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Thema: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

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  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Ein Auszug, wie gesagt. Also weder Sinn noch Pointe.

    it


    Die Brutalität dieses Augenblicks war ihm schon seit langem bewußt. Ein willkürliches Aufeinanderprallen zweier Energien, unausweichbar in Gang gesetzt in dem unschuldigen Moment, in dem er den Schlüssel ins Schloß steckte.
    Er hatte sich eingehend mit diesem Problem beschäftigt. Ganze Spalten seines Notizbuchs waren gefüllt mit seiner eckigen Handschrift, mit der er in seinen Arbeitspausen Ideen, Entwürfe und Baupläne eintrug.
    Seit neuestem war er dazu übergegangen, sich mit seinen Ärmeln zu beschäftigten, während er ihr gleichzeitig die Wange zum Kuß hinstreckte.
    "Hallo Schatz!" Während er seinen Ellbogen hochgereckt aus dem Ärmel befreite, ihr Kuß traf ihn nur flüchtig in einem Winkel von fünfundsiebzig Grad.
    Besonders wenn es kalt war und die Handschuhe, die er in der linken Hand trug - die Aktentasche in der Rechten - wenn die Handschuhe sich also im Innenfutter verfingen und es mit nach oben zogen, verschaffte ihm dieses Manöver wertvolle Zeit.
    "Liebling." Er musterte sie vorsichtig, verglich ihre Gestalt mit der Erinnerung, die er am Morgen mit sich genommen hatte. Jedes Detail bekam in diesem Augenblick eine schicksalhafte Bedeutung und wollte beachtet sein.
    Die gleiche Frisur, das gleiche Kleid, keine Kommentare seinerseits erwartet oder erwünscht, und er fühlte, wie sich sein Zwerchfell entspannte.
    Blaß sah sie aus, und kindlich mit den locker nach hinten gesteckten Haaren und einem unförmigen Kleid, das ihn an die Mädchen auf den Gruppenphotos der achten Klasse erinnerte. Sie hatte schon lange keinen Lippenstift mehr getragen, und er dachte: mein Gott, wann hat sie das letzte Mal gekotzt? Das muß doch schon acht Stunden her sein. Aber er sagte nichts. Dann stellte er die Aktentasche ab und bückte sich, um seinen Mantel an der Garderobe aufzuhängen. Den noch über den Boden schleifenden Stoff wischte er mit der Seite seiner Schuhe an die Wand.
    "Du siehst müde aus, mein armer Bär." Sagte sie und schmiegte sich in seine Arme, während er, auf einem Bein balancierend, die Schuhe auszog.
    "Die Glaser kommen nicht vor übernächster Woche, und von den Elektrikern spricht kaum einer deutsch. Sie haben die UV-Lampen direkt über dem Wasserbecken angebracht, kannst Du Dir das vorstellen?" Er ließ sich erschöpft gegen den Türrahmen fallen, und wich dabei einem Mobile aus. Es hing erst seit gestern da.
    "Nun, ich verstehe nicht ganz, warum Du Dich darum kümmern mußt. Immerhin bist Du nur für die Verwaltung zuständig." Sagte sie, während sich in seinem Arm einhakte und ins Wohnzimmer ging.
    Er lachte bitter auf, sie hatte ja keine Ahnung. "Und wo, denkst du, laufen die Rechnungen auf, wenn das Projekt sich ver..."
    Sie sah zu ihm auf und strahlte. "Ist er nicht schön?"


    Er aß viel Reis. Sehr viel Reis, er half ein wenig gegen sein Sodbrennen. Die Mangoldröllchen nahmen sich dagegen winzig aus auf seinem Teller. Aber er sah sie nicht. Gebannt von dem dritten Gedeck auf seinem Tisch.
    "Es ist noch ein wenig früh, ich weiß." Sagte sie mit einem koketten Lächeln. "Die Teller habe ich nur dazugestellt, um die Wirkung einmal zu sehen. Natürlich passen die Farben noch nicht, aber ein neuer Bezug ist kein Problem. Sie haben ihn in siebenundzwanzig verschiedenen Mustern, und die Sitzfläche läßt sich ganz einfach herausheben, mit einer Hand sogar."
    Es ist nur ein Hochstuhl, sagte er sich. Ich werde mich nicht von einem Möbelstück aus der Fassung bringen lassen. Also saß er da und starrte die Bären an, die sich gnadenlos grinsend und rosa vor seinen Augen ausbreiteten. Die Bären starrten zurück. Das einzige, was sich in seinem Gesicht bewegte, waren seine Kiefer.
    Immerhin ist sie beschäftigt.
    "Sie haben sogar einen in himbeerrot, das würde zu den Vorhängen passen. Aber die Verkäuferin meinte, ein einfarbiger Stoff wäre sehr empfindlich. Und ich müßte natürlich neues Geschirr kaufen."
    Hunde und Kaninchen haben das auch. Vielleicht geben sie ihnen was, dachte er, ich glaube, ich habe da mal so eine Rechnung gesehen. Homöopathisches Zeugs. Sie finden ja immer was, um Geld auszugeben.
    "Oder sollte ich warten, bis ich weiß, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird?"
    Aber es kann ja nicht schaden, mal nachzufragen.
    Er wurde sich der Stille bewußt und sah in ihr erwartungsvolles Gesicht.
    "Köstlich" murmelte er, während er einen Bindfaden aus seinem Mund zog. Hatte sie von den Mangoldröllchen gesprochen?
    Sie lächelte.

