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Thema: Stichwort "Leitkultur"

  1. #101
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Der Mitteldeutsche unterscheidet sich vom Norddeutschen und Süddeutschen unter anderem dadurch, daß er rezipiert. Im sprachlichen Sinne ist sein Gesagtes ein Singsang aus vielem. Vor allem die süddeutschen Gebiete verweigern sich der Neuaufnahme. Das Süddeutsche (Oberdeutsches) ist nichtausgelautet, ein geschlossenes Sprachsystem. Man sitzt in den Tälern oder auf der Höh und läßt alle Viere gerade sein. Man nimmt nichts auf und sieht sich nicht in der Lage, auch nicht vor die Notwendigkeit gestellt, sich dem Fremden zu öffnen. Das führt zu geistiger Trägheit und könnte erklären, warum die großen Denker der Deutschen nicht aus dem Süden stammen bzw. erst im mitteldeutschen Raum zur vollen Entfaltung kamen.

  2. #102
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ich rezipiere hier eine kognitive verzerrung des chefs der feinsten sorte und mir dünket er häbe da was offen, was ich mal glimpflich als gluteus maximus bezeichnen will...
    es wurde schon so mancher adler über den gipfeln kreisend rezipiert, genosse, auch wenn ich zugeben mag, daß das volk da unten in mancherlei hinsicht gar eigenartiges verhalten an den tag legt, weswegen ich den langen, beschwerlichen weg gen norden antrat...

    gruß, der schwabe

    (wurde hier nicht unlängst einem gewissen hölderlin die ehr... - hm, ich kann mich auch getäuscht haben... )

  3. #103
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ein mensch besitzt kultur, wenn er materiell und ideell die umwelt mit den ihm zur verfügung stehenden mitteln verändern kann, auf sie einwirken kann. ein land besitzt kultur, wenn es die ihm zur verfügung stehenden mittel benutzt, veränderungen herbeizuführen. diese gehen über verwaltungstechnische maßnahmen hinaus.
    klopapier ist keine kultur. einen park anzulegen dagegen schon.

  4. #104
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Leitkultur war gestern bei der Lesung von Ullrich Wickert (!) zu seinem neuen Buch "Gauner muß man Gauner nennen" ein Schlagwort...


    davon abgesehen war ich schwer beeindruckt von herrn wickert, ein toller mann, den ich schon weise nennen würde. vorrangig ging es um das thema werte und die sehnsucht danach in deutschland. als er dann auch noch über nationale identität sprach, war es um mich geschehen...


    ich werde mir mal einige vorlesungen bei ihm anhören, das buch werd ich mir im übrigen auch besorgen...

  5. #105
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    chaos ist leben nur den getriebenen, denen ohne ziel. das chaos bedarf eines ordnungswillens - dem sich das leben niemals unterwirft, aber das ist nicht der punkt -, darin findet der mensch sein glück und den sinn des lebens, im ordnungswillen. ordnungswille in der sprache, in der gedankenwelt und im sozialen sein. viele künstler schaffen das nicht und glorifizieren das chaos und schauen halb mitleidig, halb ohnmächtig und bösartig auf all jene, die sich eine ordnung geben wollen oder diese (meist auf niedrigem niveau) gefunden haben. und sie WISSEN, daß dichterdasein vor allem arbeit bedeutet, arbeit am wortwerk.
    ich habe mich so eingerichtet, daß ich einem brotberuf nachgehe, in dem ich größtmöglichen einfluß auf das seelenleben junger menschen gewinnen kann, größtmöglichen einfluß auf denken und fühlen nehme, lenke und weise. das wirkt auch auf mich zurück, diese verantwortung muß jeden tag neu errungen und bestätigt werden. ich arbeite daran, mit den menschen, die ich liebe, die meiste zeit zu verbringen; das ist manchmal nicht leicht und sehr anstrengend. von denen, die mich nur brauchen, die mich nur lenken oder die mich nur zum amüsement benutzen wollen, habe ich mich getrennt. sie bezeichneten amüsement und intriganz als leben, spaß und liebelei als glücksannäherung und dergleichen. und sie sahen in mir einen vermittler zwischen den welten. aber sie stahlen nur meine zeit, das ist kein leben, eines zwischen den stühlen ohne verantwortung und ohne liebe zu den nächsten.
    und dann sind da noch die bürgerlichen, so gar nicht bürgerlichen projekte, die mir sehr viel bedeuten, die wörterbücher, die übersetzungen und datenbanken, die arbeit am täglich neu entstandenen wort, die herausgabe eines nur von meiner muse abhängigen organs, das schreiben an texten über geschichte, dessen aufarbeitung unter dem gesichtspunkt unbedingter wahrhaftigkeit und dann auch noch das nie endbare projekt an den 1001 gestalten der weltgeschichte, deren wollen und deren begrenztheit. das sind so gar nicht bürgerliche arbeiten, sondern tief aus einer lebenswahrnehmung entstammende bedürfnisse, die ich verallgemeinern zu glauben hoffe.

