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Thema: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Frage: Soll ich weiterschreiben?


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...


    I. Ankunft


    Das Ruckeln der Bahn läßt sie wehrlos auf und ab wippen. Wehrlos? Ist sie nicht von Natur aus wehrlos? Eine wehrlose Natur, sozusagen? Ich erinnere mich.


    Wüßte er, daß wir Freunde sind, würde er ausrasten ? Wieso, was geht's ihn an, ihr seid auseinander ? Trotzdem, er würde denken, ich nähme ihm seine Freunde weg ? Freunde? Wir sind schon lange keine Freunde mehr, wir sind Feinde.


    Ihr Lächeln zeigte mir, daß sie es ausgelegt hatte, wie, "Ich stehe hinter dir." Ich freute mich. Jeden Tag eine gute Tat. Erledigt.


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, flüstere ich.


    Er schaut sie an, sagt ihr, es ginge gleich los. Ihre Augen leuchten. Er schaut mich an, fragt mich, ob ich schon mal dabei war. Nein. Dann erlebe ich gleich mein blaues Wunder, grinst er, während er auf meinen Schenkel klopft. Feindberührung.


    Liebesparade, denke ich. Was soll das überhaupt heißen? Machen da alle Liebe miteinander? Jeder mit jedem und so? 5 Männer und eine Frau, denke ich. Nicht jede traut sich das.


    Aussteigen. Aus den Türen der Straßenbahn kommen sie in Gruppen, schauen sich um, fragen sich, wo lang, formieren sich zur Einheit, gehen geradlinig. Im Bahnhof kommen sie von den Bahnsteigen in noch größeren Gruppen, schauen sich um, fragen sich, wo lang, formieren sich zur noch größeren Einheit, gehen geradlinig. Es erinnert mich an einen Film, wo sie sich aus jedem Dorf zusammenrotten, bis sie ein riesiges Heer sind, welches sich zum Schluß auf einem Schlachtfeld sammelt. Krieg? Wieso denke ich an Krieg? Ich bin bei der Love Parade.


    Ich hänge mir ein Schild vor den Kopf: "Aggressionen außerhalb der Geschäftszeiten sind untersagt."


    Eine Masse, jauchzend, jubelnd, trillernd. Ich tauche ein ins Kollektiv. Kollektiv? Moment mal. Ich bin doch Einzelgänger.


    Bahnhofsvorplatz. Noch mehr Menschen.


    Wir brauchen noch Drogen - Hm - Vielleicht kriegen wir noch Pepp - Joo, wäre nicht schlecht - Ich geh mal rum, gucken - Mhm.


    Der Organisator. Gut, daß wir einen haben. Liebesparade. Was ist das überhaupt? Massenphänomen, mediale Inszenierung, Spaßgesellschaft, Jugendkult, Mittendrin statt nur dabei, denke ich.


    Duuu?, stupst sie mich an und macht einen Schmollmund. Wenn heute was passiert, sind wir dann noch Freunde? - Was soll denn passieren? - Weiß nicht, aber ich möchte dich nicht verlieren - Tust du nicht - Du bist nämlich mein bester Freund.


    Na klasse, denke ich.


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...


    Der Organisator kommt wieder.


    Hab was, aber nur Pillen - Egal - Mein ich auch. Paßt auf Jungs, wenn wir uns verlieren sollten, treffen wir uns am Brandenburger Tor - Wo is`n das? - Keine Ahnung - Wird man schon finden - Joo - Ok.


    Pause.


    Wann denn? - Ach ja, äh... - Sieben Uhr? - Joo - Ok.


    Wir ziehen los. Ich habe lange nicht geweint, denke ich.


    ...wird fortgesetzt, vielleicht.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    sollst du weiterschreiben? ich weiss es nicht. ich weiss nicht, was du vorhast. sollst du weiterschreiben? ich kann nur soviel dazu sagen: bisher überzeugts mich nicht, obiges. loveparade. bisher bin ich weder mitgerissen vom tumult, noch ganz allein und einsam mittendrin in der masse. noch weiss ich nichts über sie, über ihn. sollst du trotzdem weiterschreiben? ich glaube, das kannst nur du beantworten.


    Mr. Jones

  3. #3
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Warum nicht? Diese hippige Anmachschreibe trägt sich vielleicht schon durch den Rhythmus. Nur, wirst Du es zu einem Ganzen bringen?

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    he, Tobias, ich will mehr. Hier geht's doch nicht um die Love Parade, hier geht's um die Loveparade, schade. Also beeil dich es geht doch um alles!

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Hallo Mr. Jones,


    wenigstens einer der hilft. Viel wissen über die Figuren wirst du auch nicht. Sie werden namenlos bleiben, und weitestgehend gar gesichtslos. Wo ich hin will? Ich weiß es noch nicht.

    Hallo aero,


    trägt sich vielleicht schon durch den Rhythmus

    das war ein lob. wolltest du das? ob ich es zu einem ganzen bekomme? ich versuche es.

    Hallo linn,


    danke für den Zuspruch. Du hast natürlich recht. Der Fehler wird verbessert. Nächster Teil ist unterwegs.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Sie liebt mich, sie liebt mich nicht... (II)

    II. Stimmungswechsel


    Schweigen ist Gold, das Schweigen im Walde, jemanden zum Schweigen bringen, der auch dann schweigen kann, wenn er im Recht ist, Qui tacet, consentire videtur.


    Vier Boxen zum Quadrat, in dessen Mitte zwei Mädels tanzen. Sie sind schon in Stimmung. Wir nicht. Die Boxen brüllen mich nur an, sind nur laut, wir bräuchten einen Stimmungswechsel, unsere Stimmen sind stumm.