  2. #2
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Das Angewidertsein des Mannes vor der ersten Vaterschaft... gibt sich später durch die Gewohnheit.
    Doch was ist mit Hund, Kaninchen und dem homöopathischen Zeugs? Bei diesen Gedanken steige ich, trotz allen Bemühens, nicht dahinter. Auch kann Mann nur einen Schuh ausziehen, wenn Mann auf einem Bein balanciert.

  3. #3
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    Post AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Das Angewidertsein des Mannes ... gibt sich später durch die Gewohnheit..
    Oh hannemann.
    Naja, sie gibt vor, scheinschwanger zu sein, um ihn zu erpressen - das kommt dann wohl im zweiten Kapitel. Ich wollte ihn erst mal in die Ecke treiben. Er arbeitet im Zoo, daher die Kaninchen...
    Wird wohl alles nicht klar. Aber was mache ich mit den Ausschnitten?
    Ich hätte für den Anfang mal gern gewußt, ob Du es mit wohlwollendem Interesse gelesen oder entnervt zur Seite gepackt hast.


    "Hölderin", sagte er. "Mein Gott, ist das einfach. Die nehmen heutzutage aber auch wirklich jeden." Er beugte sich vor und nahm eine weitere Handvoll Chips. Nur eine noch. Als er sich zurücksetzte, rutschte ihre Hand von seinem Oberschenkel. Beide gaben vor, es nicht bemerkt zu haben. Sie sahen sehr ernst aus dabei.
    "Vielleicht solltest Du Dich wirklich mal bewerben" schlug sie vor, "Immerhin bist Du jetzt zwei Mal bis zur 150 000.- Mark-Frage gekommen. Bärbel würde in Ohnmacht fallen. Und Deine Kollegen -"
    "Ich werde nie Direktor." Sagte er, und bemühte sich vergeblich, sich die Bitterkeit nicht anmerken zu lassen. "Sie sagen, ich hätte keine Ahnung von Tieren."
    Sie legte eine Hand auf seinen Ellbogen. "Was glaubst Du denn, was sie erwartet haben, als sie einen BWLer eingestellt haben?"
    "Sie wollen einen Zoologen. Seit sechzig Jahren war jeder Direktor Zoologe, machen wir uns nichts vor."
    "Hölderin", sagte der Mann auf dem Bildschirm, und Jauch lächelte.
    Der Mann schnaubte. "Zoologie! Wie hätte ich das denn damals ahnen können. Das war ja fast so schlimm wie Paläontologie oder portugiesische Romanistik. Was für ein Schwachsinn."
    "Nun, Du könntest Dich noch mal bei Sie....."
    "Und jetzt wollen sie einen Zoologen. Was soll ich machen, zurück zur Uni gehen oder was?" Er kaute zornig.
    "Luxemburg, was meinst Du?"
    "Belgien". Er konnte den Mann auf dem Bildschirm nicht ausstehen.
    Sie legte ihren Kopf an seine Schulter.
    "Heutzutage reicht das einfach nicht mehr." sagte er. "Ich meine, wußtest du, daß die Stadt dieses Jahr ein Defizit von 56,8 Millionen einfahren wird? Was glaubst du, wie lange es dauert, bis wir die fehlenden Subventionen durch höhere Eintrittspreise kompensieren müssen. Aber Herbach hat nicht besseres zu tun, als von uns "familiengerechte Preise" zu fordern. Außerdem plant er eine neue Aufzuchtstation für die Tropenfische. Ein kompletter Idiot, der Mann."
    Jauch schlug gerade vor, einen Joker zu nehmen. Noch eine Handvoll Chips, und er war reif für ein Alka Seltzer. Unruhig verlagerte er das Gewicht seiner Hüften.
    "Mmmh" murmelte sie zustimmend und schloß die Augen.
    "Assistent des stellvertretenden Direktors" sagte er zu den Chips. Die Säure brannte jetzt schon in seiner Speiseröhre.
    In der Werbepause wand er sich aus ihrer Umarmung, um aufs Klo zu gehen.


