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Thema: Stichwort "Leitkultur"

  1. #26
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Am widerlichsten aber ist jene species, die an kulturellen Volksgeist glaubt, an konstitutive Prägungen in der Vergangenheit, die sich als Verhaltensmuster in die Gene eingeschrieben haben, so daß sich ein Neuling/Bewußtwerdender in bezug auf die Zugehörigkeit zu eben jener Bezugsgemeinschaft zu dieser positionieren muß, er es auch nicht verhehlen kann, daß er eben jener zugehörig ist. Das mag ja noch angehen, aber wenn sich aus dieser eher psychologisch motivierten Sinnsuche ein Staatsbürgerschaftsrecht ableiten will, dann wird die Sache irritativ. Oder?
    ich bekomme hier weder die grammatik noch den sinn auf die reihe und weiß auch nicht, wogegen sich das richtet. kannst du das nochmal erklären, ed?

    konstitutive Prägungen in der Vergangenheit, die sich als Verhaltensmuster in die Gene eingeschrieben haben,
    Häh? Kulturelle Prägungen sind per definitionem nicht den Genen eingeschrieben! Gene haben hier nichts zu suchen.
    so daß sich ein Neuling/Bewußtwerdender in bezug auf die Zugehörigkeit zu eben jener Bezugsgemeinschaft
    Was ist ein Neuling/Bewußtwerdender in bezug auf kulturelle Prägungen? Entweder ist man geprägt oder nicht. Entweder ist man Traditionen verpflichtet oder nicht.
    Und was ist eben jene Bezugsgemeinschaft? Zu Prägungen jedenfalls hat man keinen Bezug, die hat man!
    zu dieser positionieren muß,
    Bin ich nun geprägt und drin oder Neuling und positionsbedürftig?
    er es auch nicht verhehlen kann, daß er eben jener zugehörig ist.
    Wie ist dieser Satz an das Vorhergehende angeschlossen? Und gehört unser Held nun doch dazu und kann sich die Positionierung schenken? Ist er Bezug oder zugehörig?
    Das mag ja noch angehen, aber wenn sich aus dieser eher psychologisch motivierten Sinnsuche
    Wasn das jetzt wieder? Wer sucht Sinn? Der kulturell Geprägte? Der ist ja Sinnproduzent! Der Neuling? Welcher Neuling, verdammt nochmal?


    Ich verstehe nicht, was der Autor sagen will! In jedem Fall erscheint das kulturell Geprägte als zu wenig identitätsstiftend, als widerlich geradezu! Und besser ist das Reine! Die reine Natur. Der reine Text. Der reine Glaube. Das reine Volk. Reiner Wein. Fragt sich nur, welche Natur, welcher Text, welcher Glaube und welches Volk? Das reine Chaos hier!


    Asmodai, danke für deine Ausführungen, das war durchaus erhellend.

  2. #27
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Das ist es ja, was euch "Linke" so fuchst, daß nämlich der Mensch nicht nur ein Ist ist, sondern auch ein War. Lies Nietzsche, dann verstehst Du vielleicht, was ich meine. Bei dem ging es sogar so weit, daß er die Gutmenschennatur der heutigen (also der um 1880) Menschen als eine Folge ihrer (erinnerten) Grausamkeiten im Mittelalter bezeichnete. Das Gewissen macht sie zu Gutmenschen. Das hat der gute Fritz aus Röcken bei Naumburg sehr gut erkannt. Wir sind eben Glied in einer Kette und keineswegs selbbestimmte Monster.