    und daher heißt es auch 2008: voran! immer zu neuen ufern. aber das entdeckte bewahren.

  6. #106
    MehltauaufAsche
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    man muß das Chaos nicht ordnen, sondern es muss einem gelingen, eine Form daraus herauszustanzen. Mehr nicht. Und das ist Arbeit. Aber wer dem Manierismus verfallen ist, der kann nur in dem süßlichen Babybrei in seinem Hirn rühren. Das Chaos ist Lichtjahre entfernt. Selbst wenn er kotzen würde, wäre es noch leicht genießbare Kost.

  7. #107
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Ich könnte ja relativierend kommentieren, so in der Tonart: Es muss Chaoten und Ordentliche geben. Es liest sich aber wie ein festgefahrener Streit zwischen zwei Systemen, die Konsenssuche für Schwäche halten. So entstehen Kriege...

  8. #108
    MehltauaufAsche
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Eine Form heraus stanzen?
    Oh, Gott!
    Ist denn nicht schon genug gestanzt worden?
    Das Einzige, was weiter bringt:
    Die Menschen müssen menschlicher werden.
    Nur, wenn sie endlich einsehen, dass auch weniger viel ist,
    dass Leben ein Wunder ist,
    .......


    Es wird letztendlich nur auf freiwilliger Basis gehen.
    Auch Kommunismus von oben übergestülpt konnte nicht klappen.
    Wie vieles andere........

  9. #109
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Zitat Zitat von MehltauaufAsche
    man muß das Chaos nicht ordnen, sondern es muss einem gelingen, eine Form daraus herauszustanzen. Mehr nicht. Und das ist Arbeit. Aber wer dem Manierismus verfallen ist, der kann nur in dem süßlichen Babybrei in seinem Hirn rühren. Das Chaos ist Lichtjahre entfernt. Selbst wenn er kotzen würde, wäre es noch leicht genießbare Kost.
    ich sprach nicht davon, das chaos zu ordnen, sondern davon, daß das vorhandene chaos eines ordnungswillens bedarf. das ist ein großer unterschied. seine funktion liegt nicht darin, geordnet zu werden. nur idioten versuchen das. aber es gibt momente:

    da ist es notwendig, etwas zu retten, bevor es zugrundegeht. der begriff des manierismus wird immer im gegensatz zum purismus benutzt, zumeist von dogmatikern. Er ist eine art von generalnenner für alles, was sich nicht zuordnen läßt. ist schon witzig. da will eine chaos sein und bringt dann als angriffsmoment manierismus. manierismus ist zudem ein wenig ahistorisch, richtet sich gegen ein gefühl betonendes publikum, ist aber letztlich nur ausdruck eines irreligiösen, eines religiösen indifferentismus, wie er heute modern ist.
    all das trifft auf mich NICHT zu. ich gebe dem gefühl breiten raum, ich orientiere mich an den klassikern von homer bis schiller oder nietzsche, ich bin ein sehnsuchtssucher. all das hat mit manierismus so gar nichts zu tun, daß ich mich fragen muß, ob die schnöde und feige unbekannte hier ein wort ins gefecht warf und nicht darüber nachdachte. ich vermute die absicht, ein totschlagargument mit wenig substanz zu gebrauchen, ein abstractum aus dem hause kannstmichmal. das mit dem kotzen übergehe ich. es ist nur dämlich und ein wenig rassistisch, determinativ und so wenig freiheitslüstern.
    wenn sich jemand einen nick zulegt und dabei bleibt, ist das allemal ehrlicher, als sich jedes mal einen anderen nick zu geben, unregistriert zu bleiben und vielleicht noch dynamische ips zu benutzen. das nenne ich unehrlich und feige. ehrlich sind die, die unter ihrem namen oder einem festen nick schreiben. meinetwegen soll sich jeder mehrere nicks geben und mit identitäten spielen, das hat auch kurt tucholsky getan. unehrlich ist das nicht. aber das, was du hier machst, ist dämlich, feige und unehrlich. und abgesehen weiß ich, daß du deinen namen nicht nennen wirst, das wäre ja wie ein schritt heraus aus dem sicheren eckchen des heckenschützen.

