, die Lasten hatten, zu dem weisen Mann und luden sie dort ab. Einige Menschen kamen jeden Tag, weil sie so großen Kummer hatten. Der Ehemann berichtete von den Plagen mit seinem Weib, das Weib sprach von den Schwierigkeiten mit dem Ehemann und das Schwesterlein schimpfte über das Brüderlein.


    Der weise Mann war sehr glücklich, daß sie alle zu ihm kamen, denn so war er nicht alleine und es störte ihn nicht, daß sie all ihre Sorgen in seinem Hause ließen. Nein, er mochte ja die Menschen. Er liebte ihre brüchigen Stimmen, wenn sie erzählten, die warmen Tränen, die sie vergossen, und ihre strahlenden Gesichter, wenn es ihnen besser ging.


    Doch es geschah, daß die Menschen allezeit weniger Kummer hatten. Und es schien, als ob die Menschen immer seltener zu ihm kamen, um so kleiner ihre Plagen wurden. Es war so, als ob jemand direkt vor ihm gestanden hätte, sich dann stets weiter entfernte, und in der Ferne stetig kleiner wurde, bis er gänzlich am Horizont verschwand. Und so waren die Menschen nach und nach auch verschwunden, und mit jedem verschwundenen Menschen wurde sein eigener Kummer größer, über den er mit niemandem sprach, weil er dachte, seine Last sei ja nicht so schwer, wie die der anderen Menschen. Eines Tages waren die Sorgen der Menschen alle fort und so waren auch die Menschen selbst alle fort.


    Der weise Mann ward nun allein und traurig mit dem Kummer der Menschen, den sie in seinem Hause gelassen hatten, und starb an seinem eigenen Kummer, den er in keinem fremden Hause abladen konnte.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der unglückliche Weise

    Das ist keine schlechte Idee. Das ist nicht gut erzählt. Da läßt sich mehr draus machen. Streich zuerst mal zehn Daß-Konstruktionen! Gib den handelnden Figuren mehr Freiheit und erzähle Einzelheiten, nicht zu viele, aber vielleicht zwei und drei...

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der unglückliche Weise

    die Idee ist schön!
    Ich verstehe nur nicht, warum die Nöte der menschen immer weniger wurden?
    Es ist klar, für den weisen Mann war das ein Problem, aber warum wurden sie weniger? Die Menschen bemerkten vielleicht ihre Sorgen nicht mehr?
    Aber das muß auch nicht beantwortet werden. Das sind Fragen die ich mir stelle


    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 01. November 2002 editiert.]

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    Question AW: Der unglückliche Weise

    ich lese es nicht daraus: warum konnte er seine probleme nicht andernorts abladen?

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der unglückliche Weise

    rodbertus: Ok!


    Kyra, kam es nicht rüber, daß die Menschen nach und nach ihre Probleme in seinem Hause ließen und sie somit eben loswurden?


    Linn, es gibt Menschen, die laden woanders ab und es gibt Menschen, die laden nur bei sich ab, will heißen, fressen alles in sich hinein. ja, da scheint noch einiges unklar geblieben zu sein.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der unglückliche Weise

    Kyra, kam es nicht rüber, daß die Menschen nach und nach ihre Probleme in seinem Hause ließen und sie somit eben loswurden?
    doch, aber nach meiner Erfahrung, hat man immer wieder neue Probleme, oder?
    Also dieser Aspekt der Unendlichkeit, Sinnlosigkeit - oder was auch immer, der fehlt mir. Sie kommen nicht mehr, weil sie merken, daß schon auf dem Rückweg ein neues Problem auftaucht. So wäre es bei mir

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der unglückliche Weise

    erstellt von Tobias: Es war einmal ein weiser Mann, der lebte in einem kleinen Haus am Rande der Stadt. Da der Mann bescheiden war, war er zufrieden mit seinem kleinen, ärmlichen Haus, und auch sonst mit seinem Leben, doch er war sehr einsam.
    Zu viel auf einmal. Bescheidenheit und Zufriedenheit bedürfen einer wenigstens klitzekleinen Erklärung. Einen Gedanken, den wichtigsten nehmen, den kurz erläutern, Hauptsätze. Dann den nächsten Gedanken nehmen und daran knüpfen. Dann entsteht das Haus des Helden, denke ich. Der märchenhafte Einstieg nimmt mich für den Text ein. Diesen Grundton beibehalten.
    Eines Tages klopfte ein Reisender an seine Tür und bat ihn um Unterkunft für eine Nacht. Der weise Mann gewährte ihm gerne Einlaß, versorgte ihn mit Nahrung und einem warmen Schlafplatz, und unterhielt sich mit ihm.
    Unklar ist, aus wessen Perspektive der Mann WEISE sein soll. Auch fehlt es An Motivation für die Gewährung des Fremdbegehrens. Das ist doch eher unklug, so mirnichts dirnichts einen Fremden ins Haus zu lassen - oder? - Deduktive Annahme des Weise-Seins: Du setzt dieses Wort und willst es erweisen oder eben nicht. Induktive Annahme: Du setzt es nicht, kömmst aber im Laufe des Erzählens dazu, ihn dann als WEISE bezeichnen zu können. Beides ist besser als Deine Variante des kommentarlosen Benennens.
    Der weise Mann fand heraus, daß der Reisende reiste, weil er Probleme in der Stadt hatte.
    Ganz schlecht. Erst einmal wiederholst Du Dich mit dem WEISEN MANN, dann hast Du diese unsägliche HATTE-Konstruktion und schließlich bleibt da aber auch alles unklar, aber nicht in einem Sinne, der neugierig macht. Schmeiß den Satz raus!
    Da bot der weise Mann dem Reisenden an, weil er sich freute, daß er mit einem Menschen so lieb reden konnte, doch seinen Kummer bei ihm zu lassen und in der Früh in sein Heim zurückzukehren.
    keinen Grund nennen, sondern anhand von etwas beschreiben. Das mit dem KUMMER DALASSEN gefällt mir. Die wiederholte Verwendung einer Daß-Konstruktion gefällt mir weniger.
    Das tat der Reisende dann auch. Am nächsten Morgen verließ er das Haus des weisen Mannes, ließ sein Trübsal hinter sich und ging glücklich und zufrieden zurück in die Stadt.
    Gleicher Verbstamm. Zudem zu knapp. Wortwiederholungen ohne Steigerung.
    Und weil er so glücklich und zufrieden war, erzählte er allen anderen Leuten in der Stadt vom weisen Mann und daß er seine Probleme in seinem Hause zurücklassen durfte und daß er danach so glücklich und zufrieden war.
    dito


    Zu wenig Entwicklung, zu viel Festlegung. Erzählen, nicht anzeigen! das problem bei der häufigen Verwendung von Daß-Konstruktionen liegt für Deinen Text darin, DAß er dadurch eine Stimmung erzeugt, die kausal, somit rational ist, was der Märchendiktion Deiner Geschichte schadet.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der unglückliche Weise

    text gefällt mir nicht mehr so. ich überleg mir da noch was. kann aber dauern.

  9. #9
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Der unglückliche Weise

    So ist das, wenn man an einem Text zupft. Am Ende will der Autor das eigene Produkt nicht mehr. Entweder schreibt er nächstmals einen beßren oder er vergibt es sich, Texte zu verfassen. Beides ist gut.

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