    Aber bleiben wir beim Identitätsbegriff: Ich machte das Deutschsein insbesondere an der praktischen Ausübung des Deutschen fest. Das Blut ist nicht entscheidend, aber es ist wichtig. Ein Rußlanddeutscher, der des Deutschen nicht mehr mächtig ist, kann nicht mehr als Deutscher bezeichnet werden, ein Türke, Amerikaner, Franzose, Albaner, Bulgare, der des Deutschen mächtig ist, sein Haupt aber in heimatlicher Erde betten will, auch sonst keinen Anteil am öffentlichen Leben in Deutschland nimmt, auch keinen Tropfen seines Blutes zu opfern bereit wäre - das ist eine hypothetische Transfiguration -, der kann ebensowenig als Deutscher bezeichnet werden.
    Der Staat bleibt hier außen vor. Was dem nützt, ist für meine Umkreisung unerheblich.
    Was ein Deutscher einmal war, das steht zwar nicht geschrieben, aber es ist deshalb existent.
    Der Deutsche war ein Mann des Volkes. Deutsch zu sein bedeutete, Volk zu sein. Der Begriff entstammt der Sozialsprache. Gut deutsch zu sein bedeutet heute immer noch, ein guter Mann aus dem Volke zu sein. Die Zukunft wird zeigen, ob der Begriff noch tragfähig ist. Ich würde ihm gern mehr Kraft wünschen, mehr Bewußtseinsnähe, mehr Treffen im Geiste. Denn was kann es Schöneres geben als das Bewußtsein seiner selb, ein guter Mann zu sein, sich in einer Gemeinschaft derer zu befinden, die Volk sind? Volksein aber ist Menschsein. Deutscher Staatsbürger dagegen ist ein Oxymoron: Das Wort "deutsch" an einen supranationalen und vernunftgeleiteten Begriff wie Staatsbürgerschaft zu hängen, halte ich für verfehlt. Erst recht aus einem Sozialbegriff einen Staatsbegriff ableiten zu wollen, gar noch für einen Staat mit mehreren Millionen Menschen. das geht nicht. Das ist Unsinn. Diese Staatsform hat ausgespielt. Sie gehört abgeschafft. Vernunftstaaten gehören abgeschafft. Sie dienen nur sich selbst, der Vernunft. Der Mensch bleibt außen vor, wird Mittel.


    Ende.

  3. #28
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    vonWolkenstein!?
    ist das nun eine satire?
    der mythos vom blut?
    blutstropfen opfern ... wofür?

  4. #29
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Stichwort "Leitkultur"

    Um es kurz zu machen: Es gibt keine deutsche Leitkultur, denn wer einmal über den Sinn und die Bedeutung des Wortes DEUTSCH nachdachte, der wird den durch LEITEN angezeigten Grundcharakter der Aussage ablehnen müssen.
    Deutsch zu sein bedeutet, die Mitte zu halten. Die Mitte aber leitet nicht, sondern wägt. Und Wägen wiederum heißt, sich offen zu halten, nicht zu bestimmen. usw....

  5. #30
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ganz deiner meinung. es gibt keine deutsche Leitkultur.
    für mich ist "deutsch" nur ein zuordnungsbegriff. ich bin nicht deutsch ich bin mensch.
    wir hatten eine demo in berlin für mehr toleranz. da haben einige, die dort rum liefen was falsch verstanden. toleranz heißt auch toleranz für nanzi's. ich denke der ruf "**** raus" hat sonst die selbe bedeutung wie "juden raus". und wir wären dann nicht ein stück anders.

  6. #31
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Du sprichst ein schwieriges Thema an, Sophie.
    Es sind eigentlich zwei Bereiche, zwei Ebenen einer möglichen Diskussion:


    1. politische Streitkultur
    2. Faktizität und Funktionalität historischer Gegenwart (historicum praesentium)


