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Thema: Stichwort "Leitkultur"

  1. #101
    Administrator
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    22

    Hegels Dialektik paßt

    Als ich jung war, vertiefte ich mich in Hegel und fand es alles gut und richtig, wenn auch ein wenig verquast ausgedrückt, was der gute preußische Staatsphilosoph so alles lehrte und apodiktierte. ja, meine Achtung stieg noch, als ich lernte, daß Hegel zwar gute Ansätze gehabt haben solle, aber doch erst durch Marx vom Kopf auf die Füße gestellt ward. Sie stieg weiter, als ich Marx kritisieren mußte, da mir seine Schematik als reichlich gewaltsam aufstieß und ich quasi über diese Negation Marxens wieder zu Hegel gelangte, von da zu Schelling und zu Kant, um dann noch weiter hinten die guten Griechen mehr als schätzen zu lernen. Es geht beim Philosophieren immer um Anfänge, um nichts weiter. Ein System ist der Tod des Philosophierens, das Prozeßhafte ist das Bessere. Einige Grundbegriffe, einige Grundüberlegungen, Kenntnis der Altvorderen, aber nicht deren Übernahme (auf keinerlei Art), nur Studium!

    Heute, so lächerlich das klingen mag, habe ich wieder etwas gelernt. Ich habe es aus einem Excerpt gelernt, das ich vor ca. 12 Jahren anfertigte, damals aber wohl zu pragmatisch auslegte.
    Es geht um den Vergleich zwischen Bachofen und Hegel. Bachofen, seines Zeichen nicht ausgemachter Philosoph, sondern eher Religionswissenschaftler zu nennen, vertrat die Auffassung, da? sich das männliche und weibliche Prinzip synthetisieren sollten, ein dithyrambischer Nachlaß fürs Ewigmenschliche, einst, Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen umfassend. Es sei die Aufgabe des Menschen, Widersprüche nicht auszumerzen, sondern in sich aufzuheben, Polaritäten seien nicht aufzuheben, aber sie seien in progressiver Dialektik einzutragen.
    Hegel dagegen mitsamt der paternalen Geschichtsmetaphysik kennt das nicht, sondern liefert bloß die Methode, eben die Dialektik.

    Das paßt.

  2. #102
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Hegels Dialektik paßt

    manchmal sagt einer dinge, die ihm in der gegebenen situation als wahrheit letzter schluß erscheinen, denjenigen aber, den es betreffen soll, nur treffen, nicht aber ihm den spiegel vors gesicht halten. manchmal ist das, was einer als wahr empfindet, nicht als unbedingt objektiv wahr zu bezeichnen, aber da es ihm in diesem augenblick so erscheint, muß davon ausgegangen werden, daß es wahr ist, zumnidest tendenziell.
    das problem ist beinahe schon gelöst, weil geschickt beschrieben: es entstehen mißverständnisse und daraus oft streit. der eine fühlt sich beleidigt oder beschimpft und zieht konsequenzen. der andere ist sich keiner schuld bewußt oder aber wollte bewußt treffen, weil er glaubt, daß sich dadurch etwas klären ließe. der eine ist ein menschenfreund, der andere ein menschenfeind. der eine glaubt, daß alles im menschen liegende entwickelt werden muß, der andere glaubt das nicht und haßt all jene, die nicht über dem mantel des feinliebseins schweben und regeln gesellschaftliche konvenienz beachten.

    ich gehöre zu denen, die die dinge beim namen nennen. ich gehöre zu denen, die beleidigt sind, wenn sie beleidigt werden. ich gehöre zu denen, die konsequent sind, vor allem im persönlichen bereich, und sich von denjenigen trennen, die nicht bereit sind, auf mich zuzugehen. ich selbst gehe selten auf jemanden zu. ich verlange es aber auch nicht. von mir nur dann, wenn ich das gefühl habe, daß ich wahr genommen werde. wenn ich dieses gefühl nicht habe, nützen auch kratzfüße nichts.

    ich nehme alles nur in allem. für die meisten beziehungen bedeutet das: schluß nach kurzer zeit.

    aber: ich kann nicht anders, denn sonst müßte ich mich ständig würgen. und wer will mich schon würgend?