    Jetzt darfst Du schlachten.

    it

  4. #4
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    Post AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Ein Koch schlachtet selten... na gut, manchmal Kaninchen, deren Herkunft er kennt. Ein Koch, so er denn als Koch berufen ist, komponiert verschiedenste Ingredenzien zu einem Gesamtkunstwerk... für den Arsch, denn spätestens nach ein paar Stunden ist auch die schönste, seine Kunst verdaut.
    Wir hier, auch Du hier, versuchen Bleibendes zu schaffen nach der alten Frage: Bleibt was übrig? Bleibt was von Jauch über den Tag? Probier es doch mit Musik, Musik bleibt. Leonard Cohen, paßt wunderschön zum Trübsal blasen... und vielleicht bleibt die Hand auf dem Schenkel in Bewegung?
    Aber Zoo ist geil. Zoo regt mich an. Auch entsteht schon jetzt der Eindruck, daß die blasse Tussi ihren magenkranken Zoofritzen nicht halten kann. Spannung! Und vielleicht zerstückelt er sie auch, wirft ihren blutigen Körper den Krokodilen zum Fraß, die spindeldürren äußeren Extremitäten mit den purpurroten Nägeln den Piranhas vor, frißt gar selbst das wachsweiche Hirn. Jau, das wär genau der Stoff, aus dem meine Träume sind! Schlachten... und Hanniball Lektor (hihihi) kommt auch bald wieder!!
    Wie kommt übrigens der Hund in den Zoo? Nicht der Lektor... ansonsten nicht nur wohlwollendes Interesse, ich bin schon ganz gierig! Wie soll ich heute nacht bloß schlafen?

  5. #5
    rodbertus
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Hölderlin?


    Jetzt lockst Du mich aber, meine Liebe!




    Sonst: ungewohnt witzig.

  6. #6
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    Post AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Da werde ich mal meinen Bauch pinseln und das allgemeine Schweigen als uneingeschränkte Zustimmung interpretieren - wenige Mitglieder haben doch auch ihre Vorteile, nicht wahr?
    Und nein, hannemann, ich denke nicht, daß ich ihn so leicht davonkommen lassen werden.

    Robert, für Dich werde ich auch noch Cervantes einfließen lassen. Oder lieber Celan?

    Und für hannemanns Nachtruhe:

    Er stand mit dem Rücken zum Schreibtisch und sah hinaus auf die Regenfäden vor seinem Fenster. Heute Abend würde er auf die Handschuhe verzichten müssen, es war deutlich wärmer geworden. Aber er mochte diese Jahreszeit. Obwohl die Welt noch kalt war, konnte er unter der Oberfläche ein Pulsieren spüren. Selbst der Regen, der die Stämme der Bäume vor seinem Fenster schwarz färbte und sich in den Astlöchern sammelte, trug ein Versprechen mit sich. Er hatte diese Astlöcher noch nie beachtet, und zum ersten Mal fiel ihm auf, wie schön sie waren. Die Tiefe zwischen ihren wulstigen Formen. Der feuchte Glanz des Wassers, der ihnen eine samtige Struktur gab. Sie sahen nicht kalt aus, und einen Augenblick spielte er mit dem Gedanken, seine Hände auf diese Rundung zu legen.
    Irgendwo klingelte ein Telefon.
    Als er sich umdrehte lag eine Karte auf seinem Schreibtisch. Herzlichen Glückwunsch stand darauf, und verwirrt nahm er den Umschlag und drehte ihn noch einmal um. Hansjörg Betke. Keine Verwechslung möglich, aber ich habe doch keinen Geburtstag, dachte er, erst im August. Er betrachtete die Karte wie ein seltsames Insekt. Eine einfach gefaltete Diddl-Glückwunschkarte in pastelligen Neonfarben, ein widerwärtiger Ausbund an teurer Geschmacklosigkeit. Eine moderne Höllenversion von Hieronymus Bosch mit bunten Glitzerfäden, die ihn förmlich anschrie: HERZLICHENGLÜCKWUNSCHHERZLICHENGLÜCK.
    Als er sie aufklappte, blickte er in das sabbernde Gesicht eines Babys.
    Er stieß sich das Kniegelenk an der Schreibtischkante, als er aufsprang, um nach den Rechnungen zu suchen: medizinische Betreuung / Tiere / Mammalia.
    "Frau Deckert?" rief er durch die geöffnete Tür.
    "Herzlichen Glückwunsch." Sagte seine Sekretärin. Auf ihrem Gesicht lag der selbe milchig - schwachsinnige Ausdruck, den er bei seiner Frau in letzter Zeit häufig gesehen hatte. Er blickte aus dem Fenster.
    "Woher wußten sie?" Das Wort sprach er nicht aus.
    "Ihre Frau hat es mir erzählt. Vorgestern, sie rief an wegen ihrer Geschäftsreise an, nach Amsterdam. Und einen Tag habe ich natürlich noch gebraucht, um die Karte zu besorgen... es ist doch alles in Ordnung?"
    "Also, ich. Ja. Also - nun, es wäre mir recht, wenn sie vorerst - es gibt da..." Er rang nach Worten, seine Hände rangen fast mehr als sein Mund.
    "Oh, das tut mir leid. Sie wollten es vorerst für sich behalten?" Er nickte matt. "Sie können sich auf mich verlassen. Gerade in den ersten drei Monaten ist ja alles noch recht unsicher. Meine Schwägerin hatte zwei Fehlgebur - "
    "Ich suche die Unterlagen für die nicht-schulmedizinische Betreuung der Säugetiere, Frau Deckert.", sagte er laut. "Dieses ganze homöopathische Zeugs."
    "Das finden sie wahrscheinlich unter den Sonderausgaben / Gesundheitswesen. Was genau suchen sie denn?"
    "Nichts." Zu barsch, also milderte er seinen Ausdruck mit einem Lächeln. "Nichts besonderes, danke, Frau Deckert. Kostenkontrolle. Streichfähige Posten. Danke."
    "Vielleicht sollten sie erst mal mit den einzelnen Pflegern reden." Sagte sie unsicher.
    "Danke, Frau Deckert." Es fiel ihm nicht auf, daß sie rückwärts ging, als sie das Zimmer verließ.

