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Thema: Windnacht

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Windnacht

    windnacht
    der wind ist dein hohes lied
    er fegt durch das tal nachts
    zerrt an fernen bäumen
    klagt an mauer und kamin
    das haus baufällig
    seit dem letzten sturm
    der garten verwüstet
    mein glauben ein stein im mund
    ich höre dich, o herr!
    du bist mein verhängnis
    und mein trost
    an windstillen tagen
    sehne ich mich
    nach solchen worten

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Windnacht

    Schön. Nur ein kleiner formaler Fehler: Es fehlt die einfache Antinomie, die Zwei. Bitte nachreichen.

  3. #3
    Pasquale
    Status: ungeklärt

    AW: Windnacht

    Hallo Miranda
    Das hat ja fast etwas von einem Gebet. Vielleicht liegt es an dem Satz "Ich höre dich, o herr." Es erinnert mich auch ein wenig an Paul Celan. Kann das sein?

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Windnacht

    Ein Psalm, ein Hohes Lied. Mutig. Der Ton ist schön - wenn/weil auch Celan mitschwingt, aber dem war es nicht tröstlich, er schrieb:


    "Bete, Herr.
    Wir sind nah."


    und schrieb von den "weissen Kieseln im Mund", den "Bogengebeten".


    Schön, wollt' es wär von mir.


    Gruß
    Lester

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Windnacht

    wunderschön, miranda!
    mehr kann ich nicht dazu sagen. ist auch gar nicht notwendig.

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Windnacht

    Danke für Eure Kommentare!
    Pasquale, Lester: Daß Paul Celan mitschwingt, war keine (bewußte) Absicht von mir, ehrlich. Glaubt's Ihr mir?
    Robert: meinem Empfinden nach sind die Zwei doch präsent...
    Lester: 'Schön, wollt' es wär von mir.' Das ist aber ein sehr hohes Lob, Lester, weißt Du das?
    Strega:

    Liebe Grüße,
    Miranda

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Windnacht

    Nach dem zweiten Lesen: es hakt. In der zweiten Strophe geht es schon los:
    Die erste Strophe wird von schön gesetzten Antinomien getragen. Passend dazu die Vierzahl, denn die ist die kleine Vollkommenheit. Die zweite Strophe dann mit der Drei: Die aber ist unvollkommen, die erste absolute Unvollkommenheit, jetzt läßt sich ein Vermitteln bewerkstelligen, ein Austausch aus der Zwei in die drei, also aus einer bewußt gesetzten Verneinung müßte ein Rest gerettet werden, der sich dann im dritten Teil, sprich einer Zwei wieder thematisiert/thematisieren läßt/ließe. Statt dessen: eine Aufzählung. Da steht nur ein Hauptsatz, dem etwas anheimgestellt wird, eine Ergänzung. Also kippst Du hier die in Eins (Vier) angezeigte Struktur. Und dann: Wieder ein vollkommener Bruch, denn statt jetzt wenigstens diesen Bruch (Stein- oder Sturmbruch) zu thematisieren, setzt Du ein Fanal des Verlustes, des Stein gewordenenen Verlustes, unhinterfragt. Und das ist es, was fehlt: der Verlust des Hinterfragens. Statt dessen: Kontastation. Und weiter: ein beinahe hysterisch zu nennender Interjekt in Form eines Wortes, aus dem Weisheit sprechen soll. Meinetwegen, dann thematisiere dies.


    Nein, Miranda, dies sind nur Wortfetzen, schöne und sich im Munde so gar nicht verlierende Worte, aber sie finden keinen Sinnzusammenhang, nur Assoziationen, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe. Ein bißchen aber mußt Du mir schon helfen, mir als Leser, damit ich nicht nur am Wort Gefallen finde, sondern auch an dem, was es tragen soll.

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Windnacht

    "mein glauben ein stein im mund"


    schön, diese kehre. (jedenfalls empfinde ich den satz als solche).
    irgendwie stört mich in diesem gedicht die kleinschreibung. da sollte es zB wirklich heissen "mein Glauben" - finde ich. wäre besser fürs verständnis.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Windnacht

    liebes miranda,


    es geht doch.
    500% mehr substanz als der griechenlandschinken.
    schöne bilder, gekonnte takte.
    - gib mehr davon, gib mir mehr davon.
    etwas mehr als vorher das vertrag ich schon-


    mfg


    sp

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Windnacht

    Liebe Miranda,

    das haus baufällig
    seit dem letzten sturm
    der garten verwüstet

    .. das Bild ist mir zu bekannt. Da gleitet es ab.- Aber sonst

    Liebe Grüße,

    it

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Windnacht

    mag psalmen sehr, und gerade die zurückgenommenen, vorsichtigen....abgleitenden. wovon gleiten wir ab? vom chargieren...hin zu dem essenziellen
    miranda: bin dein fan

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Windnacht

    Ed.:
    erste these: so früh am morgen? ich muß ein bißchen mehr ausschlafen, dann wenigstens drei große tassen kaffee trinken und sieben zigaretten rauchen, bevor ich in der lage bin, so herumzuschlagen...

    zweite these: wortfetzen? nur assoziationen? kein sinnzusammenhang? ich frage: was steht mir zur verfügung außer wortfetzen? wortfetzen, die ihre assoziationen in sich tragen, die in ihrer gesamtheit zum gedicht werden? und ist der 'sinn' nicht in der wechselwirkungen der assoziationen der wortfetzen getragen? schließlich ist das hier keine 'gedankenlyrik'. ich denke, ich darf als autorin vom leser erwarten, daß er 'mitarbeitet', sich mühe gibt, seine assoziationen in die wortfetzen einzubringen, um das gedicht vollkommen zu machen in unserem zwiegespräch. er soll es auf keinen fall zu leicht haben, weil er anspruchsvoll ist und die herausforderung genießt.