    Ich will mich in dieser Antwort, die nur für Dich ist, Sophie, auf den ersten Punkt beschränken.
    Ich möchte auf den Bedeutungsumfang von Toleranz hinweisen. Toleriert werden muß das Augenblickliche, nicht ein Diktum aus Vergangenheit und daraus zu schlußfolgernder Zukunft (Handlungsmuster). Tolereanz bedarf der Augenblicklichkeit, ist somit ein Postulat der Demokratie. Eine Demokratie ist nur stark wie der minimalste Konsens an Konsens, mithin bedarf Demokratie größtmöglichster Toleranz. Ich muß es erdulden, daß da einer anderer Meinung ist als ich!
    Das Ergänzungswort heißt Akzeptanz. Im Rahmen einer nachdenklichen und betulichen Beschäftigung mit den Absichten des politischen Gegners darf man zu einem Urteil gelangen, das den Gegner als dasjenigen darstellt, der er wahrscheinlich auch ist: ein Gegner. Das bedeutet, daß der Gegner in seiner politisch wirksamen Gegenwärtigkeit bekämpft werden darf, weil dessen Grundaussagen nicht hingenommen werden können.


    Im Klartext - auf Dein N a z i-Beispiel gemünzt - bedeutet das für einen Aristokraten wie mich, daß ich einen N a z i wohl tolerieren muß (seine Gesinnung), nicht aber seine politische Handlung. Ich greife also seine Handlung an, nicht aber seine Gesinnung - die greife ich theoretisch auch an, z.B. jetzt, weil ich meine, daß Auserwähltheitsdünkel (typisch für nationalsozialistische Doktrinen) ein Zeichen von Dummheit ist -, denn die muß ich tolerieren.


    Sind wir einen Schritt weiter?

  7. #32
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    hach, du sprichst mir aus dem herzen. ich merke das es viel wohltuender ist, dieses thema schriftlich anzugehe als mündlich, da man dort doch weniger zu worte kommt.
    dies ist wahrlich nicht ein leichtes thema. mir stellt sich die frage, welches ist die richtige vorgehensweise?
    wir sind in einer demokratie und wie du schon sagtest, erfordert demokratie toleranz, sie baut darauf auf. doch im gesetz steht auch, dass jeder den bekämpfen darf, der die demokratie gefährdet. und diese menschen gefährden eindeutig die demokratie. nun, was heisst bekämpfen? ich denke das es nicht ausreicht nur die npd zu verbieten. dadurch wird nur ein teil ihrer öffentlichen handlungsmöglichkeit eingeschränkt. aber ich glaube nicht das sie das groß aufhalten wird. ich denke dies produziert eher eine ungeahnte wut, die sich irgendwie entladen wird.
    ich finde, auf alle fälle ist es wichtig, mit der aufklärung über unsere geschichte schon in den grundschulen zu beginnen.
    was fällt dir dazu ein?


    schön mal wieder was von dir zu lesen.

  8. #33
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    etwas als leitkultur zu bezeichnen bedeutet, diese über andere kulturen hinauszuheben. zeigt sich schon am begriff leithammel. wenn das subjektiv gemeint ist, isses volkstümelnde überheblichkeit, objektiv kann man desen verwendung wohl nicht begreifen. es gibt nur noch ein schlimmeres wort: multikulti. das zieht mir allerdings die zehennägel raus.

    bigvogel
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  9. #34
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    Cool AW: Stichwort "Leitkultur"

    Volkstümelnde Überheblichkeit... das glaube ich auch. Die Frage ist, wie gesagt, nur: Welche? Wer und was gehört dazu? Gehören nicht Stadtstreicher (vulg. Berber), Punks, Autonome ebenso zur *deutschen* Normalität wie Banker, Immobilienmakler, Zuhälter, Kneiper und Maurer? Gehört es nicht seit ziemlich langer Zeit zur deutschen Alltagskultur, sich ganz selbstverständlich von Gastronomen aus aller Welt bekochen zu lassen? Besteht in Deutschland nicht auch aus kulturell sehr unterschiedlichen Regionen? Wie steht das mit Friesen und Schwaben, mit Saarländern und Sachsen? Ist die kulturelle Bedrohung durch ein übermächtiges Bayern nicht als bei weitem gefährlicher einzuschätzen als die durch Moslems? Im Moment jedenfalls riecht das, was in den Medien als deutsche Leitkultur daher kommt, doch recht stark nach Bier und Lederhosen (neben Selbstverständlichkeiten, wie der Gültigkeit von Gesetzen).