    Als Kind spielte ich immer Ball, alleine. Ich trat den Ball gegen die Hauswand, er schnellte zurück, ich trat ihn erneut, trat ihn erneut, trat ihn. Das Nachbarsmädchen kam. Ich setzte mich auf den Ball. Sie schaute mich neugierig an.


    Warum bist du immer alleine? - Nichts - Bist du verrückt? - Kopfschütteln - Meine Mutter sagt, du bist verrückt - Kopfschütteln - Warum sagst du dann nichts? - Handheben - Bist du stumm? - Nicken.


    Alles Lüge. Keine Stimme erhob sich, mir ins Gewissen zu reden. Danach spielte ich das Spiel.


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...


    Magisches Theater, Eintritt nur für Verrückte, las ich mal irgendwo. Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann, summe ich. Das ist von der, die auch 99 Luftballons gesungen hat.


    Vier Boxen zum Quadrat. Vielleicht die kleinste Tanzfläche der Welt, denke ich, aber nein, das glaube ich nicht, denke ich. Davor ist eine Bühne, auf der der DJ steht. Daneben sind Stände. Platten, Poster, Plakate, T-Shirts, Cappies.


    Liebesparade. Was ist das überhaupt? Konsumterror, habe ich mal gehört. Ich kauf mir was, kaufen macht so viel Spaß, trällert mein Gehirn.


    Guck mal, ich hab mir ne Trillerpfeife gekauft - Was? - Nur fünf Mark - Nur??? - Na und, ist doch nur einmal im Jahr Loveparade.


    Er trillert und hüpft davon. Ein Konsumterrorist. Der Feind erscheint.


    Hast du schon gespackt? - Nö? Du? - Nein. Wolln wir nicht mal langsam? - Jetzt schon? - Ja - Ok.


    Er geht zum Organisator und diskutiert. Liebesparade. Was ist das überhaupt? Politische Demonstration, habe ich mal gehört. Demonstration? Ich habe nichts wofür oder wogegen ich demonstrieren könnte. Der Organisator gibt uns die Teile. Wir schlucken sie und nehmen einen kräftigen Schluck Bier. Sie auch. Sie hält sich die Hand vors Maul und stopft sie sich rein. Die Hand vors Maul, reinstopfen. Wie kann ich nur so unromantisch sein, denke ich.


    Ich lieb sie, ich lieb sie nicht...


    Der Organisator und der Konsumterrorist streiten.


    Glaub mir, laß uns mitten rein und hinter einem Wagen her, am Rand ist das wie Karneval. Bäh! - Na und? Was hast du gegen Karneval? Außerdem ist da mehr Platz - Quatsch! In der Mitte ist mehr Platz. Das sieht nur im Fernsehen immer so voll aus. Da ist Platz satt.


    Sie schauen mich an. Was meinst du?, fragen sie. Mittendrin statt nur dabei, sage ich.


    Eine halbe Stunde später.


    Die Boxen brüllen weiter. Aber irgendwas ist anders. Die Musik dringt zu mir, ich wippe mit dem Bein, mein Oberkörper schwingt, ich werde ganz leicht. Bewegung, denke ich. Ich brauche Bewegung.


    fortsetzung folgt...

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht... (II)

    es ist ein Gefühl von...

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    es ist eins

  9. #9
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    Post Sie liebt mich, sie liebt mich nicht... (III)

    III. Sound!


    Ich klinke mich ein in den schwebenden Sound, treibe auf ihm, falle in ihn. Er ist eine Welle, die im Quadrat springt, darunter der bebende Beat, der die Welle auf und ab schlägt. Ich bewege mich in ihm. Mein Körper wird zum Autopilot.


    Ich schaue mich um. Der Konsumterrorist steht auch auf Autopilot. Er ist ein Roboter geworden. Plötzlich sehe ich: alle stehen auf Autopilot! Ich sehe Roboter, Lenker, Flieger. Ist das geil, denke ich. Nein, ich denke nicht.


    Unter die Welle setzt sich ein Schaben. Auf, ab, auf, ab, auf, auf, auf. Das treibt. Ich bin so leicht. Ein Roboter nähert sich, arbeitet vor mir. Seine Puppillen groß und klar wie bei einer spielenden Katze.


    Spürst du deine Beine noch? ? Welche Beine?


    Ich drehe mich weg, schaue himmelwärts. Orientalische Melodie. Die Welle flacht ab, bleibt aber. Das Schaben wird zum Kratzen wird zum Quirlen, wird heller, wird kürzer, schneller, die Musik ist millisekundenlang aus, an, aus, an, an. Das Quirlen bekommt andere Farben, wird heftiger, übernimmt die Führung. Darunter bleibt die Welle, auf der ich knapp über dem Boden schwebe. Das Schaben, Kratzen, Quirlen setzt sich von einem Ohr durchs Gehirn ins andere und zurück, wie ein schneller Pendel, schlägt aber immer enger aus, bis es in meinem Kopf verschmilzt. Aber das ist nicht alles, der Sound, er liegt flach in der Luft, genau auf Kopfhöhe, aber das ist nicht alles, er prasselt von allen Seiten aus dem Himmel herab. Und darunter ist die Welle.


    Jetzt packt er die 303 aus! - Joo, Acid!


    Die Base verstummt, das Quirlen wird lauter, kürzer, schneller, heller, Trommelwirbel, alles steigt, steigt, steigt, steigt, explodiert, die Base setzt wieder ein.


    Geil! - Huuuh!!!


    Die Welle schwillt wieder an, langsam, will die Führung wieder übernehmen. Übergang. Alles ist nur Übergang, las ich mal irgendwo. Sequenzen. Alles muß in Sequenzen abgehandelt werden, die Musik, das Leben, alles müßte in Sequenzen niedergeschrieben werden. Sequenzen. Alles ist nur Übergang, träume ich.


