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Thema: Stichwort "Leitkultur"

  1. #126
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    man sagt, wer als junger mensch kein kommunist sei, dem fehle es an gerechtigkeitssinn. weiters sagt man, daß man im alter weiser werde, gleichheitsutopien fallen lasse und ein gesundes maß an egoismus dazu führe, daß man konservativer, materieller usw. werde. wer dann noch kommunist sei, der sei dumm.

    nun, so will ich denn ein wenig dumm sein: nach jahren lese ich mal wieder in marx' schriften, u.a. "zur judenfrage" und "Kritik des hegelschen staatsrechts". beides jugendschriften, in denen er aber bereits seine grundlegenden gesellschaftstheoreme darstellt.

    und wenn ich dann lese, daß emanzipation dann gesamtgesellschaftlich gesichert sein könne, wenn sich das individuum zurücknehme, seine eigenen kräfte aber in den dienst gesamtgesellschaftlicher kräfte stelle und diese organisiere, dann glaube ich: der mann hat recht.
    als historiker ist mir auch nie deutlicher gewesen, daß die bürgerlichen revolutionen und ihre maßlos anmutende formulierung der menschenrechte eine art freibriefformulierung für das losgelassene bürgerliche besitzstandsstreben darstellte. die befreiung der menschen also vom feudalen joch nichts anderes war als die befreiung des erwerbstriebes, der sich als individualtrieb beschrieben bloß gegen andere richten kann/konnte und somit kein menschenrecht, sondern eine art besitzstandsegoistischer klasseninstinkt war, der die starken zusätzlich beschützt und gesamtgesellschaftlichen fortschritt als summe der entwicklung einzelner begreift, nicht aber die gesellschaft selbst voranbringen will.

    mit anderen worten: die bürgerliche gesellschaft ist egoistisch und somit nicht das, was man gutartig oder humanistisch nennen könnte. sie ist somit nicht das, was ich für mein artifizielles selbstverständnis als befriedigende lebensgrundlage anerkennen könnte.

  2. #127
    kls
    Status: ungeklärt

    Ich will das nicht! Kritik an den Möglichkeiten.

    Sieht so aus, als ob das hier eine überflüssige Polemik wird. Sinnloses Genöle an Zuständen, die eh nicht zu ändern sind. Noch nicht mal ein echter Schrei der Verzweiflung.

    Es scheint ein Naturgesetz zu sein, wenn Menschen immer all das ausprobieren, was möglich erscheint, einfach nur aus dem Grund, weil es möglich erscheint: Mal sehen, was passiert, wenn wir diese zwei Drähte aneinander halten. (Diese rote Flüssigkeit mit der grünen dort zusammenbringen und ordentlich schütteln, den Schalter hier umlegen, an dem ein Schild befestigt ist: Wichtig! Auf keinen Fall diesen Schalter schalten. Auch nicht um heraus zu finden, warum nicht.)

    Es handelt sich dabei um eine bemerkenswerte Eigenschaft von uns Menschen und sichert den Fortschritt. (Fortschritt bedeutet meistens, dass die Dinge nun schneller passieren - deswegen halten sie dann auch nicht sehr lange)

    Ich möchte keinen intelligenten Chip in den Küchengeräten, die dem Hersteller Informationen über mein Userverhalten senden. Ich möchte nicht beim Telefonieren Anfälle von paranoidem Denken als selbstverständlich hinnehmen. Paranoides Denken vergiftet die Seele und ich lebe schließlich schon seit meiner Geburt mit dem Damoklesschwert der Atombombe. Angst vor Denen gehörte bei mir also zur Werksausstattung: Hoffentlich drückt keiner den falschen Knopf.

    Die Erfahrung allerdings zeigt, dass es durchaus Menschen gibt, die bereit sind, den falschen Knopf zu drücken, andere Menschen mit in ihren persönlichen Untergang zu reißen. Jetzt kommt Godwins Law zum Tragen: Zum Beispiel Hitler.

    Oder Leute, die einen erweiterten Suizid praktizieren und ihre gesamte Familie ausrotten

    Oder absichtliche Autobahnfalschfahrer. Selbstmordattentäte

    Im weit gefassten Sinn gehören auch Waffenhändler, Drogendealer, Zuhälter, Finanzjongleure und Machtmenschen ganz allgemein dazu

    Und im ganz weit gefassten Sinn sind wir alle durchaus bereit, unserem eigenen Wohlergehen das Befinden anderer zu opfern. (Besser Du den Blues als ich)

    Ich möchte keine Suchmaschine, die sich merkt, was mich mal interessierte und entsprechend sortiert, auf dass ich immer das Gleiche serviert bekomme.

    Ich möchte nicht? Was soll dieses weiche Verliererwort?

    Ich WILL das nicht!

    Ich will nicht jeden idiotischen Schritt von mir, egal ob in die richtige oder falsche Richtung aufgezeichnet wissen.