    Es kostete ihn achtundvierzig Minuten, um sicher zu sein, daß seine Arbeit umsonst gewesen war. Kaninchen wurden nicht behandelt, auftauchende Probleme wurden offensichtlich hinter den Glaswänden des Terrariums nach den offiziellen Öffnungszeiten gelöst. Das Leben konnte einfach sein.
    Kaninchen kauften auch keine Hochstühle, dachte er. Dann fielen ihm die Affen ein. Da stimmte sogar das Gewicht.

    Wenig später fand er eine Rechnung, die ihn seine ursprünglichen Absichten vergessen ließ.
    "Frau Deckert?" Er stand jetzt in ihrer Tür, den Ordner mit den hervorquellenden Rechnungen in der Hand. Sie fielen auf seinen Teppich wie größenwahnsinniges Konfetti.
    "Wir bezahlen einen Therapeuten für einen Affen?" sagte er laut. Als ob sie selbst diesen unglaublichen Vorgang angeordnet hätte.
    "Einen Sexualtherapeuten? Sehe ich das richtig? Für einen Affen?"
    "Das muß King Louie sein, nicht wahr?"
    Er schloß die Augen.
    "Wissen Sie, daß die Stadt dieses Jahr ein Defizit von 56,8 Millionen einfahren wird?"
    Sie sah in verwirrt an. "Da stand was in der Morgenpost", sagte sie unsicher, "aber ich verstehe nicht.."
    "Das Gefühl habe ich auch." Sagte er bitter und kramte in seiner Tasche, bis er die vertraute Form seiner Tabletten fand.
    "Er litt unter Impotenz, verstehen sie. Und in Anbetracht unserer Teilnahme am europäischen Zuchtprogramm dachten wir eben, den Versuch kann es wert sein. Der Vorschlag kam übrigens von Direktor Herbach persönlich."
    "Meines Wissens sind Schimpansen nicht gerade am aussterben." Sagte er bitter. Man brauchte kein Zoologe zu sein, um diese Tatsache zu sehen. Wer nimmt am europäischen Zuchtprogramm teil? a) Der Eisvogel. b) Schimpansen c) der europäische Luchs. d)... Lassen Sie sich Zeit, sie haben noch einen Joker.
    "Ja, aber es geht doch ums Renome", insistierte die Sekretärin. "Die Aufzucht von Jungtieren wird halt noch immer als Qualitätsbeweis gesehen, und seit Stuttgart Ende der siebziger Jahre diese Erfolge hatte mit seinen Menschenaffen..."
    "Wir haben ein weißes Krokodil! Wir haben eine Mungozucht. Wir haben mehr Bären, als wir brauchen können!"
    "Sie brauchen mich nicht anzuschreien, Herr Betke", sagte sie indigniert. "Bären hat jeder. Die kriegen sogar Verhütungsmittel, weil der Naturschutzbund wegen der Schlachtung zur Presse gegangen ist. Wir wollen Affen."
    "Die Bären kriegen die Pille, und der Affe einen Sexualtherapeut. Aber wir kriegen keine Subventionen mehr." Er sagte es zu niemandem im Besonderen. Manchmal fühlte er sich sehr müde.
    "Das ist kein Witz, Herr Betke. Haben Sie mal gesehen, wie ein Ziegenbock die Kinder im Streichelzoo anspringt, wenn die Ziegen rossig sind oder wie das bei denen heißt? Die Haftpflichtversicherung kommt dafür nicht auf, wenn sie uns eine unterlassene Aufsichtspflicht nachweisen können."
    "Können Sie mir sagen, was dieser Mensch für einhundertdrei Mark und siebenundachzig einschließlich Mehrwertsteuer eine dreiviertel Stunde lang macht?" Seine Stimme klang brüchig, das "und" der siebenundachzig entwickelte ein leises aber deutliches Fiepen. Er deckte es mit einem Husten zu. Genaugenommen fühlte er sich auch ein wenig fiebrig.
    "Ich bin hier nur die Sekretärin." Sagte Frau Deckert abweisend. Vielleicht hatte sie den Kopf ein wenig eingezogen dabei.
    "Und? Ich hoffe, es geht ihm besser?" fragte er sarkastisch.
    "Nein, aber die Weibchen bekommen Beruhigungsmittel. Hermadon, glaube ich, zwei von ihnen waren schon scheinschwanger. Sie wurden depressiv." In ihrer Stimme lag entschieden mehr Mitgefühl, als seiner Meinung nach nötig gewesen wäre.
    "Mit d oder T?"