  10. #35
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Von Stadtstreichern und bewußten Naserümpfern

    Na, dann fragen wir nach dem Begriff KULTUR!
    Gehört ein Stadtstreicher zur Kultur?


    Ich glaube, nein. Kultur steht und fällt mit dem Besonderen, dem Einzigartigen, dem Allgemeinen, das sich in ein Besonderes ergießen kann, ohne dieses zu zerstören. Das Besondere fließt gleichsam den Berg hinauf, das Allgemeine aber bleibt bestehen im Besonderen, wie das Besondere nicht zerstört wird. Aber, der feine Unterschied ist der, daß das Besondere das Allgemeine schmeckte und jetzt nicht mehr so weiterleben kann wie bisher, als es nichts Besonderes war, da es nur etwas Besonderes gewesen.


    Kultur ist das, was einen Menschen adelt. Ein Stadtstreicher kann Träger der Kultur sein, aber nicht per se. Ein Stadtstreicher wird kein Stadtstreicher bleiben wollen, wenn er diesen Drang in sich spürt, seinem Menschsein zu entsprechen. Menschsein aber bedeutet Kultur, bedeutet, das Insichliegende bis zum äußersten zu entwickeln, bedeutet, die Liebe als Prinzip menschlichen Zusammenseins zu leben. Ein Stadtstreicher, der mit seinem Stadtstreicherdasein zufrieden ist - das immer auch eine Art von Menschenverachtung ist -, der wird keinen Anteil an der Kultur nehmen wollen.


    Man muß hier aber auch Form und Inhalt unterscheiden. Nehmen wir Sokrates. Sokrates war nichts anderes als ein Stadtstreicher, aber er war es nicht, weil er icht anders konnte, sondern weil er im Einfachen eine Reinheit mutmaßte, die manchem Naserümpfer gut zu gesicht stehen würde, wenn er denn Kultur mit dem Naserümpfen verbindet. Er spie auf die Hunde (Kyniker/Zyniker), die in Tonnen lebten und behaupteten, sie befolgten Sokrates' Armutsideal; allerdings blieben diese eben nur Form, setzten aber den Inhalt, diese bis zur Selbstverleugnung dienende Suche nach dem Wesen der Dinge, aus. Sie gefielen sich in der Form der Bedürfnislosigkeit im Kontext einer hedonistischen Sklavenhaltermentalität.


    Und deshalb ist Sokrates Kultur, die Kyniker nur der Idee nach Bestandteil, nicht aber der Form nach.


    in summa: Man muß ein Bewußtsein von dem besitzen, was man tut. Bewußtheit ist an Verstand gebunden. Das bewußte Verzichten ist Teil einer Kultur, nicht aber das aus Not Geborene. -Wiewohl Hölderlin hier anders denken würde.- Kultur zu haben bedeutet, den Dingen
    a) auf den Grund gehen zu wollen und
    b) Form im Chaos zu bewahren!
    Und in diesem Bewahren hat Kultur etwas zutiefst Anstößiges, was immer wieder Widerspruch herbeireizt.