  10. #110
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    das foto zeigt nur, was wir eigentlich jeden tag - und insofern ist hier nichts anonym, denn tägliche gegenwart schafft und setzt vertrauen - zu tun bemüht sind: junge stämmchen vor der entwurzelung schützen.


    und es tut mir leid, robert ist der künstler hier. schändlicherweise verrät er es zugunsten der stämmchen. aber ich denke, die müssten das zu ihrer eigenen orientierung auch sehen. also habe ich es hiermit einmal ausgesprochen. wer sonst.

  11. #111
    Michael S.
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Zitat: "junge stämmchen vor der entwurzelung schützen."


    Igittigitt! Das sind furchtbare Metaphern aus einer staubigen, uralten Pädagogikschachtel. Kinder/Schüler/Jugendliche sind keine Pflanzen, sondern Subjekte, die immer wieder aufs neue als (potentiell) Ganzes und Unikates zu sehen sind. Wenn wir an Pflanzen denken, kommen schnell Dünger, Anbinde-Stäbe, Gewitter und Sonne ins Spiel. Letzlich sind genau solche Bilder kindliche Schaumschlägerei.


    Zitat von aerolith: "ich für meinen teil habe mich so eingerichtet, daß ich einem brotberuf nachgehe, in dem ich größtmöglichen einfluß auf das seelenleben junger menschen gewinnen kann, größtmöglichen einfluß auf denken und fühlen nehme, lenke und weise. das wirkt auch auf mich zurück, diese verantwortung muß jeden tag neu errungen und bestätigt werden."


    Das ist ein sehr aufrichtiges Selbstbild, welches ich auch bewundere. Ich bin mir nur nicht sicher, ob aerolith in seiner Rolle als Lehrer Seelenleben, Denken und Fühlen positiv beeinflusst. Das mag sicher bei jedem Schüler unterschiedlich ausfallen. Und jedem kann man's sowieso nicht recht machen. Das ist aber nicht weiter traurig, oder?
    Ich habe von ihm sehr viel gelernt und bin bis heute von vielem, was er verkörpert, inspiriert worden.
    Allerdings hat mein Lehrer auch seine Schattenseiten in den Augen vieler, vieler Schüler, Lehrer und Eltern gehabt. Niemand hat so polarisiert wie er.
    Positiv wie negativ. Beispiele gehören wohl nicht hierhin.


    Ansonsten: Weiter so!

  12. #112
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    also einmal vorweg: chefchen da hast du ein pipifeines bildchen reingestellt! das hat mich schon beim ersten mal sehen heftig angeblasen.


    zur frage: stützen oder anhalten? klare antwort: anhalten, um nicht verblasen zu werden. warum? männliche intuition!




    -> er trägt hut. das weist ihn als vorsichtigen, ängstlichen menschen aus. der hat angst um sein leben, nicht um das leben eines baumes.


    -> er hat die hose aufgekrempelt. er will sich nicht naß machen. will nicht schmutzig werden. darum steht er auch nicht näher zum baum, nicht weil er ihn stützen möchte, sondern weil er sich nicht dreckig machen möchte. der will keine minute länger bei diesen unwirtlichen verhältnissen draussen bleiben.


    ist aber nur meine persönliche meinung!


    schnobs

  13. #113
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ein vorsichtiger, ängstlicher mensch hat paradoxerweise nie angst um sein leben, sondern höchstens um seinen hut, daß der wegfliegt.


    und wenn er sich schon in todesangst klammerte - wann bitte soll er sich dann die hosen aufgekrempelt haben?