    Ich will nicht jeden Tastenanschlag am PC jemandem zur Auswertung überlassen. Ich will keine präventiven Analysen meiner Surfgewohnheiten, aus denen Psychoanalyseprogramme meine Gewaltbereitschaft und das subversive Potential ableiten können. Das würde nämlich über kurz oder lang, eine Art orwellscher Gedankenpolizei nach sich ziehen.




    Ach, hat schon?

    Na, eine Prophezeiung kann auch nachträglich erstellt werden.

    Ich will keine Beamten, die meine Texte auf Abweichungen von der Norm hin ausforschen.

    Ich will meine Lebensgeschichte nicht wie in Granit gemeißelt und für alle Ewigkeit abrufbar dokumentiert wissen - ich ändere sie selber häufig bis oft, damit sie auch zu meiner Vorstellung von mir passt. Einfache Formel: Wenn ich mich ändere, ändere ich auch meine Meinungen, besonders die über mich.

    Ja, ich habe was zu verbergen. Jede Menge! Da drinnen bildert es dauernd. Chaotisch und anarchistisch regelfrei (Gerne überfl?ssig, selten brauchbar im Sinne von ergebnisorientiert, oft abartig (Da spielen langstielige Äxte und jede Menge Blut im Supermarkt Hauptrollen) und was mir der Sexus an Schweinereien so zuflüstert darf ich hier gar nicht erwähnen, allein schon wegen den Kindern. Und meinem zuständigen Sachbearbeiter bei der NSA geht das auch nichts an!

    Wir Menschen brauchen Freiräume zum Entfalten, was immer das auch bedeuten mag. Permanente Beobachtung macht krank. Ich spüre schon die ersten Anzeichen.

    Ich will das nicht!

  3. #128
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    AW: Artifizielles Selbstverständnis

    Der deutsche Pantheismus wirkte charakterbildend auf die Deutschen. Deutscher Pantheismus müßte wie jeder Pantheismus zur Verneinung führen, zum Nihilismus, denn wenn Gott in allem ist, ist er nirgends, also ist Gott als Konstitutiv zu denken, besitzt aber keine (praktische) Bedeutung für den Menschen. Die Deutschen aber überhalfen dieser Logik etwas, konstruktive Dialektik. Mächtig gewaltig! Denn in jedem Nein schlummert doch noch ein Rest Ja. ergo: nennen wir das, was das totale Nein verhindert doch schlichtweg Pflicht. Und um die Pflicht behaupten zu können, muß sie kategorisch sein, nicht eben nur Teil des Verneinungsprozesses. So liegt die Pflicht (moralisch zu handeln) vor der Schwelle zur totalen Verneinung.


    Gerettet!

  4. #129
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Nur weil der Affe lesen und rechnen kann, ist er noch lange kein 'Mensch'!

    Wobei wir Menschen, die weder lesen noch rechnen können, auch gerne mal als Affen bezeichnen

  5. #130
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    "Leitkultur" ist schon vom Begriff her problematisch...klingt nach einem Handbuch, einer Bedienungsanleitung für Einwanderer und Asylanten. Für Asylsuchende reicht es schon aus wenn sie sich an unsere Gesetze halten, denn Asyl ist Schutz auf unbestimmte...aber begrenzte Zeit. 99% der seit September 2015 eingereisten Menschen nüssen laut unserer Verfassung wieder zurück in ihr Herkunftsland. Werden sie nicht zurückgeschickt (was in 95% der Fälle so sein wird), machen sich die Verantwortlichen strafbar. Merkel säße mit einem Bein schon im Knast, aber ich gehe davon aus...dass ein Untersuchungsausschuss nicht zustande kommt. Die FDP sitzt mit in der Regierung (eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus), die SPD wird keinen Ausschuss beantragen (mitgegangen mitgefangen) und die AfD wird für einen solchen Antrag keine Mehrheit bekommen (..aus Prinzip...weil es die AfD ist). Bleibt also nur, dass Frau Merkel freiwillig einem Untersuchungsausschuss zustimmt (was sie aber nicht macht...stattdessen auf das fehkende öffentliche Interesse verweist.

    Bleiben also die Einwanderer. Für den "klassischen" Einwanderer benötigen wir keine Leitkultur, denn der hat selbst ein großes Interesse daran nicht nur unter...sondern mit den Deutschen zu leben. Der Einwanderer nach kanadischem Vorbild hat die Wahl wohin er geht - entscheidet er sich für Deutschland, dann ist das eine bewusste und keine aus der Not geborene Entscheidung. Für einen Menschen dieser "Qualität" benötigen wir keinen Leitfaden. Der wird sich schon vor der Einwanderung mit unserem Land...mit unserer Kultur befassen und unsere Sprache lernen. Solche Leute lösen unser demokraphisches Problem. Jetzt, wo wir die Seuche im Haus haben, werden wir es noch schwerer haben solche Leute für uns zu gewinnen. Wer will denn schon in ein rückwärtsgewandtes Land einreisen, das von No-go-Areas durchzogen und Burka-Trägerinenn bevölkert wird?!