  7. #7
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Kleinigkeiten, eckige Kleinigkeiten - Nachformbedarf -, die das reine Vergnügen vom Schwimmen im strömenden Lesefluß stören. Doch die Geschichte bleibt heiß, wird immer besser, und ich bin immer noch gierig!
    Magenkranker Hansjörg - warum nicht Hans-Dieter? -, aber niemals ein Spießer, denn er denkt depressiv; die Liebe zum Astloch! Gibt es ein Spiegelbild? Gut, er trägt Handschuhe, Mantel mit vorzeigbarem Innenfutter, eine Aktentasche statt Mappe, bekleidet so Statussymbole; ist aber nicht souverän. Kämpft gegen Rosemaries Baby und die Windmühlen einer übermächtigen, durchgeordneten Verwaltung; sinnlos, doch super mit fühlendem Lächeln mitzuleiden.
    Der Therapeut für den Affen, das Schlachten der Bären - was machen die eigentlich mit dem Fleisch, wenn es nicht trichinös ist? Ich wüßte da was - die Mungozucht, das weiße Krokodil. Juchuuuh, it DU LEBST!
    Und hoffentlich gewinnt Hansjörg... wenn schon nicht Hans-Dieter. Ein seltener Virus durch das homöopathische Zeugs im Schimpansenstall, rasend sich breitende Ohnmachtsanfälle, Pfleger und Sekretärin sterben wie die Tsetsefliegen, ein das Trübsal überwindender Hj. rettet die Schimpansenobermutter per Mund zu Mund Beatmung... die reinste Affenliebe... und überträgt darauf die schwarze Pest per Cunnilingus auf das Schwangerschaft täuschende Weib. EXITUS, VOLL GEIL!
    Entschuldigung, weil halt Fasching ist!

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Danke, Hannemann, für die Zustimmung. Ich war mir in den letzten Monaten nicht sicher, ob ich überhaupt noch mal über zwei Seiten Text am Stück rauskommen würde.
    Auf jeden Fall mache ich jetzt erst mal weiter.


    Er stand in der Küche und deckte den Frühstückstisch, fest entschlossen heute morgen. Er würde sich vom Gedanken an seine Frau, die sich gerade im Badezimmer den Finger in den Mund steckte, den Appetit nicht nehmen zu lassen. Er würde nicht nur ein Ei essen, sondern zwei. Vielleicht drei. Ich lasse mich nicht erpressen, dachte er, netter Versuch, aber vergiß es. Er schaltete das Radio ein, Britney Spears, aber immer noch ein wenig besser als das Würgen im Stockwerk über ihm. Er hatte das Gefühl, daß sie in den Pausen etwas lauter würgte. Auf seiner Oberlippe hatte sich ein dünner Schweißfilm gebildet.
    BaLalalam, sang er, BaLalalam. Du kannst mich mal. Du solltest Deine Binden besser entsorgen. Seine Füße steppten leicht über die Küchenkacheln. Im Schülertheater hatten sie ihn Jörg Astaire genannt. Damdideldei, sang er, und warf einen imaginären weißen Schal über seine Schultern. Damdideldi, Du ka - ha - hannst mich mal.
    Den Eierkocher sah anders aus als sonst. Selbst davon abgesehen, da? die Eier nicht mehr in die Öffnung passten, hatte das Gerät etwas bedrohliches bekommen. Etwas, das ihn an Bären und springende Einhörner denken ließ. Neuerdings träumte er von springenden Einhörnern. Seine Füße wurden still.
    Er stand vor seinem Eierkocher und zählte auf zehn. Nichts geschah. Sein Oberlid zuckte.
    Er wartete eine kurze Pause ab. Wenn er Glück hatte, war ihr Magen inzwischen so leer wie seiner.
    "Liebling." Rief er, und dachte: du Miststück. "Liebling, mit dem Eierkocher stimmt was nicht."
    "Ich komme gleich!" würgte sie. Er schloß die Augen.
    Dann hörte er ihre leichten Schritte auf der Treppe. "Ich habe ihn zum Sterilisator umgerüstet" sagte sie, und er starrte sie ungläubig an.
    "Für Milchfläschchen. Es ist ein Multifunktionsgerät." Sagte sie. "Es gibt auch einen Kirschkern-Entsteiner und einen Wurststopfer-Aufsatz. Spart `ne Menge Platz."
    Noch immer stand er schweigend da und ließ die Arme hängen.
    "Es ist natürlich immer noch ein Eierkocher." Fügte sie mit gütigem Lächeln hinzu. "Schau einfach mal in der Gebrauchsanleitung nach, es geht ganz leicht."
    Er drehte sich um und verließ die Küche.
    "Sie steht jetzt unter "S" wie Sterilisator, und nicht mehr unter "E"!" rief sie ihm nach.
    An diesem Morgen ging er ohne Mantel aus dem Haus.

