Der Maler A.C. Hartmann hatte nur ein Thema: Er malte die Angst. Er porträtierte sie in allen nur erdenklichen Gestalten, malte sie konkret und abstrakt, in Öl und Aquarell, und er zeichnete sie in Kohle, wenn er auf der Suche nach neuen, nie vorgestellten Posen war. Eines Tages malte er ein Aktbild von ihr, das nannte er "Nackte Angst".
Das ist sein Meisterwerk, sagten die Leute, denn in ihrer Nacktheit zeigte sich die Angst so vielgestaltig, daß jeder - aber auch jeder! - sich selbst darin erkennen konnte. Einige Kritiker nörgelten allerdings, daß ihm kein originellerer Titel eingefallen wäre. Der Titel ist egal, erwiderte Hartmann, es geht nur um die Angst.
Tags darauf starb er. Man suchte in seinem Nachlaß, doch die "Nackte Angst" blieb unauffindbar. Irgendwie mußte es ihm gelungen sein, sie mitzunehmen.