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Thema: Wintermärchen

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Wintermärchen

    Ein Wintermärchen


    Es geschah im letzten Winter,
    Da riß bei mir der Zwirn,
    Und plötzlich hing im Freien,
    Mein himmlisch Dreigestirn.


    Aus Angst mich zu erkälten,
    Griff ich nach einem Fell,
    Daran klebte ein Dackel,
    Der machte groß Gebell.


    Der Köter biß sich tief und fest,
    In meine Lenden rein,
    Drum sitz ich hier und schreibe,
    Als gut kastriertes Schwein.


    koniec


    Mit diesem kleinen aber vollends antithetischem Parameandervers melde ich mich in diesem Forum zurück.
    Ich erwarte voller Vorfreude die kompetente Kritik des Grafen.

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Post

    Salve Savonarola, der wo der Hammer hängt. Er spuckt ein bißchen. Es nieselt! Hattu Schnupfen? Könnte es als grottenschlecht nach der Manier reim dich oder ich freß dich bezeichnen...

    wirkt auf mich arg konstruiert, besitzt ein Gutteil egoimmanente Selbstreferenz und nimmt mich wenig für das lyrische ich ein, das sich nicht entblödet, die natur des hundes arglichst zu verkennen

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Wintermärchen

    Witzig, ironisch und nicht so verkniffen wie vieles hier.

    Es handelt sich in dem Gedicht nicht um ein Wildschwein, sondern um mich selbst. Außerdem ist es semantisch voll krass korrekt, wenn isch misch mal so total liberal ablabern darf.
    Ich würde es auch nicht als grottenschlecht bezeichnen, weil im Gegensatz zu anderen Gedichten, die hier veröffentlicht werden, hat es eine ganz klare Botschaft. Es erzählt, was mir im letzten Winter passiert ist. Basta, nix egoimmanente antithetische Aporien...

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Wintermärchen

    Wollt nur mal schauen, ob die Kastraten wirklich hoch genug singen. Sie singen nicht, sie jaulen. Dein Text jault, Karl.


    Willst Du Beispiele? Ja, Du willst. Na, glaubst Du nicht auch, ich habe die Schwachstelle schon gefunden? Sie ist diese:


    Daran klebte ein Dackel,

    Daran ist auftaktbetont; nichts ändert das. Fell ist männliche Kadenz, I think, also darfst Du im kommenden Vers keinen Auftakt benutzen, es sei denn, Du willst, daß ich stolpere. Aber nun? Dann müßtest Du hier eine semantische Verweisung anführen, wenigstens mitsagen, doch dieser Vers ist ein Alibivers, denn den Dackel (der zwar ein getreuer Jagdhund, aber wohl kaum ein Aasfresser ist) ist nicht wichtig, wichtiger ist das Fell, an dem er eben nur so klebt. DARAN ist Konjunktion dritten Grades, I think, nicht mal zweiten Grades.
    Und so fällt Dein ganzes Textli ein wenig zusammen; erst stolpert man, dann kläfft da ein Kleinhund, der auch noch beschimpft wird, weil er seiner Natur gehorcht. MÖH


    Und dann, am Ende auch noch Dichterschelte. Nein, ist mir zuviel. Ich find's nicht gelungen.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Wintermärchen

    Wer sagt denn, da? alles immer stimmig sein muß? Darf ich dich an das berühmte englische Gedicht "The Tiger" erinnern?


    "What immortal hand or eye
    Could frame thy fearful symmetry?"


    Da erwartet man doch einen Reim und keiner kommt. Ich finde, du konzentrierst dich bei all deiner Kritik zu sehr auf formales. Es gibt hunderte guter Gedichte, die nicht am Schnürchen laufen.
    Die Dichterschelte am Ende mußte übrigens sein. Unbedingt. Ich hatte mal wieder zu viel hier rumgelesen.


    P.S. Wußtest du, daß man auch Fremdwörter, diese Ikonen deines Geistes, überstrapazieren kann? Nein, liegt da ein semantisches Problem vor?

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Wintermärchen

    Savonarola: voll krass korrekt!
    Alder: konkret korrekt!
    Savonarola: isch weissssss...

  7. #7
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Wintermärchen

    Das himmlisch Dreigestirn kehrt dieser Tage zurück. Prosit, meine Damen! Freut euch des Winters, der himmlischen Wärme und des göttlichen Zorns! Hallelujah!

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Wintermärchen

    na also, war doch gar nich mal so schlecht für ein kastriertes schwein! als schreibschwein gewissermaßen. na ja, für den anfang ...


    big

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Wintermärchen

    das gut kastrierte schwein ist etwas plump weil so offensichtlich nur dem knittelvers geschuldet


    aber sonst : witzich!


    Es war im letzten Winter
    Da riß bei mir der Zwirn,
    Und plötzlich hing im Freien,
    Mein himmlisch Dreigestirn


    Aus Angst mich zu erkälten,
    Griff ich nach einem Fell,
    Darin war noch der Dackel,
    Und macht ein groß Gebell


    Der Köter biß nach Kräften
    Was mich recht schmerzen tat
    So sitz ich hier und schreibe
    Seit damals als Kastrat

  10. #10
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    AW: Wintermärchen

    ups!
    hat durchaus gewonnen jetzt!
    doderer als hüter des serails!
    big

  11. #11
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    AW: Wintermärchen

    danke bigvogel


    nur: warum hüter des serail? man wird doch nicht zum eunuchen, nur weil man ein stück kastratenlyrik glättet.






    [Diese Nachricht wurde von Doderer am 07. Dezember 2000 editiert.]

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Wintermärchen

    Meine Meinung dazu: Alte Kastraten sollte man ruhen lassen!
    Wer hätte gedacht, daß dieses Gedicht hier noch einmal erwähnt werden würde.

  13. #13
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Ein Wintermärchen

    krottenschlecht? nein! die erste strophe..."sauber"...die zweite... bis auf "Daran klebte ein Dackel" (daran ein deutscher Dackel)...auch ok. die dritte wechselt das versmaß und bricht mit dem rhythmus...ist hier aber als stilmittel zu betrachten. und ob das ganze sinn macht? welches gedicht macht schon sinn?!?

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    find ich richtich lustich

  15. #15
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Wintermärchen

    Jipp, Doderers Bearbeitung glättet den Text und macht ihn zum lesbaren Kurzereignis. Als interludium ließe sich derart durchaus in einem Buch unterbringen, doch ein ganzes Büchlein ließe sich mit derlei nicht erstellen.

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