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Ja schick ihm endlich das verdammte Buch! Gut gelobt ist auch versprochen.

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    kein Buch? schick den Menschen auf Reisen, nach Island, lass ihn unter Räuber fallen, aus dem Zug fallen, Seitensprung incl. mit der Räuberbraut,..Stoff liegt doch auf der Straße. Aber schreib weiter. Ich käufte das Buch.


    L.

  11. #11
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    wirklich it, wenn ich es jemandem zutrauen würde ein erfolgreiches buch zu schreiben, dann dir. ich käuft es auch, wie lester. wären wir ja schon 2

  12. #12
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Er stand in der Küche und deckte den Frühstückstisch, fest entschlossen heute morgen. Er würde sich vom Gedanken an seine Frau, die sich gerade im Badezimmer den Finger in den Mund steckte, den Appetit nicht nehmen zu lassen. Ein ZU fehlt, die Anapher wirkt bemüht. Solltest sie streichen, auch die Anzeige des Textes dadurch umkrempeln; andere Behelfung. Er würde
    nicht nur ein Ei essen, sondern zwei. Vielleicht drei. Ich lasse mich nicht erpressen, dachte er, netter Versuch, aber vergiß es. Er schaltete das Radio ein, Britney Spears, aber immer noch ein wenig besser als das Würgenungenau; wenn schon, dann hier präzise Beschreibung im Stockwerk über ihm. Er hatte das Gefühl, daß sie in den Pausen etwas lauter würgte.bitte? Wie geht das? Auf seiner Oberlippe hatte sich ein dünner Schweißfilm gebildet. BaLalalam, sang er, BaLalalam. Du kannst mich mal. Du solltest Deine Binden besser entsorgen. Seine Füße steppten leichtkein gelungenes Bild; versuch es mit einer positiven Beschreibung über die Küchenkacheln. Im Schülertheater hatten sie ihn Jörg Astaire genannt. Damdideldei, sang er, und warf einen imaginären weißen Schal über seine Schultern. Damdideldi, Du ka - ha - hannst mich mal. Den Eierkocher sah andersWie oberflächlich ist dieser Mensch? Weiß jetzt auch nicht, ob ich hier den Autoren sehe oder den "Helden". aus als sonst. Selbst davon abgesehen, daß die Eier nicht mehr in die Öffnung passten, hatte das Gerät etwas Bedrohliches bekommenimmer schlecht, so ein nachgestelltes Hilfshilfverbum. Etwas, das ihn an Bären und springende Einhörner denken ließ.Diese Ellipse laß ich mir gefallen, sie steht aber falsch Neuerdings träumte er von springenden Einhörnern.Sprung, unmotiviert ...

    Sind nur Ungenauigkeiten. Die Geschichte ist gut, die Charaktere erscheinen vor meinem geistigen Auge, wenn auch ER etwas blaß bleibt. Mehr Schneid. Stell Dir vor, der Typ hätte Schneid. Wie steif würde sein Bisquit sein?

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Danke, Robert, ich werde das irgendwo im Hinterkopf behalten. Ich denke, daß ich an dem Stil sowieso noch etwas ändern muß, flüssiger werden, und diese extreme Dichte und Sperrigkeit aus den Sätzen nehmen. Passt einfach zu Komödien weniger gut als zu Kurzgeschichten.
    Ich habe mir sozusagen neue Schuhe angezogen und muß sie erst einlaufen, bevor ich mich mit der Choreographie beschäftige.
    Stell Dir vor, er hätte Schneid? Hat er nicht. Der Mann ist ein weinerlicher Wurm, mindestens genauso unangenehm wie sie.
    Vor allzu weitgehender Identifikation mit ihm würde ich entschieden warnen ...