    Ich merke, ich tanze neben den beiden Mädels von vorhin. Sie will mich ansprechen. Ich beuge mich vor.


    Na, wo kommt ihr denn her, fragt sie.
    Münster, sage ich.
    Ah, sture Westfalen, grinst sie.
    Genau, grinse ich. Und ihr?
    Leipzig, sagt sie.
    Ah, Dunkeldeutschland, grinse ich.
    Ja, grinst sie.


    Unter die Welle mischt sich eine sanfte Frauenstimme.


    Wie heißt ihr denn, frage ich.
    Elfe, sagt die eine.
    Nixe, sagt die andere.
    Seid ihr das erste mal hier, fragt die Elfe.
    Ich nicht. Aber einige der anderen waren schon mal hier, sage ich.


    Die Frauenstimme ist jetzt über dem schwebenden Sound, singt. Der Konsumterrorist-Roboter kommt auf mich zu.


    Ich hasse das, wenn die da so`n weibisches Geplärre reinmischen - Ich find`s geil, wenns nicht allzu lang ist ? Bäh!


    Spricht er, dreht sich weg, trillert und hüpft davon.


    Ich schaue ihm über die Schulter. Sie und der Feind küssen sich. Ich merke, irgendwo in dieser schwebenden Seele Eifersucht, vielleicht Hass. Aber es ist weit unten im Schacht. Ich habe lange nicht geweint, denke ich. Ich müßte mal wieder weinen, denke ich. Aber jetzt nicht. Jetzt ist der falsche Zeitpunkt. Man weint doch nicht, wenn man glücklich ist, denke ich.


    Ich tanze weiter auf der Welle, träumend, träumend tanzen, tanzend träumen.


    Hey, du Traumtänzer! - Was?


    Der Organisator.


    Genau. Wasser! - Häh? - Hier trink mal`n Schluck Wasser. Die Sonne. Sonst kippst du noch um - Äh, danke- Außerdem gehen wir jetzt zum Zug - Ok.


    Die andern stehen schon bereit. Jemand tippt mir auf die Schulter. Ich drehe mich um.


    Können wir uns an euch dranhängen, fragt die Elfe.
    Wird keiner was dagegen haben, sage ich.
    Cool, sagt sie.


    .... wird fortfgesetzt.

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    antwort: nein !

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Sie liebt mich, sie liebt mich nicht... (IV)

    mir doch egal

    IV. Im Zauberland


    Als Kind hatte ich mal einen Zaubererhut. Der war aus Pappe und lief nach oben hin spitz zu. Wie ein Zylinder. Ich stellte mir immer vor, ich wäre ein Zauberer in einem riesigen Zauberland. Der Meisterzauberer, der Oberste im Zauberland.


    Zum Essen mußte ich ihn immer abnehmen. Ich stellte ihn neben meinen Teller. Als ich mir etwas auf den Teller laden wollte, stieß ich das Bier meines Vaters um. "Idiot!" schrie er, nahm meinen Zaubererhut und zerknüllte ihn.


    Wildes Zauberland. Alle schreien, pfeifen, jauchzen. Ich bin ein Zauberwesen unter vielen. Elfen, Nixen, Feen, Teufel, Trolle, Transvestiten...


    Hey, guck mal, ist das`n Mann oder ne Frau? ? Ne Frau! Oder? - Siehste? - Scheiße, weiß nicht.


    Staunen. Überall gibt es was zu staunen.


    Ich schaue auf. Aus dem Zauberwagen erklingt Zaubermusik, wieder diese Wellen, die mich umhüllen. Auf dem Wagen tanzt eine Nixe, ihre Haut schimmert blau-silbern, ihre Brüste bewegen sich im Einklang des Beats, der mir an den Sohlen klebt. Auf einer Laterne tanzt der Teufel. Anarchie, denke ich. Magisches Theater, Eintritt nur für Verrückte.


    Liebesparade. Was ist das überhaupt? Lebensgefühl, habe ich mal gehört. Gefühl der Gemeinschaft. Ja, das könnte es sein.


    Die Sonne brennt mir auf den Rücken. Ich ziehe mein T-Shirt aus.


    Ein Fremder:


    Brauchst du noch Pillen? ? Nee, aber hast du noch Speed? ? Nee, nur Teile - Nee, brauch ich nicht ? Na ja, viel Spaß beim feiern - Joo, dir auch.


    Sie:


    Bist du böse? - Nein, wieso sollte ich? - Na ja, ich dachte nur, wegen... - Ach Quatsch! - Du bist lieb.


    Spricht sie, küßt mich auf die Wange und läßt mich allein.


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...


    Wir treiben seicht unter einer Brücke her, auf der Polizisten tanzen. Nette Staatsmacht in Berlin, denke ich.


    Der Konsumterrorist fragt die Elfe, ob sie mit ihm vögeln wolle. Nein, sagt sie.


    Eine Stunde später sehe ich die beiden Hand in Hand in der Menge verschwinden. Vögeln, denke ich.


    Liebesparade. Was heißt das überhaupt? Friede-Freude-Eierkuchen, habe ich mal gehört.


    Der Feind erscheint.


    Wie heißt das Motto eigentlich dieses Jahr? - Keine Ahnung. - Friede-Freude-Eierkuchen war schon mal - Mhm - Music is the Message auch schon mal - Hm.


    Music is the Message. Gefällt mir, denke ich.