    Selbst wenn wir eine Leitkultur ins Gesetzbuch schreiben, den Afghanen, Marokkaner, Syrer, Iraker, Tunesier,Libanesen, Bulgaren, Rumänen...wird das nicht interessieren. Die wollen wissen wo und wie viel Geld es gibt...wo die Drogenumschlagsplätze zu finden sind und wo man sich Einbruchswerkzeug beschaffen kann.

    Einer meiner Geschäftspartner ist ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig...im Rahmen seinen Engagements in einer kleinen christlichen Organisation. Er betreut u.a. eine ostafrikanische Familie...Vater, Mutter und vier Kinder. Diese Familie bekommt monatlich Euro 4200.- welches Interesse sollten die an einer deutschen Leitkultur haben??? Das Geld fliesst doch auch so. Ist doch völlig naiv zu glauben ein Sudanese würde mit dem Rucksack durch die Weinberge spazieren, ein Museum besuchen oder bei der Freiwilligen Feuerwehr anheuern.
    Bei solchen Diskussionen merke ich immer wieder, dass die meisten noch nicht begriffen haben was in unserem Land gerade so abgeht....

  6. #131
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Tja, da ist mal wieder einer deiner genauen Zahlenangaben. Neulich fragte ich nach
    der Fahrradmarke, die du angegeben hattest: sie werde von deiner kleinen Universitätsstadt den Fremdlingen gestellt.

    Die Antwort eine Wischi-Waschi-Antwort zu nennen ist äußerst höflich. Bin in münchen ebenfalls in gutmenschlich-artiger Betreuung tätig. Würde mich sehr interessieren, ob es einen belastbaren Beleg für deine Angabe ...

    Ansonsten: wahrscheinlich gibt es eine ähnlich verpeilte-schluddrige-beklagenswerte Umgangsweise mit Informationen bei dir, wie sie Rüpel-Robert, der Meister der gepflegten Invektive, auf seinem schulfernen Pausenhof mitunter voller Inbrunst und Folkloreaffiziertheit pfleget.

    Tschau.

  7. #132
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Der Zusammenhang zwischen "Leitkultur" und Geld für Einwanderern sollte herausgearbeitet werden. Die Höhe der Summe ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, daß die gegenwärtige Regierung keinen Unterschied zwischen Deutschen und Einwanderern macht, eher sogar die Einwanderer präferiert. Wenn die Einwandererfamilie beispielsweise geltend machen kann, daß sie ihre Kinder in der örtlichen Schule nicht sicher weiß, weil dort zahlreiche Kinder feindlicher Stämme oder feindlicher Religionen pflichtgemäß unterrichtet werden, müßte diesen Kindern ein Schulaufenthalt anderswo finanziert werden, was dann nur an Privatschulen gesichert werden könnte und entsprechend kostet.
    Gehört das nicht auch zum Gutteil zu unserer Leitkultur, diese Bevorzugung all dessen, was wir nicht selber sind? Oder ist das in dem von mir genannten Szenarium nicht nur ein Akt der Gleichstellung, der allerdings von manch einem als Bevorzugung interpretiert wird? Und ist der Neid, den ich in den letzten drei Mitteilungen herauslas, nicht ebenfalls Bestandteil unserer Leitkultur?

  8. #133
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    @ Willi Wamser

    für München kann ich nicht sprechen - als gut informierter Bürger solltest Du aber wissen, dass es kommunale Unterschiede gibt.
    Ich hatte berichtet, dass man hier zur Fahrradspende seitens der Bürger aufrief. Diese Spenden reichten aber scheinbar nicht aus, zumal man nur einwandfreie...neuwertige Räder als Spende angenommen hatte. Man kann dem Flüchtling ja nicht zumuten einen Reifen aufzupumpen...oder eine Klingel zu reparieren. Warum die Gemeinde die Spenden ausgerechnet mit nagelneuen Cube-Rädern auffüllte...das weiß auch ich nicht-vielleicht bekamen sie die zum Sonderpreis...vielleicht hat sich der Hersteller oder ein Händler an der Spende beteiligt...keine Ahnung. Im Prinzip ist es ja auch egal...sofern man sich den Deutschen gegenüber ebenso so großzügig zeigt - und genau das ist eben nicht der Fall.

  9. #134
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Cool AW: Stichwort "Leitkultur"

    Der Händedruck sollte in Abgrenzung zu diesem unpersönlichen Umarmen bei Begrüßungen integraler Bestandteil eines Leitkulturleitfadens sein. Wer die Hand schütteln kann, der sollte Deutscher genannt werden! hic rhodos hic salta! - Ich gebe nicht jedem die Hand, ich Partielldeutscher, ich.

  10. #135
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Novalis beschrieb Deutschheit als Mischung aus Kosmopolitismus und kräftigster Individualität.

    Ich weiß nicht. So sehr ich meinen ostfälischen Landsmann auch verehre, aber ich begreife Individualität als Teilganzheitsartikulation, die kein superlatives Adjektiv benötigt. Daß mit dem romantischen Kosmopolitismus etwas anderes gemeint ist als das heute obwaltende Anationelle, will mir dagegen schon sehrlichst behagen.

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