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Thema: a.d. Tagebuch einer Künstlerin

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Ort
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    Post a.d. Tagebuch einer Künstlerin

    Sonntag 24.3.1996
    15:45. Im Bus.


    Habe mit Lucas ein Armband mit goldenen Fässern, blau geedelsteint, gegen Milch getauscht und am gleichen Tag beim Tanzen verloren. Bevor es sauer werden konnte. Schade!
    Ich muß ihn fragen, ob es sich mit der Milch ähnlich verhalten hat.
    Stelle es mir so vor: Ort eins: Er vergoss die Milch. Gleichzeitig glitt am Ort 2 das Geschmeide vom Gelenk. Gerechtigkeit.




    27.3.1996
    17:30. Im Herrenhaus.


    Bloß kein schlechtes Gewissen, jetzt : Es war nicht für mich bestimmt. So wenig wie das
    andere. Es ist sein Job: Vernichten, was zurückgelassen wird, oder als Geschenk
    verpacken - das eine ist wie das andere. Berechnend. Nein, ich muß stolz sein, daß ich schneller war, als meine Milch schlecht werden konnte. Ich bin sein Monitor: SelbstSpiegelung. Genauso schaut er mich
    an. Dabei mache ich mich so klein wie möglich.
    Aber er hat mein Gesicht gesehen, am ersten Tag, als ich nicht bei mir war, oder zu sehr.
    Ich war lesbar - sein erstes Kapitel.
    Meine Schwäche ist seine Waffe. Dann kann er zuschlagen. Mit Liebe, Hass -?
    Hyäne. Ich kann warten: Viel mehr als Milch.

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: a.d. Tagebuch einer Künstlerin

    Etwas fehlt. Nicht schlecht - insbesondere diese Verdichtung über die Augenblicklichkeit dickflüssig, warmer und frischbleibenmüssender Milch -, aber etwas fehlt. Tagebuchaufzeichnungen haben den Charakter des Fragmentarischen, des herausgerißnen Augenblicks. Das stimmt hier. Trotzdem fehlt etwas. Wenn ich nur wüßte, was es ist..


    Ich denk noch nach.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: a.d. Tagebuch einer Künstlerin

    das ist wunderbar! was höchstens fehlt, ist mehr. in einem etwas breiteren rahmen könnte man ein paar lose bezüge herstellen, ein netzwerk bauen.
    aber ich find den ausschnitt klasse, merk ich mir schonmal vor

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: a.d. Tagebuch einer Künstlerin

    Schönschön! Auch wenn es authentisch sein sollte, das Wort "job" muß doch nicht sein, oder? Sowas verdirbt mir immer den Lesespaß. Davon abgesehen wirklich sehr gut.


    TRB

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: a.d. Tagebuch einer Künstlerin

    Habe gerade festgestellt, daß Frauen raus sind. Ist interessant. KünstlerIn? Was kennzeichnet diesen Text als den einer K.In? Überhaupt: Existiert so etwas wie weibliches Schreiben? Das ist doch Quatsch. Vielleicht gibt es weibliche Intuition, im hysteros erzeugt, aber doch durch die Windungen eines androgynen Hirns verwölkt, verdorben ist der Gedanke daran nicht.
    Andererseits: Wie will ich über Farbe sprechen, da ich doch blind bin?

    Mythus des Ewig-Weiblichen:


    Das Zittern, das durch die Substanz des weiblichen Eies läuft in dem Augenblick, in dem der männliche Same durch dessen Oberfläche dringt, und die einzigartige Gestik, mit der sich diese sofort danach gegen auch nur eventuell mögliche Eindringlinge verschließt, das ist ein seit Jahrmillionen tatbeständliches factum des Ewigweiblichen und gegen jedwedes Forschungsergebnis resistent.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: a.d. Tagebuch einer Künstlerin

    Mir fehlt hier auch etwas, Robert, nämlich drei Tage und nicht ganz zwei Stunden, in denen die schreibende Person nichts, aber auch gar nichts erlebt hat... Das lässt mich am Rande eines pseudo-authentischen Tagebuchfetzens dann doch ein wenig mehr stutzen. Soll ich denn jetzt diese gesamte Leerstelle füllen oder nicht? Ich denk noch mal nach und komm dann wieder.

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