  14. #114
    rodbertus
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    Exclamation AW: Stichwort "Leitkultur"

    das nenn ich großdeutsch denken:
    erstellt von DATEs, magdeburg

    frage: Sie sind Mitglied der academy und dürfen über die Vergabe des Oscars abstimmen. Sind Sie grundsätzlich immer für Deutschland?

    antwort: Sie haben mich durchschaut! Manchmal merkt man, daß der deutsche Film keine Chance hat. Dann stimme ich eben für Österreich. Und wenn ich merke, daß beide keine Chance haben, stimme ich eben für die Schweiz.
    Florian Henckel von Donnersmarck, der sich in Hollywood wie ein Spion fühlt

  15. #115
    rodbertus
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    Lightbulb AW: Stichwort "Leitkultur"

    uffm machteburjer marcht ist täglich "sah ein knab ein röslein stehen" als glockenspiel zu hören. ein ca. dreißigjähriger gemüseverkäufer sang es mit, während er seine rüben und mohrrüben sortierte. da dachte ich so für mich: so sind sie, die deutschen. grausame lieder von vergewaltigung und tod singen sie noch hunderte jahre nach ihrer entstehung mit schaurig-erfülltem herzen mit.

  16. #116
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    In Deutschland ist man dazu übergegangen, sich selbst als ein Land des Westens zu betrachten, ein Land, in dem die Grundrechte artifiziell dem Selbstverständnis der Menschen eingeboren sind. Vielleicht liegt in dieser Prämisse der entscheidende Fehler.

    tja, als geht der herr aero davon aus, dass es etwas wie eingeborenen/s gerechtigkeitssinn/moralbegriff/politikverständnis gibt?
    das ergäbe keinen sinn und schiene mir sehr vorsinflutlich...

  17. #117
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    nicht ewig, saul, sondern im historischen prozeß geworden. all das, was du in deinem leben erlebst, durchdenkst, durchgrübelst... wird in deinen genen gespeichert. zeugst du ein kind, werden diese informationen mit übertragen. lernen.
    das genau ist die crux mit den politischen entscheidungen, für die der einzelne nichts kann, die quasi über ihn entschieden werden. nun muß er sich mit den folgen dieser entscheidungen auseinandersetzen. in unserem falle bedeutet das, daß unser land in den westen eingegliedert wurde und nun diese wertvorstellungen eingeimpft bekam. inzwischen dürften sie in den genen angekommen sein, so daß jeder glaubt, sie gehörten zu seinem wesen. das aber, was wir bereits darüber dachten, liegt eine schicht tiefer und schwingt nur unterschwellig mit.
    das ist auch ein großer reichtum. ein volk, das viele politische systeme kannte, erfuhr, besitzt einen sehr viel größeren reichtum. fragt sich nur, ob es den nutzt. na ja, vielleicht ist das nicht mal die frage. nutzen oder nützlich sein, das sind breite trampelpfade, die das leben nicht schöner oder freier machen, nur weil die meisten sie gehen.

    vielleicht verstehst du es besser, wenn ich ein anderes beispiel nenne: das rad. stell dir vor, wir hätten das rad nicht. glaubst du nicht auch, daß wir jederzeit in der lage wären, es wieder neu zu erfinden? es dauerte allerdings jahrhunderte, bis unsere vorfahren es entwickelt hatten. doch einmal erfunden, ist das rad zum teil der menschheit geworden - amerika einmal lange ausgenommen, die kannten das nämlich nicht.
    wir kommen eben nicht als unbeschriebenes blatt auf die welt, sondern besitzen im augenblick der zeugung mitgelieferte informationen, die wir im laufe unseres lebens auswickeln, entwickeln, neu konfigurieren und dann mit neuen erfahrungen an unsere kinder weitergeben. unser hirn enthält so das wissen der altvorderen, aber es ist NICHT NUR eine matrix, die mit informationen gespickt ist.