  3. #103
    diesichdenwolffickte
    Status: ungeklärt

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Nicht bitter ist der Nachgeschmack, sondern fade. Das macht mich böse. Denn der Lenker....der Urteiler...war nie auch nur annähernd so gefühlsecht, wie selbst ein Präservativ aus den 30ern. Er kennt sich nicht und urteilt, er streitet, aber öffnet sich nicht, er ist unglaublich kleinlich, wie es der Osten manchmal ist, und besteht auf Gültigkeit. Absurd. Das Leben ist Chaos. Ich finde er sieht süß aus, aber das alleine reicht nicht für einen Lektor. Auch nich, wie viele Künstler, ein Fußballfan zu sein. Ein billel mehr muß da noch drauf

    es ist traurig, wenn das Glimmern und Sprühen unter Gerlehrsamkeit verrottet.
    Pfiud di God
    Wissen ist Ohnmacht, wenn man es nur konsequent genug betreibt. Lass den Staat in Dir los. Selle? Scheiß was drauf. Es geht um Wörter, die zusammen ein Gefühl erzeugen. Auch wenn die Radkappen scheppern und es schrammt und scheppert - und mal was nicht passt. Vergiss Deine Artigkeit vor der Bildung! Vergiss sie ganz. Du siehst aus wie ein Urmensch, also behandle die Worte auch so und nicht so artifiziell. Du hast Kraft, aber Du bist zu eng. Ich kenne Dich und habe dich beobachtet. Leider ist nicht viel passiert. Ein gemütliches Forum, moderate Moderatoren, und ein Robert der mal dreinhaut. Aber auch immer dem Bildungsbürgertum verhaftet.

  4. #104
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Der Mitteldeutsche unterscheidet sich vom Norddeutschen und Süddeutschen unter anderem dadurch, daß er rezipiert. Im sprachlichen Sinne ist sein Gesagtes ein Singsang aus vielem. Vor allem die süddeutschen Gebiete verweigern sich der Neuaufnahme. Das Süddeutsche (Oberdeutsches) ist nichtausgelautet, ein geschlossenes Sprachsystem. Man sitzt in den Tälern oder auf der Höh und läßt alle Viere gerade sein. Man nimmt nichts auf und sieht sich nicht in der Lage, auch nicht vor die Notwendigkeit gestellt, sich dem Fremden zu öffnen. Das führt zu geistiger Trägheit und könnte erklären, warum die großen Denker der Deutschen nicht aus dem Süden stammen bzw. erst im mitteldeutschen Raum zur vollen Entfaltung kamen.

  5. #105
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ich rezipiere hier eine kognitive verzerrung des chefs der feinsten sorte und mir dünket er häbe da was offen, was ich mal glimpflich als gluteus maximus bezeichnen will...
    es wurde schon so mancher adler über den gipfeln kreisend rezipiert, genosse, auch wenn ich zugeben mag, daß das volk da unten in mancherlei hinsicht gar eigenartiges verhalten an den tag legt, weswegen ich den langen, beschwerlichen weg gen norden antrat...

    gruß, der schwabe

    (wurde hier nicht unlängst einem gewissen hölderlin die ehr... - hm, ich kann mich auch getäuscht haben... )

  6. #106
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ein mensch besitzt kultur, wenn er materiell und ideell die umwelt mit den ihm zur verfügung stehenden mitteln verändern kann, auf sie einwirken kann. ein land besitzt kultur, wenn es die ihm zur verfügung stehenden mittel benutzt, veränderungen herbeizuführen. diese gehen über verwaltungstechnische maßnahmen hinaus.
    klopapier ist keine kultur. einen park anzulegen dagegen schon.