  11. #36
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Deutsche Leitkultur

    soweits deine kulturdefinition betrifft, stimm ich dir zu, ed. freilich tust du sokrates unrecht, der sich zwar ständig auf den foren athens rumtrieb, aber doch sicher kein stadtstreicher war! xantippe hätte ihre helle freude an dir gehabt, denn sowas hat sie eigentlich schon damals vermutet! der andere kam etwas später - aber er war insofen ähnlich, als er auch keine eigenen aufzeichnungen hinterließ! daß sie beide nicht schreiben konnten halt ich allerdings für ein gerücht!

    bigvogel, seine apologie vorbereitend

  12. #37
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Deutsche Leitkultur

    Wer sich über diese Dinge noch Gedanken macht, ist auf dem Stand eines intellektuellen Regenwurmes stehengeblieben. Ich wurde zwar in Deutschland geboren, habe mich aber nie als Deutscher empfunden. Ich bin ein Mensch - und alle anderen sind es auch. Weder Hautfarbe noch Nationalität interessieren mich, mich interessiert das Individuum - und noch was, ich habe mit "Stadtstreichern" bessere Gespräche geführt als so mancher Beitrag in diesem Forum. Wie wär es damit: Gehirn einschalten und eigene Schlüsse ziehen?

  13. #38
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Deutsche Leitkultur

    kutas, ich stimme deiner ansicht über das "mensch sein" absolut zu aber trotzdem tust du unrecht. denn was bringt es wenn ein paar einzelne menschen wie du denken aber sich nicht äußern, sie bewirken gar nichts. es ist wichtig darüber zu reden, sich auszutauschen, denke ich. man muss doch endlich mal zu einer lösung finden. oder fällst du dich wohl mit deinen "guten" gedanken inmitten von "schlechten" gedanken?

  14. #39
    Pris
    Laufkundschaft

    AW: Deutsche Leitkultur

    eigentlich wollte ich eure diskussion über "gott..." lesen und bin jetzt bei der leitkultur, diesem unwort des jahres, hängengeblieben - erfreut darüber, dass es hier kritisch aufgegriffen wird, und angenehm überrascht über den selten behutsamen diskussionsstil hier am board. was mich an dieser wortschöpfung wirklich fasziniert, ist dass sie, wenn man sensibel und mit einem "historischen ohr" hinhört, eigentlich das wesentliche bereits wieder in erinnerung bringt: wir hatten sie ja bereits bis zu grausamer letzt, die deutsche leidkultur. mich wundert immer, dass das nicht wahrgenommen wird, jeden anständigen pr-berater müsste hier das entsetzen packen ob dieser unfreiwilligen selbstentlarvung.


    grüße eines neulings - pris

  15. #40
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Wer hat Dich denn zu uns geschlußt, Pris? GOtt interessiert Dich? Unsere Ordner sind voll davon.


    Wir haben festgestellt, daß Leitkultur in Nutzanwendung aufs Deutsche inexistent ist, quasi ein Oxymoron. Leitkultur als nomen agentis aber ist existent. Wir sind nach dem letzten Krieg Leidtragende dieses Kulturimperialismus geworden: im Osten des russischen, im Westen des amerikanischen. Denn gegen diesen Imperialismus haben wir in diesem Jahrhundert zwei Kriege geführt und leider verloren. (Lassen wir mal eine Randfigur wie Hitler außer Acht und betrachten nur die Strukturen der Weltgeschichte!) Und diese Niederlage ist so tief ins Gemüt gedrungen, daß sich die konservativen Kräfte dieser Republik nicht entblöden können, jetzt selbst etwas von Leitkultur zu faseln. Und noch blödere N a z i s schwätzen gar von Erhaltung und so einem Mist. Und die grünen Rotmaler, die reagieren in Pawlowscher Manier: Erst mal möh sagen, dann eventuell nachdenken und dann wieder möh sagen. (Verlange von einem Ochsen nie mehr als ein Stück Rindfleisch.) Die haben wirklich nichts begriffen. Da lob ich mir einen Terroristen, der mal schnell eine Bombe wirft, der wehrt sich wenigstens noch. Aber diese Heinis in den Vorstandsetagen des deutschen "Geistes", die haben nix begriffen, oder -was wahrscheinlich noch sehr viel schlimmer und ernüchternder ist- sie haben's begriffen und sich ihr Ge-Wissen abkaufen lassen für das neueste Modell an Schuldverschreibung.