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Zustandsbericht und Teil V

    Zustandsbericht:


    Da ich den Text praktisch live schreibe (was nicht heißt, daß ich ihn einfach hinklatsche), fallen mir im nachhinein natürlich Fehler bzw. Verbesserungen auf. So wird SIE später immer groß geschrieben werden, um der Unterscheidung willen. Es werden 7-9 Teile werden. Ich werde weiterschreiben, auch wenn es keiner liest. Alleine schon, weil der Gaul gesagt hat, ich solle nicht weiterschreiben. Natürlich wird hinterher überarbeitet.

    V. Verlust


    Wir haben uns verloren.


    Die Nixe weint. ?Was mache ich denn jetzt? Ganz alleine in Berlin! Die finde ich doch nie wieder! Die hat unsere Zugfahrkarten! Ich komme ja gar nicht mehr nach Hause!?


    Sie ist keine Nixe mehr. Sie ist eine Sirene geworden. Ihre Stimme hat sich dem heulenden Krankenwagen angepaßt, den ich gerade höre. Ich versuche ihr zu erklären, daß wir alle am Brandenburger Tor wiedertreffen werden. Sie hört mir nicht zu.


    "Wo ist sie denn?" jammert sie weiter.
    "Vögeln", sage ich gedankenlos. Lose Gedanken.
    "Ja, ja, für dich ist das lustig! Die kann mich doch nicht einfach so allein lassen! Mitten in Berlin! Was soll ich denn jetzt machen?"


    Ein Zauberwagen mit hämmernder Base rollt an uns vorbei. Ihre Stimme verstummt, aber ihre Lippen bewegen sich weiter, wie ein Fisch im Aquarium.


    "Deine Freunde haben dich auch allein gelassen", verstehe ich noch.
    "Nein!" brülle ich. "Wir haben sie nur verloren, wir müssen zum Brandenburger Tor!"


    Menschen treiben an uns vorbei, sie müssen uns, dem Hindernis, ausweichen. Das gelingt nicht immer, so daß wir ständig geschubst werden, wehrlos sind wir dagegen.


    Vielleicht ist SIE auch wehrlos, kann sich nicht wehren gegen den Feind. Vielleicht wird sie nur herumgeschubst.


    Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht...


    In den Tiergarten, denke ich. Ich gehe vor und sage der Nixe, sie solle mitkommen.


    "Hey, bleib stehen! Wo gehst du denn jetzt hin? Läßt du mich jetzt auch noch alleine?"


    Ich verdrehe die Augen und mich. Sie nervt, denke ich. Ich nehme sie bei der Hand und führe sie zum Rand. Sie läßt es sich zum Glück gefallen. Wir suchen einen Ausgang. Oder einen Eingang? Alles ist nur Übergang, denke ich.


    Im Tiergarten hängt der von den vielen Menschen aufgewirbelte Staub wie Nebel in der Luft. Die Sonne färbt ihn gelblich. Er nimmt mir die Luft zum atmen.


    "Ich kann nicht atmen", sagt die Nixe.
    "Paß auf, wir müssen zum Brandenburger Tor. Ich weiß zwar nicht wo das ist, aber irgend jemand von den vielen Leuten wird es schon wissen. Ich gehe mal rumfragen. Du wartest genau hier."
    Ich laufe los.
    "Ich weiß, wo das Brandenburger Tor ist!"
    Ich verdrehe die Augen und mich.
    "Warum hast du das nicht gleich gesagt? Wo denn?"
    "Einmal um die Siegessäule rum, auf der anderen Seite einfach die Straße runter."
    "Na gut. Und wo ist die Siegessäule?"
    "Du bist aber orientierungslos. Die Straße hoch, wo wir grad waren."
    Stimmt, ich bin orientierungslos.
    "Ok. Du führst, ich verlaß mich auf dich. Ich bleib hinter dir."
    Sie schaut mich mißmutig an.
    "Aber bleib wirklich hinter mir."
    "Ja, versprochen."


    Ich war einmal mit meinen Eltern auf der Kirmes. Sie standen am Bierstand und haben getrunken. Mir war langweilig. Meine Mutter sagte, ich solle ruhig einmal um die Kirmes gehen, sie würden warten. Ich ging, und als ich wiederkam, waren sie verschwunden. Ich suchte sie verzweifelt. Aber ich fand sie in den Menschenmassen nicht wieder. Ich hatte Angst und weinte. Später brachte mich die Polizei nach Hause. Meine Eltern sagten den Beamten, ich sei weggelaufen.


    Sie führt mich. Ich vertraue ihr, sie vertraut mir, es funktioniert. Am Brandenburger Tor ruhen wir uns aus, bis die anderen erscheinen. Ich müßte mal wieder weinen, denke ich.

  13. #13
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Cool Zustandsbericht und Teil V

    Glücklicherweise neigt sich dieses hippiehappyhipposnackjubelichbinblödgehopse (damit ist nicht Dein Text gemeint, sondern dieser uniformierte Aufmarsch der fun-generation zu ihrem Heiligtum) dem unweigerlichen Ende. Du willst eine literarische Befasse mit dem ffeling dieser Leute? Mach et, Atze! Wenn Du fertig bist, dann laß mich ran, damit ich Dir 72% rausstreiche und einen netten Achtzeiler draus mache. When you will!

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Du willst eine literarische Befasse mit dem ffeling dieser Leute?

    siehst du nur das? na ja, egal, ich schreib erstmal zu ende. häng grad fest. nein, danke fürs angebot, ich will kein anchtzeiler.


    übrigens kann man diese hippiesprache, wie du sie nennst, verändern. darum gehts nicht. einfach muß sie aber schon sein, authentisch halt.