    it


    "Mensch, Hansjörg, alter Schwede! Willkommen im Klub!"
    Vorsichtig zog er den Hörer ein wenig von seinem Ohr und sah auf die Uhr. 9 Uhr 32. Was hatte dieser Anruf zu bedeuten?
    "Paul?" fragte er vorsichtig.
    "Sowas nennt sich dann alter Freund", dröhnte der Hörer weiter. "Keine Silbe, keine Andeutung, das alte Pokerface." Paul kicherte. "Bärbel hat es mir natürlich erzählt. Du hast doch nicht geglaubt, daß sie eine derartige Neuigkeit für sich behalten würde?"
    Sein Mund wurde trocken. Vor seinen Augen tanzten Mobiles von springenden Einhörnern.
    "Ihr kriegt ein Baby!" schrie der Hörer und löste ein altbekanntes Fiepen hinter seinem Trommelfell aus. Sein Rücken sackte gegen die Wand.
    "Kriegen wir nicht."
    "Mensch! Bärbel hat mir doch alles erzählt!"
    "Linda ist nicht schwanger." Möglich, daß er ein wenig geschrien hatte, das Lachen am anderen Ende verstummte abrupt.
    Er holte tief Luft und sagte es ein zweites Mal, etwas leiser: "Linda ist nicht. Ich wiederhole. NICHT schwanger. Sie ist es nicht. Es ist völlig unmöglich."
    Paul wurde still. Im Hintergrund konnte er Bärbels Stimme hören:
    "Was hat er gesagt? Was hat er gesagt, Paul?"
    "Nicht jetzt, Bärbel, bitte."
    "Ich frage doch nur, was er gesagt hat", sagte sie mit einem beleidigten Unterton.
    "Schatz, bitte. Bitte!"
    "Mein Gott. Man wird ja wohl noch fragen dürfen."
    "Bärbel! Ich versuche hier, zu telefonieren, okay? Siehst du das Ding in meiner Hand? Das ist ein Telefonhörer. Und wenn Du genau hinsiehst, ist da EIN Lautsprecher und EIN Mikrophon, genau hier, wo die kleinen Löcher sind, und die werden sich etwas gedacht haben dabei. Ja? Ja?"
    "Du unterbrichst mich ständig, wenn ich rede. Aber wenn ich ein Mal, ein einziges Mal..."
    "Ja, aber das hier ist wichtig!"
    Es kann sein, daß sie noch "Du bist so ein Arschloch" gesagt hatte, aber er konnte nicht sicher sein, das Knallen der Tür war laut.
    "Hansjörg? Jörg, bist Du noch dran?"
    "Mmm", sagte er.
    Es war still, bis auf das Fiepen in seinem Ohr. Er schloß die Augen und genoß die Ruhe.
    "Entschuldige", sagte Paul. "Du kennst ja Bärbel."
    "Mmm", sagte er.
    "Du meinst, es ist nicht von Dir?" fragte Paul schließlich leise. Es klang, als ob es ihn einiges an Überwindung gekostet hatte.
    "Es gibt kein es, Paul." Sagte er müde. "Sie ist nicht schwanger. Sie tut nur so."
    "Oh Gott", sagte Paul, und die Anteilnahme tat ihm gut. "Da hat sie ein ganz schönes Problem."
    "Sie hat ein Problem? LINDA hat ein Problem?" Er lachte schrill. "Wir haben sieben Mobilees, Paul. Eines davon spielt "Die Blümelein, sie schlafen schon längst im Mondenschein", wahlweise Klavier oder Orchester. Unsere Garderobe besteht neuerdings aus Chamäleons, die ihre Zunge herausstrecken. Linda ist glücklich wie ein Honigkuchenpferd und grinst genauso debil." Er holte tief Luft. "Entschuldige. Das sollte ich nicht sagen." Und nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: "Gestern hat sie den Tisch für drei gedeckt."
    "Oh, mein Gott, Jörg."
    "Heute morgen war der Eierkocher zum Sterilisator umgerüstet. Und glaub mir..." sein Lachen klang selbst in seinen Ohren ein wenig schrill, "wenn irgendwas bei uns einen Sterilisator braucht, dann ganz bestimmt nicht der Eierkocher".
    Paul schwieg. Im Hintergrund kreischte eines seine Kinder.
    "Ich weiß nicht, was sie hat, Paul" sagte er erschöpft" ich verstehe es einfach nicht. Ich meine, wir waren glücklich. Sie hat einen tollen Job bei der DAK. Ein Haus. Einen Garten, erwartet sie denn noch." Er schwieg und rang um Fassung. "Sie will jetzt einen Kombi.", sagte er leise, und konnte hören, wie Paul am anderen Ende der Leitung scharf die Luft einzog.
    "Und der BMW?"
    "Den soll ich verkaufen."
    "Das ist doch krank", sagte Paul mit Gefühl. "Richtig krank. Ich meine, mit sowas, da geht man doch zum Arzt, nicht wahr?"
    "Sie sagt, ich soll mich nicht so anstellen. Es ist ja nur ein Auto, sagt sie."
    "Ja, aber das klingt verdammt nach so einem hormonellen - hormonellen, nicht Wechseljahre, Du weißt schon - " Paul suchte nach Worten, von denen er irgendwo gelesen hatte, und sein Tonfall drückte klar aus, wie unappetitlich es ihm schon damals gewesen war.
    "Sie ist nicht scheinschwanger, Paul. Sie gibt vor, scheinschwanger zu sein, um mich unter Druck zu setzen." Nur daran zu denken tat weh. "Sie hat sogar schon im Büro angerufen."
    "Nein." Und, nach einer kurzen Pause: "Und was machst Du jetzt?"
    "Ich erzähle einfach, sie hätte eine Fehlgeburt gehabt."
    "Das kannst Du nicht machen." Paul klang entsetzt.
    "Warum nicht? Sie erfindet eine Schwangerschaft, ich erfinde eine Fehlgeburt. Ich würde sagen, wir sind quitt."
    "Sie wird sich schon wieder beruhigen", meinte Paul unsicher. Und Betke dachte: Das wird sie. Sie wird es noch nicht einmal bemerken.