    dritte these: du hast recht

    danke für deinen ausführlichen kommentar

    iodin: wenn 'glauben' großgeschrieben wäre, dann müßte durchgehend großgeschrieben werden, und das will ich nicht. wie wäre es besser für das verständnis?


    liebes gehlen,
    es kommt mehr, es kommt mehr. gehen wir auf 501%?

    it: schön wär's, wenn jedes bild überraschen würde

    zweite version: ist zuviel gesagt?


    windnacht


    der wind ist dein hohes lied
    er fegt durch das tal nachts
    zerrt an fernen bäumen
    klagt an mauer und kamin


    ich höre dich, o herr!


    ich habe an dich geglaubt
    an liebe
    habe ich geglaubt
    für sie meine träume
    verkauft
    du hast mich verraten
    mit schönen worten


    du hast das haus gebaut
    und stein für stein
    zerbröckelt
    den garten zum blühen gebracht
    und baum für baum
    rose für rose
    verwüstet


    mein glauben ein letzter stein im mund
    geschluckt
    flüssige glühende wut im eingeweide


    du wütest im wind


    ich höre dich nicht


    im nachlassen des windes
    an windstillen tagen
    sehne ich mich doch
    nach solchen worten




    liebe grüße,
    miranda

  13. #13
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Windnacht

    muss das nicht "glaube" heissen, wenn das religiöse glauben gemeint ist?


    ich hab ein bisschen rumgespielt mit dem gedicht - und jetzt hab ich es ziemlich umgekrempelt. schlag mich nicht, miranda! ist ja nur ein vorschlag.


    ich höre dich, o Herr!
    der wind ist dein hohes lied;
    er fegt durch das tal nachts
    klagt an mauern.
    mein haus baufällig
    seit dem letzten sturm;
    mein glaube: ein letzter
    stein im mund.
    du hast mich verraten,
    das haus gebaut
    und stein für stein zerstört
    doch an windstillen tagen
    sehne ich mich
    nach solchen worten.




    Aber ich glau, jetzt ist es schon fast zu "logisch" geworden, und auch die 3. strophe will mir nicht so zusagen. was meint ihr?

  14. #14
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Windnacht

    iodins Version ist kompakter. Miranda, paß mir bloß auf, daß Du Dich nicht im Sichsträuben verlierst! Da seh ich eine Gefahr. Kleine und zartgesponnene Miniaturen, die aber dann zupacken, darin liegt Deine schreibende Zukunft. Die Beschreibungen betrachten wir mal als Fingerübungen. Also, ein Aspekt des Willens wird gegen den des Unüblichen ausgespielt, siegen sollte das Übliche.

  15. #15
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Windnacht

    hallo iodin!
    danke für deine mitarbeit an meinem gedicht. ganz lieb von dir. ich bastele auch weiter...
    glaube/glauben: für mich handelt es sich an erster linie nicht so sehr (nur) um den 'glauben' (der glaube) im religiösen sinne sondern (auch) um den akt des glaubens, um das glaubenkönnen überhaupt. deswegen wählte ich das gerundium.

    ed.: 'kleine, zartgesponnene miniaturen".....? hm. kann gut sein.
    (schon nominiert in 'tautologien')

    liebe grüße
    miranda

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Windnacht

    liebes miranda,


    bitte nicht hauen.
    aber das ist exkrementöse kacke.
    sondermüll schröderscher prägung, gleichwohl
    mülleimerunkaputtbar.


    nicht weinen.


    papa kotzt auch täglich.


    hatte die ehre.


    sp

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Windnacht

    ...ich muß hier mal den Liftboy machen...


    das ding geht mir seit tagen nicht aus dem kopf, was kann ein text mehr bewirken...o aufklärung, ja ja, ich weiß, aber eigentlich sind wir alle nur naseweise und schelmenpack..


    lester,
    *träumenderweiseindenschneefallblickend*

  18. #18
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Windnacht

    Gute Ordnerpflege. Abschnitte der Entstehung, aber der Text bleibt dem Geiste nach annehmlich, der Durchführung nach kann er es nicht sein. Es hakt, weil nur angetippte Gedanken nicht die Denkprobe aushalten.


    Und, Leicester, weil es eben hakt, bleibt es auch im Gedächtnis, wenn es dort etwas antrifft. Das muß nicht für die Kunst sprechen, die der Künstler auszeichnet, nachhaltig zu wirken.
    Kennst Du Ohrwürmer?

  19. #19
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Windnacht

    ..und erinnere mich - nach auf den Tag 2 Jahren - an dieses Gedicht. Was denn, Robert, ist denn 'Kunscht'? Mich hat dieser Text bewegt, wie vorhin das Gedicht von Hannemann. 'Ohrwurm'?, mag sein, aber soll ich etwas nicht mögen, weil ich es mag??

  20. #20
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Windnacht

    Das ist in der Tat eine interessante Frage, Leicester, ob ein Ohrwurm schon Kunst ist. Ich sage, ja, ohngezweifelt. Ich sage, nein, wenn das Primitive im Menschen angesprochen wird, die eben auch eine künstlerisch-oberflächliche Ebene bedient und so keineswegs Kunst, sondern vielmehr Triviales bedient und fördert.

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