  15. #15
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    schreib doch wie du willst Tobias, ich lese es jedenfalls, sehr geil die "Kirmissszene". Aber das hat doch alles jetzt nicht speziell mit Drogen zu tun oder? Ich finde es ziemlich normal, wie im richtigen Leben halt.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Sie liebt mich, sie liebt mich nicht... (VI-IX)

    jujuh, das forum ist wieder da. ich werde der erste sein


    und zwar mit einem ganzen. ja, ich hab es zu einem ganzen gemacht. egal, obs nun wer gut findet oder nicht (ich finde es gut), es ist ein ganzes. linn, der autor hält sich aus interpretationen heraus. nu kommt der rest vom schützenfest.

    VI. Und ein Engel steht am Himmel


    Der Organisator und der Feind reden miteinander.


    Ok, wir gehen jetzt zur Abschlußkundgebung - Da wo der Engel steht - Genau.


    Wir laufen die Straße entlang. Aus den Einzelwesen wird ein immer dichter werdender Strom, zäher werdend, bis es sich staut. Ich höre die Musik wieder. Der Konsumterrorist geht neben mir. Ein blaulichtheulender Krankenwagen kämpft sich durch die Menschenmassen. Ich kenne nur schnelle Krankenwagen. Irgendwie surreal, wie er sich durch die Menge schleppt, denke ich. Das sage ich auch.


    Surr... was? - Surreal - Was ist das denn? - Na, wie in einem Traum, so unwirklich, seltsam halt - Wieso sagst du das dann nicht? - Weiß nicht - Manchmal bist du wirklich ein komischer Kauz.


    Wir kämpfen uns durch bis wir den Engel sehen. Er steht am Himmel und reckt den Arm empor. Er ruft mit weiblicher Stimme:


    „Welcome to Loveparade from Chicago, USA, DJ Rush!“


    Wummernde Base. Ich vibriere. Alles jubelt, Gänsehaut. Der Beat hat mich wieder. Ich tanze. Diesmal nicht im Quadrat. Wir sind ein Kreis, dessen Mittelpunkt der Engel ist, der am Himmel steht. Die Musik, die von ihm erklingt kreist mich gleichsam ein und legt sich wie eine Wolke über mich.


    Es dämmert. Die Musik verstummt. Stille. Ich erschrecke. Alle schreien „Buuhh!“


    Was ist den jetzt los? - Keine Sorge. Dr. Motte hält seine Rede. Ist doch alles politisch hier - Ach so!


    Liebesparade. Was bedeutet das überhaupt? Ideologie, habe ich mal gehört.


    Jemand pustet in eine Muschel. Die Musik geht wieder an. Wir lachen.


    Tolle Rede! - Hi Hi!


    „Welcome to Loveparade from Genf, Suisse, Miss Kittin!”


    Schräge Töne. „Suck my dig, kiss my ass...“


    Die Nixe und die Elfe küssen sich. Ihre Zungen spielen miteinander, kreisen umeinander. Eintritt nur für Verrückte, Magisches Theater.


    Sehen, denke ich. Ich will mehr sehen. Ich entdecke eine Laterne und klettere hinauf. Mir stockt der Atem. Ein riesiger, fleißiger Ameisenhaufen. Ich bin der Oberste, der Ameisenführer. Mit einer Hand halte ich mich fest, mit der anderen dirigiere ich sie. über ihnen liegt orangefarbene Nacht. Und Mitten drin die Zauberwagen, auf denen nackte Frauen tanzen, eingehüllt von Rauchschwaden. Zauberland. Ich bin der Meisterzauberer und niemand zerknüllt meinen Zaubererhut. Blitze zucken. Zwei Monde. Und ein Engel steht am Himmel.


    Wir seien Ameisen, erzählte mir mal ein Freund. Wenn man sich die Welt anschaute, dann wären wir ein riesiger Ameisenhaufen. Keiner wäre vom anderen zu unterscheiden. So wie wir, wenn wir auf einen Ameisenhaufen blicken würden, die Ameisen auch nicht voneinander unterscheiden können. Jede Ameise hätte einzig nur „Funktion“, sie funktioniere im System. Das sei es, was wir Leben nennen.


    „Welcome to Loveparade from Berlin, Germany, Paul van Dyk!“


    Laserkanonen feuern über mich hinweg. Eine Welle wabbert im Kreis, kreischende Klänge. Bunte Lichter färben den schwebenden Sound. Zwei Monde. Und ein Engel steht am Himmel.

    VII. Stille


    „Hier ist überhaupt nichts los, du Idiot!“, schreit der Konsumterrorist.
    „Was kann ich denn dafür! Berlin Alexanderplatz hat der Typ gesagt“, erwidert der Organisator.


    Wir suchen eine Party für die Nacht. Die Elfe und die Nixe sind heimgefahren. Flüchtige Bekanntschaft. Wir haben sie in die Flucht geschlagen, denke ich.


    „Gib mir mal den Flyer“, wende ich mich an den Organisator. Ich lese: „Psychedelic Trance & Goa Party.“ Darunter in großen, verzerrten und verschwommenen Buchstaben „Magic Theatre.“


    Magisches Theater, denke ich.


    Im Schein einer Laterne sehe ich SIE und den Feind. Er hält sie umschlungen wie eine Python ihre Beute.
    „Steht gar nicht drauf, wo das ist“, sage ich bibbernd.
    „Hast du keinen Pullover?“, fragt der Organisator.
    „Nein.“
    „Ich hab auch keinen. Hat noch jemand ein Pullover übrig?“, fragt er sorgenvoll in die Runde.
    „Nein.“
    „Nein.“
    „Nein.“
    „Ich hab noch einen!“, ruft SIE euphorisch.
    „Frauen“, sagen fünf Stimmen im Einklang.
    „Wenn wir euch nicht hätten“, lache ich. Sie gibt mir den Pullover und lächelt mich an.


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...