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    wo ist "it" eigentlich geblieben, schreibt sie an der Fortsetzung, Studien vor Ort in Island oder Kuantan?, liest sie Rudolf Steiner oder spielt in Mainzer Dom auf der Schwalbennest-Orgel die Windhaager Messe?, oder im Prinregenttheater beim hundertjährigen auf dem Schoß von Herrn Kaiser?


    *sichsorgend*
    Lester.

  15. #15
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Ich war lediglich zwei Wochen weg, zur Erholung, und abgesehen von schweren Prellungen, Mittelohrentzündungen und zwei lebensgefährlichen Fast-Unfällen hat es auch ganz gut gewirkt. Ich habe es gar nicht NÖTIG, bis in die Anden zu fahren, wenn ich Abenteuer suche. (die nächsten Ferien werde ich auf einer Krokodilfarm verbringen, das ist sicherer)


    auf ein Neues!


    Kostenkontrolle oder der Anruf der Stadtverwaltung


    "Freier Markt? Soll ich ihnen mal was von den Gesetzen der freien Marktwirtschaft erzählen, ja?" Er klemmte den Hörer zwischen Kinn und Schulter und zog mit der freien Hand die Schublade in seinem Schreibtisch auf und griff nach seiner Medizin. Das Röhrchen fühlte sich verräterisch leicht an, nur noch zwei Tabletten rollten auf seine Handfläche. Er nahm beide, die Schnur des Hörers reichte nicht bis zum Waschbecken, das Wasserglas auf seinem Tisch war leer. Er kaute sie trocken, der bittere Geschmack im Mund lenkte ihn kurz von seinen Magenschmerzen ab. Geräusche drangen aus der Leitung an sein Ohr. Er beachtete sie nicht.
    "Nein, hören Sie mir zu. Die Leute lieben Bärenbabys. Kleine, putzige hellblaue Bärenbabys mit großen runden Augen. Hellblau? Wie ich auf hellblau komme? Ich habe nicht hellblau gesagt. Lassen sie mich aussprechen. Sie kommen, um die Babys zu sehen. Dafür zahlen sie Eintrittsgeld, ja?" Er holte tief Luft.
    "Kein Mensch will alte Bären sehen, es gibt nichts langweiligeres als alte Kragenbären. Braunbären. Schwarzbären, was weiß ich. Wissen sie, was so ein Bär den ganzen Tag frißt? Worauf ich hinaus will?" Er drehte den Kopf und rief über seine Schulter: "Frau Deckert? Ein Glas Wasser, bitte." Er würde in der Mittagspause zur Apotheke gehen müssen, Alka Seltzer, und auch ein Aspirin gegen das Pochen in seinem Schienbein. Bären, er hatte von Bären gesprochen.
    "Wenn wir Besucher wollen, brauchen wir junge Bären und keine alten, und keine beschissene Einmischung von irgendwelchen Tierschützern. Immerhin befolgen wir streng die Richtlinien des Wirbeltier-Schutzgesetzes, unsere Bären wurden nicht verbrannt."
    Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang zunehmend irritiert.
    "Was denken Sie denn, wo wir mit den ganzen Bären hinsollen. Bärenfleisch ist eine Delikatesse, haben sie das nicht gewußt? Nein, selbstverständlich haben wir das nicht auf die Speisekarte geschrieben, die Leute wären Amok gelaufen. Aber Babys wollen sie. Immer nur Babys. Nur essen wollen sie sie dann nicht..." Wo blieb das Wasser? "Wir haben es als Überraschungsmenü verkauft, hinterher noch mit einem Eis mit Smarties und einer Wunderkerze, es lief ganz wunderbar, ein Reingewinn von - aber selbstverständlich wurde das Fleisch untersucht. Wofür halten sie uns? Wir hatten einen Reingewinn von über acht Mark pro Teller, abzüglich der Tierarztkosten, DAS ist freie Marktwirtschaft, aber nein, Sie müssen sich ja mit dem Tierschutzverein verbünden, wir haben ja sonst keine Ausgaben, jetzt kommen sie nicht und erzählen mir.. wieso widerlich?"

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Etwas, was einmal eine Affenliebe...

    Die Bären wurden nicht verbrannt, nur den Forumatikern aufgebunden.

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