  16. #41
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    robert, das wird mir jetzt viel zu allgemein. das die politiker alle dumm sind kann doch jeder sagen. das sagen auch all die dummen deutschen, die vor dem fernseher hocken und es nicht wirklich wagen einen blick vor die tür zu werfen. ich will damit nicht die leute da oben vergöttern oder gar für alles loben aber ich denke auch das es ebend nicht einfach ist, für all diese menschen die richtige entscheidung zu treffen. irgendeiner wird sich immer beschweren. sag mir lieber was du richtig machen würdest, als was die andern falsch machen. das rechte gedankengut ist nun mal da und muss im keim bekämpft werden.

  17. #42
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Das ist eine sehr pauschal gestellte Frage, die Du da stellst, Sophie. Was würde ich richtig/anders machen?


    Bringe ich es auf den Punkt: Ich würde die Neutralisierung Deutschlands betreiben, wohlgemerkt, nicht die Neutralisation. Ich würde die vielen sehr Reichen Deutschlands gnadenlos und einmalig zur Kasse bitten (bei 4 Billionen Mark Privatbesitz würd ich erst mal 1 Billion einsacken), dann die Steuern für ein paar Jahre stark senken (15% Höchstsatz), 10 Mrd. zusätzlich in die Kultur stecken, 100 000 Lehrer einstellen, 300 000 Gleichstellungsbeauftragte entlassen, Universitäten in die Lehr- und Finanzfreiheit entlassen, ausländische Verbrecher sofort ausweisen, inländische Verbrecher zu harter Sozialarbeit verpflichten, aus der NATO austreten, den EURO abschaffen, Kindergeld auf 1000 Mark erhöhen, Kapitalflüchtlinge mit Entzug der Staatsbürgerschaft belohnen, Gewinne steuerfrei machen, wenn sie wieder investiert werden, Subventionen abschaffen, viele Abschreibungsmöglichkeiten abschaffen... Naja, so in etwa.


    Dann hätten wir keine rechten und linken Schreihälse mehr, garantiert nicht. Dieser Gedanke könnte mich auf die Idee bringen, daß diese sein sollen, damit das Feindbild konstruiert und die Menschen diszipliniert werden.

    Übrigens schere ich nicht alle Politiker über einen Kamm. Manche geben sich echt Mühe. Echt. Aber sie sind so funktionalisiert, daß sie den Kopf aus der Brühe nicht rauskriegen und elendig zugrunde gehen, emotional und geistig sowieso.

  18. #43
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    da hast du dir ja eine menge vorgenommen. aber wie du selbst wahrscheinlich weißt, ist das so nun mal nicht umsetzbar (finanziell gesehen) und subjektiv gesteuert. ich wollte damit ja nur zeigen, das es ebend sehr schwer ist die richtige lösung zu finden, für jeden menschen. wenn es so einfach wäre, wären sicherlich andere menschen in der obersten instanz.
    aber warum aus der NATO austreten?


    sorry übrigens, wenn ich zu aufbrausend war.

  19. #44
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Von solchen Maßnahmen habe ich als 14jähriger geträumt. Ist mittlerweile alles 'n bi?chen komplizierter geworden, glaub' ich, oder habe ich einfach nur den weisen 14jährigen in mir eliminiert und mich einwickeln lassen?


    Was weiß ich?!

  20. #45
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    nich eine einzige mrd würdst du in die kultur stecken, wenn du die steuern quasi abschaffen tätst! aber ne schöne utopie wärs schon, und mit dem euro müßt ma anfangen! warum kann es nich so einfach sein? oda sind wie wie mark alle eingewickelt? ach so - pluralismus .. aba die frage war ja, was würdest d u machen .. ja, denn man tau!

    bigvogel
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  21. #46
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Mark, muß ja nicht alles falsch sein, was man als 14jähriger so träumt.