    „Ok, wir müssen rumfragen“, meint der Organisator. „Kommt wer mit?“
    „Ich nicht“, sagt der Konsumterrorist mit verschränkten Armen.
    „Ich bleibe auch hier“, sage ich. Alle anderen gehen. Ich höre, wie sie über den Platz schlendern.


    „Scheiße, ist das unheimlich, diese Stille“, flüstere ich.
    „Ja, und dunkel ist das auch hier.“
    „Ja.“
    „Hi! Hi! Das stimmt wirklich, Dunkeldeutschland.“


    Wir horchen. Nichts.


    „Ich bau uns erst mal ne Tüte“, meint der Konsumterrorist.
    „Ok.“


    Als Kind haben mich meine Freunde einmal aus Jux in einen Schrank gesperrt, auf einem alten Fabrikgelände. Ich wußte, sie würden ihn wieder aufmachen. Aber sie hatten mich vergessen. Erst am nächsten Morgen fiel es jemandem ein.


    „Weißt du, daß ich Angst im Dunkeln habe?“, sagt der Konsumterrorist und gibt mir den Joint. „Ich meine, wenn es ganz dunkel ist. Ich muß immer ein kleines Licht anhaben nachts. Ich guck mir auch keine Horrorfilme an.“
    „Na ja, ich schaue gar keine Filme. Ich lese mehr.“
    „Bücher?“
    „Na klar. Was sonst?“
    „Abgedreht. Manchmal bist du wirklich ein komischer Kauz.“
    Ich lache. „Wieso das denn?“
    „Ich finde Bücher lesen abgedrehter als Filme gucken, Musik hören und so.“
    „Ach! Na ja, so hat jeder seine Macken.“
    „Ja.“


    „Scheiße, ist das still hier.“
    „Ja, und dunkel.“
    „Und kalt.“


    Mehrere Gestalten schlurfen langsam über den Platz auf uns zu. Wir starren gebannt.
    „Wie Zombies“, flüstert der Konsumterrorist.
    Wir erkennen sie erst, als sie fast unter der Laterne sind.
    „Surreal?“, fragt der Konsumterrorist.
    „Surreal“, bestätige ich.
    „Ich weiß, wo die Party steigt“, sagt der Organisator. „Und ratet mal, was ich noch besorgt habe?“



    VIII. Magisches Theater


    Bevor wir in den Club „Magic Theatre“ gegangen sind, haben wir uns den LSD-Trip geschmissen. Ich gehe auf die Tanzfläche.


    Eine Rachschwade nebelt mich ein, Licht flackert, blitzt. Um mich bewegen sich Marionetten, die millisekundenlang ein- und wieder ausgeblendet werden. Psychedelische Klänge.


    Im Flackern des Lichts sehe ich einen Mann, den fünften Mann. Er winkt mich zu sich. Ich folge ihm, doch er entfernt sich immer weiter. Plötzlich öffnet sich ein farbiger Tunnel. Ich zögere. Doch dann gehe ich hinein.


    „Alles ist nur übergang.“


    Am Boden des Tunnels züngeln Kerzen. Das Gewölbe ist aus wechselndem blau-metallisch-weißem Licht, welches an der jeweils gegenüberliegenden Wand reflektiert und in gefächerten Streifen nach unten fällt. An der Decke leuchten Sterne in gelb, grün und rot. Sie schwirren hin und her, formieren sich zu Einheiten, verschmelzen ineinander und ziehen wie Kometenschweife davon, ins ferne Dunkel. Ich erstarre vor dem faszinierenden Lichtspiel.


    Als ich wieder nach vorne schaue, erschrecke ich. Der Mann. Er hat einen Zaubererhut auf und trägt SIE, liegend, auf den Armen. Ihr Kopf hängt schlaff herunter.


    „Ist sie nicht wehrlos?“


    Aus ihrem Mund fließt ein dünner Streifen Blut, das auf den Boden tropft. Ich schaue hinunter. Ich stehe in einer Blutlache. Ich berühre SIE. Sie ist kalt.


    „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht.“


    „Du weißt, wer ich bin“, fragt der Mann.
    Der fünfte Mann, flüstere ich.
    Du kennst mich nicht!, schreit er mich an. Ich bin der, der eure Namen stahl!


    Namen sind Schall und Rauch, denke ich.


    So? Gesichter wohl auch, wie“, sagt er und zeigt zu Boden.


    Ich spiegele mich in der Blutlache. Ich beuge mich hinunter. Die eine Seite meines Gesichts ist weiß maskiert, wie bei einem Harlekin. Auf der anderen Seite erkenne ich meine harten, ernsten Gesichtszüge. Mein Auge starrt traurig ins Leere. Der Mundwinkel ist nach unten gezogen.


    „Ich müßte mal wieder weinen.“


    Ich schaue wieder auf. Der Mann wedelt mit einem Tütchen Pillen. Willst du auch“, fragt er. Energisch schüttele ich den Kopf. Ich halte die Luft an, als er das Tütchen aufmacht und sie alle hinunterschüttet. Er verzehrt das Gesicht, sein Körper verschwimmt. Er verwandelt sich in eine riesige Ameise. ICH bin die Ameisenkönigin!, kreischt sie. ICH bin Herrscherin über das Zauberland!


    „Meine Mutter sagt, du bist verrückt.“


    Sie fuchtelt mir mit ihren Fühlern im Gesicht herum, bis sie meinen Mund gefunden hat. Mit ihren langen, dünnen Vorderbeinen greift sie hinein, durch den Rachen, in den Magen. Sie wühlt darin herum. Ich würge.


    Ah, da haben wir sie ja, sagt sie zufrieden. Aus tränenverschwommenen Augen sehe ich noch, wie sie etwas hoch hält und dann in ihr Maul stopft. Ich kotze. Es wird schwarz...