  18. #118
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    das war mir jetzt leider nicht bewusst, dieser evolutionäre teil. aber jeder kennt ihn, natürlich! und ich halte ihn auch für wahr.
    was aber letztlich doch stört an deiner aussage, aero, ist, dass es nicht evolutionär, nicht in unseren genen verankert sein wird. denn ganz ehrlich bevor sich eine derartige, vielleicht detaillierte information in die gene festsetzt, müssen sich über jahrhunderte hinweg, wohlmöglich jahrtausende verschiedene strukturen von aminosäuren zusammenbauen und von generation zu generation weitergegeben werden.
    hinzu kommt das problem, dass viele ehen aus conträren charakteren bestehen, denn ganz ehrlich, bei zwangsheiraten war es doch zumeist zufall, und heutzutage wird die hälfte aller ehen geschieden, grund: verschiedene ansichten. und viele geschiedene ehen bringen kinder hervor; denn viele ehen entstehen erst aufgrund einer schwangerschaft.
    so sehe ich das; beweisen kann ich das natürlich nicht. aber es scheint mir sinnvoll in anbetracht der tatsache, dass der mensch ewig brauchte um auf dieser welt zu sein!
    aber ich bedenke auch grad, dass der mensch ein potenzierendes wesen besitzt, zumindest möchte ich seine entwicklung so betrachten.
    ich denke nach...

  19. #119
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    all das, was du in deinem leben erlebst, durchdenkst, durchgrübelst... wird in deinen genen gespeichert. zeugst du ein kind, werden diese informationen mit übertragen. lernen.
    da muss ich dich enttäuschen rodbertus lulatschus. so funzt das nicht und so würde ich das nicht weitergeben.

    das ist lamarckismus. und der war eine exotische blüte, die schon vor 200 jahren verwelkte.

    der transfer erworbener eigenschaften, das erlebte, erdachte, durchgrübelte erfolgt nicht durch gene. sondern durch überlieferung. an den lagerfeuern, in beiseln, saunakammern. im netz. in büchern.

    gene transportieren derartiges nicht. die haben andere botschaften zuzustellen.

  20. #120
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    aber schnobselchen, wie wäre denn die annahme zu erklären, dass das ERLERNEN von dingen den nächsten generationen anscheinend immer leichter fällt? ich denke, man könnte von einem memoryeffekt sprechen; denn ganz ehrlich: dass sich die methodik des unterrichtens stets verbessert möchte ich noch bezweifeln; ich verweise an dieser stelle mal auf einen gewissen martin wagenstein, dessen methodik ich als solche akzeptieren kann, die mich aber dennoch nicht umhaut. und sowas soll angeblich das maß der dinge sein, tz...


    nun, wer weiß das schon so genau, aber wir sind ja noch am sammeln von indizien

  21. #121
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Zitat Zitat von schnobs
    da muss ich dich enttäuschen rodbertus lulatschus. so funzt das nicht und so würde ich das nicht weitergeben.

    das ist lamarckismus. und der war eine exotische blüte, die schon vor 200 jahren verwelkte.

    der transfer erworbener eigenschaften, das erlebte, erdachte, durchgrübelte erfolgt nicht durch gene. sondern durch überlieferung. an den lagerfeuern, in beiseln, saunakammern. im netz. in büchern.

    gene transportieren derartiges nicht. die haben andere botschaften zuzustellen.
    allerdings funzt das in etwa so. es erklärt sich so der wissenszuwachs der menschheit, die evolution des menschen, die zwar seit schillers tod ein wenig ins stocken kam, aber prinzipiell funzt das genau so, daß wir in unserem hirn dinge speichern, die sich dann durch den steten gebrauch der aus dem erlernten folgenden taten in die gene bewegen, ganz langsam und über generationen hinweg betrachtet, was wir dann darüber unseren kindern weitergeben, die dann prompterweise nicht nur wie wir reden, sondern auch teile unserer fehler und vorzüge erben. nun bin ich KEIN vertreter deterministischer theorien, aber es ist diesen gläubigern zu konzedieren, daß wir nun einmal zu 60% konditioniert sind, mindestens, aber mit dem rest doch noch einiges anfangen können, so daß es mit der menschheit immer weitergeht. man vergißt auch was, manches verkümmert, aber es ist alles da, alles in den genen. ob man es will oder nicht.

    ich stimme dir aber zu, schnoberle, daß es nicht so einfach ist mit der übertragung von erfahrungen und erkenntnissen. das wäre ja auch zu schön - nein, es wäre schrecklich, wenn es so einfach wäre.