  7. #107
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Leitkultur war gestern bei der Lesung von Ullrich Wickert (!) zu seinem neuen Buch "Gauner muß man Gauner nennen" ein Schlagwort...


    davon abgesehen war ich schwer beeindruckt von herrn wickert, ein toller mann, den ich schon weise nennen würde. vorrangig ging es um das thema werte und die sehnsucht danach in deutschland. als er dann auch noch über nationale identität sprach, war es um mich geschehen...


    ich werde mir mal einige vorlesungen bei ihm anhören, das buch werd ich mir im übrigen auch besorgen...

  8. #108
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    chaos ist leben nur den getriebenen, denen ohne ziel. das chaos bedarf eines ordnungswillens - dem sich das leben niemals unterwirft, aber das ist nicht der punkt -, darin findet der mensch sein glück und den sinn des lebens, im ordnungswillen. ordnungswille in der sprache, in der gedankenwelt und im sozialen sein. viele künstler schaffen das nicht und glorifizieren das chaos und schauen halb mitleidig, halb ohnmächtig und bösartig auf all jene, die sich eine ordnung geben wollen oder diese (meist auf niedrigem niveau) gefunden haben. und sie WISSEN, daß dichterdasein vor allem arbeit bedeutet, arbeit am wortwerk.
    ich habe mich so eingerichtet, daß ich einem brotberuf nachgehe, in dem ich größtmöglichen einfluß auf das seelenleben junger menschen gewinnen kann, größtmöglichen einfluß auf denken und fühlen nehme, lenke und weise. das wirkt auch auf mich zurück, diese verantwortung muß jeden tag neu errungen und bestätigt werden. ich arbeite daran, mit den menschen, die ich liebe, die meiste zeit zu verbringen; das ist manchmal nicht leicht und sehr anstrengend. von denen, die mich nur brauchen, die mich nur lenken oder die mich nur zum amüsement benutzen wollen, habe ich mich getrennt. sie bezeichneten amüsement und intriganz als leben, spaß und liebelei als glücksannäherung und dergleichen. und sie sahen in mir einen vermittler zwischen den welten. aber sie stahlen nur meine zeit, das ist kein leben, eines zwischen den stühlen ohne verantwortung und ohne liebe zu den nächsten.
    und dann sind da noch die bürgerlichen, so gar nicht bürgerlichen projekte, die mir sehr viel bedeuten, die wörterbücher, die übersetzungen und datenbanken, die arbeit am täglich neu entstandenen wort, die herausgabe eines nur von meiner muse abhängigen organs, das schreiben an texten über geschichte, dessen aufarbeitung unter dem gesichtspunkt unbedingter wahrhaftigkeit und dann auch noch das nie endbare projekt an den 1001 gestalten der weltgeschichte, deren wollen und deren begrenztheit. das sind so gar nicht bürgerliche arbeiten, sondern tief aus einer lebenswahrnehmung entstammende bedürfnisse, die ich verallgemeinern zu glauben hoffe.

    und daher heißt es auch 2008: voran! immer zu neuen ufern. aber das entdeckte bewahren.

  9. #109
    MehltauaufAsche
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    man muß das Chaos nicht ordnen, sondern es muss einem gelingen, eine Form daraus herauszustanzen. Mehr nicht. Und das ist Arbeit. Aber wer dem Manierismus verfallen ist, der kann nur in dem süßlichen Babybrei in seinem Hirn rühren. Das Chaos ist Lichtjahre entfernt. Selbst wenn er kotzen würde, wäre es noch leicht genießbare Kost.

  10. #110
    kls
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Ich könnte ja relativierend kommentieren, so in der Tonart: Es muss Chaoten und Ordentliche geben. Es liest sich aber wie ein festgefahrener Streit zwischen zwei Systemen, die Konsenssuche für Schwäche halten. So entstehen Kriege...