    „Alles ist nur übergang.“

    IV. Alles ist nur übergang


    Als ich erwache, schlafen die anderen. Ich schaue in einen Spiegel, worin ich mein Gesicht sehe, und in meinen Ausweis, worin ich meinen Namen lese.


    Mein Nebenmann bewegt sich. Ich stoße ihn an. „Na? Wieder fit?“, fragt er mit brüchiger Stimme und zugekniffenen Augen.
    „Ja“, sage ich.
    „Du bist umgekippt und hast irgendwas von einem fünften Mann gefaselt. Dabei sind wir doch nur vier.“
    „Ja, ich weiß.“
    Er schläft wieder ein.


    An der nächsten Station stehe ich leise auf, steige aus und setze mich auf eine Bank am Bahnsteig. Ich blicke dem abfahrenden Zug hinterher.


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, die Frage stellt sich nicht.


    Ich schaue himmelwärts. Der Tag ist milchig-grau. Es ist still.


    Liebesparade. Was ist das überhauptö Frieden, habe ich mal gehört. Ich weine.




    ENDE




    Herzlichen Dank

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Ich hab den Text gut lesen können, hab mich auch nicht zwingen müssen, dran zu bleiben - obgleich die vorgeführte Welt mir zutiefst fremd ist - aber meine Töchter waren auch schon da, ich hab mich immer gefragt, was zwei solche Individualistinnen da wollten, weiß ich jetzt mehr? Ich glaube nicht viel. Musik, Drogen, Sex, Gruppen- und Massendunst - diese Mischung scheint's zu sein, und die halt ich für wenig tragfähig, für literarisch auch wenig ergiebig - aber das mag ein Vorurteil sein. Mein Hauptproblem: Ich muss mich mit einem erzählenden Ich identifizieren, das bereitwilligst Pillen einwirft, einen Trip schmeißt - und werde so in ein chemisch deformiertes Bewusstsein hineingezogen, was mir zutiefst widerstrebt. Auch als Gedankenexperiment sagt es mir letztlich nicht zu. Und die story, die gleichsam den Rahmen abgibt, von einem jungen Mann und einem jungen Mädchen, die zur love-parade fahren, sie holt sich zu Beginn eine Art Generalabsolution, findet dann wohl einen Partner, er beobachtet das, und am Schluss - ist sie tot? Oder ist das eine LSD-Phantasie? Oder sie ist weg, ist nicht im Zug, so dass sein Aussteigen auch den Aspekt haben kann, auf sie zu warten? Hier ist mir zu vieles unklar. Die basso-ostinato-hafte Wiederholung von Elementen (Sie liebt mich, sie liebt mich nicht. Ich müßte mal wieder weinen u.a.) gefällt mir, spiegelt den Musikhintergrund des Ereignisses und zeigt das erzählende Subjekt in den immer gleichen gedanklichen Kreisbewegungen. Diese letzteren mit einer unumkehrbaren story zu verknüpfen scheint mir nicht völlig gelungen. Aber ohne Frage ein interessanter Text, hinter dem ich auch einen Aussagedruck, ein trotziges Beharren spüre, was ich mag.

  18. #18
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Hallo Quoth,


    ich danke dir sehr für Interpretation und Kritik.


    Du hast hier mehrere Texte gepostet. Über welchen darf ich mich (zuerst) hermachen?

  19. #19
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Funktioniert das hier so? Kommentierst du mich, kommentier ich dich? Vielleicht nicht nur schlecht - aber was ich vermisse (kommt ja vielleicht noch) - ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit meinem Kommentar...

  20. #20
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Hallo Quoth,


    Ich hab den Text gut lesen können, hab mich auch nicht zwingen müssen, dran zu bleiben -

    das freut mich natürlich.


    obgleich die vorgeführte Welt mir zutiefst fremd ist

    ja, das mag sein. vielleicht ist das gar eine qualität?


    aber meine Töchter waren auch schon da, ich hab mich immer gefragt, was zwei solche Individualistinnen da wollten, weiß ich jetzt mehr? Ich glaube nicht viel. Musik, Drogen, Sex, Gruppen- und Massendunst - diese Mischung scheint's zu sein, und die halt ich für wenig tragfähig, für literarisch auch wenig ergiebig - aber das mag ein Vorurteil sein.

    na ja, ich persönlich glaube, daß jedes thema tragfähig ist. es kommt immer drauf wie man es macht. du weißt ja, sogar das "nichts" ist tragfähig.


    Mein Hauptproblem: Ich muss mich mit einem erzählenden Ich identifizieren, das bereitwilligst Pillen einwirft, einen Trip schmeißt - und werde so in ein chemisch deformiertes Bewusstsein hineingezogen, was mir zutiefst widerstrebt.

    Das glaube ich dir gern.


    Auch als Gedankenexperiment sagt es mir letztlich nicht zu. Und die story, die gleichsam den Rahmen abgibt, von einem jungen Mann und einem jungen Mädchen, die zur love-parade fahren, sie holt sich zu Beginn eine Art Generalabsolution, findet dann wohl einen Partner, er beobachtet das, und am Schluss - ist sie tot? Oder ist das eine LSD-Phantasie? Oder sie ist weg, ist nicht im Zug, so dass sein Aussteigen auch den Aspekt haben kann, auf sie zu warten? Hier ist mir zu vieles unklar.

    du wirst vielleicht verstehen, daß ich hierzu nichts sage, denn damit würde ich potentiellen lesern eine diskussions grundlage nehmen.


    Die basso-ostinato-hafte Wiederholung von Elementen (Sie liebt mich, sie liebt mich nicht. Ich müßte mal wieder weinen u.a.) gefällt mir, spiegelt den Musikhintergrund des Ereignisses und zeigt das erzählende Subjekt in den immer gleichen gedanklichen Kreisbewegungen.

    danke.