  22. #122
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    wundervolle gedanken heute nacht in einem buch vonchristoffel aus dem jahre 1929. schreibt über deutsche künstler, klassisch-romantische pathetiker. fand mich wieder. bin wohl eben so einer, ein pathetiker, ein anderes wort für spinner. grimm, bei aller deutschtümelei, nannte diese leute mit einem hang zur andacht des unbedeutenden behaftet.
    das ist es! nietzsche später formulierte es so, daß man sich zu den gräsern hinabbeugen müsse, um wirklich mensch in allen fasern zu sein. hölderlin das eins in allem, was lebt!

  23. #123
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    man sagt, wer als junger mensch kein kommunist sei, dem fehle es an gerechtigkeitssinn. weiters sagt man, daß man im alter weiser werde, gleichheitsutopien fallen lasse und ein gesundes maß an egoismus dazu führe, daß man konservativer, materieller usw. werde. wer dann noch kommunist sei, der sei dumm.

    nun, so will ich denn ein wenig dumm sein: nach jahren lese ich mal wieder in marx' schriften, u.a. "zur judenfrage" und "Kritik des hegelschen staatsrechts". beides jugendschriften, in denen er aber bereits seine grundlegenden gesellschaftstheoreme darstellt.

    und wenn ich dann lese, daß emanzipation dann gesamtgesellschaftlich gesichert sein könne, wenn sich das individuum zurücknehme, seine eigenen kräfte aber in den dienst gesamtgesellschaftlicher kräfte stelle und diese organisiere, dann glaube ich: der mann hat recht.
    als historiker ist mir auch nie deutlicher gewesen, daß die bürgerlichen revolutionen und ihre maßlos anmutende formulierung der menschenrechte eine art freibriefformulierung für das losgelassene bürgerliche besitzstandsstreben darstellte. die befreiung der menschen also vom feudalen joch nichts anderes war als die befreiung des erwerbstriebes, der sich als individualtrieb beschrieben bloß gegen andere richten kann/konnte und somit kein menschenrecht, sondern eine art besitzstandsegoistischer klasseninstinkt war, der die starken zusätzlich beschützt und gesamtgesellschaftlichen fortschritt als summe der entwicklung einzelner begreift, nicht aber die gesellschaft selbst voranbringen will.

    mit anderen worten: die bürgerliche gesellschaft ist egoistisch und somit nicht das, was man gutartig oder humanistisch nennen könnte. sie ist somit nicht das, was ich für mein artifizielles selbstverständnis als befriedigende lebensgrundlage anerkennen könnte.

  24. #124
    kls
    Laufkundschaft

    Ich will das nicht! Kritik an den Möglichkeiten.

    Sieht so aus, als ob das hier eine überflüssige Polemik wird. Sinnloses Genöle an Zuständen, die eh nicht zu ändern sind. Noch nicht mal ein echter Schrei der Verzweiflung.

    Es scheint ein Naturgesetz zu sein, wenn Menschen immer all das ausprobieren, was möglich erscheint, einfach nur aus dem Grund, weil es möglich erscheint: Mal sehen, was passiert, wenn wir diese zwei Drähte aneinander halten. (Diese rote Flüssigkeit mit der grünen dort zusammenbringen und ordentlich schütteln, den Schalter hier umlegen, an dem ein Schild befestigt ist: Wichtig! Auf keinen Fall diesen Schalter schalten. Auch nicht um heraus zu finden, warum nicht.)

    Es handelt sich dabei um eine bemerkenswerte Eigenschaft von uns Menschen und sichert den Fortschritt. (Fortschritt bedeutet meistens, dass die Dinge nun schneller passieren - deswegen halten sie dann auch nicht sehr lange)

    Ich möchte keinen intelligenten Chip in den Küchengeräten, die dem Hersteller Informationen über mein Userverhalten senden. Ich möchte nicht beim Telefonieren Anfälle von paranoidem Denken als selbstverständlich hinnehmen. Paranoides Denken vergiftet die Seele und ich lebe schließlich schon seit meiner Geburt mit dem Damoklesschwert der Atombombe. Angst vor Denen gehörte bei mir also zur Werksausstattung: Hoffentlich drückt keiner den falschen Knopf.