    Die 15% Höchststeuersatz sind keine Utopie, sondern feste Behauptung von einem, der's wissen muß. Ein Freund von Grünspan (oder wie immer der heißen mag) hat im letzten SPIEGEL-Interview diese Zahl genannt und damit begründet, daß HongKong deshalb so reich wurde, weil es eben diesen Höchststeuersatz hatte, womit das Geld beim Volk und den Reichen blieb, wohlgemerkt das verdiente Geld. Der Besitz dagegen wurde hoch besteuert, so daß die Akkumulation ein Höchstmaß erreichte. Und das, liebe Freunde und Genossen, ist das Geheimnis einer florierenden Wirtschaft: der Geldfluß. FLUSZ.

    Allerdings: Was hat das jetzt mit dem Ordnerthema zu tun? Ich möchte zur Ordnung rufen.

    Unser Kultusminister (genaue Berufsbezeichnung fragwürdig) tritt zurück, weil er sich nicht deutlich genug gegen diese Leitkulturler aussprach. Auch, weil er Kultur als Meinungsstreit mißverstand, auch, weil er zu gut war für die bösen Fallstricke des politischen Durchschnittsäquilibristen.

    Weil ich ein deutscher Künstler bin, darf ich mich nicht in einem Kontext namens LEITKULTUR verstehen. Deutsch zu sein heißt, gerade auf das Leiten verzichten zu können. Wer die Großen der deutschen Vergangenheit als Sinnbilder eines Anstands versteht, an dem sich orientiert werden muß, der hat nicht begriffen, was es heißt, deutsch zu sein. Es geht gerade darum, den eigenen Willen im allgemeinen Kontext der Welt willens zu verorten! Das ist deutsch. Fragt Schiller, fragt Goethe, fragt Nietzsche!


    Und darum sage ich: Nieder mit den Standardenführern einer selbsternannten Leitkultur, nieder mit den quasikonservativen Heinis und Heinilden aus der CDU!

  22. #47
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Vieles heißt, deutsch zu sein.
    Unter anderem heißt deutsch zu sein auch, daß ein Horde von Ariern einen sechsjährigen nicht-arischen Jungen ermordet, während eine ganze Gemeinde von anderen Ariern angeblich nichts gesehen haben will. Auch das ist Teil unseres Erbes und unserer Geschichte; auch das ist DEUTSCH; nicht nur Schiller und Goethe!


    Und manchmal möchte ich kotzen auf alles, was deutsch ist.


    Mark

  23. #48
    rodbertus
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    Du solltest den Zeitungsmachern aus Entenhausen nicht aufsitzen, Mark! Aber auch für den Fall, hätte das nichts mit deutsch zu tun, sondern mit Machtgelüsten, verdrängter Lebenslust, falscher Erziehung, Kleinmut und anderem kleinbürgerlichen Quark. Das geschieht jeden Tag an vielen Orten auf der Welt, daß sich drei Große an einen Kleinen machen, etwas suchen, was ihn zum Außenseiter macht und dann diesen Kleinen quälen. Dabei spielt ein Altersunterschied nicht die entscheidende Rolle, nur das Kräfteverhältnis und gruppendynamische Prozesse, die Canetti in MASSE UND MACHT anschaulich beschrieben hat.

    Es ist typisch für die "Medienleitkultur" hierzulande, daß es zu etwas TYPISCH DEUTSCHEM gemacht wird, wenn großkotzerte Dummköpfe Hasenjagden auf andersseiende Menschen veranstalten.
    Und Du willst doch nicht etwa Möppel genannt werden, weil Du das eine vom anderen nicht zu unterscheiden wissen willst?