  11. #111
    MehltauaufAsche
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Eine Form heraus stanzen?
    Oh, Gott!
    Ist denn nicht schon genug gestanzt worden?
    Das Einzige, was weiter bringt:
    Die Menschen müssen menschlicher werden.
    Nur, wenn sie endlich einsehen, dass auch weniger viel ist,
    dass Leben ein Wunder ist,
    .......


    Es wird letztendlich nur auf freiwilliger Basis gehen.
    Auch Kommunismus von oben übergestülpt konnte nicht klappen.
    Wie vieles andere........

  12. #112
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Zitat Zitat von MehltauaufAsche
    man muß das Chaos nicht ordnen, sondern es muss einem gelingen, eine Form daraus herauszustanzen. Mehr nicht. Und das ist Arbeit. Aber wer dem Manierismus verfallen ist, der kann nur in dem süßlichen Babybrei in seinem Hirn rühren. Das Chaos ist Lichtjahre entfernt. Selbst wenn er kotzen würde, wäre es noch leicht genießbare Kost.
    ich sprach nicht davon, das chaos zu ordnen, sondern davon, daß das vorhandene chaos eines ordnungswillens bedarf. das ist ein großer unterschied. seine funktion liegt nicht darin, geordnet zu werden. nur idioten versuchen das. aber es gibt momente:

    da ist es notwendig, etwas zu retten, bevor es zugrundegeht. der begriff des manierismus wird immer im gegensatz zum purismus benutzt, zumeist von dogmatikern. Er ist eine art von generalnenner für alles, was sich nicht zuordnen läßt. ist schon witzig. da will eine chaos sein und bringt dann als angriffsmoment manierismus. manierismus ist zudem ein wenig ahistorisch, richtet sich gegen ein gefühl betonendes publikum, ist aber letztlich nur ausdruck eines irreligiösen, eines religiösen indifferentismus, wie er heute modern ist.
    all das trifft auf mich NICHT zu. ich gebe dem gefühl breiten raum, ich orientiere mich an den klassikern von homer bis schiller oder nietzsche, ich bin ein sehnsuchtssucher. all das hat mit manierismus so gar nichts zu tun, daß ich mich fragen muß, ob die schnöde und feige unbekannte hier ein wort ins gefecht warf und nicht darüber nachdachte. ich vermute die absicht, ein totschlagargument mit wenig substanz zu gebrauchen, ein abstractum aus dem hause kannstmichmal. das mit dem kotzen übergehe ich. es ist nur dämlich und ein wenig rassistisch, determinativ und so wenig freiheitslüstern.
    wenn sich jemand einen nick zulegt und dabei bleibt, ist das allemal ehrlicher, als sich jedes mal einen anderen nick zu geben, unregistriert zu bleiben und vielleicht noch dynamische ips zu benutzen. das nenne ich unehrlich und feige. ehrlich sind die, die unter ihrem namen oder einem festen nick schreiben. meinetwegen soll sich jeder mehrere nicks geben und mit identitäten spielen, das hat auch kurt tucholsky getan. unehrlich ist das nicht. aber das, was du hier machst, ist dämlich, feige und unehrlich. und abgesehen weiß ich, daß du deinen namen nicht nennen wirst, das wäre ja wie ein schritt heraus aus dem sicheren eckchen des heckenschützen.

  13. #113
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    das foto zeigt nur, was wir eigentlich jeden tag - und insofern ist hier nichts anonym, denn tägliche gegenwart schafft und setzt vertrauen - zu tun bemüht sind: junge stämmchen vor der entwurzelung schützen.


    und es tut mir leid, robert ist der künstler hier. schändlicherweise verrät er es zugunsten der stämmchen. aber ich denke, die müssten das zu ihrer eigenen orientierung auch sehen. also habe ich es hiermit einmal ausgesprochen. wer sonst.

  14. #114
    Michael S.
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Zitat: "junge stämmchen vor der entwurzelung schützen."