    Diese letzteren mit einer unumkehrbaren story zu verknüpfen scheint mir nicht völlig gelungen.

    das mag sein, die story mag hier auch alleine vielleicht nicht tragen.


    Aber ohne Frage ein interessanter Text, hinter dem ich auch einen Aussagedruck, ein trotziges Beharren spüre, was ich mag

    ich danke dir nochmal herzlich für deine auseinandersetzung mit dem text. es tut mir leid, daß du nicht mit mehr lesern darüber diskutieren kannst. ich selbst bin vielleicht auch ein bisschen zu blöd dazu.

  21. #21
    schreibt hier hin und wieder
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    Question AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Planst du eine Fortsetzung?

  22. #22
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Hallo Tobias,
    ich habe gelesen, weil es regnet. Du bist rotzfrech und sensibel. Gute Mischung. In vielem schließt Du den Kreis, weinerlich. In einem hat der Luftikus recht, man ist versucht, die Geschichte zu kürzen. Deine Drogenhalluzinationen sind nicht nachvollziebar, also auf Dauer für den Unerfahrenen verwirrend, sogar ermüdend. Sie schütten die Geschichte Deiner Liebesfragen zu, und das Ende hängt sowieso in Rauschmittelluft.
    Nimm das Angebot des Aerolite an, ohne Deinen Stil allzusehr zu bremsen. Es könnte was Lebendiges werden.

  23. #23
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Hannemann,


    dein Kommentar freut mich ganz besonders. Rotzfrech und sensibel gefällt mir. Mit den Drogen habe ich selbst auch keine Erfahrungen, zumindest nicht mit Haluzinogenen (ich denke, man erkennt den Bruch im achten Teil?), hatte immer Angst davor. Kenne auch viele, die hängengeblieben sind und jetzt in der Klapse verweilen, da kommts her, Berichte von Erfahrenen mit eigener Fantasie und Symbolen ausgeschmückt. Ja, die Textarbeit nehme ich an. Es ist, unglaublich aber wahr, seitdem ich hier bin, die erste Textarbeit. Deswegen muß ich wirklich aufpassen, daß mir der Stil nicht flöten geht. Erfahrung sammeln.


    Danke fürs lesen und kommentieren.

  24. #24
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    AW: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...

    Aussteigen. Aus den Türen der Straßenbahn kommen sie in Gruppen, schauen sich um, fragen sich, wo lang, formieren sich zur Einheit, gehen geradlinig.
    AUS den Türen? KOMMEN?
    Im Bahnhof kommen sie von den Bahnsteigen in noch größeren Gruppen, schauen sich um, fragen sich, wo lang, formieren sich zur noch größeren Einheit, gehen geradlinig.
    Such ein anderes Verb!
    Es erinnert mich an einen Film, wo sie sich aus jedem Dorf zusammenrotten, bis sie ein riesiges Heer sind, welches sich zum Schluß auf einem Schlachtfeld sammelt.
    FILM ist schlecht, der Vergleich muß unmittelbarer sein.
    Krieg?
    Ja, so ist es viel stärker.
    Wieso denke ich an Krieg?
    streichen
    Ich bin bei der Love Parade.


    Ich hänge mir ein Schild vor den Kopf: "Aggressionen außerhalb der Geschäftszeiten sind untersagt."
    Eine Masse, jauchzend, jubelnd, trillernd. Ich tauche ein ins Kollektiv. Kollektiv? Moment mal. Ich bin doch Einzelgänger.
    Als Gestaltungsmittel nervt das. Ein Wort, dann hinterfragen und eigentlich belehren. Beschränke Dich aufs Beschreiben und Anzeigen. Da zeigst Du an, was und wer Du bist, dann rings um die anderen, die Du selbst sind. Jeder für sich, rauspicken und verifizieren. Nicht hinterfragen, dafür hast Du später Zeit, wenn es zu Verdichtungs- oder Zuspitzungszwecken notwendig sein sollte.
    Bahnhofsvorplatz. Noch mehr Menschen. Wir brauchen noch Drogen - Hm - Vielleicht kriegen wir noch Pepp - Joo, wäre nicht schlecht - Ich geh mal rum, gucken - Mhm.
    Meinetwegen. Mach aus dem Ich und dem Du ein Wir. Dann brauchst Du einen Zwischensatz, der die zusammenführende Bewegung verdeutlicht.
    Der Organisator. Gut, daß wir einen haben. Liebesparade.
    Noch ein Satz dazu, aber nicht erklären.
    Was ist das überhaupt? Massenphänomen, mediale Inszenierung, Spaßgesellschaft, Jugendkult, Mittendrin statt nur dabei, denke ich.
    Ist das der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken?
    Duuu, stupst sie mich an und macht einen Schmollmund. Wenn heute was passiert, sind wir dann noch Freunde? - Was soll denn passieren? - Weiß nicht, aber ich möchte dich nicht verlieren - Tust du nicht - Du bist nämlich mein bester Freund.


    Na klasse, denke ich.


    Sie liebt mich, sie liebt mich nicht...


    Der Organisator kommt wieder.


    Hab was, aber nur Pillen - Egal - Mein ich auch. Paßt auf Jungs, wenn wir uns verlieren sollten, treffen wir uns am Brandenburger Tor - Wo is n das? - Keine Ahnung - Wird man schon finden - Joo - Ok. - Pause. - Wann denn? - Ach ja, äh... - Sieben Uhr? - Joo - Ok.
    Wir ziehen los. Ich habe lange nicht geweint, denke ich.
    Geht so. basso ostinato, wie Quoth richtig anmerkte. Das kannst Du immer wieder dazwischenstreuen.

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