  24. #49
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Typisch deutsch, genau! Man sagt dem Deutschen ja nach, er sei gründlich; konsequent auch im Schlechten. Vielleicht ist es das, was Deutsche von den Anderen unterscheidet: zu *wissen*, daß man im Unrecht ist - und die Sache dennoch DURCHZUZIEHEN. Irgendjemand hatte einmal gesagt, *der* Deutsche kommt nur mit zwei Positionen zurecht: Einem auf dem Boden Liegenden den Stiefel in den Nacken drückend, oder auf dem Boden liegend, einen Stiefel im Genick. Und wenn Robert Barbarei damit zu entschuldigen versucht, daß es auch Anderswo perverse Unmenschen gibt - wo bleibt dann der mehrfach vehement vertretene Anspruch, Deutschland wäre *die* Kulturnation!? Zitat: "Es geht gerade darum, den eigenen Willen im allgemeinen Kontext der Welt willens zu verorten! Das ist deutsch". Klingt ganz schön zynisch.

  25. #50
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Ich habe Barbarei nicht entschuldigt und nicht relativiert. Ich habe gesagt, daß es zufällig Deutsche gewesen sein sollen (wie gesagt, ich bezweifle die in den Leitmedien dargestellten Ereignisse an), die in diesem Falle barbarisch gehandelt haben, daß es aber nichts mit dem Begriff des Deutschseins zu tun hat, sondern mit der Tatsächlichkeit des Unmenschseins. Ich möchte doch sehr darum bitten, daß meine Beiträge hier nicht so gelesen werden, wie sie manch einem in den Kram passen. Es steht nichts da von Relativierung, ich habe es nicht so gemeint, meine es nicht so und bin überhaupt ein großer Feind alles Relativen. Damit das ein- für allemal klar ist.


    Weiter im Text: Der Ordner befaßt sich mit dem Begriff Leitkultur. Ich glaube nicht, daß es den Einführern dieser öffentlichen Diskussion darum geht, den Begriff des Deutschseins zu definieren, sondern nur darum geht, ein vages und rumorendes Gefühl der eigenen Xenophobie zu instrumentalisieren, für eigene politische Zwecke zu benutzen. Das ist der Lauf der Welt, wenn diejenigen, die's tun, der festen Meinung sind, daß ihre Ziele hehr und moralisch sind.


    Ich habe da zwei Einwände zu machen:
    1. Der Zweck heiligt nicht die Mittel und
    2. Es war die CDU, die Deutschland sich selbst entfremdet hat -so ganz nebenher auch für Teilung verantwortlich zu nennen ist/war- und die dem Kleinbürger nach dem Mund redet(e).


    Die CDU hat ein großes strategisches Problem: Sie hat ihre historische Mission erfüllt. Ihr fehlt der politische Entwurf. Was will sie? Sie ist eine Volkspartei aus der Mitte, hat Deutschland aber die Ränder genommen, -eine Demokratie benötigt die politischen Ränder, um richtig zu funktionieren; verteufelte Ränder sind früher oder später der Tod jeder Demokratie- so daß die Mitte jetzt blutarm geworden ist. Ihre mangelhafte Sympathetie mit politischer Bedeutsamkeit füllt sie aus mit phrasalen Kampagnien, die immer eine Positionierung am vermeintlichen rechten Rand ausmachen. Das ist hohles und tumbes Geschwätz, wenn eine vaterlandslose Partei wie die CDU auf Deutschtümelei macht. Denn sie haben nicht begriffen, was deutsch ist und sie haben Deutschland nach 45 meistbietend verhökert. Sie haben die Teilung forciert, Politik nur nach pragmatischen Gesichtspunkten betrieben und jedwede nationale Politik im Keim erstickt. (Auf vielfachen Wunsch einzelner Personen führe ich diese Anklagepunkte gerne näher aus.)
    Ich empfinde es als widerlich, wenn sie sich jetzt hinstellt und als Retter des Deutschtums aufspielt. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, daß sie den Kleinbürger in seiner Laubenlandparzelle retten will, der sich vor fremden Besuchern zeitlebens verbarg, ja, vor dem Leben verbarg.


    Ach, was rede ich.

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