    Igittigitt! Das sind furchtbare Metaphern aus einer staubigen, uralten Pädagogikschachtel. Kinder/Schüler/Jugendliche sind keine Pflanzen, sondern Subjekte, die immer wieder aufs neue als (potentiell) Ganzes und Unikates zu sehen sind. Wenn wir an Pflanzen denken, kommen schnell Dünger, Anbinde-Stäbe, Gewitter und Sonne ins Spiel. Letzlich sind genau solche Bilder kindliche Schaumschlägerei.


    Zitat von aerolith: "ich für meinen teil habe mich so eingerichtet, daß ich einem brotberuf nachgehe, in dem ich größtmöglichen einfluß auf das seelenleben junger menschen gewinnen kann, größtmöglichen einfluß auf denken und fühlen nehme, lenke und weise. das wirkt auch auf mich zurück, diese verantwortung muß jeden tag neu errungen und bestätigt werden."


    Das ist ein sehr aufrichtiges Selbstbild, welches ich auch bewundere. Ich bin mir nur nicht sicher, ob aerolith in seiner Rolle als Lehrer Seelenleben, Denken und Fühlen positiv beeinflusst. Das mag sicher bei jedem Schüler unterschiedlich ausfallen. Und jedem kann man's sowieso nicht recht machen. Das ist aber nicht weiter traurig, oder?
    Ich habe von ihm sehr viel gelernt und bin bis heute von vielem, was er verkörpert, inspiriert worden.
    Allerdings hat mein Lehrer auch seine Schattenseiten in den Augen vieler, vieler Schüler, Lehrer und Eltern gehabt. Niemand hat so polarisiert wie er.
    Positiv wie negativ. Beispiele gehören wohl nicht hierhin.


    Ansonsten: Weiter so!

  15. #115
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    also einmal vorweg: chefchen da hast du ein pipifeines bildchen reingestellt! das hat mich schon beim ersten mal sehen heftig angeblasen.


    zur frage: stützen oder anhalten? klare antwort: anhalten, um nicht verblasen zu werden. warum? männliche intuition!




    -> er trägt hut. das weist ihn als vorsichtigen, ängstlichen menschen aus. der hat angst um sein leben, nicht um das leben eines baumes.


    -> er hat die hose aufgekrempelt. er will sich nicht naß machen. will nicht schmutzig werden. darum steht er auch nicht näher zum baum, nicht weil er ihn stützen möchte, sondern weil er sich nicht dreckig machen möchte. der will keine minute länger bei diesen unwirtlichen verhältnissen draussen bleiben.


    ist aber nur meine persönliche meinung!


    schnobs

  16. #116
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    ein vorsichtiger, ängstlicher mensch hat paradoxerweise nie angst um sein leben, sondern höchstens um seinen hut, daß der wegfliegt.


    und wenn er sich schon in todesangst klammerte - wann bitte soll er sich dann die hosen aufgekrempelt haben?

  17. #117
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Exclamation AW: Stichwort "Leitkultur"

    das nenn ich großdeutsch denken:
    erstellt von DATEs, magdeburg

    frage: Sie sind Mitglied der academy und dürfen über die Vergabe des Oscars abstimmen. Sind Sie grundsätzlich immer für Deutschland?

    antwort: Sie haben mich durchschaut! Manchmal merkt man, daß der deutsche Film keine Chance hat. Dann stimme ich eben für Österreich. Und wenn ich merke, daß beide keine Chance haben, stimme ich eben für die Schweiz.
    Florian Henckel von Donnersmarck, der sich in Hollywood wie ein Spion fühlt

  18. #118
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Lightbulb AW: Stichwort "Leitkultur"

    uffm machteburjer marcht ist täglich "sah ein knab ein röslein stehen" als glockenspiel zu hören. ein ca. dreißigjähriger gemüseverkäufer sang es mit, während er seine rüben und mohrrüben sortierte. da dachte ich so für mich: so sind sie, die deutschen. grausame lieder von vergewaltigung und tod singen sie noch hunderte jahre nach ihrer entstehung mit schaurig-erfülltem herzen mit.