    Die Erfahrung allerdings zeigt, dass es durchaus Menschen gibt, die bereit sind, den falschen Knopf zu drücken, andere Menschen mit in ihren persönlichen Untergang zu reißen. Jetzt kommt Godwins Law zum Tragen: Zum Beispiel Hitler.

    Oder Leute, die einen erweiterten Suizid praktizieren und ihre gesamte Familie ausrotten

    Oder absichtliche Autobahnfalschfahrer. Selbstmordattentäte

    Im weit gefassten Sinn gehören auch Waffenhändler, Drogendealer, Zuhälter, Finanzjongleure und Machtmenschen ganz allgemein dazu

    Und im ganz weit gefassten Sinn sind wir alle durchaus bereit, unserem eigenen Wohlergehen das Befinden anderer zu opfern. (Besser Du den Blues als ich)

    Ich möchte keine Suchmaschine, die sich merkt, was mich mal interessierte und entsprechend sortiert, auf dass ich immer das Gleiche serviert bekomme.

    Ich möchte nicht? Was soll dieses weiche Verliererwort?

    Ich WILL das nicht!

    Ich will nicht jeden idiotischen Schritt von mir, egal ob in die richtige oder falsche Richtung aufgezeichnet wissen.

    Ich will nicht jeden Tastenanschlag am PC jemandem zur Auswertung überlassen. Ich will keine präventiven Analysen meiner Surfgewohnheiten, aus denen Psychoanalyseprogramme meine Gewaltbereitschaft und das subversive Potential ableiten können. Das würde nämlich über kurz oder lang, eine Art orwellscher Gedankenpolizei nach sich ziehen.




    Ach, hat schon?

    Na, eine Prophezeiung kann auch nachträglich erstellt werden.

    Ich will keine Beamten, die meine Texte auf Abweichungen von der Norm hin ausforschen.

    Ich will meine Lebensgeschichte nicht wie in Granit gemeißelt und für alle Ewigkeit abrufbar dokumentiert wissen - ich ändere sie selber häufig bis oft, damit sie auch zu meiner Vorstellung von mir passt. Einfache Formel: Wenn ich mich ändere, ändere ich auch meine Meinungen, besonders die über mich.

    Ja, ich habe was zu verbergen. Jede Menge! Da drinnen bildert es dauernd. Chaotisch und anarchistisch regelfrei (Gerne überfl?ssig, selten brauchbar im Sinne von ergebnisorientiert, oft abartig (Da spielen langstielige Äxte und jede Menge Blut im Supermarkt Hauptrollen) und was mir der Sexus an Schweinereien so zuflüstert darf ich hier gar nicht erwähnen, allein schon wegen den Kindern. Und meinem zuständigen Sachbearbeiter bei der NSA geht das auch nichts an!

    Wir Menschen brauchen Freiräume zum Entfalten, was immer das auch bedeuten mag. Permanente Beobachtung macht krank. Ich spüre schon die ersten Anzeichen.

    Ich will das nicht!

  25. #125
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    10

    AW: Artifizielles Selbstverständnis

    Der deutsche Pantheismus wirkte charakterbildend auf die Deutschen. Deutscher Pantheismus müßte wie jeder Pantheismus zur Verneinung führen, zum Nihilismus, denn wenn Gott in allem ist, ist er nirgends, also ist Gott als Konstitutiv zu denken, besitzt aber keine (praktische) Bedeutung für den Menschen. Die Deutschen aber überhalfen dieser Logik etwas, konstruktive Dialektik. Mächtig gewaltig! Denn in jedem Nein schlummert doch noch ein Rest Ja. ergo: nennen wir das, was das totale Nein verhindert doch schlichtweg Pflicht. Und um die Pflicht behaupten zu können, muß sie kategorisch sein, nicht eben nur Teil des Verneinungsprozesses. So liegt die Pflicht (moralisch zu handeln) vor der Schwelle zur totalen Verneinung.


    Gerettet!

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