  19. #119
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    In Deutschland ist man dazu übergegangen, sich selbst als ein Land des Westens zu betrachten, ein Land, in dem die Grundrechte artifiziell dem Selbstverständnis der Menschen eingeboren sind. Vielleicht liegt in dieser Prämisse der entscheidende Fehler.

    tja, als geht der herr aero davon aus, dass es etwas wie eingeborenen/s gerechtigkeitssinn/moralbegriff/politikverständnis gibt?
    das ergäbe keinen sinn und schiene mir sehr vorsinflutlich...

  20. #120
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    nicht ewig, saul, sondern im historischen prozeß geworden. all das, was du in deinem leben erlebst, durchdenkst, durchgrübelst... wird in deinen genen gespeichert. zeugst du ein kind, werden diese informationen mit übertragen. lernen.
    das genau ist die crux mit den politischen entscheidungen, für die der einzelne nichts kann, die quasi über ihn entschieden werden. nun muß er sich mit den folgen dieser entscheidungen auseinandersetzen. in unserem falle bedeutet das, daß unser land in den westen eingegliedert wurde und nun diese wertvorstellungen eingeimpft bekam. inzwischen dürften sie in den genen angekommen sein, so daß jeder glaubt, sie gehörten zu seinem wesen. das aber, was wir bereits darüber dachten, liegt eine schicht tiefer und schwingt nur unterschwellig mit.
    das ist auch ein großer reichtum. ein volk, das viele politische systeme kannte, erfuhr, besitzt einen sehr viel größeren reichtum. fragt sich nur, ob es den nutzt. na ja, vielleicht ist das nicht mal die frage. nutzen oder nützlich sein, das sind breite trampelpfade, die das leben nicht schöner oder freier machen, nur weil die meisten sie gehen.

    vielleicht verstehst du es besser, wenn ich ein anderes beispiel nenne: das rad. stell dir vor, wir hätten das rad nicht. glaubst du nicht auch, daß wir jederzeit in der lage wären, es wieder neu zu erfinden? es dauerte allerdings jahrhunderte, bis unsere vorfahren es entwickelt hatten. doch einmal erfunden, ist das rad zum teil der menschheit geworden - amerika einmal lange ausgenommen, die kannten das nämlich nicht.
    wir kommen eben nicht als unbeschriebenes blatt auf die welt, sondern besitzen im augenblick der zeugung mitgelieferte informationen, die wir im laufe unseres lebens auswickeln, entwickeln, neu konfigurieren und dann mit neuen erfahrungen an unsere kinder weitergeben. unser hirn enthält so das wissen der altvorderen, aber es ist NICHT NUR eine matrix, die mit informationen gespickt ist.

  21. #121
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    das war mir jetzt leider nicht bewusst, dieser evolutionäre teil. aber jeder kennt ihn, natürlich! und ich halte ihn auch für wahr.
    was aber letztlich doch stört an deiner aussage, aero, ist, dass es nicht evolutionär, nicht in unseren genen verankert sein wird. denn ganz ehrlich bevor sich eine derartige, vielleicht detaillierte information in die gene festsetzt, müssen sich über jahrhunderte hinweg, wohlmöglich jahrtausende verschiedene strukturen von aminosäuren zusammenbauen und von generation zu generation weitergegeben werden.
    hinzu kommt das problem, dass viele ehen aus conträren charakteren bestehen, denn ganz ehrlich, bei zwangsheiraten war es doch zumeist zufall, und heutzutage wird die hälfte aller ehen geschieden, grund: verschiedene ansichten. und viele geschiedene ehen bringen kinder hervor; denn viele ehen entstehen erst aufgrund einer schwangerschaft.
    so sehe ich das; beweisen kann ich das natürlich nicht. aber es scheint mir sinnvoll in anbetracht der tatsache, dass der mensch ewig brauchte um auf dieser welt zu sein!
    aber ich bedenke auch grad, dass der mensch ein potenzierendes wesen besitzt, zumindest möchte ich seine entwicklung so betrachten.
    ich denke nach...

  22. #122
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    all das, was du in deinem leben erlebst, durchdenkst, durchgrübelst... wird in deinen genen gespeichert. zeugst du ein kind, werden diese informationen mit übertragen. lernen.
    da muss ich dich enttäuschen rodbertus lulatschus. so funzt das nicht und so würde ich das nicht weitergeben.

    das ist lamarckismus. und der war eine exotische blüte, die schon vor 200 jahren verwelkte.

    der transfer erworbener eigenschaften, das erlebte, erdachte, durchgrübelte erfolgt nicht durch gene. sondern durch überlieferung. an den lagerfeuern, in beiseln, saunakammern. im netz. in büchern.

    gene transportieren derartiges nicht. die haben andere botschaften zuzustellen.

  23. #123
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    aber schnobselchen, wie wäre denn die annahme zu erklären, dass das ERLERNEN von dingen den nächsten generationen anscheinend immer leichter fällt? ich denke, man könnte von einem memoryeffekt sprechen; denn ganz ehrlich: dass sich die methodik des unterrichtens stets verbessert möchte ich noch bezweifeln; ich verweise an dieser stelle mal auf einen gewissen martin wagenstein, dessen methodik ich als solche akzeptieren kann, die mich aber dennoch nicht umhaut. und sowas soll angeblich das maß der dinge sein, tz...


    nun, wer weiß das schon so genau, aber wir sind ja noch am sammeln von indizien

  24. #124
    rodbertus
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    AW: Stichwort "Leitkultur"

    Zitat Zitat von schnobs
    da muss ich dich enttäuschen rodbertus lulatschus. so funzt das nicht und so würde ich das nicht weitergeben.

    das ist lamarckismus. und der war eine exotische blüte, die schon vor 200 jahren verwelkte.

    der transfer erworbener eigenschaften, das erlebte, erdachte, durchgrübelte erfolgt nicht durch gene. sondern durch überlieferung. an den lagerfeuern, in beiseln, saunakammern. im netz. in büchern.

    gene transportieren derartiges nicht. die haben andere botschaften zuzustellen.
    allerdings funzt das in etwa so. es erklärt sich so der wissenszuwachs der menschheit, die evolution des menschen, die zwar seit schillers tod ein wenig ins stocken kam, aber prinzipiell funzt das genau so, daß wir in unserem hirn dinge speichern, die sich dann durch den steten gebrauch der aus dem erlernten folgenden taten in die gene bewegen, ganz langsam und über generationen hinweg betrachtet, was wir dann darüber unseren kindern weitergeben, die dann prompterweise nicht nur wie wir reden, sondern auch teile unserer fehler und vorzüge erben. nun bin ich KEIN vertreter deterministischer theorien, aber es ist diesen gläubigern zu konzedieren, daß wir nun einmal zu 60% konditioniert sind, mindestens, aber mit dem rest doch noch einiges anfangen können, so daß es mit der menschheit immer weitergeht. man vergißt auch was, manches verkümmert, aber es ist alles da, alles in den genen. ob man es will oder nicht.

    ich stimme dir aber zu, schnoberle, daß es nicht so einfach ist mit der übertragung von erfahrungen und erkenntnissen. das wäre ja auch zu schön - nein, es wäre schrecklich, wenn es so einfach wäre.

  25. #125
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Stichwort "Leitkultur"

    wundervolle gedanken heute nacht in einem buch vonchristoffel aus dem jahre 1929. schreibt über deutsche künstler, klassisch-romantische pathetiker. fand mich wieder. bin wohl eben so einer, ein pathetiker, ein anderes wort für spinner. grimm, bei aller deutschtümelei, nannte diese leute mit einem hang zur andacht des unbedeutenden behaftet.
    das ist es! nietzsche später formulierte es so, daß man sich zu den gräsern hinabbeugen müsse, um wirklich mensch in allen fasern zu sein. hölderlin das eins in allem, was lebt!

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